Sinnvolle Beschäftigung mit Hund

Ein Artikel unserer DOGS Partnerin Conny Sporrer (Martin Rütter DOGS Wien) für "all4pets"

SPIELE, TRICKS UND AUFGABEN FÜR DRINNEN UND DRAUSSEN

Wussten Sie es schon? Unsere Hunde haben Jobs. Sie sind hochpassionierte Jäger, Aufpasser, Arbeiter und vieles mehr. In unseren Breiten nur leider meist arbeitslos. Sozialhilfeempfänger im großen Stil. Was bei Menschen eher verpönt ist, fördern wir bei unseren Hunden oftmals sogar indirekt: Wir geben ihnen nichts zu tun, aber Futter, viel Liebe und einen gemütlichen Schlafplatz. Dabei hat die Zucht vor vielen Jahren doch noch so wichtige Aufgaben für sie vorgesehen. Wie Sie Ihrem Hund wieder zur passenden Beschäftigung verhelfen können, erfahren Sie hier.

Die Pflege von Sozialkontakten und gemeinsamen Aktivitäten ist für Hunde sehr wichtig. Jene Vierbeiner, die zu wenig davon bekommen haben, sind oft unsicher, sozial inkompetent und zurückgezogen. Die Domestikation hat vollbracht, dass der Mensch als Sozialpartner für Hunde mindestens genauso wichtig ist wie deren Artgenossen. Neben dem Angewiesensein auf Futter und gesundheitliche Versorgung sind wir auch für soziale Interaktionen unabdingbar. Und dies sollten wir uns in der Mensch-Hund-Beziehung zunutze machen.

WELCHE BESCHÄFTIGUNGEN FÜR WELCHEN HUND?

Die „Arbeitslosigkeit“ unserer Hunde ist eine der Hauptursachen für deren vermeintliche Verhaltensprobleme. Damit ist allerdings nicht gemeint, dass sie regelmäßig zum Agility- und Obedience-Training müssen. Vielmehr gilt es herauszufinden, welche individuellen Aufgaben dem Hund gefallen. Bei dieser Frage hilft es meist, die Ursprünge der Rasse zu kennen. So ist zum Beispiel naheliegend, dass der Retriever (to retrieve = zurückbringen) Spaß am Apportieren hat und alle Sennenhunde als Treibhunde Gefallen an Hundesportarten wie Treibball finden werden.

Auch muss der Mensch wissen, auf welche Art und Weise der Hund für Aufgaben zu motivieren ist. Ist Ihr Vierbeiner „primär“ motiviert, so erfüllt er die Aufgabe der Aufgabe wegen. D. h. dass z. B. Schweißhunde die Fährte aufgrund der Tätigkeit gerne erarbeiten, nicht, weil sie nachher dafür belohnt werden. Oder Zughunde gerne laufen und ziehen, weil sie daran Spaß haben, nicht weil es im Anschluss Hühnerbrühe zu trinken gibt. Man erkennt dies oft auch daran, dass der Hund eine angebotene Belohnung erst gar nicht annimmt oder ihn diese sogar ablenkt. Von der sogenannten „sekundären Motivation“spricht man, wenn der Hund eine Aufgabe für eine anschließende Belohnung noch lieber erfüllt. Bei uns Menschen gibt es ja auch jene, die ausschließlich für ihr Monatsgehalt ihren Job erfüllen, und solche, bei denen das Engagement für die Tätigkeit im Vordergrund steht. Ist Ihr Hund bei gewissen Aufgaben also sekundär motiviert, müssen Sie herausfinden, welche „Währung“ er braucht. Während die einen Hunde alles für Futterbelohnungen tun, fühlen sich die anderen mit einem kleinen Spiel im Anschluss top-motiviert. Der Großteil der Hunde ist über ein Tätscheln am Kopf oder rein mündliches Lob nicht ideal bestärkt, wobei dies als sogenannter „sekundärer Verstärker“ eine zusätzliche Bestätigung sein kann.

AUS DER TRICKKISTE – EIN PAAR BESCHÄFTIGUNGSMÖGLICHKEITEN FÜR DRINNEN UND DRAUSSEN
Futtersuchspiele für drinnen

Mit nur wenigen Kniffen können Sie Ihrem Vierbeiner zu Hause eine spannende Indoor-Futter-Suchjagd anbieten. Bereiten Sie dafür eine Schachtel vor, in welcher der Hund mühelos mit der Schnauze herumwühlen kann. Die Inhalte dafür können ganz unterschiedlich sein – alte Socken oder Stoffreste, zusammengeknülltes Zeitungspapier, Weinkorken oder Klopapierrollen. Werfen Sie nun, je nach Hund, Größe und Bedarf, kleine Futterstückchen oder Leckerlis in die Box, rühren Sie dabei mehrmals kräftig um und achten Sie darauf, dass nicht alles einfach auf den Kistenboden fällt. Setzen oder legen Sie Ihren Hund dann vor der Schachtel ab, und schicken Sie ihn mit einem deutlichen Signal, z. B. „Such“, an die Arbeit.

