Für ein harmonisches Zusammenleben von Menschen und Hunden

Ein Artikel unserer DOGS Partnerin Conny Sporrer (Martin Rütter DOGS Wien) für all4dogs

Ob Hundehalter oder nicht - Hunde sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Sie sind, ob man sie nun mag oder nicht, einfach zu einem Teil unserer Gesellschaft geworden. Wir treffen sie in Cafés, Parks, auf der Straße oder sogar bei uns zu Hause, im Schlepptau unserer Freunde. Auch wenn der Hund alleine durch die Domestikation des Menschen entstanden ist, müssen wir uns immer wieder vor Augen führen, dass er deshalb noch kein Mensch ist und folglich ein Verhalten mitbringt, dass für viele erst einmal nicht in die menschliche Gesellschaft passt. Löcher buddeln, Beinchen heben, Anspringen und Bellen sind für den Canis lupus familiaris (lat.: Haushund) normale und völlig schlüssige Verhaltensweisen - sie passen nur meist gar nicht zu den Regeln unserer Gesellschaft.  

Daher gilt es für den Hund und vor allem den Halter einige Regeln einzuhalten, um ein harmonisches und entspanntes Leben in der Öffentlichkeit zu führen. Aber auch Nicht-Hundehalter können zur Harmonie beitragen. Hier gibt's die wichtigsten Tipps und Regeln für beide Seiten.

Hundehalter

1. Gute Erziehung = gute Beziehung

Gerade in der Stadt sind unsere Hunde aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken; sie begleiten uns ins Restaurant, in der Straßenbahn und bei sämtlichen Besorgungen. Was wir dabei natürlich nicht gebrauchen können, ist ein Hund, der an der Leine zieht, andere Hunde oder Menschen anbellt, sie anspringt, nach Futter bettelt oder einfach angespannt ist. Deswegen führt kein Weg daran vorbei, einem Hund die Basics mit Geduld und Verstand beizubringen. Ob Sie das ganz alleine in die Hand nehmen oder sich die Unterstüt­zung eines Hundetrainers holen, sei Ihnen ganz selbst überlassen. Fakt ist aber: Sie müssen üben und trainieren. Ein entspanntes Sitz-, Platz- und Bleib-Signal, ein lockeres Gehen an der Leine sowie dem Hund beizubringen, Menschen nicht anzuspringen oder anzubetteln, gehören zum kleinen 1x1 der Erziehung und sollten keinem Hund vorenthalten werden. Nicht nur weil es dem Menschen am anderen Ende der Leine das Leben erleichtert, sondern vor allem weil es dem Hund viel Sicherheit gibt. Kennt er seine Regeln und Grenzen, fällt es ihm einfach viel leichter, den menschlichen Alltag zu meistern. Und keine Sorge: Es ist nie zu spät damit anzufangen, egal wie alt oder unerzogen Ihr Hund ist.

2. Erst warten, dann starten

Genauso gehört es auch dazu, seinen Hund nicht einfach auf fremde Menschen zulaufen zu lassen. Wir können unsere Hunde meist gut einschätzen, Fremde können das aber in der Regel nicht. Alleine des­wegen sollten wir, wenn uns beim Spazierengehen Jogger, Radfahrer und Fußgänger entgegenkommen, unsere Vierbeiner zu uns rufen und kurz bei uns halten. Was für eine tolle Möglichkeit, den Rückruf und das Bei-Fuß-Gehen ohne Leine zu trainieren! Ganz ehrlich: Ich gehörte früher auch zu den Menschen, die sich keine Gedanken über so etwas gemacht haben. Heute sehe ich es als berufliche Mission, für ein harmonisches Zusammenleben von Menschen und Hunden zu sorgen. Probieren Sie es einfach auch einmal aus: Sie werden sehen, wie toll das Feedback ist. Einerseits können Sie genüsslich Lorbeeren für Ihren gut erzogenen Hund ernten, andererseits werden Sie sehen, wie dankbar und respektvoll die Menschen dafür sind. Obendrein tragen Sie aktiv zur Imagepflege der Hunde bei!

