Es liegt was in der Luft, ein ganz besonderer Duft ...

Der Frühling kommt, und mit ihm die Zeit der wundervollen Gerüche.

Die Luft riecht frisch und klar, die ersten Blumen verströmen ihre betörenden Düfte, sodass wir in dieser Zeit gern einmal tief durchatmen und uns von den Gerüchen verzaubern lassen. Und wie muss es da erst unserem Hund gehen, der ja eine viel feinere Nase hat als wir Menschen. Kein Wunder also, wenn die Nase unseres Hundes zurzeit scheinbar dauerhaft im Einsatz ist und er kaum noch Augen oder Ohren für uns hat. Doch nicht nur das Erschnüffeln und Verfolgen der Spuren von Hase oder Kaninchen steht derzeit hoch im Kurs bei unseren Vierbeinern. Viele Hündinnen werden in dieser Zeit läufig und die Geduld vieler Rüdenhalter wird gerade stark auf die Probe gestellt, wenn diese sabbernd und mit den Zähnen klappernd an einer Stelle intensiv schnüffeln und kaum noch dazu zu bewegen sind, den Spaziergang fortzusetzen. Wir haben mit Sandra Sauer von Martin Rütter DOGS Bad Dürkheim/Ludwigshafen gesprochen, was man tun kann, wenn die Frühlingsgefühle des Hundes uns an den Rand der Verzweiflung treiben.

Viele Hunde sind jetzt zu Beginn des Frühjahrs auf dem Spaziergang immer mit der Nase auf dem Boden unterwegs. Was kann man tun, damit der Vierbeiner seinen Menschen nicht vollständig ausblendet?

Nehmt es nicht persönlich, wenn Euer Hund nur noch mit der Nase am Boden klebt. Das ist kein Ungehorsam – da riecht es wirklich gerade so gut! Wenn die Natur erwacht – und mit ihr die Tiere, die aus ihrem Winterschlaf zurückkehren -, dann gibt es geruchlich sehr viel zu entdecken für unsere Supernasen. Denn ein Hund hat durchschnittlich bis zu 200 Millionen Riechzellen – wir Menschen besitzen im Vergleich dazu gerade einmal rund 5 Millionen, sind also fast "nasenblind". Für die Vierbeiner ist Schnuppern wichtig; deshalb lasst sie auch mal hemmungslos schnüffeln und erkunden. Aber natürlich sollte Bello nicht völlig vergessen, wer da noch mit ihm spazieren geht. Prima, wenn Euer Hund ansprechbar ist. Noch besser, wenn Ihr ihn von einer Schnüffelspur abrufen könnt. Ein guter Rückruf ist die Grundlage für möglichst viel Freiheit. Und es ist durchaus eine Herausforderung, seinen Hund abzurufen, wenn dieser sich gerade am Boden fest gesaugt hat und eine spannende Fährte verfolgt! Ihr könnt das üben, indem Ihr ein paar Leckerlis in der Wiese verstreut, Euren Hund suchen lasst und ihn mitten aus der Suche herausruft. Wenn das klappt, gibt es für diese Leistung natürlich einen besonders leckeren Belohnungshappen, der besser ist als die Kekse am Boden. Die Schwierigkeit dieser Übung könnt ihr nach und nach steigern, indem Ihr Euren Hund mal sehr früh abruft, mal erst, wenn er sich schon richtig festgeschnuppert hat; mal liegen nur Kekse auf dem Boden, mal etwas Köstlicheres. Vergesst nie, Euren Vierbeiner für den gelungenen Abruf königlich zu loben und zu belohnen!
Apropos Spuren legen: Erkundet die wunderbare Schnüffel-Welt Eurer Hunde doch gemeinsam! Legt ihm eine längere Fährte und lauft sie zusammen ab, denn bei der Fährtenarbeit darf Eure Supernase Ihrer ursprünglichen jagdlichen Motivation nachgehen. Bei der Fährte kann es sich entweder um eine Spur aus Käsekrümeln oder Wurststücken handeln, aber auch um eine Schleifspur mit einem Hasendummy oder Futterbeutel. Am Ende liegt der Jackpot, die "Beute", die euer Hund dann, je nach Beute, direkt fressen oder zu Euch bringen darf. Eine Alternative  hierzu ist das Mantrailen. Hierbei sucht der Hund eine versteckte Person mittels einer Geruchsprobe, an der er am Startpunkt anriecht.
Doch neben der Nasenarbeit gibt es noch weitere schöne Beschäftigungen draußen. Baut in Eure Spaziergänge Apportier-Übungen ein, lasst Euren Hund über Baumstämme balancieren, unter Bänken hindurchkriechen, im Slalom um Bäume laufen etc. Die Natur bietet unendliche Möglichkeiten für gemeinsame Abenteuer! Lasst Euch darauf ein; so könnt Ihr verhindern, dass Euer Vierbeiner sich geruchlich nur noch "wegbeamt".

