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Mein Welpe weint, wenn er alleine bleiben muss. Was kann ich tun?

Folgende Kundenfrage hat mich heute erreicht:

Hallo Valérie,

ich habe mal eine Frage zum Thema Alleine-Bleiben. Im nächsten Monat muss ich wieder arbeiten und Tom wird für 4 Stunden alleine bleiben müssen. Er ist jetzt 14 Wochen alt und ich übe bereits seit 3 Wochen das Alleine-Bleiben. Sobald er merkt, dass ich weg bin, oder ich mich in einem anderen Raum befinde, fängt er an zu jammern. Zunächst bin ich immer nur ganz kurz aus dem Raum, habe ihn beim Zurückkommen nicht beachtet und alles so gemacht wie es in den Büchern und im Internet steht. Wenn ich für 30 Minuten das Haus verlasse, um kurz einzukaufen, fängt er in den ersten 10 Minuten an zu jammern und zu bellen, ich habe ihn durch eine Kamera beobachtet. Dann legt er sich hin und schläft. Mache ich etwas falsch oder ist das normal?

Welpen müssen das Alleine-Bleiben Schritt für Schritt lernen.

Sicherlich geht es dem einen oder anderen von euch genauso, denn das Alleine-Bleiben zu trainieren, ist ein sehr häufiges und zeitaufwendiges Thema, welches unter Umständen viel Geduld fordert. Zunächst einmal finde ich wichtig, sich bewusst zu machen, dass Hunde im Rudel nicht alleine bleiben müssen. Ähnlich wie beim Thema Leinenführigkeit, sind unsere Lebensumstände der Grund, warum ein Hund das Alleine-Bleiben lernen muss. Hunde hätten nichts dagegen, den ganzen Tag gemeinsam zu verbringen. Im Welpenalter ist es noch so, dass die Welpen einen sogenannten Folgetrieb zeigen, dass heißt sie folgen uns auf Schritt und Tritt. Dies ist in freier Wildbahn wichtig für das Überleben, denn die Hundemutter bietet Schutz und der Welpe ist noch vom Schutz des Rudels abhängig. Später beginnen die Junghunde die Welt zu erkunden und somit wird der Abstand zum Menschen auf dem Spaziergang von alleine größer.

Heißt also: Es ist ganz normal, dass es dem Welpen schwer fällt ruhig zu bleiben, wenn die Bezugsperson außer Sichtweite gerät.

Prinzipiell startet man das Training des Alleine-Bleibens damit, dass man mal den Raum verlässt und bereits nach Sekunden wieder zurück ist, ohne eine große Sache daraus zu machen. Häufig klappt es schon, dass die Menschen mal im Obergeschoss sind und der Welpe durch das Treppengitter unten bleibt. Doch was mache ich, wenn der Welpe bereits unruhig wird, wenn man wie in der Frage beschrieben, nur kurz den Raum verlässt. Als Faustregel gilt: Fängt der Welpe an zu jammern sind die Trainingsschritte noch zu groß. Zeitdruck wirkt sich immer ungünstig auf das Training aus. Es gibt Welpen, die können bereits mit 16 Wochen für eine Stunde alleine bleiben, die Mehrzahl aller Welpen und Junghunde benötigt jedoch mehr Zeit, um sich daran zu gewöhnen. Den Welpen jammern zu lassen und erst zurückzukehren, wenn er still ist, kann im Alltag funktionieren. Manchmal beschreiben mir Kunden, dass sie nun nicht mehr auf dem Sofa schlafen möchten, sondern wieder ins Schlafzimmer gezogen sind. Der Junghund habe kurz gejammert, sich dann aber relativ schnell beruhigt und sich nun an die Situation gewöhnt, nachts alleine im Wohnzimmer zu schlafen.
Es gibt Welpen bzw. Junghunde, die schaffen das aber nicht. Wo der Welpe nachts am besten schläft, ist im Übrigen ein anderes Thema, welches ich in einem anderen Artikel genauer erläutere.

Das Training in kleinen Schritten aufbauen:

Wir empfehlen einen anderen Weg. Wenn ich merke, dass der Welpe bereits überfordert ist, wenn ich den Raum verlasse, macht es Sinn, im Alltag zu schauen, ob ich ihm beibringen kann, auf Distanz zu mir auszuruhen und ihn daran zu gewöhnen, nicht permanent bei mir sein zu können, während ich das Haus noch nicht verlasse. Hierzu sollte man Momente im Alltag nutzen, in denen man selbst entspannt ist und nicht gleichzeitig noch andere Dinge erledigen muss, wie zum Beispiel abends auf dem Sofa. Über das Training eines festen Liegeplatzes kann ich dem Welpen beibringen, dass er sich abends entspannen kann, obwohl er nicht in meiner direkten Nähe auf dem Sofa liegt, sondern auf eine gewisse Distanz im selben Raum. Im fortgeschrittenen Training kommt hinzu, dass der Welpe entspannt auf seinem Platz liegen bleibt, auch wenn ich vom Sofa aufstehe und etwas im gleichen Raum herumlaufe. Im nächsten Schritt lernt der Welpe, sich auf dem Liegeplatz zu entspannen, während ich kurz den Raum verlasse. Funktionieren diese Schritte in ruhigen und entspannten Situationen, übertrage ich das Training auf Alltagssituationen, zum Beispiel beim kochen. Schritt für Schritt nähere ich mich der eigentlichen Situation, nämlich, dass ich kurz das Haus verlassen kann.

Zu berücksichtigen ist, dass es verschiedene Ursachen gibt, weshalb ein Hund nicht alleine bleiben kann. Funktioniert das Training in kleinen Schritten wie oben beschrieben nicht, sollte noch einmal intensiv nach der Ursache geschaut werden und die Strukturen im Alltag besprochen werden. Hierzu gehören zum Beispiel auch die körperliche und geistige Auslastung, das Treffen von Entscheidungen im Alltag, Verhaltensstörungen des Hundes, aber auch die Beziehung zwischen Hund und Mensch.

Alternativen suchen:

Eine Alternative um den Druck zu nehmen, kann die Betreuung durch eine andere Person sein. Dies schafft ein wenig Luft für das Training. Je nach Alter des Hundes, kann über die Unterbringung in einer Hundetagesstätte nachgedacht werden.