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So lernt mein Hund alleine zu bleiben

Erstellt von Bettina Normann von Martin Rütter DOGS Hundeschule Gladbeck/Bottrop für "Mein Hund und Ich"

Im natürlichen Hundeleben ist Einsamkeit nicht vorgesehen. Kein Wunder, wenn ein Hund, der vom Menschen allein gelassen wird, mit Stress, sogar Panik darauf reagiert. Es sei denn, er ist von klein auf daran gewöhnt worden, auch einige Stunden ohne seine Menschen zu verbringen.

Hunde sind hochsoziale Tiere, deren natürliche Lebensweise auf das Leben in einer Gruppe ausgerichtet ist. Das Zusammenleben in einer Gruppe bietet dem einzelnen Hund Sicherheit und Schutz, denn gemeinsam ist man stark. Jeder Hund übernimmt dabei eine Aufgabe innerhalb der Gruppe, angefangen von der Aufzucht und Betreuung der Welpen, der Nahrungsbeschaffung oder der Verteidigung des Territoriums, sodass das Überleben der Gruppe bzw. der einzelnen Mitglieder gesichert ist.
Durch Interaktionen wie gemeinsame Spiele, gegenseitige Körperpflege oder gemeinschaftliches Kontaktliegen entsteht eine starke Bindung zwischen den Gruppenmitgliedern. Zwar kommt es durchaus auch einmal vor, dass ein Hund die Gruppe für eine kurze Zeit verlässt, um z. B. zu jagen, jedoch wird er relativ bald nach der Aktivität wieder den Zusammenhalt der Gruppe suchen.

Umgekehrt kommt es jedoch nicht vor, dass ein Hund allein zurückgelassen wird; es gibt keinen bewussten Ausschluss eines Hundes von gemeinsamen Aktivitäten der Gruppe. Im Zusammenleben mit dem Menschen sieht das für unsere Haushunde jedoch oft ganz anders aus. Wir können unsere Hunde leider nicht immer und überall mitnehmen. Sie müssen also lernen, zumindest für einen kurzen Zeitraum auch einmal allein zu Hause zu bleiben. Da dies jedoch dem natürlichen Verhalten von Hunden widerspricht, ist es nicht verwunderlich, dass Trennungsstress entsteht, wenn der Mensch dem Hund das Alleinbleiben nicht von Welpe an in kleinen Schritten beigebracht hat. Verliert ein Hund in der Natur den Anschluss an seine Gruppe, würde er durch Jaulen, Heulen, oder Bellen auf sich aufmerksam machen, damit die Rudelmitglieder zu ihm zurückkommen. Da es sich im gemeinsamen Alltag von Mensch und Hund jedoch meist nicht um ein einmaliges Erlebnis handelt, sondern der Hund immer wieder einmal allein zu Hause bleiben muss, ist dieser Trennungsstress auf Dauer für unseren Hund nicht zumutbar, und die ständigen Lautäußerungen sind zudem kaum förderlich für eine harmonische Nachbarschaft. Warum ist es so wichtig, dass jeder Hund lernt, zumindest für einen kurzen Zeitraum von vier bis sechs Stunden allein zu bleiben? Unser Leben verändert sich und niemand kann sagen, wie es in fünf oder zehn Jahren aussieht. Auch wenn Sie momentan keine Notwendigkeit sehen, das Alleinbleiben mit Ihrem Hund zu trainieren, da dieser Sie täglich ins Büro und zu Erledigungen begleiten darf bzw. Ihre Familie aus so vielen Familienmitgliedern besteht, dass immer jemand zu Hause ist, der beim Hund bleibt, kann sich das Leben verändern: ein Wechsel im Job, Kinder, die selbstständig werden und ausziehen, oder auch nur ein plötzlicher Notfall, bei dem alle eine unabänderliche Verpflichtung haben. Sie sollten daher schon kurz nach dem Einzug Ihres Welpen, am besten nach den ersten Tagen der Eingewöhnung, das Alleinbleiben trainieren. Sollten Sie einem Hund aus einer anderen Familie, einem Tierheim oder aus dem Ausland ein neues Zuhause geben wollen, gehen Sie besser grundsätzlich erst einmal davon aus, dass auch ein solcher Hund schlecht bis gar nicht allein bleiben kann, und planen auch hier von Beginn an entsprechend Zeit für das Training ein bzw. gestalten den Alltag so, dass Ihr neuer Hund in den ersten Tagen bzw. Wochen nicht lange allein bleiben muss. Selbst wenn ein Hund in seinem alten Zuhause gut allein bleiben konnte, kann das nach seinem Umzug zu Ihnen ganz anders aussehen. Ein Hund, der seine gewohnte Umgebung und seine Bezugspersonen verliert, kann dadurch so verunsichert werden, dass sich dies in starker Verlustangst äußert. Er schließt sich häufig sehr eng an seine neue Familie an und möchte am liebsten immer in der Nähe seiner Bezugspersonen sein, sodass selbst kurzes Alleinlassen, etwa um die Post hereinzuholen, zu starkem Stress beim Hund führen kann. Bei diesen Hunden ist das Training des Alleinbleibens dann unter Umständen deutlich schwieriger und aufwendiger als das Training mit einem Welpen.

