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Tabuthema Aggression…

In der täglichen Praxis unserer Hundeschule erleben wir es häufig: ein Erstgespräch, ein Hausbesuch…Wenn neue Kunden das buchen, wissen wir genau das ein gewisser Leidensdruck dahinter steht. Denn nicht umsonst lädt man einen vollkommen Fremden in die eigenen vier Wände ein. Dafür gibt es sehr gute Gründe.

Und dann sind wir da, spüren das es irgendwie eine Art Feuerwehreinsatz ist… ohne zu wissen, wo es brennt. Wir versuchen eine Vertrauensbasis aufzubauen. Besprechen die Herkunft des Hundes, häusliche Strukturen, Tagesablauf… Mehr als eine Stunde sind wir im  Gespräch. Spüren, dass irgendwas ungesagt ist. Und dann rollen die Tränen. Es geht um Scham, um Schuld, um Schuldzuweisungen. Die Vorbesitzer die zugunsten einer schnellen Vermittlung nicht alle Informationen über das Tier weitergegeben haben, man hat sich keine Gedanken über die rassetypische Eigenschaften des Hundes gemacht oder man ist trotz aller Vorsicht einem Massenvermehrer in die Falle gegangen... Und es geht in der Regel um Aggression. Der Hund knurrt über dem Futternapf, verhält sich aggressiv gegenüber Besuchern, Artgenossen. Oder gar den eigenen Kindern gegenüber. Das ist Alarmstufe rot. Eine furchtbare Situation für den Hundehalter.

Unsere Aufgabe ist es nun die Situation genau zu analysieren und für gegenseitiges Verständnis zu sorgen. Uns stellt sich immer als erstes die Frage: Warum meint der Hund aggressives Verhalten zeigen zu müssen? Denn im biologischen Sinne ist Aggression immer nur eine Option, wenn alle defensiven Strategien versagt haben. Der Hund steht mit dem Rücken an der Wand. Weiß sich nicht mehr anders zu helfen.

Viele Problemfelder stoßen an diesem Punkt aufeinander: Wir müssen uns darüber klar werden, dass wir den Haushund in den letzten 60 Jahren vom Nutztier zum universellen Sozial- und Freizeitpartner oder gar zum Statussymbol gemacht haben. Das ist eine Entwicklung, die in den letzten 20.000 Jahren der Domestizierung des Hundes niemals so schnell vorangeschritten ist. Tatsächlich leidet der Hund heutzutage an enormem psychosozialem Stress. Z. B. aufgrund von naturferner Umwelt, der enorm hohen Hundedichte und der Vermenschlichung. Hunde haben heute mehr Stressoren auszuhalten als jemals zuvor. Und genau an diesem Punkt begegnet uns die  Aggression: im Übergang vom Verstand zum Instinkt. Instinkt bedeutet für uns die Fähigkeit zum Überleben. Aber auch die Besinnung auf ursprüngliche Werte.

Wir Menschen verstehen uns als Mittler, als Übersetzer zwischen der Welt - unserer hochtechnisierten Welt und unserer Herkunft in der Natur. Wir sind fest davon überzeugt, dass dieses Experiment - zum Vorteil von Mensch und Hund - gelingen kann. Also schauen wir ganz genau auf unsere Hunde, als eine Art Fieberthermometer unserer Zivilisation. Vielleicht können uns unsere Hunde an einem Punkt,  an dem sie neurotisch und übermäßig aggressiv werden, daran erinnern, dass es wichtigere Lebensziele als höher, schneller, weiter gibt. Hunde sind mit uns in dieses Rattenrennen gegangen – sind viel enger mit uns verbunden als jedes andere domestizierte Tier. Jetzt ist es an uns Menschen, einmal inne zu halten und zu spüren, dass etwas schief läuft. Und auch an emotionale Grenzen zu kommen. Und genau an diesem Punkt bietet sich die Chance für einen Neubeginn. Vielleicht sind unsere Hunde unsere letzte Chance auf ein ganzheitliches, gesundes Lebensumfeld? Okay, das ist sicherlich ein bisschen zu dramatisch…

Aber es lohnt sich auf jeden Fall, sich faszinieren zu lassen von dieser Hunde-Subkultur. Sie leben in einem Parallel-Universum. In einer Art Parallelkultur zu unserer menschlichen. Und sie haben phantastische Konzepte. Dies sind vor allem sehr höfliche Umgangsformen. Sie kommunizieren indirekt, über Gerüche und optische Signale, um direkte Konflikte zu vermeiden. Erst wenn wir Menschen diese ganzen Deeskalationsstrategien unwissentlich übergehen kommt es zu offensiver Aggression von Hunden. Es ist unsere Verantwortung – lassen wir uns begeistern von diesen wundervollen Tieren, die uns so viel geben!

