Wenn das Haustier zum Accessoire wird: Der „TeaCup-Hund“ passt in jede Handtasche?

Wir haben DOGS Partnerin Kathrin Schmitt von Martin Rütter DOGS Salzburg dazu befragt…

Bei der Zucht von kleinen Hunden sind strenge Regeln einzuhalten. In Deutschland ist die Zucht von sogenannten „Teacup“ Hunden - winzige Hunderassen, die in eine Teetasse passen - umstritten. Hundevermehrer züchten sie. Mit Fokus auf die Kleinwüchsigkeit werden besonders kleine oder gar Geschwisterpaare verpaart.Wegen der erschreckend hohen Nachfrage, werden solche „Handtaschenhunde“ gezüchtet. Je kleiner und leichter der Hund, desto besser.

Was sagst du zu diesem Trend?

Der Trend sagt sehr viel über uns Menschen aus! Wir holen uns einen Nachfahren des Wolfes ins Haus und wollen ihn möglichst klein, babyartig und damit kontrollierbar haben. Das aus der Biologie bekannte sogenannte „Kindchenschema“ (Großer, runder Kopf - im Vergleich zum eher kleinem Körper - mit großen, runden Augen) wird bei diesen extrem kleinen Hunden voll ausgeschöpft: Der Hund spricht eher das Brutpflege- und Beschützerverhalten an als ein partnerschaftliches Zusammenleben, wie es doch eigentlich mit dem Hund erfolgen sollte.
Viel wichtiger ist aber, sich anzuschauen, was dieser Trend für den Hund bedeutet. Um solche extrem kleinen Hunde gezielt produzieren zu können, müssen besonders kleine Exemplare einer Rasse miteinander verpaart werden. Bei der Zucht von Zwerghunderassen innerhalb des VDH (Verband für das deutsche Hundewesen e.V.) müssen sich Züchter an bestimmte Regeln halten, unter anderem auch an ein vom Zuchtverband vorgegebenes Mindestgewicht bzw. eine vorgegebene Mindestgröße. Natürlich gibt es immer wieder einmal auch in einem solchen Wurf einen sehr kleinen Hund, dieser würde aber keine Zuchtzulassung erhalten und somit nicht zur Weiterzucht verwendet werden. Nun sind solche Hunde nun aber nicht nur einfach kleiner als ihre Wurfgeschwister, sie weisen häufig auch weitere, gesundheitliche Probleme in Bezug auf ihre körperliche Entwicklung auf. Verpaart man zwei solcher extrem kleinen Hunde, und das häufig auch noch ohne auf weitere Kriterien zu achten, kommt es schnell dazu, dass die Nachkommen dieser Hunde schwere gesundheitliche Probleme aufweisen. Viele dieser extrem kleinen Hunde leider daher an Herzerkrankungen oder Kieferanomalien. Ein viel zu großes Gehirn drückt gegen den zu kleinen Schädel, wodurch neurologische Störungen entstehen. Die Fontanelle ist z.T. noch offen, das Gehirn nur durch die Hirnhaut geschützt. Auch die Blutzucker-Regulierung ist gestört. Werden diese Zwerg-Hunde nicht regelmäßig in kurzen Abständen gefüttert, droht eine Unterzuckerung, die tödlich sein kann.

Viele dieser extrem kleinen Hunde sind also schwer krank, sie können kaum einen normalen Spaziergang bewältigen und werden trotz bester medizinischer Betreuung nicht schmerzfrei leben können. Und auch Verhaltensauffälligkeiten sind damit fast schon vorprogrammiert. Wer daher ein Spielzeug für die Handtasche sucht, sollte sich besser im Spielwarenladen umsehen!

Was empfiehlst du Menschen, die einen kleinen Hund haben möchten?