Training mit dem Welpen

Im Idealfall lernt der Hund das Alleinbleiben bereits von Welpe an. Ab der sechsten Lebenswoche unternimmt ein guter Züchter Ausflüge mit seinen Welpen. Anfangs ist er dabei noch gemeinsam mit allen unterwegs, später aber unternimmt er immer wieder auch etwas mit einem einzelnen Welpen. So lernt der Welpe von Anfang an, auch ohne seine Geschwister und die Mutterhündin auszukommen. Zieht der Welpe ab der neunten Woche in sein neues Zuhause, muss er auch hier von Beginn an lernen, einen kurzen Augenblick allein zu bleiben. Gehen Sie dazu beispielsweise ins Bad und schließen die Tür, sodass der Welpe nicht hinterher kann. Nach wenigen Sekunden kommen Sie wieder heraus, sodass Ihr Welpe lernt, dass er sich gar nicht aufzuregen braucht, wenn Sie einmal nicht da sind. Im nächsten Schritt verlassen Sie nun kurz die Wohnung, Ihr Welpe bleibt dabei in einem Raum, indem er sich wohl fühlt und wo sich sein Liegeplatz befindet. Räumen Sie zudem alles weg, was Ihr Welpe zerstören könnte, damit Sie ganz unbesorgt aus dem Raum gehen können. Verhalten Sie sich beim Zurückkommen so normal wie möglich, Sie sollten weder mit Ihrem Welpen schimpfen, weil er vielleicht doch etwas angenagt hat, ihn aber auch nicht überschwänglich loben, denn er weiß ja gar nicht, dass gerade ein „Training“ stattgefunden hat. Zwar verknüpft er mit einem Lob Ihr Wiederkommen mit etwas Positivem, jedoch wird die Erwartungshaltung Ihres Welpen auf Ihr Zurückkommen gesteigert. Mit der Zeit wird er immer angespannter warten, denn erst wenn Sie wieder da sind, gibt es ja die tolle Belohnung. Kommen Sie daher einfach herein und ignorieren Sie Ihren Welpen. Wenn Ihr Welpe für einige Minuten allein im Haus bleibt, können Sie Schritt für Schritt die Zeit steigern. Anfangs müssen Sie die Zeit noch minutenweise steigern; ist die erste halbe Stunde geschafft, können Sie die Zeit immer schneller steigern. Wenn Sie sich an dieses Training halten, kann Ihr Welpe durchaus lernen, nach etwa vier Wochen ca. vier Stunden allein zu bleiben.

Trennungsangst – Kontrollverlust?

