Die Gefahr lauert im Deoroller!

Nein, Sie sind gerade nicht in der aktuellen Drogerie-Werbung gelandet! Unser Experten-Interview von Martin Rütter DOGS beschäftigt sich in diesem Monat anlässlich eines Vorfalls, von dem uns eine Kundin per E-Mail berichtet hat, mit einem immer wiederkehrenden Thema: „Gut gemeint ist nicht immer auch gut gemacht!“ 

Die meisten Menschen wissen mittlerweile, dass zum Hundetraining die passende Belohnung des Hundes gehört. Wer einen futtermäkeligen Hund hat, sucht hier gern nach Alternativen, wie z. B. der Leberwurst aus der Tube. Doch einige Produkte bergen Gefahren, die vielen Hundehaltern gar nicht bewusst sind. Wir haben mit Heike Kleinhans von Martin Rütter DOGS Bielefeld über dieses im schlimmsten Fall lebenswichtige Thema gesprochen.

 

Im aktuellen Vorfall berichtete uns die Kundin, dass ihr Hund fasst gestorben ist, weil sie zur Belohnung einen mit Leberwurst-Wasser gefüllten Deo-Roller benutzt hat. Sollte man auf diese Art der Belohnung daher lieber verzichten?

Im Tierbedarfsladen gibt es ja tatsächlich solche „Belohnungsroller“ mit einer Kugel vorne, eben wie bei einem Deo-Roller, fertig zu kaufen. Soll der Hund im Training belohnt werden, darf er an der Kugel schlecken und bekommt so ein wenig der schmackhaften Soße. Das Prinzip hat durchaus einige Vorteile: Das Schlecken beruhigt den Hund nachweislich und hat dadurch natürlich einen positiven Trainingseffekt. Außerdem wird dabei nur eine kleine Menge Futter verbraucht und man achtet somit auch auf die schlanke Linie des Hundes. Sowohl die Finger, als auch die Taschen der Hosen und Jacken des Menschen bleiben hierbei sauberer als bei vielen anderen Formen der Futterbelohnung. Aber - und dieses „aber“ muss man tatsächlich sehr hervorheben - es gibt auch eine große Gefahr bei diesem Produkt: Wenn der Hund nicht vorsichtig an der Kugel schleckt, sondern richtig in den Roller hineinbeißt oder auch nur etwas zu kräftig schleckt, kann sich die Kugel lösen und der Hund diese auch schlimmstenfalls verschlucken. Dann hilft oftmals nur noch eine OP. 

Daher rate ich dazu, aus Sicherheitsgründen lieber auf diese Art der Belohnung zu verzichten oder sie allenfalls bei sehr kleinen Hunden anzubieten, bei denen die Kugel gar nicht erst in den Fang passt. 

Größeren Hunden kann man als Alternative besser eine Futtertube anbieten. Auch diese kann man entweder fertig befüllt im Laden kaufen oder eine wiederverwendbare, selbst befüllbare Variante aus Silikon nutzen. Selbstverständlich muss man auch hierbei darauf achten, dass sich je nach Verhalten des Hundes keine verschluckbaren Teile lösen können.

 

Gibt es noch andere Produkte im Handel, auf die man lieber verzichten sollte, da der Verzehr für den Hund zur tödlichen Gefahr werden kann?

Es gibt einige Kauartikel, wie zum Beispiel Rinderohren, von denen größere, abgekaute Teile am Gaumen des Hundes festkleben können, sodass der Hund Panik bekommt, da er diese nicht allein lösen kann. Schlimmstenfalls rutschen sie dann bei dem Versuch vor die Luftröhre und der Hund erstickt. Wenn der Hund also dazu neigt, sehr große Stücke zu lösen und diese komplett abzuschlucken, bitte eher auf solche Kauartikel verzichten. Generell sollten Kauartikel nur unter Aufsicht gegeben werden. 

Auch Markknochen können gefährlich werden: Je nach Größe können die runden Knochen mit dem Loch in der Mitte beim Knabbern tatsächlich knapp über den Kiefer rutschen und dort feststecken. Sie müssen dann vom Tierarzt unter Narkose mithilfe einer Knochensäge entfernt werden. Insofern rate ich dazu, je nach Größe des Hundes nur wirklich so große Markknochen zu verwenden, die auch von allein wieder vom Kiefer rutschen, oder so kleine Knochen, die nicht über den Kiefer rutschen können, aber auch nicht so klein sind, dass sie verschluckt werden können. Alternativ können die Knochen auch direkt halbiert angeboten werden. 

Von Geweihstücken können beim Kauen kleine Stücke absplittern und diese können zu Verletzungen im Rachen oder Darm führen. Auch die Zähne des Hundes können bei zu heftigem Daraufbeißen splittern.

 

Gerade die in der vorherigen Frage erwähnten Artikel werden ja oft genannt, um dem Hund das Alleinbleiben zu erleichtern, da er sich so beschäftigen kann. Sollte man dem Hund dann lieber Spielzeug da lassen, wenn er allein bleiben muss?

Auch eigentlich nicht fressbare Gegenstände wie Spielzeug werden von manchen Hunden zerkaut und so ggf. auch kleine Stücke davon heruntergeschluckt. Es gibt nur wenig Spielzeug, welches wir unseren Hunden zur freien Verfügung überlassen können, ohne dass er unter Aufsicht ist. 