3. Vertrauen ist gut...

... Kontrolle noch besser. Vor allem im Freilauf. Auch ein noch so gut erzogener Hund ist kein Roboter und nicht zu 100 % verlässlich. Daher gilt es an Straßen, aber auch an öffentlichen und stark fre­quentierten Plätzen, den Hund besser an die Leine zu nehmen. Es gibt immer wieder Situationen, die auch den noch so wesensfesten Hund verunsichern. Da gilt es einfach auf Nummer sicher zu gehen. Und auch im Wald oder in anderen Gebieten, wo Wildtiere leben, soll­ten Hunde nur bedingt frei laufen. Ausschließlich Hunde, die wirklich sicher abrufbar sind, sollten ohne Schleppleine (also eine 5-7 m lange Leine) laufen dürfen. Dazu gilt es natürlich immer, die Bestimmungen im jeweiligen Bundesland bzw. auch Spaziergebiet zu beachten.

4. Nimm' ein Sackerl ... 

... und den Rest kennen - vor allem die Wiener - Hundehalter ja bereits bestens. Mittlerweile sollte es absolut selbstverständlich sein, die Geschäfte seines Vierbeiners ordnungsgemäß zu entsorgen. Vielerorts stehen dafür sogar eigene Kottütenspender, die zum Wegräumen animieren sollen, zur Verfügung. In Wien hat die "Nimm' ein Sackerl für mein Gackerl"-Aktion übrigens zu einem erfolgreichen Umdenken geführt. Die seit 2006 laufende Kampagne führte dazu, dass heute knapp 60.000 Sackerl pro Tag im Müll landen. Wer sich nicht daran hält, muss mit Strafen bis zu € 750 büßen. Aber nicht nur im städtischen Bereich, auch an Spazierwegen außerhalb der Stadt sollte das Wegräumen des Kotes selbstverständlich sein - oft werden Spaziergänge an den typischen Hundemeilen zum Spießrutenlauf.

5. "Gassi nur aufs Strassi" ...

... oder eben auf die Wiese. Nicht aber sollten Sie Ihren Hund gegen Autos, Hausmauern, Laternen, Schaufenster oder sonstiges fremdes Eigentum pinkeln lassen. Warum? All diese Dinge gehören in der Re­gel jemandem, haben einen Wert, werden regelmäßig gereinigt und gewartet. Es scheint im Alltagsbild schon fast normal, dass Hunde z. B. gegen Hausmauern urinieren. Wenn man aber genauer darüber nachdenkt, ist es wirklich respektlos. Dazu kommt ja auch noch, dass © ingimage.com, Klaus Grittner all4 DOGS der Urin mit Sicherheit dazu führt, dass viele nachfolgende Hunde übermarkieren. Fragen Sie sich also beim nächsten Pinkelversuch Ihres Hundes am besten immer: "Wäre es o.k., wenn es mein Haus/ Auto/etc. wäre?"

Nicht-Hundehalter

1. "Willst du gelten, mach dich selten ..."

Hunde haben, wie wir Menschen auch, eine natürliche Individual­distanz. Wie auch bei uns ist diese, wie der Name schon sagt, sehr individuell - also von Hund zu Hund unterschiedlich. Dies sollte von allen Menschen respektiert werden, auch von jenen, die das flau­schige Tier unbedingt streicheln möchten. Dazu kommt, dass das Sich-über-den-Hund-Beugen in der Hundesprache eigentlich eine bedrohliche Geste ist. Wenn es hier zu Drohgebärden oder sogar einem Abschnappen kommt, ist es also eigentlich nicht verwun­derlich. Der Hund möchte damit nur dokumentieren, dass er mehr Abstand braucht. Viele Hunde haben gelernt damit umzugehen, dass Menschen eben so sind, aber beileibe nicht alle. Es gibt Hunde, die schlechte Erfahrungen gemacht haben oder Menschen nicht genug kennenlernen konnten. So ein kurzes, gut gemeintes Streicheln kann dann oftmals zerstören, was die Halter mühsam im Training aufgebaut haben. Viel spannender macht man sich für den Hund, indem man in etwas Abstand in die Hocke geht, sich eher klein macht und ihn dann freundlich anspricht. So kann er selbst entscheiden, ob er die Nähe möchte oder eben nicht.

2. "Ja, wo isser denn?!"

Fremde Menschen oder Besucher, die den Hund zur Begrüßung hochdrehen und "aufstacheln", sind für viele Hundehalter ein rotes Tuch. Wie schon erwähnt, sollten Hunde in der Gesellschaft be­stimmte Regeln einhalten. Wenn mein Hund neben mir brav beim Bäcker wartet, und es kommt jemand dazu, der sich akut in meinen Vierbeiner verliebt hat und sich mit ihm auf den Boden wirft, um zu kuscheln, ist das zwar nett gemeint, aber für meine Erziehung - sagen wir mal vorsichtig - "suboptimal". Genauso erlebt man als Hundehalter regelmäßig, dass der Hund im Restaurant endlich Ruhe gefunden und sich hingelegt hat, und plötzlich entdeckt die freund­liche Dame vom Nachbartisch das flauschige Etwas. "Ja wo isser denn?!" erklingt es dann häufig. Bitte: Sprechen Sie einfach immer erst den Besitzer des Hundes an und fragen Sie, ob ein Streicheln überhaupt erwünscht ist. Falls ja, drehen Sie den Hund, im Sinne des Halters, nicht unnötig hoch.

