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Kleiner Hund im Wolfspelz?

Hilfe! Ich habe einen kleinen 15 Wochen alten Bollipoo der große Angst vor anderen Hunden hat. Wir sind in einer Welpengruppe und dort ist er nur am zittern, fürchtet sich und schreit, wenn ihm ein andere Hund zu nahe kommt. Ich bin mir total unsicher, was ich machen soll und frage mich, ob ich eine Welpenspielgruppe für ganz kleine Hunde mit ihm besuchen soll.

Manchmal werde ich gefragt, ob ich in meiner Hundeschule auch Welpengruppen für kleine Rassen anbiete. Da mir die Welpengruppen sehr am Herzen liegen wollte ich DEN perfekten Welpenkurs kreieren, um wirklich jedem Mensch-Hund-Team die optimalen Voraussetzungen zu schaffen, damit aus den Welpen sichere und freundliche Hunde werden, die sich im Freilauf mit anderen Hunden wohl fühlen und sich an freundliche Umgangsformen halten. Dabei gibt es stark voneinander abweichende Erwartungen von frisch gebackenen Hundeeltern und vor allem auch unterschiedliche Herausforderungen, was die Sozialisierung der Welpen angeht.

Hunderassen unterschieden sich erheblich voneinander unter anderem auch von der Größe. Meiner Erfahrung nach sind vielen Rassen kleinerer Größe um einiges skeptischer gegenüber fremden Welpen. Das kann man zwar nicht pauschalisieren, denn Ausnahmen bestätigen die Regel, dennoch fällt es mir in meinem beruflichen Alltag häufiger auf. Dies kann mit der Wurfgröße zusammen hängen. Besteht ein Wurf aus 3 Welpen, haben die Geschwister weniger Kontakt zu anderen Welpen, als wenn ein Wurf aus 13 Welpen besteht. Und Würfe kleiner Rassen sind häufig etwas kleiner. Dies kann Vor- und Nachteile haben, denn der Umgang miteinander, also zwischen den Geschwistern, hat erheblichen Einfluss auf die Einstellung gegenüber anderen Welpen. In manchen Würfen geht es da manchmal ziemlich wild und rabiat zu. Und was man zu Hause gelernt hat, zeigen die Welpen dann in der Welpenschule gegenüber anderen Welpen. Es ist erstaunlich wie viel Einfluss bereits die ersten 8 Wochen innerhalb des Wurfes haben.  Während die einen sich sehr verschüchtert kaum auf das Trainingsgelände trauen und vor Aufregung am ganzen Körper zittern, kommt der andere höchst selbstbewusst daher und poltert drauf los. Manchmal sieht man Strategien sich gegen die anderen durchzusetzen und es wird gleich Anlauf auf die Ohren des anderen genommen und rein gezwickt.

Viele Menschen träumen und wünschen sich ein nettes Spiel der Welpen miteinander. Doch manchmal habe ich den Eindruck, es steckt ein Schaf im Wolfspelz. Nun kommen wir Trainer ins Spiel, wir sorgen dafür, dass sich kein Welpe unwohl fühlt, überrumpelt wird oder in eine Ecke gedrängt wird. Hierfür habe ich ein gutes System gefunden, bei dem die einen bereits lernen, Frustration auszuhalten und für ruhiges Verhalten belohnt zu werden, während die anderen im Schutz ihrer Menschen selbst entscheiden können, wie groß der Abstand zu den anderen Welpen sein soll, ohne dass man als Mensch über die Hunde drüber bügeln oder sie mit Wasser nass machen muss.