Es gibt eine gesunde und verantwortungsbewusste Alternative: Wer einen kleinen Hund sucht, sollte diesen bei einem seriösen Züchter einer der vielen, kleinen Hunderassen kaufen. Keinesfalls kauft man Welpen im Hinterhof oder aus einem Stall oder bestellt diese gar per Mausklick im Internet. Ein Züchter bietet seinen Welpen eine liebevolle Aufzucht mit anregenden Aufzuchtbedingungen. Die Mutterhündin sowie die Welpen sind gesund und zeigen keinerlei Verhaltensauffälligkeiten. Die Welpen kommen auf natürlichem Weg auf die Welt, sie haben eine normale Lebenserwartung und können sich schmerzfrei bewegen. Ihre psychische und physische Gesundheit ist nicht von Geburt an beeinträchtigt, wie es bei Qualzuchten der Fall ist!

Worauf sollte man bei der Auswahl eines kleinen Hundes achten?

Der Hund sollte von einem seriösen Züchter stammen, der sich in jedem Bereich, von der gewaltfreien Verpaarung bis zur Abgabe, gewissermaßen „in die Karten schauen“ lässt. Der Hund sollte nachweisbar gesund sein. Der andere Weg, zu dem ich raten kann, ist ebenfalls ganz weit weg vom Internet und nächtlichen Treffen auf dem Autobahnparkplatz: In vielen Tierheimen warten viele kleine, liebenswerte Hunde auf ein neues Zuhause. Besuchen Sie daher doch einfach einmal das Tierheim in Ihrer Nähe, vielleicht schaut Sie dort schon Ihr zukünftiges neues Familienmitglied mit großen, sehnsüchtigen Augen an. Keinesfalls sollte man sich übrigens dazu hinreißen lassen, Hunde, die auf Bieterplattformen oder Angebotslisten mit verschleierter Herkunft verhökert werden, „retten“ zu wollen. Jeder Cent, den ein Händler durch den Verkauf eines solch armen Geschöpfes verdient, wird dazu genutzt, weitere Hunde als Zuchtmaschine auszubeuten und weiteres Leid zu produzieren. Wer sich nun immer noch mit dem Gedanken an den Erwerb eines extrem kleinen Hundes herumträgt, sollte auch die finanzielle Seite bedenken. Nicht nur, dass Unsummen für einen solch „besonderen“ Hund verlangt werden (mehrere tausend Euro sind keine Seltenheit), werden häufig auch im meist eher kurzen Leben des Hundes hohe Kosten für die medizinische Versorgung des Hundes fällig. In den wenigen Lebensjahren, die der qualgezüchtete Hund unter Schmerzen bei Ihnen verbringt, wird er möglicherweise mehrere tausend Euro an Tierarztkosten verursachen!

Gibt es Rassen, die man sich aufgrund von Qualzucht nicht zulegen sollte?

Ja, auch die Zucht brachyzephaler Rassen wie z.B. beim Mops und der Französischen sowie andere Bulldoggen, die nicht ausreichend atmen können, sollte man nicht durch den Kauf eines Welpen unterstützen. Grundsätzlich muss man leider feststellen, dass die auf optische Eigenschaften konzentrierte Zucht auch vielen anderen Rassen im Laufe der Zeit großen Schaden zugefügt hat. Und eine Rückzüchtung hin zum gesunden Hund ist leider nicht in zwei, drei Generationen zu machen. Umso wichtiger ist es daher, beim Kauf eines Welpen auf die Auswahl eines seriösen Züchters zu achten. Vielleicht finden aber ja auch Sie Ihr zukünftiges Familienmitglied im Tierschutz!

Kathrin Schmitt ist mit ihrer DOGS Hundeschule rund um Salzburg Stadt, Flachgau, Tennengau, Pongau und Lungau Ansprechpartnerin für Menschen mit Hund. Auch Verhaltensauffälligkeiten,  Bedürfnisse von Hunden,  Kommunikation von Hunden sowie artgerechte Beschäftigung gehören zu ihrem Fachgebiet.