Kann der erwachsene Hund nicht allein bleiben, muss man zunächst herausfinden, ob es sich um Trennungsangst oder um Kontrollverlust handelt. Zwar ist der Trainingsweg in Bezug auf das Alleinbleiben bei beiden Ursachen ähnlich, doch in Bezug auf den Alltag müssen unterschiedliche Punkte berücksichtigt bzw. trainiert werden. Hunde mit Trennungsangst leiden tatsächlich unter der Angst, allein zu bleiben bzw. verlassen zu werden. Ursache hierfür kann ein Trauma sein, wie z.B. wenn der Welpe zu früh, also beispielsweise schon mit sechs Wochen von der Mutter getrennt wurde, oder auch der Verlust seines bisherigen Zuhauses. Es kann natürlich auch sein, dass der Hund das Alleinbleiben bisher einfach nicht erlernt hat, weil seine Menschen verpasst haben, ihm dies beizubringen, oder er z.B. als Straßenhund gelebt hat, sodass solche Anforderungen bisher nicht an ihn gestellt wurden. Hunde mit Trennungsangst reagieren direkt nach dem Alleinlassen mit starkem Hecheln, aufgeregtem Hin- und Herlaufen mit Kratzen an der Tür, da sie dem Menschen folgen wollen, sowie mit Winseln, Fiepen und überwiegend Heulen, seltener auch Bellen. Das Winseln weist dabei auf das Unwohlsein des Hundes hin, durch das Heulen versucht der Hund, die Gruppenmitglieder zurückzurufen. Manche Hunde leiden auch einfach still vor sich hin, sie erstarren regelrecht. Bewegungslos liegen sie vor der Tür, bis der Mensch wieder zurückkommt. Nach einer kurzen freudigen Begrüßung fallen diese Hunde erschöpft in ihr Körbchen. Das größte Problem bei diesen Hunden liegt darin, dass die Menschen gar nicht mitbekommen, welchen Stress ihr Hund hat, und dass es ihm überhaupt nicht gut geht, wenn er allein bleiben muss. Sie beschreiben das Alleinbleiben des Hundes eher als unproblematisch. Kein Gebell, kein Gejammer, nichts wird zerstört, so wünscht man es sich doch. Der Hund aber leidet still vor sich hin und kann sich dem Menschen nicht mitteilen. Sollte Ihr Hund also nach längerem Alleinbleiben erschöpft ins Körbchen fallen, ist dies immer ein Alarmzeichen. Im Alltag sind Hunde mit Trennungsangst auch eher in der Nähe des Menschen, sie laufen ihm mit beschwichtigender Körperhaltung hinterher, wenn dieser den Raum wechselt, und entfernen sich auch beim Spaziergang in der Regel nicht sehr weit. Kommt der Mensch zurück, wird er beschwichtigend begrüßt, der Hund klettert dabei mit angelegten Ohren und nach unten gehaltener Rute am Menschen hoch. Alleinbleiben fällt diesen Hunden überall schwer, sowohl in der eigenen Wohnung als auch z.B. im Auto. Wer beim Hund bleibt, spielt dabei keine Rolle, es kann irgendein Familienmitglied, ein guter Bekannter oder sogar ein Hundesitter, den Sie engagiert haben, sein. Für den Hund ist nur wichtig, dass er nicht allein ist. Hunde mit Kontrollverlust dagegen leiden, weil sie es nicht ertragen können, dass sie nun auf ihren Menschen eine Weile nicht mehr aufpassen können. Sie fühlen sich verantwortlich für ihren Menschen, da sie das Gefühl haben, sich um ihren Menschen kümmern zu müssen. Einen kurzen Zeitraum ertragen diese Hunde daher das Alleinbleiben oftmals, da sie dem Menschen zutrauen, kurzfristig auch ohne den Hund auszukommen. Daher kommt es meistens erst nach einer gewissen Zeit der Trennung zu Lautäußerungen, hierbei wird der Hund selten heulen, sondern eher lautstark und oft auch stundenlang bellen. Das Bellen weist dabei auf den Frust hin, den der Hund über die Abwesenheit des Menschen sowie das Eingeschlossensein empfindet. Daher werden nur selten Türen zerkratzt, vielmehr schnappt sich der Hund herumliegende Gegenstände des Menschen, die angekaut und zerstört werden. Im Alltag verfolgen diese Hunde ihren Menschen auf Schritt und Tritt. Dabei geht es dem Hund jedoch weniger darum, beim Menschen zu sein, als darum, diesen zu kontrollieren. Sie stellen sich z.B. in den Weg und begrenzen den Menschen, setzen sich gern auf die Füße ihres Menschen oder lehnen sich an dessen Beine an. Was wie zufällig wirkt und vom Menschen oft als „liebebedürftig“ und verschmust wahrgenommen wird, ist in dem Fall eigentlich ausgeübte Kontrolle. Kommt der Mensch zurück, springt der Hund ihn durchaus mit voller Wucht an. Das ist dann übrigens kein Zeichen von Freude, wie so oft angenommen wird, sondern viel eher eine Korrektur gegenüber Herrchen oder Frauchen, da diese einfach allein rausgegangen sind, ohne den Hund mitzunehmen. Dies zeigt sich auch an der Körperhaltung des Hundes, der mit hoch getragener Rute dem Menschen entgegen springt. Die Anwesenheit anderer Menschen ändert dabei nichts am Verhalten des Hundes. Solange „sein“ Mensch, für den er sich verantwortlich fühlt, ohne ihn weggegangen ist, hat er Stress und zeigt dies auch deutlich, auch wenn ein anderes Familienmitglied, ein Bekannter oder Hundesitter beim Hund bleibt.

