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Wissenswertes

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Was gehört auf den Speiseplan eines Hundes?

Jeder Barfer füttert rohes Fleisch, aber nicht jeder Rohfleischfütterer ist ein Barfer. Zum Barfen gehört nämlich mehr als dem Hund ein paar Stücke rohes Fleisch hinzuwerfen. Wie ich bereits mehrmals erwähnt habe, gehören auch Obst und Gemüse auf den Speiseplan eines Hundes, ebenso wie Knochen und Öle. Man muss auch aufpassen, dass man nicht einfach immer nur Muskelfleisch füttert. Einige für den Hund wichtige Nährstoffe kommen nämlich nur in Innereien vor. Hier muss man darauf achten, dass das Verhältnis zwischen Muskelfleisch, Knochen, Gedärmen und Organen richtig gesetzt ist.

Wie viel bekommt mein Hund zu fressen?

Zunächst einmal kann man von der Faustregel ausgehen, dass eine Tagesportion ungefähr 2% des Körpergewichts des Hundes ausmachen sollte. Natürlich ist dies nur ein Ausgangswert, den man dem eigenen Hund noch anpassen muss. Stoffwechsel, Aktivität und Alter spielen immer in die Mengenberechnung mit ein. In der Regel geht man so vor, dass man mit 2% des Körpergewichts beginnt und dann den Hund beobachtet, ob er zunimmt, sein Gewicht hält oder an Gewicht verliert. Je nachdem müssen Sie dann eben die Menge reduzieren oder erhöhen.

Wie viel Fleisch braucht mein Hund?

Ungefähr 20% der Tagesration sollten pflanzliche Anteile sein, der Rest  muss aus Fleisch bestehen. „Fleisch“ verwende ich hier als Überbegriff, gemeint sind natürlich Fleisch, Fisch, Innereien, Knochen, Blut und Knorpel. Jede dieser „Fleisch“-Arten enthält andere wichtige Nährstoffe, Mineralien und Vitamine. Aus diesem Grund sollte hier immer genug Abwechslung herrschen. Seien Sie also kreativ und wechseln Sie die Fleisch- und Fischsorten regelmäßig. Verarbeiten Sie auch einmal seltenere Fleischsorten, wie Pferd, Strauß oder Känguru. Vor allem Allergiker-Hunde reagieren sehr gut auf Fleischarten, die sie vorher noch nie gegessen haben.

Was liefert das Muskelfleisch?

Im rohen Fleisch generell sind Proteine, Mineralien, Fette, Wasser und Vitamine enthalten, die unser Hauswolf benötigt. Spezielle Fleischsorten, wie Geflügel liefern außerdem essentielle Fettsäuren, genauso wie Fisch. Zum Geflügelfleisch kann man noch sagen, dass auch dieses roh gefüttert werden kann, weil unserem Hund Salmonellen nichts ausmachen. Er ist, wie schon öfter erwähnt, ein Fleischfresser. In der freien Natur laufen die Hühner auch nicht schon gebraten rum und so richtig gut schmeckt es ja erst, wenn das Fleisch schon angegammelt ist. Aus diesem Grund brauchen Sie sich keine Sorgen machen, dass Ihr Hund eine Salmonellenvergiftung bekommt. Anders sieht es mit rohem Schweinefleisch aus. Dieses kann Erreger der Aujeszky-Krankheit enthalten, die beim Hund zu einer Gehirn- oder Rückenmarksentzündung und unweigerlich zum Tod führt. Schweinefleisch sollte also, wenn es gefüttert wird, immer gut durchgebraten werden.

Muskelfleisch verschiedene Sorten:

·         Gulasch vom Rind ist ein gutes Einstiegsfleisch für Barf-Neulinge.

·         Lammfleisch eignet sich besonders gut für Allergiker und als Grundlage für eine Ausschlussdiät.

·         Putenfleisch ist sehr mager und leicht verdaulich, besonders gut geeignet für Hunde mit empfindlichen Mägen.

·         Truthahnfleisch ist sehr mager und aus diesem Grund für leichfuttrige Hunde eine gute Futtergrundlage.

·         Fleisch vom Springbock ist besonders fettarm und auch für Allergiker und zur Aussschlussdiät geeignet.

·         Kängurufleisch ist besonders saftig und eine seltene Proteinquelle im Hundefutter, weswegen es sich gut als Grundlage bei einer Ausschlussdiät geeignet ist.

·         Kalbfleisch ist besonders zart und mager, dabei hochbekömmlich. Aus diesem Grund eignet es sich sehr gut als Einstiegsfleisch für alle Barfneulinge.

·         Muskelfleisch vom Pferd ist engerie- und proteinärmer als Fleisch vom Rind. Außerdem ist es eine häufig verwendete Grundlage in Ausschlussdiäten.

·         Straußenfleisch ist eine der magersten Fleischsorten überhaupt und außerdem meistens sehr gut für Allergiker oder als Grundfutter bei einer Ausschlussdiät geeignet.

·         Schlundfleisch vom Rind ist besonders zartes und bekömmliches Muskelfleisch und dank seiner Beschaffenheit auch für Welpen und Senioren geeignet.

·         Maulfleisch bzw. Lefzen vom Rind sind überaus schmackhaft und bieten dank ihrer bissfesten Beschaffenheit auch etwas Beschäftigung im Futternapf.

·         Pferdeherz wird aufgrund seiner anatomischen Lage zwar zu den Innereien gezählt, besteht aber fast ausschließlich aus Muskulatur. Pferdeherz ist sehr fettarm.

·         tomisch zu den Innereien, besteht aber auch nur aus Muskeln, weswegen wir sie als Muskelfleisch verfüttern. Rinderzunge ist sehr zart und bekömmlich.

·         Rinderherz wird in der Ernährung zum Muskelfleisch gezählt, “offiziell” gehört es allerdings zu den Innereien. Sein Fleisch ist sehr proteinreich und enthält dabei kaum Fett

Innereien

Biotin, Kupfer, Eisen, B-Vitamine und Vitamin-A kommen gehäuft in der Leber vor, allerdings enthält sie auch sehr viel Glykogen, das nur schwer abgebaut werden kann. Leber sollte also in Maßen gefüttert werden, etwa einmal die Woche ein mittelgroßes Stück. Bei einer Vitamin A Überdosis kann es zu Hautveränderungen, z.B. Haarausfall, oder Erbrechen kommen. Außerdem wird mit der Zeit die Muskelkoordination gestört, die Knochen werden brüchig und das Krebsrisiko steigt stark an. Allerdings braucht der Hundeorganismus eine ausreichende Menge Vitamin A, um seine Sehfunktion, Hautbeschaffenheit, das Knorpelgewebe und Immunsystem aufrecht zu erhalten. Man rechnet etwa einen täglichen Bedarf von 22,5 µg, je kg Körpergewicht des Tieres.

Innereien:

·         Rinderlunge ist besonders mager und fettarm, weswegen sie sich gut als Futterzusatz bei leichtfuttrigen Hunden eignet. Bei einer großen Menge an “Volumen” besitzt sie dadurch kaum Energie.

·         Rinderniere ist besonders eiweißreich, enthält aber wenig Fett. Niere sollten Sie nur 1 – 2x die Woche füttern, weil größere Mengen abführend wirken können.

·         Rinderleber ist besonders wertvoll, da sie viel Eisen und viele Vitamine (A, B 2, B 12, Biotin etc.) enthält, allerdings sollte man keine zu großen Mengen an Leber füttern, weil eine Vitamin A Überversorung zu gesundheitlichen Problemen führen kann.

·         Schweineleber bietet Abwechslung zur Rinder- oder Hirschleber. Aufgrund ihres hohen Eiweißgehalts ist sie besonders gut für laktierende Hündinnen geeignet.

·         Die Hirschleber ist eine gute Alternative zur Rinderleber für Allergiker. Auch hier gilt: Sie besitzt besonders viele Vitamine und Mineralien, sollte aber nicht zu oft verfüttert werden.

·         Das Euter vom Rind ist besonders fett- und calciumreich, weswegen es sich gut als Ergänzungsfuttermittel bei Welpen eignet. Außerdem ist es dann seiner hohen Energiedichte besonders gut, um Hunde aufzupäppeln, die krank oder unterernährt sind.

·         getrocknete Käberblase enthält zwar kaum Vitamine und Mineralien, ist aber ein toller Kauspaß für Ihren Hund.

Mägen von großen und kleinen Wiederkäuern

·         Das Magensystem von Wiederkäuern, also beispielsweise von Kühen, Schafen und Ziegen, ist besonders wertvoll für den Fleischfresser Hund. Im Magen von ihnen ist pflanzliches Futter bereits vorverdaut und deren Vitamine bereits freigesetzt, jedoch hat der Pflanzenfresser es noch nicht absorbiert. Besonders im Blättermagen oder grünen Pansen befinden sich viele wertvolle Inhaltsstoffe. Zwar ist der Geruch für unsere menschliche Nase sehr gewöhnungsbedürftig und etwas abschreckend, aber bei den Hunden sehr beliebt und eine echte Delikatesse. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Gedärme sehr günstig vom Schlachthof zu haben sind.

·         grüner Pansen vom Rind ist besonders hochwertig, weil er die bereits vorverdauten Grünpflanzen der Futtertiere enthält. Die Bakterien im Rinderpansen haben diese bereits aufgeschlossen und in hochwertiges Protein umgewandelt.

·         Blättermagen vom Rind ähnelt dem Pansen, weil auch er bereits vorverdaute Futterbestandteile enthält. Außerdem ist er sehr fettarm, was ihn zum idealen Zusatzfutter bei einer geplanten Gewichtsreduktion macht.

·         Der Pansen vom Lamm ist eine gute Alternative für Allergiker zum Rinderpansen, auch er enthält hochwertiges Protein, viele Vitamine und Mineralstoffe. In seinem Geruch steht er dem Rinderpansen allerdings in nichts nach….

·         Der weiße Pansen vom Rind ist gereinigt und vorgegart, wodurch er zwar weniger geurchsbelästigend als der grüne ist, allerdings auch weniger Vitamine und Minerlien enthält.

Fisch

·         Wie bereits erwähnt enthält Fisch sehr viele essentielle Fettsäuren. Außerdem macht sein hoher Jod- und Vitamingehalt ihn zu einem wertvollen Futtermittel. Allerdings muss man darauf achten, dass die meisten Fischarten sehr fettreich sind. Ein weiteres Problem ist, dass Fische s.g. Thiaminasen enthalten, das sind Enzyme, die Vitamin-B1 spalten. Bei zu häufiger Fütterung kann es dann zu einem Vitamin-B1-Mangel und in Folge dessen zu einer Blutarmut kommen. Ich empfehle einmal die Woche eine Fischmahlzeit, um dem Hund die wertvollen Fettsäuren und Vitamine zu liefern.

·         Lachs enthält viele wichtige Omega-3-Fettsäuren, ist aber auch sehr fettreich, weswegen er nur 1 – 2 mal die Woche gefüttert werden soll.

·         Der Pescatore-Mix von Tackenberg enthält Krabbenfleisch, Lachs und Reis. Dieser Mix ist als Einzelfuttermittel gedacht und es muss nichts mehr untergemischt werden.

·         Das Fisch- und Nachtkerzenöl enthält viele ungesättigte Fettsäuren, sowie Linol- und Linolenöle. Es ist ein guter Futterzusatz für alle, die nicht regelmäßig Fisch füttern wollen.

Rohe Knochen

·         Rohe Knochen sind aus mehreren Gründen ein fester Bestandteil eines Barf-Futterplans. Ein wesentlicher Punkt ist die Zahnpflege. Beim Kauen und Abfieseln des Fleisches vom Knochen putzt sich der Hund die Zähne und kommt dabei an Zwischenräume, die er beim Zerbeißen (sofern er es beißen würde und nicht einfach hinunter schlingt) von Trockenfutter gar nicht kommt. Außerdem enthalten auch sie wichtige Mineralien und andere Nährmittel: Eisen, Fett, Mineralien, Enzyme und natürlich Calcium sind nur einige davon. Knochen dürfen im Übrigen nicht nur Beknabbert, sondern durchaus auch komplett aufgefressen werden.  Rinderknochen von der Brust, Ochsenschwanz, Geflügelknochen (roh splittern diese genauso wenig wie jeder andere Knochen), komplette Hühnerhäls, Kniegelenke, Ziegen- oder Schafslammgerippe, Lammbrust/-beine, Kalbsknochen, Kaninchenknochen, Fische mit Gräten (Auch diese sind roh ungefährlich) sind nur einige Ideen. Außerdem fordert das Knochenkauen Ihren Hund im Kopf und beschäftigt ihn eine ganze Weile sinnvoll. Den meisten Hunden macht es auch jede Menge Spaß. Wichtig: Knochen immer roh füttern! Werden sie erhitzt, zerstört dies nicht nur alle Vitamine, Eiweiße und Mineralien, sondern verändert auch die Knochenstruktur, so dass der Knochen brüchig wird und splittern kann. Die Splitter könnten sich dann gefährlich im Magen-Darm-Trakt Ihres Hundes verfangen und ihn verletzen. Allgemein sind gekochte oder gebratene Knochen schwerer verdaulich und können zu Verstopfungen oder Erbrechen führen.

·         Markknochen vom Rind – Hunde lieben es, das Mark herauszulösen.

·         Nackenknochen vom Kalb sind auch gut für kleinere Hunde oder Welpen geeignet.

·         Hirsch- und Rehknochen sind eine gute Alernative für Allergikerhunde

·         Markknochen vom Hirsch ermöglichen auch dem allergiebelastetenden Hund den Spaß, das schmackhafte Mark herauszulecken.

·         Rückenknochen vom Huhn sind besonders auch für kleine Hunde geeignet.

·         Pferdeknochen sind besonders hart und fettarm. Oft gibt es sie noch mit Sehnen, so dass der Knabberspaß noch größer ist. Außerdem sind sie meistens für Allergiker gut geeignet.

·         Lammknochen sind eine gute Alternative für Allergikerhunde.

Milchprodukte

Michprodukte sind in der Hundeernährung umstritten. Der enthaltene Milchzucker, die Lactose, kann von vielen Hunden nicht gespalten werden. Werden dann zu viele Milchprodukte verfüttert, bekommt der Hund Durchfall und andere Verdauungsbeschwerden. In diesem Fall kann man dem Hund aber vergorene Milchprodukte anbieten, wie zum Beispiel Joghurt, Hüttenkäse oder Quark. Milch und deren Produkte enthalten sehr viel Calcium und leicht verdauliches Eiweiß, weswegen es schon Sinn macht, ab und an ein wenig davon zu verfüttern. Sehr beliebt ist Hüttenkäse, der mit einem Eigelb verquirlt wurde.

Eier

Auch bei der Verfütterung von Eiern spalten sich die Geister der Experten. Grundsätzlich gilt: Das Eiklar sollte nicht im Hundenapf landen, weil es Avidin enthält, das Vitamin H, auch bekannt als Biotin, im Darm bindet. Bei zu häufiger Fütterung kommt es dann zu Biotin-Mangelerscheinungen. Das Fell wird stumpf und die Haut ist nicht mehr optimal gegen Infektionen geschützt, so dass Hauterkrankungen auftreten. Das Eigelb ist sehr reichhaltig an Vitaminen, essentiellen Fettsäuren und Spurenelementen. Selbst die Eierschale ist sehr empfehlenswert: Sie ist ein guter Lieferant von Calcium, das der Hund für seine Knochen benötigt. 2 -3 Eier in der Woche sind ein gutes Maß für eine ausgewogene Fütterung.

Öl

Verschiedene Öle ergänzen die ausgewogene Hundeernährung. Zum einen, werden sie benötigt, um die fettlöslichen Vitamine aus der Grünfütterung zu lösen, zum anderen aber auch enthalten sie wichtige Fettsäuren, die der Hundeorganismus selbst nicht bilden kann. Namentlich sind das die Linolsäure (LA) und die alpha-Linolensäure (ALA). Das  Nervensystem, die Gehirnentwicklung, das Sehvermögen, die Fruchtbarkeit, der Hautzustand und ein intaktes Immunsystem benötigen alle diese beiden Stoffe, sonst kann es zu Problemen kommen. Öle sollten allerdings immer kaltgepresst hergestellt worden sein, sonst sind diese beiden Fettsäuren, auf die es ankommt zerstört.  Mehr zum Thema ungesättigte Fettsäuren können Sie hier nachlesen.

Grundsätzliches zur Obst- und Gemüsefütterung

·         Vorab: Es gibt einige giftige Gemüse- und Obstsorten für Hunde, die wir in einem anderen Artikel aufführen. Grundsätzlich sollte man das „Grünzeug“ immer pürieren, weil Hunde die Zellwände der Pflanzen nicht aufspalten können. Ihnen fehlt das Enzym dafür. Aus diesem Grund müssen wir die Wände mechanisch zerstören. Am besten gelingt es, wenn man das Obst bzw. Gemüse, Salat püriert oder in den Mixer gibt. Es langt nicht, das Ganze nur mit einer Gabel oder ähnlichem zu zerdrücken. Dafür sind die einzelnen Bestandteile zu klein. Füttern Sie außerdem immer nur reifes oder überreifes Obst, ansonsten kann es zu Unverträglichkeiten, Blähungen bis hin zu Vergiftungen kommen. In Kernen ist Blausäure enthalten, die hochtoxisch ist. Entkernen Sie also großes Obst wie Pfirsiche oder Pflaumen immer, bevor sie es pürieren und achten Sie generell darauf, dass Ihr Hund keine Kerne beim Zernagen oder Spielen aufbeißt. Obst und Gemüse müssen immer mit ein wenig Öl verfüttert werden, weil viele Vitamine fettlöslich sind und ansonsten vom Hund nicht aufgenommen werden können.

·         Pürierter Gemüsemix mit Karotten, Spinat und Lauch, als Kohlenhydratquelle sind Kartoffeln untergemixt.

·         Fruchtmüsli mit pürierten Karotten, Äpfeln und Haferflocken als Kohlenhydratquelle.

·         Fruchtmischung mit pürierten Apfel, Birne, Banane, Mango und Reismehl als Kohlenhydratquelle.

·         Freilandgemüsemischung mit Kürbis, Kartoffeln, Fenchel, Naturreismehl und Rapsöl.

Wie viel Obst, Gemüse und Salat braucht mein Hund?

·         Als Faustregel gilt: 80% Fleisch, Innereien und Knochen. Die restlichen 20% sollten dann aus Obst, Gemüse und Salat bestehen. Die meisten Vitamine befinden sich in den grünen Teilen der Pflanzen. Also im Blattgrün, im Karottengrün oder ganz allgemein in den Salatblättern. Am besten ist es, dass Gemüse etc. frisch auf dem Wochenmarkt im Ort oder direkt beim Erzeuger zu kaufen, so ist es möglichst frisch und die Vitamine noch erhalten. Eine andere Möglichkeit ist tiefgefrorenes Gemüse, dieses wird direkt nach der Ernte schockgefroren, so dass auch hier noch die meisten wichtigen Vitamine und Mineralstoffe noch nicht zersetzt sind. Nicht zu empfehlen ist „frisches“ Gemüse aus anderen Ländern. Diese sind oft nicht nur schadstoffbelastet, sondern auch schon so lange gelagert und transportiert worden, dass sie kaum oder keine Vitamine mehr enthalten.
Vorsicht: Es gibt Gemüse- und Obstsorten, die für den Menschen unbedenklich sind, beim Hund aber zum Tod führen können, lesen Sie hier mehr.
Unbedenklich sind:
•    Salate,
•     Fenchel
•     Chinakohl
•     Gurke
•     Karotte
•     Sellerie
•     Kürbis
•     Mangold
•     Radieschen
•     Rettich
•     Rote Beete
•    Zucchini

Getreide und Kohlenhydrate

Bestimmte Getreidesorten können verfüttert werden, müssen aber nicht. Hier gibt es die absoluten Getreidegegner und die Befürworter. Ich persönlich verfüttere keines, habe aber auch einen Hund, der schnell an Gewicht zulegt. Bei schlechten Futterverwertern kann ein angemessener Zusatz von  Getreide oder Kohlenhydraten aber durchaus sinnvoll sein. Allerdings sollte nie mehr als die Hälfte einer Mahlzeit aus Kohlenhydraten bestehen. Füttern Sie nur glutenfreies Getreide, weil Gluten im Verdacht steht, beim Hund Allergien auszulösen. Reis, Hirse und Amaranth enthalten von Natur aus kein Gluten. Glutenfreie Nudeln, Reis, Kartoffeln und Süßkartoffeln sind gekocht gute Kohlenhydratlieferer. Weizen, Dinkel, Grünkern, Roggen und Gerste sollten Sie nicht füttern, weil sie Gluten enthalten. Hafer ist zwar glutenfrei, wird aber sehr oft mit anderen Getreidearten gemischt und kann also Gluten enthalten. Allerdings schadet es mit Sicherheit nicht, wenn man ab und an einen Esslöffel Haferflocken dem Futter zugibt.

Was füttere ich als Leckerli?

·         Rinderdörrfleisch

·         Dorschnuggets

·         Seelachsnuggets

·         Schweinehackbällchen

·         Rehfilet Streifen

·         Lamm-Fleischwürfel

·         Lamm-Lungenwürfel

·         Kaninchen-Fleischwürfel

·         Tackenberg Leckerlie

·         Als Erziehungsmittel, Bestechung oder einfach ein kleines Liebesbeweis – kaum ein Hundehalter kommt heutzutage noch ohne Leckerli aus. Das Angebot im Fachhandel ist gigantisch, allerdings muss man auch hier sehr vorsichtig sein. „Kaustange mit Huhn“, „Pansenknochen“ oder „Cracker mit Käse“ hört sich zwar sehr gut an, liest man aber dann die Inhaltsangabe, stößt es mir das eine oder andere mal sauer auf. Da sammeln sich Konservierungsstoffe, glutenhaltige Getreide und vieles mehr. Ein Fleischgehalt unter 4% ist keine Seltenheit. Immer mehr gibt es allerdings auch qualitativ hochwertige Leckereien, wie getrocknete Hühnerstreifen und ähnliches. Ich persönlich stelle meine Leckerli selber her, indem ich beispielsweise kleine Lungenstückchen trockne, Fleischwurst schneide oder Käse würfle. Hier darf es ruhig mal ein bisschen ungesund sein, schließlich ist es ja nur eine Kleinigkeit für Zwischendurch. Gerade getrocknete Lunge kann ich bei zu Übergewicht neigenden Hunden empfehlen, weil sie sehr mager ist. Alternativ kann man auch Hundekekse selber backen.

 

 

Mantrailing

 

Bei dieser Form der Nasenarbeit sucht der Hund eine Person anhand ihres Individualgeruches.
Jeder Mensch verliert pro Minute ca 40.000 Hautschuppen.
An diesen Hautschuppen haftet der Individualgeruch, der sich u.a. aus chemischen und biologischen Abbauprodukten des menschlichen Körpers wie z.B. Hormonen und Schweiß zusammensetzt.
Da wir alle eine unterschiedliche genetische Ausstattung haben, besitzen wir auch alle einen uns eigenen Individualgeruch.
Dieser Geruch ist so einzigartig wie ein Fingerabdruck.
Zu Beginn der Suche bekommt der Hund einen Geruchsartikel (GA) präsentiert, der den Geruch der Versteckperson (VP) trägt.
Dies kann z.B. ein T-Shirt, ein Handschuh, eine Mütze etc sein. Ebenso kann man Gegenstände verwenden, die die VP nur berührt hat; z.B. einen Stein.
Erstaunen löst es immer wieder aus, wenn die Hunde mit noch ungewöhnlicheren GAs arbeiten, indem sie beispielsweise an einem Ort abriechen, auf dem die VP gesessen hat oder mit einem GA arbeiten, den die VP nur kurz mit Handschuhen angefasst hat.
Auch Spucke ist als GA verwendbar.
All dies ist für die Hunde möglich und zeigt, wie feinnasig sie sind.
Nach der Geruchsaufnahme folgt der Hund der Geruchsspur, dem trail, und schafft es dabei alle anderen menschlichen Individualgerüche von dem zu suchenden zu differenzieren.
Dabei handelt es sich um Nasenarbeit auf allerhöchstem Niveau.