Hier noch ein paar praktische Tipps für den Ernstfall: Wichtig! Wo immer es geht – präventiv handeln.

·         Knurrt der Hund über dem Futternapf oder will den Knochen nicht abgeben? Auf keinen Fall hineingreifen.

·         Der Hund hat sich in eine dunkle Ecke zurückgezogen und knurrt? Ein Tier ist in einer solchen Situation häufig nicht mehr ansprechbar. Man sollte es auf jeden Fall zur Ruhe kommen lassen. Sollte es doch zum Zuschnappen kommen, möglichst nicht wegreißen. Und sehr wichtig: Mit einer Bissverletzung am Menschen: sofort zum Arzt. Denn auch eine zunächst kleine Verletzung kann zu schweren Infektionen führen.

Ein häufiges Problem: Aggression gegenüber anderen Hunden an der Leine

Erste-Hilfe-Maßnahmen - Verhalten vermeiden!

·         Wo immer es geht: Ausweichen.

·         Den Hund an die der „Gefahr“ abgewandte Seite nehmen. (Der Mensch als Puffer)

·         Einen leichten Bogen laufen, so dass der Hund nicht frontal auf das Gegenüber zulaufen muss.

·         Wenn möglich die Straßenseite wechseln. Ist dies nicht möglich, entspannt umdrehen.

·         Panische Reaktion kann zu einer verstärkten aggressiven Reaktion des Hundes führen!

Sicherheitsmaßnahmen treffen:

Gewöhnung an einen Maulkorb

·         Bei aggressivem Verhalten gegenüber entgegen kommenden Artgenossen: Schutz der Hunde

·         Bei Frust durch die Einschränkung der Leine: Schutz des Halters

Den Hund ablenken - Vermeidung ist nicht immer möglich!

Für den Hund spannende Alternative als Ablenkung / z. B. Futter

·         Kleine Brocken, die nicht gekaut werden müssen.

·         Mehrere Stücke Futter in der Hand halten, nach und nach verfüttern.

·         Alternative: Futtertube

Diese Maßnahmen sind keine Problemlösung! Es sind lediglich „Erste-Hilfe-Maßnahmen“

Haben Sie den Mut, dieses Problem anzupacken. Wir unterstützen Sie dabei! Nehmen Sie gern Kontakt zu uns auf.


 

 

Die geheimnisvolle Kommunikation der Hunde…

Als wir begannen uns mit der Körpersprache und Kommunikation der  Hunde vertraut zu machen, fingen wir an, eine Fremdsprache zu lernen, nur dass sie großenteils nicht akustisch war. So wie es in der Inuit Sprache diverse Worte für „weiß“ gibt, oder bei den Völkern die in den tropischen Urwäldern dieser Welt leben, viele Worte für den Begriff „grün“ gibt, so gibt es bei den Hunden unendlich viele, sehr differenzierte Signale zur Vermeidung von Konflikten.

Und genau hier liegt der Grund unserer Faszination für diese Spezies, die seit vielen Jahrtausenden enger mit uns zusammenlebt, als irgendeine andere Art. Es ist ein Wunder: ein reiner Canivor mit riesigen Territorien entscheidet sich, mit uns ehemaligen Beutetieren, einen Familienverband zu gründen. Und sie fügen sich ein, passen sich den diversen Kulturen der Menschen an - als Beschützer, als Jagdhelfer und im Notfall auch als Nahrungsquelle.

Aus Respekt und Dankbarkeit sollten wir uns heute die Mühe machen, ihre Weltsicht zu kennen. Dies bedeutet: ganz genau hinsehen und hinhören! Aber ein Sinn wird uns verborgen bleiben und genau dieser Sinn ist beim Hund der Wichtigste. Es ist der Geruch. Über seine Nase kann der Hund eine Welt erschließen, die uns für immer uneinsichtig bleiben wird. Hunde wissen ganz genau, wann wer in welchem Zustand an einem bestimmten Ort war. Uns Menschen erschließt sich häufig nicht, warum die Welpe partout nicht auf die Straße will oder warum sich zwei Rüden, die sich noch nie gesehen haben, bei der ersten Begegnung direkt in einen Kommentkampf gehen. Häufig nehmen wir Menschen das intensive Schnüffeln und markieren als gegeben hin, ohne zu wissen, dass wir Konflikte begünstigen. Wenn ich z. B. einen stark territorial veranlagten Hund habe, ist es durchaus sinnvoll, dass er in der Nähe seiner Wohnung/Haus nicht markiert.

