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Wie wohnt der Hund?

Die begeisterte Hundetrainerin Larissa Müller leitet die Martin Rütter Hundeschule Mülheim & Oberhausen. Mit ihren Mensch-Hund Teams trainiert sie all das, was im Alltag wichtig ist, unter anderem die Grundsignale, Impulskontrolle, Rückruf und Leinenführigkeit. Ihre besten Co-Trainer sind dabei ihre beiden Labrador Retriever Buddy und Ella.

Der Weimaraner – ein Hund mit edler Optik und wunderschöner Fellbarbe. Ein Upgrade für jedes Wohnzimmer mit schicker Einrichtung, ergänzt er doch das exklusive Ambiente so optimal. Das Sofa „mauve“, die Kissen „skylight grey“, der Teppich „dove blue“ – da darf der Hund in „silver grey“ nicht fehlen. Das Körbchen passend zur Fellfarbe, an einer Stelle stehend, die selbstverständlich das optisch harmonische Gesamtbild nicht crasht. Im besten Fall als zentraler Hingucker im Raum, sodass der Hund auch den Überblick über das Geschehen im gesamten Haus behalten kann.

Selbstverständlich sucht nicht jeder oder jede Halter:in eines Weimaraners seinen oder ihren Hund nach diesen oben genannten Kriterien aus. Der Weimaraner steht hier nur als Versinnbildlichung sämtlicher Hunde, die unsere Einrichtung optisch so schön ergänzen können. Und sind wir doch mal ehrlich – wir haben alle eine Lieblingsfarbe, und das auch in Bezug auf unsere Hunde. Die Fellfarbe ist nicht selten ausschlaggebender Faktor beim Kauf eines Hundes, und wenn nicht, dann zumindest beim Kauf des zu ihm passenden Körbchens. 

Selbstverständlich ist es wichtig, sich bei der Entscheidung für ein Tier nicht von einem Farbwunsch leiten zu lassen. Wie heißt es so schön? „Ein guter Hund hat keine Farbe!“ Gemeint ist damit, dass es viel wichtiger ist, ob der Hund vom Charakter und Wesen her zu dir passt. Und auch bei der Entscheidung für das Körbchen deines Hundes gibt es Wichtigeres als die Farbe. Denn dieses sollte eher zu deinem Hund, als zu deiner Einrichtung passen. Wenn beides matcht – herzlichen Glückwunsch! 

Ich selbst sehe mich vor 6 Jahren, als mein erster Hund Buddy bei mir einzog, unzählige Körbchen herankarren. Ich war sehr optimistisch, als ich das Stoffkörbchen in beige mit braunen Sternchen im Wohnzimmer aufstellte: Ein wabbeliges, weiches Etwas ohne Halt und mit herausnehmbaren Kissen. Dazu kam Buddy, übrigens ein brauner Labbi, passend zum Körbchen (oder war es umgekehrt?), der gern alles schredderte, was mit dem Maul transportfähig war und was nicht sofort in Sicherheit gebracht wurde. Das Kissen in dem Körbchen musste recht zügig dran glauben. Ich war nicht schnell genug. Ich testete noch unzählige Hundebetten, bis ich endlich zu dem Entschluss kam, dass auch eine Plastikwanne taugt. Ich traute meinen Augen nicht … Buddy liebte diese Wanne vom ersten Tag an. Sie wurde nicht zerstört, er zog sich dort zurück und entspannte. 

Hund und Körbchen – das ist also nicht immer gleich wie Pott und Deckel. Manchmal muss man sich erst durchtesten. Es ist wichtig, dass die Liegestelle zu deinem Hund passt. Ein Welpe, der in den ersten Wochen nach dem Einzug die Welt mit seinem Maul erkundet, benötigt nicht selten eine beißsichere Liegestelle. Das schicke Weidenkörbchen ist daher selten eine gute Idee – außer du brauchst noch ein wenig Anzündholz für deine Abende vor dem Kamin. Bei erwachsenen Hunden dürfen gern die individuellen Vorlieben berücksichtigt werden. Manche Hunde liegen am liebsten lang ausgestreckt auf einer einfachen Matte. Andere rollen sich gern eng in einem runden Körbchen zusammen. Einige Hunde lieben es, den Kopf auf einen erhöhten Rand oder ein Kissen zu legen, wieder andere liegen am liebsten zugedeckt oder sogar in einer Höhle. Für Hunde-Senioren eignen sich Körbchen aus viskoelastischem Schaum, da diese keinen Gegendruck erzeugen, sondern sich dem Körper des alten Hundes anpassen. Natürlich gibt es auch Hunde, die das weichste, teuerste Körbchen ignorieren und sich lieber auf den Boden legen. Häufig sind das Hunde mit viel Unterwolle. Hat man dann noch eine Fußbodenheizung, ist diesen Hunden selbst die leichte Decke auf dem Boden zu warm. In dem Fall kannst du den Liegeplatz deines Hundes auch einfach nur mit Klebeband markieren.

