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So klappt es mit einem harmonischen Zusammenleben

Liebe Hundefreunde, liebe Kunden, Liebe LeserInnen,

es liegt mir nichts mehr am Herzen, als dass ihr euren Alltag und euer Leben gemeinsam mit euren Hunden so stressfrei und entspannt gemeinsam erleben könnt. Gerne gebe ich euch ein paar Tipps an die Hand, auf was ihr im Alltag mit euren Hunden achten solltet.

Ich vergleiche das immer ein bisschen, wie mit der Kindererziehung. Genau wie bei Kindern ist es wichtig, dass Hunde einen Rahmen gesteckt bekommen, an den sie sich zu halten haben. Ich nenne es einfach mal Regeln im Alltag. Wie bei Kindern auch, ist es oft so, dass Hunde, gerade in der Welpen- und Junghundezeit aber auch wenn sie zum Beispiel aus dem Tierschutz kommen, die Umwelt und auch die Reize noch nicht kennen. Also ist es wichtig, dass ihr euren Hunden Sicherheit vermittelt, indem ihr Regeln aufstellt und die Aufgabenverteilung vornehmt.

Jetzt fragt ihr euch sicherlich: Wie? Aufgaben verteilen, wie geht das? Das hört sich jetzt schwieriger an als es ist. Fragt euch doch einfach einmal, wie ihr das bei der Kindererziehung machen würdet? Hier würdet bzw. stellt ihr doch sicherlich auch Regeln auf und verteilt Aufgaben. Morgens nach dem Aufstehen, denke ich schon, dass ihr euren Kindern beigebracht habt, dass sie sich Waschen und die Zähne putzen. Oder? Und so ist das auch mit euren Hunden. Klar, Hunde sind keine Kinder, aber Hunde benötigen genauso Regeln und einen Rahmen, damit das Zusammenleben im Alltag funktioniert. Genau wie bei Kindern, da wollt ihr doch auch nicht, dass sie über Tische und Bänke springen. 

Euer Lebensraum (Kernraum + Aktionsraum)

Um Hunden einen Rahmen und Sicherheit zu geben, teilen wir den Lebensraum in einen Kernraum (euer zu Hause), also die sichere Höhle und in einen Aktionsraum (Wald, Wiese, Stadt, also außerhalb von zu Hause), also fremdes Territorium ein.

Wie bei uns Menschen auch, ist das zu Hause ein Ort, wo wir uns erholen und entspannen können. Und genau, dass vermittelt ihr euren Hunden, der Kernraum ist die Ruhezone und ein Rückzugsort und Dynamik wird vermieden. Natürlich könnt ihr mit euren Hunden ruhige Übungen, wie Sitz und Platz gerne trainieren. Ich zum Beispiel mache ja morgens auch mein Yoga und meine Meditation, also eher ruhige Dinge. Wenn ich Laufen möchte, gehe ich lieber in die Natur. Und genauso handhabt ihr es bei euren Hunden. Über Tische und Bänke wird nicht gesprungen, das könnt ihr eher im Aktionsraum mit euren Hunden tun.

Viele von euch haben ja auch einen Garten, was aber meines Erachtens nicht erforderlich ist, um mit einem Hund zusammen zu leben. Wenn ihr einen Garten habt, wird dieser als Grenze zum Aktionsraum gesehen und hier könnt ihr gerne mit euren Hunden auch dynamische Übungen, wie Apportieren, Suchspiele etc. machen. Es empfiehlt sich genau wie im Haus, dem Hund Liegeplätze und Löseplätze zuzuweisen und dass an nicht strategischen Stellen.

Ich empfehle auch den Aufenthalt im Garten eurer Hunde nur zusammen mit euch. Wenn ihr eure Hunde öfters im Garten allein lasst, kann es passieren, dass eure Hunde denken, dass sie auf den Garten aufpassen sollen. So habe ich viele Kunden, bei denen Hunde gelernt haben, ich muss auf den Garten aufpassen. Und das ist oft für Hunde und Hundebesitzer sehr stressig.