Das Alleinbleiben lernen

Wie bereits erwähnt, unterscheidet sich das Training in Bezug auf das Alleinbleiben zunächst einmal nicht, egal ob die Ursache Trennungsangst oder Kontrollverlust ist. Der Hund muss in sehr kleinen Schritten lernen, allein zu bleiben. In einem ersten Trainingsschritt soll der Hund dazu lernen, auf einem ihm zugewiesenen Liegeplatz liegen zu bleiben. Der Liegeplatz des Hundes sollte sich dabei an einem unstrategischen Platz befinden, also nicht direkt neben der Tür oder vor Ihrem Sitzplatz auf dem Sofa. Er sollte dem Hund ausreichend Ruhe ermöglichen, es bietet sich z. B. ein Platz in der Ecke neben der Couch an. Ihr Hund soll den Liegeplatz positiv verknüpfen, belohnen Sie ihn daher anfangs dafür, wenn er sich auf Ihr Signal dorthin legt. Führen Sie dieses Training so lange durch, bis Ihr Hund es sich auch von sich aus, also ohne dass Sie ihn auf den Platz geschickt haben, auf seinem Liegeplatz gemütlich macht, denn dann hat er ihn vollständig akzeptiert. Anfangs sind Sie dabei auch selbst im Raum, später verlassen Sie diesen, erst nur ganz kurz, dann auch etwas länger. So lernt Ihr Hund, dass er Sie nicht ständig verfolgen soll, bzw. dass er es aushalten kann, auch einmal kurz ohne ihre direkte Nähe zu sein. Schließen Sie dann ruhig auch mal für einen kurzen Moment die Tür hinter sich, wenn Sie in einen anderen Raum der Wohnung gehen. So lernt Ihr Hund, dass Sie auch dann immer wieder zu ihm zurückkommen, wenn er Sie nicht sehen oder hören kann. Natürlich muss er dabei nun nicht mehr auf seinem Liegeplatz liegen bleiben, denn das könnten Sie ja auch gar nicht „kontrollieren“. Wählen Sie daher anfangs einen Augenblick aus, an dem sich Ihr Hund von sich aus auf seinem Liegeplatz niedergelassen hat. Wenn Sie nun diesen ersten Schritt zum wirklichen Alleinbleiben starten, sollten Sie Ihren Hund immer in diesem Raum allein lassen. Er soll sich dort wohlfühlen und hier seinen Liegeplatz haben. Der Raum sollte sich nicht direkt im Eingangsbereich befinden, wo gegebenenfalls fremde Menschen vorbeilaufen. Der Flur eignet sich also eher nicht dafür. Im Raum selbst sollten Sie nach Möglichkeit alles, was der Hund zerstören könnte, wegräumen. Vielen Hunden gibt es zudem erfahrungsgemäß Sicherheit, wenn sie in der ersten Trainingszeit nur auf einen Raum begrenzt werden und nicht direkt die ganze Wohnung zur Verfügung haben. Hunde sind sehr genaue Beobachter und können somit schon sehr früh erkennen, ob Sie gleich das Haus verlassen werden oder ob es sich um eine Trainingssequenz handelt. Denn wenn Sie ihn wirklich allein lassen, ziehen Sie Ihre Jacke an, nehmen die Tasche und den Schlüsselbund mit oder tragen das Büro-Outfit. Üben Sie nur das Alleinbleiben, behalten Sie die bequeme Jogginghose an oder gehen in Hausschuhen aus dem Haus. Deshalb bauen Sie bitte parallel zu diesem Training diese sogenannten Schlüsselreize ab. Ziehen Sie also auch mal Schuhe und Jacke an, nehmen Sie den Schlüssel und setzen Sie sich dann ins Wohnzimmer, um einen Kaffee zu trinken. Oder verlassen Sie die Wohnung für eine kurze Sequenz in Hausschuhen und ohne Jacke, stecken Sie den Schlüsselbund zum Wäscheaufhängen ein oder nehmen Sie Ihre Tasche auch mal mit ins Bad. Je weniger berechnend Sie für Ihren Hund sind, desto entspannter wird er auf diese Alltagsreize reagieren.

