Welpentests - Von der richtigen Auswahl des perfekten Hundes

Ein Artikel unserer DOGS Partnerin Conny Sporrer (Martin Rütter DOGS Wien) für crazy4dogs

Wer sich entscheidet, einen Welpen aufzunehmen, kauft nicht unbedingt die Katze im Sack. Gewisse Wesenszüge und Veranlagungen zeigen sich nämlich schon im Alter von wenigen Wochen. man muss die jungen Hunde nur richtig einschätzen können...

Vorweg sei gesagt: Sogenannte – oft kritisierte – Welpentests ersetzen weder eine strenge Züchterauswahl noch das Auseinandersetzen mit der richtigen Rasse für die jeweilige Lebenssituation. Hat man sich dann aber für den geeigneten Hundetyp und einen vertrauenswürdigen Züchter entschieden, kann man innerhalb des Wurfes noch einmal bewerten, welcher Hund am besten zu einem passt, sofern einem der Züchter die Auswahl überlässt oder man noch die Auswahl hat. Übrigens gelten diese Aussagen auch für Welpen aus dem Tierschutz, sofern sie eben wirklich noch bis zu acht Wochen alt sind. Bis dahin ist dann auch die wichtige Prägephase abgeschlossen, welche dem jungen Hund sozusagen die Grundausstattung für das weitere Leben gibt. Alle späteren Phasen finden auf sozialer Ebene statt, diese sollten die Kleinen im Optimalfall schon bei ihrer neuen Familie erleben.

Außerdem gilt ganz klar: Bei Welpentests kann es kein Richtig oder Falsch geben. Es handelt sich nicht um eine Prüfung, die bestanden werden muss. Es geht lediglich darum, durch verschiedene Ergebnisse festzustellen, welcher Hund am besten den Anforderungen der zukünftigen Halter entspricht. Ein sehr ruhiger, sensibler Hund kann also genauso „richtig“ sein wie ein äußerst robuster und ungestümer. Übrigens nutzen Züchter diese Tests auch oft, um die Tauglichkeit ihres Wurfes für spätere Blindenführ- oder Assistenzhunde zu prüfen.

Und natürlich können sich das Temperament und die Wesenszüge eines Hundes durch Erfahrungen, Erziehung oder sonstige Einflüsse noch einmal maßgeblich verändern. Welpentests sollen nur eine Idee davon geben, mit welchem Typ Hund man es einmal zu tun haben wird.

Die zwei bekanntesten Wesenstests für Welpen nennen sich „Biotonustest“ und „Sechs-Wochen-Test“. Ihre Inhalte und Aussagekraft werden hier genauer erläutert:

BIOTONUSTEST – INSTINKT & REFLEXVERHALTEN

Der Kynologe Eberhard Trumler († 1991) entwickelte diesen Test. Später adaptierte ihn der Hundetrainer Jan Nijboer (Natural Dogmanship). Die Besonderheit: Er wird in der Regel erstmalig 24 Stunden nach der Geburt und nach zehn Tagen erneut durchgeführt, sodass die Umwelt noch keine Wesensmerkmale beeinflusst hat. Dabei werden vier Bereiche getestet: Bewegung/Motorik, Geräuschproduktion, Saugreflex und Schmerzempfinden. Zum Ablauf: In der Regel wird auf einem Tuch am Boden ein Quadrat in neun gleich große Kästen unterteilt, so wie man es von dem Tic-Tac-Toe-Spiel mit Kreuz und Kreis kennt. Danach wird der Welpe 24 Stunden nach der Geburt zum ersten Mal in das mittlere Feld gesetzt. In dieser Phase sind Augen und Ohren noch geschlossen und der Geruchssinn ist nur bedingt entwickelt. Dann wird abgewartet und beobachtet, wie sich der kleine Hund verhält. Bleibt der Welpe bewegungslos liegen, spricht das eher für eine geringe Lebensenergie. Krabbelt er hingegen munter im Kreis umher und berührt dadurch möglichst alle Kästchen aus dem Quadrat, spricht dies für eine gute Entwicklung und ausreichend Anpassungsfähigkeit zum Überleben. Schließlich wird in dieser Entwicklungsphase die Wärme, aber auch die Zitze der Mutter gesucht. Wer sich darum nicht kümmert, wird in der Natur verkümmern. Währenddessen wird die Geräuschproduktion der Kleinen beobachtet. Welpen, die sehr laut sind und quasi um Hilfe rufen, sind eher unselbstständig und auf die Hilfe von Sozialpartnern angewiesen. Das bedeutet, dass sie zwar in der Natur weniger überlebensfähig wären, für den zukünftigen Halter ist diese Eigenschaft aber vermutlich eher förderlich. Hunde, die die Unterstützung des Menschen suchen, sind natürlich kooperationsbereiter und anpassungsfähiger als jene, die völlig selbstständig durchs Leben gehen. Der Saugreflex wird an einem menschlichen Finger getestet. Welpen mit starkem Saugreflex sollen laut Testentwicklern überlebensfähiger sein. Selbsterklärend ist dann auch, dass Hunde, die durch ein kurzes Kneifen im Nackenbereich sehr schmerzempfindlich reagieren, als wenig robust gelten. Diese Sensibilität kann durchaus einen Nachteil darstellen.

