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DER BLINDE HUND

DER BLINDE HUND

Was ist im Umgang mit einem Hund zu beachten , der sein Augenlicht verloren oder nie besessen hat?

FORMEN DER BLINDHEIT

Vererbung:
Grauer Star ( Katarakt = HC Hereditary Cataract  )
Grüner Star ( Glaukom )
Progressive Retina Atrophie ( PRA )
Retina Dysplasie ( RD )
Pigmentepitheldystrophie ( PED )
Collie Eye Anomalie ( CEA )EntropiumPtosis

Erworben:
Wasserkopf
Totale Hornhauttrübung inf. einer Entzünduz. B. Keratitis superfizialis chronica = Schäferhund-keratitis
Augapfelquetschung bzw. – perforation
Grauer Star
Grüner Star
Sehnerv – und Netzhauterkrankungen
Neuroretinitis ( SARD ) infolge v. Staupe o. e. Autoimmunreaktion
Keraconjunctivitis sicca ( ( KCS = „trockenes Auge“ )
IritisUveitits

UNTERSUCHUNGSMÖGLICHKEITEN

Bei Verdacht auf eine vorliegende Sehschwäche :

- Wattebauschtest
- Drohreflextest
- Hindernisparcour in bekannter Umgebung

MEDIZINISCHE ABKLÄRUNG

- Ophtalmoskopie = Untersuchung d. inneren  Fläche des Augapfels durch Lupen und
   Lichtquellen
- Spaltlampenuntersuchung = mikroskopische Untersuchung der transparenten Augenstrukturen
- Tonometrie = Messung des Augeninnendrucks durch Gegendruck i. F. e. Luftstosses
- Sonographie = Ultraschalluntersuchung nach Betäubung d. Oberfläche

Immer im Hellen und vorher den Pupillenreflex ausschalten !!!

BITTE EINEN TIERARZT AUFSUCHEN!!!

FORMEN VON BLINDHEIT

A VON GEBURT AN

HUND KENNT DIE WELT NICHT ANDERS

>>> hat Verhaltensstrategien entwickelt
>>> muß nicht erst lernen, das Defizit zu kompensieren
>>> Orientiert sich relativ sicher über Gehör und Nase
>>> benötigt dennoch die Hilfe des Menschen

B SPÄTER ERWORBEN

SEHKRAFTVERLUST DURCH KRANKHEIT ODER UNFALL

>>> extrem starke Verunsicherung des Hundes
>>> fehlende Verhaltensstrategien
>>> komplett auf die Hilfe des Menschen angewiesen
>>> braucht oft Jahre, um das Defizit ev. auszugleichen

AUSWIRKUNGEN AUF DEN ALLTAG

1 massive Beeinträchtigung des Hundes !!!
                        +
2
große Verantwortung für den Besitzer !!!

- möglichst keine Veränderungen in der Wohnung u. auf Spaziergängen
- den Hund immer akustisch auf Hindernisse aufmerksam machen
- den Hund immer hinter sich führen
- dem Hund feste ÜBERALL Plätze zuweisen
- jegliche Verantwortung abnehmen
- i. d. Prägephase IMMER positive Hundekontakte
- keine Hundekontakte ohne Aufsichtt i. d. R. für den Rest seines Lebens Probleme 
                                                                        

KOMMUNIKATION

EIN HUND KOMMUNIZIERT GERUCHLICH UND STARK AUF DER VISUELLEN EBENE
>>> starke Beeinträchtigung der Kommunikation ( insbes. mit Artgenossen )
>>> Missverständnisse sind innerartlich vorprogrammiert
>>> Mensch muss fast immer Hilfestellung leisten

TRAINING UND UMGANG

GRUNDSÄTZLICHES

- schnelle, abrupte Bewegungen vermeiden         
- Hinterherlaufen des Hundes zulassen
- Situationen mit Konfliktpotential erkennen lernen
- vorbeugend tätig sein
- sich mit der körpersprachlichen Kommunikation von Hunden auseinandersetzen
- auf Stresssignale und Übersprungshandlungen achten und den Hund ggf. aus der Situation
   herausnehmen
- bei der Prägung von Welpen deren Wesen berücksichtigen
- die akustischen und olfaktorischen Sinne des Hundes trainieren
- durch Kastration unbedingt die Fortpflanzung krankheitsbedingt blinder Hunde verhindern
- Kontraste und Licht i. d. Wohnung schaffen ( z. B. schwarze Kennzeichnung von Ecken )
- Geruchsmarkierungen auf Türstöcken ( halbe Zwiebel oder Zitrone darauf ausstreichen )
- Garten einzäunen und spitze Äste kappen
- Bodenmarkierungen schaffen ( z. B. Teppichbeläge )
- Polsterung von scharfen Kanten und Ecken
- Hund zur Orientierung immer wieder ansprechen
- Feste Liegeplätze etablieren
- für Spaziergänge nur 2 - 3 feste Wege wählen
- auf den Wegen immer wieder kleine Übungen zur Orientierung machen Hund immer wieder
  ansprechen und auf Stimmlage achten
- Hund ev. als blind kennzeichen
- Signalworte, wenn sich jemand fremdes nähert und ev. als Puffer agieren
- Hund in Brustgeschirr ( Augeninnendruck !!! ) und an Schleppleine führen
- ev. im Haushalt lebenden zweiten souveränen Hund als Orientierungshilfenutzen
- im Training gezielte Schulung der akustischen und olfaktorischen Wahrnehmung

AKUSTISCH :
- Kommandos über das gesprochene Wort
- Danach entspr. Pfeifensignale konditionieren
- Apportiertraining mit z. B. Glöckchen am Apportel
- eigene Position beim Return z. B. ü. Klatschen i. d. Hände bekanntgeben

OLFAKTORISCH :
- Fährtentraining
- Objektsuche an Schleppleine
- Liegeplätze und Sicherheitszonen geruchlich markieren
 

AKUSTISCH :
für die Sicherheit des Hundes obligatorisch sind
- „SCHAU MAL“ = komm zu mir
- „Vorsicht“ = Achtung ein Hindernis, dem man rechts o. links ausweichen kann
- ev. Folgekommando : „rechts“ o. „links“
- „Stopp“ = Achtung ein Hindernis, dem man nicht ausweichen kann bzw. das eine Gefahr bedeutet
                  >>> ev. mit „sitz“ verbinden

- „Langsam“ = wichtig für Hunde mit Restsehfähigkei
- „Stufen“ = eines der wichtigsten Kommandos ev. verbinden mit „rauf“ u. „runter“
- „Geh rechts / Geh links“ = Schutz des Hundes vor Passanten, die ihn plötzlich anfassen wollen
- „ins Auto“ = Schlüsselreiz ist i. d. R. das Geräusch der Fernbedienung o. d. Öffnen der Autotür

INTEGRATION IN EINE BESTEHENDE GRUPPE :
- einen Helfer suchen und diesen genau instruieren- ruhige Atmosphäre
- neutralen Ort wählen ( z. B. Spaziergang )
- Hunde anleinen u. an lockerer langer Leine führen
- Helfer geht mit Ersthund vor / blinder Hund folgt
- allmählich Hunde nebeneinander laufen lassen
- auf Streßsymptome bzw. sich anbahnende Konflikte achten
- mit beiden Hunden zusammen nach Hause gehen
- bei mehreren Hunden dies mit jedem einzeln machen
- im Haus sicheren Rückzugsort für den blinden Hund schaffen