Ein Baby zieht ein – richtige Regeln für Hundehalter

Ein Beitrag unserer DOGS Partnerin Conny Sporrer (Martin Rütter DOGS Wien) für "all4baby" 

Nach 9 Monaten mit Spannung erwartet, zieht der menschliche Nachwuchs nun endlich zu Hause ein. Das Kinderzimmer ist vorbereitet, Kleidung, Kinderwagen und die wichtigsten Utensilien gekauft. Aber haben Sie auch darüber nachgedacht Ihren Hund auf den Einzug vorzubereiten? Welche Regeln und Vorbereitungsmaßnahmen wichtig sind und welche Mythen leider noch immer durch die Welt geistern erfahren Sie hier.

Ihr Hund geht über Tische und Bänke und seine Erziehung ist bisher etwas zu kurz gekommen? Ist ein Kind in Erwartung, ist es spätestens JETZT an der Zeit mit Training, Regeln und Erziehung für Ihren Vierbeiner anzufangen. Versprochen, so sehr der menschliche Nachwuchs Ihr Leben auch bereichern und erfüllen wird, es wird alles noch anstrengender. Und wenn die Nerven dann auch mal blank liegen, kann man einfach keinen unerzogenen Hund gebrauchen. Also auf in eine gute Hundeschule und los geht’s. Es ist nie zu spät für Hundeerziehung!

Und selbst wenn es bisher keine Probleme mit Ihrem Hund gab, ist es trotzdem wichtig im Vorfeld ein paar Regeln zu beachten, wenn ein Baby im Anmarsch ist:

1. Den Hund sanft entthronen

Sie wären nicht die Ausnahme, wenn Ihr Hund bisher eine Vielzahl an Privilegien genossen hat, die Ihnen vielleicht gar nicht so bewusst waren. Auf der Couch oder im Bett schlafen, jede Menge Aufmerksamkeit und ein Schlaraffenland an Spielzeug und Futter in der Wohnung? Kommt Ihnen das bekannt vor? Ist Ihr Baby einmal da, wird sich das, gewollt oder nicht, ändern. Ist der Hund gewohnt für jeden Seufzer, für jedes Stupsen und jedes Fordern von Ihnen Aufmerksamkeit in Form von Ansprache, Streicheleinheit oder auch einer Ermahnung zu bekommen, wird es hart für ihn, wenn der kleine Zwerg da ist und sich die Welt plötzlich nicht mehr nur um ihn dreht. Daher ist es wichtig, diese besonderen Privilegien schon im Vorfeld zu reduzieren. Ein von uns oft unterschätztes, aber für den Hund ganz wichtiges Privileg ist eben Aufmerksamkeit. Sie sitzen gemütlich auf der Couch und Ihr Hund kommt und stupst sie an oder bringt Ihnen den Ball. Wenn Sie sich jetzt auf ihn einlassen und darauf reagieren hat er einen Strich auf seiner „Privilegienliste“. Wenn er am Ende des Tages zusammenzählt und mehr Striche bei sich als bei Ihnen findet, sollten sie das rasch ändern. Auch wenn Sie ihm bisher wie serviceorientiertes Personal immer brav die Tür zum Garten geöffnet haben, wenn er davor stand, und geäußert hat, dass er hinaus will, gilt es diese Dinge künftig so zu umzustellen, dass klar ist: Sie treffen die Entscheidung. Sie agieren, der Hund reagiert. Ebenso sollten Sie Couch und Bett nun, zumindest nur noch auf Kommando, verfügbar machen. Auch sein Meer an Spielsachen und herumliegenden Kauknochen sollten Sie nun Stück für Stück wegräumen. Gespielt und gekaut wird eben erst, wenn Sie diese wichtigen Ressourcen aktiv austeilen. Wozu das alles? Es geht hier nicht darum, drastisch die Weltherrschaft an sich zu reißen und Alpha zu spielen. Aber es wäre doch unfair für den Vierbeiner, wenn sich die Dinge schlagartig ändern, wenn Ihr Baby einzieht. Im schlechtesten Fall würde Ihr Hund all diese Umstellungen mit dem Neuankömmling verknüpfen – das wäre kein guter Start für eine lebenslange Freundschaft.

Dazu kommt, dass all diese Regeln Ihrem Hund letztlich viel mehr Sicherheit und Klarheit in Ihrer Beziehung geben. Wenn Sie für ihn keine Marionette mehr sind, lässt er sich folglich auch viel mehr auf Ihre Ansagen ein und nimmt sie wesentlich wichtiger als vielleicht bisher.

2. Feste Liegestellen etablieren

Ihr Leben als Mama oder Papa wird künftig etwas hektischer und chaotischer als bisher. Sie wären wirklich eine Ausnahme, wenn das nicht so wäre. Folglich ist es umso wichtiger, die Dinge im Vorfeld so zu organisieren, dass sie später alles bestmöglich managen können. Dazu kann auch gehören, dass Sie Ihrem Hund eine feste Liegestelle schmackhaft machen und diese mit einem Signal verknüpfen, sodass Sie ihn jederzeit dorthin schicken können und er auch bleibt. Später, wenn das Baby krabbelt, wird dies eine Erleichterung sein, weil sie zumindest den Hund somit besser unter Kontrolle haben. Eine empfehlenswerte Möglichkeit ist es auch bereits im Vorhinein eine Hundebox zu etablieren. Es gibt hier schon nette Modelle aus Stoff, die nicht an einen Käfig erinnern und obendrein auch zusammenfaltbar sind. Gewöhnen Sie Ihren Hund schrittweise und positiv daran, so wird er die Box als willkommenen Rückzugsort nutzen. Gerade wenn es ihm später bei Kinderbesuchen und Co. zu laut wird, können Sie die Box problemlos verschließen und somit ein Auge weniger auf Ihren Hund haben.