Der zweitwichtigste Sinn beim Hund ist das Auge. Wenn sich Hunde begegnen, versuchen sie sich über große Distanzen einzuschätzen. Es geht darum einzuschätzen, wie stark, fit und clever der Andere ist. Hier sind die Poseure gefragt. Wer sich quer stellt mit hoch erhobener Rute und Kopf und hohem Muskeltonus, versucht sein Gegenüber zu beeindrucken. Ist das Gegenüber aber souverän, sieht es für uns Menschen so aus, als würde der souveräne Hund den Anderen gar nicht wahrnehmen.  Man kommt sich näher - nun geht es um Blicke. Und hier steigen wir Menschen auch wieder ein. Wird man von einem Fremden angestarrt oder beobachtet, so empfinden wir das meist unangenehm und respektlos. Genauso empfinden das auch unsere Hunde. Ein Hund der einen anderen Hund beim markieren anschaut. Ein Hund, der sich hinlegt und sein Gegenüber fixiert (häufig zu sehen bei Hütehunden aufgrund von genetischer Disposition)… das kann schon Aggressionen hervorrufen.

So und nun sind wir Menschen wieder voll im  Spiel. Jetzt beginnen wir auf einmal mit der Kommunikation. Anstatt zu interpretieren, was dem vorausgegangen ist,  versuchen wir uns zu rechtfertigen. Dann hört man häufig Sätze wie: „Der tut nix.“, „Der will nur spielen!“ oder „Die müssen sich doch mal Hallo sagen.“ Nach all unseren Seminaren zum Thema Leinenaggression und Körpersprache und Kommunikation steht für uns eines fest: Begegnungen an der Leine sind meist absolut kontraproduktiv. Sehr viele Hunde sind in dieser Situation  überfordert oder übergriffig. Und das führt bei sensibleren Charakteren regelmäßig zu Leinenaggression. Darum heißt es: wenn mir ein angeleinter Hund entgegenkommt, leine ich meinen Hund an oder rufe ihn ran, wenn er zuverlässig ohne Leine bei Fuß geht. Denn ich habe im Hinterkopf: Es gibt unendlich viele Gründe, warum der mir entgegenkommende Hund keinen Kontakt haben soll: Die Hündin könnte läufig sein, der Hund könnte krank sein, uns kommt ein Mensch-Hund-Team im Training entgegen oder ein Hund hat sehr schlechte Erfahrungen gemacht und ist deshalb aggressiv.

Unserer Meinung nach, können wir in unserer dicht besiedelten und hoch technisierten Welt nur halbwegs gesund überstehen, wenn wir uns die deeskalierenden Strategien unserer Mitgeschöpfe aneignen. Seien Sie neugierig, schauen Sie ganz genau hin bei der Kommunikation zwischen Hunden. Denn sie leben in zwei Welten, in der menschlichen und in der Welt der Hunde und sind zu 99% erfolgreich, um in beiden Welten gesund zu leben. Wir finden das extrem spannend und wundervoll.

Körperhaltungen des Hundes

 

Entspannt

Aufmerksam

Imponierend

Verspielt

Offensive

Drohung

Defensive Drohung

Beine

Leicht angewinkelt

Gewicht auf Zehen

Durchge-drückt

 

steifbeinig

Eingeknickt – vor allem Hinterbeine

Rumpf

 

Körper nach vorn

Gewicht auf Vorderbeine

Vorderkörper-Tiefstellung

Nach vorn gedrückt

Nach hinten (klein, Rundrücken)

Kopf

Leicht angehoben

Angehoben

Stark erhoben

Spielgesicht

Oben, vorn

Geduckt

Ohren

Leicht aufgerichtet

Nach vorn

Leicht nach vorn

 

Nach vorn

Angelegt

Maul/Fang

Manchmal geöffnet

Geschlossen

 

Weit offen

C-förmig

V-förmig (nach hinten-unten)

Rute

Entspannt nach unten

Waagerecht

(je nach Rasse)

Mehr bis weniger hoch getragen

 

Über den Rücken gebogen

Eingeklemmt

 

Lockere Muskulatur

Leicht angespannt

Angespannte Muskulatur

Schnelle Bewegungs-wechsel

Körper: nach vorn gerichtet

Körper: rückwärts-tendenz

Dominanz, immer noch ein kontroverses Thema?