 

Hundeauslaufgebiete in Hamburg - Altona


Altona-Altstadt
Altona-Altstadt - Walter-Möller-Park, Nähe Holstenstrasse
Altona-Altstadt - Antonipark, Pinnasberg Strasse
Altona-Nord
Altona-Nord - Alsenpark, Eckernförderstrasse
Bahrenfeld
Bahrenfeld - Altonaer Volkspark, Parkplatz Grün
Bahrenfeld - Baurstrasse, Pfitznerstrasse
Blankenese
Blankenese - Sven-Simon-Park , Nähe Waldpark Falkenstein
Blankenese - Gosslers Park
Rissen
Rissen - Grünanlage an der Strasse Rüdigerau
Rissen - An der Wedeler Au, Höhe Brudhildstrasse
Rissen - Sülldorfer Landstrasse, Sieversstücken
Rissen - Wittenbergener Elbufer
Lurup
Lurup - Beim Rodelweg am Stückweg
Lurup - Vorhornweg, nordwestlich vom Friedhof
Osdorf
Osdorf - Hans Christian Andersen Park, Knabenweg
Ottensen
Ottensen - Große Brunnenstrasse
Ottensen - Rosengarten, Höhe Neumühlen
Othmarschen
Othmarschen - Groth-Park, Agathe-Lasch-Weg
Othmarschen - Jenischpark im Südosten
Nienstedten
Nienstedten - Westerpark, Eingang Jürgensallee
Sülldorf
Sülldorf - Waldpark Marienhöhe, östlicher Zentralteich


Hundeauslaufgebiete in Hamburg - Bergedorf

Allermöhe
Allermöhe - Eichbaumpark, an der Dove Elbe - mit Badestelle
Allermöhe - Gersonweg, Grünzug an der BAB
Bergedorf
Bergedorf - Neu-Allermöhe,Grünzug an der BAB mit Badestelle
Bergedorf - Ladenbeker Furtweg, Billwerder Billdeich
Bergedorf - Koppel, östlich Bethesda Krankenhaus
Bergedorf - Fritz-Lindemann-Weg, Reinbeker Redder,
Billwerder
Billwerder - Nördlich der S-Bahn zwischen Mittlerer Landweg bis Höhe Fockenweide
Lohbrügge
Lohbrügge - Harvighorster Moor, Strasse an der Kreisbahn
Lohbrügge - Reinbeker Redder, Harvighorster Weg
Lohbrügge - Grünes Zentrum Lohbrügge - mit Badestelle
Lohbrügge - Binnenfeldredder an der Landesgrenze
Lohbrügge - Heidkampsredder, An der Bornbek
Lohbrügge - Ladenbeker Furtweg , an der Bergedorfer Landstrasse
Lohbrügge - Forstfläche Sander Tannen
Ochsenwerder
Ochsenwerder - Overwerder Hauptdeich, Hohendeicher See, nordwestlicher Grünzug


Hundeauslaufgebiete in Hamburg - Eimsbüttel

Eidelstedt
Eidelstedt - Jaarsmoor, Redingskamp
Eimsbüttel
Eimsbüttel - Eidelstedter Weg, Ecke Heußweg
Eimsbüttel - Doormannsweg, Weberspark
Harvestehude
Harvestehude - Oberstrasse bei den Grindelhochhäusern
Harvestehude - Alstervorland, nördlich Fährdamm, DOGSTATION
Niendorf
Niendorf - Voßberg
Niendorf - Rahweg, Burgunderweg
Niendorf - Niendrofer Gehege
Niendorf - Garstedter Weg, Höhe Alwin-Lippert-Weg
Schnelsen
Schnelsen - Im Norden vom Wassermannpark
Stellingen
Stellingen - Stellinger Schweiz


Hundeauslaufgebiete in Hamburg - Harburg

Eißendorf
Eißendorf - Göhlbachtal neben dem Lohmühlenteich
Heimfeld
Heimfeld - Forstfläche Heimfelder Holz (zwischen Mayers Park und Heimfelder Strasse
Neugraben Fischbek
Neugraben Fischbek - Kiesgrube südlich Kiesbarg
Neugraben Fischbek - Am Ende des Falkenbergsweg, neben dem Heidefriedhof
Neugraben Fischbek - Rehrstieg,gegenüber der S-Bahn Neuwiedenthal
Marmstorf
Marmstorf - Langenbeeker Weg, im Süden des Harburger Stadtparks, DOGSTATION


Hundeauslaufgebiete in Hamburg - Mitte

Billstedt
Billstedt - Steinfurths, Diek neben der BAB
Billstedt - Öjendorfer Park, südöstlich des Sees, DOGSTATION
Hamm - Nord
Hamm - Nord - Casper-Voght-Strasse, Am Elisabeth Gehölz
Horn
Horn - Im Süden der Horner Rennbahn
Neustadt
Neustadt - Neustädter Neuer Weg, DOGSTATION
Rothenburgsort
Rothenburgsort - Elbpark Entenwerder
St.Georg
St.Georg - Lohmühlenpark
St.Pauli
St.Pauli - Pepermöhlenbek, Finkenstrasse
St.Pauli - Simon-von-Utrecht-Strasse, Ecke Schmuckstrasse


Hundeauslaufgebiete in Hamburg - Nord

Barmbek-Nord
Barmbek-Nord - Bramfelder Strasse an der Seebek
Dulsberg
Dulsberg - Nordschleswiger Strasse, Dulsberg Grünzug
Eppendorf
Eppendorf - Martinistrasse im Eppendorfer Park
Eppendorf - Kellinghusenpark, im Norden an der Goernestrasse
Fuhlsbüttel
Fuhlsbüttel - Hummelssbüttler Kirchenweg,in der Kleingartenanlage, südlich vom Teich
Langenhorn
Langenhorn - Fritz-Schuhmacher-Allee, zwischen Immenbarg und Herzmoor
Ohlsdorf
Ohlsdorf - Kerbelweg, Beisserstraße
Ohlsdorf - Alsterwiesen/Wellingsbüttler Landstrasse, Höhe Stübeheide
Uhlenhorst
Uhlenhorst - Fährhausstrasse, An der Aussenalster
Uhlenhorst - Immenhof, Kuhmühlenteich
Winterhude
Winterhude - City Nord, Hongkong Kehre
Winterhude - City Nord, Djakartaweg
Winterhude - City Nord, Singapurweg, Manilaweg
Winterhude - City Nord, Überseebrücke, Limaweg
Winterhude - City Nord, Hongkong Kehre
Winterhude - City Nord, Jahnring, Überseebrücke
Winterhude - City Nord, Jahnbrücke, Hebebrandtstrasse
Winterhude - Grünzug Bebelallee, nördlich Lattenkampsteig
Winterhude - Alte Wöhr, Saarlandstrasse am Barmbeker Stichkanal
Winterhude - Stadtpark im Süden vom Sierichschen Gehölz, DOGSTATION


Hundeauslaufgebiete in Hamburg - Wandsbek

Bramfeld
Bramfeld - Grünzug, Steilshooper Allee
Bramfeld - Am Stühm Süd, Kienholt
Eilbek
Eilbek - Friedenstrasse, im Südosten vom Jacobipark
Eilbek - Am Eilbekkanal, Eilenau, von Essenstrasse
Farmsen-Berne
Farmsen-Berne - Berner Heerweg, Höhe Bus Brookshöhe, südlich vom Regenrückhaltebecken
Hummelsbüttel
Hummelsbüttel - Tegelsbarg, Högenredder
Jenfeld
Jenfeld - Elsa-Brandström-Strasse, Holstenhofweg, An der BAB
Jenfeld - Schiffbeker Weg, Elfsaal
Poppenbüttel
Poppenbüttel - ehemaliger Campingplatz, südlich vom Kupferteich
Poppenbüttel - Poppenbutteler Landstrasse, Alsterwanderweg, Minsbek
Rahlstedt
Rahlstedt - Egilskamp, Leharstrasse
Rahlstedt - Westllich Hellmesberger Weg, nähe Zellerstrasse
Rahlstedt - Höltigbaum, Sackgasse Eichberg
Sasel
Sasel - Zinnkrautweg, Saseler Mühlenweg
Steilshoop
Steilshoop - Edwin-Scharff-Ring
Tonndorf
Tonndorf - Wandseg-Grünzug, Nordmarkstrasse, Am hohen Hause
Volksdorf
Volksdorf - Halenreie, Katthorstpark
Wandsbek
Wandsbek - Wandseg-Grünzug, bei der Hopfenkarre, Oskarstrasse
Wandsbek - Wandseg-Grünzug, Hogrevestieg

Quelle: Stadt Hamburg


Berichte und/oder Tipps von Hundebesitzern zu Freilaufflächen in Hamburg.

Ein sehr schöner Hundeauslauf liegt am Kupferteich, in Hamburg Poppenbüttel,früher war das ein Campinggelände.Geht ab von der Harksheiderstrasse und müsste allen Poppenbüttlern bei Nachfragen, bekannt sein.Hier können die Hunde richtig toben, da dieser Auslauf eigentlich sehr groß ist.Der Hundeauslauf ist nicht umzäunt und schließt an den Kupferteich, ein bekanntes Ausflugsziel für Mensch und Hund an. Ist der Hund erzogen, "regt" es hier auch niemanden auf, wenn er mit ihnen um den Kupferteich "wandert" ( baden kann er hier sogar auch). Auf dem Auslaufgelände findet Hundetraining statt und es werden Prüfungen für den Gehorsamstest gemacht. Also, alles vorhanden. Viel Spaß!

Welpen

Canine Demodikose

Haarausfall und leichte Hautrötung an der Halsunterseite bei einem Mops mit Demodikose

Die canine Demodikose ist eine häufige, durch die übermäßige Vermehrung der Haarbalgmilbe Demodex canis hervorgerufene, parasitäre Hauterkrankung der Hunde (Canidae). Sie kann örtlich begrenzt oder am ganzen Körper auftreten. Die Demodikose entsteht bei älteren Tieren nur im Zusammenhang mit Störungen des Immunsystems, bei Jungtieren ist die Entstehung der Krankheit nicht vollständig aufgeklärt. Die Demodikose beginnt zumeist mit Haarausfall und ohne Juckreiz. Im weiteren Verlauf können sich durch eine bakterielle Sekundärinfektion stärkere Hautveränderungen bis zu einer eitrigen Hautentzündung (Pyodermie) entwickeln. Die Krankheit wird durch den mikroskopischen Nachweis der Milben festgestellt. Die Behandlung erfolgt mit milbenwirksamen Medikamenten.

Krankheitsursache

Demodex canis

Auslöser einer Demodikose ist vor allem Demodex canis. Demodex canis ist eine schlanke, etwa 250 bis 300 µm lange und 40 µm dicke Milbe, die in den Haarbälgen (Haarfollikeln) und Talgdrüsen parasitiert. Dort ernährt sie sich von Talg, Gewebsflüssigkeit und den natürlich abgestoßenen Zellen. In geringer Zahl kommen diese Milben als Kommensale auch bei vielen klinisch gesunden Tieren vor. Die weiblichen Milben legen Eier, die sich über ein Larven- und Nymphenstadium zu den erwachsenen Milben entwickeln. Der gesamte Entwicklungszyklus findet in den Haarbälgen statt und dauert 20 bis 35 Tage. Außerhalb des Wirtes sind Haarbalgmilben nicht überlebensfähig und sterben infolge Austrocknung schnell ab. Haarbalgmilben produzieren keinen Kot, sondern lagern Stoffwechselabbauprodukte in Zellen des Darmtrakts ein, so dass sie kaum eine Immunantwort provozieren.

In jüngerer Zeit wurden weitere Demodex-canis-ähnliche Milben beschrieben, die größer bzw. kleiner sind. Die kürzere Milbe wurde Demodex cornei,[1] die längere Demodex injai[2] genannt. Demodex cornei lebt vor allem auf der Hautoberfläche und kann in Kombination mit Demodex canis auftreten. Demodex injai scheint sich vor allem in den Talgdrüsen aufzuhalten.

Krankheitsentstehung und Verbreitung

Die Übertragung der Demodex-Milben erfolgt zumeist schon im Alter von wenigen Lebenstagen von der Hündin auf die Welpen beim Säugen. Diese Infektion bleibt aber in der Regel symptomlos. Eine Übertragung von Hund zu Hund nach dem dritten Lebenstag gilt als unwahrscheinlich. Zum Ausbruch einer Demodikose kommt es erst viel später, wenn sich diese Milben stark vermehren. Betroffene Jungtiere scheinen keine Störungen des Immunsystems zu haben. Lediglich eine vorübergehende Verminderung der T-Zell-Immunität wird beobachtet, die unter Umständen aber nur Folge der Erkrankung ist. Bei älteren Tieren kommt es meist durch Störungen des Immunsystems (Tumore, Nebennierenüberfunktion, Schilddrüsenunterfunktion, Leishmaniose, Mangelernährung sowie Behandlung mit Glukokortikoiden, anderen Immunsuppressiva, Progesteron oder Chemotherapeutika) zu einer Demodikose.

Der Erreger verursacht bei Krankheitsausbruch eine Schädigung der beim Hund zusammengesetzten Haarfollikel (bis zu 20 Haare pro Follikel) und eine Störung der Haarbildung.

Die Demodikose tritt weltweit auf. Eine erhöhte Krankheitsneigung bestimmter Hunderassen (Rasseprädisposition) wird in Europa, im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten, nicht beobachtet. In Amerika sind vor allem Englische Bulldogge, Französische Bulldogge, Mops, Dobermann, Deutscher Schäferhund und einige Terrier betroffen. Dies wird dadurch erklärt, dass in Europa immungeschwächte Tiere („Kümmerer“) nicht zur Zucht verwendet werden. Darüber hinaus scheint es eine individuelle genetische Prädisposition zu geben.

Eine Übertragung auf andere Spezies findet nicht statt, da Haarbalgmilben streng wirtsspezifisch sind.

Klinisches Bild

Demodex-canis-Infektionen

Das erste Zeichen einer Demodikose durch Demodex canis ist zumeist Haarausfall (Alopezie), der nur an umschriebenen Stellen oder auch am ganzen Körper (generalisiert) auftreten kann. Häufig tritt an den haarlosen Stellen eine vermehrte Talg- (Seborrhö) oder Schuppenbildung auf. In einigen Fällen können letztere Symptome auch ohne Haarverlust auftreten. Später kann es zu einer grauen Verfärbung der geschädigten Areale kommen. Bis zu diesem Stadium ist zumeist kein Juckreiz vorhanden.

Bei Jungtieren (jünger als 18 Monate) beginnen die Veränderungen zumeist im Gesichtsbereich („Brillenbildung“, Lefzen, Kinn) und/oder an den Gliedmaßen. Zumeist heilt diese Erkrankung auch ohne Behandlung nach wenigen Wochen ab, sie kann sich aber auch weiter ausdehnen und in eine generalisierte Demodikose übergehen.

Im weiteren Verlauf ist das klinische Bild durch eine bakterielle Sekundärinfektion, vor allem mit Staphylokokken, seltener auch mit Proteus, Klebsiellen oder Escherichia coli gekennzeichnet. Es kommt zu einer Follikulitis, Furunkulose und übermäßigen Verhornung (Hyperkeratose). Gelegentlich kann sich dieses Stadium der Erkrankung auch durch Pusteln manifestieren. Bei tiefem Eindringen der Bakterien in die Haut entwickelt sich eine eitrige Hautentzündung (Pyodermie) mit Bildung von Krusten und Schwellungen der Lymphknoten.

Sonderformen sind der Befall der Haut der Füße und des Ohrs. Der Befall der Füße (Pododemodikose) äußert sich in Rötung und Schwellung (Ödem) im Zwischenzehenbereich; in ausgeprägten Fällen entwickeln sich Granulome und Fisteln, so dass das Bild einer chronischen Pododermatitis entsteht. Der Befall des äußeren Gehörgangs (Otodemodikose) wird vor allem bei generalisierter Demodikose beobachtet und ist durch ein bräunliches Sekret gekennzeichnet.

Infektionen mit anderen Demodex-Milben

Demodex-injai-Infektionen äußern sich zumeist mit erhöhter Talgproduktion („fettige Haut“), schlechter Haarqualität mit schütterem Haar und vor allem am Rücken auftretendem Juckreiz. Auch Papeln, Pusteln oder „Mitesser“ können auftreten. Diese Form der Demodikose wird vor allem bei Terriern beobachtet. Demodex-cornei-Infektionen zeigen sich in Rötungen der Haut, Schuppenbildung und ausgeprägtem Juckreiz.[3]

Untersuchungsmethoden

Demodex canis im mikroskopischen Bild eines Hautgeschabsels

Die Diagnose erfolgt durch Nachweis lebender Milben in den Haarfollikeln. Dazu muss in der Regel ein tiefes Hautgeschabsel entnommen werden. Auch mit Herausziehen eines Haarbüschels („hair pluck“), dem Ausquetschen der Haarfollikel bzw. Talgdrüsen mit einer Klemme oder einer Hautbiopsie kann Probenmaterial für die anschließende mikroskopische Untersuchung gewonnen werden. Hautbiopsien sind vor allem bei Pododemodikose mit Granulombildung sowie Rassen mit sehr dicker Haut (Englische Bulldogge, Shar-Pei) sinnvoll, da ein Hautgeschabsel von ausreichender Tiefe hier selten gelingt. Insgesamt ist die Zahl nachgewiesener Milben im Hautgeschabsel größer als mit den anderen Methoden.[4]

Vor allem bei Therapiekontrollen (siehe unten) dürfen keine Aufhellungspräparate mit Kaliumhydroxid angefertigt werden, da dann die Einschätzung der Vitalität der Milben nicht möglich ist. Die Proben sollten daher nur in einen auf einen Objektträger aufgebrachten Tropfen Paraffinöl eingebettet werden. Empfehlenswert ist es, das Präparat vor der Untersuchung etwa 10 Minuten liegen zu lassen, weil die Haarbalgmilben dann aus den Wurzelscheiden der Haare auswandern und somit besser sichtbar sind. Zu beachten ist, dass einzelne Haarbalgmilben einen physiologischen Befund darstellen können, also nur eine deutliche Ansammlung mit Vorhandensein von Eiern, Larven und Nymphen in Zusammenhang mit dem klinischen Bild als eindeutige Diagnose gilt.[5]

Bei stärkerem Befall können Milben auch über die Lymphgefäße in regionäre Lymphknoten gelangen oder durch orale Aufnahme beim Belecken auch im Kot nachgewiesen werden.

Bei bakterieller Sekundärinfektion wird der Erregernachweis durch bakteriologische Untersuchung und die Anfertigung eines Antibiogramms empfohlen.

Behandlung

Eine lokale Demodikose bei Jungtieren bildet sich in 90 % der Fälle wieder spontan zurück. Ob eine Behandlung sinnvoll ist oder nicht, ist in der Literatur umstritten. Zum einen wird sie empfohlen, um eine Generalisierung zu vermeiden, zum anderen wird empfohlen, gerade die mögliche Generalisierung abzuwarten, um sie als Zuchtausschlusskriterium (siehe unten) nutzen zu können. Eine lokale äußerliche (topische) Behandlung zum Beispiel durch Auftragen eines Gels mit Benzoylperoxid, Chlorhexidin oder Rotenon ist dabei zumeist ausreichend. Benzoylperoxid dringt zwar gut in die Haarfollikel ein, wirkt allerdings stark austrocknend und zum Teil hautreizend.[3] Eine ausgeprägte Demodikose ist generell mit einer Ganzkörperbehandlung zu therapieren.

Sowohl bei lokaler als auch systemischer Demodikose hat sich die regelmäßige Waschbehandlung mit Amitraz bewährt.[6] Einige Zwerghunderassen (Chihuahua, Malteser) reagieren allerdings sehr empfindlich auf diesen Wirkstoff, so dass der Einsatz bei diesen nicht empfohlen wird. Bei starkem Befall wird bei langhaarigen Hunden eine vollständige Schur empfohlen, da der Wirkstoff die Haut gut benetzen muss, um tief genug in die Haarbälge eindringen zu können. Bei starker bakterieller Sekundärinfektion ist zunächst diese zu behandeln, z. B. durch Scheren der betroffenen Partien, Reinigen mit desinfizierend wirkenden Waschlösungen und systemischer Verabreichung von Antibiotika, da Amitraz nicht auf größere Wunden aufgebracht werden sollte. Seit Juni 2009 ist auch ein Spot-On-Präparat mit Amitraz zur Behandlung der Demodikose zugelassen, das nur 14-täglich aufgetragen werden muss. Insbesondere bei lokaler Demodikose ist eine 14-tägliche Therapiekontrolle sinnvoll, um einem zu frühen Abbruch der Behandlung und damit der Gefahr der Entstehung einer generalisierten Demodikose vorzubeugen. Ein sich abzeichnender Behandlungserfolg ist anhand der Abnahme der Zahl lebender Milben, der Zunahme verkrüppelter Milben und der Abnahme der Larven sichtbar. Eine vollständige Ausheilung wird durch nachgewachsene Haare und fehlenden Nachweis lebender Milben angezeigt und gelingt mit Amitraz etwa in 80 % der Fälle. In etwa 40 % der Fälle treten Nebenwirkungen wie Abgeschlagenheit und Juckreiz auf, die durch stärkere Verdünnung oder Verminderung der Behandlungsfrequenz reduziert werden können. Gelegentlich können auch schwerere Nebenwirkungen wie Fressunlust, Ataxie sowie vermehrter Durst und Harnabsatz auftreten. Da Amitraz auch zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels führt, ist der Einsatz bei zuckerkranken Hunden kontraindiziert.

Die systemische Behandlung mit Ivermectin, Moxidectin oder Milbemycinoxim ist ebenfalls gut wirksam und wird vor allem bei Therapieversagern mit Amitraz eingesetzt. Diese Wirkstoffe werden täglich peroral bis zur erfolgreichen Therapiekontrolle (s. u.) verabreicht.[6] Zu beachten ist, dass einige Hunderassen und Welpen unter 12 Wochen aufgrund der insuffizienten Blut-Hirn-Schranke sehr empfindlich auf einige Avermectine reagieren (→ MDR1-Defekt) und es in Deutschland mit Moxidectin nur ein einziges für Hunde zugelassenes Avermectin-Präparat gibt. Die Behandlung mit Milbemycinoxim ist auch bei Avermectin-empfindlichen Hunden möglich. Sie muss aber im Regelfall über etwa 70 Tage durchgeführt werden[7] und ist daher sehr kostenintensiv.[3]

Aufgrund deutlicher Nebenwirkungen und der Gefahr von Vergiftungen werden Akarizide auf der Basis organischer Phosphorsäureester heute kaum noch angewendet.

Unterstützend kann Vitamin E verabreicht werden. Tritt eine Demodikose bei Hündinnen im Zusammenhang mit der Läufigkeit zyklisch auf, ist eine Kastration zu erwägen. Eine Behandlung mit Glukokortikoiden oder Progesteron ist bei Demodikose kontraindiziert.

Bei bakterieller Sekundärinfektion ist zusätzlich zur Milbenbekämpfung eine lokale Behandlung mit desinfizierenden Lösungen (Benzoylperoxid, Chlorhexidin, Povidon-Iod) oder Antibiotika, bei schweren Pyodermien auch die systemische Verabreichung von Antibiotika vor der eigentlichen Milbenbekämpfung angezeigt.[3]

Behandlungsaussicht

Die Behandlung ist bei lokalisierter Demodikose zumeist erfolgreich. Von einer erfolgreichen Therapie wird ausgegangen, wenn sich in zwei, im Abstand von zwei Wochen aufeinanderfolgenden Hautuntersuchungen von vier bis fünf verschiedenen Stellen keine lebenden Milben mehr nachweisen lassen.[3] Schwere, generalisierte Formen und die Pododemodikose können sich als therapieresistent erweisen, insbesondere wenn nicht behebbare Störungen des Immunsystems oder fördernde Primärleiden vorliegen. Die Gefahr von Rezidiven sinkt deutlich, wenn das betroffene Tier ein Jahr symptomfrei bleibt. Bei einigen Tieren kann eine Symptomfreiheit nur durch lebenslange Gabe von Amitraz oder Ivermectin erreicht werden.

Die American Academy of Veterinary Dermatology empfiehlt bei einer generalisierten Demodikose eines Jungtieres oder rezidivierenden Demodikosen den Ausschluss des betroffenen Tieres sowie seiner Eltern und Geschwister von der Zucht.[8]

Leinenruck

Der Leinenruck, bei häufiger und systematischer Anwendung in der Hundeerziehung und -ausbildung auch als Leinenruck-Methode bezeichnet, ist ein Starkzwangmittel zur Erziehung und Ausbildung von Hunden. Seine Verwendung als Ausbildungsmethode kann gegen die Grundsätze des Tierschutzes verstoßen.

Anwendung und Wirkungsweise

Zeigt ein angeleinter Hund ein unerwünschtes Verhalten, oder bleibt ein erwünschtes Verhalten aus, wird durch einen unerwarteten kräftigen Zug an der Leine ein Schmerzreiz ausgelöst. Dabei macht man sich zu Nutze, dass bei Hunden die Kehle ebenso wie die Halswirbelsäule besonders schmerzempfindlich ist.[1] [2] Der Hund soll auf diese Weise das unerwünschte Verhalten mit dem unangenehmen Schmerz verbinden und daher künftig nicht mehr zeigen. Der Leinenruck wird damit zum aversiven Reiz (lateinisch aversio = das (Sich)abwenden, siehe instrumentelle und operante Konditionierung). Auf die gleiche Weise soll der Hund daran gehindert werden, ein gegebenes Kommando nicht auszuführen und also ein erwünschtes Verhalten nicht zu zeigen.

Gesundheitliche Risiken

Ein starker Ruck kann bei Hunden über die unmittelbare Schmerzwirkung hinaus zu einer Reihe von erheblichen Gesundheitsstörungen führen.

