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Giftködertraining: Nimm nur, was du darfst - alles andere lass fallen!

Expertenbeiträge

Ein Beitrag von Richarda Theobald-Hoffmann (Martin Rütter DOGS St. Wendel/Kaiserslautern) aus "Mein Hund & ich"

Seit Giftköderwarnungen zunehmen, kennt das jeder Hundebesitzer: Der Hund steht einige Meter vom Menschen entfernt und ist dabei, etwas, das er gefunden hat, zu fressen. Und wir denken: „Um Gottes Willen – was war das?“

Das Fressen von gefundener Beute ist für unsere Hunde ein vollkommen natürliches Verhalten. Schon die Vorfahren des Hundes haben sich nicht nur durch die Jagd auf Beute ernährt, sondern auch Aas sowie Pflanzen und Beeren gefressen, also Nahrung, welche sie unterwegs gefunden haben. Hunde haben zudem ein vollkommen anderes Geschmacksempfinden als wir Menschen. Dies liegt auch daran, dass ein Hund viel weniger Geschmacksknospen als der Mensch besitzt, nämlich nur etwa 1700. Der Mensch dagegen besitzt etwa 9000! Hunde können zwar auch bittere Geschmacksstoffe wahrnehmen, jedoch liegen die Geschmacksknospen für bittere Stoffe auf dem hinteren Teil der Zunge. Auf dem vorderen Teil der Zunge liegen dagegen viele Geschmacksknospen, die fleischige Nahrung anzeigen. Damit wird bitterer Geschmack erst wahrgenommen, kurz bevor die Nahrung heruntergeschluckt wird. Befindet sich ein bitter schmeckender Stoff daher innerhalb eines Fleischköders, wird der Hund diesen gar nicht bemerken. Hinzukommt, dass Hunde Schlingfresser sind. Nahrung wird nicht mehrfach gekaut und zu einem Futterbrei zermahlen, wie dies bei Pflanzenfressern der Fall ist. Sie wird lediglich durch die Reißzähne in kleinere Stücke zerrissen, die dann schnellstmöglich heruntergeschluckt werden. Daher überlegt ein Hund nicht erst lange, wenn der Geruch auf dem Boden liegender Nahrung ihm Fressbares wie Fleisch signalisiert.

Gefundenes Fresse zu verschlingen, ist normales Hundeverhalten

Wir Menschen empfinden die Handlung unserer Hunde, Gefundenes aufzunehmen und zu fressen, als ein eher „unangebrachtes Verhalten“. Zum einen gehen wir davon aus, dass wir unsere Hunde ausreichend ernähren, zum anderen löst dieses Verhalten bei uns Ekel, aber vor allem auch Sorgen um unsere Hunde aus. Gründe dafür, dass Hunde Giftköder aufnehmen, gibt es viele, Hunger gehört nur selten dazu. Giftköder werden meist in sehr schmackhaftem, fleischigem Futter versteckt, so dass der Hund, obwohl er vielleicht kurz zuvor gefüttert wurde, sich noch über einen zusätzlichen Happen freut. Einige Hunde haben auch gelernt, dass Menschen hektisch und aktiv werden, immer gerade dann, wenn der Hund etwas vom Boden aufnimmt. Der Hund lernt also, dass er durch das Aufnehmen von Nahrung die Aufmerksamkeit des Menschen erlangen kann. Vielleicht geht es ihm aber auch einfach nur darum, Beute zu machen, die der Mensch nicht bekommt. Ein Hund, der geistig und körperlich nicht ausgelastet ist, langweilt sich schnell auf einem Spaziergang. Gibt es keine ansprechenden Angebote vom Menschen, wird der Hund sich selbst beschäftigen. Er wird Spuren verfolgen, vielleicht Wild hetzen oder auf Nahrungssuche gehen. Anfangs vielleicht nur zufällig, aber je öfter er die Erfahrung macht, dass es sich lohnt, auf die Suche zu gehen, desto gezielter wird er nach Fressbarem suchen.

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