Immer mal wieder hören wir als Hundetrainer Sätze wie: „Ich habe einen Welpen, der ziemlich dominant ist.“ Oder „Mein Rüde ist dominant. Den habe ich erstmal auf den Rücken gelegt.“ Oder: „Du musst deinen Hund nur mal anständig dominieren, dann folgt er schon.“ Oder gar Begriffe wie: „Alphawurf“ oder „Nackenschütteln“ 

Ganz ehrlich? Uns stehen dann regelmäßig die Haare zu Berge. Und Warum? Es kursieren immer noch recht archaische und lange überholte Weisheiten zum Thema Dominanz.

Ganz ursprünglich gab es beim Militär eine unumbrüchliche Hierarchie, Befehlsgeber und Befehlsempfänger. Dies diente allein dazu  menschliche Impulse wie die Tötungshemmung zu unterdrücken.

Danach kamen Wissenschaftler. Da gab es erstmals Studien über die Rangordnung von Hummeln und weitere diverse Verhaltensforscher beobachteten unterschiedlichste Tierarten:  zum Beispiel Studien aus den 1950er Jahren in dem das Verhalten von Hühnern von Thorleif Schielderup-Ebbe (*12.11.1894 in Oslo; † 8.6.1976 in Oslo - norwegischer Zoolage) analysiert wurde, hier ist der Begriff der Hackordnung entstanden und  fataler Weise auf das Verhalten von Hunde übertragen wurde.

Zum anderen sind da auch die Studien des Schweizer Verhaltensforschers Rudolf Schenkel, der jahrelang das Verhalten der Wölfe im Basler Zoo beobachtete und seine Erkenntnisse 1944 veröffentlichte. Er beschreibt das Wolfsrudel als eine Gruppe mit einem dominanten Weibchen und einem dominanten Männchen, die er „Alphas“ nannte. Die dort beobachteten Wolfsgruppen waren wild zusammengewürfelt und hatten keine familiären Beziehungen und mussten sich deshalb aggressiv auseinandersetzten.

Heute weiß man, dass natürliche Wolfsrudel aus Elterntieren, deren Welpen und den Welpen aus dem Vorjahr bestehen. In dieser natürlichen Konstellation gibt es keine Hierarchien, sondern nur Eltern mit Kindern. Wobei die Eltern in der Regel sehr, sehr nachsichtig sind, weil ihr Bestreben nur darin besteht, dass möglichst viele Welpen überleben und zu erfolgreichen Jägern werden. 

Was also ist Dominanz tatsächlich? Dominanz bedeutet ganz schlicht:

-Wer bewegt wen in einer bestimmten Situation-

Und das ist alles. Das klingt banal – ist aber hochkomplex und uns Menschen oft gar nicht bewusst.

Im Alltag sind es Dialoge wie: „Entschuldigung, darf ich mal durch?“- „Ja, klar gerne.“ ein gutes Beispiel: Alle sind sehr höflich und haben ein gutes Gefühl. Befremdlich empfinden wir in einer solchen Situation Mitmenschen die sich verweigern und sperren. Dominanz ist kein Wettstreit um Sieg und Niederlage. Dominat ist nicht der körperlich Stärkste oder der, der am lautesten schreit, sondern meistens eher der Cleverste. Und der, der dafür sorgt, dass sich alle an der Situation Beteiligten wohl fühlen. Dominanz ist vielmehr Ballett als Faustkampf. Und ganz wichtig: Derjenige, der  heute dominant ist und beispielsweise eine Gruppe führt kann sich morgen in einer Situation, die ihm nicht vertraut ist, von einem anderen führen und dominieren lassen.

Es gibt also keine einfachen, starren Regeln, die dazu führen das jemand dominant in  einem sozialen Gefüge ist.

Kein: „der Mensch geht als Erstes durch die Tür.“, Kein: „Der Mensch liegt stets höher als der Hund,“ und kein „der Mensch isst immer bevor der Hund sein Futter bekommt.“ Die Wahrheit ist viel differenzierter und braucht Erfahrung, Empathie und heitere Gelassenheit.

Es gilt: Heute bin ich Lehrer und morgen bin ich Lernender. Und ich liebe beides!

Oder umgekehrt:

Ein Zitat von Mahatma Gandhi:

„Was man mit Gewalt gewinnt, kann man nur mit Gewalt behalten“. 


 

 

Abschied

Als ich am 20. September 2015 meine 12 ½ jährige Wällerhündin Umbra an eine schwere Krebserkrankung verlor, war es für mich eine unendlich ergreifende und traurige Erfahrung. Jeder von uns hat zu jeder Zeit panische Angst vor dem endgültigen Abschiednehmen. Von geliebten Menschen aber auch von geliebten Tieren. 