Wirbelsäule

In erster Linie sind Rückenprobleme zu nennen. In einer Studie wurde ermittelt, dass 91 Prozent aller Hunde mit Halswirbelschädigungen mit Leinenruck ausgebildet worden waren oder notorische „Leinenzieher" waren. Die Schäden waren am schwersten bei der Verwendung von Würgeketten in Kombination mit der Anwendung des Leinenrucks. Aus den Erkrankungen der Wirbelsäule resultieren wiederum Symptome wie Nacken- und Rückenschmerzen, Kopfschmerzen und Schwindelgefühl. Es kann zu Nervenschädigungen im Halsbereich kommen. Darüber hinaus können Bandscheibenvorfall, arthrotische Umformung der seitlichen Wirbelgelenke und Spondylose auftreten, als Spätfolgen auch noch Jahre nach Ende der Misshandlungen.[2]

Atemwege

Der Kehlkopf ist ebenfalls verletzungsgefährdet: Hier kann es zu chronischer Kehlkopfentzündung, Kehlkopfblutungen, Nervenschädigungen und zum Bruch der Knorpel kommen. Bei der kombinierten Anwendung des Leinenrucks mit Würge- oder Stachelhalsbändern kann es durch den auf den Hals wirkenden Druck zu Verletzungen der Luftröhre kommen, das Unterbinden der Atmung kann zu Lungenödemen führen.[3]

Augen

Durch die Kompression des Halsbereiches kann es zu einer deutlichen Steigerung des Augeninnendrucks kommen, mögliche Folgen reichen bis zum Entstehen von Glaukomen oder einer Verschlimmerung eines bestehenden Glaukoms.[4]

Aggression

Ein wiederholt in ungeeigneten Situationen ausgeführter Leinenruck kann dazu führen, dass der betroffene Hund aggressives Verhalten in Bezug auf diese Situationen entwickelt. So kann ein Hund, der einen Menschen (in nicht gefahrdrohender Weise) anspringt oder sich in freundlicher Absicht einem anderen Hund nähert und unerwartet mit dem Schmerz des Leinenrucks konfrontiert wird, diesen Schmerzreiz mit der Situation oder der Person bzw. dem anderen Hund verknüpfen und sich zukünftig aggressiv verhalten.[1]

Darüber hinaus ist festgestellt worden, dass der durch Folgeschäden des Leinenrucks ausgelöste Schmerz – hier sind insbesondere Rückenschmerzen zu nennen – bei Hunden zu einer gesteigerten Aggressionsbereitschaft führen kann.[2]

Tierschutzrelevanz

Die Anwendung kann in Deutschland nach dem Tierschutzgesetz als Ordnungswidrigkeit geahndet werden. Wenn Verletzungen mit anhaltenden starken Schmerzen auftreten, kommt auch eine strafrechtliche Verfolgung in Betracht.[5] In Österreich ist es nach § 5, Absatz 2, Ziffer 3 b) Bundestierschutzgesetz Tierquälerei, Hilfsmittel zu verwenden, die darauf abzielen, das Verhalten eines Tieres durch Härte oder durch Strafreize zu beeinflussen. Tierquälerei ist in Österreich eine Straftat.

Giardien beim Hund

Definition:

Hundekot -Tuetenspender - Giardien beim Hund

Damit sich Giardien beim Hund nicht verbreiten, ist es immer sinnvoll, den Hundekot zu beseitigen. Foto: vetproduction

Was sind Giardien beim Hund?

Giardien beim Hund sind einzellige Dünndarm-Parasiten, die  unter Umständen zu Durchfall und Erbrechen bei Hunden führen. Vor allem Welpen und Hunde mit einem geschwächten Immunsystem zeigen bei einer Infektion Symptome.

Ein von Giardien befallener Hund ist sehr infektiös, deshalb breiten sich die Parasiten in Zwingern oder Tierheimen mit mehreren Hunden schnell aus. Weltweit kommen unterschiedliche Giardien beim Hund vor, vor allem der Erreger Giardia duodenalis spielen eine wichtige Rolle.

Ursachen:

Was sind die Ursachen für Giardien beim Hund?

Die Giardien beim Hund überleben als sogenannte Zysten im Kot infizierter Hunde bis zu einer Woche, im Boden oder kalten Wasser bis zu mehreren Wochen. Die Hunde stecken sich über den infizierten Kot, besiedeltes Wasser oder Nahrung, sowie den Kontakt zu erkrankten Hunden mit Giardien an – zum Beispiel, indem sie infizierte Hunde ablecken.

Der Kot junger Hunde ist besonders infektiös, da er in der Regel große Mengen an Giardien-Zysten enthält.

Symptome:

Wie äußern sich Giardien beim Hund?

Symptome bei Giardien beim Hund treten vor allem bei Welpen oder Hunden mit einem geschwächten Immunsystem auf. Bei gesunden, kräftigen ausgewachsenen Tieren verläuft eine Ansteckung mit Giardien oftmals symptomlos. Die typischen Anzeichen einer Giardien sind starker, wiederkehrender Durchfall beim Hund. In einigen Fällen ist dieser leicht blutig, manchmal schaumig und/oder von Schleimspuren durchsetzt.

Junge Hunde, die sich mit Giardien angesteckt haben, erbrechen bisweilen, verlieren an Gewicht und leiden teilweise unter Wachstumsstörungen und Hautentzündungen. Oft haben sie ein stumpfes, mattes Fell. Ein Befall mit Giardien kann den Verlauf einer bestehenden Darmerkrankung verschlimmern und weitere Erkrankungen begünstigen.

Diagnose:

Wie werden Giardien beim Hund diagnostiziert?

Leidet der Hund unter länger andauernden Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall und Erbrechen, empfiehlt es sich, einen Tierarzt aufzusuchen. Um Giardien beim Hund diagnostizieren zu können, untersucht dieser den Hund zunächst auf Schmerzen und weitere körperliche Beschwerden. Anschließend überprüft er in der Regel das Aussehen, den Geruch und die Konsistenz des Hundekots.

Zudem wird der Kot des Hundes beim Tierarzt auf Parasiten untersucht. Zum Nachweis von Giardien beim Hund eignet sich zum Beispiel der sogenannte ELISA-Test, ein Labortest. Seit einiger Zeit stehen zudem verschiedene Schnelltests zur Verfügung, um Giardien beim Hund nachzuweisen. In manchen Fällen entnimmt der Tierarzt während einer Darmspiegelung eine Flüssigkeitsprobe aus dem Zwölffinderdarm des Hundes und testet diese auf Parasiten.

Behandlung:

Wie können Giardien beim Hund behandelt werden?

Der Tierarzt behandelt Giardien beim Hund mit speziellen Medikamenten (z.B. Fenbendazol, Metronidazol), welche die Parasiten meist zuverlässig abtöten. In der Regel wird der Hund mehrere Tage lang behandelt, gegebenenfalls muss die Behandlung nach zwei bis drei Wochen wiederholt werden.

Als Tierhalter empfiehlt es sich – in Absprache mit dem Tierarzt – dem Hund während der Behandlung kohlenhydratarmes Futter ohne Milchprodukte zu füttern. Zusätzlich sollte der Kot des Hundes in dieser Zeit eingesammelt und über den Hausmüll entsorgt werden. Um eine erneute Infektion zu vermeiden, ist es sinnvoll, Liegeplätze und Zwinger zu desinfizieren sowie den Hund gründlich zu reinigen (zum Beispiel zu baden). Giardien können in einigen Fällen auch den Menschen befallen, daher ist eine ausreichende Hygiene wichtig, wie gründliches Händewaschen, nachdem man den Hund gestreichelt hat.

Prognose:

Wie ist die Prognose von Giardien beim Hund?

Bei einer entsprechenden Behandlung ist die Prognose von Giardien beim Hund günstig. Allerdings ist eine ausreichende Hygiene notwendig, um Rückfälle zu vermeiden. Diese treten trotz aller Maßnahmen immer wieder auf. In diesem Fall ist eine erneute Behandlung des Hundes erforderlich.

Vorbeugen:

Wie kann man Giardien beim Hund vorbeugen?

Um Rückfälle von Giardien beim Hund zu verhindern, oder um zu vermeiden, dass sich die Parasiten in einem Bestand mit mehreren Hunden ausbreiten, ist eine ausreichende Hygiene notwendig:

  • Reinigen Sie Schlafplätze, Zwinger, Futternäpfe und Ähnliches gründlich.
  • Trocknen Sie anschließend alles gut ab, da sich die Giardien vor allem in feuchtem Klima wohl fühlen.
  • Sammeln Sie den Hundekot ein und entsorgen Sie ihn über den Hausmüll.
  • Waschen Sie den Hund (bei einem Haushalt mit mehreren Hunden, alle Tiere) gründlich.
  • Achten Sie selbst auf sorgfältige Hygiene; Giardien können auch auf den Menschen übertragen werden.

Wann zum Tierarzt?

Muss ein Hund mit Giardien zum Tierarzt?

Giardien beim Hund können zu hartnäckigen und unangenehmen Symptomen wie Durchfall und Erbrechen führen. Deshalb ist es sinnvoll, bei ersten Krankheitszeichen einen Tierarzt aufzusuchen. Dieser findet heraus, woran der Hund leidet und leitet die entsprechende Behandlung ein.

 

 

Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypothyreose) beim Hund

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Definition:

Golden Retriever

Experten vermuten, dass einige Rassen, wie der Golden Retriever anfälliger für eine Hypothyreose sind. Hier ein gesunder Hund. Foto: vetproduction

Was ist eine Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypothyreose) beim Hund?

Eine Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypothyreose) ist eine häufig auftretende Hormonerkrankung beim Hund. Die Schilddrüse ist ein hormonproduzierendes Organ, das lappenförmig rechts und links der Luftröhre (Trachea) am Hals des Hundes liegt. Die Schilddrüsen-Hormone (Thyroxin = T4, Trijodthyronin = T3) regulieren im Körper den Zucker-, Fett- und Eiweißstoffwechsel und haben somit eine zentrale Rolle bei allen Körperfunktionen. Ein Mangel an Schilddrüsen-Hormonen wirkt sich auf fast alle Organe des Hundes aus.

Eine Schilddrüsen-Unterfunktion beim Hund kommt häufiger bei großen Rassen vor. Experten vermuten, dass einige Rassen, wie der Golden Retriever und der Dobermann-Pinscher, anfälliger für eine Hypothyreose sind.

Bei einer Schilddrüsen-Unterfunktion produziert die Schilddrüse des Hundes nicht ausreichend Schilddrüsen-Hormon Thyroxin. Die häufigsten Ursachen sind eine Entzündung der Schilddrüse (lymphozytäre Thyreoiditis) und die Zurückbildung der Schilddrüse ohne bekannte Ursache (idiopathische Atrophie). Es wird vermutet, dass die Schilddrüsen-Entzündung autoimmun bedingt ist, das heißt dass körpereigene Antikörper das Schilddrüsen-Gewebe des Hundes angreifen. Andere mögliche Ursachen einer Schilddrüsen-Unterfunktion beim Hund sind Jodmangel, Erkrankungen der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), Schilddrüsen-Tumoren, die operative Entfernung der Schilddrüse sowie eine angeborene Schilddrüsen-Unterfunktion.

Die Schilddrüsen-Unterfunktion beim Hund kann sich mit vielen Symptomen äußern. Durch den Mangel an Schilddrüsen-Hormonen wird der Hund träge, müde und nimmt zu. Sein Haarkleid wird dünner, stellenweise tritt Haarausfall auf, die Ohren können entzündet sein. Alle Organe sind von dem Schilddrüsen-Hormon-Mangel betroffen: Der Herzschlag des Hundes wird langsamer, es kann zu Muskelkrämpfen und Lähmungen sowie zu Magen-Darm-Beschwerden kommen.

Ursachen:

Was sind die Ursachen der Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypothyreose) beim Hund?

Bei einer Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypothyreose) beim Hund produziert die Schilddrüse nicht genügen Schilddrüsen-Hormone. Zwei Ursachen sind häufig: So kann die Schilddrüse entzündet sein (lymphozytäre Thyreoiditis) oder sich ohne erkennbaren Grund zurückbilden (idiopathische Atrophie). Experten vermuten, dass die Entzündung der Schilddrüse autoimmun bedingt ist, das heißt dass körpereigene Antikörper das eigene Schilddrüsen-Gewebe des Hundes angreifen.

Die Schilddrüsen-Unterfunktion kann beim Hund auch angeboren sein. Oftmals werden die Welpen dann bereits tot geboren oder bleiben in der Entwicklung weit hinter ihren Wurfgeschwistern zurück. Auch Tumoren der Schilddrüse sowie Erkrankungen der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) können eine Schilddrüsen-Unterfunktion beim Hund hervorrufen. Bestimmte Medikamente oder auch schwere Erkrankungen führen gelegentlich ebenfalls zu einer Schilddrüsen-Unterfunktion beim Hund (Euthyreot Sick Syndrom).

Symptome:

Wie äußert sich die Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypothyreose) beim Hund?

Die Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypothyreose) beim Hund kann sich mit vielen Symptomen äußern. Die Krankheit entwickelt sich schleichend, somit sind die Symptome zum Beginn nur schwach ausgeprägt. Da die Schilddrüsen-Hormone eine zentrale Rolle im Fett-, Zucker- und Eiweißhaushalt des Hundes einnehmen, sind sie an fast allen Funktionen der Organe beteiligt.

Folgende Symptome können bei einer Schilddrüsen-Unterfunktion beim Hund auftreten:

  • Der Hund kann müde und träge sein und sich weniger bewegen. Oftmals nimmt er an Gewicht zu.
  • Ein Hund mit Schilddrüsen-Unterfunktion wird empfindlich gegenüber Kälte.
  • Das Haarkleid wird dünner, es kann zu teilweisem oder komplettem Haarausfall (Alopezie) kommen. Oft treten Ohrentzündungen auf. Die Haare am Schwanz können ausfallen, sodass dieser aussieht wie ein „Rattenschwanz“.
  • Die Haut ist bei einer Schilddrüsen-Unterfunktion trocken und neigt zu Entzündungen, stellenweise ist sie verdickt. Im Kopfbereich kann dies zu einem „traurigem Gesichtsausdruck“ führen.
  • Auch die Fortpflanzung kann bei einer Schilddrüsen-Unterfunktion betroffen sein. So werden die Hoden beim Rüden oft kleiner, während bei der Hündin die Läufigkeit ausbleibt oder die Blutung länger andauert.
  • Es kann zu Schwäche, Lähmung oder unkoordiniertem Laufen kommen.
  • Der Herzschlag des Hundes ist bei einer Schilddrüsen-Unterfunktion ist oft verlangsamt oder unregelmäßig.
  • Verstopfung oder Durchfall können ebenso auftreten wie eine Störung der Speiseröhren-Bewegungen.
  • Weitere mögliche Symptome einer Schilddrüsen-Unterfunktion beim Hund sind Blutarmut und Blutgerinnungsstörungen.

Diagnose:

Tabletten

Der Tierarzt behandelt eine Schilddrüsen-Unterfunktion beim Hund durch die Gabe der fehlenden Schilddrüsen-Hormone. Foto: vetproduction

Wie wird die Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypothyreose) beim Hund diagnostiziert?

Der Tierarzt diagnostiziert eine Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypothyreose) beim Hund durch eine Blutuntersuchung. Zunächst bestimmt er den Schilddrüsen-Hormon-Wert (Thyroxin T4) im Blut. Dieser ist bei einer Schilddrüsen-Unterfunktion des Hundes niedriger als normal.

Besteht der Verdacht auf eine Schilddrüsen-Unterfunktion, führt der Tierarzt einen Schilddrüsen-Funktionstest durch. Hierbei verabreicht er dem Hund ein Hormon, welches bei einer gesunden Schilddrüse bewirkt, dass die Schilddrüse mehr Schilddrüsen-Hormon freisetzt (es käme dann zu einem Anstieg von T4 im Blut des Hundes). Damit lässt sich prüfen, ob die Schilddrüsen-Hormone niedrig sind, weil eine Schilddrüsen-Unterfunktion vorliegt, oder ob eine andere Erkrankung die Ursache für die niedrigen Schilddrüsen-Werte des Hundes ist. Denn weitere Krankheiten, beispielsweise Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), können ebenfalls niedrige Schilddrüsen-Werte verursachen.

Zusätzlich kann zur Diagnose einer Schilddrüsen-Unterfunktion eine Ultraschall-Untersuchung der Schilddrüse durchgeführt werden. Diese Untersuchung nehmen Tierärzte aber nicht routinemäßig vor. Sind die Blutergebnisse nicht eindeutig, kann eine sogenannte diagnostische Therapie vorgenommen werden. Der Tierarzt behandelt den Hund hierbei über einen Zeitraum von mehreren Wochen mit Schilddrüsen-Hormonen. Bessern sich unter der Therapie seine Beschwerden, liegt Schilddrüsen-Unterfunktion vor.

Behandlung:

Wie kann die Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypothyreose) beim Hund behandelt werden?

Der Tierarzt behandelt eine Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypothyreose) beim Hund durch die Gabe der fehlenden Schilddrüsen-Hormone. Der Besitzer verabreicht das synthetische Schilddrüsen-Hormon (Levothyroxin) als Tablette oder Saft. Diese Hormone muss der Hund täglich, wie vom Tierarzt verordnet, erhalten.

Die Therapie einer Schilddrüsen-Unterfunktion kann lebenslang notwendig sein. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Tierarzt sind wichtig, da jeder Hund individuell andere Mengen des synthetischen Hormons benötigt und die Therapie regelmäßig wieder angepasst werden sollte.

Prognose:

Wie ist die Prognose der Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypothyreose) beim Hund?

Die Prognose der Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypothyreose) beim Hund ist gut. Wird die Krankheit erkannt und behandelt, sind die Chancen gut, dass sich die Beschwerden komplett zurückbilden. Allerdings kann es notwendig sein, die Therapie der Schilddrüsen-Unterfunktion beim Hund lebenslang fortzuführen.

Snautz

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MDR1-Defekt

Der MDR1-Defekt ist ein Defekt im MDR1-Gen, der bei einigen Hunderassen verbreitet ist. Dadurch kommt es zu einer mangelhaften oder fehlenden Synthese eines bestimmten Proteins (P-Glykoprotein, P-gp), welches ein wichtiger Bestandteil der Blut-Hirn-Schranke ist, was zu einer Überempfindlichkeit gegenüber manchen Arzneimitteln führt. Urheber dieses Defektes ist wahrscheinlich ein einziger Hund, der etwa Mitte des 19. Jahrhunderts gelebt hat und maßgeblich an der Entstehung und Festigung der Rasse Collie beteiligt war. Daher lässt sich dieser Defekt bei Hunderassen finden, die nachweisbar mit dem Collie verwandt sind. Bei anderen vom Defekt betroffenen Rassen dient diese Mutation dann als Nachweis der Verwandtschaft. Ein funktionierendes MDR1-System ist vor allem bei Säugetieren (also auch Menschen) bekannt und hier evolutionsgeschichtlich sehr alt. Tiere, die dieses System nicht besitzen, können ähnliche Empfindlichkeiten für Medikamente zeigen.

Entdeckung des Gendefekts

Seit etwa zwanzig Jahren ist bekannt, dass manche Hunderassen an einer Überempfindlichkeit gegenüber manchen Arzneistoffen leiden. Besonders bekannt wurde dabei die Ivermectin-Überempfindlichkeit der Collies. Bei der Gabe von Ivermectin oder verschiedenen anderen Arzneimitteln kann es bei diesen Hunden zu neurotoxischen Symptomen, wie Bewegungs- und Koordinationsstörungen, Zittern, Benommenheit, Erbrechen, Desorientiertheit und vermehrtem Speichelfluss kommen, höhere Dosen können auch zu komatösen Zuständen und sogar zum Tod des Tieres führen.

Erst mit der Generierung einer Knockout-Maus, bei der das MDR1A-Gen ausgeschaltet wurde, gelang die Aufklärung dieser Überempfindlichkeit. Bei Gabe von Ivermectin als Mittel gegen Parasiten kam es bei mdr1a(-/-) Mäusen, nicht jedoch bei mdr1a(+/-) oder mdr1a(+/+) Mäusen zu Todesfällen. Bei Untersuchungen der verstorbenen Mäuse konnte im Gehirn eine 87-fach höhere Ivermectin-Konzentration nachgewiesen werden. Bei einer Untersuchung eines an Ivermectin verstorbenen Collies wurde ebenfalls eine stark erhöhte Ivermectin-Konzentration im Gehirn festgestellt. Der Verdacht, dass bei manchen Hunden eine Mutation im MDR1-Gen vorliegt, lag also nahe.

Bei Untersuchungen der genetischen Sequenzen des MDR1 eines Beagles und eines Ivermectin-sensitiven Collies wurden Mutationen in der Sequenz des Collies festgestellt. Diese führten dazu, dass die Synthese des MDR1-Proteins abbricht. Aufgrund seiner Lokalisation im Leserahmen für das MDR1-Protein wird der Defekt als nt230(del4) MDR1-Mutation bezeichnet. Bei weiteren Untersuchungen konnte dieser Gendefekt bei verschiedenen Hunderassen nachgewiesen werden.

Symptome, Diagnostik und Folgen für das Tier

Der Defekt im MDR1-Gen führt zu einer mangelhaften oder fehlenden Synthese des P-Glycoproteins. Dieses Eiweiß spielt eine Rolle bei ATP-abhängigen Transportvorgängen zwischen Blut und Gewebe und ist im Gehirn, in Leber, Nieren, Darm, Plazenta und Hoden zu finden. Neben seiner Funktion beim Transport körperfremder Stoffe, limitiert es den Transport der Hormone der Nebennierenrinde (Cortisol, Corticosteron) in das Gehirn und hat damit Einfluss auf die Hypothalamus-Hypophyse-Nebennierenrinden-Achse. Bei einem MDR1-Defekt kommt es daher zu einem erhöhten Übergang der Nebennierenrindenhormone in die übergeordneten Zentren und aufgrund des negativen Feedbacks zu erniedrigten Kortisolwerten im Blut.[1] Als eine weitere Folge des Defektes wird auch eine höhere Anfälligkeit für chronisch entzündliche Darmerkrankungen vermutet.

Bei nicht vom Defekt betroffenen Tieren dient dieses Protein u. a. dazu, körperfremde Stoffe wie Arzneimittel aus dem Körper herauszutransportieren. Es besteht also eine Art Resistenz gegenüber unerwünschten Nebenwirkungen – die sogenannte Multiple Drug Resistance.

Bekannt sind bisher die Auswirkungen auf die Blut-Hirn-Schranke. Bei dieser Grenze zwischen den Hirnblutgefässen und dem Hirnnervengewebe stellt ein sogenannter MDR1-Transporter eine Schutzbarriere für das Gehirn dar. Dieser Transporter ist Teil der Blut-Hirn-Schranke und befindet sich normalerweise auf der Oberfläche der Endothelzellen (Zellen, die die Wände der Blutgefäße auskleiden). Er sorgt dafür, dass toxische Verbindungen und Arzneistoffe in den Gehirnkapillaren zurückgehalten werden und nicht in das Gehirn eindringen können.

Besteht nun bei einem Hund der MDR1-Defekt, fehlt der Transporter und der Schutz funktioniert nicht mehr. Bei betroffenen Tieren können daher nach der Verabreichung von bestimmten Antiparasitika, Zytostatika, Durchfallmitteln oder Antibiotika starke neurotoxische Nebenwirkungen auftreten − bis zum Tod. Bei Mäusen, bei welchen der MDR1-Transporter bewusst ausgeschaltet wurde, traten nicht nur Ivermectin, sondern auch zahlreiche andere Arzneistoffe bis zu 90-fach mehr ins Gehirn als bei Vergleichstieren mit intakter Blut-Hirn-Schranke. Diese Stoffe sind auch eine potentielle Gefahr für einen vom MDR1-Defekt betroffenen Hund.

Mögliche Folge dieses Gendefektes ist die Überempfindlichkeit des Hundes gegenüber bestimmten Arzneistoffen. Da die Gabe einiger dieser Mittel bei betroffenen Hunden allerdings zum Tode führen kann, wird ein Gentest aller Hunde betroffener Rassen empfohlen. Die Universität Gießen bietet einen Test auf den MDR1-Defekt an. Zu diesem Zweck nimmt der Tierarzt dem zu untersuchenden Hund eine kleine Menge Blut ab (1 ml EDTA-Blut) und sendet diese Probe an die Universität. Mit Hilfe eines genetischen Tests wird die Blutprobe dann auf ein Vorliegen der MDR1-Mutation untersucht, dass Ergebnis wird dem Hundehalter mitgeteilt.

Ist der Hund vom Defekt betroffen, hat der Hundehalter einige Dinge zu beachten. So dürfen beispielsweise bestimmte Wurmkuren und Flohschutzmittel nicht mehr verabreicht werden. Auch bei Durchfall oder Herzerkrankungen eingesetzte Medikamente können weitreichende unerwünschte Nebenwirkungen haben. Bekannt ist eine Überempfindlichkeit z. B. für die Wirkstoffe Ivermectin, Doramectin, Moxidectin (nur bei oraler Anwendung) und Loperamid. Milbemycinoxim und Emodepsid dürfen nur unter exakter Dosierung eingesetzt werden. Viele weitere Wirkstoffe stehen aber in dem Verdacht, unerwünschte Nebenwirkungen hervorrufen zu können. Generell sollte daher der behandelnde Tierarzt über den Defekt informiert werden. Der Hund selber gilt als Risikopatient.

Bei Spaziergängen ist dann darauf zu achten, dass der Hund keinen Kot von beispielsweise Pferden zu sich nimmt, da dieser einen der gefährlichen Wirkstoffe in unveränderter Form enthalten kann.

Bisher sind Überempfindlichkeiten vor allen bei Hunden mit homozygoter Vererbung des MDR1-Defektes (MDR1 -/-) bekannt. Inzwischen wurden aber auch Reaktionen bei Trägern (MDR1 +/-) beobachtet. In einer US-amerikanischen Studie (siehe unter Links) werden die Träger deshalb als „sensitive“ bezeichnet, die vom Defekt betroffenen Hunde (MDR1 -/-) als „super sensitive“. Ebenfalls in den USA wurden die vom Defekt betroffenen Hunde inzwischen von der Forschung als Versuchstiere entdeckt.

Auswirkungen auf die Zucht

Aufgrund der Probleme in der Arzneitherapie von Hunden mit dem Genotyp MDR1(-/-) wird z. B. von der Universität in Gießen empfohlen, den Gendefekt in der Zucht betroffener Hunderassen zu berücksichtigen und so zu verpaaren, dass keine vom Defekt betroffenen Nachkommen entstehen können. Der MDR1-Genotyp eines Hundes ergibt sich aus der Kombination eines von väterlicher (+ oder -) und eines von mütterlicher Seite (+ oder -) vererbten Merkmals. „+“ steht dabei für ein intaktes MDR1-Gen und „-“ für ein defektes MDR1-Gen bezogen auf das Merkmal MDR1 nt230(del4). Für den MDR1-Genotyp eines Hundes gibt es drei verschiedene Möglichkeiten: Nicht betroffen - MDR1(+/+), Merkmalsträger - MDR1(+/-) und Betroffen - MDR1(-/-).

