Mein Kind möchte einen Hund – Was ist zu beachten und wie werden sie zum Dreamteam?

In den Medien hört man immer wieder von Beißvorfällen von Hunden gegenüber Kindern. Ein wichtiger Grund, warum das Projekt Hund gerade von Familien mit großer Sorgfalt angegangen werden muss.

Wir haben mit Jutta Barth von Martin Rütter DOGS Saarbrücken über die wichtigsten Punkte im Zusammenleben von Kind und Hund gesprochen.

Mit der richtigen Auswahl des Hundes sollten die ersten Überlegungen anfangen. Was ist bei der Auswahl des Hundes zu beachten? Welche Eigenschaften bzw. Rassen eignen sich für Familien?

Grundsätzlich sollten Eltern sich sicher sein, dass die Haltung eines Familienhundes in den Alltag passt und genügend Zeit für die Erziehung des Hundes vorhanden ist. Sie sollten sich im Vorfeld informieren, was bei der Anschaffung und Erziehung beachtet werden muss. Nichts wäre schlimmer für alle Seiten, als wenn der Hund aufgrund von Problemen abgegeben werden müsste. Es muss ganz sicher feststehen, dass die Zeit für einen Hund gekommen ist.

Die Auswahl des Hundes ist der zweitwichtigste Schritt. Er muss zur Familie passen, den Erwartungen und Wünschen von Herrchen, Frauchen und den Kindern gerecht werden können. Die Familie sollte sich auch die Frage stellen, was der Hund in den nächsten 15 Jahren alles mit ihnen zusammen erleben soll. Wenn die Kinder zum Beispiel schon größer sind und Spaß an Agility oder ähnlichen Beschäftigungen mit Hund hätten, muss vielleicht ein anderer Hund ausgewählt werden als wenn der Hund „nur“ Freund und Begleiter sein soll.

Was aber jeder Familienhund mitbringen sollte, ist eine hohe Reizschwelle und einen ausgeglichenen Grundcharakter. Ruhe und Gelassenheit und ein „eher dickeres Fell“ helfen dem Hund dabei, mit Kindern gut zurechtzukommen. Sensible, feinfühlige Hunde sind mit lebhaften, mobilen, eventuell auch lauten Kindern schnell überfordert, könnten aber für ältere Kinder gute Freunde und Partner sein. Es gilt also nicht nur, die Wünsche und Hoffnungen der Menschen abzudecken, sondern ganz wichtig ist es auch, die Bedürfnisse des Hundes im Auge zu behalten.

Generell kann man leider nicht durch die Bank weg sagen, diese oder jene Rasse ist für Familien mit Kindern immer geeignet. In jeder Rasse findet man charakterliche Unterschiede, stabile geeignete oder instabile und damit ungeeignete Hunde. Jede Familie unterscheidet sich von der im Nachbarhaus. Deswegen muss die Auswahl des Hundes auch ganz individuell getroffen werden. Welpe, Junghund, erwachsener Hund, vom Züchter oder aus dem Tierheim, groß, klein …..es stellen sich viele Fragen. Wer als neuer Hundebesitzer darüber unsicher wird, kann bzw. sollte sich Unterstützung suchen. Viele meiner Kollegen aus dem DOGS Netzwerk bieten genauso wie ich und mein Team dabei Hilfe an. Beratung vor der Auswahl und Anschaffung eines Hundes gehört in vielen DOGS Hundeschulen zu den Standardangeboten.

Welche Regeln müssen Kinder im Umgang mit dem Hund lernen?

Ganz wichtig ist es für Kinder, zu verstehen, dass der Hund kein Spielzeug ist. Sie müssen lernen, dass der Hund eigene Bedürfnisse hat, die respektiert werden müssen, damit der Hund sich wohlfühlen kann. Viele Beißvorfälle ereignen sich, weil diese Grenzen des Hundes überschritten werden und der Hund sich nur durch Aggression seine Freiräume schaffen kann. Anders als eine Puppe oder ein Plüschtier lässt sich ein Hund eben nicht alles gefallen.

Das können auch kleine Missverständnisse sein. Das Kind möchte den Hund nur liebhaben und drücken, der Hund fühlt sich dadurch zu sehr eingeengt und schnappt. Gerade kleinere Kinder sind in solchen Dingen oft noch etwas unkoordiniert und aus einem Streicheln wird ein „Draufklopfen“ oder „am Fell ziehen“.

