Weihnachten mit Hund und die große Panik an Silvester

Wir befragen hierzu DOGS Coach Richarda Theobald-Hoffmann (Martin Rütter DOGS Kaiserslautern)

Das Jahresende nähert sich mit großen Schritten und Weihnachten steht bald wieder vor der Türe. Kleine Kinderaugen leuchten bei der alljährlichen Frage nach Weihnachtsgeschenken besonders hell, wenn sie von Hundewelpen sprechen. Alle Jahre wieder stellt sich die Frage: Gehören Hunde wirklich nicht unter den Weihnachtsbaum oder gibt es auch Ausnahmen? Und wie reagiere ich, wenn der Vierbeiner dann plötzlich Angst vor Silvester hat?

Richarda Theobald-Hoffmann betreibt die DOGS Hundeschule in St. Wendel/Kaiserslautern und steht uns zu diesem Thema Rede und Antwort.

Hunde werden gerne zu Weihnachten verschenkt. Was sagst du dazu?

Weihnachten ist überall die Zeit der Wünsche und Geschenke. Da ist es natürlich nicht verwunderlich, dass auf dem einen oder anderen Wunschzettel auch ein Hund zu finden ist. Aber Hunde sind Lebewesen und sollten keinesfalls neben anderen Gegenständen unter dem Weihnachtsbaum landen. Mit einem Hund übernehme ich Verantwortung und dieser Verantwortung muss ich mich dann auch stellen und zwar mit allen Konsequenzen. 

Was würdest du Familien sagen, die sich dennoch einen Hund zu Weihnachten holen möchten?

Die Anschaffung eines Hundes sollte sorgfältig überlegt und mit allen Familienmitgliedern - vor allem dem Beschenkten - ausführlich besprochen werden. Man sollte sich über die derzeitige familiäre Situation und die weitere Familienplanung unterhalten haben. Ist genügend Zeit für den Vierbeiner? Wie sieht der Alltag mit Hund aus? Habe ich Unterbringungsmöglichkeiten im Notfall und auch im Urlaub? Wer soll die Hauptbezugsperson für den Hund werden und kann diese Person das zeitlich überhaupt leisten? Ein Hund wird zusätzliche Kosten verursachen, auch darüber muss man sich im Klaren sein! Und das Allerwichtigste – welcher Hund passt zu der Familie?! Hierfür biete ich in meiner DOGS Hundeschule auch eine Beratung vor der Auswahl und Anschaffung eines Hundes an. Den Familien würde ich als Alternative zum Hund unter dem Weihnachtsbaum einen Gutschein für diese Beratung in meiner Hundeschule empfehlen.

Kaum ist dann Weihnachten rum, steht auch schon Silvester und damit das erste mögliche Problem vor der Tür: Der Hund hat Angst vor Silvesterknallern und kann dem Fest im Gegensatz zu seinen Haltern gar nichts abgewinnen.  Was empfiehlst du?

Leider ist es für das bevorstehende Silvester viel zu spät, um den Hund in den wenigen noch verbleibenden Tagen optimal auf Silvester vorzubereiten. Um für das nächste Silvester dann gut gewappnet zu sein, sollte man bereits Anfang des Jahres mit dem Training beginnen.

Wie sieht so ein Training aus?

Am wichtigsten ist, dass das Training individuell auf jeden Hund abgestimmt wird, ganz besonders bei Angstverhalten. Man beginnt damit, eine Beschäftigungsform mit dem Hund zu trainieren, die ihm Spaß macht, wie z. B. Futtersuchspiele oder Apportieren. Durch das gemeinsame Training wird auch die Mensch-Hund-Beziehung gefestigt. Während man mit dem Hund apportiert oder Suchspiele macht, wird in weiter Entfernung von einer Hilfsperson ein Knall ausgelöst. Der Hund wird den Knall wahrnehmen und gleichzeitig die Erfahrung sammeln, dass ihm nichts Negatives dabei passiert. Zusätzlich wird er den Knall jetzt mit einem positiven Erlebnis verbinden -  dem Apportieren oder Suchen. Der Mensch nähert sich nun sukzessive mit dem Hund dem Knall an. Dabei macht er den nächsten Schritt immer erst dann, wenn der Hund bei der vorherigen Entfernung entspannt bleibt. 

