Mit Hund und Pferd unterwegs

Ein Artikel unserer DOGS Partnerin Conny Sporrer (Martin Rütter DOGS Wien) für crazy4dogs

Welcher Reiter träumt nicht von einem entspannten Ausritt mit seinem Hund, ganz im Einklang mit Tier und Natur? Wer sich diesen Traum erfüllen möchte, sollte nicht unbedarft an die Sache herangehen, sondern einige Dinge beachten, um ein harmonisches Miteinander zwischen Hund, Pferd und Mensch zu erzielen. Welche Grundsätze man berücksichtigen sollte und wie Sie Ihren Vierbeiner zum idealen Reitbegleithund machen, erfahren Sie hier. 

Hunde und Pferde verstehen sich nicht. Dies ist nicht im übertragenen Sinne gemeint, sondern bezieht sich auf die Kommunikation und die unterschiedlichen Instinkte der beiden Vierbeiner. Von Natur aus ist das Pferd ein Fluchttier, das erst einmal instinktiv vor Angreifern  und  Raubtieren  flüchtet.  Der  Hund als Jäger und Beutegreifer ist damit eigentlich automatisch ein Feind. Daher muss man im ersten Schritt vor allem sein Pferd an Hunde gewöhnen und eine gewisse Gelassenheit trainieren. Dies sollte nicht direkt mit dem Hund passieren,  sondern  auf  vielen  verschiedenen  Wegen, um  das  Pferd  möglichst  umweltsicher zu machen und auf alle möglichen Reize zu desensibilisieren. Gelassenheitstraining sollte zunächst auf dem Reitplatz stattfinden. Plastikplanen,  raschelnde Müllsäcke, Luftballons, wehende Fahnen, aber auch verschiedene Bodenuntergründe sollen das Pferd an möglichst viele Situationen gewöhnen,  die  einem  beim  Reiten  auch  im  Alltag  begegnen können. Am besten eignet sich dafür zunächst Bodenarbeit, also das Pferd an der Hand behutsam an die  verschiedenen  Stationen  heranzuführen  und  ihm mit dem richtigen Fingerspitzengefühl, mit Geduld und Empathie Sicherheit für diese Außenreize zu vermitteln. Zug um Zug sollte man ein solches Training nach draußen  verlegen  und  später  auch  auf  dem  Pferderücken absolvieren. Erst wer ein wirklich gelassenes Pferd hat, sollte seinen Hund mit einbinden. Haben Pferde einmal gelernt,  dass  sich  Dinge  manchmal  schnell  bewegen oder ungewöhnliche Laute von sich geben, werden sie sich auch einfacher an Hunde gewöhnen, die ja ähnlich agieren können. Natürlich sollte auch ein entspanntes Führen des Pferdes möglich und das Reiten zur Routine geworden sein. Wer sich dabei noch nicht sicher fühlt, tut gut daran, erst seine Reitkenntnisse zu verbessern, um  allen  beteiligten  Vierbeinern  die  nötige  Sicherheit geben zu können.

DER REITBEGLEITHUND

Der Fokus in diesem Beitrag soll aber vor allem auf dem Training und der Gewöhnung des Hundes an ein Pferd liegen. Auch hier gilt vor allem: Die Voraussetzung für einen  Reitbegleithund  ist  eine  gewisse  Sozialisierung. Das  heißt  nicht  nur,  dass  Hunde  mit  Menschen  und Artgenossen  sozial  verträglich,  sondern  auch  gut  an ihre  Umwelt  gewöhnt  sein  sollten.  Haben  Sie  z.  B.  einen Hund, der sehr ängstlich ist und schnell erschrickt, sollten Sie im ersten Schritt ohne Pferd an seiner Umweltsicherheit  arbeiten.  Aber  nicht  nur  eine  gewisse Sicherheit des Hundes, auch seine Grunderziehung ist ausschlaggebend. Hat Ihr Hund beispielsweise nie gelernt, länger an einer Stelle zu warten, ist respektlos zu Menschen, zieht an der Leine oder kommt nicht zurück, wenn Sie ihn rufen, müssen Sie leider zuerst ohne Pferd mit  dem  Training  starten.  Alles,  was  Sie  später  vom Pferd aus vom Hund verlangen, sollte einwandfrei auch am Boden ohne Pferd funktionieren. Das hat damit zu tun, dass sie später noch mehr Distanz zu Ihrem Hund und damit auch weniger Einfluss auf ihn haben – und das ist ihm auch schnell bewusst ...