Sobald ihr euer Zuhause verlasst, tretet ihr in den sogenannten Aktionsraum, also fremdes Territorium ein. Ob zu Fuß oder mit dem Auto spielt keine Rolle. Wichtig ist, dass ihr immer den Aktionsraum (fremdes Territorium) als erstes betretet und euren Hunden dadurch die Sicherheit gebt, dass ihr euch um Gefahren kümmert. Ihr geht also als erstes zur Haustür raus oder auch in den Garten und gebt dem Hund dann die Freigabe, wann er raus gehen darf. Beim Auto aussteigen ist es genauso. Der Hund sollte warten, bis ihr das fremde Territorium abgecheckt habt und er eure Freigabe erhalten hat, zum Beispiel aus dem Kofferraum oder der Autobox zu springen. 

Besucher

Besucher, ob von eurer Familie, Freunde oder Fremde, werden von euren Hunden als Eindringlinge gesehen. Sie betreten erst einmal euer Territorium. Es gibt territoriale Hunde, die auch denken, dass sie ihr Territorium betreten. Hier erlebe ich oft, dass Hunde versuchen, ihr Territorium und ihre Menschen zu verteidigen. Dann ist der Stress bei Mensch und Hund oft vorprogrammiert. Gerade deswegen empfehle ich, von Anfang an, dass ihr alle Besucher begrüßt und auch alle Besucher verabschiedet. Hier hat der Hund nichts verloren. Denn soziale Kontakte, ob Mensch oder Tier, sind für Hunde auch Ressourcen (siehe weiter unten).  

Liegestellen, wie Decken, Körbchen, Boxen etc.

Hunde sind soziale Lebewesen und sie sind es gewöhnt, im Sozialverband bzw. Rudel zu leben. Also ist es sehr wichtig, dass ihre Ruhe- und Schlafplätze in der Nähe des oder der Menschen angeordnet sind. Unsere Beagles zum Beispiel haben Schlafplätze bei uns im Schlafzimmer, Liegeplätze im Wohnzimmer und natürlich noch Körbchen in meinem Büro. Achtet bitte darauf, dass die Liegestellen nicht strategisch angelegt werden, sie sollen eine Rückzugsmöglichkeit sein, wo Hunde ihre Ruhe haben und sich zurückziehen können. Durch nicht strategische Liegeplätze vermittelt ihr euren Hunden körpersprachlich, dass sie nicht auf ihr Territorium aufpassen müssen und ihr das übernehmt. 

Futter- und Wasserplätze

Generell sollte Wasser dem Hund immer zur freien Verfügung gestellt werden. Aber auch hier könnt ihr darauf achten, dass die Wasserplätze eher nicht strategisch angeordnet sind. Das gleiche gilt für die Futterplätze. Bei uns ist es so, dass wir Wasser in der Küche und im Wohnraum stehen haben. Das funktioniert sehr gut. Das Futter wird von uns verteilt und wir geben auch das Signal, wann unsere Beagles fressen können. Futter sollte nicht stehen bleiben. Wenn eurer Hunde nicht binnen fünf Minuten, na bei uns dauert es maximal 2 Minuten, alles auffressen, räumt es bitte weg, denn es ist eine Ressource, die Hunde für sich beanspruchen könnte. 

Privilegien und Ressourcen (Dinge wie, Futter, Spielzeug, Freiraum etc.)

Die Einteilung und Verteilung von Privilegien ist im Hunderudel immer den Ranghohen vorbehalten. Um euren Hunden körpersprachlich klar zu machen, dass ihr die Entscheidungen trefft, teilt ihr die Ressourcen, wie zum Beispiel Futter, Spielzeug euren Hunden zu. Die meisten Hundebesitzer tun das ja unbewusst, indem sie das Futter hinstellen und ihre Hunde erst fressen lassen, wenn sie die Freigabe erteilt haben. Es gibt aber noch ein paar weitere Ressourcen, die ihr euren Hunden einteilt und nicht zur freien Verfügung lasst. Das sind sogenannte Primäre Ressourcen wie: Futter, Wasser, Knochen, Kaustangen und Spielzeug. All diese Ressourcen sind objektbezogen. Es gibt aber auch noch die sogenannten beziehungsbezogenen Ressourcen wie: Liegestellen, Freiraum, soziale und sexuelle Kontakte. Auch diese Ressourcen bzw. Privilegien teilt ihr als Hundebesitzer euren Hunden zu. Denn ich denke nicht, dass ihr wollt, dass eure Hunde einfach Kontakt zu Besuchern aufnehmen sollen, indem sie auch noch anspringen. Mit Regeln und Konsequenz bekomme ich solche Probleme schneller in Griff. 

