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Angst vor Silvester

Hier nun aber ein paar, mehr oder weniger kurzfristige, Tipps gegen die Silvesterangst: 

Danke Conny Sporrer für den Beitrag / Martin Rütter DOGS Wien

Die schlechte Nachricht gleich vorweg: Es ist viel zu spät, die Silvesterangst Eures Hundes jetzt noch in ein wirklich in Griff zu bekommen. Ich gebe Euch hier ein paar Last-Minute-Tipps und nenne Maßnahmen, die aber dazu führen können, dass die Silvesternacht für Euren Hund in diesem Jahr etwas entspannter wird. Um für Silvester 2018 richtig zu vorbereitet sein, solltet Ihr jedenfalls unbedingt in den nächsten Wochen bereits mit dem Training und den richtigen Vorbereitungen beginnen.

Hier nun aber ein paar, mehr oder weniger kurzfristige, Tipps gegen die Silvesterangst:


KAUEN & LECKEN

Ein großer, saftiger Kauknochen oder ein gefüllter KONG mit Frischkäse, Leberwurst o. Ä. lenken nicht nur ab, das Lecken und Kauen setzt auch Glücks- und Beruhigungshormone frei, die den Hund automatisch ein bisschen beruhigen – ähnlich wie das Schnullernuckeln eines Babys. Tipp: Im gefrorenen Zustand ist der Hund umso länger mit dem „Leckobjekt“ beschäftigt.

VORHÄNGE ZU, MUSIK AN

Vorhänge und Jalousien am besten frühzeitig schließen. Entspannende Musik, die in höchstmöglicher, aber noch angenehmer Lautstärke läuft, dämpft Knallgeräusche gut ab. Wenn möglich, gerne früh genug mit dem Hund in den Keller gehen. Dr. Deborah Wells von der Queens University in Belfast erforschte übrigens an verschiedenen Tieren, dass klassische Musik nachweislich entspannen würde. Tierheimhunden wurde beispielsweise leichte klassische Musik wie Mozart oder Balladen vorgespielt, welche die Hunde nachweislich beruhigten, wohingegen Popmusik oder das Vorspielen menschlicher Gespräche vom Tonband keine Auswirkung auf die Stimmung der Hunde hatte. Musik von Wagner, Hardrock oder Heavy Metal hingegen riefen wesentlich mehr Stress hervor (Wells 2000).

Die Verhaltenstierärztin Sophie Strodtbeck berichtete kürzlich davon, dass die banale Idee ihrem Hund etwas Watte in die Ohren zu stecken und diese mit einem Schal und selbsthaftenden Verband um den Kopf zu fixieren, wesentlich zur Entspannung beigetragen hat. Alternativ wären hierzu auch spezielle Ohrenschützer für Hunde denkbar. So einfach die Idee auch wirkt, ich finde sie gut, wenngleich ich aber denke, dass die meisten Hunde dieses „neue Gefühl“ im Ohr und um den Kopf nicht gut aushalten und versuchen werden Schal & Co. abzustreifen. Einen rechtzeitigen Versuch ist es aber allemal wert.

RÜCKZUG BIETEN

Verkriechen ist an Silvester überall erlaubt (auch wenn der Bereich sonst evtl. verboten ist). Früh genug und richtig aufgebaut, kann auch eine eigene faltbare Transportbox eine gut geeignete Höhle für den Hund sein, nicht nur zu Silvester. Krabbelt Euer Hund plötzlich aufs Sofa oder ins Bett, lasst das bitte zu. Versteht es als großes Kompliment an Eure Mensch-Hund-Beziehung – schließlich sucht der Hund Eure Nähe und Sicherheit, um zu entspannen.

NÄHE ZULASSEN

Will Euer Hund sich an Euch kuscheln, lasst das bitte auch zu. Der Rat den Hund in einer Angstsituation nicht streicheln zu dürfen, um die Angst nicht zu verstärken, ist mittlerweile längst überholt. Wenngleich es schon wichtig ist, die Situation für den Hund durch übertriebene Aufmerksamkeit nicht weiter besonders zu machen. Ruhe und Gelassenheit auszustrahlen, hilft Eurem Hund möglichst nichts Außergewöhnliches an der Situation zu finden. Eine sanfte Massage schüttet übrigens nachweislich das Bindungshormon Oxytocin aus. Diese ist allerdings nur dann sinnvoll, wenn Euer Hund sie auch genießt und nicht dazu genötigt wird. Manche Hunde schätzen es auch nur gehalten zu werden oder entspannen ein bisschen besser, wenn man ihnen eine Hand auflegt, um Nähe zu zeigen. 

