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Eine Kundin berichtet über ihre Erfahrungen mit einer Tierschutzorganisation

Kalis Geschichte

Ein Hund aus dem Tierschutz?! Herzenssache! Wenn ich gewusst hätte, wie wörtlich ich das mal nehmen würde! Aber vorne angefangen:

Eine gute Freundin suchte seit einiger Zeit nach einem Hund. Aus dem Tierschutz - für sie so selbstverständlich wie für mich. Nach ausgiebiger Suche schaute sie sich die kleine Kali an, die seit wenigen Tagen in Deutschland lebte. Das Alter war zu Beginn nicht ganz klar, sie verstehe sich aber auf der Pflegestelle mit Katzen (die es auch im Haushalt meiner Freundin gibt) und anderen Hunden. Nach 20 Minuten „Kennenlernen“ verließen besagte Freundin und ihr Partner die Pflegestelle. Das langwierige Grübeln begann und eine schnelle Entscheidung musste her! Schon am nächsten Tag war eine Antwort gewünscht. Da die Beschreibung und der kurze Eindruck überzeugten, sagten die beiden zu.

Kurz darauf zog Kali mit ihren damals 4,5 Monaten ein. Entgegen der Beschreibungen, war sie zutiefst verunsichert, taperte durch die Wohnung, war nicht stubenrein, bellte… kurz: sie war sehr gestresst und verunsichert. Auf die Katzen reagierte sie mit Bellen und sehr aufgedrehtem Spielverhalten. Die Katzen flüchteten und betraten die Wohnung nicht mehr. Auch freilaufende Katzen verbellte Kali. „Das wird schon“ war das Motto der nächsten Tage. Doch im Gegenteil: es wurde schwieriger, Kali benötigte viel Routine und Klarheit, Sicherheit und Unterstützung - sonst sorgte sie mit Bellen und Absichern selbst dafür. Auch die Arbeit mit einer Hundetrainerin brachte nur wenige kleine Fortschritte und anschließend trat neues schwieriges Verhalten auf. Nach 4 Wochen, in denen Kalis Unruhe mehr und ihr Stress größer geworden war stand die Entscheidung: die beiden waren der Herausforderung mit so einem unsicheren Hund nicht gewachsen und entschieden sich schweren Herzens und unter vielen Tränen dagegen, Kali weiter zu behalten.

In der Zeit habe ich Kali viele Male gesehen und in mein Herz geschlossen. Ich überlegte, sie bei mir aufzunehmen und ihr den Wechsel zurück in eine Pflegestelle zu ersparen, da auch ich seit längerer Zeit überlegte meinen Alltag mit einem Hund zu bereichern. Da sie meine Wohnung und mich schon kannte, machten wir ihr den Übergang so einfach wie möglich.

Auch bei mir zeigte sie das bekannte Verhalten, auf das ich ja eingestellt war. Sie bellte zudem ihre Spiegelungen an, kontrollierte alle Geräusche im Haus, knurrte und bellte. Besonders Kindern gegenüber zeigte sie sich ängstlich und im Umkehrschluss aggressiv. Auch ich zog eine Hundetrainerin hinzu – Sula Waßen. Schon im Sommer hatten wir in einem vorbereitenden Gespräch Kontakt gehabt und ich habe das Gespräch als sehr hilfreich empfunden. 1,5 Stunden haben Sula und ich uns den dringendsten „Baustellen“ gewidmet und ohne hier ins Detail gehen zu wollen: ich habe viel gelernt, mit Kali trainieren können und viel Kopfschütteln von Sula gesehen. Auch ihr Fazit: ein unsicherer Hund, der viel Anleitung und Sicherheit benötigt – nicht unbedingt für Anfänger. So musste auch ich mich der Entscheidung stellen, ob das mit Kali und mir eine Zukunft haben kann. Da ich mit Kindern arbeite und Kali schon auf deren Stimmen unglaublich unsicher/aggressiv reagierte, war ich sowohl um Kali als auch die Kinder sehr besorgt. Herzschmerzen und kreisende Gedanken hielten mich die nächsten Tage wach. Auch bei mir steigerte sich Kalis Unruhe trotz der von Sula gegebenen Tipps weiter bzw. immer, wenn ein Verhalten besser wurde, zeigte sich etwas Neues. So entschied auch ich mich dagegen, Kali bei mir zu behalten. Die Entscheidung traf ich unter vielen Tränen nach wenigen Tagen, um Kali eine schnelle Vermittlung zu ermöglichen.

Leider entstand beim Kontakt mit dem Tierschutzverein nicht der Eindruck, dass ihnen dabei viel an Kalis Wohl gelegen wäre. Vielmehr ging es um ein „Abhandeln der Sache“, wie eine Rückgabe im Geschäft. Auch die Gründe für die Entscheidung wurden nicht erfragt. Die in einem Brief verfassten Eindrücke von uns an den Tierschutz bzw. die neuen Interessenten wurden anscheinend nicht gelesen und Kali wurde erneut als toller, freundlicher Hund in der Vermittlungsanzeige beschrieben.

Warum ich dies nun alles aufschreibe? Ich habe mich immer gefragt, warum man einen Welpen vom Züchter oder überhaupt einen Welpen bei sich aufnehmen sollte, wenn es doch so viele Hunde im Tierschutz gibt. Für mich muss das Fazit leider lauten: Hunde aus dem Ausland nach Deutschland zu holen, wenn die prägendste Zeit vergangen ist, sie wenig Kontakt mit Menschen und den Lebensverhältnissen in Deutschland gemacht haben und sie in die Hände unerfahrener (wenn auch bemühter) Menschen zu geben, hat nicht immer etwas mit Tierschutz zu tun. Manchem Hund geht es im Ausland/auf der Straße/… wo auch immer vielleicht besser als hier in Deutschland. Ich wünsche mir, dass Sie als Leser*in aus meiner Erfahrung lernen können und bei einem Tierschutzhund einfach genau hinschauen, ob der Verein wirklich am Tierwohl interessiert ist und sich der hohen Belastung der Tiere und der unklaren Vergangenheit und Lernerfahrungen bewusst sind.

Wo es für mich mit der Frage nach einem eigenen Hund hingeht, kann ich noch nicht sicher sagen, aber ich kann Sulas Empfehlungen aus dem Sommer nun besser verstehen und es tut mir leid, dass ich diese Erfahrungen auf dem Rücken von Kali machen musste. Ich hoffe, dass Tierschutz auch anders gehen kann und ich die Erfahrung noch machen darf.