Und dann gilt es noch, den richtigen Ort zu finden, an dem das Körbchen positioniert wird. Unsere Hunde sind soziale Lebewesen, sie sind in der Regel nicht gern allein. Daher darf dein Hund eine Liegestelle in allen Räumen haben, in denen du dich oft und viel aufhältst – bspw. im Wohnzimmer, in der Küche und im Arbeitszimmer. So kann er überall dabei sein, hat aber immer seinen Platz, an dem er entspannen und zur Ruhe kommen kann. Dazu braucht es einen Ort, an dem dein Hund nicht mitten im Geschehen liegt. Direkt neben der Eingangstür, wo ständig jemand hereinkommt oder herausgeht ist mit Sicherheit kein geeigneter Ruheplatz. In einer Ecke neben dem Sofa oder Bett, wo sich dein Hund zurückziehen kann, wenn ihm der Trubel im Haus zu viel wird, ist dagegen ideal. 

Nachts gelten im Übrigen ähnliche Regeln. Ich erinnere mich an die Zeit vor meiner Ausbildung bei Martin Rütter, als Buddy nachts noch die Wahl hatte, ob er oben bei mir im Schlafzimmer oder in seinem geliebten Körbchen unten in der Küche schlafen will. Da er die Küche sehr liebt (er ist ein Labrador und seine Liegestelle ist sehr nah am Kühlschrank), habe ich mir damals keine weiteren Gedanken darüber gemacht, welche Auswirkungen es haben könnte, wenn ich mich nach oben in mein Schlafzimmer zurückziehe, während er unten „Wache“ hält. Ich wunderte mich allerdings seinerzeit, dass er nachts nicht selten bellte. Während meiner Ausbildung zur Hundetrainerin wurde mir dann bewusst, dass ich ihm nachts die territoriale Verantwortung übertragen hatte und ihm suggerierte: „Pass du mal schön hier auf, ich gehe hoch ins Bett!“ Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass gewisse territoriale Wesenszüge meines geliebten Vierbeiners diesen nächtlichen Aktivitäten mächtig in die Karten spielten. Also nahm ich ihn ab jetzt jeden Abend mit ins Schlafzimmer, er schlief in seinem Körbchen, ich in meinem Bett. Und siehe da - Buddy beruhigte sich und unsere Nächte verliefen deutlich entspannter. Wäre es nach mir gegangen, hätte das Tierchen ruhig mit im Bett liegen dürfen. Dort ist es weich und bequem, und Mensch und Hund können eng aneinander gekuschelt liegen. Eine in einem Sozialverband unter sehr vertrauten Mitgliedern vollkommen normale Verhaltensweise, die selbstverständlich erlaubt ist, wenn alle Menschen, die im gleichen Bett schlafen sollen, damit einverstanden sind. Buddy benötigte aus dem Grund aber einen Liegeplatz neben dem Bett, denn ich wohne nicht allein mit meinen Hunden. Man hat halt nicht auf alles Einfluss … Fängt dein Hund jedoch an, das Bett dir oder deinem Partner gegenüber zu verteidigen, ist es als Schlafplatz tabu. In dem Fall muss er lernen, auf einem Liegeplatz neben deinem Bett zu schlafen.

Damit dein Hund im Haus zur Ruhe kommt, solltest du dort mit ihm weder toben noch dynamische Beschäftigungsformen trainieren. Wie sieht es dann aber mit der Anschaffung von Spielzeug aus? Gerade hier gibt es ja ein unendlich großes, verlockendes Angebot. Solange dein Hund das Spielzeug dir gegenüber nicht verteidigt bzw. es mit weiteren Hunden der Familie nicht zu Streitigkeiten darüber kommt, darf dein Hund gern unterschiedlichste Spielobjekte haben. Gerade bei der Haltung mehrerer Hunde können die Hunde durch das Beutespiel ihre Beziehung zueinander klären. Auch du kannst deine Stellung gegenüber deinem Hund verdeutlichen, indem du mal auf eine seiner Spielaufforderungen mit dem Spielzeug eingehst, diese aber immer wieder auch ignorierst. Daher darf das Spielzeug gern auch frei verfügbar für deinen Hund in der Wohnung herumliegen. Ein Spielzeug, welches du nur für das Training mit deinem Hund nutzt, solltest du allerdings gesondert aufbewahren. 