Aus unserer Perspektive, die wir berufsmäßig mit Menschen und deren Hunden umgehen, sehen wir schon in den Augen von frischgebackenen Welpeneltern die Panik: „Wir wissen schon heute, dass der geliebte Hund vor uns gehen wird. Das ist schon heute unerträglich.“ Ja, sie werden nur 15 Jahre, bisweilen auch bis zu 19 Jahren alt. Es gibt heute eine medizinische Versorgung für Tiere, die denen für Menschen gleicht. Bisweilen aber auch unerschwinglich teuer. Es entsteht eine Bestattungskultur, die denen der Menschen in nichts mehr nachsteht. Ja, heutzutage ist fast alles möglich… wenn man über die entsprechenden finanziellen Mittel verfügt. Aber nützt uns diese Hypertrophie der Möglichkeiten wirklich?

Wir leben in einem ständigem Spannungsfeld: Fortschritt, Technik und Profitstreben stehen jahrtausendalte Traditionen, Gefühlen und Intuition gegenüber. Und wo finden wir unseren Weg? Wo fand ich meinen Weg vor einige Wochen? Ich wurde immer wieder gefragt: Was brauchst du? Was braucht deine Hündin?

Ich brauchte es, dass sich Umbra über viele, viele Monate immer mehr zurückziehen konnte. Sie brauchte es, dass sie noch 4 Tage vor ihrem Tod beim Hundetraining dabei sein wollte.

Ich brauchte es die letzten Tage bei ihr zu sein.

Sie brauchte es, dass ich auch mal an etwas anderes dachte, über andere Dinge sprach – dass das Leben weiterging.

Ich brauchte es, die Situation zu kontrollieren.

Ich wollte, dass meine Hündin auf jeden Fall schmerzfrei ist, auch am Wochenende.

Ich wollte meine Familie, Freunde und auch meine fantastischen Kunden ganz nah bei mir haben.

Ich wollte einen tollen Tierarzt der Umbra einschläfern konnte, wenn es denn nötig werden sollte.

Und ich wollte eine wunderbare Beerdigung für diese wunderbare Hündin. Am besten an der Seite meiner vorherigen, unendlich geliebten Fallin, meiner Berner Sennen Hündin, die im Jahre 2002 unter traumatischen Umständen von uns gegangen war. 

Und so geschah es - Umbra entfernte sich an den letzten Tagen schnell. Sie hatte mit ihrem Leben abgeschlossen und nun war es an mir dafür zu sorgen, dass sie möglichst friedlich hinübergehen konnte. Und ich fand einen Tierarzt, der zu mir nach Hause kam und sie sehr friedlich und liebevoll hinüber bringen konnte. Dafür bin ich unendlich dankbar. Und ich wollte eine schöne Beerdigung: Ihr Grab in der Sonne, mit ihrem Lieblingsspielzeug, mit Rosen und Leckerlis … in orange, meiner Lieblingsfarbe. Und nachdem ich eine Woche geweint und getobt hatte war mir eines klar: Wenn es einen schönen Abschied gibt, dann war es dieser.

Und das ist unser Rat: Nicht Technik oder vorgeschriebene Zeremonien helfen über die schlimmsten Verluste hinweg, sondern eigene, individuelle, ursprünglich emotionale, selbstbestimmte Rituale lassen uns so trauern, dass es auch danach ein reicheres Leben gibt.

Christiane McCaughtrie


 

 

Leinenzwang all überall – gesicherte Freilaufflächen die Alternative?

Als Hundetrainer beobachten wir seit vielen Jahren Tendenzen, wie mehr oder weniger verzweifelt versucht wird, die sozialen Bedürfnisse unserer Hunde irgendwie in unserer hyperzivilisierte Welt zu befriedigen.

Ein Versuch die Sicherheitsbedürfnisse der Großstädter mit den Bedürfnissen nach freiem Herumtollen der Hunde mit Artgenossen zu harmonisieren, sind seit vielen Jahren die eingezäunten Freilaufflächen. Wir stehen diesem Konzept eher kritisch gegenüber, weil viele Hunde im unregulierten Kontakt in diesen Ausläufen schlicht überfordert sind und es zu Mobbing - bis hin zu regelrechten Jagdszenen kommt. 

Mit diesem Hintergrund habe ich mich in letzter Zeit nicht wirklich tiefergehend mit diesem Thema beschäftigt und Kunden tendenziell eher abgeraten die Freilaufflächen aufzusuchen.

Bis vor kurzem: Eine sehr liebe Kundin mit einer knapp einjährigen Hündin - die zum Diabetikerwarnhund ausgebildet werden soll - bat mich, sie zu begleiten um zu beurteilen, wie stressresistent und abrufbar ihre Hündin ist. Also war ich dabei.

