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Hunde richtig begrüßen

Für Hunde ist vor allem in Erstbegegnungen die Körpersprache des Menschen extrem wichtig. Hunde haben nun einmal ihre eigene Sprache und verstehen körpersprachliche Signale deshalb auch vorwiegend in dieser. Das führt oft zu Kommunikationsmissverständnissen zwischen Mensch und Hund. Denn Menschen meinen es oft gut, wenn sie sich nach vorne beugen, dem Hund tief in die Augen schauen und dabei „Na du bist ja ein Hübscher“ sagen. Auf „hündisch“ sind dies aber typische Drohgebärden: Das nach Vornebeugen des Körpers, ein fixierender Blick und meist deutliches Unterschreiten der Individualdistanz reichen da oft schon aus, um Hunde in Bedrängnis zu bringen und aus der Not heraus aggressiv reagieren zu lassen.

Wie die richtige Begrüßung aussieht

Grundsätzlich wollen Hunde – wie wir Menschen auch – nicht unbedingt von Fremden angefasst werden. Es gibt natürlich Hunde, die von Streicheleinheiten nicht genug bekommen können und sich sogar dafür aufdrängen. Es existieren aber auch viele eher sensible Hunde, für die eine zu stürmische Begrüßung unangenehm ist. Für Hunde ist es also durchaus normal (und nicht unhöflich), wenn Menschen (und auch andere Hunde) sie beim Erstkontakt ignorieren. Man drückt damit lediglich aus: "Von mir geht keine Gefahr aus, ich bin nicht bedrohlich." Begegnet man einem Hund, kann man nach einer kurzen Eingewöhnungsphase in die Hocke gehen und versuchen, den Hund anzusprechen und zu locken. Ein abgewandter Körper und nicht allzu direkter Blick helfen vielen Hunden, sich zu trauen, mehr Kontakt aufzunehmen. Dabei sollte man nicht unbedingt über den Hundekopf greifen, sondern – sofern der Vierbeiner den Kontakt zulässt und nicht zurückweicht – ihn seitlich an der Brust oder Schulter kraulen.

Dabei ist immer wichtig, die Körpersprache des Hundes zu beachten und ggfs. auf Stresssignale zu reagieren.

Hunde können die Sprache der Menschen lernen

Erstaunlicherweise haben die meisten Hunde dennoch die Fähigkeit, die Sprache der Menschen ein Stück weit zu lernen. Dies gilt aber meist nur für jene Hunde, die gut sozialisiert wurden und vor allem in frühem Alter viele verschiedene Menschen kennen gelernt haben. Sie wissen z. B., dass keine Drohung dahinter steckt, wenn Menschen beim Lachen ihre Zähne zeigen, wie es wiederum bei Artgenossen, die ihre Zähne blecken, der Fall wäre. Hunde haben hier also gelernt zu abstrahieren, dass die übrigen Signale, die der Mensch beim Lachen versendet, positiv sind und können so schlussfolgern, dass die Stimmung entspannt ist.

Sie sehen also: Selbst der Hund ist ein Stück weit dazu bereit, die menschliche Sprache zu lernen und zu verstehen. Also sollten wir umgekehrt spätestens jetzt damit beginnen ...

Die geduckte Haltung und die zurückgelegten Ohren des Hundes zeigen, wie unangenehm ein Überbeugen des Menschen sein kann
Eine Begrüßung sollte, wenn überhaupt notwendig, eher seitlich in der Hocke mit etwas Abstand zum Hund stattfinden
Natürlich begrüßen manche Hunde Menschen auch sehr stürmisch, auch das ist als distanzlos zu sehen, wenngleich die Körpersprache in diesem Fall sehr beschwichtigend ist


Im Zuge eines Körpersprache-Beobachtungstrainings, haben wir gezeigt, wie unangenehm es für einen Hund sein kann, wenn ein Mensch ihn durch ein vorne Überbeugen und anstarren begrüßen möchte. Der Hund zeigt zwar zwischendurch immer wieder freundliche Erregung und ein tiefes beschwichtigendes Wedeln, sucht aber auch immer wieder Schutz hinter seiner Halterin und bellt in hoher Stimmlage und kurzen Frequenzen nach oben gerichtet den Menschen an.

Körpersprache & Kommunikation von Hunden

Entspannte Haltung
Aufmerksame Haltung
Haltung bei Spielverhalten
Sehr angespannte imponierende Haltung
Haltung bei offensiver Drohung
Haltung bei defensiver Drohung (Hund re.)
Aktive Unterwerfung (Hund li.)
Passive Unterwerfung
Körperhaltung bei Unsicherheit
Abwenden des Körpers bei Unsicherheit
Übersprunghandlungen
Aktives Bogenlaufen zur Konfliktvermeidung

Eines der wichtigsten Merkmale in jeder Beziehung ist, dass man einander versteht. Dies gilt in der Mensch-Hund-Beziehung nicht nur im übertragenen Sinne, sondern auch, wenn es um das Verstehen der gegenseitigen Sprache geht. Ein Hund, der weiß, dass sein Mensch andere Hunde richtig verstehen kann, wird sich am Spaziergang auch besser an den Entscheidungen seines Halters orientieren. Hundesprache richtig zu deuten, will allerdings gelernt sein.

Die wichtigsten Körperhaltungen

Entspannte Haltung

Wenn Hunde entspannt sind, ist der Kopf nicht besonders erhoben, die Beine sind leicht angewinkelt und die Rute hängt locker nach unten. Das Maul kann leicht geöffnet oder geschlossen sein. Die Ohren sind in der Regel leicht aufgerichtet.

Aufmerksame Haltung

Der Kopf ist angehoben und oft leicht nach vorne gerichtet. Das Gewicht lagert auf den Vorderbeinen. Das Maul ist aufgrund der „Konzentration“ meist geschlossen, die Rute steht waagrecht bis leicht nach oben gerichtet vom Körper ab, manchchmal ist ein leichtes Wedeln zu sehen.

Haltung bei Spielverhalten

Viele Menschen tendieren dazu, schnelle Bewegungen zwischen Hunden sofort als Spiel zu interpretieren. Doch zu echtem Spiel gehört mehr. Ein typisches Kennzeichen für Spiel ist übertriebenes Ausdrucksverhalten, das dem Gegenüber zeigen soll, dass es eben keinen Ernstbezug gibt. Man spricht hier auch vom sog. „Spielgesicht“. Beim echten Spiel werden darüber hinaus die Rollen regelmäßig gewechselt, d.h. dass zum Beispiel einmal Hund A der Jäger ist und Hund B der Gejagte und umgekehrt. Dazu kommen übertrieben schnelle Wechsel und Bewegungsmuster – typisch hierbei ist die oft gezeigte „Vorderkörpertiefstellung“. Dabei werden die Vorderpfoten bis zu den Ellbogen auf den Boden gedrückt, während das Hinterteil in die Höhe ragt. Oft wird dazu breites Wedeln gezeigt.

„Der will nur spielen“

Neben „Der tut nix!“ die wahrscheinlich meist gerufene Aussage unter Hundehaltern, die ihren Hund dann doch nicht so ganz unter Kontrolle haben.

Dazu kommt, dass erwachsene Hunde das echte, sog. „freie Spiel“, eigentlich seltener zeigen, als die meisten denken. Welpen und Junghunde spielen ja noch wesentlich mehr, mit dem großen Ziel, Auszüge aus verschiedensten Motivationskreisen später für den Ernstfall zu üben. Spiel dient also der Entwicklungsförderung. Erwachsene Hunde haben diesen Prozess weitestgehend hinter sich – sie zeigen echtes Spiel also in der Regel eher nur mit sehr vertrauten Hunden. Das kennen wir ja von uns selbst: Oder setzen Sie sich als erwachsene Menschen manchmal mit Spielkarten in den Park und sprechen Fremde an um sie zum Mitspielen zu bewegen? Eher nicht. Als Kind haben Sie das aber mit großer Wahrscheinlichkeit getan, um Ihre Kompetenzen zu testen und zu verbessern und sich schlicht auszuprobieren.

Was also oft als Spiel zwischen erwachsenen Hunden gedeutet wird, ist sehr oft (meist einseitiges) sexuelles Interesse, das dann im Übersprung zu einem Spiel wird. Oder z. B. auch territoriales Begrenzen, das oft als Jagdspiel interpretiert wird. Es gibt eine Reihe wichtiger Merkmale für echtes losgelöstes Spiel, von denen eines der wichtigsten der oben erwähnte gegenseitige Rollentausch ist, damit der Wechsel der Rollen zwischen Jäger und Gejagtem eine Ausgeglichenheit beider Spielpartner schafft.

Zu wilde Balgereien sollten unterbrochen werden

Im Spiel zeigen vor allem sehr körperliche Hunde wie Rottweiler, Labrador Retriever, Rhodesian Ridgeback und Co. oft Rempeleien und Gedrängel. Sie springen dann mit ihren Brustkörben auf einander zu, verpassen sich „Bodychecks“ oder kicken mit ihrem Hinterteil nochmal nach. Dabei handelt es sich um eine Pöbelei, die sich nicht weiter hochschaukeln sollte. Hunde schulen damit nämlich Körpergefühl und Kraft immer weiter und man läuft Gefahr, dass diese Art von „Spiel“ nun aufgrund des immer größer werdenden Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten mit allen Hunden gezeigt wird. Manche Hunde finden aber mit der Zeit auch einfach nur Spaß daran, das Gegenüber zu dominieren. Mit der Vielzahl an Rassen und Größen, die uns auf der Hundewiese in der Regel begegnen, wäre dies jedoch ungünstig.

Imponierhaltung

Wie auch der Mensch, kann ein Hund alleine durch seine Körpersprache Imponiergehabe zeigen. Dazu verhält er sich nahezu übertrieben präsent: Alle Beine sind fest durchgedrückt, der Kopf deutlich aufgerichtet, die Ohren nach vorne orientiert und die Rute wird hochgetragen und wedelt manchmal – je nach Erregungsgrad – mehr oder weniger stark hin und her. Der Blick kann direkt auf das Gegenüber gerichtet sein oder bewusst in eine andere Richtung gehen, um quasi noch angeberischer zu wirken.