Wie man zwischen den Zeilen schon lesen kann, gibt der Biotonustest viele Informationen über die Überlebensfähigkeit des Nachwuchses in der freien Wildbahn. Dort ist es ganz normal, dass die am wenigsten Angepassten sterben oder sogar zur Sicherung des Überlebens der anderen Wurfgeschwister von der Mutter getötet werden. Unsere domestizierten Haushunde leben aber vom ersten Tag an beinahe in einer Symbiose mit uns Menschen. Angefangen von der Geburtshilfe bis hin zur Unterstützung der Welpenaufzucht durch die Züchter wird das Leben und Überleben von Hunden unweigerlich durch den Menschen beeinflusst. Möchte ein Züchter einen solchen Test mit seinem Wurf machen, kann er mit sehr viel Beobachtungsgabe und Feingefühl gewisse Veranlagungen in der Prägung entweder noch fördern oder eben dämpfen. Letztlich sind die folgenden Ereignisse im Leben der Hunde aber oft noch so entscheidend für die Entwicklung, dass eine hochwertige Aussagekraft eines solchen Tests durchaus infrage gestellt werden darf.

SECHS-WOCHEN-TEST –
TEMPERAMENT & REIZVERARBEITUNG

Dieser Test wurde durch den einstigen Hundeexperten William E. Campbell 1975 in seinem Buch „Behavior Problems in Dogs“ vorgestellt. Hundeerziehungsberater Jan Nijboer hat auch hier Elemente angepasst. Im Sechs-Wochen-Test sollen Temperament, Reizverarbeitung und Instinktschema des Hundes bei etwa sechs Wochen alten Welpen überprüft werden. Die wesentlichen Elemente dieses Welpentests sind:

Soziale Orientierung 

Wie nimmt der Welpe einen fremden Menschen wahr? Ist er eher schüchtern oder nimmt er direkt Kontakt auf? Ist er eher vorsichtig oder ungestüm? Diese Testsituation soll Aussage darüber geben, ob der Hund Menschen gegenüber eher aufgeschlossen ist oder sich eher zurückhaltend zeigt.

Spielverhalten

Der Mensch wirft ein Spielzeug, z. B. einen Ball. Reagiert der kleine Vierbeiner aufgeschlossen und zeigt vielleicht schon Ansätze von Kooperationsverhalten, um das Spiel weiter in Gang zu halten? Oder ist er uninteressiert an der Dynamik und zeigt sich damit vielleicht sogar eher überfordert? Unter Umständen wird es schwierig, einem solchen Hund Lernfreude und Kooperationsbereitschaft zu attestieren.

Assoziationsvermögen

Unter drei Plastikbechern werden gut duftende Fleischbällchen versteckt. Interessiert sich der Hund überhaupt für das Futter? Wenn ja, welche Strategien findet er, um an das Futter zu gelangen? Und vor allem: Kann er die erfolgreichste Strategie bei einem zweiten Versuch direkt rekonstruieren? Dies spricht für einen äußerst kreativen Hund, der vermutlich auch in seinem späteren Leben immer wieder neue Wege für Lösungen ausprobieren wird. Was zunächst gut klingt, kann im Alltag aber auch sehr anstrengend werden.

