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Fettleibigkeit bei Hunden

Das Übergewicht von Hunden gewinnt in meinen Augen immer mehr an Präsenz. Gefühlt bei jedem zweiten Kundenhund muss ich es ansprechen. Früher habe ich mir für solche Äußerung etwas mehr Zeit gelassen, um zu den Menschen erst eine Beziehung aufbauen zu können. Das Gewicht des eigenen Hundes kann nämlich unter Umständen ein sehr sensibles und emotionales Thema sein. Mittlerweile thematisiere ich es jedoch je nach Massivität sofort und unmissverständlich. Mir ist es vollkommen egal, ob Hundehalter auf diese Feststellung beleidigt reagieren. Für mich stehen einzig und allein die Gesundheit und das Wohlbefinden der Vierbeiner im Vordergrund.

 

Meist schaue ich dann in sehr irritierte und abwehrende Augen. Hundehaltern scheint es schwer zu fallen, bei ihren geliebten Vierbeinern einen objektiven Blick zu wahren. „Ja, wir essen beide gern“, „Er kommt halt ganz nach mir“ oder „Er hat halt immer Hunger“ sind die verniedlichten Antworten auf ein Problem, was so weitreichende Konsequenzen mit sich bringt.

 

Vielleicht ist es falsch verstandene Tierliebe? Der Gedanke, dass ein Hund über Essen glücklich gemacht werden könnte? Oder die quälende Interpretation des Dauerhungers?

 

Was für Hundehalter oftmals „nur“ einen Schönheitsfehler ist, hat für den betroffenen Hund jedoch fatale Folgen. Bewegungsunlust, frühzeitiger Gelenkverschleiß, Diabetes, verschiedene Hauterkrankungen, Herz-Kreislaufprobleme oder zunehmende Atemwegserkrankungen sind nur die Spitze des Eisbergs.

 

Liegt es nicht in unserer Verantwortung, dem bettelnden Dackelblick standzuhalten, um die Gesundheit unserer Hunde zu schützen? Trotz des Überangebots an Leckereien mit einem gesunden Maß an die Fütterung unserer Hunde heranzugehen? Für mich zählen keine Ausreden und scheinheilige Argumente für das massive Übergewicht eines Hundes. Ganz bestimmt fördern verschiedene Erkrankungen oder Medikamente eine Gewichtszunahme. Doch gerade dann sind die Halter gefragt, Lösungen und Wege zu finden.

 

Die im Bild dargestellten Rassen leiden meiner Erfahrung nach am häufigsten unter massivem Übergewicht. Der Labrador Retriever oder Golden Retriever, der gern mal die Schallmauer von 40 + kg durchbricht, der Beagle, der offensichtlich durchweg auf der Suche nach Essbarem ist, oder die französische Bulldogge, die meist eher eine paketartige Form besitzt statt Muskeln.

 

Ja, man findet als Hundehalter viele, viele Ausreden für das eigene Versagen. Genetische Fixierung scheint hierbei am beliebtesten. Doch auch wenn wir über eine vererbte Veranlagung sprechen, heißt das noch lange nicht, dass diese grenzenlos ausgelebt werden muss.

 

Zudem stelle ich fest, dass bei den meisten Rassen schon ein völlig falsches Bild in den Köpfen der Menschen herrscht. Am meisten trifft es wahrscheinlich die Retriever, die in der Vorstellung mit Masse, Schwerfälligkeit und Gemütlichkeit betreffen. Als ehemaliger Jagdhund eine völlig irrationale Vorstellung. Meine eigene Golden Showlinie, der absolut im Standard liegt, bewegt sich im Übrigen mit schlanken 32 Kilo durch die Welt.

 

Ebenso stark betroffen ist zudem die französische Bulldogge, die dann meist neben einer indiskutabel schlechten Atmung wurstartig durchs Leben schreiten muss. Menschen fällt deren Fettleibigkeit nicht mehr auf, weil das Bild des gesunden, schlanken Körpers viel zu selten geworden ist.

 

Sich beim Idealgewicht an einem Rassestandard oder anderen Hunden zu orientieren ist mindestens genauso falsch, wie Menschen untereinander zu vergleichen. Zumal Muskel- bzw. Fettmassen die Form des Hundes deutlich beeinflussen, ohne am Gewicht etwas zu verändern.

 

So häufig werde ich gefragt, wie viel der Hund denn wiegen darf. Die Antwort ist ziemlich simpel – genau so viel, dass er gut aussieht und er sich sichtlich wohl fühlt! Die Optik eines Hundes spricht nämlich Bände, sobald man seine rosarote Brille absetzt.

 

Neben einer schönen geschwungenen Bauchlinie (nach oben geschwungen auf das Becken zulaufend) sollte auch immer eine Taille erkennbar sein. Wenn man also von oben auf den Hund schaut, sollte im Bereich zwischen Brustkorb und Hüfte der Hund etwas „einfallen“. Nicht zuletzt müssen die Rippen gut fühlbar sein. Damit meine ich keineswegs, dass ich mich beim Handauflegen durch mehrere Zentimeter Speckschicht graben muss, um irgendwo Knochen erahnen zu können. Bei kurzhaarigen Hunden dürfen die letzten 2-3 Rippenbögen gern zu sehen sein. Und hierbei spielt die Rasse wirklich so gar keine Rolle!! Insbesondere bei den Bulldoggen wird häufig der massive Körperbau vorgeschoben. Doch selbst bei der natürlich angelegten Breite ist eine dicke Speckschickt über den Rippenbögen keineswegs in Ordnung!

 

Warum mich dieses Thema als Hundetrainerin interessiert? Weil Wohlbefinden und Problemverhalten ganz nah beieinander liegen. Bei den hohen Ansprüchen, die wir an unsere Vierbeiner haben, ist es schlichtweg unsere Pflicht dafür zu sorgen, dass es ihnen gut geht. Und die Basis für einen gesunden Hund beginnt für mich genau hier.