DIE ERSTEN SCHRITTE

Stimmen  alle  Grundvoraussetzungen,  geht  es  direkt ans  Training.  Allerdings  auch  noch  lange  nicht  vom Pferderücken aus. Erst einmal, und das gehört schließlich dazu, sollte der Hund lernen, entspannt zu warten, während das Pferd vorbereitet und geputzt wird. Dafür ist  es  hilfreich,  seinem  Hund  beizubringen,  auf  einer Decke  zu  bleiben,  die  sie  dann  auch  im  Stall  immer dabeihaben.  Trainieren  Sie  in  kleinen  Schritten  z.  B. „Platz“ und „Bleib“ auf dieser Decke und belohnen Sie ihn schon, wenn er wenige Sekunden ausgehalten hat, darauf zu bleiben, ohne aufzustehen. Kommen Sie zu ihm zurück und belohnen Sie ihn mit einem Leckerli fürs „Geblieben-Sein“. Danach erfolgt wieder das Kommando  „Bleib“,  und  Sie  gehen  z.  B.  zur  Putzbox  und nehmen  eine  Bürste  heraus  –  auch  danach  wird  der Hund  auf  der  Decke  belohnt.  Wichtig:  Gutes  Training ist  immer  so  aufgebaut,  dass  keine  Fehler  passieren. Wählen Sie also lieber kleine Schritte, sodass der Hund nicht  aufsteht  und  dann  wieder  von  Ihnen  hingelegt werden  muss.  Anfangs  kann  übrigens  eine  Leine  zur Sicherung hilfreich sein. Später sollte es zum normalen Ritual werden, den Hund auf der Decke abzulegen, während er entspannt abwartet, bis es mit dem Ritt losgeht. Achten Sie immer darauf, dass der Hund in ausreichendem Abstand zum Pferd abgelegt wird! Erschreckt sich das Pferd aus irgendeinem Grund und springt schnell zur Seite, könnte es den Hund treffen und ihn dadurch lebenslänglich traumatisieren. 

Klappen die Vorbereitungsmaßnahmen, geht es zu Fuß weiter. Wichtig dabei ist es, am Anfang einen Helfer dabeizuhaben, der das Pferd führt, damit Sie sich im ersten Schritt auf den Hund konzentrieren können. In puncto Ausstattung ist es wichtig, den Hund an einer ca. 3 m langen Leine zu führen, diese Länge benötigen Sie später auch vom Pferd aus. Sicherheitshalber sollte der Hund ein Brustgeschirr tragen, damit ein unkontrolliertes „Indie-Leine-Schießen“  nicht  automatisch  zu  gesundheitlichen Schäden führt. Nur wenn der Hund wirklich sauber und gut an der Leine gehen kann, ist ein breites Halsband in Ordnung. Darüber hinaus sollten Sie eine Bauch- oder Jackentasche, befüllt mit Leckerlis bei sich haben, um schnell zur Belohnung greifen zu können. Dann beginnt das Führtraining: Im ersten Schritt wollen wir dem Hund beibringen, dass ein Laufen neben dem Pferd keine Gefahr für ihn bedeutet. Dabei ist es wichtig, den Individualabstand des Hundes zu respektieren, aber dennoch so zu gestalten, dass Sie genügend Einfluss auf