Und schon bevor wir überhaupt nur geparkt hatten wurden all meine Vorurteile bestätigt: eine unangeleinte, junge Herdenschutzhündin (min. 60 kg) bedrängte eine Familie mit einem angeleinten Havaneser massiv noch vor dem Tor. Das Herrchen stand daneben, als ob ihn das alles nichts anginge. Ich war kurz davor aus dem Wagen zu springen aber meine Kundin ermahnte mich: „Du bist hier heute für mich da.“ Okay... ich zählte runter, bis ich wieder entspannt war.

Wir machten draußen noch ein paar Übungen zur Leinenführigkeit - dann hinein in die Höhle der Löwen.  Und zu meiner großen Überraschung ging es hier sehr nett und entspannt zu. Während wir unsere junge Hündin noch an der Leine führten riefen Hundebesitzer, deren Hunde zu aufdringlich wurden, diese zurück. Wow, das hatte ich nicht erwartet. Es sind Familien mit Kindern und zum Teil mehreren Hunden unterwegs. Alle sehr entspannt und freundlich. Wir ließen unsere Hündin, die wirkliches Spiel mit anderen Hunden über alles liebt, los und sahen sie überglücklich und so schnell und ausgelassen wie nie zuvor mit einigen sehr netten Hunden ihre Runden drehen. Das Gefühl war überwältigend. Was für ein Spaß. Die Hunde stellten sich blitzschnell aufeinander ein - konfliktfrei. So sind sie. Das haben sie uns voraus. Dafür liebe ich sie!

Aber klar, es gab auch die Schattenseiten: eine Austrailien Shepardhündin, die bei jeder Annäherung unter einem Meter anfing zu schreien, weil ihr das alles zu viel war und sie keine Hilfe von ihren Haltern zu erwarten hatte. Oder die Zwerghündin, die allein auf weiter Flur, erstmal eine Backpfeife von oben genannter Herdenschutzhündin erhalten hat. Ja, dieses Mensch-Hundgespann war für mich sehr interessant: Im Freilaufgehäge ließ sich nämliche Hündin zweimal von mir wegschicken als wir die Leinenführigkeit übten. Bei der dritten Begegnung wurde es ihr dann zu bunt. Sie schnappte sich die Schleppleine aus meiner Hand und begann, mit mir  darum zu ringen. Als ich den Besitzer aufforderte, ihr die Leine abzunehmen, äußerte er Zweifel, ob ihm dieses gelänge…

Oh weia, ich hatte den Eindruck, dass ich an diesem Nachmittag unsere Gesellschaft in einem Prisma gesehen hätte: 85% absolut entspannte, verantwortungsvolle Mitmenschen mit total netten Hunden. 10% von der Sorte: „Das geht mich alles nichts an und eigentlich bin ich gar nicht hier“ und 5% „Ist mir doch alles scheißegal und ich kümmere mich erst, wenn ich eine Anzeige erhalte.“ Jo so sind sie, die 15%, die nerven. Und wir alle zusammen sind in der Verantwortung unseren Zusammenhalt zu stärken und solche extrem unhöflichen Mitmenschen auf ihr Fehlverhalten anzusprechen. Das macht keinen Spaß führt aber vielleicht manchmal dazu, dass der eine oder andere dem öffentlichen Freiläufen fernbleibt.

Für alle Hunde, die  in den Freiläufen zu viel Stress haben, gibt es aber schöne Alternativen:  kürzlich haben ein paar private Hunde-Abenteuer-Gärten eröffnet. Solche Initiativen finden wir natürlich ganz wunderbar. Und es gibt auch von Hundetrainern geführte Freilaufgruppen, in denen Hund und Halter viel über gutes Sozialverhalten lernen. Warnen möchten wir aber ausdrücklich vor nicht gut geführten Freilaufgruppen, in denen es manchmal folgendermaßen abläuft: Maulkörbe drauf, 10 oder mehr Hunde auf einer Wiese und dann „regeln die das schon unter sich“. Das ist der größte Vertrauensmissbrauch, den man seinem Hund antun kann! Also schaut euch am besten immer vorher eine Freilaufgruppe an – ohne euren Hund.

Also, schaut beim Freilauf ganz genau hin, wie euer Hund und ihr euch fühlt. Sind alle entspannt ist es ein großes Vergnügen. Ist euch oder eurem Hund irgendwie mulmig zumute, verlasst die Situation.