Zusätzlich können Hunde ihr Imponiergehabe durch weitere visuelle Signale unterstreichen. Allem voran ist hier das Scharren zu nennen: Mit deutlich geschwellter Brust zeigen Hunde oft nach dem Urinieren oder Koten diese Kommunikationsform, um auch visuell auf ihre Markierung hinzuweisen. Viele Menschen denken, dass durch das Scharren Urin und Kot verdeckt werden sollen. Dabei geht es eher im Gegenteil darum, besonders auf die Stelle aufmerksam zu machen. Auch geruchlich wird durch das Aufkratzen der Bodenmoleküle in der Erde die Stelle für andere Hunde nochmal interessanter. Scharren kann zur Unterstreichung manchmal auch mit Knurrlauten hinterlegt sein. 

Haltung bei offensiver Drohung

Droht ein Hund offensiv, bedeutet dies, dass die Aggression von ihm ausgeht und er aktiv etwas verteidigen möchte bzw. Distanz schaffen will. Hier ist der Körper auch sehr steifbeinig und das Gewicht ist nach vorne geneigt. Die Rute wird waagrecht bis senkrecht getragen und ist entweder steif, vibriert oder schwingt bedrohlich langsam hin und her. Die Mimik ist hier wieder besonders wichtig: Die Lefzen werden so hochgezogen, dass nur die Vorderzähne zu sehen sind. Je unsicherer der Hund mit seiner Drohung ist, desto weiter werden die Maulwinkel nach hinten gezogen, denn der Hund möchte dann umso mehr Waffen zeigen. Die Ohren sind deutlich nach vorne gerichtet und das Gegenüber wird starr fixiert.

Haltung bei defensiver Drohung

Eine defensive Drohung kann als „Antwort“ auf eine, zumindest vermeintlich, offensive Drohung gezeigt werden. Hunde, die verunsichert sind und sich z. B. einer unangenehmen Situation nicht durch Flucht entziehen können, gehen dann manchmal in die Defensive. Maßgebend dabei ist die eher passive, verteidigende Körpersprache: Die Beine sind leicht eingeknickt, das Gewicht lastet auf den Hinterpfoten – der Hund ist mehr im Rückwärtsgang als nach vorne orientiert, der Körper wird eher klein, zeigt manchmal auch einen Rundrücken und eine eingezogene Rute. Die Ohren sind nach hinten gerichtet, die Maulwinkel dazu oft weit nach hinten gezogen, sodass alle Zähne bestmöglich gezeigt werden können. Als akustisches Signal zeigen Hunde dann manchmal auch Knurren oder Bellen. Das Bellen ist in diesen Fällen in der Tonlage eher hoch und folgt oft hintereinander. Der Kopf ist dabei nach oben gerichtet.

Haltung bei Unterwerfung

Grundsätzlich ist eine Unterwerfung als Unterordnungsgeste anzusehen. Dieses Verhalten dient dazu, dass Konflikte und Auseinandersetzungen vermieden und Aggressionen gedämpft werden. Körpersprachlich zeigt sich Unterwerfung auch dadurch, dass der sich unterwerfende Hund sich klein macht, erst den Kopf und dann meist den ganzen Körper zu Boden senkt und sich auf den Rücken legt. Oft kriechen Hunde dabei auch. Diese verkleinerte, kindliche Körpersprache soll dem Gegenüber verständlich machen, dass von keiner Gefahr auszugehen ist. Generell wird zwischen aktiver und passiver Unterwerfung unterschieden. Erstere geht vom unterwürfigen Hund selbst aus und kann manchmal fast schon aufdringlich wirken. Hunde hissen damit schon frühzeitig die „weiße Fahne“ und versuchen, Konflikte erst gar nicht entstehen zu lassen. Die Ohren sind dabei nach hinten angelegt, die Maulwinkel lange nach hinten gezogen. Oft zeigt der sich unterwerfende Hund auch sog. beschwichtigendes Lecken an den Maulwinkeln des anderen Hundes – wie es Welpen gegenüber der Mutter beim Futterbetteln tun.

Die passive Unterwerfung geht vom anderen Hund aus, der eben eine solche einfordert. Dabei muss er den unterwürfigen Hund nicht zwingend auf den Rücken drehen, aber es zumindest durch eine eindeutige Körpersprache einfordern. Im Unterschied zur aktiven Unterwerfung verhält sich der Hund bei der passiven Unterwerfung sehr ruhig und duldet weitestgehend, was der andere Hund nun macht. Manche Hunde winseln oder schreien dabei sogar, um ihre „Ergebenheit“ lautstark zu dokumentieren.

Unsichere Haltung

Hunde, die Angst haben oder unsicher sind, zeigen dies – je nach ihren kommunikativen Möglichkeiten – körpersprachlich meist sehr deutlich.

Sie machen ihren Körper so klein wie möglich, den Rücken rund und klemmen die Rute, wenn vorhanden, zwischen den Beinen ein. Bei starker Angst ragt sie bis zur Bauchdecke hinauf. Die Ohren sind stark nach hinten angelegt, die Stirn glatt und die Pupillen vergrößert. Manche Hunde formen die Augen bei Angst aber auch zu kleinen Schlitzen. Das Gewicht liegt auf der Hinterhand, damit eine Flucht gegebenenfalls schnell erfolgen kann. Oftmals wird der Stress des Hundes durch ein starkes Hecheln ausgedrückt. Durch das Anspannen der Maulwinkel entstehen dann sog. „Stressfalten“. 

Konfliktvermeidungs- und Stresssignale

Übersprunghandlungen

Wenn Hunde zwischen zwei Situationen hin- und her gerissen sind, oder mit einer Situation oder (zu) starkem Druck nicht zurechtkommen, zeigen sie sogenannte „Übersprunghandlungen“, die unterschiedliche Intensitäten von Stress ausdrücken und der Selbstberuhigung dienen. Auch wir Menschen nutzen verschiedenste Übersprunghandlungen als Ersatzhandlungen, wenn wir mit einer Situation z. B. (leicht) überfordert sind. Oft kratzen wir uns dann am Kopf, kauen an den Fingernägeln oder blinzeln verstärkt.

So gibt es auch bei Hunden eine Vielzahl von Gesten, die gezeigt werden, um Stress abzubauen bzw. sich kurz mit einer anderen Aktivität von der Anspannung abzulenken. Bei Hunden kann dies z. B. Gähnen, Kratzen, Schütteln, Strecken, Schnüffeln auf dem Boden, Niesen oder ein Lecken über die Schnauze sein. Natürlich sind Übersprunghandlungen immer situativ zu bewerten. Ein Kratzen kann natürlich auch aus einem Juckreiz heraus entstehen und ein Niesen, weil etwas in der Nase kitzelt. Dennoch sind gerade Übersprunghandlungen vom Menschen oft unterschätze wichtige visuelle Signale des Hundes, die vom Halter nicht übersehen werden sollten.

Schnauze lecken 

Was oftmals als Beschwichtigungsgeste gegenüber anderen Hunden oder Menschen gedeutet wird, ist in aller Regel eine schlichte Übersprungshandlung. Erkennbar ist dies z. B. daran, dass Hunde, die drohend aufeinander zugehen, auch dieses „Schnauze lecken“ zeigen, weil die Situation für sie ja sehr angespannt ist. Wenn ein Mensch den Hund beengt oder sich, z. B. beim Anleinen, über ihn beugt, wird auch häufig dieses kurze Lecken über die eigene Schnauze gezeigt. Viele Hunde lecken sich übrigens nach dem Fressen genüsslich das Maul – dies hat nur mit der Hoffnung auf verbliebene Speisereste zu tun.

Beschwichtigungs- und Beruhigungssignale

Beschwichtigungssignale gehen immer von jenem Hund aus, der sich untergeordnet fühlt und die Situation entspannen will. Das heißt, mithilfe seines Verhaltens will der Hund Druck aus der Situation nehmen und sich dem anderen Hund oder einem Menschen gegenüber deeskalierend zeigen. Ein etwaiger Konflikt soll damit frühzeitig abgewendet werden. Unsichere Hunde fühlen sich manchmal aber nur durch einen direkten Blick von einem Menschen oder einem Hund so stark irritiert, dass sie schon Beschwichtigungsgesten zeigen, obwohl es gar nicht nötig wäre. Typische Beschwichtigungssignale sind das Abwenden des Blicks und des gesamten Körpers, sich klein Machen oder als Mimik das sog.Unterwürfigkeitsgesicht, bei dem die Stirn langgezogen und die Ohren zurückgelegt sind. 

Beruhigungssignale werden eher von souveränen Hunden gezeigt, um z. B. einem unsicheren Hund zu suggerieren, dass es keinen Grund gibt, sich zu fürchten. Hunde wollen damit Entspannung und Beruhigung in die Situation bringen. Typische Verhaltensweisen dafür sind u. a. demonstratives Desinteresse – z. B. durch zielloses Schnüffeln am Boden –  Abwenden von Kopf oder Körper bzw. auch das Gehen eines Bogens bei einer direkten Begegnung. Gerade Letzteres würden unbekannte Hunde, die fein kommunizieren, immer eher tun, als direkt frontal aufeinander zuzugehen. Auch wir Menschen gehen ja nicht geradeaus starrend aufeinander zu. Wir schauen auch immer wieder mal weg und versuchen, dadurch etwas Druck aus der Begegnung zu nehmen.

Durch das Führen an der Leine bringen wir unsere Hunde leider immer wieder in Kommunikationskonflikte. Gerade in der Stadt, wo es auf Bürgersteigen besonders eng wird, kommen Hundebegegnungen schon fast einer gegenseitigen Provokation gleich. Durch das Wechseln der Seite kann man dem Hund schon helfen und die Begegnung erleichtern. Alternativ bietet sich auch das Gehen eines Bogens, gemeinsam mit dem Hund, an. Vor allem auch dann, wenn der entgegenkommende Hund tatsächlich Drohgebärden zeigt.

Abwendung des Blickes und Körpers

Durch das bewusste Abwenden des Kopfes oder ganzen Körpers werden der Blickkontakt vermieden und eine gewisse Anspannung aus einer Begegnung oder Situation genommen. Der Hund zeigt damit, dass er sich in der Situation unwohl fühlt und einen möglichen Konflikt deeskalieren möchte. Souveräne Hunde zeigen dieses Verhalten aber auch, um dem Gegenüber zu suggerieren, dass sie keinen Streit wollen und bringen damit Entspannung in die Begegnung.

Wussten Sie’s?