Wenn ein Rüde nur noch damit beschäftigt ist, Urinmarkierungen von Hündinnen abzuchecken, indem er intensiv schnüffelt und dabei sabbert und mit den Zähnen klappert, ist er oft kaum noch ansprechbar. Hilft hier wirklich nur eine Kastration?

Zunächst einmal gehört Sexualverhalten zum Hund dazu, das ist nicht anders als bei jedem anderen Lebewesen auch. Und nur weil ein Rüde im Frühling besonders "sexy" drauf ist, ist er nicht gleich hypersexuell und sollte kastriert werden. Zu einem gewissen Maß solltet Ihr das sexuelle Verhalten daher zulassen. Bello darf also auch mal intensiv schnuppern und sabbern, aber dann geht der Spaziergang auch wieder weiter. Ihr solltet nicht ständig an jeder Pinkelstelle stehen bleiben – schon gar nicht, wenn Ihr Euren Rüden an der Leine habt. Dann gebt Ihr das Tempo vor und zieht ihn ggf. einfach weiter. Ist er an der Schleppleine oder im Freilauf, sollte er auch mal die Chance haben, geruchlich "die Mädels klar zu machen".
Doch es gibt auch Rüden, die wirklich leiden und nichts anderes mehr im Kopf haben als ihre sexuellen Gelüste. Erleichtert ihnen die Spaziergänge, indem ihr vorübergehend die typischen Gassistrecken meidet. Sucht euch Wege, wo nicht so viele Hunde – und vor allem keine läufigen Hündinnen – unterwegs sind. Ebenfalls hilfreich ist es, euren liebestollen Lumpi während dieser Sturm-und-Drang-Zeit körperlich müde zu machen, zum Beispiel indem er am Fahrrad mitläuft oder Euch beim Cani Cross zieht.
Erst wenn dies alles nichts hilft und Euer Rüde regelrecht krank ist vor Liebeslust, wenn er sein Futter tage- oder sogar wochenlang verweigert, nur an der Haustür liegt und jammert und auch nachts kaum Ruhe findet – dann solltet Ihr mit dem Tierarzt Eures Vertrauens sprechen, ob eine Kastration hier sinnvoll wäre.

Vor allem bei Hunden in der Pubertät spielen die Hormone jetzt verrückt. Woran liegt das und wie geht man am besten damit um?

Pubertät ist die Phase, in der die Hormone voll reinknallen und das Gehirn "wegen Umbau vorübergehend geschlossen" ist. Junge Hunde entdecken in dieser Zeit eine völlig neue Welt – da fällt es durchaus schwer, alle Reize adäquat zu verarbeiten, und dann brennen sozusagen die Sicherungen durch, und der Junghund ist kaum noch ansprechbar. Hier ist viel Geduld vom Hundehalter gefragt. Seid ihnen gnädig, den jungen Wilden. Diskutiert nicht mit ihnen rum, sonst reiben Halter und Vierbeiner sich nur aneinander auf, und das kostet auf beiden Seiten Nerven und wirkt sich schlecht auf die Mensch-Hund-Beziehung aus. Schraubt eure Ansprüche zurück und macht Eurem jungen Hund das Training leichter, so dass es wieder schnelle Erfolge gibt. So könnt Ihr beispielsweise in reizarmer Umgebung trainieren, denn ohne viel Ablenkung kann sich Euer Hund besser auf das bisher Gelernte einlassen. Oder Ihr übt mehr im Haus oder Garten, wo die Verlockungen nicht ständig präsent sind. Haltet durch – es geht auch wieder vorbei. Und beim Hund wesentlich schneller als beim pubertierenden Teenager!