Wie ist es mit Tabuzonen für den Hund?

Je nach der Größe eurer Wohnung oder eures Hauses, sind Tabuzonen zum Beispiel geeignete Orte wie das Kinderzimmer, Spielecken, Gästezimmer, Küche oder auch das Badezimmer. Unsere Beagle dürfen nicht in das Bad und Gästezimmer und nicht in die Küche, wenn ich zum Beispiel die Spülmaschine aus- oder einräume oder koche. Wenn ich nicht mit Essen rumhantiere können sie da gerne auch in die Küche. Gerade in Bezug auf das Alleine bleiben üben ist es von Anfang an sinnvoll, solche Tabuzonen einzurichten, damit euch eure Hunde nicht überall hin verfolgen können. Ich habe schon Kunden gehabt, da war der Hund beim Duschen mit dabei, weil er einfach nicht allein bleiben wollte bzw. es nicht gelernt hatte. Ja das ist ein Thema, bei Tieren, die von der Natur aus nicht Allein bleiben können. Das könnt ihr aber sehr gut von Anfang an in kleinen Schritten trainieren, wenn ihr von Anfang an Tabuzonen einrichtet. 

Wie gehe ich nun mit den Regeln um, was bringt es mir?

Wichtig ist immer, dass ihr schaut, wie alles in euren Alltag passt. Es sollte kein starres Gefüge sein. Je nach Hund und Veranlagung und auch Alter, passe ich die Regeln für den Alltag individuell an. Ihr werdet bald merken, dass ihr euren Hunden mit Regeln Sicherheit gebt und sie sich stärker an euch orientieren. Auch das Vertrauen und die Bindung wird gestärkt. Was euch später auch Draußen eine große Hilfe ist.

Was gehört noch dazu?

Zu all den Regeln im Alltag ist es wichtig, eure Hunde auch artgerecht zu beschäftigen. Schaut einfach was für Anlagen eure Hunde haben und sucht Beschäftigungen, die euch gemeinsam Spaß machen. Es nutzt nichts, wenn euer Hund gerne Agility macht und ihr habt keinen Spaß daran. Aber auch Auszeiten und Ruhe gehören dazu. Wenn ihr überlegt, dass Hunde in der Regel ein Schlaf-/Ruhebedürfnis von 18 – 20 Stunden am Tag haben, dann achtet einfach mal darauf, wieviel Ruhe und Schlaf eure Hunde haben. Denn gerade beim Training und der Beschäftigung ist oft weniger mehr. Mittlerweile gibt es viele Hunde, die erst einmal lernen müssen, zur Ruhe zu kommen. Ein Zuviel an Beschäftigung tut auf die Dauer nicht gut und kann krankmachen. Ich war anfangs verwundert, dass unsere Beagles so viel schlafen. Und dachte, die sind doch nicht krank? Nein, das sind sie nicht, denn sie bekommen eine artgerechte Beschäftigung, wie zum Beispiel Spuren verfolgen, in Form von Mantrailing, Futtersuchspielen und Apportieren oder auch Suche nach klein(st)en Gegenständen. Und eins kann ich euch sagen, Nasen- und Kopfarbeit ist nicht zu unterschätzen, was unsere Hunde da leisten, da ist viel Ruhe, Schlaf und Erholung nötig.  

Und zu guter Letzt

Wenn ihr diese Punkte beachtet, dann steht einem gemeinsamen Leben und einem entspannten Alltag nichts mehr entgegen.

Also los geht’s, findet die Balance zwischen Regeln und Konsequenz im Alltag und Beschäftigung und eure Hunde werden es euch danken. Sie werden entspannter im Alltag werden und sich an euch orientieren.

Ihr möchtet mehr über ein entspanntes Zusammenleben im Alltag mit euren Hunden erfahren? Dann ist vielleicht mein Vortrag „Alltag mit Hund“ am Donnerstag den 27. Februar interessant für euch.

Ich wünsche euch viel Freude im gemeinsamen Umsetzen und Ausprobieren und freue mich auch gerne über Rückmeldungen!

Eure Bettina Bumb