Ganz schöner Kinderkram

Keine Frage: Es ist die reinste Freude, Kindern und Hunden beim gemeinsamen Miteinander zuzusehen. Trotzdem müssen beide gewisse Regeln einhalten, damit das Zusammenleben harmonisch bleibt. Unsere Expertin Conny Sporrer gibt Ihnen praktische Tipps.

Im Sommer sieht man sie überall – im Wald, im Park oder auf Feldwegen: Fellnasen im gestreckten Galopp und davor oder dahinter tapsige kleine Menschen, die vor Freude lustige und laute Töne von sich geben. Manch einer schaut verwundert drein, andere kennen dieses Szenario schon: Kinder und Hunde spielen fröhlich miteinander. Ob alte oder junge Zuschauer – allen ist eines gemeinsam: Die Freude, die Kinder und Hunde dabei ausstrahlen, zaubert uns allen ein Lächeln auf die Lippen, und unbewusst wünschen auch wir uns diese kindliche Unbeschwertheit herbei. Aber fühlen Kinder und Hunde sich ebenfalls so wohl wie wir, die wir nur zusehen?
„Mit Hunden aufzuwachsen kann für Kinder ein großer Gewinn sein“, erklärt Conny Sporrer, Hundetrainerin und Leiterin der DOGS Hundeschule in Wien (Österreich). „Mal abgesehen davon, dass in Zeiten von Playstation und 3-D-Fernsehen soziale Spielpartner einen Ausgleich zur technisierten Welt darstellen, sind Hunde für Kinder oft verständnisvolle Begleiter und Zuhörer.“
Da aber nicht jeder Hund zu jeder Familie passt, müssen wir gewisse Vorkehrungen trotzdem treffen, bevor der Vierbeiner ins Haus kommt; oder auch andersherum: bevor ein Säugling die Familie bereichert. 

 

Die Vorbereitung

Halten Sie von Anfang an gewisse Regeln ein, damit das Miteinander auch wirklich harmonisch ist, so Conny Sporrer. „Ganz klar sollte vor allem von Anfang an festgelegt werden, dass die Hauptverantwortung für den Hund immer bei den Eltern liegt." Denn Kinder können und sollten - je nach Alter - nicht alle Aufgaben übernehmen.  „Dies hat zum einen rudelstrukturelle Gründe, da Hunde Kinder erzieherisch noch nicht ernst nehmen können und zum anderen gibt es im Hundealltag viele Situationen, denen Kinder noch nicht gewachsen sind", sagt die Expertin. „Unter Anleitung und Kontrolle der Eltern sind einige Aufgaben wie die Fütterung oder Pflege trotzdem möglich.“ Eine wichtige Vorbereitungsmaßnahme ist daher die gemeinsame Festlegung eines Regelpaketes: „Welche Bereiche darf der Hund im Haus betreten? Welche Räume sind vielleicht sogar tabu? Darf der Hund auf die Couch? Ist der Garten erlaubt?“, so Conny Sporrer.
„Nur wenn all diese Fragen im Vorfeld geklärt sind, können sich alle konsequent daran halten und dem Vierbeiner klare und stabile Strukturen vermitteln." Denn Kinder und Hunde müssen nicht von klein auf miteinander zusammenleben, damit es funktioniert.

 

Familienzuwachs

„Hunde sind unglaublich flexibel und können sich wunderbar an verschiedenste Lebenssituationen an  passen“, erklärt die Expertin. „Die Anschaffung eines Hundes sollte aber nicht parallel zu der Familienerweiterung stattfnden. Gerade in dieser Phase nimmt das Kleinkind sehr viel Zeit in Anspruch.“ Und Hunde brauchen in der Anfangsphase ebenso viel Aufmerksamkeit, besonders in puncto Erziehung, Pflege und Beschäftigung. „Es sollte vermieden werden, dass die Dinge sich schlagartig ändern“, sagt Conny Sporrer. „Im schlechtesten Fall würde der Hund alle Umstellungen mit dem Neuankömmling verknüpfen." Sobald ein Kind circa drei Jahre alt ist, hat sich der Familienalltag so weit eingespielt, dass ein Hund ohne Probleme hinzukommen kann. „In dieser Altersstufe muss aber dennoch unbedingt darauf geachtet werden, dass der Hund robust und nicht lärmempfindlich ist und eine tendenziell hohe Reizschwelle hat“, sagt Conny Sporrer. Die Auswahl des richtigen Hundes für die Familie ist entscheidend für das Zusammenleben. „In Bezug auf Temperament und Rasse empfehle ich Familien, natürlich je nach Lebenssituation, Gesellschaftshunde oder unter Jagdhunden Gemeinschaftsjäger auszuwählen“, erklärt sie. Diese Hunde orientieren sich einfacher am Menschen und bringen oft eine gut ausgeprägte soziale Motivation mit sich. „Von einigen Hundekategorien ist im Sinne des Familienhundes aber eher abzuraten: Hunde vom Urtyp, wie Husky oder Samojede“, so die Expertin. „Diese Hunde haben nämlich in ihren Ursprüngen gelernt, für sich selbst verantwortlich zu sein.“ Auch Hütehunde sind nur bedingt geeignet, denn sie sind mit tobenden Kindern oft überfordert. „Ab dem Schulalter können Kinder, unter Kontrolle der Eltern, in die Hundeerziehung mit einbezogen werden. Bei Kindern im Teenageralter müssen zumeist keine besonderen Kriterien mehr bei der Hundeauswahl beachtet werden.

 

Das Zusammenleben

Kinder und Hunde spielen gleichermaßen unermüdlich miteinander. Hat der Hund dann doch keine Lust mehr und zieht sich in sein Körbchen zurück, so sollten Kinder ihm nicht folgen und ihm seine Ruhe gönnen. „Beide brauchen ihre Ruhezonen, ist das Miteinander auch noch so schön“, so Conny Sporrer „Daher rate ich auch immer, für Hunde das Kinderzimmer und für Kinder das Hundekörbchen zu tabuisieren.“ Erklären Sie Ihren Kindern diese Regeln, anstatt die Dinge einfach nur zu verbieten – sie sind oft empfänglicher dafür, als man glauben würde. Nur so lernen Kinder, die Bedürfnisse des Hundes zu respektieren. Im Spiel, zum Beispiel beim Apportiertraining, lernen Kinder und Hunde ihre Kompetenzen – unter anderem Konzentration, Geschicklichkeit, Ausdauer und Reaktionsvermögen. „Das dient der natürlichen Entwicklung der eigenen Persönlichkeit, beim Kind ebenso wie beim Hund“, erklärt die Expertin.  

 

INFO: Verhaltensregeln

Für den Hund: 

  • Kinder nicht jagen
  • Kinder nicht anspringen
  • nicht in das Kinderzimmer gehen
  • nicht körperlich werden

Für das Kind: 

  • Hund nicht in die Augen starren
  • Hund zu nichts zwingen
  • nicht beim Fressen stören
  • Hund nicht jagen
  • keine Zieh- und Zerrspiele
  • nicht über den Hund klettern
  • Hund nicht auf seinem Platz stören