Verhalten im Alltag

Hier unterscheidet sich das Training nun, je nachdem, ob Trennungsangst oder Kontrollverlust die Ursache sind. Viele Hunde mit Trennungsangst sind eher unsichere Hunde mit wenig Selbstbewusstsein. Stärken Sie dieses daher im Alltag, indem Sie gezielt Beschäftigungsformen trainieren, bei denen Ihr Hund selbstständig arbeiten muss und mit eigenen Entscheidungen zum Ziel kommt. Gut geeignet hierfür sind z.B. das Mantrailen oder die Fährtenarbeit, aber auch bei der Suche nach versteckten Gegenständen soll Ihr Hund möglichst eigenständig arbeiten. Stellen Sie ihm Aufgaben, bei denen er nachdenken bzw. ausprobieren muss, wie er diese lösen kann. Intelligenzspiele, bei denen der Hund Türchen öffnen, Boxen herausziehen oder Schalter verschieben muss, um an das von Ihnen versteckte Futter zu gelangen, bieten hier unendliche Möglichkeiten. Ein Kontrollverlust wird bei Hunden ausgelöst, die aus Hundesicht das Gefühl haben, dass sie für einen oder sogar mehrere Mitglieder der Gruppe verantwortlich sind. Diese Hunde denken, dass sie die Aufgabe haben, die Gruppe zu führen, zu sichern und zu kontrollieren. Wenn Sie einen solchen Hund allein lassen, entwickelt er Stress, weil er seinen Aufgaben nicht mehr gerecht werden kann. Es sollte daher unbedingt eine Strukturveränderung im Zusammenleben mit dem vierbeinigen Freund stattfinden, denn nur wenn er sich nicht mehr für Sie zuständig fühlt, wird er auch das Alleinbleiben erlernen. Dazu müssen Sie Ihrem Hund vermitteln, dass Sie Führungsqualitäten be- sitzen. Damit ist nicht der leider noch viel zu oft benutzte und falsch interpretierte Begriff der klassischen „Unterordnung“ oder „Dominanz“ gemeint, es geht also nicht darum, Ihren Hund möglichst hart zu maßregeln oder besonders streng zu ihm zu sein. Viel mehr müssen Sie klare Regeln und Strukturen im Zusammenleben aufstellen und diese auch einhalten, und dabei beachten, dass Sie Ihrem Hund nicht vermitteln, dass er z. B. territoriale Aufgaben übernehmen soll. Genießt ein solcher Hund beispielsweise stets und ständig uneingeschränkte Bewegungsfreiheit, hat er einen Liegeplatz direkt neben der Eingangstür oder darf im Garten die Passanten verbellen, kann dies dazu führen, dass er sich für die territoriale Sicherheit bei Ihnen zu Hause zuständig fühlt. Wichtig ist hierbei auch, wer von Ihnen Entscheidungen trifft. Wenn Ihr Hund Ihre Entscheidung, allein nach draußen zu gehen, akzeptieren soll, müssen Sie auch im restlichen Alltag viele Entscheidungen treffen. Ist es nun aber immer der Hund, der Sie zu einem Spiel auffordert, eine Streicheleinheit einfordert oder Sie dazu animiert, ihm doch bitte die Terrassentür zu öffnen, dann trifft er die aus seiner Sicht wichtigsten Entscheidungen im Alltag selbst. Ihr Hund muss also lernen, sich immer an Ihnen und Ihren Entscheidungen zu orientieren. Beschäftigen Sie ihn daher auch anstatt mit Suche oder Fährte lieber mit einem Apportiertraining, bei dem Sie ihm genaue Anweisungen geben. Nur wenn er sich an diese hält, kommt er zum Ziel. Werfen Sie dazu beispielsweise zwei oder mehr Gegenstände und schicken Sie den Hund dann gezielt zu einem bestimmten Gegenstand hin.

