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Wirfst Du noch Bällchen oder apportierst Du schon?

Apportieren von allerlei Gegenständen gehört mit zu den natürlichsten Beschäftigungsformen für Hunde, denn wirklich jeder Hund kann apportieren: Bereits Welpen tragen ja irgendwann einmal etwas durch die Gegend! Es ist für jeden Hund natürlich, eine Beute zu suchen, zu verfolgen, sie ins Maul zu nehmen und zu einem für ihn sicheren Ort zu tragen, um sie dann dort zu horten oder sogar zu fressen. Weil unsere Hunde in unserem Alltag ja keine natürliche Beute mehr machen dürfen, sollte dieses Verhalten in ein für den Hund sinnvolles Apportiertraining umgelenkt werden. Hierbei achten wir stets darauf, das Training an die individuellen Bedürfnisse, Interessen und Fähigkeiten des Hundes anzupassen.

Du solltest Dein Apportiertraining möglichst variabel gestalten, sodass Dein Hund sein ganzes Leben lang, aus seiner Sicht, sinnvoll geistig und körperlich beschäftigt werden kann.

Was genau ist Apportieren?

Das Wort „Apportieren“ wird abgeleitet vom lateininschen Wort „apportare“, dies bedeutet „herbeitragen, bringen, herbeibringen, mitbringen“.

Der Ursprung des Apportierens durch den Hund liegt in der Jagd. Hier dienen die Hunde auch heute noch als Helfer und apportieren erlegtes Wild (meist Hasen oder Vögel) zum Jäger. Bei unseren Familienhunden bedeutet es in der Regel, das Zurückbringen unterschiedlicher, zuvor geworfener, ausgelegter oder versteckter Gegenstände (z. B. Futterbeutel, Spielzeug) durch den Hund.

Gefahr Balljunkie!

Als „Junkie“ bezeichnet man einen Süchtigen, welcher von Drogen abhängig ist. Dieser Begriff beschreibt im übertragenen Sinne beim Hund auch ein Abhängigkeitsverhältnis. Man könnte auch sagen, der Hund ist süchtig nach einem bestimmten Beuteobjekt oder aber nach Beute generell. Um zu erkennen, ob Dein Hund ein Balljunkie ist, musst Du Dir Deinen Hund im Umgang mit seiner Beute (Ball?) anschauen und die folgenden Fragen beantworten:

•Ist Dein Hund entspannt, wenn Du den Ball/das Spielzeug herausholst?

•Ist Dein Hund noch ansprechbar oder hat er nur noch Augen für das Spielzeug? •Kannst Du Deinen Hund davon abhalten, zur herumliegenden Beute zu laufen?

•Nimmt Dein Hund andere Beuteobjekte oder Futter in Gegenwart „seines“ Spielzeugs?

•Nimmt Dein Hund seine Umwelt noch wahr und reagiert auf diese?

Wenn Du mehrere dieser Fragen mit „nein“ beantwortet hast, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es sich bei diesem Hund um einen Junkie in Bezug auf „seine“ Beute handelt, groß!

Ein sogenannter Junkie ist abhängig von seiner „Droge“. Eine solche Abhängigkeit ist nicht „heilbar“. Will man die Abhängigkeit von einer Droge kontrollierbar machen, hilft, wie beim Menschen, nur ein Entzug. Der Junkie darf mit seiner Droge nicht mehr in Kontakt kommen, selbst kleinste Dosen der Droge können wieder zurück in die Abhängigkeit führen. Genauso verhält es sich auch bei einem Balljunkie. Hier hilft leider nur, das Spiel mit dem Ball komplett einzustellen.

Meistens ist es jedoch möglich, ein Apportiertraining mit einem anderen Gegenstand aufzubauen, ohne dass der Hund erneut eine Abhängigkeit entwickelt. Dies gelingt jedoch nur dann, wenn der Mensch sich konsequent an die Regeln zum Aufbau des Trainings hält. Sonst kann es leider dazu kommen, dass Hunde zusätzlich zum Balljunkie z. B. auch „Beuteljunkie“ werden.

