Wir müssen draußen bleiben... - mit dem Hund unterwegs

Viele Menschen nehmen ihren Hund überall mit hin, damit er nicht allein zu Hause bleiben muss. In die Stadt, ins Restaurant, zum Einkaufen oder auch nur mal schnell zum Bäcker.

Doch Hunde sind nicht immer überall gern gesehen und dürfen ihre Menschen vor allem in Geschäfte, die Lebensmittel verkaufen, meist nicht begleiten. Dann sieht man sie vor der Bäckerei sitzen, angebunden am Fahrradständer, sehnsüchtig auf die Rückkehr ihrer Menschen wartend. Und auch auf kleinen und großen Veranstaltungen trifft man immer wieder einmal auf Hunde, die ihre Menschen im Getümmel begleiten. Doch in vielen Fällen fühlt sich der Hund hier gar nicht wohl. Ist es also überhaupt im Sinne des Hundes, diesen immer und überall mitzunehmen? Wir haben mit Bettina Bumb von Martin Rütter DOGS Mannheim/Worms gesprochen.

 

In die meisten Lebensmittelgeschäfte, wie z. B. in Bäckereien, darf der Hund seine Menschen in der Regel nicht begleiten. Kann man den Hund bedenkenlos vor dem Geschäft anleinen und warten lassen?

Generell empfehle ich das nicht. Im schlimmsten Fall könnte Dein Hund gestohlen werden, vor allem dann, wenn Du nicht die ganze Zeit in Sichtweite bist. Manche Menschen meinen es aber einfach auch nur gut und möchten Deinen Hund füttern. Verträgt dieser aber nicht alles oder darf bzw. soll aus bestimmten Gründen zu dieser Zeit kein Futter erhalten, kann das problematisch werden. Viele Hunde sind bei der Fütterung zudem sehr hektisch, sodass es zu einer Verletzung kommen kann, wenn der Hund nach dem Futter schnappt. Oftmals wird der allein gelassene Hund auch von vielen Menschen bedauert und soll mit einem Streicheln getröstet werden. Die wenigsten Hunde lassen sich jedoch in einer solchen Situation gern von fremden Menschen anfassen, sodass es dazu kommen kann, dass Dein Hund sich bedrängt fühlt. Er kann aus der Situation nicht herauskommen, da er angebunden ist und hat aus seiner Sicht dann nur die Möglichkeit, sich zu verteidigen. Schnell kommt es zu einem Beißvorfall, sodass der Einkauf für alle Beteiligten dramatisch endet. Besser wäre es daher, wenn Du zu zweit einkaufen gehst, sodass einer von Euch mit dem Hund im Auto warten kann. Alternativ bleibt er gemeinsam mit Deinem Hund vor dem Geschäft, um die Kontakte zu regeln und Deinen Hund in solchen Situationen zu schützen und abzuschirmen.

 

Wie müssen sich Hunde verhalten, wenn sie in Geschäften erlaubt sind?

Generell sollte der Hund keinen oder wenig Stress mit so einer Situation haben und sich an lockerer Leine laufend an Dir orientieren und Dir folgen. Natürlich sollte Dein Hund keine anderen Hunde anbellen bzw. Menschen anspringen oder anderweitig belästigen. Er sollte ruhig warten können, wenn Du Dir Ware anschaust und sich natürlich auch nicht in den Geschäften lösen oder gar dort markieren. Damit Du mit Deinem erwachsenen Hund entspannt einkaufen gehen kannst, empfiehlt es sich, dies schon als Welpe dosiert zu trainieren. Wenn Du Deinen Hund mit ins Kaufhaus nimmst, denke bitte daran, Deinen Hund niemals auf der Rolltreppe mitfahren zu lassen, denn das kann zu schweren Verletzungen führen, wenn Krallen oder auch Haare an den Pfoten in den Spalten zwischen den einzelnen Stufen eingeklemmt werden und Du Deinen Hund nicht mehr rechtzeitig befreien kannst. Ein Tipp von mir: Gewöhne Deinen Hund schon als Welpe an den Aufzug, dann kannst Du in größeren Kaufhäusern den Aufzug nutzen, um in die anderen Etagen zu gelangen. Hast Du einen kleinen Hund, den Du bequem auf den Arm nehmen kannst, ist natürlich auch der Transport Deines Hundes auf der Rolltreppe kein Problem.

 

Viele Veranstaltungen finden draußen statt, sodass es hierbei oft keine Mitnahmeverbote von Hunden gibt. Kann man Hunde dann bedenkenlos mitnehmen?

Wenn es sich um Veranstaltungen handelt, bei denen es keine großen Menschenansammlungen gibt und wo es daher etwas ruhiger zugeht, kannst Du Deinen Hund mitnehmen. Achte aber auf seine Körpersprache und sein Verhalten: Zeigt er Anzeichen von Stress, solltest Du den Besuch abbrechen. Denke aber auch daran, dass es bei Festen in Bezug auf die Geräuschkulisse oft sehr laut ist. Hunde haben ein viel besseres Gehör als wir Menschen, sodass gerade dann, wenn vielleicht noch Livemusik gespielt wird oder es gar ein Feuerwerk gibt, der Besuch für Deinen Hund sehr unangenehm sein kann. Erschrickt sich Dein Hund über plötzliche laute Geräusche, kann dies für ihn zudem zu einem traumatischen Erlebnis werden, sodass er später Probleme an Silvester, bei Gewitter mit lautem Donner oder sogar generell bei lauten Geräuschen im Alltag hat.