Ist der MDR1-Genotyp zweier Zuchttiere bekannt, kann bereits eine theoretische Voraussage über die MDR1-Genotypen der Nachkommengeneration getroffen werden. Betroffene Tiere mit dem Genotyp MDR1(-/-) können aus einer Kreuzung der Genotypen MDR1(+/-) x MDR1(+/-), MDR1(+/-) x MDR1(-/-) oder MDR1(-/-) x MDR1(-/-) entstehen. Bei Kreuzung der Genotypen MDR1(+/+) x MDR1(-/-), MDR1(+/+) x MDR1(+/-), und MDR1(+/+) x MDR1(+/+) entstehen dagegen keine betroffenen MDR1(-/-) Tiere, aber außer bei MDR1(+/+) x MDR1(+/+) unter Umständen wieder Merkmalsträger.

Nachdem einige dem Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) angeschlossenen Zuchtvereine schon von sich aus diese Verpaarungsregeln beachtet hatten, hat der VDH diese den ihm angeschlossenen Collie- und Sheltiezuchtvereinen im Juni 2009 auferlegt. Ab November 2009 müssen nun sämtliche Zuchttiere auf den MDR1-Defekt getestet werden. Ziel ist, keine vom Defekt betroffenen Nachkommen mehr zu erzeugen.

Genotyp der Nachkommen
in Abhängigkeit vom Genotyp der Elterntiere
MDR-Genotyp der Hündin
MDR-Genotyp des Rüden MDR1(+/+) MDR1(+/-) MDR1(-/-)
MDR1(+/+) 100 % MDR1(+/+) 50 % MDR1(+/+)
50 % MDR1(+/-)
100 % MDR1(+/-)
MDR1(+/-) 50 % MDR1(+/+)
50 % MDR1(+/-)
25 % MDR1(+/+)
50 % MDR1(+/-)
25 % MDR1(-/-)
50 % MDR1(+/-)
50 % MDR1(-/-)
MDR1(-/-) 100 % MDR1(+/-) 50 % MDR1(+/-)
50 % MDR1(-/-)
100 % MDR1(-/-)

Betroffene Rassen

Die Projektgruppe MDR1-Defekt beim Collie an der Justus-Liebig-Universität Gießen hat im Jahr 2004 im Rahmen einer Studie zur Häufigkeit des MDR1-Defektes bei verschiedenen Hunderassen Hunde aus 30 verschiedenen Rassen und 10 Europäischen Ländern getestet. Der Defekt im MDR1-Gen wurde u. a. bei folgenden Hunderassen gefunden: Collie (Kurzhaarcollie und Langhaarcollie), Shetland Sheepdog, Australian Shepherd, Bobtail und Border-Collie. Obwohl bisher noch keine nt230(del4) Mutation beim Bearded Collie nachgewiesen werden konnte, lässt die geringe Probenzahl noch keine endgültige Bewertung zu. Bei den Rassen Wäller und Bobtail konnten bisher nur heterozygot von diesem Defekt betroffene Hunde (MDR1+/-) nachgewiesen werden, mit dem Auftreten homozygoter Mutationen müsste allerdings auch bei diesen Rassen gerechnet werden. Beim Wäller ist es jedoch so, dass die Zuchttiere getestet sein müssen und bei der Verpaarung darauf geachtet wird, ein Trägertier nur mit einem freien zu verpaaren, damit es eben nicht zu homozygoten Welpen kommt. Des Weiteren ist der Defekt bei folgenden Rassen bekannt: Deutscher Schäferhund, English Shepherd, McNab, Silken Windhound, Langhaarwhippet, Berger Blanc Suisse sowie einigen seltenen Rassen.[2] Seit Anfang 2008 werden außerdem weitere Rassen wie Barsoi, Belgischer Schäferhund oder Kelpie auf den Defekt untersucht.

Rasseverteilung des MDR1-Defekts[3]

Rasse MDR-Genotyp (%)
  MDR1(+/+) MDR1(+/-) MDR1(-/-)
Collie 19 45 36
Shetland Sheepdog 49 43 8
Australian Shepherd 62 32 6
Miniatur Australian Shepherd 54 43 3
Wäller 65 35 0
Old English Sheepdog 92 8 0
Border Collie 98,7 0,9 0,4
Bearded Collie 100 0 0
Langhaar-Whippet 25 60 15
Weißer Schweizer Schäferhund 75 23 2

MDR1 Diagnostik

Der genetische Test auf Vorliegen einer nt230(del4) MDR1- Mutation wird durch die TransMIT GmbH Projektbereich für Pharmakogenetische Diagnostik PGvet am Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Gießen durchgeführt. Der Test bietet Tierärzten, Züchtern und Hundebesitzern eine sichere und einfache Gelegenheit, Arzneistoff-sensitive Hunde zu identifizieren. Der Test kann bei allen Hunderassen ohne Altersbeschränkung, nicht jedoch bei anderen Tierspezies durchgeführt werden.

Für die Untersuchung wird 1 ml EDTA-Vollblut benötigt. Blutprobe und Auftragsformular bitte in einem gepolsterten Briefumschlag an folgende Adresse senden:

TransMIT-Projektbereich PGvet am
Institut für Pharmakologie und Toxikologie

BFS, Labor E 324
Schubertstraße 81
D-35392 Gießen

Beratung und Rückfragen
Tel. +49 641 99-38411 oder 99-38418
Fax +49 641 99-38419

Lernen durch Verknüpfung (Assoziation) – Motivation bei Hunden

Woran denkt ihr, wenn ihr das Wort „Blitz“ hört?

 

Mit hoher Wahrscheinlichkeit habt ihr dabei auch an Donner und Gewitter gedacht, oder? Das war eine Assoziation, eine Verknüpfung. Unter Assoziationslernen versteht man also ein Lernen über Verknüpfungen von zeitlich nahe aufeinander folgenden Ereignissen.

Hunde sind Meister der Assoziation

Hunde sind wahre Meister der Assoziation. Da sie viele Bereiche aber völlig anders wahrnehmen als wir Menschen, leben wir sozusagen in verschiedenen Welten. Das macht es uns häufig schwer zu erkennen, welche Dinge im Gehirn des Hundes miteinander verknüpft werden.

Eine Situation, die für uns ganz klar ist, kann aus Sicht des Hundes völlig anders aussehen. „Der Trainer bestraft, aus seiner Sicht, seinen Hund für Verhalten XY( zum Beispiel mit einem harten Leinenruck dafür, dass er wie doll an der Leine zieht, da er noch kein Training zur Leinenführigkeit erfahren hat). Der Hund fühlt den Schmerz am Hals während er gerade ein vorbeilaufendes Kind sieht. So schnell und unbemerkt können durch ungewollte Verknüpfungen Konflikte (in diesem Beispiel eine Aggression gegen Kinder oder Angst vorm Besitzer in Gegenwart von Kindern) entstehen.

In diesem Zusammenhang wird nun deutlich, warum der Lernumgebung soviel Bedeutung beigemessen werden sollte. Während des Trainings werden sich nahezu alle vorhanden Umstände in das Gehirn des Hundes auf irgendeine Art und Weise mit verknüpfen.

In einer ablenkungsfreien Umgebung ist die Aufmerksamkeit des Hundes mehr „auf seinen Menschen gerichtet“. Das heißt der Hund ist mehr bei der Sache, muss weniger korrigiert werden, die Hörzeichen müssen nicht mehrmals wiederholt werden. So werden unbemerkte und unerwünschte Nebenverknüpfungen reduziert und das Training verläuft effektiver.

Ebenso lernen Menschen und Hunde auch bestimmte „Reize“ zu ignorieren, die keine Bedeutung haben oder mit unangenehmen Konsequenzen verbunden sind. Wird der junge Hund gerufen während er schnüffelt oder mit anderen Hunden in ein Spiel vertieft ist, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass er tatsächlich kommen wird. Er hört den Ruf wahrscheinlich wirklich nicht. Auf den „Reiz“ ( Signal – Rufen ) erfolgt nicht das erwünschte Verhalten (Herankommen des Hundes). Geschieht dies wiederholt, wird das Rufen des Trainers immer bedeutungsloser für den Hund. Die Verknüpfung die hergestellt werden sollte, nämlich das Herankommen, kann nicht stattfinden, im Gegenteil es wird eine Verknüpfung: Rufen = Bedeutungslos, hergestellt.

Oder: Es wird der Fehler begangen, den Befehl Komm anzuwenden, bevor er überhaupt etabliert ist. Dieses zu frühe Einsetzen des Befehls dient eigentlich dem Endkonditionieren und untergräbt zukünftige Versuche beim Training. Ein ganz typisches Szenario: Der Besitzer ruft den Hund, belohnt dann nicht, sondern leint ihn an. Unbeabsichtigt leitet er unangenehme Konsequenzen für das Kommen ein.

Wichtig: Der Name des Hundes und das Wort „Komm“ sind zu Beginn des Trainings „Heilige Äußerungen“. Bei diesen Worten sollte zu Anfang des Trainings nie etwas folgen, was der Hund nicht mag (z. B. anleinen, Ende der Freiheit oder bürsten), ohne ihn vorher ausgiebig für das Kommen belohnt zu haben.

Zuverlässiger Gehorsam beim Hund erreichen

Für einen recht zuverlässigen Gehorsam des Hundes ist es daher unabdingbar, dass die Signale (Hör- und Sichtzeichen) des Menschen vom Hund mit dem gewünschten Verhalten

  1. assoziiert werden, aber  auch,
  2. dass sie eine möglichst hohe Bedeutung für den Hund erlangen.

Wie kann erreicht werden, dass der Gehorsam eine hohe Bedeutung für den Hund erhält?

1. Zum Beispiel durch begehrte Belohnungen, wie Futter, Spiele und freundliche Zuwendung für richtiges Verhalten. Dabei ist es außerordentlich wichtig, dass die Belohnung auch vom Hund als Belohnung empfunden wird. Es nützt nichts, dass ihr zwar der Meinung seid, die Belohnung (zum Beispiel Frolic) sei doch toll, euer Hund aber zum Beispiel für Käse eine besondere Vorliebe hat oder für ein Spiel mit dem Ball alles gibt. Gut ist es auch, wenn man sich unmittelbar selbst ins Spiel bringen kann (zum Beispiel durch gemeinsames Laufen und Herumtoben). Eine Form der Belohnung ist es durchaus auch, einfach die eigene Freude über eine gute Leistung des Hundes durch Stimme und Bewegung auszudrücken, falls der Hund dafür empfänglich ist und sich von der freudigen Stimmung „anstecken“ lässt.

Die Art der Belohnung hat einen beträchtlichen Einfluss auf die Motivation des Hundes, lernen zu wollen. Ohne Motivation kann kein Lernen stattfinden, weder beim Hund noch bei uns Menschen.

Ein Training unter hoher Motivation (zum Beispiel wegen der heißgeliebten Käsehappen) im Zusammenspiel mit den dabei angenehmen inneren Empfindungen (positiven Emotionen) des Hundes bewirken nach einigen Trainingserfahrungen eine hohe Arbeits- und Leistungsbereitschaft beim Hund und wirken sich somit positiv auf das Lerntempo aus.

2. Die Übungssituation sollte so gestaltet werden, dass der Hund mit hoher Wahrscheinlichkeit das gewünschte Verhalten zeigen wird. (Wenn ihr ruft, solltet ihr 50 Euro verwetten können, dass der Hund auch kommt). Wenn ihr euch nicht sicher seid, dann ruft bitte nicht sondern holt den Hund ab.

3. Damit der Hund durch Verknüpfung, Ursache (zum Beispiel kommen auf Ruf) und Wirkung (zum Beispiel Belohnung durch Ballspiel) erlernen kann, muss beides zeitlich eng zusammenfallen. Beim Training sollten daher Ursache und Wirkung nicht länger als maximal eine Sekunde aufeinander folgen, damit der Hund beides optimal miteinander verknüpfen kann.

Faktoren, die die Motivation beeinflussen:

Was einen Hund motiviert: Alles, was ihn auch ablenkt. Futter. Spiel. Streicheln und Zuwendung (wenn er das mag). Sozialkontakt, gemeinsames Tun. Ein stark instinktiv verankertes Verhalten ausführen zu dürfen. Ein gut gekonntes und häufig belohntes Verhalten ausführen zu dürfen. Alles, wonach den Hund im Moment verlangt, weil er es schon eine Weile nicht mehr haben konnte. Erfolg. Rückmeldung über Erfolg. Erinnerung an frühere Erfolge und die dabei empfundenen positiven Gefühle. Ein angemessenes Anspruchniveau. Ein Element der „angenehmen“ Überraschung und Abwechslung. Das Gefühl, die Situation unter Kontrolle zu haben.

Was einen Hund demotiviert: Angst. Stress. Alles, was er satt hat, weil er gerade mehr als genug davon gehabt hat (mehr als genug davon tun konnte). Fortgesetzt ignoriert zu werden. Eine unlösbar erscheinende Aufgabe. Misserfolg. Mangelnde Rückmeldung über Erfolg der eigenen Bemühungen. Erinnerung an frühere Misserfolge. Das Gefühl der Situation ausgeliefert zu sein. Langeweile durch allzu große Vorhersehbarkeit. Überforderung.

Autorin: Melanie

Scheinschwangerschaft bei Hunden

In dieser Kolumne behandelt unsere Tierärztin das Thema Scheinschwangerschaft / scheinträchtigkeit bei Hunden. Sie erklärt, wie der natürliche Zyklus einer Hündin verläuft, und was die unterschiedlichen Phasen kennzeichnet. Hiernach erfahren Sie, wie eine sich Scheinschwangerschaft äußert, und was dabei zu beachten ist.

Der normale Zyklus der Hündin

Eine Hündin ist in ihrem Leben durchschnittlich zweimal pro Jahr läufig. Manche Hündinnen werden 6-8 Wochen nach der Läufigkeit scheinschwanger, und solch eine Scheinschwangerschaft kann für den Hund äußerst unangenehm sein.

Die meisten Hündinnen werden zum ersten Mal in einem Alter von 6-12 Monaten läufig. Dabei sind Hunde kleinerer Rassen häufig etwas früher läufig als Hunde größerer Rassen. Der Zyklus der Hündin lässt sich in 4 Phasen unterteilen, wobei die ersten zwei Phasen, Proöstrus und Östrus, als Läufigkeit bezeichnet werden. Diese dauern zusammen durchschnittlich 3 Wochen.

In diesen zwei Phasen wirkt die Hündin anziehen auf Rüden, die Vulva (das äußere Geschlechtsorgan) schwillt an, und es kommt innerhalb der ersten 1-3 Wochen zu Blutverlust aus der Vulva. Am 11.-13. Tag ist die Hündin fruchtbar und bereit zum Decken. Dies ist daran zu erkennen, dass sie unruhig wird und ihren Schwanz zur Seite hält. Nun wirkt sie besonders anziehen auf Rüden und auch andere Hündinnen können Interesse zeigen. Falls die Hündin nicht gedeckt werden soll, halten Sie sie während der Läufigkeit beim spazieren gehen am besten die ganze Zeit an der Leine.

Die dritte Phase heißt Metöstrus. Die Hündin gestattet das Decken jetzt nicht mehr. In dieser Phase ist sie, falls sie gedeckt wurde, trächtig. Anderenfalls kehrt ihr Körper langsam wieder in den Ruhezustand zurück, was 6-10 Wochen dauert. Nach dieser Phase kann es bei der Hündin zur Scheinschwangerschaft kommen.

Scheinschwangerschaft

Bei einer Scheinschwangerschaft sorgen Hormone im Körper der Hündin dafür, dass sie denkt schwanger zu sein, obwohl dies nicht der Fall ist. Die Zitzen schwellen an und die Milchproduktion beginnt.

Dieses Phänomen hat in der Wildnis die Funktion, dass mehrere Hündinnen eines Rudels die Welpen der Anführerin füttern können. Denn nur die Hündin mit dem höchsten Rang bekommt einen Wurf. Wenn sie auf Jagd ist, könne die Welpen also weiter gesäugt werden.

Eine scheinschwangere Hündin kann sich wie eine trächtige Hündin verhalten: sie macht ein Nest, schleppt Spielsachen mit sich mit, bewacht und „versorgt“ ihre Spielsachen. Im Allgemeinen fühlt sich eine scheinschwangere Hündin nicht wohl. Oft hat sie weniger Lust auf Essen, ist weniger fit und will nicht mehr mit nach draußen. Sie leckt viel an ihrem Bauch, der angeschwollenen sein kann, damit die Milchdrüsen stimuliert werden und die Milchproduktion anhält.

Meist vergeht eine Scheinschwangerschaft nach ein paar Wochen von selbst. Streicheln Sie eine scheinschwangere Hündinnen nicht auf dem Bauch, denn so stimulieren Sie die Milchproduktion zusätzlich. Falls es der Hündin sehr schlecht geht, können Medikamente helfen.

Bei einer Hündin, die scheinschwanger gewesen ist, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass dies nach der Läufigkeit immer wieder geschehen wird. Wenn Sie nicht mehr wünschen, dass Ihre Hündin einen Wurf bekommt, ist Sterilisieren die effektivste Lösung. Ihr Tierarzt kann Sie hierzu näher beraten.

 

Läufigkeit beim Hund – Der Zyklus der Hündin

Die Läufigkeit ist ein ganz natürlicher Vorgang, der bei gesunden Hündinnen im fruchtbaren Alter zu beobachten ist. Einige Anzeichen einer Läufigkeit können für Hundebesitzer jedoch irritierend oder verunsichernd sein. Hier erfahren Sie, was Sie über die “Hitze” der Hündin wissen sollten, welche Vorgänge normal sind und was Sie beachten sollten, um ungewollten Nachwuchs zu vermeiden.

Erste Läufigkeit: Die Hündin in der Pubertät

Die erste Läufigkeit der Hündin setzt zumeist im Alter von sechs bis zwölf Monaten ein. Zu diesem Zeitpunkt befindet die Hündin sich physisch und psychisch mitten in der Pubertät. Wie alt genau die Hündin beim Eintritt in die Geschlechtsreife ist, variiert je nach Hunderasse und Individuum: Während kleine Hündinnen meist schon mit sechs Monaten zum ersten Mal läufig werden, sind Hündinnen großer Rassen zu dem Zeitpunkt oft bereits im zweiten Lebensjahr.

Maßgeblich für den Zeitpunkt der ersten Läufigkeit ist vor allem, dass die Hündin ihr ausgewachsenes Körpergewicht erreicht. Dies geschieht nicht nur bei Hunden großer Rassen etwas später, sondern auch, wenn die heranwachsende Hündin nicht genug Futter bekommt (zum Beispiel in schlechter Haltung) oder eine Krankheit durchlebt hat. Doch jede Hündin ist anders: Auch manche gesunde kleine Hündin wird erst mit zwei Jahren zum ersten Mal läufig.

Dazu kommt, dass die erste Läufigkeit beim Hund oft nicht ganz typisch verläuft, da die Hündin gerade erst geschlechtsreif wird und körperlich noch nicht fertig entwickelt ist. Manchmal kommt es beispielsweise zu einer stillen Läufigkeit: Hier sind trotz der typischen hormonellen Vorgänge keine äußeren Anzeichen wie Ausfluss sichtbar. So kann die Hündin völlig unbemerkt läufig werden. In anderen Fällen treten zwar zunächst typische Läufigkeits-Anzeichen auf, klingen dann aber für ein paar Tage wieder ab, bevor sie wieder auftauchen – dies nennt man Split-Östrus.

Demnach besteht kein Grund zur Sorge, wenn eine Hündin mit zwei Jahren noch nicht offensichtlich läufig war oder wenn die erste Läufigkeit nicht ganz klassisch verläuft. Beides kommt relativ häufig vor.

Typischer Ablauf einer Läufigkeit

Der Zyklus der Hündin gliedert sich in vier Phasen:

  1. Proöstrus (Vorbrunst): Im Durchschnitt dauert der Proöstrus neun Tage, seine Dauer kann jedoch zwischen drei und 17 Tagen variieren. Dies ist der erste Abschnitt der Läufigkeit. Die Vulva der Hündin schwillt an und blutiger Scheidenausfluss tritt aus. Dessen Menge variiert von Hund zu Hund: Während er bei einigen Hündinnen kaum auffällt, bluten andere relativ stark. Die Hündin ist zu diesem Zeitpunkt zwar noch nicht fruchtbar, riecht jedoch für Rüden bereits sehr interessant. Sie weicht nun jedoch aus oder beißt andere Hunde weg, wenn sie zudringlich werden. Verlassen sollten Sie sich jedoch nicht darauf, denn manchmal sind die Übergänge zwischen den einzelnen Phasen schwierig festzustellen.
  2. Östrus (Brunst): In dieser Phase ist die Hündin deckbereit – man nennt sie auch Standhitze, da die Hündin nun bereitwillig stehen bleibt und die Rute auf die Seite dreht, wenn sich ein interessierter Rüde nähert. Durchschnittlich dauert der Östrus neun Tage an, schwankt dabei je nach Hündin zwischen drei und 21 Tagen. Die Vulva ist nun nicht mehr ganz so stark geschwollen und der Scheidenausfluss wird wässriger, manchmal auch schleimig. Während des Östrus finden mehrere Eisprünge statt, meist am zweiten bis vierten Tag. In diesem Zeitrahmen liegen die fruchtbaren Tage der Hündin.
  3. Metöstrus (Nachbrunst): In dieser Phase klingen die Läufigkeitssymptome ab. Die Vulva schwillt ab, der Ausfluss wird zunächst oft gelblich und verschwindet schließlich ganz. Obwohl die Hündin ab diesem Zeitpunkt äußerlich keine Anzeichen einer Läufigkeit mehr zeigt, gibt es noch über einige Wochen eine hormonelle Veränderung: Die Gelbkörper, die nach dem Eisprung an den Eierstöcken entstehen, produzieren das Hormon Progesteron. Dieses Hormon sorgt dafür, dass der Embryo, die für seine Einnistung und sein Wachstum benötigten Bedingungen in der Gebärmutter vorfindet. Die Gelbkörper produzieren das Hormon in dieser Zyklusphase unabhängig davon, ob es zu einer Befruchtung gekommen ist oder nicht. Erst nach neun bis zwölf Wochen sind die Gelbkörper abgebaut (Luteolyse). Bei manchen Hündinnen stößt der nun sinkende Progesteronspiegel die Ausschüttung des Hormons Prolaktin an. Prolaktin kurbelt die Milchproduktion an – so kommt es bei einigen Hunden zu einer Scheinträchtigkeit.
  4. Anöstrus: Der Anöstrus ist die “Ruhephase” des Zyklus. Die Hündin zeigt keine äußeren Anzeichen einer Läufigkeit. Ihre Sexualhormone bleiben auf einem Level (Progesteron) oder schwanken leicht (Östrogen). Diese Phase kann sehr unterschiedlich lang sein; sie dauert mehrere Wochen oder Monate an und endet erst mit der Einleitung des nächsten Proöstrus und somit der nächsten Läufigkeit. In der Übergangsphase von Anöstrus zu Proöstrus (Präproöstrus) bilden sich allmählich Eibläschen, sogenannte Follikel, an den Eierstöcken. In diesen reifen die Eizellen bis zum Eisprung (der erst im Östrus stattfinden wird) heran.

 

Das Verhalten der Hündin während der Läufigkeit

Im Durchschnitt wird eine Hündin alle sieben Monate läufig. Hunde vom Urtyp – zum Beispiel der Basneji oder der Thai Ridgeback – weisen häufig nur eine Läufigkeit im Jahr auf, ähnlich wie Wölfe und Dingos. Die meisten Hundebesitzer sind jedoch zweimal jährlich mit einer Läufigkeit konfrontiert, wenn keine Kastration der Hündin stattgefunden hat. Je besser Sie darüber informiert sind, was in dieser Zeit mit der Hündin geschieht und was es zu beachten gibt, umso stressfreier können Sie die Zeit der Läufigkeit gestalten.

Noch bevor die Hündin die ersten Blutstropfen verliert lassen sich oft an ihrem Verhalten einige Auffälligkeiten feststellen: So urinieren die meisten Hündinnen zunächst öfter als sonst. Manchmal erinnert ihr Verhalten an das eines markierenden Rüden, da sie in der Hocke ihr Bein anhebt und scheinbar alle paar Meter “muss”. Damit setzt die Hündin instinktiv die ersten Duftmarken – und diese werden von Rüden auch wahrgenommen. Nicht selten erkennt man eine Läufigkeit zuerst an dem auffälligen Anstieg von vierbeinigen Verehrern, die die Hündin begeistert beschnüffeln und um sie herumtänzeln.

Ob und wie sich das Verhalten der Hündin in der Läufigkeit verändert, ist sehr unterschiedlich. Viele Hündinnen vergessen zumindest zeitweise ihre gute Erziehung, wenn sie läufig sind. Einige entfernen sich auf Spaziergängen weiter von ihrem Besitzer und lassen sich schlechter abrufen. Andere werden anhänglicher und fordern viele Streicheleinheiten. Nicht selten schlafen läufige Hündinnen mehr als sonst, wirken etwas faul oder melancholisch. Einige Exemplare machen dagegen einen eher ruhelosen Eindruck und wechseln alle paar Minuten den Liegeplatz. Nicht zuletzt gibt es auch Hündinnen, die von der Läufigkeit kaum aus dem Konzept gebracht werden und sich genauso benehmen wie sonst auch.

