DOGS Tipp Mai: Mit dem Fahrrad unterwegs…

Viele Menschen fahren leidenschaftlich gern mit dem Fahrrad durch die Natur. Und was gibt es Schöneres, als den vierbeinigen Freund auf diese Ausflüge mitzunehmen? 

Natürlich muss man ein paar Regeln dabei beachten, doch offensichtlich sind nicht alle Hunde von der Idee ihrer Menschen sofort begeistert. Patricia Müller aus Gelsenkirchen hatte schon viele Hunde in ihrem Leben, aber keiner zuvor bereitete der gelernten Gärtnermeisterin so viele Sorgen wie ihr aktueller Vierbeiner Thilo. Der sechsjährige Bouvier Rüde ist eigentlich ein freundlicher und netter Hund, der keine Probleme bereitet. Steigt Frauchen jedoch aufs Fahrrad, erkennt man ihn nicht wieder. Er läuft vor das Fahrrad und bellt Patricia dabei so laut an, dass ihr fast die Trommelfelle platzen. Und damit nicht genug: Versucht Patricia mit dem Rad zu fahren, beißt der Rüde in den Vorderreifen. Kein Fortkommen ist möglich. Thilo muss nun lernen, entspannt neben dem Fahrrad zu laufen.

Für das Training muss Patricia nun das Lieblingsspielzeug und das Lieblingsfutter von Thilo mit nach draußen nehmen. Patricia entscheidet sich für den Ball, da Thilo das Spiel mit dem Fußball heiß und innig liebt. Thilo soll jetzt lernen, dass Fahrrad zu ignorieren. Er soll vielmehr verknüpfen, dass der Ball die beiden auf der Fahrradtour begleitet, die irgendwann endet, worauf dann ein tolles Ballspiel startet. In einem ersten Trainingsschritt soll Patricia nun zum Fahrrad gehen und dieses einen halben Meter schieben. Der Ball liegt dabei im Korb, der auf dem Fahrradträger über dem Hinterrad befestigt ist. Doch soweit kommt Patricia gar nicht. Sobald sie den Lenker des Fahrrads berührt und sich das Fahrrad nur ein kleines bisschen bewegt, ist Thilo bereits außer sich. Also geht es noch einen Schritt weiter im Training zurück. Patricia geht zum Rad, fasst kurz den Lenker an und wirft den Ball, noch bevor Thilo beginnt zu bellen. Hat der Rüde den Ball zurückgebracht, wird der Ball wieder in den Korb gelegt. Es folgt eine kurze Pause, in der Thilo sich beruhigen kann. Patricia muss diese Übung nun über die nächsten Wochen durchführen und in kleinsten Schritten steigern. Bis sie das Fahrrad in die Hand nehmen und dann einen halben Meter, einen ganzen Meter und schließlich ein längeres Stück schieben kann, werden viele Wochen Training vergehen.

Patricia hat fleißig trainiert, nach gut 4 Wochen kann sie das Fahrrad bereits über eine lange Strecke langsam schieben, während Thilo ruhig nebenher läuft. Zur Belohnung wirft sie ihm nun den Kong, da er diesen besser apportieren kann als den Ball. Martin ist begeistert, denn darauf kann nun gut aufgebaut werden. Patricia soll ausprobieren, ob sie schon auf ein Pedal steigen und ein Stückchen rollern kann, während Thilo den Kong apportiert. Doch leider macht Thilo dabei nicht mit. Als er mit dem Kong zu Patricia zurückkommt und diese auf dem Pedal stehend mit dem Fahrrad rollern sieht, lässt er den Kong fallen, läuft vor das Fahrrad und stoppt Patricia bellend. Also heißt es erneut: Winzig kleine Trainingsschritte. Patricia soll das Fahrrad nun erst einmal etwas schneller schieben. Da dies problemlos funktioniert, soll sie sich jetzt im Laufschritt fortbewegen.

Patricia trainiert weiterhin sehr fleißig. Zudem hat sie ein gutes Timing, sie weiß genau, wann sie Thilo belohnen muss und wie weit sie die Schwierigkeit steigern kann. Als Martin daher nach weiteren vier Wochen wieder zu Patricia kommt, kann diese bereits auf einem Pedal stehend ein ganzes Stück lang rollern. Und nicht nur das, Patricia kann sogar auf das Fahrrad steigen und eine kurze Strecke fahren, während Thilo neben ihr herläuft. Den Kong hat Patricia beim Fahrradfahren nicht mehr dabei, da das ständige Apportieren Thilo zu sehr aufgeregt hat. Sie belohnt ihn jetzt für ruhiges, richtiges Verhalten mit einem Stückchen Fleischwurst aus einem Behälter, der am Lenker befestigt ist.

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