Das Tätscheln des Hundes am Kopf löst oft gleich mehrere Übersprung- und Beschwichtigungshandlungen aus. Hunde kneifen dann häufig die Augen zusammen, schauen weg oder lecken über ihre Schnauze. Gerade beim Training ist das vielen Menschen nicht bewusst. Hier würde ein ruhiges Stimmlob, Leckerli oder zumindest behutsame Körpersprache des Menschen eher positiv verstärken, als das oft übergebeugte Streicheln.

Golden Retriever Rüde Bruno (rechts) trifft auf der Hundewiese auf Kooiker-Hündin Cassy. Sie zeigt anhand ihrer hochgezogenen Lefzen, dass sie mehr Abstand möchte, was Bruno mit einem sofortigen Beschwichtigen in Form eines Abwenden von Blick und Körper beantwortet. Dass Cassy eher defensiv aggressiv, also unsicher handelt, erkennt man an ihren zurückgelegten Ohren und der erhobenen Pfote, die ihr im Zweifel zu einer schnelleren Flucht verhelfen würde. Das Lecken über die Schnauze ist eine Übersprunghandlung, die sie zur Selbstberuhigung zeigt.

Beschäftigung für unterwegs

Apportieren kann gut aufgebaut...
...für alle möglichen Hunde eine tolle Ersatzbeschäftigung zum Jagen sein
Eine "gemeinsame" Futtersuche fördert die Aufmerksamkeit und Kooperation
Signal "Baum" aufbauen...
...berührt der Hund den Baum, benennt man die Übung

Spaziergänge sind meist das Highlight des Hundealltags. Während Frauchen und Herrchen aber oft erschöpft heimkommen und beim Spazierengehen die Seele baumeln lassen wollen, geht für den Hund der Spaß dann erst richtig los: Er hat schließlich tagsüber geruht und möchte jetzt etwas erleben. Ein Interessenskonflikt, der oft auch der Auslöser für verschiede Probleme im Hundealltag ist, der aber mit entsprechenden Beschäftigungsangeboten abgefangen werden kann.

Denn die gemeinsame Beschäftigung ist absolut wichtig für ein harmonisches Zusammenleben. Unsere besten Freunde sind uns wichtig, weil wir Freud' und Leid miteinander teilen, aber auch gleiche Interessen und Hobbys haben sollten. Es gilt also erstmal herauszufinden, welche individuellen Aufgaben Hund und Halter gefallen und obendrein auch noch Spaß machen. Hier ein paar Tipps…

„Freundschaften entstehen durch die gleichen Interessen und Ansichten. Das gilt auch für Mensch und Hund.“

Beschäftigungsideen für drinnen und draußen

  1. Apportieren von Gegenständen 
    Zum Apportieren verwendet man am besten einen Gegenstand, der für den Hund neu ist, ihm aber bestimmt gefällt (z. B. Spielzeug, Tau, Ball etc.). Nun macht man den Gegenstand spannend und spielt selbst damit. Fängt der Vierbeiner an, sich zu interessieren, wirft man den Gegenstand kommentarlos ein paar Meter vom Hund entfernt auf den Boden. Läuft der Hund nun hin und schnüffelt kurz daran, lobt man ihn verbal und mit einem Leckerli. Diese Übung wird ein paar Mal wiederholt und man versucht nun, den Hund dazu zu bewegen, den Gegenstand mit den Zähnen aufzunehmen. Dazu wird einen kurzen Moment abgewartet, was der Hund ausprobiert. Setzt er zum ersten Mal die Zähne ein, geht man wieder zu ihm und belohnt ihn. Nimmt der Vierbeiner nun regelmäßig die Beute auf, lockt man ihn zu sich. Dabei geht man flott ein paar Schritte rückwärts, das animiert den Hund in der Regel auch mitzukommen. Folgt er einem ein paar Schritte, wird er wieder dafür belohnt. So bringt man ihm schrittweise bei, dass es sich lohnt, den Gegenstand zu bringen, schließlich gibt’s dafür immer eine tolle Belohnung. Macht der Hund einmal nicht so mit, wie man das möchte, wiederholt man die Übung einfach, ohne ihn davor belohnt zu haben.

  2. Gegenstände umrunden 
    Das Umrunden von Gegenständen ist eine einfache und unterhaltsame Beschäftigung für zwischendurch, auf dem Spaziergang oder im Wohnzimmer. Man beginnt mit der Übung drinnen am besten mit einem kleinen Hocker, draußen mit einem niedrigen Sockel oder Baumstumpf. Dazu wird der Hund davor zum "Sitz" gebracht und mit einem Futterstück in der Hand – Nase an Keks – um das Objekt herumgeführt. Hat der Hund den Gegenstand einmal U-förmig umkreist, fügt man am Ende der Runde ein Signal, z. B. „Herum“, hinzu und belohnt ihn direkt mit dem Leckerli. Die Übung wird einige Male wiederholt, bis der Hund flüssig der Hand folgt. Wenn er das kann, lässt man das Futterstück weg und führt ihn mit der gleichen Handbewegung einmal um das Objekt und gibt ihm danach wieder ein eingestecktes Futterstück. Klappt dies auch gut, kann man versuchen, schrittweise Distanz aufzubauen, sodass man ihn später als Endziel aus ein paar Metern Entfernung mit dem Signal "Herum“ um alle möglichen Dinge schicken kann: Bäume, Hügel, Menschen und so weiter. Kann der Hund bereits apportieren, kann man ihm als Belohnung - soferne er gerne apportiert - statt des Futterstücks auch einen Gegenstand werfen und ihn bringen lassen.

  3. Spannende Futtersuche
    Mit nur wenigen Kniffen kann man seinem Vierbeiner zu Hause eine spannende Indoor-Futter-Suchjagd anbieten. Dafür bereitet man eine Schachtel vor, in welcher der Hund mühelos mit der Schnauze herumwühlen kann. Die Inhalte dafür können ganz unterschiedlich sein: alte Socken oder Stoffreste, zusammengeknülltes Zeitungspapier, Weinkorken oder Toilettpapierrollen. Nun wirft man – je nach Hund, Größe und Bedarf – kleine Leckerlis oder Trockenfutter in die Kiste, rührt dabei mehrmals kräftig um und achtet darauf, dass nicht alles einfach auf den Kistenboden fällt. Dann wird der Vierbeiner vor der Schachtel zum "Sitz" gebracht und mit einem deutlichen Signal, z. B. „Such“, an die Arbeit geschickt.
    Hat der Hund dann alles gefunden, beendet man die Aufgabe auch wieder mit einem Signal, z. B. „Ende“, und unterstreicht dies mit einer deutlichen Handbewegung. So versteht der Hund im Laufe der Zeit auch, wann ein Spiel vorbei ist. 

  4. Trick “Baum“
    Man kann seinem Hund unterwegs beibringen, auf Kommando mit Bäumen abzuklatschen! Dazu bringt man ihn draußen vor einem Baum zum "Sitz" und gibt ihm ein Bleib-Signal. Dann versteckt man ein Leckerli in der Rinde – und zwar so hoch, dass der Hund sich auf die Hinterbeine stellen muss, um es zu erreichen. Nun schickt man seinen Vierbeiner mit dem Signal “Baum“ auf die Suche. Klappt das, kann man ihn auch ein paar Schritte entfernt vom Baum zum "Sitz" bringen und ein Leckerli verstecken. Dadurch wird immer mehr Distanz aufgebaut. Hat der Hund das Prinzip verstanden, tut man einfach so, als ob man einen Keks verstecken würde, macht es aber nicht wirklich. Dann schickt man ihn wieder mit “Baum“ auf die Suche und lobt ihn sofort mündlich, wenn seine Vorderpfoten den Baum berühren. Danach kann auch ein Leckerli folgen.

Geeignete Beschäftigungen nach Rassetypen: 

»  Hüte- & Treibhunde (Border Collie, Appenzeller Sennenhund ...):
Longier- und Distanztraining, Treibball, Agility, Tricks ... (Impulskontrolle ist bei diesen Hunden sehr wichtig) 

»  Molosser und doggenartige Hunde (Bullmastiff, Staffordshire Terrier, ...):

Kraftarbeit wie Gegenstände unter Baumstämmen hervorziehen, Beute zwischen dicken Ästen herausarbeiten, Zieh- und Zerrspiele mit Menschen unter Vorbehalt


»  Terrier (Jack Russell Terrier, West Highland Terrier ...):
Reizangeltraining mit viel Steadyness (Impulskontrolle), Apportierspiele, Nasenarbeit ... 


»  Hunde vom Urtyp (Husky, Samojede ...):
Apportiertraining mit Futterbeutel, Futtersuchspiele, Zughundesport ... 


»  Jagdhunde (Pointer, alle Retrieverarten ...):
Apportieren, Fährtensuche, Reizangeltraining, Radfahren ... 


»  Gesellschaftshunde (Französische Bulldogge, Cavalier King Charles Spaniel ...):

Tricks, Apportieren, Nasenarbeit ... (alles ist – je nach Gesundheitszustand des Hundes – möglich) 


»  Windhunde (Whippet, Saluki ...):

Hetzspiele mit Reizangel, Futterwurfspiele, Hetzen durch Beute am Gummiseil ...
(keine Aktivitäten, die Ausdauer erfordern) 


Impulskontrolle

Ob Kaninchen, Jogger, fliegender Ball oder eintretender Besucher – spannenden (Bewegungs)reizen zu folgen, ist für unsere Hunde das natürlichste der Welt. Dennoch gilt es, vor allem aufgrund der gesellschaftlichen Anforderungen an unsere Vierbeiner, den Hunden beizubringen, diese Reaktionen, also Impulse, kontrollieren zu können. Diese Selbstbeherrschung hilft ihnen dann, spannenden Alltagsreizen gelassener entgegenzusehen. Dies geschieht am besten von Tag 1 an mit entsprechendem Training. Gaaaanz viele Bleib-Übungen und Belohnungen für die Zurückhaltungen sind dafür unerlässlich.

Die Trainingsschritte:

  1. Bringen Sie Ihren Hund durch ein Signal in eine gewünschte Position, wie Sitz, Platz oder Steh.

  2. Fügen Sie anschließend das verbale Signal „Bleib“ hinzu und ergänzen Sie dies mit einer Handgeste als Sichtsignal (wie etwa eine flache, nach oben gerichtete Handfläche). Ganz wichtig: Ist der Hund auch nur 1 Sekunde in der gewünschten Position geblieben, wird er mit einem Futterstück belohnt. Das ist die Grundidee bei der Impulskontrolle – dem Hund beizubringen, dass es sich lohnt zu warten.