3. Kinderzimmer tabuisieren

So wie es sinnvoll wäre später die Liegestelle oder Box Ihres Hundes als „Leo“ zu etablieren, indem er sich in Sicherheit wiegen kann und von allen Kindern in Ruhe gelassen wird, so macht es auch Sinn das spätere Kinderzimmer von Anfang an zu tabuisieren. Erstmal soll der Hund dort nicht hinein, um nicht doch auf die Idee zu kommen, er müsste beim Baby schlafen und darauf aufpassen. Warum das wichtig ist, erfahren Sie später in diesem Artikel. Ferner ist es aber auch sinnvoll, weil Kinder dort dann hemmungslos spielen und Spielzeug auch mal herumliegen lassen können, ohne dass es für den Hund gefährlich wird oder er doch den Lieblingsteddy Ihres Kindes schlachtet. Zwei Tabubereiche für die jeweiligen Interessen sind also absolut sinnvoll.

4. Neue Gegenstände bekannt machen

Bestimmt haben Sie schon im Vorfeld Kinderwagen, Maxi-Cosi, Babybett und Co. angeschafft. Stellen Sie all diese Gegenstände gerne jetzt schon im Wohnbereich auf, damit sich Ihr Vierbeiner an die Ansammlung der neuer Gerätschaften gewöhnt. Auch jetzt können Sie schon damit anfangen, Ihrem Hund klar zu verbieten in die Tragetasche hinein zu schnuppern oder wachend unter dem Babybett zu liegen. Was sie aber schon aktiv nutzen sollten, ist das Training mit dem Kinderwagen. Geht Ihr Vierbeiner nicht gut an der Leine, ist es spätestens jetzt an der Zeit mit ihm ordentliche Leinenführigkeit zu trainieren. Klappt das soweit, kann der Kinderwagen hinzugezogen werden. Sie werden sehen, wie viele Nerven Sie sparen, wenn in dieser Kombination ein harmonischer Spaziergang stattfindet.

5. Hygienemaßnahmen treffen

Übertriebene Hygiene tut niemanden gut. Dennoch gilt es, bevor Sie mit dem Säugling nach Hause kommen, einige Vorkehrungen zu treffen, um keine Risiken einzugehen. Reinigen bzw. waschen Sie Polstermöbel, Bett und Auto vor der Ankunft des Babys noch einmal gründlich. Die meisten Hunde sollten parasitenfrei sein, aber hier auf Nummer sicher zu gehen, schadet nicht. Auch den Hund noch einmal zu baden, kann kein Nachteil sein. Tragen Sie aber bitte unter keinen Umständen vor der Ankunft des Nachwuchses prophylaktisch Spot On Präparate auf das Hundefell auf. Genau genommen handelt es sich hierbei um Nervengifte für Parasiten, die für Kinder nicht nur unter Berührung sehr schädlich sein können. In jedem Fall ist es aber ratsam, den Hund kurz vor Einzug des Babys auf Würmer zu testen (und dies auch danach in regelmäßigen Intervallen zu tun). Eine vorbeugende Entwurmung ist eine große Belastung für die Darmflora, welche dabei nahezu gänzlich zerstört wird. Ein vorheriges Austesten mittels Kotproben ist daher empfehlenswert. Dennoch ist das Thema Entwurmung absolut wichtig, da die Infektion mit einem Bandwurm lebensbedrohliche Folgen haben kann. Wenn Larven dieser Würmer in Lunge, Gehirn und Leber eindringen, kann es beim Menschen, manchmal auch erst nach 10 Jahren, zum tödlichen Leberversagen kommen. Daher sollten angemessene Hygienemaßnahmen im Vorfeld tatsächlich nicht unterschätzt werden.

Leider gibt es noch immer vorherrschende Mythen zur Vorbereitung auf den Einzug des Babys. Das Mitbringen von Windeln aus dem Krankenhaus steht hier an erster Stelle. Eine Babywindel in das Hundekörbchen zu legen würde dem Hund entweder suggerieren „das gehört zukünftig dir“ oder ihn schon im Vorfeld Abneigung entwickeln lassen, schließlich hat „es“ ja in sein Körbchen markiert.

Kommt ein Baby in die Familie, ist es für den Hund gleichbedeutend mit einem Welpenwurf im Rudel. Er wird neugierig sein, die Rudelkollegin und Hundemutter würde ihn aber in der ersten Zeit nicht an die Kleinen heran lassen. Genauso handhaben Sie es bitte mit Ihrem Nach. Schicken Sie ihn deutlich weg, auch wenn er nur daran schnuppern möchte. Hat sich alles halbwegs normalisiert, können Sie Ihren Vierbeiner nach ein paar Tagen auch mal aktiv zu sich rufen und an dem Baby auf Ihrem Arm schnüffeln lassen. Verbieten Sie ihm aber bitte immer den Kopfbereich (siehe Hygienemaßnahmen).

Grundsätzlich gilt es Ihrem Hund so klar zu machen, dass er nicht mitverantwortlich für Ihr Baby ist. Auch wenn es erstmal vielleicht süß wirkt, versteht ein Hund, dass es sich um ein Lebewesen handelt, das noch Bedarf in Erziehung und Pflege hat. Lassen Sie Ihren Hund dieses Verhalten ausleben, kann es schon im Krabbelalter zu erzieherischen Maßregelungen vom Hund kommen, die ernsthafte Folgen haben können. Suggerieren Sie Ihrem Vierbeiner also vom ersten Tag an, dass ausschließlich die Menschenfamilie für das Kind zuständig ist und er hier keine Aufgaben übernehmen muss. Dann steht einem harmonischen Zusammenleben mit Kind und Hund nichts mehr im Wege.