Mit herzlichen Grüßen

Christiane McCaughtrie


 

 

Kostenlose Gassibeutel in Hamburg

Die praktischen Gassi-Beutel der Stadtreinigung Hamburg gibt es kostenlos auch in allen Hamburger Filialen der Iwan Budnikowsky GmbH
(BUDNI) und in den Hamburger Filialen der Drogeriekette dm.

Weiterhin gibt es kostenlose Gassi-Beutel auch

  • auf allen 13 Recyclinghöfen der Stadtreinigung
  • bei den Mitarbeitern der SRH-Gehwegreinigung oder
  • bei den "Kümmerern" in ausgewählten Stadtteilen und
  • an den 18 Infotafeln der Hunde-Lobby.

Hamburger Hundeführerschein

Prüfungsinhalte für den Hamburger Hundeführerschein

Seit dem Inkrafttreten des Hamburger Hundegesetzes ist für alle Hunde folgendes vorgeschrieben:

  • eine Haftpflichtversicherung
  • ein eingepflanzter Mikrochip
  • ein Eintrag im neuen Melderegister
  • Darüber hinaus gilt ab dem 01.01.2007 gilt die generelle Anleinpflicht.

Befreiung von der allgemeinen Anleinpflicht

Sollten Sie ihren Hund von der allgemeinen Anleinpflicht befreien wollen, können Sie mit ihm zusammen eine Gehorsamkeitsprüfung (Hundeführerschein) ablegen.

Wichtig zu wissen: Die Befreiung von der Anleinpflicht gilt jeweils nur für die Person, die die Prüfung mit dem Hund absolviert hat. Wird der Hund einmal von Freunden oder Familie ausgeführt gilt die Anleinpflicht, es sei denn es wurde ebenfalls einen entsprechende Prüfung abgelegt.

Inhalte der Prüfung, die sie mit ihrem Hund beherrschen müssen:

  • Gehen an lockerer Leine Der Hund darf nicht permanent an der Leine ziehen
  • Er hat Richtungs- und Tempowechseln willig zu folgen und anzuhalten, wenn die Hundeführerin/der Hundeführer stehen bleibt
  • Sitz, Platz, Steh: Der Hund muss auf Signal der Hundeführerin/des Hundeführers zwei der drei Positionen einnehmen und so lange darin verharren, bis er ein anderes Kommando erhält. Dieser Übungsteil muss mit an- und abgeleinten Hund gezeigt werden.
  • Bleib: Die Hundeführerin/der Hundeführer bindet den Hund an einer geeigneten Stelle an und gibt eines der Kommandos unter 2. Wenn der Hund angebunden ist, entfernt sich die Hundeführerin/der Hundeführer, bleibt aber in Sichtweite des Hundes. Auf Anweisung der Prüferin/des Prüfers (frühestens nach zwei Minuten) kehrt die Hundeführerin/der Hundeführer zu dem Hund zurück. Bis dahin muss der Hund sich - auch unter leichter Ablenkung - ruhig verhalten
  • Kommen auf Ruf:  Der Hund ist abgeleint. Die Hundeführerin/der Hundeführer ist in Bewegung. Wenn der Hund mindestens 10 m entfernt ist, gibt die Hundeführerin/der Hundeführer das Kommando zum Herkommen. Der Hund muss zügig herkommen und sich problemlos anleinen lassen.
  • Wichtig zu wissen ist, dass sämtliche Inhalte mehrmals, in unterschiedlicher Reihenfolge und unter Ablenkung zu absolvieren sind.

Diese Hilfsmittel dürfen benutzt werden:

  • Festschnallbares Halsband oder Halsband mit Zugstopp, Halti, Brustgeschirr (allerdings nicht mit Zugwirkung unter den Achseln)
  • Leine
  • Pfeife
  • Futter oder Spielzeug als Belohnung ist zulässig.
  • Hör- sowie Sichtzeichen sind erlaubt

Gern trainieren wir mit Ihnen die Prüfungsinhalte. Bei Interesse sprechen Sie uns gerne an.

Ihre DOGS-Coaches

Astrid Stennei & Christiane McCaughtrie

Buch: Das Pitbull-Syndrom

Das Pitbull-Syndrom "Die Angst vor Hunden und der moderne Zeitgeist" ein Buch von Stefan Burkhardt

Auszug aus dem Buch:

Schlussgedanken

Stigmatisierte Wesen erfahren kein Mitleid, auch wenn sie selbst zum Opfer und Leidenden werden. Das ist eine deprimierende Realität sozialen Verhaltens, die sich immer wieder zeigt - nicht nur gegenüber Hunden.