    ACHTUNG: Nachdem der Hund für die Übungen belohnt wurde, muss man ihm "sagen", was als nächstes passieren soll, da sonst lerntheoretisch die Übung für ihn beendet wäre. Das heißt, dass nach der Belohnung erneut ein „Bleib“-Signal ausgesprochen werden muss oder die Übung mit einem Auflösesignal wie „Fertig“ beendet wird. UND: Greifen Sie erst in die Tasche nach dem Keks, wenn Sie zurück beim Hund sind. Hunde durchschauen sofort, ob für sie etwas rausspringt und erkennen im schlechtesten Fall, dass es sich um eine Trainingssituation handelt. Das erschwert die Umsetzbarkeit im Alltag.

  3. Klappt ein paar Sekunden „Bleib“ schon ganz gut, können Reize und Distanzen verändert werden. Am Anfang reicht oft der Bewegungsimpuls eines Wiegeschritts als Schwierigkeitssteigerung aus, die ebenfalls bei der Rückkehr zum Hund belohnt wird. Später können es immer mehr Schritte werden. Wichtig: Die Übungen immer so leicht aufbauen, dass gar kein Fehler passiert und die Schritte nur langsam steigern. Wenn doch mal ein Fehler passiert, bringt man den Hund ganz gelassen zurück zu seiner Ausgangsposition und fängt erneut an.

  4. Wenn diese Übung auch mit kleineren Ablenkungen, wie einem kurzen Abwenden, Sprung oder Hinunterbücken ganz entspannt funktioniert, kann man externe Reize hinzufügen. Dies kann, je nach Situation, die man trainieren möchte z. B. ein fliegender Ball, eine Begrüßungssituation oder ein verlockendes Stück Futter auf dem Boden sein. Generell gilt aber: Impulskontrolltraining sollte sich durch alle möglichen Bereiche ziehen und vor allem im Alltag in verschiedensten Sequenzen wiederholt werden, um eine Alltagstauglichkeit zu erreichen.

  5. Beginnt man bspw. mit dem Ball, sollte man sich nach dem Bleib-Signal am besten ein paar Schritte entfernen und den Ball erstmal auf der dem Hund abgewandten Körperseite abLEGEN oder diese Bewegung im Ansatz darstellen. Ziel ist, dass der Hund diesen Ablauf trotz Verlockung aushält und im Anschluss für das Bleiben wieder belohnt wird. Hat man geschafft, den Ball abzulegen und der Hund ist geblieben, kehrt man danach wieder zum Ball zurück, ohne den Hund hinzuschicken, da er sonst wieder nur in der angespannten Erwartungshaltung bestätigt würde. Erst wenn das Bleib richtig gut sitzt, kann man den Hund auch mal zum Apport schicken.

  6. Nun wird der Schwiergkeitsgrad sukzessive erhöht: Erst wird der Ball aus Knöchelhöhe fallen gelassen, dann aus Knie- und später aus Hüfthöhe, bis er schließlich auch mal ein paar Meter gekullert und irgendwann weiter geworfen werden darf. Nach wie vor wird der Hund jedes Mal fürs Bleiben mit einer Futterbelohnung bestätigt.

Erst wenn das "Bleib" richtig gut sitzt, kann mit der sog. intermittierenden Verstärkung begonnen werden, also einer Verstärkung mit Futter in unregelmäßigen Intervallen, sodass der Hund nie genau weiß, wann es etwas zur Belohnung gibt. Diese Form der Verstärkung ist wichtig, damit das Training immer alltagstauglicher wird. 

Das gleiche Vorgehen wendet man bei anderen Ablenkungen, wie z. B. dem Verlassen des Hauses, in Begrüßungssituationen, bei vorbeifahrenden Skatern usw. an. Erst wird der Reiz sehr schwach (also etwa in größerer Entfernung oder leise), nach und nach aber immer realistischer dargeboten.

Das Training für das Bleiben auf der Decke, wenn Besuch kommt, kann erstmal auch ohne reale Besucher dafür aber mit verschiedenen Schlüsselreizen durchgeführt werden. So müssen hier nicht gleich zu Beginn echte Besucher bestellt werden, denn oft reicht bereits das Wort „Hallo“ an der Türe, das Bedienen der Gegensprechanlage oder ein leises Klopfen an der Wand aus, um die Übungen realistischer zu gestalten.

Tipp: Ist Ihr Hund nicht besonders auf Fressen fixiert, können die Übungen auch mit spannenderen Leckerlis wie etwa Wurst- oder Käsestücken gemacht werden. Futterbelohnungen sind bei Impulskontrolle aber wichtig und können meist nicht mit einem Streicheln oder Spielzeug kompensiert werden, weil die Gefahr größer ist, dass der Hund nicht bei der Ruhe bleibt. Manche Hunde sind auch von spannenden Reizen wie dem Ball so abgelenkt, dass sie in so hoher Erregungslage gar kein Futter annehmen können. Daher ist es wichtig, in viel kleineren Schritten zu beginnen – in aller Regel lernen Hunde dann konzentrierter zu werden und auch gerne Futterbelohnungen anzunehmen. 

Gutes Impulskontrolltraining ist in so kleinen Schritten aufgebaut, dass erst gar keine Fehler passieren können.

Grundsignale / Sitz richtig beibringen

Grundsätzlich sollte man beim Aufbau aller Grundsignale nach dem Prinzip der positiven Verstärkung vorgehen. Zeigt der Hund also das gewünschte Verhalten, sollte man eine angenehme Folge, etwa in Form einer Futterbelohnung, hinzufügen, um ihn in der Handlung zu bestätigen. 

Operante Konditionierung

Andere Arten des Lernaufbaus über die sog. "operante Konditionierung" sind vor allem in diesem Kontext aus folgenden Gründen abzulehnen:

  • Aufbau über positive Bestrafung: Man sagt dem Hund "Sitz" und korrigiert danach körperlich alles, was nicht "Sitz" ist, etwa über einen Leinenruck, wenn der Hund aufsteht oder über ein Hinunterdrücken des Hinterteils. Dadurch wird beim Hund Meideverhalten aufgrund des Schmerzes ausgelöst, der durch die Einwirkung verursacht wird. Lernen unter Angst- und Schmerzeinfluss sollte in jedem Fall vermieden werden.

  • Aufbau über negative Bestrafung: Macht für den Aufbau von "Sitz" wenig Sinn, wird hier aber der Vollständigkeit halber angeführt. Beispiel: Der Hund macht Sitz und wird dafür mit einer Leberwurst aus der Tube belohnt oder gestreichelt. Steht der Hund auf, entzieht man ihm die positive Folge und hört auf zu füttern oder zu streicheln. Für Sitz ist diese Lernform etwas langwierig und funktioniert auch nur, wenn der Hund weiter mitmachen möchte.

  • Aufbau über negative Verstärkung: Man sagt "Sitz" und zieht die Leine straff nach oben. Zeigt der Hund das gewünschte Verhalten (also Sitz), lässt man die Leine locker. Dadurch wird für den Hund Erleichterung ausgelöst. Auch diese Form der Konditionierung ist abzulehnen.

Der richtige Aufbau von "Sitz"

Für den Anfang ist es bei vielen Signalen leichter, den Hund mithilfe eines Leckerlis in die gewünschte Position (z. B. Sitz) zu führen und gleichzeitig ein Handzeichen zu etablieren. 

Neben Hörzeichen sollte also immer auch ein Sichtzeichen aufgebaut werden. Sichtzeichen bieten sich an, weil Hunde in erster Linie über Körpersprache kommunizieren und so Signale auch oft leichter über Entfernung gegeben werden können. Sie machen uns aber auch deutlich, wie leise wir uns mit unseren Hunden verständigen können.

  1. Halten Sie Ihrem Hund in ruhiger, ablenkungsfreier Umgebung ein Futterstück vor die Nase. Führen Sie dieses, sobald sich der Hund dafür interessiert, von seiner Nase ausgehend hinter seinen Kopf. Wenn Sie das Leckerli zwischen Daumen und Mittelfinger halten, können Sie mit dem ausgestreckten Zeigefinger gleich "Sitz" deuten.
    Ihr Hund sollte der Hand mit dem Leckerli folgen – wenn er dies nicht tut, sind Sie zu schnell. Folgt er langsam dem Futterstück und Ihrer Hand, wird er sich automatisch setzen.

  2. Exakt in dem Moment – wenn der Po des Hundes den Boden berührt – belohnen Sie ihn mit einem Leckerli und ev. auch mit einem mündlichen Lob, z. B. „Prima!“. Danach darf der Hund aufstehen und die Übung kann wiederholt werden.

  3. Sind Sie nach einigen Übungen sicher, dass Ihr Vierbeiner sich auch wirklich setzen wird, sagen Sie kurz davor „Sitz!“ dazu. Nach einigen Wiederholungen hat der Hund die Handlung mit dem Signal verknüpft.

Tipp: Jede Übung mit unseren Hunden sollte einen Anfang und ein Ende haben. Das Ende sollte aber immer von Ihnen bestimmt werden, schließlich sollte Ihr Hund z. B. auch an der roten Ampel so lange sitzen bleiben, bis es grün wird und Sie ihm sagen, dass es weitergeht. Darum sollten Sie JEDE Übung z. B. mit „Fertig“ beenden und dem Hund mit einer Handgeste zeigen, dass die Übung beendet ist. Der richtige Aufbau von "Bleib" dient dazu, die Phasen des Bleibens in der Position beliebig hinauszuzögern.

Für "Sitz" führt man den Hund mit einem Leckerli in die gewünschte Position und spricht kurz vor dem Hinsetzen das verbale Signal "Sitz" aus. Dazu gibt man ein Sicht-Signal, etwa den ausgestreckten Zeigefinger.
Nachdem der Hund für Sitz belohnt wurde, folgt ein "Bleib"-Signal, das mittels der offenen Handfläche als Sichtzeichen gezeigt wird.
Nachdem der Hund auch fürs Bleiben belohnt wurde, sollte man die Übungen immer mittels Auflösesignal beenden. Auch hierfür sollte es ein Sichtsignal geben.