Höschen und Hundebegegnungen in der Läufigkeit

Eine häufige Frage ist, wie man mit der Blutung der Hündin in der Läufigkeit am besten umgeht. In der Regel putzen sich Hündinnen in der Läufigkeit sehr häufig und ausgiebig, wobei es sehr reinliche und eher nachlässige Hunde gibt und die Blutung auch unterschiedlich stark sein kann. Wenn Sie eine Hündin von der gründlich putzenden Sorte haben und Ihre Wohnung mit einem Fliesenboden ausgestattet ist, müssen Sie im Grunde keine weiteren Maßnahmen ergreifen außer vereinzelt verlorene Tropfen aufzuwischen. Anderenfalls können Sie Ihrer Hündin ein spezielles Schutzhöschen anziehen, um zu verhindern, dass der Ausfluss auf dem Teppich oder im Hundebett landet. Es ist hilfreich, die Hündin vorher langsam an das Höschen zu gewöhnen – die meisten Hunde sind erstaunlich schnell darin, sich aus unliebsamen Wäschestücken zu befreien.

Die wichtigste Regeländerung gibt es in der Zeit der Läufigkeit jedoch bei Begegnungen mit anderen Hunden. Wenn Sie keinen Wurf mit der Hündin planen – und dies sollte sehr gut überlegt sein – ist es essenziell, dass Sie sie von unkastrierten Rüden fernhalten, insbesondere während des Östrus (Standhitze). Vorsichtshalber sollten Sie die Hündin in dieser Zeit nur an der Leine spazieren führen und Orte meiden, die stark von anderen Hunden frequentiert sind. Sagen Sie anderen Hundebesitzern vor dem direkten Kontakt auf jeden Fall Bescheid.

Auch abseits der fruchtbaren Tage riecht die läufige Hündin für Rüden – kastrierte wie unkastrierte – sehr spannend. In der Regel ist es besser, die Hunde in dieser Zeit nicht im Freilauf spielen zu lassen. Vor lauter überschießenden Hormonen neigen Rüden dazu, die Hündinnen zu bedrängen, während diese meist in eine Abwehrhaltung geht, ausweicht und schnappt. Dies ist für die Tiere eher eine Stresssituation als ein entspanntes Spiel. Warten Sie mit Hundebegegnungen lieber, bis die Läufigkeit abgeklungen ist; es sei denn, es handelt sich um freundliche Hündinnen oder Welpen. Unter Beachtung dieser Regel kommen Sie und Ihre Hündin weitgehend stressfrei durch die Läufigkeit.

Haushund

Kooikerhondje

Kooikerhondje

Systematik
 
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Hunde (Canidae)
Gattung: Wolfs- und Schakalartige (Canis)
Art: Wolf (Canis lupus)
Unterart: Haushund
 
Wissenschaftlicher Name
Canis lupus familiaris

Der Haushund (Canis lupus familiaris) ist ein Haustier und wird als Heim- und Nutztier gehalten. Seine wilde Stammform ist der Wolf, dem er als Unterart zugeordnet wird. Wann die Domestizierung stattfand, ist umstritten; wissenschaftliche Schätzungen variieren zwischen 15.000 und 100.000 Jahren vor heute.

Im engeren Sinn bezeichnet man als Haushund die Hunde, die überwiegend im Haus gehalten werden, und kennzeichnet damit also eine Haltungsform. Historisch wurde ein Hund, der zur Bewachung des Hauses gehalten wird, als Haushund bezeichnet. Eine weitere Verwendung des Begriffs ist die Einschränkung auf sozialisierte (Haus-)Hunde, also Hunde, die an das Zusammenleben mit Menschen in der menschlichen Gesellschaft gewöhnt und an dieses angepasst sind. Damit wird der Haushund abgegrenzt gegen wild lebende, verwilderte oder streunende Hunde, die zwar auch domestiziert, aber nicht sozialisiert sind.

 

Der Dingo ist ebenfalls ein Haushund, wird jedoch provisorisch als eigenständige Unterart des Wolfes geführt.

Population

Weltweit leben schätzungsweise 500 Millionen Haushunde,[4] von denen etwa 75 Prozent freilebend sind.[5] In vielen Ländern ist die Kontrolle der Hundepopulation ein Problem. Hunde können nach ihrer Nähe zum Menschen und ihrem sozialen Zusammenleben mit ihm in verschiedene Gruppen eingeteilt werden:[6]

wild seit tausenden Jahren wild (z. B. Dingo)
verwildert seit einigen Generationen wild
freilebend ohne Besitzer verlassen oder von einer freilebenden Hündin geworfen
freilebend im Dorf (in nachbarschaftlichem Besitz) eher in Besitz der Dorfbewohner als eines einzelnen Haushalts, nicht eingeschränkt
freilebend von einer Familie gehalten; haben einen Besitzer  in Besitz einer Familie, aber nicht eingeschränkt
eingeschränkt mit Besitzer und eingeschränkter Bewegungsfreiheit

Das Leben der Hunde und ihr Wohlergehen hängen ganz wesentlich von ihren eigenen sowie den Lebensumständen der Menschen ab, mit denen sie zusammenleben.

Anatomie

Benennungen

Die von der FCI in Rassestandards verwendeten Bezeichnungen sind als Anlage zum FCI-Modellstandard dokumentiert.[7]

 
 
Körperteile eines Hundes; bezeichnet mit Ziffern 1–14
 
 
 
  1. Stop (Absatz zwischen Stirn und Nase)
  2. Fang (Maul, Schnauze mit Lefzen)
  3. Wamme (Kehle, Kehlhaut)
  4. Schulter
  5. Ellbogengelenk
  6. Vorderfuß
  7. Kruppe (Hinterteil, dort höchster Punkt)
  8. Keule (Oberschenkel und Hüftgelenk)
  9. Sprunggelenk (Hinterfußwurzelgelenk)
  10. Hinterfuß
  11. Widerrist (höchster Punkt der Schulter)
  12. Kniegelenk
  13. Läufe (Beine mit Pfoten)
  14. Rute (Schwanz)
 

Zahnformel des Hundes

Zähne

Das bleibende Gebiss der Hunde hat 42 Zähne. Es hat in jeder Hälfte von Ober- und Unterkiefer 3 Schneidezähne (Incisivi, I), einen Eck- oder Hakenzahn (Caninus, C) und 4 vordere Backenzähne (Prämolaren, P). Im Oberkiefer gibt es 2, im Unterkiefer 3 hintere Backenzähne (Molaren, M) pro Hälfte.

Jeweils einer der Backenzähne ist besonders kräftig und wird als Reißzahn (Dens sectorius) bezeichnet. Im Oberkiefer ist es der P4, im Unterkiefer der M1, also immer der drittletzte Zahn. Beide greifen wie eine Scherenzange ineinander und dienen zum Zerreißen von Fleischstücken.

Die Zahnstellung ist bei den einzelnen Hunderassen sehr variabel. Beim Normaltyp (also dem des Wolfes entsprechend, zum Beispiel beim Deutschen Schäferhund) greifen die Schneidezähne des Unterkiefers unmittelbar hinter die des Oberkiefers. Bei kurzköpfigen (brachyzephalen) Rassen, wie Deutscher Boxer und Pekinese, ist der Oberkiefer deutlich kürzer als der Unterkiefer (maxilläre Retrognathie), so dass die unteren Schneide- und Eckzähne deutlich vor denen der oberen stehen (Vorbiss). Bei Rassen mit langem und schmalem Schädel (dolichozephal), wie Barsoi, Whippet und Collie, sind die Verhältnisse umgekehrt (mandibuläre Retrognathie). Diese Rassen zeigen einen Hinter- oder Rückbiss.

Hunde werden zahnlos geboren. Die ersten Milchzähne erscheinen mit den Eckzähnen ab der dritten Lebenswoche. Mit etwa sechs Wochen ist das vollständige Milchgebiss mit 28 Zähnen ausgebildet. Der P1 und die hinteren Mahlzähne haben keine Milchzahnvorgänger. Der Zahnwechsel zum bleibenden Gebiss beginnt bereits ab dem dritten Lebensmonat bei den Schneidezähnen, etwa einen Monat später brechen P1 und M1 (die ja keinen Milchzahnvorläufer haben, also nicht wechseln) durch, ab dem fünften die übrigen. Der Zahnwechsel ist im siebten Monat abgeschlossen.

Fellfarben

Hauptartikel: Fellfarben der Hunde

Sinne

Hörsinn

Ohr eines Hundes

Das Ohr des Hundes ist hoch entwickelt; es kann höhere Frequenzen wahrnehmen als das des Menschen, im Idealfall:

  • Mensch ≈ 20–20.000 Hz, maximale Empfindlichkeit im Bereich zwischen 2000 und 4000 Hz
  • Hund ≈ 15–50.000 Hz (nach anderen Quellen bis 100.000 Hz), maximale Empfindlichkeit bei 8000 Hz[8]

Die beweglichen Ohrmuscheln des Hundes lassen ihn Geräuschquellen zudem besser dreidimensional orten, als ein Mensch das könnte. Sie sind neben der Hörfähigkeit wichtig als „Signalgeber“ für die optische Kommunikation.

Sehsinn

Auge eines Hundes

Früher ging der Mensch von der Annahme aus, dass Hunde nur Graustufen – also nur „schwarz-weiß“ – sehen könnten. Nach heutigen Erkenntnissen sehen Hunde Farben, sind aber rot-grün-blind.

Sehvermögen und höchste Farbempfindlichkeit bei Mensch und Hund

Das Auge des Hundes enthält wie bei allen Säugetieren zwei verschiedene Lichtrezeptoren: Während die Stäbchen für das Sehen von Graustufen zuständig sind, ermöglichen die Zapfen – ausreichende Beleuchtung vorausgesetzt – das Sehen von Farben. Die Stäbchen sind sehr viel zahlreicher und lichtempfindlicher als die Zapfen. Das trifft auch auf den Menschen zu: In der Dämmerung sehen auch wir nur in Graustufen. Bei Hunden ist (wie auch bei den meisten anderen Säugetieren, aber nicht beim Menschen) der Augenhintergrund „verspiegelt“. Diese Tapetum lucidum genannte Schicht reflektiert einfallendes Licht, so dass es ein weiteres Mal auf die Stäbchen trifft. Hunde können in der Dämmerung daher sehr viel besser sehen als Menschen.

Die Zapfen sind jeweils auf einen bestimmten Spektralbereich spezialisiert. Beim Menschen sind es drei unterschiedliche Rezeptoren für die Farben Rot, Grün und Blau, aus deren drei Farbsignalen das Gehirn den Gesamtfarbeindruck bildet. Der Hund hat nur zwei unterschiedliche Zapfentypen, die für Grün und Blau empfindlich sind. Dadurch wird nur ein Teil des menschlichen Farbspektrums abgedeckt: Rot ist eine Farbe, die der Hund nicht erkennt. Das Farbensehen der Hunde ist etwas in Richtung Ultraviolett verschoben und endet durch den fehlenden Rot-Rezeptor bei Gelb.

Es gibt aber noch andere gravierende Unterschiede: Das Hundeauge ist im Bereich 430 nm – dem Blaubereich – am empfindlichsten, das menschliche Auge im Bereich 550 nm (grün/gelb). Die Sehschärfe ist vermutlich geringer als beim Menschen und auf Bewegung optimiert; stillstehende Dinge werden durch das Gehirn unterdrückt, also kaum wahrgenommen. Der Grund dürfte darin liegen, dass die Beute des Wolfes optisch selektiert werden muss, da sie sich bewegt.

Die horizontale Ausdehnung des Gesichtsfeldes des Hundes beträgt etwa 240 Grad im Vergleich zu ungefähr 180 Grad beim Menschen. Der Bereich, in dem der Hund dreidimensional sehen kann, ist mit rund 60° kleiner als derjenige des Menschen (120°).[9]

Geruchssinn

Hundeschnauze mit Nase

Die Nase, das Riechorgan des Hundes, ist wesentlich empfindlicher als die des Menschen.[10] Hunde zählen zu den Nasentieren (Makrosmatikern). Grob zu erkennen ist der ausgeprägtere Geruchssinn schon an der Anzahl der Riechzellen, wobei es zwischen den Hunderassen erhebliche Unterschiede gibt. In etwa kann man sagen: je länger die Hundeschnauze, desto besser das Riechvermögen. So hat der Mensch fünf Millionen Riechzellen, der Dackel 125 Millionen und der Schäferhund 220 Millionen.

Zur Beurteilung der Riechleistung reicht das aber bei weitem nicht aus: Messungen haben ein im Vergleich zum Menschen etwa eine Million Mal besseres Riechvermögen ergeben. Der Hund kann in kurzen Atemzügen bis zu 300 Mal in der Minute atmen, so dass die Riechzellen ständig mit neuen Geruchspartikeln versorgt werden.

Eine ebenso wichtige Rolle spielt das Gehirn. Hier werden die eintreffenden Daten verarbeitet und ausgewertet. Da die Nase (ähnlich wie beim Sehen) rechts und links differenzieren kann, können Hunde „Stereo“ riechen. Auf diese Weise ist der Hund fähig, die Richtung einer Spur zu beurteilen und selbst eine alte Spur zu verfolgen. Das Riechhirn ist im Vergleich zu dem des Menschen riesig, denn es macht allein zehn Prozent des Hundehirns aus (im Vergleich: ein Prozent beim Menschen). Der Mensch nutzt diese besondere Fähigkeit des Hundes, indem er ihn als Spürhund in vielen Bereichen einsetzt. Hunde „schmecken“ Gerüche auch über das Jacobsonsche Organ (Vomeronasalorgan), das sich im Gaumen befindet. Dieses transportiert die aufgenommene Information sofort an das Limbische System. Es ist für die Entstehung von Gefühlen, das Triebverhalten und für die Bildung von Hormonen verantwortlich.

Geschmackssinn

Hunde besitzen Geschmacksknospen auf den Papillen der Zunge, aber auch auf dem Gaumendach und am Eingang des Schlundes. Insgesamt verfügt der Haushund über 1700 solcher Geschmacksknospen (der Mensch hat 9000). Um Geschmack wahrnehmen zu können, müssen Moleküle im Speichel gelöst werden, weshalb Hunde über vier Paar Speicheldrüsen verfügen. Es gibt zwei verschiedene Arten von Speichel – einen eher wässrigen, der für die Gemüsenahrung zuständig ist, und einen eher schleimigen, der Moleküle der Fleischnahrung löst. Die verschiedenen Regionen der Geschmackswahrnehmung auf der Zunge sind etwas anders angeordnet als beim Menschen. So reagiert der seitliche Teil der Zunge auf süße, salzige und saure Nahrung, während der hintere Zungenteil auf Bitteres anspricht. Die Rezeptoren, die fleischige Nahrung anzeigen, sind auf der ganzen Zunge verteilt, kommen jedoch auf dem ersten Drittel gehäuft vor.[11]

Tastsinn

Der Tastsinn ist für Hunde sehr wichtig, da sie über Berührungen soziale und emotionale Bindungen mit anderen Hunden und Menschen aufbauen. Durch Berührungen können Hunde messbar beruhigt werden – der Puls wird langsamer und die Atmung regelmäßiger.

Vibrissen, die Schnurrhaare, sind beim Hund nicht so ausgeprägt wie bei der Hauskatze

Hunde nehmen Berührungen vor allem über die Haut und mit Hilfe ihrer Vibrissen wahr. Sie verfügen über zwei verschiedene Arten von Rezeptoren in der Haut. Zum einen gibt es Rezeptoren für den Oberflächenkontakt, die sich direkt unter der Haut befinden und die Bewegungen der Haare auf die Rezeptoren am Haarfollikel übertragen, und zum anderen existieren Rezeptoren für stärkeren Druck, welche tiefer unter der Haut sitzen. Die Nase und die Lippen des Hundes reagieren besonders stark auf Druck, da dort besonders viele Sinnesnerven enden. Über die Pfoten können Vibrationen wahrgenommen werden. Im Gesicht hat der Hund Vibrissen, welche starrer als normale Körperhaare sind und zudem tiefer in die Haut reichen. An der Basis der Vibrissen befinden sich zahlreiche Tastrezeptoren. Man nimmt an, dass die Vibrissen für den Hund sehr wichtig sind, da 40 % des für den Tastsinn verantwortlichen Gehirnabschnittes für das Gesicht zuständig sind. Die Vibrissen dienen dem Hund als Frühwarnsystem, um sich vor einem Zusammenstoß oder Augenverletzungen zu schützen. Die Vibrissen sind so sensibel, dass sie einen Gegenstand nicht einmal berühren müssen, um ihn wahrzunehmen – die im Vorbeigehen entstehenden Luftwirbel reichen zur Wahrnehmung aus.[12]

Hunde besitzen ausschließlich Kältesensoren. Eine Ausnahme ist die Nase, in der sich Wärmesensoren befinden. Diese dienen besonders den Welpen dazu, nach der Geburt zur Mutter zu finden. Bei der Berührung mit heißen Gegenständen reagieren Hunde mit ihren Schmerzrezeptoren, nicht mit Wärmesensoren. Hunde können wie Menschen Schmerz empfinden. Es ist bewiesen, dass sich Hunde nach Operationen schneller erholen, wenn Schmerzmittel eingesetzt wurden – sie beginnen nach der Operation früher zu fressen und trinken, stehen schneller auf und können früher nach Hause. Evolutionsbedingt verbergen Hunde Schmerzen jedoch oft, um nicht aus dem Rudel verstoßen zu werden. Indizien für Schmerzen können Winseln, Kläffen, starkes Hecheln, ein schneller Atem, Zittern, Unruhe, Rückzug oder Aggressionen bei Berührung, Lecken/Benagen der schmerzenden Körperteile, schneller Puls, erweiterte Pupillen oder eine erhöhte Körpertemperatur sein.[12]

Karyotyp und Genom

Die Boxerhündin Tasha diente als Modell für die Sequenzierung des Genoms des Hundes

Die genetische Information des Haushunds liegt im Zellkern in 76 Autosomen (38 Paare), zwei Geschlechtschromosomen (X und Y) sowie in den Mitochondrien vor. Das Genom eines weiblichen Boxers wurde im Jahr 2005 erstmalig vollständig sequenziert; es besteht aus 2.528.446.953 Basenpaaren und zunächst geschätzten 19.300 Genen.[13][14]

Entwicklung

Fortpflanzung

Wilde Hündin beim Säugen der Welpen, Welpen zeigen dabei Milchtritt

Der Eintritt der Geschlechtsreife wird beim weiblichen Hund durch die erste Läufigkeit gekennzeichnet, die im Alter von sieben bis 14 Monaten auftritt. Rüden erlangen ihre Zeugungsfähigkeit in etwa dem gleichen Alter. Kleinere Hunde werden im Allgemeinen früher geschlechtsreif als Hunde großer Rassen.

Hunde unterliegen einer ausgeprägten, etwa halbjährlichen Brunstperiodik. Mit einem durchschnittlichen Läufigkeitsintervall von fünf bis sieben Monaten zählen sie zu den saisonal diöstrischen Tieren.

Der Sexualzyklus ist in vier Phasen unterteilt. Mit dem Beginn der Vorbrunst (Proöstrus) kommt es zu einem Anschwellen der Vulva und dem Austritt von blutigem bis fleischwasserfarbigem Sekret, welches die Hündin für Rüden attraktiv macht. Eine Deckbereitschaft ihrerseits ist jedoch noch nicht gegeben. Die Dauer der Vorbrunst beträgt – individuell unterschiedlich – vier bis 21 Tage. Ihr schließt sich die Brunst (Östrus) an, welche von Deckbereitschaft der Hündin und Fruchtbarkeit gekennzeichnet ist. Der Scheidenausfluss wird heller, und die Hündin „präsentiert“ sich den Rüden. Die Phase der Brunst beträgt zwei bis zwölf Tage. Zusammen mit der Vorbrunst wird sie als Läufigkeit bezeichnet. Hieran schließt sich der Metöstrus an, in dessen Verlauf über eine Dauer von neun bis zwölf Wochen Rückbildungs- und Regenerationsvorgänge an der Gebärmutter erfolgen. In der vierten Phase (Anöstrus) fehlt jegliches Anzeichen sexueller Aktivität. Dieser Abschnitt dauert zwei bis sechs Monate.

Beim Deckakt des Hundes kommt es zum bemerkenswerten Verhalten des „Hängens“. Auf die Penetration der Hündin hin kommt es zu einer starken Anschwellung des sogenannten „Knotens“ (anatomisch Bulbus glandis) des Rüden, welcher die verdickte Basis der Eichel mit einem Schwellkörper darstellt. Dies hat den Effekt, dass der Penis „verkeilt“ wird und sich die beiden Tiere nicht voneinander trennen können. Folglich steigt das männliche Tier nach der Ejakulation von seiner Partnerin herunter und dreht sich im Regelfall um 180°, so dass beide Tiere über eine Dauer von bis zu 30 Minuten mit den Hinterteilen einander zugewandt verbunden bleiben. Das Hängen verschafft den Spermien einen Vorsprung vor denen nachfolgender Rüden.

Die durchschnittliche Trächtigkeitsdauer der Hündin beläuft sich auf 63 bis 65 Tage, die Anzahl der Welpen pro Wurf schwankt etwa zwischen drei und zwölf Tieren.

Sozialisation

Auch bei Hunden wird der Begriff Sozialisation verwendet, um den Prozess zu kennzeichnen, bei dem der Hund sich mit seiner Umwelt auseinandersetzt, ihre Regeln kennenlernt und Bindungen eingeht. Sozialisation findet besonders intensiv während der ersten Lebensmonate statt. Bereits beim Welpen finden – entsprechende Haltungsbedingungen vorausgesetzt – folgende Prozesse statt:

  • Sozialisation mit Artgenossen (Erlernen zwischenhundlicher Kommunikation)
  • Sozialisation mit anderen Tieren (Katzen, Meerschweinchen, Vögel, Pferde)
  • Sozialisation mit (fremden) Menschen
  • Gewöhnung an Umweltreize wie Martinshorn, Fahrradklingeln, Flugzeuge, Knallgeräusche (Silvesterknaller) sowie Gewöhnung an Menschenansammlungen oder Verkehrsgetümmel

Kind mit Hund in Kap Verde

Die wichtigste Sozialisierungsphase des Hundes erstreckt sich in etwa von der 3. bis zur 12. Lebenswoche. Grundlage ist die Ausreifung der Sinnesorgane und die Entwicklung motorischer Fähigkeiten. Die Sozialisation mit Artgenossen findet dabei mit drei bis acht Wochen etwas früher statt als die mit Menschen (5.–12. Woche). In dieser Zeit lernen Hunde neue Verhaltensweisen und entwickeln für erwachsene Hunde typische Bewegungen sowie Nahrungsaufnahme-, Kot- und Harnabsatzverhalten. Sie lernen die arteigene Körpersprache, zeigen spielerisches Bellen und Beißen, erlernen die Beißhemmung und das Lesen der menschlichen Körpersprache. Die Sozialisation kann durch „Welpenspielstunden“ oder „Prägungsspieltage“, wie sie viele Hundevereine anbieten, unterstützt werden. Mit der Sozialisierungsphase ist der Erwerb sozialer Fähigkeiten jedoch nicht abgeschlossen, sie müssen durch lebenslange soziale Interaktionen aufrechterhalten werden.[15]

Basierend auf einer Empfehlung von Scott und Fuller von 1965 hat sich die Meinung entwickelt, dass es gut wäre, Welpen spätestens im Alter von acht Wochen von Mutter und Geschwistern zu trennen. Diese Meinung ist nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht haltbar. Insbesondere, wenn der Welpe beim Züchter bessere Bedingungen für die Sozialisation hat als beim späteren Halter, gibt es keinen Grund, die Trennung derart früh vorzunehmen, da eine Sozialisation in diesem Alter der Hunde noch nicht spezifisch für bestimmte Menschen ist und Hunde, die gute Erfahrungen mit Menschen machen, sich meist später auch gut mit anderen Menschen sozialisieren lassen.[16]

Ein sorgfältig sozialisierter Hund hat gelernt, friedfertig und aufgeschlossen mit fremden Personen, Kindern und anderen Haustieren umzugehen. Die Entwicklung jedes Hundes wird überwiegend von seiner Sozialisation und Erziehung bestimmt. Unzureichend sozialisierte Hunde haben Schwierigkeiten, sich in ihrer Umwelt zurechtzufinden. Sie neigen zu ängstlichem oder aggressivem Verhalten und anderen Verhaltensstörungen. Sozialisationsprozesse, die in den ersten 14 Lebenswochen nicht stattfinden, können nicht vollständig nachgeholt werden. Ein Hund ohne Sozialisation bis zur 14. Lebenswoche ist praktisch weder erziehbar noch trainierbar.[15] In welchem Maße daraus Verhaltensstörungen resultieren, hängt von der weiteren Entwicklung des Hunds ab und ist individuell sehr verschieden.

Lebenserwartung

Vergleich des biologischen Alters von Hunden unterschiedlicher Gewichtsklassen mit dem biologischen Alter des Menschen

Grundsätzlich werden kleine Hunde älter als große. So können Rassen wie der Dackel ein Alter von bis zu 15 Jahren erreichen, in Ausnahmefällen gar 20 Jahre. Größere, schwere Rassen wie etwa die Deutsche Dogge werden kaum älter als 9 Jahre.[17] Laut Guinness-Buch der Rekorde liegt der Rekord für den ältesten Hund bei 29 Jahren; gehalten wird er von einem Australian Cattle Dog, der in Australien als Schäferhund arbeitete.

Hunde und Wölfe

Einige Hunderassen sehen Wölfen sehr ähnlich, obwohl keine Wölfe eingekreuzt wurden, beispielsweise dieser Tamaskan

Hunde und Wölfe sind kreuzungsfähig. Zu welchem Grad so ein Mischling Hund oder Wolf ist, lässt sich aber nicht zwangsläufig am Äußeren festlegen, da viele Mischlinge Hunden oder Wölfen sehr ähnlich sehen und oft nur ein Gentest Klarheit bringen kann.

