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Lach doch mal!

Können Hunde lachen? Und wenn ja, worüber? Marcel Wunderlich beantwortet im Experteninterview Fragen zur oft falsch interpretierten Körpersprache der Hunde.

Kein freudiges Lachen sondern ein Ausdruck von Stress

Submissives Grinsen zur Begrüßung

Das Experteninterview mit Marcel Wunderlich erscheint in der Mai-Ausgabe von Martin Rütters Newsletter und ist schon vorab online auf www.martinruetter.com veröffentlicht:

In den sozialen Medien gibt es viele Fotos von lachenden Hunden. Wie kommt es zu dieser Geste unserer Hunde?

Stimmt, Fotos von „lachenden“ Hunden werden gerne geteilt. Das geöffnete Maul, die weit nach hinten gezogenen Lefzen und die zusammengekniffenen Augen erinnern an ein herzhaftes menschliches Lachen. Oft jedoch zeigt sich auf diesen Bildern gar kein lachender, sondern ein gestresster Hund! Wer darauf achtet, sieht auf den Bildern dieser „lachenden“ Hunde oft auch nach hinten gezogenen Ohren, eine lange Zunge, die auf starkes Hecheln hindeutet, sowie eine Falte hinter den Lefzen, unterhalb der Augen, auch „Stressfalte“ genannt. Nun gehört Stress zum Leben gewissermaßen dazu. Ein Ausdruck der Freude, ein beherztes Lachen, ist es aber wie beschrieben leider nicht, was unsere Hunde uns da zeigen.

Heißt das, Hunde können gar nicht lachen?

Naja, zumindest nicht, wie wir Menschen. Der Humor eines guten Witzes oder Situationskomik etwa entzieht sich natürlich dem Verständnis unserer Hunde. Dennoch zeigen auch Hunde mitunter eine Mimik, die von Kynologen als „Grinsen“ oder „Lachen“ bezeichnet wird. So gibt es zum Beispiel in der Kommunikation zwischen Hunden ein „Unterwürfigkeitsgrinsen“ als Signal an den in dieser Situation dominanteren Hund. Anders als bei den Wölfen beobachtet man das Angrinsen bei Haushunden aber öfter gegenüber Menschen statt gegenüber anderen Hunden. Manche Menschen werden zum Beispiel beim Zurückkommen in die Wohnung von ihrem Hund freundlich-beschwichtigend mit einem Grinsen begrüßt.

Wie sieht dieses Grinsen der Hunde aus?

Für viele Menschen gar nicht so freundlich. Der Hund zieht dabei den vorderen Teil seiner Lefzen nach oben, sodass sich die Lefzenpartie um die Nase kräuselt und die vorderen Zähne sichtbar werden. Betrachtet man also auch hier wieder nur einen Teil des Gesamtausdrucks, könnte man leicht von einem Ausdruck der Aggression ausgehen. Beim Anlächeln des Menschen zeigt der Hund jedoch weitere submissive Elemente wie zurückgelegte Ohren, eine glatte Stirn und häufig auch eine eher geduckte Körperhaltung mit häufig abgewendetem Blick und breites Wedeln mit eher tiefhängender Rute. 

Hat Dein eigener Hund Dich schon einmal mit einem Lachen begrüßt?

Bei meiner Berner Sennenhündin und mir ist es eher umgekehrt, da zeige ich ein breites Grinsen, wenn wir uns nach einer Trennung wiedersehen. Meine Hündin freut sich natürlich auch, zeigt das aber anders. Die gute Laune fröhlicher Hunde erkennt man an mehreren körpersprachlichen Signalen. Wie genau, variiert auch abhängig von der Situation und es ist wichtig, die Körpersprache möglichst umfassend zu betrachten. So hat sich zum Glück mittlerweile ja auch weitestgehend herumgesprochen, dass eine wedelnde Rute für sich genommen nicht immer für Freude steht. Beim Grinsen kommt noch hinzu, dass es einige Hunderassen vermehrt zeigen, während man es bei anderen Hunderassen bislang gar nicht beobachten konnte. Das spricht dafür, dass das Grinsen durch eine genetische Disposition beeinflusst wird. Abhängig von der Reaktion des Gegenübers wird dieses Verhalten dann aber eventuell öfter gezeigt. Hunderassen, bei denen das Grinsen eher zum Repertoire gehört, sind zum Beispiel Dalmatiner oder Windhunde.

Auch der Samojede wird doch auch häufig als lächelnder Hund genannt?

Beim Samojeden gehen die Maulwinkel leicht nach oben, das wirkt wie ein freundliches Grinsen. Viele Menschen meinen auch beim Spielen ihrer Hunde ein herzhaftes Lachen zu sehen. Bei einem schönen Spiel wirkt die Gestik und Mimik unserer Haushunde oft übertrieben. So ist zum Beispiel das Maul weit aufgerissen und der Gesamteindruck „albern“. Übrigens etwas, was wir auch als Mensch probieren können, um unseren Hund in Spiellaune zu versetzen.

Offensichtlich ist es nicht leicht, die Körpersprache von Hunden richtig lesen und verstehen zu können.

Ja, dazu gehört einiges an Theoriewissen und jede Menge Beobachtungstraining. Doch die Mühe lohnt sich! Wir wollen doch alle für unsere Hunde nur das Beste. Und dafür ist es wichtig, unsere Hunde zu verstehen. Im Training mit den Mensch-Hund-Teams stelle ich oft fest, dass Mensch und Hund aneinander vorbei „reden“. Meine Erklärung, was sich im Hund gerade eigentlich abspielt und wieso der Hund so reagiert, ist dann für die Menschen ein Aha-Erlebnis. Deshalb ist das Thema „Körpersprache und Kommunikation“ bei den DOGS Hundeschulen auch so präsent. Eine gute Trainerin oder ein guter Trainer sollte während des gemeinsamen Trainings immer wieder auf Missverständnisse in der Mensch-Hund-Kommunikation hinweisen.

Wie kann man das als Hundehalter lernen?

Wer seinen Hund richtig lesen lernen möchte, kann sofort damit beginnen, ihn genauer zu beobachten. Auch Videoaufnahmen, die sich mehrfach oder in Zeitlupe abspielen lassen, können helfen, weitere Details zu erkennen. Ich und andere DOGS Coachs bieten neben dem persönlichen Training vor Ort auch an, Videos gemeinsam zu analysieren und so die Hundehalter immer sicherer in der hündischen Kommunikation zu machen. Wir bieten auch verschiedene Seminare zu diesem Thema an, um die Theorie zu vermitteln und das Theoretische in der Praxis zu erkennen.