Anspringen abgewöhnen

Ob man Hunde nun mag oder nicht – jeder kennt sie: Hunde, die Menschen anspringen. Hundefreunde sind oft entzückt darüber, wenn ihr Hund sie anspringt und erwidern das Verhalten mit einer Begrüßung. Springt der Hund dann aber an Passanten hoch, wird es für den Halter unangenehm, denn diese sind – völlig zurecht – häufig "not amused". Um seinem Hund das Anspringen wieder abzutrainieren, muss man erst einmal die Ursachen dafür klären. 

Im Großen und Ganzen springen Hunde Menschen aus zwei Gründen an: einerseits zur Begrüßung und Beschwichtigung, andererseits aus Respektlosigkeit, die sich oft in einer Maßregelung des Hundes dem Angesprungenen gegenüber ausdrückt, etwa weil sich der Mensch aus Hundesicht unerlaubt entfernt hat. Erstere Variante klingt natürlich wesentlich sympathischer und ist es letztlich auch, wenngleich die Auswirkung ja ähnlich ist. Wer eine Feinstrumpfhose trägt oder dem matschigen Hund nach einem Herbstspaziergang begegnet, wird wohl kaum über eine Begrüßung begeistert sein. Ganz abgesehen von jenen Menschen, die Hunde überhaupt nicht mögen und womöglich beim Erstkontakt gleich angesprungen werden.

Ursprünglich geht das Anspringen auf das Futterbetteln zurück, das Wolfswelpen gegenüber adulten Wölfen zeigen, um ein Hervorwürgen von Nahrung zu initiieren. Dabei lecken sie wie wild in den Maulwinkeln ihres Gegenübers, bis Vorverdautes wieder hochkommt – eine typisch babyhafte Geste, die in unseren Hunden erhalten geblieben ist. Übrig geblieben ist also der Versuch, auch an die Maulwinkel des Menschen zu kommen, d. h. hier ist Anspringen eine beschwichtigende Geste, die allerdings meist viel mehr einem Hochklettern ähnelt. Im Unterschied zum korrigierenden Anspringen spürt man die Hundepfoten nicht mit voller Wucht im Bauch, sondern vernimmt eher weiche hochkletternde Tritte, die mit beschwichtigender Mimik und Gestik, wie zurückgelegten Ohren, Lecken und einer tief wedelnden Rute, kombiniert sind.

Was tun, wenn Ihr Hund Sie anspringt?

Gleich mal vorweg: Am besten, man gewöhnt es ihm erst gar nicht an. Egal ob Welpe oder erwachsener Hund, sollte der Angesprungene dem Hund sofort die Aufmerksamkeit entziehen. ACHTUNG: Bitte drehen Sie sich dabei nicht weg! Sich beim Anspringen des Hundes zur Seite zu drehen, um Ignoranz vorzutäuschen, ist einer der größten Irrtümer der Hundeerziehung überhaupt. Allgemein ist bekannt, dass ein Abwenden des Körpers aus Hundesicht eine beschwichtigende Geste darstellt. Pöbelt ein Hund seinen Halter nun an, weil er z. B. unbedingt an den Ball in seiner Hand möchte und Herrchen dreht sich zur Seite, lernt der Vierbeiner damit, dass der Halter klein beigibt und wird es immer wieder tun. Daher ist es besser, im Moment des Sprungs einen Schritt auf den Hund zuzugehen, um ihm die eigene gewünschte Individualdistanz deutlich zu machen und ihn ein wenig "aus dem Konzept" zu bringen. Um Gottes Willen sollen Sie Ihren Hund nicht mit dem Knie kicken oder gewaltvoll werden, es geht lediglich darum, das richtige Timing zu haben, um den Hund auch im richtigen Moment zu beeindrucken. Wenn Sie einen für den Hund interessanten Gegenstand in der Hand halten, dann behalten Sie diesen auch an der Position vor Ihrem Körper. Ein Wegziehen würde dem Hund Ihre Unsicherheit zeigen. Nutzen Sie auch hier wieder die feinen Kommunikationswerkzeuge der Hunde und drohfixieren Sie ihn mit Ihren Augen im Moment seines Sprungs. Wendet er sich dann ab, nehmen Sie die Spannung natürlich sofort wieder raus.

Anspringen von Fremden

Eine etwas andere Rolle spielen Fremde, die natürlich nicht immer richtig auf das Verhalten reagieren können und es eigentlich auch nicht müssen – schließlich ist der Hundehalter in der Verantwortung für seinen vierbeinigen Begleiter. Hier gibt es eine einzig richtige Lösung: gute Impulskontrolle und den Aufbau eines Alternativverhaltens trainieren. Vielen Hunden fällt es schwer abzuwarten, oder sie schaffen es nicht, es auszuhalten, Besucher nicht sofort begrüßen oder auch abchecken zu dürfen – vor allem dann, wenn Hunde das Gefühl haben, sie müssten auf ihren Menschen aufpassen.

Hier trainiert man ein festes Sitz- oder Platz-Signal kombiniert mit einem Bleib-Signal – erstmal ohne besondere Ablenkung. Sukzessive kommen Reize hinzu, bis der Hund gelernt hat, dass er ruhig abwarten soll, bis der Mensch ihn zuerst begrüßt. Wenn Frauchen oder Herrchen ein gutes Bleib-Signal trainiert haben, schafft er das auch. Wichtig bei diesen Übungen ist immer, den Hund für das Warten und Widerstehen für jeden kleinsten, ignorierten Reiz (das Bewegen einer Hand, ein Hallo, ein schneller Schritt, etc.) mit einem Leckerchen zu belohnen und ihm dann weiter "Bleib" zu sagen. Viel zu oft muss der Hund zu lange aushalten, wird für viele kleine "Bleib"-Leistungen nicht positiv verstärkt und "platzt" dann irgendwann förmlich vor innerem Druck und Neugierde. Deshalb: Viel Ruhe reinbringen und das Warten und Aushalten bei jeder Gelegenheit üben und verstärken.

Beim Anspringen sollte man einen Schritt auf den Hund zu gehen...
... um ihm körperlich die Distanzunterschreitung zu vermitteln.
Dieser Hund toleriert nicht, dass seine Halterin beim Leinenführtraining den Weg vorgibt, als "Rüge" wird sie angesprungen

Spaziergänge richtig gestalten

Den Spaziergang richtig starten

Erst einmal ist es wichtig, dem Hund gleich von Anfang an Spannung und Spaß zu vermitteln. Geben Sie Ihrem Hund von der ersten Sekunde an Aufgaben, die ihn einbinden: Er könnte seine Leine selbst bringen, den Autoschlüssel apportieren oder ein "Sitz" bzw. "Bleib" als Aufgabe befolgen, bis die Türe aufgeht und Sie das Haus verlassen haben – natürlich wird dies im Anschluss belohnt. Beim Verlassen des Hauses oder Autos ist es wichtig, den Hund nicht vorgehen zu lassen, sondern durch einen deutlichen Blick in alle Richtungen erst selbst das Territorium abzuchecken, wobei Ihr Vierbeiner hinter Ihnen warten muss. So fühlt sich der Hund nicht mehr automatisch dafür verantwortlich. Auch ist es wichtig, hier bereits auf eine entspannte Leinenführigkeit zu achten. Hunde, die jetzt schon ziehen, um zu schnüffeln, zu markieren oder zu anderen Hunden zu gelangen, werden sich im Laufe des Ausflugs ebenfalls nicht mehr an Ihnen orientieren.

Wenn Sie am eigentlichen Startpunkt des Spaziergangs angelangt sind, also z. B. auf einem Parkplatz, im Wald oder auf dem Feld, sollten Sie sofort mit dem Training beginnen. Alles was Sie jetzt tun, um Ihren Hund auf sich aufmerksam machen, führt dazu, dass die Verbindung auch für den Rest des Spaziergangs besser gehalten wird. Apportier- und Futtersuchspiele eignen sich für den Start besonders gut. Hat Ihr Hund das Apportieren noch nicht gelernt, werfen Sie ihm einfach gut sichtbar ein Futterstück auf den Boden und verwenden Sie dazu das Signal "Such", während er sich damit beschäftigt. Eine kreisende Handbewegung als Sichtsignal unterstützt die Suche. Danach gibt es wieder eine Sequenz, in der Ihr Vierbeiner schnüffeln und wieder etwas selbständiger werden darf. Wichtig ist, dass Sie bestimmen, wann diese Sequenz beginnt und wieder endet.

Unterwegs dran bleiben

Sind Sie dann auf der Hundewiese angekommen, spricht bei sozial verträglichen Hunden natürlich nichts dagegen, sie in den Freilauf zu schicken. Achten Sie aber auch hier vorher darauf, dass Ihr Hund erst aufmerksam mit Ihnen und "verstanden" hat, dass er nun loslaufen darf. Ansonsten kann der spätere Rückruf zur Herausforderung werden. Ihr Vierbeiner darf also jetzt Hunde beschnüffeln, mit ihnen spielen und laufen. Achten Sie hier aber bitte genau auf die Körpersprache der Hunde und unterbrechen Sie das "Spiel", wenn es zu rau und einseitig ist, um Ihrem Hund das Gefühl zu vermitteln, dass Sie stets alles unter Kontrolle haben und er sich auf Sie verlassen kann. 

Nach einer Phase mit Sozialkontakt empfiehlt sich in Entfernung von anderen Hunden wieder eine spannende Übung: Nun gilt es, die individuellen Vorlieben und rassetypischen Leidenschaften herauszufinden und zu fördern (siehe Beschäftigungsformen nach Hunderassen). Sehr vorteilhaft ist es, die Umgebung einzubinden. Befinden sich Bäume im Umkreis, kann deren Rinde als perfekte Versteckmöglichkeit für Futter oder Beute genutzt werden, der Hund um den Baum geschickt werden und vieles mehr. Ist eine Parkbank in der Nähe, können Sie Ihrem Hund mit dem Signal "Bank" das Draufspringen beibringen, ihn darunter durchkriechen oder darüber balancieren lassen. Auch das Üben von Grundsignalen gehört während des Spaziergangs dazu. 