Pflegende Dominanz

Der Welpe wird entweder auf dem Arm oder am Boden vorsichtig auf den Rücken gedreht und dabei behutsam festgehalten und untersucht (übrigens ein Verhalten, das die Hundemutter regelmäßig vornehmen muss). Zeigt der Hund Rebellion, wird hektisch und lässt sich auch durch weiteres Festhalten nicht beeindrucken, kann dies dafür sprechen, dass er eher Schwierigkeiten haben wird sich unterzuordnen. Wobei auch hier gut beobachtet werden kann, welche Ansätze er zeigt, um sich aus dieser eingeschränkten Lage zu befreien. Beißt der Welpe gleich in die Hand oder knurrt, spricht dies für kompliziertere Unterordnungsprobleme als einfaches Fluchtverhalten. Übrigens sollte auch immer gut beobachtet werden, wie sich der Welpe gleich nach diesem Testelement verhält. Geht er angespannt mit erhobener Rute davon, wird es wahrscheinlich beim späteren Halter immer wieder Momente des Auflehnens geben. So ein Ergebnis sollte der Züchter im Auge behalten und immer wieder mit dem Welpen trainieren. Fazit sollte vor allem sein, dass Strampeln, Beißen und Co. beim Welpen nicht zum Erfolg führen. Eine Hundemutter würde den Welpen auch korrigieren und nachhaltig klarmachen, dass es jetzt Zeit ist stillzuhalten. Erfährt der Hund das durch den Menschen nicht, wird für ihn naheliegend, sich auch in anderen Lebenssituationen mit genügend Willenskraft gegen den Menschen durchsetzen zu können.

Schreckreflex

Hier wird durch ein lautes Geräusch, wie z. B. einen herunterfallenden Topfdeckel, überprüft, wie ein Welpe auf solche Umweltreize reagiert. Wird der Wurf beispielsweise in einem Stall in ländlicher Umgebung aufgezogen, ist davon auszugehen, dass der Schreck sehr groß sein wird. Hunde, die aber bereits in den ersten Wochen immer wieder sukzessive an verschiedenste Geräusche gewöhnt werden, zeigen sich davon eher unbeeindruckt. Gerade ein Hund, der später einmal Stadtlärm ausgesetzt ist, sollte nicht sehr geräuschempfindlich sein.

Schmerzempfinden

Auch hier wird kurz in die Haut gezwickt und die Reaktion des jungen Hundes bewertet. Was zunächst unfair klingt, ist eine wichtige Information für später. Leben z. B. in der Familie kleine Kinder, wird es unter Umständen (bei aller Vorsicht) auch einmal vorkommen, dass ein Kind dem Hund auf die Pfote tritt, über ihn stolpert oder ihn sogar zwickt. Reagiert der Hund darauf überempfindlich und verzieht sich quietschend in eine Ecke, ist er sicher nicht der Richtige für eine Familie. Schon gar nicht, wenn sein Reflex Gegenwehr ist und er schnappt. Reagiert er darauf aber nur leicht bis gar nicht, kann er zumindest in dieser Frage problemlos in eine Familie integriert werden.

Selbstschutzinstinkt

Hier wird der Welpe (bitte mit erhöhter Aufmerksamkeit durch den Tester) auf einen Tisch gestellt, um zu prüfen, wie er mit dieser Situation umgeht. Die einen bleiben verhalten in der Tischmitte sitzen und trauen sich nicht, sich zu bewegen. Andere springen mit Anlauf vom Tisch und wollen übereifrig die Welt entdecken. Zurückhaltendes Verhalten kann ein Vorteil sein. Denn starkes Explorationsverhalten und sich – ohne die Gegebenheiten vorher behutsam geprüft zu haben – einfach in die „Tiefe“ zu stürzen, kann vor allem im späteren Leben lebensgefährlich sein. Ein gesundes Mittelmaß an Neugierde und Vorsicht wäre hier wohl in den meisten Fällen das Optimum.

Fazit

Fakt ist, Welpentests können nicht das einzige Bewertungskriterium für die Wesenserkenntnisse von Welpen sein. Auch die Tagesverfassung der Hunde, spätere Einflüsse und nicht zuletzt die Bewertungsfähigkeit des Testers spielen eine große Rolle für die Beurteilung. Deshalb sollten Sie sich immer einen in diesem Bereich erfahrenen Hundetrainer als Experten und objektiven Beurteiler ins Boot holen, sofern der Züchter damit einverstanden ist.

Und lassen Sie sich nicht verunsichern. Alle Hunde sind Lebewesen und somit, wie wir Menschen auch, schon alleine deswegen nicht perfekt. Auf sein Bauchgefühl zu hören und ein inneres Gefühl walten zu lassen wird also, wie immer im Leben, auch hier zur richtigen Entscheidung für den passenden Begleiter fürs Leben führen.