Hat dein Welpe Spielzeug zur Verfügung, lernt er so, dass es Objekte gibt, mit denen er sich beschäftigen, auf denen er herumkauen und die er herumschleppen darf. So fällt es ihm leichter, deine Schuhe oder andere Dinge, die nicht für ihn geeignet sind, liegen zu lassen. Dennoch musst du natürlich beim Einzug deines Welpen darauf achten, die Wohnung „hundesicher“ zu machen. Denn er muss ja erst noch lernen, dass die Fernbedienung für ihn verboten ist, und dass es gefährlich für ihn wird, wenn er Kabel durchbeißt, Blumenvasen herunterwirft oder die Pflanzen in deinen Blumentöpfen frisst. Erkundige dich daher, welche Pflanzen giftig für deinen Hund sind (wie z. B. Christstern oder Ficus). Das gleiche gilt auch für Lebensmittel, an die dein Hund eventuell herankommt. Neben Macadamianüssen, die für Hunde sehr gefährlich sind (4 Nüsse sind für einen 15 kg schweren Hund bereits tödlich), möchte ich an dieser Stelle noch den Birkenzucker (Xylit) erwähnen, der heutzutage in vielerlei Keksen und Kuchen verwendet wird. 30 Gramm hiervon sind für einen 15 kg schweren Hund bereits tödlich! Und hier noch ein Tipp für alle Labrador-Halter:innen bzw. alle Halter:innen von Hunden mit kräftiger Rute, die von diesen gern und weiträumig wedelnd eingesetzt wird: Alle beweglichen Gegenstände in Höhe der Rute deines Hundes solltest du wegräumen, vor allem, wenn diese kaputtgehen, wenn sie vom Tisch gewedelt werden!

Nun stellt sich noch die Frage nach dem Futternapf. Auch hier gibt es ein unendliches Angebot. Metallnäpfe führen vor allem bei ängstlichen Hunden zu Verunsicherung, sodass sie nicht gern daraus fressen. Dies liegt zum einen am scheppernden Geräusch, das beim Kontakt mit dem Boden entstehen kann, zum anderen an der Spiegelung. Aber auch sichere Hunde fressen manchmal ungern aus Metallnäpfen. In dem Fall kann das Material Ursache sein, ähnlich dem Unbehagen, dass einige Menschen haben, wenn sie die Mahlzeit vom Lieferdienst mit einer Gabel direkt aus der Aluschale essen sollen. Keramiknäpfe sind in der Regel gut geeignet, allerdings können sie beim stürmisch fressenden Hund zu Bruch gehen. Das passiert nicht, wenn sie sich in einem Ständer befinden. Solche Ständer gibt es in vielen unterschiedlichen Designs, und hierbei darf gern der Geschmack der Halter:innen im Vordergrund stehen. Unnötig ist dagegen ein verstellbarer Futterständer. Ein gesunder Hund braucht keinen Futternapf auf Höhe seines Kopfes. Für Hunde ist es vielmehr natürlich, vom Boden zu fressen. 

Den Napf stellst du am besten an eine Stelle im Haus, wo dein Hund beim Fressen seine Ruhe hat. Lässt er Reste im Napf, solltest du diese einige Zeit nach der Fütterung wegräumen. Als Halterin zweier Labbis kann ich mir eine solche Situation zwar nur schwer vorstellen, aber es soll sie ja geben … Hierbei spielen nicht nur hygienische Gründe eine Rolle. Freie Verfügbarkeit einer Ressource – und Futter ist eine solche aus Hundesicht – führt zu Desinteresse. Dein Hund wird so immer schlechter fressen.

Wichtig: Der Wassernapf sollte im Gegensatz dazu für deinen Hund immer verfügbar sein!

Doch nicht nur indoor gibt es unzähliges Zubehör für den Hund zu kaufen, auch für den Aufenthalt im Garten sind die Angebote vielfältig. Das beginnt bei der Sonnenliege für den Hund und endet mit der Wasserfontäne für den Gartenschlauch. 