Wichtig ist es, den Kindern zu vermitteln, dass fremde Hunde ganz anders reagieren können als der eigene. Einfach zu jedem Hund hinzugehen und ihn streicheln zu wollen, kann für das Kind übel enden. Der Besitzer sollte vorher gefragt werden.

Wie sollte der Alltag mit Kind und Hund gestaltet werden?

Wichtig sind feste Regeln, Struktur, Klarheit und Konsequenz – für Hund und Kind. Allgemeingültige Regeln sollten innerhalb der Familie am besten schon vor dem Einzug des Hundes besprochen sein: Was darf der Hund, was bleibt ihm verwehrt, wer kümmert sich um welche Aufgaben.

Der Hund kommt in ein neues soziales Umfeld und sollte Zeit finden, sich einzugewöhnen und seine neuen „Rudelmitglieder“ kennenzulernen. In der ersten Zeit sollten deshalb nicht alle Freunde, Verwandte und Bekannte vorbeikommen, um den Hund kennenzulernen, egal wie neugierig alle sind.  Auch die Familie sollte sich nicht ständig auf ihn stürzen. Trotzdem kann man mit der Umsetzung der Regeln schon am ersten Tag beginnen. Der Hund soll in Zukunft nicht in die Küche, ins Kinderzimmer, ins Bett???? Dann ist es am einfachsten, der Hund lernt es erst gar nicht anders kennen.

Gute Erziehung braucht viel Zeit und der Hund wird nicht am ersten Tag wissen, wie er sich ab sofort verhalten soll. Fehlverhalten des Hundes sollte mit Ruhe und Gelassenheit immer von den Erwachsenen berichtigt werden. Ebenso liegt es in deren Händen, dafür zu sorgen, dass sich die Kinder dem Hund gegenüber richtig verhalten. Jeder soll und möchte sich gut fühlen in der neuen Situation.

Können Eltern dem Kind Verantwortung für den Hund übertragen? Spielt das Alter des Kindes eine Rolle?

Egal, was die Kinder alles versprechen, damit ein Hund angeschafft wird: Die Erwachsenen müssen sich im Klaren darüber sein, dass sie den größten Teil der Aufgaben selbst übernehmen werden müssen.

Dabei spielt das Alter der Kinder auf jeden Fall eine große Rolle, nicht nur in Bezug darauf, ob das Kind verantwortungsvoll mit dem Hund umgeht, sondern im Hinblick darauf, welche Situationen entstehen können.

Ein achtjähriges Kind mag schon in der Lage sein, den Hund um den Block zu führen und macht es vielleicht auch mit Begeisterung. Aber was passiert, wenn der Hund sich wegen einer Katze von der Leine reißt und über die Straße läuft? Oder wenn ein fremder Hund plötzlich den eigenen Hund angreift? Diese Verantwortung kann NICHT an Kinder delegiert werden.

Wenn ich mit meinen Hunden spazieren gehe, fragen meine Enkel (8 und 5 Jahre) regelmäßig, ob sie die Leine halten dürfen. In ungefährlichen Situationen (nicht im Bereich der Straße) dürfen sie gerne meine Mary führen, die sehr brav ist und die ich jederzeit mit einem Wort stoppen kann. Meine viel aktivere Pipa überlasse ich ihnen aber nicht. Es könnte jederzeit passieren, dass ein spontaner Satz des Hundes (zwar gut erzogen, aber noch jung und sehr impulsiv) die Kinder umreißt. Pipas Leine halten wir höchstens zusammen fest. Und vor allen Dingen bin ich immer in unmittelbarer Nähe. In meinem Garten, wo ich aus etwas größerer Entfernung beobachte, dürfen sie mit Mary auch ohne mich das Spazieren gehen üben.

Wenn der Hund nicht futterneidisch ist, können Kinder gerne z. B. dabei helfen, dass Futter zuzubereiten. Ob sie es dann auch hinstellen können, muss gut überlegt werden und ist vom Hund abhängig. Deshalb sollte diese Aufgabe auf jeden Fall in der ersten gemeinsamen Zeit in den Händen der Erwachsenen liegen, bis der Hund so vertraut ist, dass man seine Reaktionen einschätzen kann.