ihn haben. Bringen Sie ihn dazu, leinenführig neben Ihnen zu laufen, z. B. mit ihrem gewohnten Signal „Fuß“, während  sich  der  Helfer  mit  dem  Pferd  annähert  und nebenherläuft.  Ist  der  Hund  noch  etwas  unsicher  mit dem Pferd, macht es Sinn, dass Ihr Helfer noch neben Ihnen  geht  und  einen  weiteren  Puffer  zwischen  Hund und  Pferd  bildet.  Klappt  das  gut,  sollte  der  Helfer  die Seite wechseln, sodass nur noch Sie zwischen Pferd und Hund  gehen.  Funktioniert  das  auf  geraden  Strecken, können Sie auch langsame Richtungswechsel und verschiedene Plätze ausprobieren. Das Nebenherlaufen des Hundes sollte später mit und ohne Leine funktionieren, damit Sie ihn im Gelände, z. B. bei einer Begegnung mit Fußgängern, sicher bei sich halten können.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das verlässliche Bleiben des Hundes, während man auf dem Pferd sitzt. Kommt Ihnen im Wald zum Beispiel ungebremst ein Mountainbiker entgegen, so ist es für Pferd und Hund entspannter,  stehenzubleiben  und  die  Situation  ruhig  abzuwarten. Daher sollten Sie nun auch auf dem Reitplatz üben, dass sich Ihr Hund an einer bestimmten Stelle setzt oder hinlegt und Sie sich daraufhin mit dem Pferd bewegen können, bis Sie ihn mit einem Kommando wieder laufen lassen. Auch für dieses Training ist es sehr wichtig, den Hund auf der Stelle für das Warten zu belohnen und nicht erst nach dem Loslaufen. Schließlich wollen Sie ja das Bleiben verstärken und nicht das Laufen.

Einer  der  wichtigsten  Punkte  im  Hundetraining  insgesamt ist für mich die Kontrolle auf Distanz. Einem Hund an der Leine „Sitz“ zu sagen, ist meist leichter als in einigen Metern Entfernung. Daher ist es auch hier wieder unabdingbar,  seinen  Hund  erst  ohne  Pferd  zu  lehren, auf ein bestimmtes Signal zu stoppen. Bei mir lautet es „Stopp“, und mir ist auch egal, ob der Hund daraufhin stehenbleibt oder sich setzt oder hinlegt. Würde ich immer ein Ablegen einfordern, und es ist einmal nass und matschig  im  Gelände,  stünden  die  Chancen  schlechter, dass er verlässlich stoppt, daher lasse ich ihm hier ausnahmsweise die Wahl. Wichtige Voraussetzung ist aber dennoch, dass der Hund auch aus dem Laufen heraus abrupt stoppen kann und sich nicht von der Stelle bewegt.

Üben kann man dies am einfachsten, indem man seinem Hund das Werfen eines Balles oder Leckerlis vortäuscht, woraufhin er sich in die Wurfrichtung bewegen sollte. Sobald er auch nur kurz stehenbleibt und auf die „Landung“ des Wurfgegenstandes wartet, rufen Sie „Stopp“, gehen zu ihm und belohnen ihn mit einem Leckerli. Diese Übung wiederholen Sie mehrmals, bis der Hund das Signal mit der Handlung Stehenbleiben verknüpft hat. Dann können Sie „Stopp“ auch einmal beim Spazierengehen sagen, z. B. wenn der Hund langsam ein paar Meter vor Ihnen herläuft. Irgendwann sollte das „Stopp“ so gut funktionieren, dass Sie Ihrem Vierbeiner tatsächlich einen Ball werfen und er während des Laufens gestoppt werden kann. Dieses Kommando gibt Ihnen z. B. Sicherheit, wenn im Wald ein Reh kreuzt und Ihr Hund hinterherhetzen möchte.

