DOGS Tipp Februar: Hunde mit Handicap – eine ganz besondere Aufgabe!

Nicht nur Menschen, auch Hunde können die unterschiedlichsten Handicaps haben. Auch wenn diese Hunde in einigen Bereichen des Lebens Einschränkungen hinnehmen müssen, genießen sie meist ihr Leben doch in vollen Zügen.

Wer sich jedoch bewusst für einen Hund mit Handicap entscheidet, muss sich über die Aufgabe, die er damit auf sich nimmt, im Klaren sein. Und doch lohnt sich dieser Mehraufwand. Zu erleben, wie der gehandicapte Hund fröhlich durchs Leben geht und sich dabei vertrauensvoll an seinem Menschen orientiert, zeigt, dass man alles richtig gemacht hat, bei der Entscheidung, einen solchen Hund aufzunehmen.

Doris Müller ist das große Glück von Attila. Der gehandicapte Rüde lebt bei Doris in Köln und fährt mit einem Hunde-Rollstuhl durch die Welt. Leider ist er damit oft schneller und eigenständiger unterwegs als Frauchen das lieb ist. Sind andere Hunde in Sicht, spielt sie keine Rolle mehr und Attila ist weg. Eines ist für Doris klar: Ihr Attila muss hören.

Attila soll nun lernen, auf den Pfiff einer Pfeife zurückzukommen. Als Martin Rütter Doris das Training mit der Pfeife erklärt, wundert diese sich, dass Attila ja gar nicht auf den Pfiff reagiert. Wie soll es dann funktionieren, dass er zukünftig auf den Pfiff zu ihr kommt? Auch wenn einige Hunde auf den Pfiff reagieren, indem sie aufschauen, die Ohren spitzen oder eine ähnliche Aufmerksamkeitsreaktion zeigen, wissen sie natürlich nicht, dass sie beim Ertönen des Pfiffs kommen sollen. Dieses Signal muss man dem Hund genauso wie jedes andere Hörzeichen erst einmal beibringen. Dazu nutzt man einen besonders begehrten Leckerbissen, wie z. B. Fleischwurst oder Leberwurst, die im Handel für Hunde in Tuben erhältlich ist. Trainiert wird dabei in einem Gebiet mit wenig Ablenkung! Doris soll Attila nun mit seinem Namen ansprechen. Reagiert dieser darauf, indem er sie anschaut oder sich umdreht, soll sie ihn zu sich locken, indem sie sich hinhockt oder rückwärts läuft. Kommt Attila daraufhin auf sie zugelaufen, erfolgt der Pfiff. Anfangs, kurz bevor er bei ihr ist, damit er nicht doch noch irgendetwas Spannendes in die Nase bekommt und wieder abdreht. Später dann kann Doris den Pfiff immer früher einsetzen. Nach vielen Wiederholungen lernt Attila so, dass der Pfiff bedeutet, dass er jetzt zu Doris kommen soll. Wichtig ist in dieser Phase, dass Doris Attila immer nur dann ruft, wenn sie hundertprozentig sicher ist, dass er auch kommt. Würde sie in dieser Phase die Pfeife schon für den Rückruf von Attila nutzen, wenn dieser gerade mit einem anderen Hund spielt, und würde Attila den Pfiff ignorieren, hätte er schnell gelernt, dass der Pfiff offensichtlich genauso wenig Bedeutung hat wie das Rufen von Doris.

Die beiden trainieren sehr fleißig, sodass bald schon die Ablenkung gesteigert werden kann. Attila soll nun auch lernen, aus dem Spiel mit anderen Hunden auf den Pfiff zu Doris zurückzukommen. Der erste Kandidat kommt, ein junger, stürmischer Hund. In dieser Phase des Trainings wäre es noch viel zu schwer, Attila nun schon auf dem Weg zum anderen Hund abzurufen. Daher darf er erst einmal Kontakt mit dem anderen Hund aufnehmen und ein wenig mit diesem spielen. Als eine etwas ruhigere Phase im Spiel eingetreten ist, soll Doris Attila rufen. Und siehe da, der Rüde dreht sich auf der Stelle um und kommt. Doris Augen strahlen!

Ausführliche Informationen zu vielen möglichen Problemen mit dem Hund sowie deren Ursachen und Lösungsansätze erläutert anhand von unterschiedlichen Fällen aus vielen Jahren der Serie „Der Hundeprofi“ finden Sie im Buch „10 Jahre Hundeprofi“.