Auch wenn das jetzt alles viel für Sie klingen mag: Die allermeisten Hunde sind mit komprimierter Beschäftigung und geistiger Arbeitsleistung besser ausgelastet, als nach stundenlangen langweiligen Spaziergängen. Der Arbeitsalltag lässt es bei vielen Menschen oft nicht zu, dem Vierbeiner tagsüber die nötige Auslastung zu bieten. Um dies zu kompensieren, ist kurze, aber intensive Beschäftigung am Ende des Tages eine Möglichkeit. Dazu kann man – nachdem sich der Hund nach Bedarf gelöst hat – Abends beleuchtete Parkplätze, Tiefgaragen oder auch Parks für ca. 20-minütige Trainingseinheiten nutzen. Dann wird apportiert, versteckt, geblieben, abgerufen, geklettert, gestoppt und vieles mehr. Kreativität im Hundetraining ist einfach das A & O. 

Spaziergänge richtig beenden

Kommen Sie nach dem Gassigang zurück zum Haus oder Auto, ist es wichtig, den gemeinsamen Ausflug auch strukturiert zu beenden. Viele Hunde lieben es, einen beliebten Apportiergegenstand auch nach Hause zu tragen. Beim Eintreten in das Haus oder Auto können Sie Ihren Hund unbeirrt voran schicken. Aus natürlicher Sicht verlassen Sie ja nun die potenzielle Gefahrenzone, den Aktionsraum, und betreten die absolut sicherere Zone, den Kernraum. Die Hundemutter, die mit ihren Kleinen einen Ausflug macht, ist auch bedacht darauf, die Welpen beim Zurückkommen möglichst schnell in die sichere Wurfhöhle zu bringen und als Letzte abzuschließen. Zuhause angekommen, kann man nun entspannen, kuscheln und schlafen – um Energie zu tanken für den nächsten spannenden Spaziergang!

Schon beim Verlassen des Hauses, sollte der Mensch Sicherheit vermitteln und checken "ob die Luft rein ist"
Auch bei Wegkreuzungen unterwegs sollte dies vom Menschen übernommen werden

Leinenziehen abgewöhnen

Einen Hund an der Leine zu führen, ist eine der unnatürlichsten Anforderungen, die der Mensch an seinen vierbeinigen Liebling hat. Und trotzdem ist die Leine in unserer Gesellschaft ein unabdingbares Hilfsmittel für Mensch und Tier. Dem Hund beizubringen, an lockerer Leine zu gehen, ist nicht immer leicht, bietet aber für Hund und Halter viele Vorteile. Wenn wir unserem Vierbeiner beibringen können, die Leine wie ein "An die Hand Nehmen" zu verstehen, bereichert Leinenführigkeit sogar unsere Beziehung ... 

Wenn Hunde an der Leine ziehen, gilt es, im ersten Schritt die Gründe für dieses Verhalten herauszufinden. Oft ziehen Hunde, weil sie am Boden schnüffeln wollen. Dies kann aus einer sexuellen Motivation entstehen, wobei von Grashalm zu Grashalm z. B. Urin inspiziert wird. Oder aus einer jagdlichen Motivation heraus, wenn die Gerüche am Boden staubsaugerartig aufgesaugt werden. Andere Hunde ziehen wiederum, weil sie einen zu hohen Status in der Mensch-Hund-Beziehung haben. Hunde, deren Körpersprache nach vorne gerichtet ist und die imponierend, mit stark erhobener Rute vorneweg ziehen, fühlen sich häufig für die Sicherung des Territoriums zuständig.

Manche Vierbeiner zeigen aber ihren Menschen gegenüber auch parentales Verhalten, sprich, sie glauben, auf ihre Halter aufpassen zu müssen. Hundebesitzer berichten dann oft, dass genau der gleiche Hund oft besser bei Fuß geht, wenn er nicht an der Leine geführt wird. Natürlich: Wenn er vorneweg zieht, spürt der Hund, dass sein Mensch hinten dranhängt und kann sich so besser um die Gegend kümmern. Wenn keine Leine im Spiel ist, muss der Hund nah beim Menschen bleiben, damit er die Kontrolle über ihn nicht verliert. Oftmals ist das Ziehen an der Leine aber auch schlicht erlerntes Verhalten. Dem Menschen ist es zwar zu allermeist nicht angenehm, dass der Hund zieht, dennoch hat er in der Erziehung vernachlässigt, ihm beizubringen, nicht zu ziehen.

Früh übt sich

Leinenführtraining kann bereits in den ersten Lebenswochen stattfinden. Wenn der Hund bereits in diesem Alter lernt „Angeleint zu sein, ist einfach toll“, schafft man die besten Voraussetzungen, ihm das Bei-Fuß-Gehen beizubringen. Wenn Hundehalter ins Leinenführtraining kommen, ist es häufig so, dass der Hund die Leine schon grundsätzlich als negativ ansieht. Angeleint zu werden heißt für ihn dann: Spaß vorbei, begrenzt sein, ziehen, bis ich keine Luft mehr kriege. In diesen Fällen ist es ratsam, immer zuerst die Einstellung des Hundes zu ändern. Dazu findet jegliches Spiel, das Erhalten von Aufmerksamkeit und alles, was dem Hund sonst noch Spaß macht, ab sofort in Kombination mit der Leine statt. Nur so hat man die Chance, auch die Aufmerksamkeit des Vierbeiners zu bekommen, und er lernt: "Wenn die Leine dran ist, ist Action mit Frauchen oder Herrchen angesagt."

Leider lernen viele Hunde aber bereits im frühen Alter, dass an der Leine zu ziehen absolut sinnvoll für sie ist. Sie sehen einen anderen Hund, wollen an einer Stelle schnuppern oder in Richtung Hundezone gehen und ziehen. Und der Mensch ... folgt ihnen. Natürlich lernen sie so, dass es sich absolut lohnt, in eine Richtung zu ziehen. 

Das Übel an der Wurzel packen

Sie sehen also, es gibt eine Menge Gründe, warum Hunde an der Leine ziehen. Und wo viele Gründe sind, gibt es auch viele Trainingswege. Zieht Ihr Hund aufgrund seines unbefriedigten Jagdtriebs, gilt es zum Beispiel, im ersten Schritt für dessen (kontrollierte!) jagdliche Auslastung zu sorgen. Genauso muss man Hunde, die augenscheinlich aus Langeweile, also ohne konkretes Ziel ziehen, geistig und körperlich stärker auslasten. Zieht der Hund, weil er auf die Gegend aufpasst oder Sie kontrolliert, so beginnt das Training nicht an der Leine, sondern bei Ihnen zu Hause. Hier müssen neue Regeln und Strukturen eingeführt werden, die dem Hund vermitteln, dass er nicht in der Verantwortung steht aufzupassen, sondern der Mensch für Sicherheit im Rudel sorgt. Nur so kann es eine gute Beziehung geben, die auf gegenseitigem Respekt und Vertrauen aufgebaut ist. 

Ist die Leine für den Hund positiv besetzt, kann sie ihm auch viele Vorteile bringen. Manche Hunde fühlen sich durch die Leine unterstützt und sicherer. So sind z.B. oft gute Erfolge mit der Leine zu verzeichnen, wenn Hunde bestimmte Treppen vermeiden. Ein Hund, der die Leine als "helfende Hand" sieht, fühlt sich oft durch den Menschen gestärkt und lässt sich dadurch besser auf verschiedene Situationen ein.

Den Hund an der Leine zu führen und dies als ein "An die Hand Nehmen" zu betrachten, ist der wichtigste Ansatz beim Thema Leinenführigkeit. Haben Mensch und Hund den gegenseitigen Nutzen verstanden, steht harmonischen Spaziergängen an der Leine nichts mehr im Weg. 

Gut aufgebaute Leinenrührigkeit funktioniert überall – auch unter größeren Ablenkungsreizen z. B. im Stadtgebiet

Leinenführigkeit sollte erstmal in kleinen Schritten unter Ablenkung belohnt werden. Für ein paar gute Schritte folgt eine Futterbelohnung, vor jedem Richtungswechsel wird der Hund angesprochen, um eine Chance zu haben zu folgen.

Klappt das Leinenführtraining ohne Ablenkung gut, kann es etappenweise in reizvolleren Umgebungen trainiert werden. Leonie und Waldi, zeigen wie's geht!

Der perfekte Rückruf

Damit ein Hund perfekt abrufbar ist, muss er allen möglichen Reizen widerstehen können: Andere Hunde, Wildtiere oder Menschen können eine spannende Ablenkung für Ihren Hund sein. Dabei spielt vor allem Sicherheit eine große Rolle, denn niemand möchte, dass sein Hund einer Wildfährte über die Bundesstraße folgt und sich oder andere in Gefahr bringt.

Einige Hunde haben leider nicht richtig gelernt, was ein Rückruf bedeutet. Viele verknüpfen das Wiederkommen mit dem Ende von Spiel und Spaß und merken schnell, dass sie nach dem Rückruf angeleint werden, es nach Hause geht oder sie eine Rüge bekommen, weil es zu lange gedauert hat. Wie immer führt auch hier alltagsorientiertes Training mit positiver Bestärkung zum Erfolg.

In 6 Schritten zum perfekten Rückruf

  1. Das richtige Signal
    Entscheiden Sie sich für ein prägnantes Rückrufsignal (z.B. "HIER"). Dieses Signal benutzen Sie ab sofort immer nur dann, wenn Sie wirklich wollen, dass Ihr Hund zu Ihnen kommt und solange bleibt, bis Sie ihn wieder losschicken. Es ist wichtig, dass Sie immer nur dieses eine Signal verwenden.

  2. Einfach beginnen
    Zu Beginn übt man das Signal ganz banal ohne Ablenkungsreize. Zum Beispiel auf einer ruhigen Wiese. Wenn Ihr Hund gerade nicht mit wichtigen Dingen beschäftigt ist, locken Sie ihn mit Ihrer Stimme und einladender Körperhaltung zu sich.

  3. Belohnen im richtigen Moment
    Ist der Hund auf dem Weg zu Ihnen und Sie wissen, dass er mit Sicherheit kommen wird, sprechen Sie das Rückrufsignal aus. Jetzt folgt ein ganz entscheidender Moment: Greifen Sie erst jetzt in die Tasche, um eine Belohnung herauszuholen, die Ihr Hund wirklich liebt, ein Jackpot-Leckerli, sozusagen.

    ACHTUNG: Tun Sie das zu früh und locken den Hund mit der Belohnung, werden Sie ihm auch künftig zeigen müssen, was Sie ihm anbieten können, und der Hund überlegt erst dann, ob es sich lohnt, dafür zurückzukommen.