Dein Hund sollte auch im Garten eine feste Liegestelle haben. Ein Ort, an dem er entspannen und ausruhen kann, der sich also in einer ruhigen Ecke und nicht etwa direkt neben dem Gartenzaun befindet. Denn sonst entstehen auch hier schnell territoriale Probleme, insbesondere dann, wenn du deinen Hund allein in den Garten lässt. Aus seiner Sicht bleibst du im Haus, in der „sicheren Höhle“, während er draußen die territoriale Verantwortung übernehmen soll. Läuft nun ein Mensch am Gartenzaun entlang und dein Hund verbellt diesen, verbucht er dies sogar noch als Erfolg, denn der Mensch hat sich danach ja brav entfernt. Und so verselbstständigt sich das Gebell am Gartenzaun immer mehr. Bist du dagegen mit ihm zusammen im Garten, kannst du ihn, sobald er „eine Gefahr“, also einen vorbeilaufenden Menschen meldet, auf seinen Liegeplatz schicken. Nun gehst du selbst zum Zaun, sprichst ein paar Worte mit dem Menschen und übernimmst dadurch aus Sicht deines Hundes die Verantwortung. Damit er sich in einer solchen Situation überhaupt auf seinen Platz schicken lässt, musst du dies vorab in entspannten Situationen üben. Dein Hund muss also gern auf seinem Platz liegen. Wähle den Liegeplatz daher ruhig wieder nach den Vorlieben deines Hundes aus. Wenn du das Körbchen nicht immer rein räumen willst, ist ein robustes, abwaschbares Material von Vorteil. Eine Liege für Hunde bietet sich daher für draußen durchaus an. Zudem muss dein Hund so nicht direkt auf dem kalten und eventuell feuchten Boden liegen. 

Bei Welpen und jungen Hunden ist das Alleinlassen im Garten ohnehin gefährlich. Die jungen Wilden haben noch zu viele Flausen im Kopf. Da wird alles rausgezupft und zerkaut, was nicht niet- und nagelfest ist – die Blumenzwiebeln, das Kinderspielzeug, die giftigen Pflanzen. Und davon gibt es gar nicht so wenige in unseren Gärten. Maiglöckchen, Hyazinthe, Tulpe, Tollkirsche, Rhododendron, Efeu – um mal nur einen kleinen Ausschnitt giftiger Gartenpflanzen zu nennen. 

Je nach Größe deines Gartens darf die Beschäftigung mit deinem Hund hier durchaus auch dynamisch ausfallen. Bei wasserverrückten Hunden darf dann gern auch die mit Wasser gefüllte Muschel aus dem Kinderspielbereich zur Abkühlung bereitstehen. Und wem das noch nicht reicht, der bietet seinem Hund dann immer wieder einmal zwischendurch auch die Jagd nach dem Wasserstrahl an, indem er tatsächlich die Wasserfontäne für den Gartenschlauch kauft. Aber Achtung, solche Spiele erregen den Hund oft stark, sodass sich dein Hund damit immer nur für einen kurzen Zeitraum beschäftigen sollte. Ist dein Hund nicht so wasseraffin, kannst du die Muschel auch mit Sand oder Erde füllen, sodass er hier nach Herzenslust buddeln darf. Hat er die Möglichkeit, sein Bedürfnis so auszuleben, wird er deinen Garten nicht mit vielen tiefen Löchern versehen.

Ein hundefreundlicher Garten darf zudem gern eine Ecke haben, in der sich dein Hund lösen kann. Besonders geeignet ist das für Welpen, bei denen es mitunter sehr schnell gehen muss. So lernt der junge Hund, wo er zukünftig im Garten sein Geschäft verrichten darf. Zum einen verhinderst du damit, dass dein Hund später einmal territoriale Markierungen im Garten setzt, zum anderen vermeidest du so gelbe Flecken auf dem Rasen überall in deinem Garten. 

Hast du keinen Garten, sondern einen Balkon, achte auch hier auf die Sicherheit deines Hundes. Spalten in der Brüstung solltest du mit Brettern versperren, damit dein Hund nicht durchrutschen und sich beim Sturz schwer verletzen kann. Zudem musst du überprüfen, wie hoch die Brüstung in Bezug zur Größe deines Hundes ist. Aber Vorsicht, auch kleine Hunde können durchaus sehr hoch springen! Damit wirklich nichts passiert, lässt du deinen Hund am besten nicht allein auf den Balkon. Damit vermeidest du zudem, dass er eine eventuell vorhandene territoriale Motivation auslebt und jeden vorbeilaufenden Menschen verbellt. Kommt es dazu, während du mit ihm zusammen auf dem Balkon bist, schickst du ihn auf seinen Platz, entweder im hinteren Bereich des Balkons oder, falls dieser zu klein ist, auf den Liegeplatz in der Wohnung, und übernimmst die Verantwortung, indem du dich an die Brüstung stellst und Kontakt mit den Menschen aufnimmst.