Bleibt der arme Pitbull, an sich ein kleiner Hund, ganz alleine in einer kalten Welt zurück, die ihm einfach keinen Kredit geben mag. Will sich denn gar niemand mit ihm solidarisieren? Die Aussichten stehen schlecht, die Tage der Rasse sind wahrscheinlich gezählt. Natürlich wird das die kynologische Vielfalt nicht tangieren. In der langen, langen Geschichte der Hunde sind schon viele Rassen gekommen und gegangen.

Mitleid erfährt der Pitbull und Ahnverwandte kaum. Ist eine Kreatur einmal als Sündenbock definiert, kann sie kaum noch auf Empathie zählen. Ganz zum Schluss fällt mir eine Passage aus dem Buch "Travels with Carey" von John Steinbeck ein. Im Buch erzählt er, wie er mit seinem Pudel Charley eine Reise durch ganz Amerika macht. Im Süden trifft er auf einen alten, dunkelhäutigen Mann und redet mit ihm über die Sklaverei. Dabei kommt das Gespräch auf das Thema, wie es die Sklavenhalter eigentlich geschafft haben, keinerlei Empathie für ihre Sklaven zu entwickeln, die doch auch nur Menschen waren. Auch hier: Wir wollen nicht Sklaven mit Kampfhunden gleichsetzen, wir wollen nur einen Mechanismus erkennen. Der alte Mann erklärt, wie die Sklavenhalter ihr schlechtes Gewissen verdrängen konnten: "Wenn du eine Kreatur mit Gewalt dazu bringst, wie ein Biest zu leben und zu arbeiten, dann musst Du über sie denken, sie sei ein Biest, anders würde das Einfühlungsvermögen dich wahnsinnig machen. Wenn du sie einmal in deiner Vorstellung klassifiziert hast, sind deine Gefühle sicher. (...) Und wenn du deinen Kindern von Anfang an die Sache mit dem Biest beibringst, werden sie deine Verwirrung nicht einmal teilen." (Übersetzung auf dem englischen Original)

Anders rum: Man muss nur intensiv genug suggerieren, ein Mensch sei minderwertig - und alle Empathie gegenüber diesem Menschen verschwindet. Dieselbe Systematik spielt in der Begegnung zu Tieren. Man muss sich nur einreden, Kampfhunde seien wirklich böse, um jedes Mitleid mit diesen Kreaturen zu verlieren. So lässt sich erklären, dass die vielen Hunde, die ins Raster der Kampfhunde fallen, kein Mitleid zu erwarten haben. Wenngleich man in der Öffentlichkeit durchaus sensibel reagiert, wenn Tieren Unrecht geschieht, so verursacht es noch nicht mal ein Augenzwinkern, dass viele so genannte Kampfhunde in Tierheimen landen, wo sie ein einsames, trauriges Leben führen, oder sogar eingeschläfert werden. Sie sind eben Biester. Die Gefühle gegenüber ihnen sind tot. Natürlich erscheint die Kampfhund-Debatte lächerlich unwichtig vor der unglaublichen Tragödie der Sklaverei. Aber interessant ist eine gewisse Analogie im Verdrängungsmechanismus gegen das schlechte Gewissen, die einmal mehr zeigt: Was in der Kampfhund-Kontroverse abläuft, ist ein Phänomen, wie es auch in vielen anderen Bereichen stattfindet. Das muss uns zu denken geben.

Der Irrtum vom gesunden Fertigfutter

Für Euch/Sie gelesen: (Zentrum der Gesundheit) - Genau wir für den Menschen, ist auch für unsere Haustiere eine möglichst natürliche Ernährung einer der wichtigsten Schritte auf dem Weg zu einem langen und gesunden Leben voller Energie und Leistungsfähigkeit. Gesunde Ernährung erspart Ihrem Tier viel Leid und Ihnen viel Geld uns Zeit für lästige Tierarztbesuche.

Hier geht es zum Artikel: www.zentrum-der-gesundheit.de

Artgerecht - der andere Weg

Das 1x1 für artgerechte Haltung, Ernährung, Pflege und Behandlung

www.artgerecht-tier.de

Auszug aus der Internetseite:

"Es gibt zwar für Hunde und Pferde viele Zeitungen, aber die Informationen sind meist einseitig und tendenziös. Man spürt beim kritischen Lesen die Abhängigkeiten und erkennt die innere Schere. Bei artgerecht soll es anders zugehen.

Die Aufgabe von artgerecht wird es sein, auch und gerade solche Themen aufzugreifen, die sonst nur unzureichend oder gar nicht behandelt werden. artgerecht wird sich in ihrer Unabhängigkeit nicht beeinflussen lassen. Die Wahrheit liegt selten offen zutage. Deswegen sollen alle Themen kontrovers diskutiert werden."