HOCH ZU ROSS

Nun geht es ans Reiten: Auch hier ist es am Anfang hilfreich, eine zweite Person um Hilfe zu bitten. Beim Aufsteigen gilt wieder: Bringen Sie Ihren Hund dazu, „Sitz“oder „Platz“ zu machen, geben Sie ihm ein „Bleib“ und steigen Sie in Ruhe auf. Währenddessen halten Sie die Hundeleine aber locker in Ihrer Hand. Am besten ist es übrigens, eine Leine ohne Schlaufe zu nutzen, damit die Verletzungsgefahr minimiert wird. Halten Sie die Leine einfach locker in Ihrer Hand, sodass sie jederzeit losgelassen werden kann. Auf keinen Fall sollten Sie in die Schlaufe  fassen  oder  die  Leine  gar  am  Sattel  fixieren, das wäre lebensgefährlich. Zurück zum Aufsteigen: Ihr Hund sollte so lange liegenbleiben, bis Sie ihm sagen, dass er aufstehen darf. Danach führt die Hilfsperson Ihr Pferd, sodass Sie sich weniger auf das Reiten, sondern mehr auf den Hund konzentrieren können. Versuchen Sie nun viel Kontakt zu halten und den Hund schon für die ersten Schritte neben Ihnen und dem Pferd zu belohnen. Sie können das über verbales Lob tun, aber auch, indem Sie Ihrem Hund behutsam einen Keks zuwerfen. Das hilft die Aufmerksamkeit Ihnen gegenüber zu fördern. Für viele Hunde ist es nämlich ungewohnt, plötzlich  so  weit  hinaufzublicken  und  den  Menschen  nicht mehr am Boden neben sich zu haben.

Wenn die ersten Schritte gut klappen, kann Ihre menschliche Führhilfe auch schon Richtungswechsel einbauen. Sie konzentrieren sich weiterhin auf den Hund und versuchen, ihn immer zu animieren mitzukommen bzw. ihn auch zu bestätigen, wenn er alles richtig macht. Klappt dies gut, können Sie nach mehreren Tagen Training bereits versuchen, ohne Helfer auf dem Reitplatz zu trainieren. Erst wenn Sie sich wirklich sicher fühlen, sollten Sie die ersten Schritte nach draußen wagen. Auch hier bietet sich wieder an, eine Hilfsperson zur Fuß mitzunehmen.

Auch ein sauberer Rückruf sollte zu Pferd möglich sein. Beachten Sie bitte eines: Wenn Sie Ihren Hund vom Boden aus z. B. mit dem Kommando „Hier!“ rufen und er sich dann nach dem Kommen immer vor Ihnen absetzt, sollten Sie den gleichen Ablauf auch vom Pferd aus verlangen. Manchmal ist dies im Gelände aber schwierig, da sie dann ja ebenfalls stehenbleiben müssen. Gerade wenn Sie dann z. B. in einer größeren Gruppe unterwegs sind, könnte das umständlich werden. Daher sollten Sie überlegen,  für  das  Heranrufen  beim  Reiten  lieber  ein neues Signal wie z. B. „Heran“ zu etablieren, was dann nur bedeutet, dass der Hund in das Umfeld Ihres Pferdes kommen soll und dort z. B. einen Keks aus der Luft fangen darf.

Alles in allem ist das Reiten mit Hund gar nicht so leicht, wie  es  vielleicht  im  ersten  Moment  scheint,  vor  allem dann, wenn Sie verlässlichen Einfluss auf den Hund haben möchten. Denn wir als reitende Menschen müssen zwischen  unterschiedlichen  Lebewesen  vermitteln  und uns  gleichzeitig  auf  zwei  verschiedene  Sprachen  und Kommunikationsformen einlassen. Das erfordert oft sehr komplexes Denken, das auch vom Menschen geübt sein will.  Hat  man  diese Schwierigkeiten  überwunden,  bestimmte Rituale aufgebaut und durch genügend Übung  auch Sicherheit und Kontrolle über verschiedenste Situationen, verspreche ich Ihnen, dass es kaum entspanntere und schönere Momente gibt, als mit Hund und Pferd gemeinsam durch Wald, Wiese und Felder zu streifen.