Welpen „to go“ - einfach einkaufen im Zoogeschäft?

In vielen Ländern ist es Alltag, dass niedliche Hundewelpen in Glaskästen im Zoogeschäft sitzen und die Käufer in den Laden locken. 

In Deutschland ist der Verkauf von Welpen im Zoohandel zwar legal, jedoch haben sich die meisten Geschäfte gegen einen solchen Verkauf ausgesprochen. Dennoch gibt es sie auch in Deutschland: Welpen hinter Glas, unterschiedlicher Größe und Rasse, sodass man in Ruhe „shoppen“ gehen und den passenden Welpen aussuchen kann. Doch warum ist diese Art der Hundeanschaffung nicht wirklich zu empfehlen?

Wir haben dazu mit Nicole Freitag von Martin Rütter DOGS Düsseldorf gesprochen.

Worauf sollte man bei der Anschaffung eines Welpen grundsätzlich achten? 

Die Auswahl eines Welpen ist prinzipiell sehr emotional. Trotzdem sollte man einige Überlegungen nicht außer Acht lassen, wenn man hinterher einen wunderbaren vierbeinigen Begleiter haben möchte. Hunde müssen mittlerweile so vielen Anforderungen gerecht werden, dass sich ein Blick hinter die Kulissen beim Welpenkauf schlichtweg lohnt.

Eine gute Kinderstube des Welpen ist so ziemlich die wichtigste Voraussetzung für ein entspanntes Leben als erwachsener Hund. Nur wenn die Welpen gut sozialisiert werden, kann man als neuer Halter daran anknüpfen. Das bedeutet, dass der Züchter in den ersten Lebenswochen seine Welpen mit den unterschiedlichsten Alltagssituationen, -gegenständen und –geräuschen vertraut machen sollte. So ist es von Vorteil, wenn die Welpen im Haus mit Familienanschluss aufgezogen werden. Auch kleinere Ausflüge, Fahrten mit dem Auto, verschiedene Spielzeuge, Bekanntschaft mit unterschiedlichen Menschen und Hunderassen wirken sich positiv auf die Entwicklung aus.

In einer seriösen Zucht werden zudem die Elterntiere gesundheitlich und vom Wesen her überprüft. So werden gute Voraussetzungen für den zukünftigen Welpen geschaffen. Die Zuchthunde sollten gepflegt, gut genährt, geimpft, freundlich und ohne Angst bzw. Aggression sein. In Bezug auf Gelenkserkrankungen werden die zukünftigen Eltern untersucht und von einer offiziellen Stelle ausgewertet. Darüber hinaus lässt ein seriöser Züchter seine Hunde noch auf weitere Krankheiten testen, die in der gezüchteten Rasse häufiger auftreten können.

Der Züchter macht einen sympathischen Eindruck und beantwortet alle Fragen der zukünftigen Welpenfamilien, zudem gewährt er einen Einblick in die zuchtrelevanten Unterlagen. Ein freundlicher Umgang des Züchters mit seinen Hunden sollte Grundvoraussetzung sein. Zusätzlich sollte die Mutter der Welpen permanent Zugang zu den Welpen in einem anregenden Welpenbereich haben und diese gut versorgen und erziehen.

Welche Probleme entstehen, wenn Welpen in einem Zoogeschäft gehalten werden?

In einem Zoogeschäft sieht das schon ganz anders aus. Durch die separierte Haltung der Welpen kann die entsprechende Sozialisierung auf den Alltag nicht stattfinden bzw. die beim Züchter begonnen Sozialisierung nicht weiter fortgeführt werden. Die Welpen können keine alltäglichen Situationen in einem Haushalt miterleben, weder die Geräusche noch das Leben an sich. Sie lernen lediglich viele unterschiedlichen Menschen kennen. Dies kann aber aufgrund der Menge zu einem deutlichen Stressfaktor werden. Die jungen Hunde können sich dem Stress nicht entziehen und es gibt niemanden, der darauf achtet, dass der ständige und intensive Kontakt den Welpen nicht zu viel wird – denn schließlich möchte jeder Besucher wenigstens einmal kurz die Welpen streicheln und mit ihnen spielen.

Warum wird man im Zoohandel keine Welpen seriöser Züchter finden?