 

Weitere wichtige Trainingshinweise:

• Lasten Sie Ihren Hund ausreichend aus, bevor Sie das Haus verlassen (z. B. durch Apportieren oder Nasenarbeit), dabei ist sowohl die körperliche als auch die geistige Auslastung wichtig! Ein ausgelasteter Hund wird sich eher entspannt hinlegen und ausruhen, wenn Sie ihn allein lassen. Allerdings sollten Sie nach dem Training immer noch eine Weile warten, bevor Sie Ihren Hund allein lassen, da der Übergang von Aktion zu Ruhe für ihn sonst zu groß ist.

• Verabschieden Sie sich nicht überschwänglich von Ihrem Hund, da Sie dem Alleinbleiben sonst eine viel größere Bedeutung zukommen lassen. Ihr Hund merkt, dass auch Sie aufgeregt sind und dass etwas „Besonderes“ ansteht. Dies wird kaum dazu führen, dass er sich entspannt.

• Auch die Begrüßung Ihres Hundes nach dem Zurückkommen sollten Sie nicht übertreiben. Es ist zwar vollkommen natürlich, dass ein Hund nach einer Trennung die zurückgekehrten Gruppenmitglieder begrüßt, jedoch sollten Sie sich dabei, ähnlich wie die Hündin es bei ihren Welpen macht, souverän und ruhig verhalten. Schließlich ist nichts Aufregendes passiert, und somit gibt es gar keinen Grund für eine überschwängliche Begrüßung. Zudem würde eine übertriebene Begrüßung dazu führen, dass der Hund Ihre Rückkehr als etwas extrem Positives ansieht, sodass er immer angespannter auf Ihre Rückkehr warten würde, denn dann ist ja endlich wieder etwas los.

• Bestrafen Sie Ihren Hund niemals, wenn er in Ihrer Abwesenheit die Wohnung auf den Kopf gestellt, gebellt oder in die Wohnung uriniert hat. Das macht er nicht, um Sie zu ärgern! Er findet durch dieses Verhalten ein Ventil, um mit seinem Stress fertig zu werden, da er bisher noch keinen adäquaten Weg gelernt hat, in solchen Situationen mit Stress umgehen zu können. Nehmen Sie dies vielmehr zum Anlass, im Training einige Schritte zurückzugehen, denn offensichtlich war Ihr Hund noch nicht so weit.

• Lassen Sie Ihren Hund nur so lange allein, wie es der Trainingsstand zulässt. Sie müssen während der Trainingszeit also immer eine Möglichkeit finden, Ihren Hund mitzunehmen bzw. durch einen anderen Menschen betreuen zu lassen. Auch wenn es „nur einmal“ ein längerer Zeitraum war, als Sie ihn eigentlich im Training erreicht haben, kann dieses Erlebnis Sie bzw. Ihren Hund im Training vollkommen zurückwerfen. Schimpfen Sie nie, wenn der Hund in Ihrer Abwesenheit etwas zerstört.

Ein Artikel unserer Kollegin Bettina Normann von Martin Rütter DOGS Hundeschule Gladbeck/Bottrop