Insgesamt dauert unser Welpenkurs 6 Wochen und es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell die Zeit vergeht.  Sehr oft beobachten wir Welpen, die zunächst skeptisch und vorsichtig sind und nach und nach aufblühen. Dann wird es häufig nötig, einzuschreiten und das Aufreiten oder die Zähne im Fell des anderen Welpen zu verhindern. Letztendlich gehen viele Welpen dann selbstsicher aber auch freundlich im Umgang mit anderen in die Junghundegruppe. Dennoch gibt es Welpen, die einfach aufgrund ihrer bisherigen Erfahrungen, die sie bereits im eigenen Wurf gemacht haben, vorsichtig und skeptisch bleiben. Die Menschen sind häufig besorgt, da sie sich eigentlich gewünscht haben, dass sich der Welpe offen und sicher verhält. Manchmal bekommen wir auch nicht die Chance, den Welpen bis zur Junghundezeit zu begleiten, weil die Besitzer unsicher oder unzufrieden sind und wir sie nicht beruhigen können. Doch immer wieder zeigt sich, dass sich die Geduld auszahlt. Es braucht Geduld, damit der Welpe selbst den ersten Schritt machen und sich selbst überwinden kann. Auch wenn der Wunsch nahe liegt, ihn einfach ins kalte Wasser zu schmeißen und ihn der Situation einfach auszusetzen.

Schwierig wird es, wenn der Welpe lernt, dass er sich selbst verteidigen muss und dass die anderen vom „in die Luft schnappen“ und vom bellen beeindruckt sind. Zudem ist es wichtig, dass der Welpe nicht in eine Situation gebracht wird, in der er zu schreien oder zu quieken anfängt. „Die regeln das unter sich“ ist aus meiner Sicht absolut veraltet.

Wäre es dann nicht schlauer, einen Welpenkurs extra für kleine Rassen anzubieten? Ja, das habe ich auch gedacht und einen solchen Kurs ins Leben gerufen. Der Vorteil: alle Welpen sind klein. Die Hoffnung: Dadurch sind sie weniger skeptisch. Dies hat sich in der Realität leider anders herausgestellt. Skepsis schein ansteckend zu sein, auch nach ein paar Wochen, haben sich die kleinen nicht getraut, miteinander zu spielen. Es scheint mir auch nicht so zu sein, dass die Größe der anderen Hunde entscheidend ist, ob ein Hund einer kleinen Rasse offen auf die anderen zu geht oder nicht. Tatsächlich habe ich sehr gute Erfahrungen mit einem deutschen Doggen Welpen in der Welpengruppe gemacht, der wie ein Magnet so anziehend war, dass sich sogar die Maltipoos getraut haben und ein wirklich netter Kontakt entstanden ist. Voraussetzung ist selbstverständlich, dass man die Dogge ein wenig bremst, da sie ihre Kräfte noch nicht einschätzen und die körperlich unterlegenen Welpen nicht verletzen oder überrumpeln sollte. Große Hunde können durchaus lernen, wie man mit kleineren Hunden spielt und vorsichtig mit ihnen umgeht.

Aber genau das ist mein Punkt: Es ist aus meiner Sicht so wichtig, dass die Hundewelpen lernen, mit den verschiedensten Rassen zurecht zu kommen und noch viel wichtiger ist, dass die Menschen lernen Hundekontakte richtig einzuschätzen und wie man einschreitet, wenn es zu Konflikten kommt oder große Hunde auf kleine treffen. Schließlich trifft man doch beim Spaziergang auch aufeinander, richtig?! Wichtig ist auch als Besitzer eines großen Hundes zu wissen, dass kleine Hunde häufig ein Problem damit haben, von größeren, körperlich überlegeneren Hunden über den Haufen gerannt zu werden, denn das tut einfach weh.  

Ich habe mich also dazu entschlossen, gemischte Welpengruppen anzubieten und innerhalb dieser Gruppe dafür zu sorgen, dass niemand, weder groß noch klein, über den Haufen gerannt wird und genügend Zeit bekommt, sich mit fremden Rassen und unterschiedlichen Größen auseinander zu setzen.

Das schönste Feedback für mich ist es dann, wenn die Kunden staunen, wie viel es beim Freilauf von Hunden zu lernen gibt und wenn wir es schaffen, dass extrem unsichere Welpen aufblühen und Selbstvertrauen entwickeln.

Woran erkennt man einen guten Welpenkurs? Hier findest du einen passenden Artikel.