In seinem Buch „Der Hund“ beschreibt der Verhaltensforscher Erik Zimen ausführlich seine langjährigen vergleichenden Beobachtungen an Königspudeln und Wölfen sowie an deren Mischlingen (den sogenannten Puwos) und an den Nachkommen aus der Verpaarung von „Puwos“ untereinander.

Auch in der Praxis der Hundezucht wurde immer wieder versucht, Hunderassen durch das Einkreuzen von Wölfen zu „verbessern“, wie beim Saarlooswolfhund, beim Tschechoslowakischen Wolfhund und in Italien mit dem Lupo Italiano. Die Erwartungen konnten bei allen diesen Versuchen nicht erfüllt werden.

Bisher ging man davon aus, dass die Verhaltensunterschiede zwischen Wolf und Hund zu groß seien, als dass es in der freien Natur zu Mischpaarungen kommen könne. Ein zusätzliches Hemmnis ergibt sich aus den Fruchtbarkeitszyklen: Wolfsrüde und Wölfin sind nur einmal im Jahr fruchtbar. Dies unterscheidet vor allem den Wolfs- vom Haushundrüden.

Trotzdem kam es beispielsweise 2004 bei (vermutlich mangels Wolfsrüden) nach Deutschland eingewanderten Wölfinnen zu einer Verpaarung mit einem Hund, aus der sechs Mischlinge geboren wurden. Im Jahr 2000 wurde die Paarung zwischen einem Wolfsrüden und einer Schäferhündin beobachtet, aus der jedoch keine Nachkommen hervorgingen.

Man nahm und nimmt an, dass Vermischungen nur dort vorkommen, wo es wenige Wölfe, aber sehr viele Haushunde gibt. Es haben sich aber in den italienischen Abruzzen und der UdSSR nachweislich Wölfe mit Haushunden vermischt, wie auch durch Erik Zimen bestätigt.[18][19] Laut Dmitrij Iwanowitsch Bibikow traten auf dem Gebiet der UdSSR Mischlinge teilweise sehr häufig auf, auch in Populationen, die nicht gelichtet waren.[20] Ebenso wird bei der arabischen Unterart des Wolfes (Canis lupus arabs) eine Vermischung mit verwilderten Haushunden angenommen, da unter diesen Wölfen häufig braune Augen vorkommen. Ob sich diese Vermischung positiv oder negativ auswirkt, ist bisher nicht untersucht worden. Oft wird aber von einer negativen Auswirkung ausgegangen, trotz fragwürdiger Kriterien und in der Regel fehlender Daten.

Domestizierung

Genetische Belege

Erste Vergleichsstudien zur mitochondrialen DNA von Wölfen und Hunden in den 1990er Jahren kamen zum Schluss, dass ihre Domestizierung bereits vor mehr als 100.000 Jahren begonnen und mehrfach unabhängig voneinander stattgefunden habe.[21][22] Diese Zeitspanne wird in neueren Studien in Frage gestellt, da sie auf reinen Hochrechnungen der molekularen Uhr beruht.[23] Die ältesten bisher bekannten Knochenfunde von Wölfen mit Merkmalen der Domestizierung sind maximal etwa 40.000 Jahre alt.[24] Da zum Beginn der Domestikation die phänotypische Ähnlichkeit mit dem Wolf groß war, ist die Beurteilung fossiler Funde aufgrund anatomischer Merkmale schwierig.[25]

Im Jahre 2013 wurde die DNA des bereits 1975 gefundenen fossilen Wolfsschädels mit hundetypischen Merkmalen aus der Razboinichya-Höhle im Altai-Gebirge publiziert, dessen Alter mittels Radiokohlenstoffdatierung auf 33.000 BP bestimmt worden war.[26] Damit liegt die älteste DNA eines Wolfsschädels mit Domestikationsmerkmalen vor. Diese zeigt eine größere genetische Übereinstimmung mit heutigen Hunden als mit Wölfen.[27]

Alle Hunderassen können einer 2004 publizierten Studie gemäß der DNA vier verschiedenen Domestikationsereignissen zugeordnet werden.[28] Für Ostasien deutet eine molekulargenetische Untersuchung auf Haushunde bereits vor etwa 15.000 Jahren hin.[29] Eine Untersuchung der mitochondrialen DNA aus dem Jahre 2009 ergab, dass weltweit alle Hunderassen einen gemeinsamen Genpool haben, der sich in 10 Haplotypen unterteilen lässt.[30] Die gesamte genetische Bandbreite findet sich jedoch nur bei Hunden in China, südlich des Flusses Jangtse, woraus auf diese Region als Ausgangspunkt der Domestizierung geschlossen wird. Anhand der molekularen Uhr wurde die Domestizierung in dieser Region auf höchstens 16.300 Jahre vor heute datiert, wobei der Genpool auf mindestens 51 weibliche Wölfe zurückgehe.[30]

Anhand der Untersuchung der Y-Chromosomen von 151 männlichen Hunden aus aller Welt konnte der südostasiatische Ursprung bestätigt werden, da nur das Erbgut der Hunde aus Südostasien die volle Bandbreite der möglichen Varianten zeigt.[31] Die Autoren schlussfolgern, dass alle heutigen Hunde von 13 bis 24 Wolfsvätern abstammen. In späteren Zeiten habe es in anderen Regionen Rückkreuzungen von Hunden mit Wölfen gegeben.

Eine 2013 publizierte Untersuchung der mtDNA von 18 prähistorischen Caniden aus Eurasien und Amerika lässt hingegen die Schlussfolgerung zu, dass der Ursprung der Domestikation im pleistozänen Europa zu suchen sei, in einem Zeitfenster zwischen 32.000 und 18.000 Jahren vor heute.[32]

Fossilfunde kleiner Hunderassen sind vor 12.000 Jahren erstmals im Vorderen Orient belegt. Der Wachstumsfaktor IGF1 an heutigen kleinen Hunderassen lässt aus genetischer Sicht auf die Abstammung aus dieser Region schließen, was als Folge der Domestizierung des orientalischen Wolfs gedeutet wird.[33][34]

Die von Theophil Studer aufgestellte und noch von Konrad Lorenz vertretene Hypothese, dass der Hund mindestens teilweise vom Goldschakal (Canis aureus) abstamme, ist anhand von DNA-Analysen widerlegt worden. Weiteres zu Abstammungstheorien des Haushundes siehe Hauptartikel Urrasse.

Archäologische Funde

Die ältesten fossilen Belege für die Anpassung des Wolfes an den Menschen stammen aus dem Jungpaläolithikum.[35] Die Veränderungen am Gebiss (Schrägstellung einzelner Zähne, kulissenartige Hintereinander-Stellung mehrerer Prämolaren) und die damit verbundene Verkürzung des Fazialschädels wurden bei Wolfsschädeln von verschiedenen altsteinzeitlichen Siedlungsplätzen festgestellt. Neben dem DNA-untersuchten, 33.000 Jahre alten Wolfsschädel aus der Razboinichya-Höhle (Altai)[27] gibt es einen weiteren Schädelfund aus der Goyet-Höhle in einem Nebental der Maas (bei Andenne, Belgien) mit Veränderungen der Schnauzenpartie, der auf 31.700 BP datiert wurde. Beide Funde werden mit dem frühen Cro-Magnon-Mensch und seinen archäologischen Kulturen (frühes Jungpaläolithikum, Aurignacien) in Verbindung gebracht.[35] Einen etwas jüngeren Beleg bieten die bis zu 30.000 Jahre alten Canidenreste vom Wachtberg in Krems, einem Fundplatz des Gravettiens.[36] In den genannten Fällen ist die kürzere und breitere Schnauze das Resultat eines veränderten Fressverhaltens, was als Folge der Nahrungsanpassung der Wölfe an die Jagdressourcen des Menschen interpretiert wird. Eine solche monokausale Interpretation ist jedoch nicht unumstritten, da ein verändertes Fressverhalten nicht zwangsläufig mit dem Menschen zu tun haben muss.[37]

Von der spätpaläolithischen Fundstelle Eliseevichi 1 in der westrussischen Oblast Brjansk sind Hundeknochen bekannt, die auf 17.000–13.000 v. Chr. datiert werden.[38][39] Die Fundstelle liegt am Sudost, einem Nebenfluss der Desna. Die Fauna wird durch das Wollhaarmammut dominiert und datiert in die letzte Stufe der Waldajeiszeit (entspricht der Weichseleiszeit Mitteleuropas). Kulturell wird sie dem Epi-Gravettien zugerechnet. Die Siedlung wurde zwischen 1930–1940 durch K. M. Polikarpovitch ausgegraben, wobei zwei komplette Hundeschädel gefunden wurden. Der erste lag an einer Herdstelle, ein weiterer in einer Behausung aus Mammutknochen. Die Hunde hatten eine kurze Schnauze und waren etwa 70 cm hoch. Die Schädel von Eliseevichi und vom etwa gleich alten ukrainischen Fundplatz Mezhirich (bei Kaniw)[39] werden allgemein als älteste domestizierte Exemplare akzeptiert.[35] Die Domestikation kann jedoch mehrfach und regional zu unterschiedlichen Zeiten stattgefunden haben. Am französischen Magdalénien-Fundplatz von Saint-Germain-de-la-Rivière konnte anhand stabiler Isotope in Knochen von Menschen und Wölfen eine Ähnlichkeit der Diät nachgewiesen werden, die für beide durch große Herbivoren dominiert war.[40] Da Knochen von einem der Wölfe Isotopenspuren überwiegend mariner Kost (Lachse) aufweisen, könnte das für Domestikation der Tiere um etwa 14.000 BP sprechen.[40] Eine 2010 veröffentlichte 14C-Datierung eines Hundes vom Schweizer Kesslerloch mit deutlicher Schnauzenverkürzung ergab 12.225 ± 45 BP,[41] das entspricht einem kalibrierten Kalenderalter von 12.327 ± 239 v. Chr.[42] Spätestens zu dieser Zeit – im oberen Magdalénien vor etwa 14.000 Jahren – kann die Domestikation des Hundes in Mitteleuropa als gesichert gelten.

Der Kynologe Erik Zimen spricht von Hauswölfen, wenn er in der Geschichte der Domestikation der Hunde die Wölfe beschreibt, die noch nicht domestiziert sind, aber bereits mit Menschen zusammenleben und mit diesen eine soziale Beziehung eingehen.[43]

Altägyptische Darstellung

Eindeutige Indizien der Domestizierung bieten Hunde, die mit Verstorbenen zusammen begraben wurden.[44] Zu den ältesten Belegen dafür gehört das etwa 14.000 Jahre alte Doppelgrab von Oberkassel. Etwa zur selben Zeit ist auch im Natufien des Vorderen Orients die erste menschliche Bestattung mit Hund nachgewiesen, an einem Fundplatz auf der Hayonim-Terrasse im Norden Israels.[45][46] Etwas jüngere Belege bieten das etwa 10.000 Jahre alte Grab von Ushki-1 (Kamtschatka),[47] Ust'-Belaia (Sibirien)[48] sowie die Fundplätze Vlasac und Lepenski Vir am Eisernen Tor (Serbien, Frühmesolithikum).[49] Im Spätmesolithikum sind Hundebestattungen auch in Nordeuropa verbreitet, zum Beispiel in der skandinavischen Ertebølle-Kultur (Skateholm, Schweden).[50]

Der älteste Hund auf dem amerikanischen Kontinent wurde in Texas gefunden und mit der 14C-Methode auf 9.400 BP datiert.[51]. Das Knochenstück wurde bereits in den 1970er Jahren in einer prähistorischen Abfallgrube der Hinds Cave am unteren Pecos River gefunden, aber erst 25 Jahre später naturwissenschaftlich untersucht. Die Schlussfolgerung des Autors der Studie, der Hund aus der Hinds Cave müsse von Menschen gegessen worden sein, gründet sich auf die Fragmentierung des Knochens und die Lage in menschlichen Exkrementen. Die DNA belegt darüber hinaus die Abstammung von eurasischen Populationen ohne Hinweis auf Einkreuzen amerikanischer Wölfe. Auch unabhängig von der Evidenz des Hinds Cave-Fragments wird davon ausgegangen, dass Hunde zusammen mit der ersten menschlichen Besiedlung Amerikas vor etwa 14.000 Jahren von Ostsibirien nach Nordamerika gelangt sind, da sie in Sibirien aufgrund oben genannter Grabfunde zu dieser Zeit bereits als Begleiter des Menschen belegt sind.[48]

Weit verbreitet war der Haushund in Kulturen der Jungsteinzeit, wo er zum Teil schon separat bestattet wurde.[52] Auch aus der ersten bäuerlichen Kultur Mitteleuropas, der Bandkeramik (seit 5500 v. Chr.), gibt es gehäuft Hunde in Gräbern und Siedlungen.[53] Es handelt sich dabei nicht um wolfsähnliche Hunde, sondern mittelgroße Rassen, wie den Torfhund (Canis palustris). In der bandkeramischen Siedlung von Zschernitz in Sachsen wurde im Jahre 2003 ein separat bestatteter Torfhund gefunden.[54] Auch der nahezu vollständig erhaltene Torfhund von Burlage wurde zunächst für prähistorisch gehalten. Neuen Radiokohlenstoffdatierungen zufolge starb dieser Hund jedoch erst in der Neuzeit, zwischen 1477 und 1611.[55]

Im Alten Ägypten wurden neben Menschen und Katzen auch Hunde mumifiziert.[56]

Der älteste bekannte, aufgrund der Bissspuren sicher als solcher anzusprechende Hundenapf stammt aus der Zeit um Christi Geburt und wurde in einer Hundebestattung in Mayen gefunden.[57]

Nutzung

Gebrauchshunde

Blindenführhund

Unter Gebrauchshunden versteht man Hunde, die Menschen bei ihrer Arbeit unterstützen, gewissermaßen „berufstätige“ Hunde. Heute am bekanntesten sind wohl die landläufig Polizeihunde genannten Hunde im Behördendienst. Hier werden sie zur Spurensuche, zum Auffinden von Drogen, Sprengstoffen sowie Menschen (vermisste Kinder, hilflose Personen, entflohene Tatverdächtige oder Sträflinge) und Leichen, aber auch auf der Streife als Waffe und zur Bewachung eingesetzt.

Einige Hunderassen eignen sich als Blindenführhunde, wohl eine der schwierigsten Aufgaben unter den „Hundeberufen“, und als Assistenzhunde für Menschen mit anderen körperlichen oder geistigen Einschränkungen, manche können auch als Rettungshunde oder Therapiehunde ausgebildet werden. Für Gehörlose und Schwerhörige erleichtert ein Signalhund oft den Alltag.

Die Verwendung als Gebrauchshund, heute zahlenmäßig nur eine Randerscheinung, ist wohl die ursprünglichste Form der Hundehaltung. Am Anfang stand die Hilfe bei der Jagd, sowohl beim Aufspüren und Aufjagen als auch beim Erlegen der Tiere. Bei Aborigines, die teilweise auch von Hunden begleitet wurden, stand dagegen im Vordergrund, dass Menschen und Hunde sich in den kalten Wüstennächten aneinander wärmen. Eine besondere Jagdzusammenarbeit gibt es vielfach nicht. Die Hunde erhielten auch lediglich einige Reste.

Jagdhunde

Die Begleitung bei der Jagd war wahrscheinlich die erste und über lange Zeit wichtigste Nutzung von Hunden. Die dazu notwendigen Fähigkeiten und Fertigkeiten hatten die Tiere von ihren Vorfahren, den Wölfen, geerbt, so dass dazu keine besonderen züchterischen Leistungen nötig waren. Erst viel später wurden spezielle Jagdhundrassen gezüchtet. Für die Treibjagd benötigte man beispielsweise Hunde, die schnell laufen konnten, während kleine Hunde (Dackel oder Dachshund, Terrier) leicht in Fuchs- oder Dachsbaue eindringen konnten.

Hirtenhunde

Hund mit Schafherde

Indem die Menschen sesshaft wurden und verstärkt Landwirtschaft und Viehzucht betrieben, wurden Hunde auch verstärkt zum Bewachen von Hof, Haus und Herden eingesetzt. Für die Auswahl der geeigneten Tiere als Hirtenhunde wurde ihr natürlicher, auf den Wolf zurückgehender Trieb ausgenutzt, das Rudel zusammenzuhalten.

Wachhunde

Hauptartikel: Wachhund

Eine wichtige Aufgabe von Hunden, die zunehmend an Bedeutung verliert, ist die Bewachung von Objekten oder Vieh. In den Städten waren es naturgemäß eher die kleinen Hunderassen wie der Spitz, während auf dem Land wegen der höheren Abschreckungswirkung auch große Hunderassen zum Einsatz kamen. Häufig wurden jeweils zwei Hunde gehalten: kleine Hunde, die über eine niedrige Reizschwelle verfügten und das Herannahen eines Fremden meldeten, sowie große Hunde, die bereit waren, Haus und Hof zu verteidigen, die Hofhunde. Auch die Herdenschutzhunde gehören zu den Wachhunden und werden heute teilweise zur Objektbewachung eingesetzt wie zum Beispiel der Kangal in der Türkei.

Zugtier

Die Nutzung von Hunden als „Zugtier des armen Mannes“ ist zumindest vom Mittelalter bis in das 20. Jahrhundert hinein verbürgt. In Niemegk, damals Kreis Zauch Belzig in der Mark Brandenburg, wurden Hundewagen, beispielsweise bei der Heuernte, von kleinen Bauern nach dem Krieg 1870/71 noch bis etwa zur Verstaatlichung der Landwirtschaft durch die DDR benutzt.[58] In nördlichen Ländern werden Hunde wie der Husky oder der Samojede auch heute noch als Schlittenhunde eingesetzt.

Freizeitgestaltung

Hund beim Agility

Aufgrund seiner sozialen Anpassungsfähigkeit ist der Haushund das mit dem Menschen am vielfältigsten verbundene Tier. So verbringen viele Menschen heute mit ihrem Hund ihre Freizeit und betreiben dabei auch Hundesport. Nicht selten fungieren die Tiere sogar als einzige soziale Beziehung ihres Besitzers. Es kommt durch die hierbei häufig auftretende Vermenschlichung der Hunde oft zu gravierenden Haltungsfehlern, wobei die natürlichen Bedürfnisse der Tiere missachtet werden.

Modellorganismus in der Forschung

Hunde werden in der medizinischen Forschung als Versuchstiere eingesetzt. Einerseits werden an ihnen tiermedizinische Medikamente erprobt, andererseits werden sie auch für pharmakologische und toxikologische Tests und in der physiologischen Forschung verwendet, wobei vor allem speziell zu diesem Zweck gezüchtete Beagles zum Einsatz kommen.[59]

In den letzten Jahren ist auch der als Heimtier gehaltene Hund zu einem beliebten Modellorganismus für die epidemiologische und genetische Forschung geworden. Vorteile des Hundes als Modell für diese Fragen sind sein enges Zusammenlebens mit dem Menschen, das zu ähnlichen Umweltbedingungen wie bei diesem führt, die gute Verfügbarkeit medizinischer und genetischer Informationen, die große Variabilität in Körpergrösse und Körperbau, die Verfügbarkeit vieler weitgehend reinerbiger Inzuchtlinien in Form von Hunderassen und die sehr gute Datenlage zu Erbkrankheiten und molekulargenetischen Informationen.[60][61][62]

Für die interdisziplinäre Forschung am Hund hat sich neben dem älteren Begriff der Kynologie in der wissenschaftlichen Fachsprache auch der englische Begriff der Canine Science (dt. Wissenschaft vom Hund oder Hundewissenschaft) etabliert.[63]

Kleidungslieferant

Besonders im nördlicheren Asien ist das Fell des Hundes als Pelz begehrt, so noch Anfang des 20. Jahrhunderts Hundeleder, beispielsweise für Handschuhe. In Brasilien werden Hundefelle, insbesondere die der Dackel, zum Bespannen einer Reibetrommel (Cuíca) verwendet. Hundefell wird auch in Europa gehandelt. Da keine Deklarationspflicht besteht, wurden oft Phantasienamen wie „Gaewolf“ verwendet oder das Produkt wurde nur als „echter Pelz“ deklariert. Seit dem 31. Dezember 2008 sind Handel und Import von Katzen- und Hundefellen in der EU verboten.[64]

Vor der Einführung des Schafs in Nordamerika war Hundehaar dort die wichtigste Textilfaser; seine Verwendung in Textilien ist auch in prähistorischen Funden aus Skandinavien belegt. Die Verwendung ist heute auf den Hobbybereich beschränkt.

Fleischlieferant

Hundefleisch wird in einigen Ländern gegessen, zum Beispiel in Korea, Vietnam und einigen südlichen Provinzen Chinas wie Guangdong. Allerdings hat sich in vielen Kulturen ein Nahrungstabu herausgebildet, das den Verzehr verbietet. In Deutschland und vielen anderen Ländern gilt Hundefleisch per Gesetz nicht mehr als Nahrungsmittel und darf auch nicht gehandelt oder in den Verkehr gebracht werden.

Zucht

Im Verlauf der Mensch-Hund-Beziehung haben sich, regional und nach den Umwelt- und Lebensbedingungen, unterschiedliche Hunderassen herausgebildet. Die Spannweite der Körpergrößen ist so groß wie bei keinem anderen Landwirbeltier. Der Mensch hat es verstanden, den Hund für unterschiedliche Aufgaben durch Züchtung und entsprechende Hundeerziehung zu nutzen. Die Fédération Cynologique Internationale (FCI) ist die größte internationale Dachorganisation, die Festlegungen ihrer nationalen Mitgliedsorganisationen zu Rassestandards koordiniert und publiziert sowie Regeln zur Zucht festlegt.[65]

Urtümliche Hunde

Der Akita zählt zu den ältesten Hunderassen

In vielen Ländern existieren Hunderassen, die phänotypisch weitgehend den ersten domestizierten Hunden entsprechen. Nach einer Unterteilung der Gesellschaft für Haustierforschung gehören dazu die Paria- bzw. Schensihunde, wie sie zum Beispiel in der Äquatorialgegend Afrikas anzutreffen sind. Es sind Hunde, die sich lose den Menschen angeschlossen haben und als Abfallfresser toleriert werden. Das Verhalten solcher Hunde gilt als erster Schritt der Domestikation, geschichtlich folgte die bewusste Zucht nach gewünschtem Verhalten und wesentlich später auch nach Ästhetik.

Die FCI führt urtümliche Hunderassen in der Gruppe 5 „Spitze und Hunde vom Urtyp“ in den Sektionen 6 bis 8.

Einteilung der Zuchthunderassen

Skelett einer Deutschen Dogge neben dem Skelett eines Chihuahuas

Eine Systematik von Zuchthunderassen muss im Zusammenhang mit der Entwicklung der Naturwissenschaft auf der einen Seite und der Zucht selbst auf der anderen Seite betrachtet werden. Aus der Sicht der Versuche einer Systematisierung spielte für die Einteilung von Rassen lange das äußere Erscheinungsbild die Hauptrolle. Abhängig von diesem wurden äußerlich ähnliche Tiere von anderen abgegrenzt und als Rassen bezeichnet. Parallel dazu entwickelte sich die Zucht von Haushunden. Hier lag das Hauptaugenmerk auf der zweckbezogenen Zucht. Hunde hatten Aufgaben, für die sie gezüchtet wurden. Die Tiere, die für die jeweilige Verwendung am geeignetsten waren, wurden zur Zucht verwendet. Die Zucht war also vorwiegend auf einen Verwendungszweck gerichtet, hinter dem das Erscheinungsbild zurücktrat. Auch daraus ergab sich eine Einteilung von Rassen – Tiere, die für den gleichen Zweck gezüchtet wurden, wurden zu Rassen zusammengefasst. Daneben spielte der Aspekt der regionalen Herkunft der Hunde eine Rolle für deren Zuordnung zu Rassen. All diese Aspekte spiegeln sich in den heutigen Systematiken von Rassen.

Vornehmlich nach ihrem Verwendungszweck werden folgende Hundetypen unterschieden:

Die moderne Zucht von Haushunden als Rassehundezucht ist verglichen mit dem Zeitraum der Domestizierung der Haushunde extrem jung. Sie begann erst Mitte des 19. Jahrhunderts mit der zunehmenden Industrialisierung, hat ihren Ausgangspunkt in den höchstentwickelten Industrieländern und hängt zusammen mit den Erkenntnissen über die Gesetze der Vererbung. Erst dort begann eine systematische Zucht mit dem Ziel, bestimmte äußere Merkmale zu erreichen, und es wurden einheitliche Rassen gezüchtet. Die Zucht wurde in Zuchtbüchern und Ahnentafeln dokumentiert. Ausgangspunkt dieser Zucht waren aber zweckbezogen gezüchtete Hunde. So teilt man Rassen heute unter verschiedenen Aspekten ein. Die Problematik dieser Systematik besteht darin, dass sich im Laufe der Zucht sowohl der ursprüngliche Verwendungszweck einer Rasse als auch deren äußeres Erscheinungsbild ändert. Eine regionale Zuordnung von Zuchthunden ist meist gar nicht mehr möglich.