Immer wieder hört man auch vom sog. ThunderShirt®. Es handelt sich dabei im Prinzip um einen engen Body, der dem Hund durch die eher enge Kompression am Körper Sicherheit & Ruhe vermitteln soll, wie es früher mit dem engen Wickeln von Babys gedacht war. Ehrlicherweise haben wir keine erwähnenswerten Erfahrungen damit gemacht, wenngleich es von Kunden als unterstützende Maßnahme immer wieder positiv erwähnt wird. Auch hier sei erwähnt, dass Ihr Hund natürlich das Tragen von Mänteln oder Bodies dieser Art gewöhnt sein sollte oder zumindest einwandfrei akzeptieren muss. Andernfalls wäre die Anwendung mehr als kontraproduktiv.

AUSLASTEN & MÜDE MACHEN

Vor Silvester sollte der Hund noch mal bestmöglich ausgelastet werden. Dafür am besten tagsüber raus aus der Stadt um Geräuschen und Geruch von Knallkörpern bestmöglich zu entkommen. Ist Euer Vierbeiner dann geistig und körperlich gut ausgepowert, wird er froh sein, Zuhause seine Ruhe zu haben und sich eher weniger mit seiner Angst beschäftigen. Nutzt also beispielsweise kreative Futtersuchspiele, komplexe Apportieraufgaben und ein bisschen körperliches Training um Euren Hund richtig müde zu machen. Achtung: Sicherheitshalber sollte das Training bereits jetzt an der Schleppleine stattfinden.

Die besten Silvester-Auslastungstipps haben wir hier für Euch zusammengefasst!

VORSICHT BEI MEDIKAMENTEN

Achtung beim Wirkstoff „Acepromazin“ (z.B. in „Sedalin“, „Vetranquil“, „Calmivet“, „Prequillan“ enthalten): Der Hund wird damit nur körperlich sediert und ist motorisch unfähig sich gegen die Angst zu wehren, kriegt aber geistig alles mit! Achtung: Manche Tierärzte empfehlen diesen Wirkstoff noch immer. Ein Hund mit echten Angstzuständen kann und sollte in Absprache mit einem guten Tierarzt medikamentöse Unterstützung bekommen. Der Ulmer Tierarzt Dr. Ralph Rückert beschreibt echte Geräusch- und Silvesterangst die „pharmakologisch gedämpft werden sollte“ wie folgt: „Es geht in erster Linie um Hunde, die an Silvester unter panischen, nicht kontrollierbaren Angstzuständen leiden, also um Tiere, die völlig erstarren, die nur noch zittern, die Harn und Kot unter sich lassen oder erbrechen, die auch durch ein offenes Fenster im dritten Stock springen würden, um der Situation zu entgehen...“. Die Wirkstoffe, die in diesen Fällen dann zur Anwendung kommen sollten, sind meist sog. „Benzodiazepine“ – sie wirken Angst lösend, können aber auch Nebenwirkungen wie z.B. Enthemmung haben. Daher die Gabe und Dosierung unbedingt genau mit dem Tierarzt des Vertrauens abklären!

PHEROMONE UND NAHRUNGSERGÄNZUNGEN

Hunden, die zwar auch ängstlich sind, aber ihre Angst noch irgendwie kontrollieren können, kann oft mit etwas harmloseren Mitteln geholfen werden. Pheromone sind chemische Botenstoffe in Form von Duftstoffen, die eigentlich der innerartlichen Kommunikation dienen. Das sog. „Dog Appeasing Pheromone“ (DAP) spielt gerade in Bezug auf Stress und Angsttherapie eine große Rolle. In der Welpenzeit wird es von der Mutterhündin in der Zitzenregion produziert und soll auf die Welpen eine beruhigende sicherheitsgebende Wirkung haben. Die Firma ADAPTIL® stellt dieses Pheromon als einziger Hersteller synthetisch her und schwört auf eine ebenso beruhigende Wirkung bei erwachsenen Hunden. In Form von Steckern, Halsbändern und Sprays kann damit also zumindest ein Versuch der Verbesserung unternommen werden. Zu Silvester empfiehlt ADAPTIL® konkret mind. 24 Stunden vor der angstauslösenden Situation den Stecker zu nutzen (also im besten Fall schon ein paar Tage vor Silvester, sofern da schon geschossen wird) und für ca. eine Woche anzuwenden. Etwa 2 Stunden vor dem „Hauptereignis“ sollten ADAPTIL® Tabletten verabreicht werden. Diese enthalten keine Pheromone sondern Nahrungsergänzungen wie z.B. die Aminosäure L-Tryptophan, die als Vorläufer und Türöffner des Stimmungsmachers Serotonin gilt. Auch „Zylkene“-Tabletten werden in diesem Zusammenhang oft genannt und können bei frühzeitiger Gabe Hilfe leisten. 

