Interview mit Stefan Hopfenheit zum Signal "Bleib"

Stefan Hopfenheit leitet die Martin Rütter Hundeschule Karlsruhe. Seinen Kunden und Kundinnen die Sprache der Hunde zu übersetzen, ist eines seiner größten Anliegen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die angemessene Führung und Auslastung der Vierbeiner, angepasst an die Bedürfnisse aller Beteiligten.
Warum ist das dein Lieblingssignal / das Lieblingssignal deines Hundes?
Meine Dogo Canario Hündin Delilah war eine Hündin, die aufgrund ihrer Rasse gern die Verantwortung übernehmen wollte, indem sie Menschen oder Hunde, denen wir begegneten, abcheckte. Daher war es für mich immer sehr wichtig, dass sie absolut zuverlässig blieb.
Wie wird das Signal genau aufgebaut?
Dein Hund kann das Signal „Bleib“ im Sitzen, im Liegen oder im Stehen ausführen. Welche Position er dabei einnimmt, spielt im Grunde genommen keine Rolle. Du kannst deinem Hund auch freistellen, welche Position er einnimmt und ob er die Position dabei wechselt. Zu Beginn fällt es vielen Hunden jedoch leichter, wenn du die Übung mit einem zuvor aufgebauten Signal wie dem „Sitz“, „Down“ oder „Steh“ beginnst, da sie hierbei bereits gelernt haben, eine bestimmte Position einzunehmen, bis du die Übung mit einem Freigabesignal beendest.
Nimm nun einige Leckerlis in die Hand und belohne deinen Hund zunächst mit einem Lobwort, wie z. B. „Fein“ oder „Prima“ und dem Futter, wenn er an dem Platz direkt vor dir bleibt und wartet. Nun zögerst du die Leckerligabe etwas heraus, dein Hund soll aufmerksam vor dir bleiben und abwarten. Jetzt kommt Bewegung in die Übung, zumindest von dir. Bewege dich auf der Stelle. Dein Hund wartet ruhig? Prima, du kannst ihn erneut belohnen. Stelle nun ein Bein nach hinten aus und mache eine Wiegeschritt. Klappt das, gehst du jetzt deinen ersten Schritt vom Hund weg. Wichtig: Du gehst den Schritt sofort wieder zu deinem Hund zurück, erst dann sagst du das Lobwort und gibst ihm die Belohnung. Diese gibt es immer am Ende der Übung, wenn du wieder bei deinem Hund angekommen bist, denn du willst ja das ruhige Bleiben und Warten belohnen. Nun gehst du Schritt für Schritt immer weiter von deinem Hund weg. Steigere die Entfernung auf 2-3, dann auf 4-10 und später immer mehr Schritte. Wechsle die Distanz, sodass dein Hund nie weiß, wie weit du weggehen wirst. Füge ein Signalwort, wie z. B. „Bleib“, hinzu sowie ein Sichtzeichen wie die flach ausgestreckte, nach oben zeigende, Hand.

Anfangs gehst du immer rückwärts von deinem Hund weg, später kannst du dich auch mit dem Rücken zu deinem Hund von ihm entfernen. Verändere nun deine Bewegung, laufe, hüpfe oder krieche. Umrunde deinen Hund und steigere die Ablenkung, indem du Futter oder Spielzeug wirfst. Du kannst auch einmal kurz außer Sicht deines Hundes gehen.

Was sind Fehler, die man vermeiden kann?
Belohne deinen Hund immer erst, wenn du wieder bei ihm angekommen bist. Erst dann sagst du dein Lobwort und gibst ihm das Futter. Würdest du ihn loben, wenn du dich die vorgesehene Distanz entfernt hast, könnte dies dazu führen, dass er aufsteht und zu dir kommt, um sich die Futterbelohnung abzuholen.
Wenn dein Hund aufgeregt wartet, anstatt entspannt sitzen zu bleiben, hast du ihn vermutlich zu früh oder zu oft aus dem Bleiben abgerufen. Denn die Belohnung erhält er in dem Fall für das Kommen, sodass es sich aus seiner Sicht lohnt, die Position so schnell wie möglich zu verlassen. Belohne deinen Hund daher möglichst oft für das Bleiben, indem du zu ihm zurückgehst.
Wofür ist das Signal im Alltag wichtig?
Das Signal „Bleib“ ist mir sehr wichtig, da es Ruhe in den Alltag bringt! Wenn mein Hund gelernt hat, zu warten, ist schon viel geschafft und die Grundlage für viele weitere Signale wie beim Apportiertraining gelegt. Aber auch beim Alltagstraining hilft es in vielen unterschiedlichen Situationen, sei es im Café oder bei der Überquerung der Straße. Vor allem für sehr aktive Hunde, die am liebsten immer nur Vollgas geben wollen, finde ich es sehr wichtig, dass sie frühzeitig lernen, abwarten zu können. Denn: In der Ruhe liegt die Kraft! Nur wer warten kann, wird konzentriert und mit viel Power arbeiten können.
Kannst du von einer lustigen Geschichte zum Training aus dem Kundenkreis berichten?
Nach dem Aufbau des Signals „Bleib“ sollte ein Kunde das Signal mit seinem Hund üben. In der nächsten Stunde berichtete er mir, dass sein Hund das Signal sehr schnell gelernt hatte, sodass er die Schwierigkeit in großen Schritten steigern konnte. Als er die Übungseinheit dann jedoch mit dem Freigabesignal beendet hatte, blieb sein Hund einfach sitzen und wartete, ob er nicht doch noch ein Leckerli durch eine weitere Übung ergattern könnte. Mein Kunde machte alles richtig, indem er einfach weiterging. Als er ca. 100 m von seinem Hund entfernt war, merkte dieser, dass es seinem Herrchen wohl Ernst war, und rannte ihm schnell hinterher.
Denke daran, deinen Hund nach jeder Übung mit einem Signal freizugeben, wenn keine weitere Übung folgt. Lass dich dann aber nicht von deinem Hund zu einer weiteren Übung manipulieren. Du bestimmst, wann das Training beginnt und endet.