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Unerwünschtes Jagdverhalten beim Hund

Viele Hundehalter kennen die folgende Situation. Sie gehen gemeinsam mit Ihrem Hund spazieren und stehen plötzlich alleine im Wald, weil Fiffi hinter einem Reh her hetzt? Jedes Rufen und Pfeifen ist dann zwecklos und der eigene Hund nicht mehr beeinflussbar. Was also tun, wenn der eigene Hund seiner Jagdleidenschaft ungehemmt nachgeht?

Für viele Hundehalter ist ein entspannter Spaziergang mit ihrem Vierbeiner unvorstellbar, da dieser jede Chance nutzt, seiner Jagdpassion nachzugehen. Da werden Kaninchen aufgestöbert oder Rehe gehetzt, es wird mit Leidenschaft in Mäuselöchern gebuddelt, oder der Hund verfolgt mit tiefer Nase Fährten. Dabei ist es egal, ob der Hund einer Jagdhunderasse angehört oder nicht, jagen können unsere vierbeinigen Freunde alle, denn das gehört zu ihren ursprünglichsten Verhaltensweisen. Lediglich in der Strategie und im Erfolg unterscheiden sie sich. Was kann man nun tun, um trotz dieser Leidenschaft noch entspannt mit seinem Hund spazieren zu gehen?

Das Jagen lediglich zu verhindern, indem der Hund an der Leine bleibt führt oft dazu, dass der Hund andere Formen des Jagdverhaltens entwickelt. Er lenkt sein Jagdinteresse auf eine andere Beute wie z.B. Jogger oder Radfahrer. Auch ihm das Jagen nur zu verbieten kann ungewollte Konsequenzen haben. Viele Hunde entwickeln dann autoaggressives Verhalten, sie lecken und beißen an sich herum, bis die Pfoten blutig und wund sind. Letztendlich muss es darum gehen, ein Alternativverhalten zu finden, bei dem der Hund den ihm angeborenen Jagdtrieb gemeinsam mit seinen Menschen ausleben kann. Bieten sie ihm eine Ersatzbeute an. Das kann ein Spielzeug oder ein Futterbeutel sein, die er zusammen mit ihnen jagen darf. Oftmals verlieren dann schon echte Beutetiere ihren Reiz. Ist er eher ein Sichthetzer, so findet er das Spiel mit der Reizangel bestimmt toll. Hier wird ein Gegenstand an einen Stock mit Schnur gebunden. Der Mensch bewegt den Gegenstand mithilfe der Reizangel hin und her, und der Hund kann nach Herzenslust hinterherhetzen! Achten Sie aber bei dieser Beschäftigungsform unbedingt darauf, dass der Vierbeiner gesundheitlich fit ist und der Untergrund nicht zu hart ist. Auch sollte der Hund vorab eine sehr gutes Bleib-Signal kennen, denn die Beute darf erst gejagt werden, wenn der Hund geblieben ist. Vielleicht gehört Ihr Hund aber auch zu den Apportierhunden? Voran über 50 m, auf Pfiff abstoppen und dann noch einmal 20 m nach rechts sind für einen Apportierhund eine leichte Übung. Ihr Hund findet Dummys oder Bälle langweilig? Vielleicht können Sie ihn auch für den Kong begeistern, der nach dem Aufprall noch lustig hin- und herhüpft. Damit die Beute auch langfristig spannend bleibt, darf sie nicht ständig für den Hund präsent sein. Lassen sie die Ersatzbeute nicht herumliegen, sondern verwahren sie diese an einen für den Hund unzugänglichen Ort auf. Beobachten sie ihren Hund während des Spaziergangs und bieten beim ersten Ortungsverhalten die Ersatzbeute an, bevor ihr Hund eine echte Spur entdeckt hat. Insofern haben sie gute Chancen, ihren Hund vom Jagen abzuhalten. Ist er eher ein Nasenhund, der gerne Spuren verfolgt, so wird er seine Leidenschaft vielleicht in der Fährte oder in einem Suchspiel finden. Das Training starten Sie auf jeden Fall immer an einem Platz, an dem für Ihren Hund möglichst wenig Ablenkung vorhanden ist. Meiden Sie in dieser Zeit Gegenden mit viel Wild!

Jedoch hat das Training mit der Ersatzbeute seine Grenzen. Abhängig vom Interesse ihres Hundes am Jagen und seiner Erfahrung damit, kann es schwierig werden, ihren Vierbeiner für einen Ersatz zu begeistern. In solch einem Fall muß über ein existentielles Training an der Schleppleine nachgedacht werden, d.h. der Hund wird ausschließlich über die Arbeit mit der Ersatzbeute ernährt. Macht der Hund nicht mit, wird das Training abgebrochen und in reizärmerer Umgebung oder am nächsten Tag erst fortgesetzt. Der Hund bekommt also auch am nächsten Tag auf dem Spaziergang erst wieder die Möglichkeit zu fressen ! Hierdurch soll der Hund lernen, daß das Jagen echter Beute ihn nicht satt macht und er sich lieber mit dem Futter, das der Mensch ihm anbietet beschäftigen sollte. Ein gesunder, erwachsener Hund kann übrigens bis zu 20 Tage ohne Futter auskommen.

Leider gibt es aber auch immer wieder Hunde, bei denen der Jagdtrieb so stark ausgeprägt ist bzw. über mehrere Jagderfolge so gefestigt wurde, daß sie trotz längerer Hungerperioden (von ca. fünf Tagen) sich auf die Jagd nach der Ersatzbeute nicht einlassen können. Der Lustgewinn beim Hetzen ist für sie so groß, daß er über allem steht. Bei solchen Hunden gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: ein dauerhaftes Schleppleinentraining oder eine Korrektur über ein Sprüh-Impulsgerät. Bevor jedoch über den Einsatz eines Sprüh-Impulsgerätes nachgedacht wird, müssen vorher alle anderen Trainingsalternativen durchlaufen worden sein, d.h. dem Hund muß eine Möglichkeit zum alternativen Verhalten geboten werden, sonst ist die Korrektur eine willkürliche Strafmaßnahme des Menschen und dies ist nach unserer Trainingsphilosophie abzulehnen. Der Einsatz eines Strom-Impulsgerätes scheidet als alternative Korrekturmöglichkeit immer aus! Für den Einsatz von Gewalt gibt es keine Begründung. Einem Hund Schmerzen zuzufügen, nur damit er entsprechend der menschlichen Vorstellung funktioniert, ist grundsätzlich abzulehnen.

Das wichtigste beim Training mit dem Hund ist es also, auf seine individuellen natürlichen Bedürfnisse und Veranlagungen einzugehen. Ein artgerechtes Training wird daher auch immer eine Form von Jagdverhalten beinhalten. Ob das nun die Fährtenarbeit, ein Apportiertraining, ein Hetzspiel oder ein Treibballspiel ist, muß anhand der jeweiligen Motivation des Hundes entschieden werden.

Unerwünschtes Jagdverhalten kann man nicht unterdrücken, man muß es vielmehr gezielt in andere Bahnen lenken. Falls Du dabei Unterstützung brauchst, wende Dich gerne an uns und schreib uns eine Nachricht. Hier geht`s direkt zum Kontaktformular