Adaptil-Produkte erhaltet Ihr im Handel und bei Tierärzten. 

ALTERNATIVMEDIZIN: Globuli, Bachblüten & Co.

Ich bin ganz ehrlich und glaube hier wenn überhaupt an einen Placebo-Effekt, der beim Halter entsteht. Sofern dieser dann zu einer entspannteren Stimmungsübertragung auf den Hund beiträgt, haben auch rituelle Tänze (bitte nur zu Musik von Mozart), Schüssler Salze, Bachblüten und Co. ihre Berechtigung. Angst gehört in der Verhaltenstherapie zu den komplexesten und schwierigsten Themen und ich finde einfach, wenn es DAS Mittelchen gäbe, das wirklich nachweislich dagegen hilft, würde es mit Sicherheit jeder kennen und bei Bedarf nutzen.

DER WICHTIGSTE RAT

Seid ein starker Partner für Euren Hund! Nicht nur in der Angstsituation selbst, sondern im gesamten Zusammenleben. Nur wenn Euer Hund Euch auch sonst im Alltag ernst nehmen kann, wird er Euch in schwierigen Momenten vertrauen. Wie Ihr dazu am besten beitragt? Seid in Euren Vorhaben konsequent – nur wer wirklich weiß, was er will und dem auch nachgeht, ist glaubhaft. Lasst Euch von Eurem Hund im Alltag nicht zu sehr manipulieren und lenken. So blöd es klingt: Ihr macht Euch damit, bewusst oder unbewusst, zu seiner Marionette und damit sicher nicht zu einer schutzbietenden Vertrauensperson. Das heißt z. B. auch, dass Ihr einer Streichelaufforderung nicht immer einfach nachgehen solltet, sondern selbst entscheiden dürft, wann Aufmerksamkeit stattfindet. Andernfalls gebt Ihr Eurem Hund zu verstehen, dass Ihr Euch an ihm orientiert und nicht umgekehrt. Und gerade in Angstsituationen möchte man ja genau das Gegenteil vermitteln.

ALKOHOL UND HANF - kein Witz

Immer wieder mal darüber gelesen, galt die Verabreichung von Alkohol an einen Hund bisher immer als tierschutzrelevante Untat. Tierarzt Dr. Ralph Rückert hat in einem Blogbeitrag ein Tabuthema deutlich relativiert: „Alkohol, von Hunden speziell in Form von Eierlikör sehr gern aufgenommen, ist natürlich - wie wir fast alle wissen - in der korrekten Dosierung ein recht potentes Sedativum mit angstlösender Wirkung. Mein Terrier Nogger (knapp 10 kg schwer) hat letztes Silvester um 20 und um 23 Uhr jeweils einen Esslöffel Eierlikör bekommen, und es hat ihm sowohl sehr gut geschmeckt als auch nach meinem Dafürhalten beträchtlich geholfen. Diese meine Erfahrung wurde mir auch von verschiedensten Seiten genau so bestätigt.“

Alkohol taucht ja immer wieder auf der schwarzen Liste der für den Hund giftigen Lebensmittel auf. Aber auch hier gilt wie immer: Die Dosis macht das Gift. So bestätigt Dr. Rückert: „Hunde fallen von einer begrenzten Menge Alkohol keineswegs tot um, sondern werden - wie wir Menschen - einfach etwas angesäuselt, was in diesem Fall genau der gewünschte Effekt ist. Und Hunde werden auch nicht, wenn sie einmal im Jahr eine minimale Menge Alkohol bekommen, zu Alkoholikern.“

Neu im Trend ist auch Hanföl - es gilt vorwiegend als Schmerzmittel, kann aber auch aufgrund seiner angstlösenden Wirkung eingesetzt werden! Wer jetzt denkt er wird damit seinen Hund high machen irrt: CBD hat im Gegensatz zu THC eine nicht-psychoaktive Verbindung und beeinflusst weder die Hirnfunktionen noch das zentrale Nervensystem. CBD ist ein nicht-psychoaktives Cannabinoid. Besprecht die Gabe und Dosis dennoch unbedingt rechtzeitig mit Eurem Tierarzt - ein vorzeitiges Testen des Präparats ist zu empfehlen.

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GANZ WICHTIG: Hunde sollten an und um Silvester vorsichtshalber immer an der (Schlepp-)Leine geführt werden! Selbst wenn er vorher keine Angst bestand - ein überraschender Knall kann immer ein Angstauslöser sein!

Nun wünsche ich Euch und Euren Hunden eine entspannte Zeit und viel Ruhe für den Start ins neue Jahr!

 

Danke Conny Sporrer für den Beitrag / Martin Rütter DOGS Wien