Zusätzlich zu den schon genannten Punkten fühlt sich ein seriöser Züchter ein Hundeleben lang für seine Welpen verantwortlich und hält dementsprechend auch bis zum Lebensende der Hunde Kontakt zu den Familien, um diesen beratend zur Seite zu stehen und bei Problemen, aber natürlich auch einfach nur für den netten Austausch, Ansprechpartner zu sein. Manchmal behält er die Welpen auch länger bei sich bis er das geeignete Zuhause gefunden hat. Das kann unter Umständen auch deutlich über die 8. bis 10. Woche hinausgehen, die die Welpen normalerweise beim Züchter bleiben. Er möchte seine Welpen nur in den besten Händen wissen. Würde er seine Welpen einem Zoogeschäft überlassen, hätte er keine Möglichkeit, Informationen über die Welpenkäufer sowie das neue Zuhause seiner Welpen zu erhalten.

Welche Gefahren siehst du noch, wenn Welpen im Zoohandel verkauft werden?

Als erstes stellt sich mir die Frage, was mit den Hunden passiert, die keiner möchte. Wo kommen die Hunde hin, die das Welpenalter überschritten, aber noch kein Zuhause gefunden haben? Selbst wenn sie mit einigen Monaten vermittelt werden sollten, haben sie eine wichtige Zeit in ihrem Leben nur in dem Geschäft verbracht und sind tendenziell eher schlecht sozialisiert. In diesem Fall wird es dann für die zukünftige Familie immer schwerer, aus diesem Hund einen entspannten, gelassenen, umweltsicheren Begleiter zu machen.

Des Weiteren wird es in einem Zoogeschäft immer mal wieder zu Spontan- oder Mitleidskäufen kommen. Man sieht all die süßen kleinen Welpen und denkt, dass man wenigstens diesem einen ein schönes Leben schenken kann. Wie viel Arbeit ein solcher Welpe aber eigentlich macht und welche Kosten für Tierarzt, Futter, Steuern, Versicherung usw. hinzukommen, wird oft nicht bedacht. Nicht selten kommt es dann bereits nach kurzer Zeit dazu, dass der Welpe wieder abgegeben wird und im Tierheim landet. 

Ein weiteres Problem besteht darin, dass es unter Umständen mehr Würfe geben wird, bei denen sich die Menschen vorab nur wenig Gedanken um eine seriöse Zucht gemacht haben. Kann man die Welpen einfach im Zoogeschäft abgeben, falls man keine Käufer findet, wird ein Wurf vielleicht auch einfach nur aus dem Grund gemacht, weil sich die eigene Hündin ja so toll mit dem Nachbarsrüden versteht. Damit besteht die Gefahr, dass es immer mehr Welpen gibt, die möglicherweise gesundheitlich oder vom Wesen her Defizite haben.

Welpen vom Züchter sind teuer… Gibt es sinnvolle Alternativen, wenn man sich das nicht leisten kann?

Auf den ersten Blick scheint es so, als ob ein Welpe von einem Züchter teurer ist als ein Welpe aus dem Zoogeschäft. Aber Hunde kosten nicht nur in der Anschaffung Geld, sondern ihr Leben lang. Summiert man die Kosten für Haltung, Ernährung, gesundheitliche Versorgung, etc. auf, kommt schnell ein Betrag von über 10.000 Euro zusammen. Daher sollte man lieber für einen Welpen vom Züchter sparen oder komplett auf einen Hundekauf verzichten. Hinzukommt, dass das Risiko für kostenverursachende Krankheiten bei einem Welpen aus dem Zoogeschäft deutlich höher als bei einem Welpen von einem seriösen Züchter ist. Und dann kostet der „günstige“ Welpe aus dem Zoogeschäft unter Umständen am Ende mehr als ein Welpe vom Züchter.

Wer trotzdem weniger in die Anschaffung eines Hundes investieren möchte, kann natürlich auch immer einen Hund aus dem Tierschutz bei sich aufnehmen und diesem ein wundervolles Zuhause schenken.

Ein paar Worte zu deiner Hundeschule:

Ich arbeite nun seit 15 Jahren für Martin Rütter DOGS und seit gut 10 Jahren betreibe ich die DOGS Hundeschule in Düsseldorf. Im täglichen Hundeschulalltag sehen wir immer wieder, wie wichtig eine gute Sozialisierung im Welpenalter für das spätere Leben eines Hundes ist. Der Grundstein wird hier gelegt. Bei uns startet das Training in der Welpengruppe und geht dann nahtlos ab einem Alter von ca. 16 Wochen in die Junghundgruppe über.

Überdies hinaus bieten wir für alle Hunde Einzeltraining, Hausbesuche, fortlaufendes Gruppentraining, viele Workshops, Seminare, Themenstunden und –vorträge, Wanderungen und Socialwalks sowie Wochen- bzw. Wochenendtripps mit Hund an.