Auf diese Weise entscheidet praktisch der Hund, wann er soweit ist, sich dem Knall weiter anzunähern. Aus meinen eigenen Erfahrungen in der Jagdhundeausbildung kann ich sagen, dass viele Hunde auf der Jagd schussfest sind, aber an Silvester trotzdem ängstlich reagieren. Der Grund dafür ist meist die Kombination aus Geräusch und Geruch bei Feuerwerken, die die Angst beim Hund auslöst. Deshalb funktioniert auch nur in seltenen Fällen ein Training mit einer Geräusche-CD.

Hast du trotzdem Last-Minute-Tipps für Hundehalter, die einen ängstlichen Hund zu Hause haben?

Es gibt natürlich Maßnahmen, die man ergreifen kann, um die Silvesternacht für Hund und Mensch etwas entspannter zu gestalten.
Wichtig ist es, dass der Hund an dem Tag ordentlich müde und sowohl körperlich als auch geistig ausgelastet wird. Auf keinen Fall sollte man einen ängstlichen Hund an Silvester alleine lassen. Ebenso sollte man Rollläden und Jalousien an den Fenstern frühzeitig schließen und beruhigende Musik einschalten. Es wurde nachgewiesen, dass klassische Musik hierfür am besten geeignet ist. Etwas Besonderes zum Kauen oder Lecken, wie ein gefüllter Kong oder ein großer Schinkenknochen, mit dem der Hund eine ganze Weile beschäftigt ist, wirkt bei manchen Hunden Wunder. Das Kauen und Lecken beruhigt den Hund und es werden Glückshormone ausgeschüttet. Sucht der Hund die Nähe bzw. den Schutz des Menschen, sollte man das auf jeden Fall zulassen. Dabei ist unbedingt darauf zu achten, dass der Mensch durch übertriebene Aufmerksamkeit die Situation nicht zusätzlich spannend macht bzw. verstärkt. Den Hund z. B. keinesfalls übermäßig trösten: Einfach da sein, Halt geben und selber so ruhig wie möglich bleiben! 

Niemals einfach in der Hausapotheke zu einem Beruhigungs- oder Schlafmittel greifen. Es kann verheerende Folgen für den Hund haben. Medikamente sollten nur in wirklich extremen Fällen und unter genauer Absprache mit dem behandelnden Tierarzt gegeben werden. Nahrungsergänzungsmittel oder Naturheilmittel haben bei manchen Hunden eine sehr gute Wirkung, müssen aber mindestens 14 Tage vor dem Ereignis schon gegeben werden. Dazu wäre es an Weihnachten dann auch schon zu spät. 

Eine letzte Frage zum Schluss: Bekommen deine Hunde von dir etwas zu Weihnachten geschenkt?

Na klar – meine Hunde bekommen von mir an Weihnachten das Wertvollste, was wir meiner Meinung nach alle verschenken können: Zeit! Viel gemeinsame Zeit mit mir und meinem Mann. Darauf freuen wir uns auch schon!

 

In der Martin Rütter DOGS Hundeschule biete Richarda Theobald-Hoffmann ihren Kunden Welpen- und Junghundekurse, Leinenführigkeits-, Rückruf-, Distanz-, Apportierkurse und Seminare zu unterschiedlichsten Beschäftigungsformen sowie Fachvorträge. Spezialisiert hat sie sich auf die Ausbildung von Jagd- und Begleithunden. Ein weiterer Punkt, der ihr sehr am Herzen liegt, ist die Gesundheit der Hunde. Hierfür bietet sie u. a. ganzjährig Cavalettitraining/Bodenarbeit in Verbindung mit Muskelaufbau, Präventionsmaßnahmen und Gangbildanalysen an. Begleitet werden die Termine von Physiotherapeuten, Osteopathen und/oder Tierärzten.