Eine kynologische Systematik der Hunderassen wird von der Fédération Cynologique Internationale (FCI) gepflegt. Von ihr werden derzeit 343 Rassen anerkannt (Stand: Februar 2012).[66] Diese Systematik ist eine historisch gewachsene und berücksichtigt nicht den Grad der genetischen Verwandtschaft zwischen den einzelnen Rassen. Im FCI-System werden alle anerkannten Hunderassen in 10 Gruppen eingeteilt, die wiederum in verschiedene Sektionen unterteilt sind:

Saluki, eine Windhundrasse. Auch diese Rasse wurde ursprünglich zur Jagd gezüchtet

  • Gruppe 01: Hütehunde und Treibhunde (ausgenommen Schweizer Sennenhunde)
  • Gruppe 02: Pinscher und Schnauzer – Molossoide – Schweizer Sennenhunde und andere Rassen
  • Gruppe 03: Terrier
  • Gruppe 04: Dachshunde
  • Gruppe 05: Spitze und Hunde vom Urtyp
  • Gruppe 06: Laufhunde, Schweißhunde und verwandte Rassen
  • Gruppe 07: Vorstehhunde
  • Gruppe 08: Apportierhunde – Stöberhunde – Wasserhunde
  • Gruppe 09: Gesellschafts- und Begleithunde
  • Gruppe 10: Windhunde

Daneben gibt es in der FCI-Systematik eine Reihe sogenannter vorläufig angenommener Rassen.

Außerhalb dieser Systematik gibt es zahlreiche von der FCI nicht anerkannte Rassen sowie eine Reihe als ausgestorben geltender Rassen wie Basset d'Artois, Braque Belge und Harlekinpinscher, die aus der FCI-Systematik gestrichen wurden.

Einige Hunderassen

Hauptartikel: Liste der Haushunde

Zu den kleinsten anerkannten Hunderassen gehört der Chihuahua (FCI-Nr. 218) mit einem Gewicht von 0,5–3,0 kg und einer Widerristhöhe von unter 20 cm; zu den größten Hunderassen zählen die Deutsche Dogge (FCI-Nr. 235) mit einer Widerristhöhe von mindestens 80 cm bei Rüden und der Irish Wolfhound (FCI-Nr. 160) mit bis zu 95 cm. Zu den seltenen Rassen zählt der Curly Coated Retriever oder auch der aus chinesischer Abstammung hervorgehende und seit mehr als 2000 Jahren dokumentierte Shar Pei.

Qualzuchten

Übermässige Hautfaltenbildung bei einem Shar-Pei

Bei einigen Rassen geht die Zucht so weit, dass die Hunde gesundheitliche Probleme wie Kurzatmigkeit oder Augenprobleme erleiden oder der Geburtsvorgang nicht mehr natürlich ablaufen kann, wie bei der Englischen Bulldogge. Bei anderen wurden die natürlichen Merkmale maßlos übertrieben wie beispielsweise Faltenbildung beim chinesischen Shar Pei, oder Anpassung der Fellstruktur. Derartige Zuchtziele bezeichnet man heute als Qualzucht.[67] Im Jahre 2008 veröffentlichte die BBC ihre Dokumentation Pedigree Dogs Exposed, in der fragwürdige Zuchtmethoden erstmals einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht wurden. Dies führte auch im deutschsprachigen Raum zu Reaktionen, die sich in politischen Bemühungen für eine Abwendung von der Qualzucht äußerten.[68]

Genetische Defekte

Bei allen Hunderassen und Mischlingen ist die Gefahr genetischer Defekte gegeben. Diese werden besonders durch die ständige Einkreuzung des gleichen Genmaterials begünstigt, wie es bei der Zucht in isolierten Gebieten, wie Inseln, der Fall ist (Genetischer Flaschenhals). Aber auch zur Erreichung von Zuchtzielen wurden und werden manchmal genetische Defekte bewusst ausgenutzt oder in Kauf genommen. Bekannt sind hier beispielsweise Hüftgelenksdysplasie (HD), Ellbogengelenksdysplasie (ED), Brachyzephalie, Brachyurie, Dackellähme oder der Merle-Faktor und andere Letalfaktoren. Die Gelenksveränderungen sind hauptsächlich auf das willkürlich definierte Schönheitsideal in Bezug auf den Körperbau (zum Beispiel den schräg abfallenden Rücken des Schäferhundes oder den überlangen Rücken des Dackels) zurückzuführen. Folgen derartiger Gendefekte können von Schmerzen bei der Bewegung bis hin zu völliger Lähmung führen. Ein weiterer durch Zucht entstandener Defekt am Knochengerüst ist das Wobbler-Syndrom. Dies tritt vor allem bei langhalsigen Rassen wie dem Dobermann und der Deutschen Dogge auf und bezeichnet mindestens einen deformierten Halswirbel (meistens C7). Der deformierte Wirbel ist instabil. Dies kann im schlimmsten Fall zur Verengung des Rückenmarkskanals führen und dadurch zur Lähmung der Vorderbeine.

Ein verbreiteter Gendefekt, der speziell bei Langhaarcollies entdeckt wurde, aber auch bei mit Collies verwandten Rassen wie beim Australian Cattle Dog und bei zahlreichen anderen britischen Hütehunderassen auftritt, ist der MDR1-Defekt. Dieser verhindert die Synthese des p-Glykoproteins, welches unter anderem zur Aufrechterhaltung der Blut-Hirn-Schranke wichtig ist, die dafür sorgt, dass bestimmte medizinische Wirkstoffe nicht in das Gehirn gelangen können. Fehlt das p-Glykoprotein, muss die Dosis bei gewissen Medikamenten stark reduziert werden, da diese sonst tödliche Nebenwirkungen haben können.

Haltung

2008 lebten in Deutschland etwa 5 Millionen Hunde (etwa 69 % Rassehunde und 31 % Mischlinge),[69] in der Schweiz etwa 440.000 und in Österreich etwa 550.000. Nach der Hauskatze ist der Hund damit das meistgehaltene Haustier.

Hunde werden in Deutschland zu den Kleintieren gerechnet. Sie werden im Normalfall als einzelne Individuen oder in kleinen Gruppen in unmittelbarer Nähe des Lebensraumes ihrer Besitzer gehalten. Dies kann zum einen die Wohnsphäre des Besitzers selbst sein, daneben ist jedoch auch die Haltung im Freien (im Zwinger oder in Anbindehaltung) durchaus üblich. Alle drei Formen der Haltung bergen die Gefahr nicht tierschutzgerechter Unterbringung der Tiere in sich.

Verwilderte Haushunde (zu denen auch Straßenhunde oder streunende Hunde gehören) sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz heute kaum noch anzutreffen, in Süd- und Osteuropa, Teilen Asiens, Afrikas und Lateinamerikas jedoch nach wie vor verbreitet. Zu ihrer Bekämpfung wurden früher auch städtische Hundefänger eingesetzt. Ausgesetzte Hunde werden meist in Tierheimen untergebracht. Gemäß Heinz Lienhard, Präsident Schweizer Tierschutz, kostet dies in der Schweiz für einen gesunden Hund 20 Franken pro Tag.[70]

Ernährung

Eine vollwertige Ernährung der Hunde erfolgt am einfachsten, indem man qualitativ hochwertiges (industriell gefertigtes) Hundefutter verfüttert. Diese Fütterung versorgt die Tiere mit allen essentiellen Nahrungsbestandteilen. Manche Hundehalter praktizieren eine Hundeernährung mit spezieller Frischkost (BARF). Ernährungsphysiologisch fragwürdig ist die Ernährung durch Speisereste, da sie Mangelzustände bewirken kann.

Viele menschliche Nahrungs- und Genussmittel sind für Hunde mehr oder wenig giftig, so zum Beispiel Schokolade aufgrund des enthaltenen Theobromins (Theobrominvergiftung), aber auch Speisezwiebeln, Weintrauben und Rosinen (Weintraubenvergiftung).

Häufige Krankheiten

Das Spektrum der bekannten Hundeerkrankungen ist überaus breit und in seiner Vielfalt mit Erkrankungen des Menschen durchaus vergleichbar. Häufige Hundekrankheiten sind:

Siehe auch: Kategorie:Hundekrankheit

Rechtliches

Hauptartikel: Hundegesetze

Deutschland

Hundesteuer

Steuerplaketten

Die Haltung von Haushunden ist in der Bundesrepublik Deutschland und in Österreich steuerpflichtig (im Gegensatz zu der von Katzen oder Pferden). Die Hundesteuer wird in Deutschland von der Gemeinde, in Österreich von den Bundesländern in unterschiedlicher Höhe erhoben und teils durch eine Steuerplakette (Hundemarke) nachgewiesen. Manche Gemeinden beziehungsweise Bundesländer fordern, dass die Plakette gut sichtbar am Hund zu befestigen ist.

Kennzeichnung und Registrierung

Für Haushunde besteht seit einigen Jahren die Möglichkeit der Implantation eines Chips, der die Identifikation des Tieres ermöglicht. Zum Auslesen der Transpondernummer des Tieres wird ein Lesegerät benötigt, über das in der Regel Tierärzte, Tierheime und Polizeidienststellen verfügen. Einige nichtkommerzielle Organisationen wie Tasso betreiben zentrale Registrierungsstellen für entlaufene und aufgefundene Hunde; hier kann auch die Chipnummer des eigenen Tieres registriert werden. Diese Nummer ist weltweit einmalig und erlaubt im Gegensatz zur Tätowierung eine sichere Identifizierung des Hundes. Gesetzliche oder behördliche Regelungen (Hundegesetze) sehen teilweise eine Pflicht zu derartiger Kennzeichnung vor, auch beim Grenzübertritt müssen Hunde gem. EU-Heimtierverordnung gekennzeichnet sein.

Haltungsbedingungen

Es gilt die Tierschutz-Hundeverordnung.[71] Hier sind die Mindestbedingungen für Räume, Zwinger und Leinenhaltung vorgegeben. Ebenfalls durch die Verordnung vorgeschrieben ist ein Mindestalter von 8 Wochen für die Trennung der Welpen von ihrer Mutter.

Gefährliche Hunde

Hund mit Maulkorb

Hauptartikel: Rasseliste

Bestimmte Rassen werden als gefährliche Hunde, teils auch „Kampfhunde“ genannt, eingestuft. Behördlicherseits werden auch Bezeichnungen wie Kampfhund, Listenhund, Anlagehund oder Kategoriehund verwendet.

Ausgangspunkt der kritischen Medienberichterstattung und der ablehnenden Haltung gegenüber „Kampfhunden“ sind immer wieder dokumentierte – teils tödliche – Unfälle mit Hunden dieser Rassen. Nach absoluten Zahlen aus den Statistiken der Bundesländer werden die meisten Beißunfälle in Deutschland durch Deutsche Schäferhunde verursacht, die in keinem Bundesland auf der Rasseliste stehen. In der Schweiz verursachen Deutsche Schäferhunde und Rottweiler signifikant mehr Bissverletzungen, als anhand ihres Anteils an der Hundepopulation zu erwarten wäre.[72] Eine Studie der Freien Universität Berlin kommt für die deutschen Bundesländer Berlin und Brandenburg zum selben Schluss.[73]

Brut- und Setzzeit

In den Ländern Niedersachsen[74] und Bremen[75] dürfen Hunde während der Brut- und Setzzeit (1. April bis zum 15. Juli) im Bereich der „freien Landschaft“ nicht abgeleint werden.

Sonstiges

Eine Verpflichtung zu bestimmten Impfungen (Tollwut) gibt es in den meisten Bundesländern nicht, sie ist jedoch nötig, wenn innerhalb der EU Ländergrenzen passiert werden (→ EU-Heimtierausweis). Detaillierte gesetzliche Regelungen, beispielsweise zum Leinenzwang oder zur Haltung von sogenannten Kampfhunden sind landesspezifisch, und werden teils auch in den Gemeinden unterschiedlich geregelt.

In Deutschland gibt es keinen bundesweit offiziell anerkannten Hundeführerschein, auch wenn dies von einigen Hundeschulen suggeriert wird. Die Ausbildung zum Begleithund ist ebenfalls weder vorgeschrieben, noch gesetzlich geregelt. Verschiedene Institutionen und Verbände bieten unterschiedliche Ausbildungen an, die mit Begleithundeprüfungen abgeschlossen werden, die wiederum auch wechselseitig meist nicht anerkannt werden. Rettungshundeprüfungen können nur in einer zugelassenen Rettungshundestaffel abgelegt werden.

Wer seinen Hund ausführt, ist zu Entfernung von dessen Hundekot von öffentlichen Wegen verantwortlich; die Unterlassung stellt vielerorts eine mit Ordnungsgeld oder Bußgeld belegte Ordnungswidrigkeit dar.

Österreich

In vielen Ländern und Gemeinden verlangen Vorschriften, dass Hunde – eventuell nur in Wohngebieten, auf Strassen – an der Leine zu führen sind, in öffentlichen Verkehrsmitteln einen Maulkorb tragen müssen und ihr Kot von der Strasse zu beseitigen ist. Verschiedentlich werden in Selbstentnahmeboxen gratis dafür geeignete, oft rote oder braune PE-Sackerln angeboten. Etwa in Wien und Graz werden eingezäunte Bereiche als Hundezone öffentlich angeboten.

Schweiz

Die Tierschutzverordnung schreibt vor, dass Hundehalter vor dem Kauf ihres ersten Hundes einen Theoriekurs besuchen müssen, in dem sie über die Grundbedürfnisse von Hunden, den Zeitaufwand und die Kosten der Hundehaltung informiert werden. Innerhalb eines Jahres nach dem Kauf müssen Hund und Besitzer ein praktisches Training absolvieren, in dem verschiedene Alltagssituationen geübt werden. Das Tierseuchengesetz schreibt zudem vor, dass Hunde gekennzeichnet und in einer Datenbank registriert sein müssen. Obligatorisch ist die Kennzeichnung des Hundes mit Mikrochips, die Ausstellung eines Hundeausweises und die Registrierung des Hundes in einer zentralen Datenbank (Animal Identity Service, ANIS).[76]

Im Übrigen sind die Vorschriften zur Hundehaltung durch kantonales Recht geregelt und daher nicht einheitlich. Versuche zur Einführung nationaler Regelungen sind im Parlament wiederholt gescheitert.[77] In einigen Kantonen existiert keine kantonale Hundegesetzgebung, weil Maßnahmen zu Hunden in die Polizei- oder Gemeindekompetenz fallen (z.B. Uri, Glarus und Zug). Andere Kantone haben spezielle Hundegesetze, die Kennzeichnung und Registrierung sowie weitere tierseuchenpolizeiliche und tierschutzrechtliche Bestimmungen regeln. Ebenfalls kantonal geregelt ist das Vorgehen bei Findeltieren und vielfach in allgemeiner Form die Verpflichtung, den Hund unter Kontrolle zu halten. Weitere kantonale Regelungen betreffen die Ausbildung von Hund und Halter, den Abschluss einer Haftpflichtversicherung und das konkrete Vorgehen nach Beissvorfällen.[78]

Bisher haben zwölf Kantone (Stand 2013) eine Rassenliste mit potenziell gefährlichen Hunderassen eingeführt (AG, BL, BS, FR, GE, SH, SO, TG, TI, VD, VS, ZH). Die Rassenlisten enthalten zwischen drei (VD) und dreißig (TI) Hunderassen und erstrecken sich auch auf Kreuzungen. Sie definieren zumeist potenziell gefährliche Hunderassen, deren Haltung einer Bewilligungspflicht unterliegt; vier Kantone kennen Haltungsverbote für bestimmte Rassen (FR, GE, VS, ZH).[78]

Grenzübertritt in der EU

Bei Grenzübertritt muss seit 2004 in EU-Europa ein Heimtier-Ausweis mit dem Nachweis einer gültigen Tollwutimpfung zur Identifikation mitgeführt werden, weiterhin muss dem Hund ein passiver Nurlese-RFID-Chip (Transponder), der der ISO-Norm 11784 entspricht (HDX- oder FDX-B-Übertragung) und mit einem der ISO-Norm 11785 entsprechenden Lesegerät abgelesen werden kann, implantiert sein, dessen Nummer im Heimtierausweis eingetragen ist. Der Sinn dieser Regelung ist der Kampf gegen die Tollwut.[79]

Kulturgeschichte

Der Hund als treuer Begleiter. Franz Rudolf Frisching ließ sich 1785 mit seinem Berner Laufhund von Jean Preudhomme porträtieren

In den verschiedenen Kulturkreisen wurden und werden Hunde in teilweise sehr unterschiedlicher Art und Weise wahrgenommen beziehungsweise wertgeschätzt.

  • In Europa und dort besonders im germanischen Kulturkreis wurden Hunde traditionell als treue Begleiter des Menschen betrachtet und etwa als Wach-, Hüte- oder Jagdhunde hoch geschätzt (vergleiche den Hund Argos in Homers Odyssee). Im deutschen redensartlichen Sprichwortschatz werden sie eher gering geschätzt („Auf den Hund gekommen, hundsgemein, krummer Hund, Hundsfott. Hundewetter, hundsmiserabel, Hundeleben, scharfer Hund, Hundejahre, Schweinehund, innerer Schweinehund“).
  • Im Judentum und dem auf ihm aufbauenden Christentum ist der Hund im Allgemeinen nicht besonders angesehen. Zumeist wird von ihm in verächtlicher Weise gesprochen und er muss etwa als Bild für eine niedrige, verachtenswerte Kreatur oder als Schmähung herhalten (zum Beispiel Sprüche 26,11: „Wie ein Hund frisst, was er gespien hat …“; 2. Buch Samuel 3,8: „Bin ich denn ein Hundskopf aus Juda?“; Mt 7,6: „Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben“).
  • Im Islam gibt es über die Unreinheit von Hunden unterschiedliche Lehrmeinungen, nach denen entweder der Hund gänzlich rein oder unrein oder – dies ist die weitestverbreitete Position – nur der Speichel des Hundes unrein ist. Allerdings wird von Jagdhunden apportierte Beute als rein angesehen, obwohl der Hund sie in der Schnauze zurückgebracht hat. Im Koran selbst findet der Hund an drei Stellen Erwähnung, nämlich als Beispiel für Jagdtiere in Sure 5, Vers 4, in einem Vergleich eines Ungläubigen mit einem Hund in Sure 7, Vers 176 und der Name Raqīm als Name des Hundes der Siebenschläfer in Sure 18, Verse 18 und 22.
  • In China steht man dem Hund weitgehend pragmatisch gegenüber. Er wird weder verehrt noch verachtet, in manchen südlichen Provinzen dient er sogar als Speise. In der Symbolik steht er für den Westen, den Herbst sowie mitunter auch für Reichtum. Auch kommt ihm eine gewisse Rolle im Bereich des Exorzismus zu: Dem Volksglauben nach müssen Dämonen, die mit Hundeblut bespritzt werden, ihre wahre Gestalt offenbaren. Der Hund ist das 11. Tier im chinesischen Tierkreis.

Bindung (Hund)

Bindung bezeichnet die besondere soziale Beziehung zwischen Mensch und Hund. Sie ist zum einen Folge einer Sozialisation mit Menschen, zum anderen genetisch bedingt und wird als mögliche evolutionäre Anpassung an das Leben in Menschen-Gruppen interpretiert. Die Bindung des Hundes an Menschen tritt insbesondere dann auffällig in Erscheinung, wenn das Tier in Stress-Situationen gerät. Vor die Wahl gestellt, bevorzugen es Hunde, sich Menschen anzuschließen.[1] Zu anderen Hunden bauen sie keine Bindungsbeziehungen auf.

 

Inhaltsverzeichnis

Bindungsbegriff

Bindung bezeichnet nach Erik Zimen das Phänomen, dass ein Tier (hier: Hund) eine besonders enge soziale Beziehung zu einem anderen Individuum eingeht.[2] Heinz Weidt übertrug 1989 die Bindungstheorie, die menschliches Bindungsverhalten erklärt, auf die Mensch-Hund-Beziehung.[3] Heinz Weidt und Dina Berlowitz formulierten 1997, es „kann sich zwischen den ungleichen Partnern jenes unsichtbare individuelle Band knüpfen, das wir im weiteren Bindung nennen.“[4] Sie beziehen Bindung auf eine „von Geborgenheit und Sicherheit gekennzeichnete Gefühlslage“ des Hundes und verstehen Bindung „im Sinne und in der Funktion eines lebensnotwendigen Systems“.

Grundlagen der Bindung

Die Bindungsbereitschaft des Hundes ergibt sich aus der Trennung von der Mutter und dem natürlichen Bedürfnis nach Schutz. Damit überhaupt eine Bindung an den Menschen zustande kommen kann, ist die Sozialisation des Welpen mit Menschen in der sensiblen Phase seiner Entwicklung nötig. In dieser Phase maximaler Lernfähigkeit etwa von der 3. bis zur 13. Lebenswoche entscheidet sich, wer engster Sozialpartner wird und ob der Hund in der Lage sein wird, Sozialbeziehungen aufzubauen.[5] Vier Monate alte Welpen entwickeln eine Bindungsbeziehung zu ihrer Hauptbezugsperson,[6] Hunde sind jedoch auch in der Lage, später schnell, das heißt innerhalb weniger Tage, neue Bindungen einzugehen, was insbesondere an Tierheimhunden beobachtet wurde.[7] Wenn Hunde bis zur 14. Lebenswoche keine Erfahrung mit Menschen gemacht haben, zeigen sie jedoch im Allgemeinen diesen gegenüber ein starkes Meideverhalten.[8]

Die Bindung von Hunden an Menschen ist nicht nur von der sozialen Umgebung abhängig. Vergleiche von intensiv mit Menschen sozialisierten Wolfswelpen mit Hundewelpen unter gleichen Aufzuchtbedingungen im Alter von vier Monaten zeigten, dass die Hunde Bindungsverhalten zeigten, die Wölfe dagegen nicht. Während Hunde Bindungsbeziehungen zu Menschen aufbauen, tun sie das zu anderen Hunden nicht. Vielmehr bestehen Parallelen im Bindungsmuster zwischen Hunden und Kindern. Wie bei Kindern führen bei Hunden Störungen der Bindung zu typischen Verhaltensstörungen.[9] Es ist die Aufgabe des Menschen, dem Bindungsbedürfnis des Hunds gerecht zu werden. Dabei muss er einen Weg finden zwischen Überbehüten des Hundes und dem Vernachlässigen von dessen Schutzbedürfnis, sein Handeln bestimmt die Qualität der Bindung. Er muss die Bedürfnisse des Hundes erkennen, entsprechend reagieren und dem Hund ein verlässlicher Partner sein.[10]

Bindungsverhalten

Das Verhalten des Hunds nach einer Trennungssituation lässt Rückschlüsse auf die Bindung zu.

Das Bindungsverhalten des Hundes ist gekennzeichnet von inneren und äußeren Faktoren; sie bestimmen, inwieweit er die Nähe zu seiner Bezugsperson sucht und aufrechterhält und ob und in welchem Maße er erkundendes Verhalten zeigt, für das die Bezugsperson als sichere Basis fungiert.

Eine Beziehung kann als Bindung bezeichnet werden, wenn (im Fall Hund – Mensch) der Hund den Menschen erkennen kann (individuelle Unterscheidung), er ihn bei Erkundung und Gefahr als sichere Basis betrachtet (secure base effect) und bei der Begegnung nach stressbelasteter Trennung den Menschen begrüßt und entspannteres Verhalten zeigt.[11]

Bedeutung der Bindung

Die Bindung ist ein lebensnotwendiges System. Es muss im Fall des Hundes je nach seinem rassespezifischen und individuell veränderten Abhängigkeitsgrad mehr oder weniger lebenslang erhalten bleiben. Ohne die Sicherheit der Bindung an den Menschen hat dieser abhängige Hund ständig eine Fluchttendenz und gerät in einen Kreislauf aus Angst und Aggression. Nur eine sichere Bindung ermöglicht es dem Hund, sich positiv mit seiner Umwelt auseinanderzusetzen.

Eine sichere Bindung stellt somit die Basis des Zusammenlebens und jeder Arbeit mit dem Hund dar.

Es gibt Arbeitshunde (wie die klassischen Hofhunde oder Herdenschutzhunde), die vergleichsweise selbständig agieren müssen und nicht in enger Sozialbeziehung zum Menschen gehalten werden. Im Zusammenleben mit ihnen kann es bei mangelnder Sachkenntnis der Menschen zu Gefahrensituationen kommen. Gerade bei in dieser Tradition stehenden Rassen kommt bei einer Haltung als Begleithund dem Aufbau einer sicheren Bindung besondere Bedeutung zu (dazu siehe [12]).

Bindungstests

Zimen führte sowohl mit Hunden als auch mit Wölfen Bindungstests durch. Er nutzte vor allem den eingehaltenen räumlichen Abstand zueinander, um auf die Stärke der Bindung zu schließen. Einer der Tests für den Hund davon bestand in einem Trennungsversuch: ein Hund wurde im Gelände vor die Wahl gestellt einer von zwei sich trennenden Personen zu folgen.[2]

Heinz Weidt und Dina Berlowitz entwickelten 1997 einen Bindungstest[4] auf der Grundlage von John Bowlby und Mary Ainsworth. In einem Zeitraum von 12 Minuten werden dabei der Hund und seine Hauptbezugsperson in einem abgeschlossenen Raum mit Spielgeräten jeweils etwa 3 Minuten lang mit verschiedenen Situationen und Aufgaben konfrontiert und beobachtet (Video). Die folgenden vier Episoden werden dabei unterschieden:

gemeinsames Erkunden (Hund und Bezugsperson betreten den fremden Raum),Spielen/Beschäftigen (gemeinsam),Trennung/Alleinsein (Bezugsperson verlässt den Raum),Wiedervereinigung/Spielen (Bezugsperson kommt zurück).

Das Verhalten in den jeweiligen Situationen erlaubt Rückschlüsse auf die Qualität der Bindung.