Bei Veranstaltungen mit großem Gedränge, wie es z. B. auf dem Weihnachtsmarkt, Jahrmarkt oder auf Messen häufig der Fall ist, empfehle ich, den Hund eher nicht mitzunehmen. Denn in der Menschenmenge werden nicht nur kleine Hunde oft übersehen, auch die größeren haben kaum Platz genug, ihre Pfoten voreinander zu setzen. Wird Dein Hund getreten oder fühlt sich durch die Enge so bedrängt, kann es auch hier zu einem Beißvorfall kommen. Im schlimmsten Fall bekommt Dein Hund Panik, denn schließlich kann er nicht so wie Du selbst einfach die Menschenmenge überblicken. Sieht er keinen Ausweg mehr, kann es zu einer Traumatisierung kommen, sodass Dein Hund zukünftig generell Menschen meidet. 

 

Die meisten Lokale sind Hunden gegenüber offen, sodass viele Hunde ihre Menschen ins Restaurant oder Café begleiten. Worauf sollte man hier achten?

Im ersten Schritt solltest Du immer nachfragen, ob Hunde im jeweiligen Restaurant oder Café überhaupt erlaubt sind. Wir Hundehalter sollten uns immer rücksichtsvoll anderen Menschen gegenüber verhalten und akzeptieren, wenn nicht alle Menschen von der Anwesenheit unseres Vierbeiners begeistert sind! Wenn möglich, solltest Du eine Decke für Deinen Hund mitnehmen. Bitte um einen Tisch etwas abseits, sodass Du Deinen Hund hinter Dir bzw. unter dem Tisch auf der Decke ablegen kannst. Trainiere dies von Welpe an, damit Dein Hund später einmal überall dort, wo Du ihn auf seiner Decke ablegst, sofort entspannt. Kleiner Tipp: Achte bereits zu Hause darauf, dass Dein Hund auch dort ruhig auf seiner Liegestelle bleibt, während Du isst. Zudem solltest Du ihn nicht vom Tisch füttern, sodass er auch im Restaurant gar nicht auf die Idee kommt, das Essen könnte für ihn gedacht sein. Denn nichts ist anstrengender, als ein lauthals jammernder oder sogar fordernd bellender Hund im Restaurant, für Dich, für Deinen Hund, aber auch für die anderen Gäste sowie das Personal. Im Idealfall sollte es anderen Gästen gar nicht auffallen, dass Du Deinen Hund dabeihast.

 

Welche Alternativen gibt es denn, wenn man den Hund nicht mitnehmen kann?

Je nachdem zu welcher Jahreszeit Du unterwegs bist, kann Dein Hund durchaus kurz im Auto warten. Aber bitte achte auf die Temperatur, auch im Herbst oder Frühjahr klettert das Thermometer gern einmal auf 20 Grad. Steht Dein Auto dann noch in der Sonne, unter Umständen sogar mit geschlossenen Fenstern, heizt es sich schnell auf, sodass es zu warm wird, selbst wenn Dein Hund nur für kurze Zeit im Auto warten muss.

Hat Dein Hund gelernt, allein zu Hause zu bleiben, lasse ihn am einfachsten entspannt zu Hause, während Du Deine Besorgungen erledigst. Du kannst Dich eh dabei meist nicht wirklich auf Deinen Hund konzentrieren, sodass dieser eigentlich auch nicht wirklich etwas davon hat, Dich zu begleiten. Bleibt Dein Hund noch nicht entspannt zu Hause, hilft es vielleicht auch, wenn ein Familienmitglied, der Nachbar oder Freunde auf Deinen Hund aufpassen. Ich empfehle generell, das Alleinbleiben von Welpe an in kleinen Schritten zu trainieren. Hunde sind soziale Lebewesen, Mitglieder des Sozialverbands werden normalerweise nicht allein gelassen. Ein Hund, der beim Menschen lebt, muss sich jedoch an dessen Lebensumstände anpassen, um möglichst entspannt und stressfrei zu leben. Daher ist das Alleinbleiben eine der wichtigsten alltäglichen Situationen, die ein Hund lernen muss.

 

Ein paar Worte zu Deiner Hundeschule:

Sechs Jahre sind mein Mann Andreas und ich nun schon mit unserer Hundeschule für Dich da, und von Anfang an war es für uns oberstes Ziel unseres Trainings, dass Mensch und Hund ein harmonisches Team werden. Ein Team, in dem sich beide Partner aufeinander verlassen können und sich gegenseitig vertrauen, sei es im Alltag, zu Hause, beim Einkaufen, im Urlaub oder auch auf der Jagd. Hierzu gehören wichtige Bausteine wie: Konsequenz im Alltag, artgerechte Beschäftigung, Ruhe und Geduld beim Training sowie die richtige Körpersprache und Kommunikation miteinander. All dies vermitteln wir Dir bei unseren Angeboten, wie z. B. im Einzel- oder Gruppentraining, bei Vorträgen oder auch auf Seminaren. Wir freuen uns, wenn wir Dich unterstützen können, mit Deinem Hund ein Team zu werden.