Richtiger Aufbau des Apportierens

Vor allem mit Hunden, die dazu neigen, sehr reizempfänglich zu sein, sollte nicht nur stupide Bällchen geworfen werden. Dein Hund sollte lernen, Reize, wie z. B. fliegende Beute, auszuhalten. Baust Du Euer Apportiertraining gut strukturiert auf, wird Dein Hund kein Beutejunkie werden!

Abwarten lernen

Hierzu ist die Voraussetzung, dass Dein Hund bereits das „Bleib“ beherrscht, er kann also ruhig sitzen oder liegen bleiben während Du Dich von ihm entfernst. Als ersten Schritt entfernst Du Dich nun mit seiner Beute (z. B. Spielzeug, Futterbeutel) von ihm und legst es ein paar Meter entfernt auf den Boden. Nun kehrst Du zurück zu ihm und belohnst das Bleiben an Ort und Stelle. Nach einem Blickkontakt zu Dir schickst Du ihn die Beute zu holen und belohnst ihn auch für das Zurückbringen. Sollte Dein Hund einen verfrühten Start zur Beute machen, startest Du von vorne. Um Erfolge durch Frühstarts zu vermeiden kannst Du natürlich auch eine Schleppleine zu Hilfe nehmen. Wenn das Auslegen der Beute sicher klappt erhöhst Du die Dynamik. Zunächst legst Du den Beuten nicht mehr auf den Boden, sondern lässt ihn fallen. Mit jedem erfolgreichen Durchgang kannst Du die Wurfweite erhöhen. Du selbst befindest Dich aber beim Werfen immer ein paar Meter entfernt von Deinem Hund und gehst vor dem Losschicken immer wieder zurück und belohnst ihn für das Bleiben. Ist das Zwischenziel erreicht dass Dein Hund ruhig abwarten kann wenn die Beute weit fort fliegt, dann kannst Du schrittweise die Entfernung zum Hund verringern bis Du irgendwann neben ihm stehst und er nach dem Wurf entspannt auf Dein Startsignal wartet. Zusätzlich kannst Du vor dem Losschicken auch noch Übungen einbauen wie „Platz“ oder bereits erlernte Tricks.

Suchen

Viele Hundehalter haben mit ihren Hunden schon Leckerchen-Suche gemacht. Genau so kann man auch Apportieren. Im Gegensatz zur Futtersuche ist aber das Spiel mit dem Auffinden noch nicht beendet, sondern Dein Hund muss nun noch zurückkommen um die Belohnung zu kassieren. Das bedeutet Dein Hund muss noch einen Schritt mehr kooperieren. Auch hier ist die Voraussetzung, dass Dein Hund bereits das „Bleib“ beherrscht. Auch bleibt die Suche nach versteckter Beute immer ein interessantes Spiel, denn beim Spazierengehen mit Deinem Hund kannst Du einfach 100 Meter weitergehen und die Location für die Suche ist wieder eine ganz neue mit anderen Düften.

Variationen

Ob beim Werfen mit Dynamik oder bei der Suche, überall kannst Du als fortgeschrittene Übung mit mehren Beutestücken (Futterbeutel, Dummys) arbeiten. Zum Beispiel kannst Du zuerst zwei Dummys auswerfen und dann spontan entscheiden welchen davon Dein Hund zuerst holen soll. Auch kannst Du die Suche mit dem Werfen verbinden indem Du mehrere Dummy in eine Wiese wirfst (Erlaubnis vom Eigentümer einholen!). Wenn das Gras schon etwas höher gewachsen ist, weiß Dein Hund zwar in etwa wohin Du geworfen hast, aber dennoch muss er auch seine Nase einsetzen um sie zu finden.

Apportiertraining fördert die Beziehung zwischen Mensch und Hund. Es geht auf die natürlichen Veranlagungen und Bedürfnisse des Hundes ein. Und so wie jede Jagd anders verläuft, kannst auch Du das Apportiertraining unendlich variabel gestalten.

Apportiertraining ist grundsätzlich für alle Hunde und Menschen geeignet, für jeden ist etwas dabei.

Apportiertraining kann in allen Lebenslagen und Lebensbereichen durchgeführt werden.

Seminar Apportieren am 27. März 2021