3. Füttern verboten

"Leider, sie darf nur Pferd und Süßkartoffel ... hochallergisch" höre ich mich regelmäßig und sehr deutlich in Geschäften sagen. Viele tierliebe Verkäufer haben in der Schublade ein eigens eingerichtetes Leckerli-Fach. Aber auch andere Hundehalter neigen dazu, wahllos fremde Hunde zu füttern. Offen gesagt: Mein Hund ist gar nicht allergisch und ihr Nahrungsrepertoire gleicht oft dem eines Haus­schweins. Dennoch finde ich es aus vielerlei Gründen falsch, meine Hunde unkontrolliert von Fremden füttern zu lassen. Bei mir hat es damit zu tun, dass besagte Hündin ohnehin seeehr aufgeschlossen gegenüber Menschen ist. Sie würde ganz generell überallhin laufen, hochspringen, sich auf den Boden werfen und das im Eiltempo. Daher muss ich ihr Verhalten gut kontrollieren und über Signale regeln. Würde sie nun auch noch in jedem Menschen den potenziellen Futterautomaten sehen ... gute Nacht! Daher: Futter gibt's immer nur von mir. Und dann gibt es natürlich auch tatsächlich hochallergische Hunde, die alles Mögliche nicht vertragen. Sollten Sie es also nicht lassen können und doch unbedingt eines Ihrer Leckerlis loswer­den wollen - fragen Sie zumindest bitte vorher. Und geben Sie dem Hundehalter auch Zeit zu antworten. Hunde vom Tisch zu füttern, sollte aber ein absolutes No-Go sein.

4. Don't Panic!

Bestimmt haben Sie in Ihrem Leben einige Hunde getroffen, die nicht so ganz unter der Kontrolle ihrer Halter waren. Vielleicht ist Ihnen ein Hund beim Joggen hinterhergelaufen, hat sie ange­sprungen oder Ihren Schritt beschnüffelt. Wie gesagt, das alles sollte vermieden werden, wenn Menschen und Hunde ein har­monisches Miteinander führen wollen. Dennoch passieren diese Situationen nun einmal und sind den Haltern dann meist - mal mehr und leider auch mal weniger - unangenehm. In den aller­meisten Fällen handelt es sich aber um Erziehungsmankos und keine ernsten Bedrohungen gegenüber Menschen. Sind Sie also betroffen, bleiben Sie einfach ruhig (stehen) und verbreiten Sie keine Panik. Bitten Sie den Hundehalter ruhig, aber bestimmt, den Hund zu sich zu nehmen. Hunde können zwar Ihre Unsicherheit fühlen, haben aber keinen Grund deshalb aggressiv zu reagieren. Meist werden sie durch hektisches Fuchteln und Schreien einfach nur aufgedreht und weiter animiert. Dies deuten viele als vehe­menteres Verhalten und zeigen sich damit überfordert.

5. Wedelt der Hund mit dem Schwanz ...

... heißt es nicht automatisch, dass er sich freut. Er könnte sogar in drohender, aggressiver, nervöser oder angespannter Stimmung sein. Diese und viele andere Fehlinterpretationen führen leider häufig zu Vorfällen, die sich hätten vermeiden lassen. Die Kom­munikationsstruktur des Hundes ist für Laien im ersten Schritt doch eher komplex und lässt sich nicht 1:1 auf menschliche Ver­haltensweisen übertragen. Wenn Hunde bellen, kann dies ebenso zahlreiche unterschiedliche Bedeutungen haben, nur wenige davon haben mit Aggression zu tun. Was aber nicht automa­tisch heißen soll, dass Hunde, die bellen, nicht beißen. Sie sehen schon, das Verhaltensrepertoire von Hunden ist sehr vielseitig und nicht über ein paar Kalenderweisheiten erklärt. Betrachten Sie Hundekommunikation also durchaus einmal komplexer und mit etwas Abstand. Damit sind Sie sogar dem einen oder anderen Hundehalter weit voraus.