Taue und Zergel sollten dem Hund definitiv nicht überlassen werden und auch beim gemeinsamen Spiel ist Vorsicht geboten. Diese Gegenstände bestehen aus vielen einzelnen Fäden, die sich lösen oder vom Hund herausgezogen werden können. Verschluckt der Hund einen solchen Faden, kann dieser sich schlimmstenfalls irgendwo im Darm des Hundes festsetzen und zu einer regelrechten Verschlingung führen. Daher sollte man solche Taue vor dem Spiel mit dem Hund regelmäßig überprüfen und lose Fäden an den Enden vorsichtshalber abschneiden. 

Auch von Bällen kann eine große Gefahr mit dramatischen Folgen ausgehen. Sie dürfen nicht zu klein sein, da sie ansonsten verschluckt werden könnten - und man glaubt leider gar nicht, mit wie großen Bällen das tatsächlich passieren kann. Entweder ist in so einem Fall dann eine große OP notwendig, in der der Ball aus dem Magen entfernt wird, oder der Ball setzt sich vor der Luftröhre fest, sodass der Hund innenhalb weniger Minuten erstickt. Ich rate daher dazu, den Hund mit wirklich ausreichend großen (sehr großen!) Bällen spielen zu lassen oder aber mit Bällen, die sich zusammendrücken lassen oder mit Bällen, an denen eine Schnur befestigt ist. Diese Vorsichtsmaßnahmen gelten natürlich ebenso beim Apportiertraining mit einem Ball. 

Alternativ gibt es auch noch Bälle mit zwei sich gegenüber liegenden Löchern, in die man im Notfall greifen und den Ball so wieder aus dem Maul des Hundes herausziehen kann. Von Bällen mit nur einem Loch ist dringend abzuraten, da hier beim Spiel ein Unterdruck entstehen kann, der die Zunge des Hundes in das Innere des Spielzeugs zieht. Die Zunge schwillt dann an und der Hund kann sich nicht mehr selbstständig aus dem Spielzeug befreien. 

 

Das bedeutet also, dass generell Spielzeug oder Kauartikel dem Hund nur unter Aufsicht gegeben werden sollte! Doch wenn selbst das Training mit einem Ball zur tödlichen Gefahr werden kann, verzichtet man vielleicht sogar besser ganz auf das Spiel mit Gegenständen?

Es kann natürlich immer und überall etwas passieren. Aber wie sagte schon Erich Kästner: „Seien wir ehrlich: Leben ist immer lebensgefährlich.“ Wir sollten uns also nicht unnötig verrückt machen und den Hund deswegen in Watte packen. Aber es ist nur vernünftig, bekannte und offensichtliche Gefahren zu vermeiden.

 

Hast du selbst schon einmal eine solche Erfahrung machen müssen? Welche Belohnungs- und Beschäftigungsvariante empfiehlst du deinen Kunden?

Unser Rüde neigt dazu, Kauartikel oder auch Futter, das er von uns bekommt, am liebsten komplett am Stück herunterzuschlucken, sobald er meint, es ist klein genug dafür. Leider überschätzt er dabei gern mal die Größe seines Rachens. Das hat uns schon einmal ganz schön ins Schwitzen gebracht. Cash hatte ein großes Stück grünen Pansen bekommen, welcher beim Kauen gut zur Zahnpflege ist. Und ich hätte niemals gedacht, dass er das Kauen bei diesem großen Stück für überflüssig hält. Er war aber extrem gierig und hat das Ding wirklich am Stück runtergeschluckt, musste dabei aber schrecklich würgen und keuchen und ich hatte große Sorge, dass es ihm im Hals steckenbleibt. Das ist zum Glück nicht passiert, er hat es dann doch irgendwie schlucken können. Aber seitdem bekommt er nur noch sehr große Platten Rinderkopfhaut zum Kauen und sobald sie in unseren Augen zu klein werden, nehmen wir sie ihm ab. Und wenn es Pansen gibt, dann nur noch in kleinen, appetitlichen Happen.  

Meinen Kunden empfehle ich zur Belohnung mit einem Superleckerchen im Training tatsächlich gern die Tube mit Leberwurst aus dem Handel oder die etwas nachhaltigere Variante der befüllbaren Tube. Aber ich rate immer dazu, diese Utensilien nach dem Training auch wieder sicher zu verstauen. Denn wir hatten schon einen Fall, bei dem der Hund einer Kundin die Leberwursttube zuhause aus der Jackentasche stibitzt hat und diese aufgebissen und in Teilen verschluckt hat. Diese mussten in einer OP entfernt werden.

 

Ein paar Worte zu deiner Hundeschule:

Seit 2015 leite ich die DOGS Hundeschule in Bielefeld und dem Kreis Gütersloh. Gemeinsam mit meinem Team mache ich Mensch und Hund fit für den gemeinsamen Alltag und biete vielseitige Angebote für alle Hunde vom Welpen bis zum Senioren an. Oberstes Ziel ist es, den Zwei- und Vierbeinern in unseren Einzel- und Gruppentrainings zu einer vertrauensvollen Beziehung zu verhelfen, in der sich alle Partner aufeinander verlassen können.