    WICHTIG: Das "Superleckerli" gibt es die nächsten Wochen und Monate ausschließlich nur fürs Zurückkommen.

  4. Sorgen Sie immer für ein Erfolgserlebnis
    Rufen Sie Ihren Hund ab jetzt nie, wenn die Gefahr besteht, dass er nicht zurückkommt. In solchen Fällen dient eine Schleppleine als Hilfsmittel, denn damit haben Sie den Hund selbst dann unter Kontrolle, wenn er nicht reagiert.

  5. Steigern Sie die Übung mit Ablenkungsreizen
    Wenn Sie und Ihr Hund diese Abläufe verinnerlicht und oft geübt haben, folgt das langsame Hinzufügen von Ablenkungsreizen. In den ersten Schritten kann es die einfache Anwesenheit eines Familienmitglieds sein, später auch mal jemand, der den Hund mit Futter lockt und er trotzdem zurückkommen soll.

  6. Langsam weiter steigern
    Das Abrufen von anderen Hunden sollte zu Beginn erst geübt werden, wenn die anderen Hunde nicht in Bewegung sind. Erst wenn das klappt, darf man auch den richtigen Moment abwarten, um seinen Hund aus einer Interaktion mit einem anderen abzurufen.
Bei Rückschlägen: Nicht verzweifeln!

Sollte Ihr Hund nach dem Rufen einmal nicht kommen, ist das kein Grund, an sich selbst oder dem Hund zu zweifeln. Eine 95-prozentige Erfolgsquote ist außerdem schon mehr als zufriedenstellend. Bei allem, was darunter liegt, sollte immer weiter ambitioniert trainiert werden, denn vergessen Sie nicht: Je besser Ihr Hund rückrufbar ist, desto mehr Freiheiten können Sie ihm gewähren.

Ein guter Rückruf ist das wichtigste Signal in der Hundeerziehung! Kann man seinen Hund aus allen möglichen Situationen zurückrufen, braucht er nicht viel mehr zu können..

Semmerl auf der Hundewiese. Als sie die Krähen verjagen möchte folgt ein Rückpfiff, der vorher behutsam unter Einhaltung aller erforderlichen Schwierigkeitsstufen aufgebaut wurde.

Optimale Hundebegegnungen

"Sei schön lieb!" oder "Geh spielen!" hört man als fragwürdige Aussagen immer wieder auf den Hundewiesen dieser Welt. Wenn's dann mal rappelt im Karton, heißt es schnell "Die machen sich das schon aus" oder "Das hat er ja noch nie gemacht".

Hunde haben oft ein hohes Bewusstsein für den Bereich, in dem sie leben oder auf dem sie sich gerade befinden – das so genannte "Territorium". Dieses Bewusstsein führt unweigerlich zu einer wiederum mehr oder weniger erhöhten Wachsamkeit für "Störer" und Fremde im definierten Lebensraum. Nun legen die einen Hunde gar keinen Wert auf gewisse Bereiche, dulden alle Menschen und Hunde in den eigenen vier Wänden und darüber hinaus anstandslos. Andere wiederum sind da schon etwas kritischer und entscheiden oft nach Sympathie, Geschlecht oder schlicht Gemütslage, wer sich in seiner Straße oder auf der Hundewieseso herumtreiben darf oder nicht. Ein territoriales Bewusstsein ist also ein ganz individuelles aber durchaus natürliches Recht unserer Hunde.

Fakt ist: Wir müssen uns wieder einmal vor Augen halten, wie verdammt tolerant und anpassungsfähig unsere Hunde eigentlich sind, wo wir ihnen doch ursprünglich ein völlig anderes Verhalten abverlangt und angezüchtet haben.

Durch das enge Zusammenleben zwischen Menschen und Hunden schaffen wir z. B. auf Hunde"spiel"wiesen immer eine Art "Zwangsbegegnungsräume", die man so in der Natur einfach nicht vorfinden würde, da die naturgegebene Territorialität der Hunde dafür sorgt, dass es eben eigentlich zu keinen Durchkreuzungen des Territoriums von Rudelfremden kommt. Hunde streben also eigentlich nicht danach, diese Grenzen täglich bewusst zu überschreiten.

Ziel sollte es also sein, bei Hundebegegnungen möglichst im Sinne des Hundes zu handeln, ihn vor potenziell unangenehmen Begegnungen zu schützen bzw. auch einmal einzugreifen, wenn es ihm zu heftig wird. Tut man dies nicht, ist der Vierbeiner im Zweifel: "Frauchen oder Herrchen sind eigentlich keine guten Vertrauenspersonen und in brenzligen Situation nicht für mich da – ich muss das wohl selbst klären."

Hundebegegnungen richtig gestalten

  1. Kein Kontakt an der Leine!
    Sozialkontakt fremder Hunde sollte an der Leine tunlichst vermieden werden. Erstens lernen Hunde dadurch oft, dass das Leinenziehen Sinn macht und man sich deswegen die gut trainierte Leinenführigkeit eigentlich kaputt macht. Andererseits sind Hunde durch die Leine absolut in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt, was oft dazu führt, dass sie in Bedrängnissen, anstatt zu flüchten – was ja durch die Leine nicht möglich ist – eher nach vorne gehen und angreifen. Eigentlich sollen sie aber immer wissen: Die Leine ist wie eine verlängerte Hand zu Herrchen oder Frauchen, dort bin ich sicher.

  2. Platz und Ruhe reinbringen
    Wenn zwei fremde Hunde einander begegnen, sollte immer für ausreichend Platz gesorgt sein. Die jeweiligen Halter sollten sich absprechen, ihre Hunde ableinen aber erstmal bei sich behalten und nicht wie von der Tarantel gestochen zum anderen Hund stürmen lassen. 

  3. Den Hund nicht aktiv zum Anderen schicken 
    Werden die Hunde dann abgeleint, sollte man sie nicht mit einer Handbewegung aufeinander zu sondern in eine andere Richtung schicken. Sollte die Begegnung doch nicht so gelassen von statten gehen, wie gedacht, hat man den Hund dann eben nicht "ins offene Messer" laufen lassen, sondern ihm die freie Wahl gelassen.

  4. Wenn's angespannt wird ...
    Läuft die Begegnung dann eben doch angespannt, gilt erstmal: Ruhe bewahren. Häufig hilft es schon, wenn die zugehörigen Menschen einfach zügig in die jeweils andere Richtung weitergehen. Entspannt sich die Situation nicht, ist es wichtig, den situativ dominanten Hund (Aggressor) herauszurufen, damit der andere nicht in die verzwickte Lage gerät, aus der Anspannung abhauen zu müssen.

Mehr zur richtigen Interpretation von Hundebegegnungen und Körpersprache und Kommunikation gibt es hier

Andere aufdringliche Hunde abzuschirmen, wirkt sich vertrauensfördernd auf die Mensch-Hund-Beziehung aus
Den Kontakt zu drohenden Hunden sollte man seinem Hund ersparen

So sollte eine optimale Hundebegegnung gestaltet sein. Vielen Dank an Martin Rütter DOGS Fürstenfeldbruck / Starnberg für das Video.

Angst (Silvester, Gewitter, Feuerwerk & Co.)

 

Die schlechte Nachricht gleich vorweg: Die Angst vor Geräuschen muss in kleinen Etappen langfristig trainiert werden. Dennoch hier ein paar Last-Minute-Tipps und Maßnahmen, die dazu beitragen können, dass eine Gewitternacht, Silvester oder Ähnliches für einen Hund etwas entspannter werden.

Kauen & Lecken

Ein großer, saftiger Kauknochen oder ein gefüllter KONG® mit Frischkäse, Leberwurst o. Ä. lenken nicht nur ab. Lecken und Kauen setzen auch Glücks- und Beruhigungshormone frei, die den Hund automatisch ein wenig entspannen – ähnlich wie das Schnullernuckeln eines Babys. Tipp: Steckt man den KONG® vorher in die Kühltruhe, ist der Hund umso länger damit beschäftigt.

Vorhänge zu, Musik an

Vorhänge und Jalousien am besten frühzeitig schließen. Wenn möglich, gerne früh genug mit dem Hund in den Keller gehen. Entspannende Musik, die in höchstmöglicher, aber noch angenehmer Lautstärke läuft, dämpft Knallgeräusche gut ab. Dr. Deborah Wells von der Queens University in Belfast erforschte übrigens an verschiedenen Tieren, dass klassische Musik nachweislich entspannen würde. Tierheimhunden wurde beispielsweise leichte klassische Musik wie Mozart oder Balladen vorgespielt, welche die Hunde nachweislich beruhigte, wohingegen Popmusik oder das Vorspielen menschlicher Gespräche vom Tonband keine Auswirkung auf die Stimmung der Hunde hatte. Musik von Wagner, Hardrock oder Heavy Metal hingegen riefen wesentlich mehr Stress hervor (Wells 2000).

Die Verhaltenstierärztin Sophie Strodtbeck berichtete kürzlich davon, dass die banale Idee, ihrem Hund etwas Watte in die Ohren zu stecken und diese mit einem Schal und selbsthaftenden Verband um den Kopf zu fixieren, wesentlich zur Entspannung des Hundes beigetragen hat. Alternativ wären hierzu auch spezielle Ohrenschützer für Hunde denkbar. So einfach die Idee möglicherweise wirken kann, muss auch bedacht werden, dass die meisten Hunde dieses "neue Gefühl" im Ohr und um den Kopf nicht gut aushalten und versuchen könnten, Schal & Co. abzustreifen. Einen rechtzeitigen Versuch ist es aber allemal wert.

Rückzug bieten

Verkriechen ist an Silvester überall erlaubt (auch wenn der Bereich sonst ev. verboten ist). Früh genug und richtig aufgebaut, kann auch eine eigene faltbare Transportbox eine gut geeignete Höhle für den Hund sein, nicht nur zu Silvester. Krabbelt der Hund plötzlich aufs Sofa oder ins Bett, sollte das unbedingt zugelassen werden. Verstehen Sie es als großes Kompliment an Ihre Mensch-Hund-Beziehung – schließlich sucht Ihr Hund Ihre Nähe und Sicherheit, um zu entspannen.