Welche Möglichkeiten der Beschäftigung gibt es, wenn der Hund draußen gar nicht mehr zum Training motiviert werden kann

Auch drinnen lassen sich Grundsignale üben – sogar mit Ablenkung. Auch ein paar Tricks lassen sich bestens Indoor trainieren. Bringt Eurem Hund doch einmal bei, rückwärts zu gehen, Euch mit der Pfote zuzuwinken oder sich zu verbeugen. Hier sind Eurer Kreativität kaum Grenzen gesetzt. Schaut, was mit Eurem Hund körperlich umsetzbar ist, und legt los! Es gibt zudem zahlreiche sogenannte Intelligenzspiele. Hier kommt es auf Grips an! Tüftelt gemeinsam mit Eurem Vierbeiner, wie er am besten ans Leckerchen kommt, indem er einen Schieber betätigt oder an einer Kordel zieht, indem er eine Taste drückt oder Klötzchen anhebt. Die Variationen dieser Spiele sind schier endlos. Es gibt sie im Zoofachgeschäft oder online. Doch Ihr könnt auch rasch selbst ein Intelligenzspiel basteln. Anregungen hierfür findet Ihr im Internet.
Eine weitere schöne Beschäftigung ist die Suche nach kleinen Gegenständen. Ihr bringt dem Hund bei, sich den Geruch eines für ihn eigentlich unbedeutenden kleinen Gegenstands einzuprägen, z. B. einer Wäscheklammer oder eines Kronkorkens. Im späteren Verlauf des Trainings soll Eure Spürnase dann den Gegenstand in einem "Trümmerparcours" finden und diesen durch Abliegen davor anzeigen. Keine Bange – ihr müsst dafür nicht das Wohnzimmer auf den Kopf stellen. Zwei, drei Kissen und Decken sowie ein paar Rohre aus dem Baumarkt genügen fürs Erste, um beispielsweise eine Büroklammer so zu verstecken, dass Bello sie nur noch geruchlich auffinden kann. Eine echte Detektivarbeit, die den Hund geistig sehr müde macht.

Du hast ja selbst einen unkastrierten Rüden. Kennst du diese Probleme mit Cayden auch?

Cayden ist ein Labrador Retriever aus der Arbeitslinie. Somit hat er die Leidenschaft fürs Schnuppern in die Wurfbox gelegt bekommen. Und weil ich selbst völlig begeistert bin von Nasenarbeit allgemein, war für mich von Anfang an klar, dass Cayden zum Mantrailer ausgebildet wird. Damit haben wir schon sehr früh begonnen. Inzwischen ist er geprüfter Einsatzhund in der K-9® Tiersuche. Wir helfen Tierbesitzern, ihre entlaufenen oder verschwundenen Tiere wiederzufinden. Gesucht haben wir u. a. schon Katzen, Hunde und sogar Reptilien.
Natürlich trailen wir nicht nur in Sucheinsätzen, sondern auch zum Spaß oder um eine bestimmte Thematik zu trainieren, wie die Personensuche in einem großen Gebäude oder das Anzeigen eines sogenannten Negativs, bei dem der Trail abrupt endet, weil die Versteckperson in eine fremdes Auto gestiegen ist und weggebracht wurde.
Wenn wir mal nicht trailen, lege ich Cayden gerne eine lange Schleppfährte. Hier darf er frei davonrennen und die Spur des gezogenen Kaninchenfells verfolgen. Am Ende nimmt er das Kaninchenfell auf und bringt es mir zurück. Und dabei lacht er übers ganze Gesicht.
Gerade weil ich mit Cayden schon immer viel unternommen und trainiert habe, machte sich seine Pubertät damals nicht besonders unangenehm bemerkbar. Er war und ist für mich stets ansprechbar. Dennoch darf er auch mal "sexy" sein und einer Hündin schöne Öhrchen machen. Das gehört dazu, schließlich ist er ein unkastrierter Rüde.

Ein paar Worte zu deiner Hundeschule:

Ich gehöre seit 2007 zum Martin Rütter DOGS Netzwerk und bin im Raum Ludwigshafen/Bad Dürkheim für Menschen mit Hund im Einsatz. Meine Spezialgebiete sind das Training mit aggressiven Hunden, Hunden aus dem Tierschutz und alten Vierbeinern. Zudem bilde ich Besuchshunde-Teams aus. Als leidenschaftlicher Mantrailer bilde ich Teams in der Personen- und der Tiersuche aus und mache sie fit für Sportprüfungen nach K-9®. Des weiteren bin ich als Dozentin für die DOGS Studenten tätig.