Füttern Sie Trockenfutter, gerne kann auch einmal eine ganze Ration verfüttert werden, schließlich muss der Hund in der Natur auch einiges leisten, um an Futter zu kommen. Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Hund dann alles gefunden hat, beenden Sie die Aufgabe auch wieder mit einem Signal, z. B. „Ende“, und unterstreichen dies mit einer deutlichen Handbewegung. So versteht der Hund im Laufe der Zeit auch, wann das Spiel vorbei ist. Eine solche Box zu gestalten, ist immer wieder ein großer Spaß für Hunde und eine bequeme Art für Menschen, ihren Hund zu beschäftigen. Ich warne aber davor, dies zu oft zu tun. Hunde, die ohnehin eine Tendenz haben, sehr selbstständig zu sein, werden hier nur in ihrer Selbstständigkeit gefördert. Sie suchen eigenständig und kommen selbstbelohnend, also ohne Unterstützung ihres Menschen, zum Erfolg.

Apportieren und Suchen von Gegenständen

Auch wenn es viele meiner Trainingskunden erst nicht glauben wollen: Nahezu alle Hunde sind zum Apportieren, also dem Heranbringen von Gegenständen, zu motivieren. Die Frage ist immer nur, wie man es ihnen schmackhaft macht und welchen Nutzen sie daraus ziehen. Einer meiner bevorzugten Apportiergegenstände ist der sogenannte Futterbeutel – ein kleines, befüllbares Mäppchen mit Zippverschluss. Aber auch Bälle, Seile, Einkaufskörbe und vieles mehr sind verwendbar.

Um dem Hund das Apportieren des Gegenstandes beizubringen, ist es zu Beginn wichtig, mit Geschirr und einer Schleppleine zu arbeiten. Machen Sie nun den Gegenstand – wir gehen hier vom Futterbeutelaus – spannend, spielen Sie selbst damit, ohne um die Aufmerksamkeit des Hundes zu buhlen. Fängt er an, sich für den Gegenstand zu interessieren, werfen Sie ihn kommentarlos ein paar Meter weg vom Hund. Läuft Ihr Hund nun hin und schnüffelt kurz daran, gehen Sie zu ihm und belohnen Sie ihn mit einem Futterstück aus dem Beutel. Wiederholen Sie diese Übung ein paar Mal und versuchen Sie nun, mehr zu fördern, dass der Hund den Gegenstand mit den Zähnen aufnimmt. Warten Sie also durchaus einmal einen kurzen Moment ab, was der Hund ausprobiert. Setzt er zum ersten Mal die Zähne ein, gehen Sie wieder zu ihm und belohnen Sie ihn mit einem Futterstück aus dem Beutel. Macht er einmal nicht so mit, wie Sie das möchten, wiederholen Sie die Übung einfach, ohne ihn davor zu belohnen. Nimmt er nun regelmäßig die Beute auf, nehmen Sie die Schleppleine zu Hilfe, locken Sie ihn zu sich und gehen währenddessen ein paar Schritte rückwärts. Kommt Ihr Hund nur wenige Schritte in Ihre Richtung, belohnen Sie ihn dafür. So bringen Sie ihm sukzessive bei, dass es sich lohnt, den Futterbeutel zu bringen, schließlich gibt’s nur dann eine Belohnung daraus.

Hat der Hund das Prinzip des Apportierens einmal verstanden, können Sie den Beutel, sowohl drinnen als auch draußen vor ihm verstecken. Lassen Sie Ihren Vierbeiner an einer Stelle bleiben, machen Sie es spannend und bringen Sie den Beutel dann zunächst zu einem einfachen Versteck. Gehen Sie danach zurück zum Hund, belohnen Sie ihn fürs Bleiben und schicken Sie ihn anschließend mit einem Suchsignal los. Später können Sie auch mehrere Gegenstände verstecken, in den Höhen variieren und Verstecke antäuschen – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, solange die Aufgaben vom Hund erfüllbar sind.

Gegenstände umrunden –
Spielerei für drinnen und draußen

Das Umrunden von Gegenständen ist eine einfache und unterhaltsame Beschäftigung für zwischendurch, auf dem Spaziergang oder im Wohnzimmer. Bauen Sie die Übung drinnen am besten mit einem kleinen Hocker, draußen am besten mit einem niedrigen Sockel oder Baumstumpf auf. Setzen Sie Ihren Hund davor ab und führen Sie ihn nun mit einem Futterstück in der Hand – Nase an Keks – um das Objekt herum. Hat der Hund einmal u-förmig den Gegenstand umkreist, fügen Sie am Ende der Runde ein Signal, z. B. „Herum“, hinzu. Wiederholen Sie die Übung einige Male, bis der Hund flüssig der Hand folgt. Ist dies der Fall, lassen Sie nun das Futterstück weg, führen Sie ihn mit der gleichen Handbewegung einmal um das Objekt und geben Sie ihm an Ende des „Us“ ein Futterstück aus Ihrer Tasche. Klappt dies auch gut, können Sie versuchen, schrittweise Distanz aufzubauen, sodass Sie ihn später als Endziel aus ein paar Metern Entfernung mit dem Signal „Herum“ um alle möglichen Dinge schicken können – Bäume, Hügel, Menschen und so weiter. Kann ihr Hund bereits apportieren, können Sie diese Übung auch vor dem Apport einbauen.

Es gibt eine Vielzahl kreativer Beschäftigungsmöglichkeiten für unsere Hunde. Wir müssen uns nur ein bisschen auf ihre Welt einlassen, die Tiere fördern und fordern, schließlich haben WIR SIE auch ausgesucht. Die gemeinsame Beschäftigung ist absolut wichtig für ein harmonisches Zusammenleben. Denn unsere besten Freunde sind uns wichtig, weil wir Freud' und Leid miteinander teilen, aber auch gleiche Interessen und Hobbys haben. Und nur, wer gemeinsam Spaß hat, ist auch gemeinsam glücklich. 

DOGS Imagefilm

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