Nähe zulassen

Will Ihr Hund sich an Sie kuscheln, sollten Sie das unbedingt zulassen. Der Rat, den Hund in einer Angstsituation nicht streicheln zu dürfen, um die Angst nicht zu verstärken, ist mittlerweile längst überholt. Wenngleich es schon wichtig ist, die Situation für den Hund durch übertriebene Aufmerksamkeit nicht weiter besonders zu machen. Ruhe und Gelassenheit auszustrahlen, hilft dem Hund, möglichst nichts Außergewöhnliches an der Situation zu finden. Eine sanfte Massage schüttet übrigens nachweislich das Bindungshormon Oxytocin aus. Massagen sind allerdings nur dann sinnvoll, wenn Ihr Hund sie auch genießt und nicht dazu genötigt wird. Manche Hunde schätzen es auch, nur gehalten zu werden oder entspannen ein bisschen besser, wenn man ihnen eine Hand auflegt, um Nähe zu zeigen. 

Immer wieder hört man auch vom sog. ThunderShirt®. Es handelt sich dabei im Prinzip um einen engen Body, der dem Hund durch die eher enge Kompression am Körper Sicherheit und Ruhe vermitteln soll, wie es früher mit dem engen Wickeln von Babys gedacht war. An dieser Stelle kann von keinen erwähnenswerten Erfahrungen berichtet werden, wenngleich das Shirt von Hundehaltern als unterstützende Maßnahme immer wieder positiv erwähnt wird. Auch hier ist es wichtig, dass Ihr Hund natürlich das Tragen von Mänteln oder Bodys dieser Art gewöhnt sein sollte oder zumindest einwandfrei akzeptieren muss. Andernfalls wäre die Anwendung mehr als kontraproduktiv.

Auslasten und müde machen

Vor Silvester sollte der Hund noch mal bestmöglich ausgelastet werden. Dafür vorzugsweise tagsüber raus aus der Stadt, um Geräuschen und Geruch von Knallkörpern so weit wie möglich zu entkommen. Ist Ihr Vierbeiner dann geistig und körperlich gut ausgepowert, wird er froh sein, Zuhause seine Ruhe zu haben und sich eher weniger mit seiner Angst beschäftigen. Nutzen Sie also beispielsweise kreative Futtersuchspiele, komplexe Apportieraufgaben und ein bisschen körperliches Training, um Ihren Hund richtig müde zu machen. Achtung: Sicherheitshalber sollte das Training bereits jetzt an der Schleppleine stattfinden!

Die besten Silvester-Auslastungstipps haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Vorsicht bei Medikamenten

Achtung beim Wirkstoff "Acepromazin" (z.B. in Sedalin, Vetranquil, Calmivet, Prequillan enthalten): Der Hund wird damit nur körperlich sediert und ist motorisch unfähig, sich gegen die Angst zu wehren, kriegt aber geistig alles mit! Manche Tierärzte empfehlen diesen Wirkstoff aber leider noch immer. Ein Hund mit echten Angstzuständen kann und sollte in Absprache mit einem guten Tierarzt medikamentöse Unterstützung mit anderen Wirkstoffen bekommen. Der Ulmer Tierarzt Dr. Ralph Rückert beschreibt echte Geräusch- und Silvesterangst, die "pharmakologisch gedämpft werden sollte" wie folgt: "Es geht in erster Linie um Hunde, die an Silvester unter panischen, nicht kontrollierbaren Angstzuständen leiden, also um Tiere, die völlig erstarren, die nur noch zittern, die Harn und Kot unter sich lassen oder erbrechen, die auch durch ein offenes Fenster im dritten Stock springen würden, um der Situation zu entgehen ...". Die Wirkstoffe, die in diesen Fällen dann zur Anwendung kommen sollten, sind meist sog. Benzodiazepine – sie wirken Angst lösend, können aber auch Nebenwirkungen wie z.B. Enthemmung haben. Daher die Gabe und Dosierung unbedingt genau mit dem Tierarzt des Vertrauens abklären!

Pheromone und Nahrungsergänzungen

Hunden, die zwar auch ängstlich sind, aber ihre Angst noch irgendwie kontrollieren können, kann oft mit etwas harmloseren Mitteln geholfen werden. Pheromone sind chemische Botenstoffe in Form von Duftstoffen, die eigentlich der innerartlichen Kommunikation dienen. Das sog. "Dog Appeasing Pheromone" (DAP) spielt gerade in Bezug auf Stress und Angsttherapie eine große Rolle. In der Welpenzeit wird es von der Mutterhündin in der Zitzenregion produziert und soll auf die Welpen eine beruhigende, sicherheitsgebende Wirkung haben.

Die Firma ADAPTIL® stellt dieses Pheromon als einziger Hersteller synthetisch her und schwört auf eine ebenso beruhigende Wirkung bei erwachsenen Hunden. In Form von Steckern, Halsbändern und Sprays kann damit also zumindest ein Versuch der Verbesserung unternommen werden. Zu Silvester empfiehlt ADAPTIL®, mindestens 24 Stunden vor der angstauslösenden Situation den Stecker zu nutzen (also im besten Fall schon ein paar Tage vor Silvester, sofern da schon geschossen wird) und für ca. eine Woche anzuwenden. Etwa 2 Stunden vor dem "Hauptereignis" sollten ADAPTIL® Tabletten verabreicht werden. Diese enthalten keine Pheromone, sondern Nahrungsergänzungen wie z.B. die Aminosäure L-Tryptophan, die als Vorläufer und Türöffner des Stimmungsmachers Serotonin gilt. Auch "Zylkene"-Tabletten werden in diesem Zusammenhang oft genannt und können bei frühzeitiger Gabe Hilfe leisten. 

Adaptil-Produkte erhält man bei ausgewählten Tierärzten und in einigen Tierläden. 

Alternativmedizin: Globuli, Bachblüten & Co.

Ob sämtliche alternative Mittelchen wirken, kann an dieser Stelle nicht gesagt werden. Vermutlich handelt es sich dabei eher um einen Placebo-Effekt, der beim Halter entsteht. Sofern dieser dann zu einer entspannteren Stimmungsübertragung auf den Hund beiträgt, haben natürlich auch rituelle Tänze (bitte nur zu Musik von Mozart), Schüssler Salze, Bachblüten und Co. ihre Berechtigung.

Insgesamt ist festzuhalten: Angst gehört in der Verhaltenstherapie zu den komplexesten und schwierigsten Themen. Wenn es DAS Mittelchen gäbe, das wirklich nachweislich dagegen hilft, würde es mit Sicherheit jeder kennen und bei Bedarf nutzen.

Der wichtigste Rat!

Sind Sie Ihrem Hund ein starker Partner! Nicht nur in der Angstsituation selbst, sondern im gesamten Zusammenleben. Nur wenn Ihr Hund Sie auch sonst im Alltag ernst nehmen kann, wird er Ihnen in schwierigen Momenten vertrauen. Wie Sie dazu am besten beitragen? Seien Sie in Ihren Vorhaben konsequent – nur wer wirklich weiß, was er will und dem auch nachgeht, ist glaubhaft. Lassen Sie sich von Ihrem Hund im Alltag nicht zu sehr manipulieren und lenken. So lächerlich es klingen mag: Sie machen sich damit, bewusst oder unbewusst, zu seiner Marionette und damit sicher nicht zu einer schutzbietenden Vertrauensperson. Das heißt z. B. auch, dass Sie einer Streichelaufforderung nicht immer einfach nachgehen, sondern selbst entscheiden sollten, wann Aufmerksamkeit stattfindet. Andernfalls geben Sie Ihrem Hund zu verstehen, dass Sie sich an ihm orientiert und nicht umgekehrt. Und gerade in Angstsituationen möchte man ja genau das Gegenteil vermitteln.

Alkohol und Hanf – kein Witz

Immer wieder mal darüber gelesen, galt die Verabreichung von Alkohol an einen Hund bisher immer als tierschutzrelevante Untat. Tierarzt Dr. Ralph Rückert hat dieses Tabuthema in einem Blogbeitrag allerdings deutlich relativiert: "Alkohol, von Hunden speziell in Form von Eierlikör sehr gern aufgenommen, ist natürlich – wie wir fast alle wissen – in der korrekten Dosierung ein recht potentes Sedativum mit angstlösender Wirkung. Mein Terrier Nogger (knapp 10 kg schwer) hat letztes Silvester um 20 und um 23 Uhr jeweils einen Esslöffel Eierlikör bekommen, und es hat ihm sowohl sehr gut geschmeckt als auch nach meinem Dafürhalten beträchtlich geholfen. Diese meine Erfahrung wurde mir auch von verschiedensten Seiten genau so bestätigt."

Alkohol taucht ja immer wieder auf der schwarzen Liste der für den Hund giftigen Lebensmittel auf. Aber auch hier gilt wie immer: Die Dosis macht das Gift. So bestätigt Dr. Rückert: "Hunde fallen von einer begrenzten Menge Alkohol keineswegs tot um, sondern werden – wie wir Menschen – einfach etwas angesäuselt, was in diesem Fall genau der gewünschte Effekt ist. Und Hunde werden auch nicht, wenn sie einmal im Jahr eine minimale Menge Alkohol bekommen, zu Alkoholikern."

Neu im Trend ist auch Hanföl – es gilt vorwiegend als Schmerzmittel, kann aber auch aufgrund seiner angstlösenden Wirkung eingesetzt werden. Wer jetzt denkt, er wird damit seinen Hund high machen, irrt: CBD, ein nicht-psychoaktives Cannabiniod, hat im Gegensatz zu THC keine bewusstseinsverändernde Wirkung und beeinflusst weder die Hirnfunktionen noch das zentrale Nervensystem. Besprechen Sie Gabe und Dosis dennoch unbedingt rechtzeitig mit Ihrem Tierarzt – ein vorzeitiges Testen des Präparats ist zu empfehlen.

GANZ WICHTIG: Hunde sollten an und um Silvester vorsichtshalber immer an der (Schlepp-)Leine geführt werden! Selbst wenn vorher keine Angst bestand – ein überraschender Knall kann immer ein Angstauslöser sein und aufgrund dadurch entstehender abrupter Bewegungen zu Verletzungen und Unfällen führen. Und im schlimmsten Fall kann der Hund abhauen! 

Während eines Gewitters darf Abbey Rückzug auf der Couch suchen. Ihre Augen sind weit aufgerissen, starkes Hecheln und mehrere Stressfalten in den Maulwinkeln sind deutlich zu erkennen. Die Ohren sind zurückgerichtet, die Stirn ist angespannt.