Kinder sind oft ungenau im Timing oder nicht so konsequent, wenn es darum geht, dem Hund etwas beizubringen. Sie sind aufgeregt und quirlig oder tief enttäuscht, weil der Hund nicht direkt „Pfötchen“ gibt oder „Sitz“ macht. Für das Lernverhalten eines Hundes ist es aber wichtig, dass Aufgaben mit Ruhe, Konsequenz und gutem Timing vermittelt werden. Kind und Hund – in dieser Beziehung also eher eine unglückliche Kombination. Es kann immer wieder Situationen geben, in denen der Hund seine eigenen Ideen hat und gar nicht machen will, was er tun soll. Ist dann ein Eingreifen nötig, könnte es sein, dass der Hund den Kindern dieses Recht nicht eingesteht und seinerseits versucht, die Kinder zu maßregeln. Die Erziehung sollte deshalb auf jeden Fall durch die Eltern erfolgen. Wenn der Hund die grundlegenden Dinge beherrscht, kann das Kind dem Hund spielerisch diese Aufgaben stellen und beide können viel Spaß daran haben.

Je älter das Kind, umso mehr kann es in die Versorgung des Hundes mit einbezogen werden. In der ersten gemeinsamen Zeit liegen diese Aufgaben aber bitte ausschließlich in den Händen der Erwachsenen.

Warum sind Hunde für Kinder so wichtig?

Ein Hund kann für Kinder sehr viel bedeuten. Er kann Freund und Tröster sein, aber auch Spielkamerad.

Kinder können lernen, sich auf andere Lebewesen einzustellen, sich selbst zurückzunehmen, Verantwortung zu tragen. Stubenhocker gehen plötzlich gerne raus, um mit dem Hund im Garten zu spielen. Ruhige Kinder können offener und lebhafter werden und unruhige, zappelige Kinder können lernen, ruhiger zu werden, weil ihr Freund, der Hund, das lieber mag.

Der Hund mag das Kind trotz Brille oder „NoNameKleidung“, er ist immer empathisch und er verpetzt Geheimnisse nicht. Er hat immer Zeit und ein offenes Ohr. Das Kind kann Freude und Stolz empfinden, wenn der Hund hört und Kunststückchen macht, die sie dann gemeinsam der Familie oder Freunden vorführen.

Hunde konfrontieren Kinder durch ihre kürzere Lebenszeit auch mit dem Tod. Das ist eine sehr traurige Sache, aber für das Kind – wenn in der Familie richtig damit umgegangen wird – sehr wichtig. Meine Enkeltöchter haben den Tod von zweien meiner Hunde miterlebt. Und gerade der Tod von Sally, die ihr Herzenshund war, war eine schwere Erfahrung. Der Tod ist seither greifbarer und der Tod des Uropas war auf eine gewisse Weise etwas Bekanntes und verständlicher.

Kind und Hund – für mich fast ein Muss! Alljährlich hat eines meiner Standardangebote in den Schulferien deshalb auch genau diesen Inhalt. Kinder können bei mir in der Hundeschule jederzeit gerne Mama und Papa begleiten und ich beziehe sie so weit wie möglich in das Training mit ein. Ich vermittle den richtigen Umgang mit dem Hund, indem ich den Hund mit seinen Gefühlen und Wünschen für das Kind „übersetze“ und Situationen erkläre. Ich bremse, fördere und fordere, je nach dem, was gerade notwendig ist.

Mein „Vorleben“ als Erzieherin und Logopädin und meine jetzige Tätigkeit als Hundetrainerin ergänzen sich dabei ganz wunderbar.

Darüber hinaus liegt ein Schwerpunkt der DOGS Hundeschule Saarbrücken im Bereich der Beschäftigung für Hunde. Sie finden Mantrailing, Fährtentraining, Treib- und Flyball, Reizangeltraining, Nasenarbeit, Hoopers, Apportieren und Zughundesport in unseren Angeboten. Und wenn Ihnen etwas fehlt – sprechen Sie uns darauf an.

Beratung und Training rund um das Thema "Kind und Hund" in Ihrer DOGS Hundeschule finden Sie in den DOGS Trainingsangeboten