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Kleiner Münsterländer

Ende des 19. Jahrhunderts kannte man im Münsterland sogenannte Wachtelhunde.

Sie ähnelten ihren Vorfahren, den mittelalterlichen Vogelhunden und waren - wie der Name schon sagte - vor allem beliebt bei der Wachteljagd. Auf sie geht vermutlich der ursprüngliche Kleine Münsterländer zurück. Beschäftigt man sich mit der Geschichte des Kleinen Münsterländers, stößt man unweigerlich auf den Heidedichter Hermanns Löns und vor allem seine Brüder Edmund und Rudolf Löns, die ab 1906 nach Vertretern der verschollen geglaubten Hunde suchten und sie „Heidewachtel“ nannten. Vereint mit dem daneben existierenden „Dorstener Schlag“ wurde daraus der Kleine Münsterländer. Parallel existierende Theorien schließen auch die Entstehung des Kleinen Münsterländers durch eine Weiterzüchtung des Epagneul-Breton nicht aus.

Der Verband für Kleine Münsterländer formuliert heute, dass die „Wahrheit (vermutlich) irgendwo dazwischen“ liege. 1912 wurde schließlich in Osnabrück der „Verein für Kleine Münsterländer (Heidewachtel)“ gegründet, aber erst 1921 ein Rassestandard festgelegt. Man stritt danach allerdings noch lange, welchen Namen der kleinste deutsche Vorstehhund tragen sollte. Bis 1934 kam es immer wieder zu Abspaltungen und neuen Zusammenschlüssen unzufriedener Vereine bis man sich in dem Jahr auf die Bezeichnung Kleiner Münsterländer Vorstehhund einigte. Im Dritten Reich existierte neben dem Münsterländer Verband auch der Deutsche Heidewachtel Club. Die beiden Vereine wurden 1961 wieder zusammengeführt.

Der Kleine Münsterländer war schon damals nicht nur Jagdgefährte, sondern auch Haus-, Hof- und Familienhund, weil er als sehr sozial und auf den Menschen bezogen, aber auch wachsam bekannt war. Beim jagdlichen Einsatz spürt er als Vorstehhund bis heute Wild auf und zeigt es durch „Vorstehen“ an: Dabei „friert“ der Hund sozusagen in der Bewegung ein, die Rute trägt er fast waagerecht in Verlängerung des Rückens, sein Blick ist fixierend auf die Beute gerichtet, dabei wird häufig ein Vorderlauf angehoben. Außerdem apportiert er nach dem Schuss, auch aus dem Wasser. Da viele Kleine Münsterländer Spur- oder Sichtlaut geben, werden sie auch zum „Stöbern“ (also zum Aufstöbern von Wild) eingesetzt.

Mittelgroß und kräftig soll der Kleine Münsterländer vom Körperbau her sein. Das wasserabweisende Fell soll mittellang und dicht sein, glatt oder leicht gewellt in den Farben braun-weiß oder braun-schimmel mit braunen Abzeichen, teils auch lohfarbenen Abzeichen. An Ohren, Beinen und der Rute ist das Fell etwas länger - in der Fachsprache spricht man dabei von „befedert“ (Vorderläufe) und „behost“ (Hinterläufe).

Gesundheitlich sind beim Kleinen Münsterländer keine größeren Probleme bekannt, selten leiden Hunde der Rasse an Hüftgelenksdysplasie oder Entropium (Erkrankung des Auges, „Roll-Lid“ an Ober- oder Unterlid). Die meisten Kleinen Münsterländer leben derzeit in Frankreich, Schweden und Norwegen, wo sie meist zur Jagd im Wald eingesetzt werden.

Wird der Kleine Münsterländer ausschließlich als Familienhund gehalten und nicht jagdlich geführt, muss er unbedingt auf eine alternative Art jagdlich ausgelastet werden - und das täglich! Denn die Jagd ist und bleibt seine größte Leidenschaft. Lenkt man diese Motivation nicht von Beginn an in geordnete Bahnen, können Spaziergänge mit dem Kleinen Münsterländer sehr unentspannt beziehungsweise ohne Schleppleine auch unmöglich werden. Die Möglichkeiten der jagdlichen Auslastung sind quasi grenzenlos: Vom Apportieren, über Fährtenarbeit, Reizangeltraining oder Mantrailing wird der Kleine Münsterländer bei allem begeistert mitmachen.

Rüden: 54 cm Hündinnen: 52 cm Toleranz: pus/minus 2 cm Gewicht: ca. 18 bis 25 kg

(Ein Artikel unserer DOGS Partnerin Heike Kleinhans (Martin Rütter DOGS Bielefeld/Gütersloh))