1998 publizierte die Gruppe um den ungarischen Verhaltensbiologen Ádám Miklósi an der Eötvös-Loránd-Universität Budapest eine neue Anwendung des Strange Situation Tests von Mary Ainsworth zur Untersuchung des Bindungsverhaltens von Hunden. Der Test besteht aus sieben Episoden von je 2 Minuten Dauer und einer 30-sekündigen Einführungsepisode:[13]

Einführungsepisode: Der Beobachter führt Besitzer und Hund in einen dem Hund unbekannten Versuchsraum und verlässt diesen. Besitzer und Hund: Erst erkundet der Hund für 1,5 min den Raum während der Besitzer inaktiv ist, danach regt letzterer Spiel an.Fremde, Besitzer und Hund: Eine Fremde tritt ein und setzt sich. Nach 30 s beginnt sie eine Unterhaltung mit dem Besitzer. Bei Minute 2 geht die Fremde zum Hund und versucht Spielen anzuregen. Am Ende dieser Episode verlässt der Besitzer unauffällig den Raum, die Hundeleine bleibt auf dem Stuhl.Fremde und Hund (erste Trennungsepisode): Das Verhalten der Fremden richtet sich nach dem des Hunds. Während der ersten Minute versucht sie den Hund zu beschäftigen und so von der Tür fernzuhalten. Wenn der Hund nicht spielen will, versucht die Fremde ihn durch Streicheln zu beschäftigen. Bei Minute 2 hört die Fremde auf zu spielen. Wenn der Hund streicheln kommt, wird das zugelassen.Besitzer und Hund (erste Wiedersehensepisode): Der Besitzer geht zur geschlossenen Tür und ruft den Hund, dann öffnet er die Tür und wartet einen Moment und lässt den Hund reagieren. Der Besitzer begrüßt und tröstet den Hund. Währenddessen verlässt die Fremde den Raum. Nach 2 Minuten geht auch der Besitzer und sagt dem Hund, dass er bleiben soll. Die Leine bleibt auf dem Stuhl.Hund allein (zweite Trennungsepisode)Fremde und Hund (Fortsetzung der zweiten Trennungsepisode): Die Fremde tritt ein und richtet ihr Verhalten nach dem des Hunds. Während der ersten Minute versucht die Fremde den Hund durch Spielen zu beschäftigen und von der Tür fernzuhalten. Wenn der Hund nicht spielen will, versucht die Fremde den Hund durch Streicheln zu beschäftigen. Bei Minute 2 hört die Fremde auf zu spielen. Streicheln ist erlaubt, wenn es vom Hund ausgeht.Besitzer und Hund (zweite Wiedersehensepisode): Der Besitzer öffnet die Tür und wartet einen Moment bevor er den Hund begrüßt, um ihm Gelegenheit zu geben, spontan zu reagieren. Dann begrüßt und tröstet der Besitzer den Hund während die Fremde weggeht.

Der Test wird auf Video aufgezeichnet und von geschulten Beobachtern ausgewertet. Topál, Miklósi und ihr Team fanden 1998 deutliche Unterschiede im Verhalten der Hunde gegenüber dem Besitzer im Vergleich zu dem gegenüber der Fremden. Aus diesem Vergleich schlossen sie auf das Bindungsverhalten, das sie als Ergebnis der Domestikation betrachten. Sie fanden keine wesentlichen rassespezifischen Unterschiede.

 

DOGS-Tipp - Juni

Im Juni findet wieder der alljährliche Aktionstag „Kollege Hund“ statt. Hier wird darum geworben, den Hund mit ins Büro nehmen zu dürfen. Tatsächlich belegen Studien, dass Hundebesitzer konzentrierter arbeiten wenn sie ihr Tier am Arbeitsplatz dabei haben. Außerdem haben Hunde einen positiven Einfluss auf das Betriebsklima.

Damit die positiven Aspekte auch wirklich für den Arbeitgeber ersichtlich sind, ist es erforderlich, dass Ihr Hund auch wirklich bürotauglich trainiert ist. Darauf möchte ich in diesem Tipp des Monats etwas näher eingehen.

Zunächst muss die Anwesenheit Ihres Hundes Zustimmung von den Kollegen und Ihrem Arbeitgeber bekommen, nur so vermeidet man zukünftige Streitigkeiten die sich um das Thema Hund drehen.

Damit ihr Hund die Kollegen oder etwa Kunden nicht stört, hilft es, dem Hund einen festen Liegeplatz einzurichten und ihm nicht ständig zu erlauben, überall herum zu laufen. Dieser Liegeplatz sollte sich möglichst an einem ruhigen Ort, wo nur selten oder keine Kollegen bzw. Kunden vorbeilaufen befinden. Dort kann Ihr Hund entspannen und in Tagträume fallen.

Trainieren Sie das Abliegen auf dem Liegeplatz zunächst im Büro ohne Ablenkung. Klappt dies, können Sie Besucher hereinbitten. Schicken Sie den Hund auf die Decke. Bleibt er dort, wird er von Ihnen belohnt, bleibt Ihr Hund unter Ablenkung von Besuchern nicht liegen, können Sie ihn auch kurzfristig dort anbinden.

Bitten Sie Ihre Kollegen zudem darum, Ihren Hund wenig zu beachten und Ihr Büro nicht nur des Hundes wegen aufzusuchen. Ansonsten wird Ihrem Hund nämlich eine Erwartungshaltung antrainiert, ganz in dem Sinne: „Wenn jemand kommt, dreht sich erst mal alles um mich.“ Und wehe wenn nicht, dann holt er sich schnell gewohnte Aufmerksamkeit und fordert sie ein!

Im Idealfall können Sie sogar zu Fuß oder per Rad zur Arbeit gehen, dann hat Ihr Hund auch schon direkt seinen täglichen Auslauf, ansonsten kann er sich auch mal bis zur Mittagspause gedulden, in der dann ausgiebig getobt wird!

DOGS-Tipp - Mai

Diesen Monat möchte ich Ihnen und Ihrem Hund das „Aufräumen“ näher bringen. Stellen Sie sich vor, wie Ihr Hund für Sie, die im Raum verteilten Gegenstände einsammelt und in einen Eimer wirft. So wird Ihr Hund zu einem wahren Haushaltshelfer.

Beim „Aufräumen“ handelt es sich um eine Variante des Apportierens, bei welcher man dem Hund beibringt Gegenstände nicht in die Hand abzugeben sondern in eine Kiste oder einen Korb fallen zu lassen.

Dazu müssen wir unserem Hund das „Aufräumen“ natürlich erst mal beibringen.

Für das Training benötigen Sie eine stabile Kiste oder einen Korb, die Größe ist jeweils von der Größe Ihres Hundes abhängig, sollte jedoch eine Öffnung haben, die das bequeme Einwerfen der Spielzeuge ermöglicht. Beginnen sie das Training indem Sie ihrem Hund anfangs erlauben sich mit der Kiste vertraut zu machen. Legen Sie den Apportiergegenstand in die Kiste und lassen Sie ihren Hund das Spielzeug aus der Kiste heraus apportieren. Haben Sie diese Übung einige Male erfolgreich wiederholt, können Sie sich neben oder hinter der Kiste positionieren und das Spielzeug zu sich apportieren lassen. Legen Sie Ihre Hand über die Öffnung der Kiste. Wenn Ihr Hund den Gegenstand bringt, geben Sie ihm das Signal für Loslassen und ziehen die Hand leicht zurück, sodass das Spielzeug in der Kiste landet. Sofern dies nach einigen Wiederholungen gut klappt, und ihr Hund das Prinzip verstanden hat, können Sie im Moment des Fallenlassens ein Signal z.B. „aufräumen“ hinzufügen.

Wenn ihr Hund das Signal kennt, können Sie die Übung etwas schwieriger gestalten und nach und nach die Distanz zwischen Ihnen und der Kiste vergrößern. Zeigen Sie durch Körpersprache mit ausgestrecktem Arm auf die Kiste und geben Sie ihrem Hund das Signal „aufräumen“. Üben Sie dies auch an unterschiedlichen Orten, z.B. im Wohnzimmer, im Garten …

Wenn auch diese Übung auf einige Meter Entfernung gut klappt, können Sie eine zweite Kiste hinzunehmen. Stellen Sie hierfür eine Kiste rechts und eine Kiste links von sich auf. Beginnen Sie auch bei der neuen Kister erst damit, Ihren Hund aus der Kiste heraus etwas apportieren zu lassen. Klappt dies gut, gehen Sie einen Schritt weiter. Ihr Hund sitzt Ihnen gegenüber, das Spielzeug liegt zwischen Ihnen und Ihrem Hund. Lassen Sie Ihren Hund den Gegenstand nun aufnehmen und zeigen Sie deutlich auf die Kiste in die Ihr Hund den Gegenstand „aufräumen“ soll. Führt Ihr Hund die Übung gut aus, belohnen Sie ihn.

Diese Übung können Sie auch mit beliebigen, für Ihren Hund ungefährlichen Haushaltsgegenständen durchführen, z.B. mit Socken, Fernbedienungen, PET-Flaschen etc.

Im nächsten Monat werden wir das „Aufräumen“ mit dem „Revieren“ kombinieren. Viel Spaß beim Üben!

DOGS-Tipp - April

Unsere Hunde sind Individuen mit dem Bedürfnis nach geistiger und körperlicher Auslastung. Geben wir Ihnen die Möglichkeit diese Bedürfnisse in gemeinsamen Übungen mit uns auszuleben, sorgen wir dafür, dass unsere Hunde ein zufriedener sind und wir verbessern unsere Beziehung zu ihnen stetig.

Im April möchte ich Ihnen eine neue Denksportübung für Sie und Ihren Hund näher bringen.

Ihr Hund soll also in diesem Monat lernen, verschiedene Gegenstände zu unterscheiden und auf Distanz zu diesen Objekten laufen, um dort ein von Ihnen hinzugefügtes Signal ausführen. Um diese Beschreibung etwas praktischer zu erklären, hier ein Beispiel: Ihr Hund kann folgende Gegenstände anhand des Begriffs unterscheiden: Stuhl, Teller, Napf und Leine. Nun sind die Gegenstände auf einer Fläche oder in einem Raum an unterschiedlichen Stellen verteilt. Sie setzen Ihren Hund ab und schicken ihn mit dem Signal „Teller“ zum Teller, dort angekommen soll er das Signal „Sitz“ ausführen, danach können Sie ihn zum „Stuhl“ schicken um dort „Platz“ zu machen usw.

Da wir aber noch am Anfang des Trainings sind, beginnen wir erst einmal damit, Ihrem Hund beizubringen verschiedene Gegenstände zu unterscheiden. Beginnen Sie dieses Training in einer möglichst ablenkungsfreien Umgebung.

Suchen Sie sich zunächst einen Gegenstand aus, mit welchem Sie beginnen möchten. Geben Sie Ihrem Hund das Signal „Sitz –Bleib“ und gehen Sie einige Schritte von Ihrem Hund weg um in Sichtweite den Gegenstand abzulegen. Legen Sie offensichtlich ein Leckerchen auf das Objekt und kehren Sie zu Ihrem Hund zurück. Nun schicken sie Ihren Hund los um das Leckerchen zu suchen, Sie begleiten ihn bis zum Gegenstand. Ist Ihr Hund angekommen und sucht das Futterstück, fügen sie den Namen des Gegenstands hinzu. Gerade wenn Ihr Hund aufgegessen hat, fügen Sie nun das erste Signal hinzu, z.B. „Sitz“. Setzt sich ihr Hund neben den Gegenstand, belohnen Sie ihn und lösen Sie die Übung auf. Wiederholen Sie diesen Ablauf einige Male. Später tun Sie nur so, als würden Sie einen Keks auf dem Gegenstand ablegen, schicken Ihren Hund hin, geben ihm das Signal für „Sitz“ oder „Platz“ und belohnen ihn sofort. Kombinieren Sie nun, mal liegt ein Keks dort, mal liegt keiner dort. Wenn Ihr Hund beherrscht auf Signal diesen Gegenstand anzusteuern, können Sie den Abstand zum Gegenstand erhöhen, Ihren Hund also voraus laufen lassen, dort absetzen und erst dann gehen Sie zu ihm um ihn zu belohnen.

Wenn Ihr Hund also den ersten Gegenstand auf Distanz erkennen, anlaufen und sich dort absetzen oder –legen kann, beginnen Sie mit dem nächsten Gegenstand und bauen die Übung ebenfalls so auf wie beim ersten Objekt. Erst wenn Ihr Hund auch den zweiten Gegenstand sicher auf Signal hin ansteuern kann, kommen beide Objekte gleichzeitig ins Spiel.

Beginnen Sie indem Sie die Gegenstände in großem Abstand zueinander, also einen rechts und einen links von Ihrem Hund positionieren. Schicken Sie Ihren Hund mit deutlicher Körpersprache zu einem der Gegenstände und lassen Sie ihn dort absitzen oder liegen. Belohnen Sie ihn wenn er gut mitarbeitet. Bauen Sie nach und nach die körpersprachliche Hilfe ab.

Sobald Ihr Hund diese Übung beherrscht, können Sie um unzählige Objekte erweitern. Bitte beachten Sie aber, jeden neuen Gegenstand erst einzeln zu konditionieren, bevor Sie ihn in den „Parcours“ mitaufnehmen. Nach und nach können Sie so nun einen Parcours aufbauen und ihr Hund kann von einem zum anderen genannten Gegenstand laufen und sich dort setzen, legen, stellen oder Männchen machen oder einen anderen Trick vorführen.

Ihrer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Viel Spaß beim Üben!

 

DOGS-Tipp - März

Im Februar haben wir besprochen wie Sie das Revieren mit Ihrem Hund aufbauen können. Da Sie diese Aufgabe fleißig mit Ihrem Hund trainiert haben, können Sie bereits Ihren Hund auf die Distanz von einigen Metern um ein Objekt herumschicken.

Diesen Monat möchte ich Ihnen gerne näher bringen, wie Sie dieses Training weiter ausbauen können.

Suchen Sie sich also ein Gelände wo Sie Ihren Hund um mehrere Objekte herumschicken können. Dabei kann es sich um mehrere Pfähle handeln oder aber auch (je nach Trainingsstand) um Parkbänke, Bäume und Pfähle. Ihrer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt!

Beginnen Sie das Training zunächst mit dem einfachen herumschicken aus relativ geringer Distanz. Nun können Sie Ihren Hund mal links, mal rechts herum um unterschiedliche Objekte schicken. Dazu beginnen Sie ganz einfach – Sie gehen relativ nah an das erste Objekt, schicken Ihren Hund herum und lassen ihn nun „bei Fuß“ neben Ihnen her zum nächsten Objekt gehen, aus einer Distanz, die Ihr Hund bereits revieren kann, schicken Sie ihn nun um das nächste Objekt.

Klappt auch diese Übung nach und nach, können Sie in kleinen Schritten die Distanz erhöhen und auch mehrere Objekte in Ihr Training mit aufnehmen. Dann können Sie auch das Training mit dem Apportiertraining kombinieren. Setzen Sie hierfür Ihren Hund mit dem Rücken zum revierenden Objekt ab und werfen einen Apportiergegenstand gerade aus. Drehen Sie sich zusammen mit Ihrem Hund um, schicken Sie ihn um den Pfahl oder Baum und direkt nach der Umrundung zum Spielzeug um es zu apportieren. Diese Übung bietet Potential für unzählige andere Übungen. Hier nur ein paar um Ihre Fantasie anzuregen:

Zwei Futterbeutel werden nach rechts und links geworfen, erst muss reviert werden, dann wird der Hund zuerst zu einem, dann zum anderen Futterbeutel geschickt. Man reviert um mehrere Objekte. Erst um ein Objekt herumschicken – Stopp pfeifen – einen Apportiergegenstand werfen – noch einmal um ein anderes Objekt revieren und dann apportieren lassen. Zweimal rechts um zwei Objekte revieren und dann in einer Acht revieren. Also einmal linksherum, um das andere Objekt rechts herum schicken. U.v.m. 


Bitte beachten Sie weiterhin, alle Übungen sollen in kleinen Schritten aufgebaut werden. Wenn Ihr Hund eine Übung zuvor noch nicht gemacht hat, bauen Sie diese Schrittweise auf und unterstützen Sie ihn vor allem und loben Sie Ihn wenn er gut mitmacht.

In diesem Sinne – viel Spaß beim Revieren und Kombinieren der vielen Möglichkeiten!

 

DOGS-Tipp - Februar

Der Frühling kommt, die Tage werden heller und länger und unsere Motivation mit dem Hund wieder aktiver zu werden steigt. Diesen Monat möchte ich Ihnen das Revieren näher bringen.

Das Revieren bedeutet zunächst einmal, dass der Hund etwas umrundet. Dabei kann es sich um einen Pfahl, Baum, Busch oder, für Fortgeschrittene auch um ein Gebäude handeln. In der Kombination mit Apportieren oder Leckerli Suche haben die meisten Hunde große Freude am Revieren. Da der Mensch dabei lernt seinen Hund auch auf Distanz zu führen, ist dies natürlich auch ein gutes Training für das Mensch/Hund Team! Der Mensch muss beim Revieren besonders gut auf seine Körpersprache achten, um den Hund gezielt um die Objekte schicken zu können.

Beginnen Sie zunächst damit Ihrem Hund beizubringen einen Gegenstand von rechts zu umrunden. Besonders einfach geht es mit einem Gegenstand der höher ist als Ihr Hund, jedoch niedrig genug, sodass Sie darüber greifen können (z.B. ein Pfosten oder ein Stuhl). Nutzen Sie ein Spielzeug oder Leckerlies um Ihren Hund zu locken. Sie stehen dicht vor dem zu umrundenden Objekt. Setzen Sie Ihren rechts neben sich, nehmen sie das Leckerli oder das Spielzeug in die rechte Hand und machen sie einen Ausfallschritt mit dem rechten Bein nach vorne, locken Sie dabei Ihren Hund mit dem Leckerli oder Spielzeug um den Pfosten herum. Läuft Ihr Hund gut mit, drehen Sie sich selbst dabei nach links um 180 Grad. Ist Ihr Hund herumgelaufen, belohnen Sie ihn. Sie können den Apportiergegenstand auch ein Stück weit werfen um Ihren Hund zu belohnen. Wiederholen sie diese Übung einige Male. Wenn Ihr Hund die Übung verstanden hat, können Sie kurz bevor er ganz um den Gegenstand herumgelaufen ist, ein Signal hinzufügen (z.B. „rum“ oder „twist“).

Nun bauen Sie die Übung aus, indem Sie Ihrem Hund beibringen auch links herum um Gegenstände zu laufen. Sie bauen auch diese Übung wie im oberen Absatz beschrieben auf, nur dass Sie nun, den Hund links neben sich absetzen, das Spielzeug oder Leckerli in der linken Hand halten und den Ausfallschritt mit dem linken Bein machen. Auch hier wiederholen Sie die Übung mehrmals und fügen Sie dann das Signal hinzu.

Hat Ihr Hund nach und nach verstanden wie die Übung geht, können Sie Ihn zunächst nur mit Ihrer Körpersprache (rechter Arm und rechtes Bein bedeutet von rechts herum laufen, linker Arm und linkes Bein ausgestreckt bedeutet von links umrunden) aber ohne Spielzeug in der Hand schicken. Läuft er herum, holen Sie das Spielzeug oder Leckerli aus der Tasche und belohnen ihn. Wenn auch das klappt, steigern Sie nach und nach den Abstand zu dem zu umrundenden Objekt.

Wenn Sie und ihr Hund fleißig trainiert haben, können Sie Ihren Hund zukünftig um allerlei Dinge (sogar Personen!) herumschicken. So wird Ihr Spaziergang erneut zu einer spannenden Abwechslung.

In diesem Sinne - viel Spaß beim Üben!

 

Lerntheorien für Hundehalter: Klassisches Konditionieren

Epagneul Breton

Um zu wissen wie man dem Hund etwas beibringt und warum er so tickt, wie er tickt, ist es wichtig zu verstehen wie der Hund lernt. Warum setzt sich der Hund bei dem Wort „Sitz“? Warum ist Lob und Strafe wichtig und welche Auswirkungen hat dies auf den Hund? Warum zeigt der Hund, nachdem er einen neuen Hundefreund kennen gelernt hat, plötzlich neue Verhaltensweisen?

All diese Fragen soll die folgende Artikelreihe beantworten. Am Anfang wird ein kurzer Abriss über die Geschichte der Lerntheorie gegeben, dann folgt eine Erklärung der Theorie mit Beispielen und zum Schluss wird auf die Auswirkungen auf die Hundehaltung eingegangen. All die Lerntheorien treffen nicht nur auf den Hund zu – sie sind für alle Lebewesen bedeutsam. Trotzdem soll es im Folgenden in erster Linie um das Lernen beim Hund gehen.

 

Klassisches Konditionieren

Die Klassische Konditionierung ist die erste wichtige Lerntheorie, wenn man sich mit dem Lernen von Hunden beschäftigt.

Wer hat es „erfunden“?

Die klassische Konditionierung wurde per Zufall entdeckt und wirkte regelrecht revolutionär. Der Entdecker war der Physiologe Iwan Pawlow (1849-1936). Er wollte die Physiologie des Verdauungsprozesses bei Hunden untersuchen. Die Assistenten stopften den Hunden am Anfang der Experimente immer Fleischpulver ins Maul. Daraufhin wurden die verschiedenen Körpersekrete gemessen, unter Anderem auch die Menge des Speichels. Nach einigen Wiederholungen machte Pawlow eine erstaunliche Entdeckung: Die Hunde fingen bereits beim Anblick der Assistenten an, Speichel abzusondern. Sie hatten gelernt, dass diese Leute etwas mit Futter zu tun hatten und der Verdauungsvorgang setzte bereits früh ein, obwohl das Futter noch nicht einmal in Sichtweite war.

Aus diesem Zufallsergebnis erarbeitete Pawlow die Lerntheorie des klassischen Konditionierens. Das bekannteste Experiment ist wohl der „Pawlowsche Hund“, der auf eine Glocke mit Speichelfluss reagierte. Weniger bekannt sind seine Experimente bei denen der Hund auf einen Ton mit Schmerzen reagierte – hier wurde der Ton mit einem Elektroschock gekoppelt. Nach einigen Wiederholungen reichte bereits der Ton um die gleiche körperliche Reaktion hervorzurufen wie der Elektroschock selber.

Das klassische Konditionieren

Welpe Rückruf

Der Rückruf muss erst konditioniert werden, damit er so gut klappt.

Beim klassischen Konditionieren werden zwei Reize miteinander gekoppelt. Genauer gesagt wird ein neutraler Reiz mit einem Reiz gekoppelt der unkonditioniert ist und eine unkonditionierte Verhaltensweise nach sich zieht. Um es ganz verständlich zu machen, schauen wir an dieser Stelle mal einem Züchter über die Schulter. Viele Züchter konditionieren die Hunde direkt auf eine Pfeife, damit die späteren Besitzer die Hunde mit der Pfeife auch zurück rufen können.

Der Welpe hat noch keinerlei Vorerfahrung mit der Pfeife gemacht. Sie alleine wird kaum eine Reaktion hervorrufen (höchstens eine Orientierungsreaktion um zu schauen woher das komische Geräusch kommt), da sie für den Hund keinerlei Bedeutung hat. Die Pfeife, beziehungsweise der Pfeifton ist an dieser Stelle der neutrale Reiz, der lediglich eine neutrale Reaktion hervor ruft.

Dies wird nun mit einem unkonditionierten Reiz, dem Futter gekoppelt. Sobald das Futter in Sichtweite ist, wird der Welpe sich zu diesem Futter bewegen – dies ist eine unkonditionierte Reaktion. Es ist schlicht und ergreifend eine natürliche Verhaltensweise, die nie beigebracht wurde. Der Züchter fängt nun an zu pfeifen, sobald der Hund auf dem Weg zum Futter ist. Nach einigen Wiederholungen braucht der Züchter nur noch zu pfeifen – auch ohne das Futter kommt der Welpe zu ihm. Hier wurde aus dem vorher neutralen Reiz ein konditionierter Reiz, bei dem die gleiche Reaktion gezeigt wird, wie auf den unkonditionierten Reiz. Man kann sich also grob vereinfacht folgendes Schema merken:

Neutraler Reiz (Pfeifton) + Unkonditionierter Reiz (Futter) = Konditionierte Reaktion (Kommen)

Hunde machen Sitz

Auch das “Sitz” muss gelernt sein.

Dies ist wichtig für sämtliche Befehle. Auch wenn wir dem Hund ein „Sitz“ beibringen, machen wir es genauso. Man lockt den Hund in die richtige Position und während er sich setzt, sagen wir das Wort „Sitz“. Das Wort hat für den Hund eigentlich keinerlei Bedeutung, aber er versteht nach einigen Wiederholungen, dass mit dem Wort das „Sitzen“ gemeint ist, da er Beides miteinander verknüpft hat.

Dies funktioniert natürlich nicht nur in die eine Richtung, wie man sich aufgrund Pawlows Elektro-Schock-Experimenten denken kann. Es ist genauso möglich einen neutralen Reiz mit einem unkonditionierten Reiz zu koppeln, der zu einem Fluchtverhalten führt. Da kann der neutrale Reiz zu einem konditionierten Reiz werden, der die konditionierte Reaktion (Fluchtverhalten) auslöst. Dies hat besonders eine Bedeutung bei ängstlichen Hunden.

Lerntheorien für Hundehalter: Operantes Konditionieren (Teil 2)

Border Collie Leckerchen

Der Psychologe Edward Lee Thorndike (1874-1949) stieß bei seinen

Die ängstlichen und hungrigen Katzen versuchten aus dem Käfig zu kommen und betätigten während ihrer Befreiungsversuche zufällig diesen Mechanismus. Bei Wiederholungen des Experiments befreiten sie sich immer schneller und betätigten den Mechanismus gezielt. Sie hatten anscheinend gelernt, dass sie sich durch eine bestimmte Verhaltensweise befreien konnten – die unnötigen Verhaltensweisen wurden gelöscht. Thorndikes Theorie dazu besagt, dass man durch Konsequenzen des Verhaltens lernt und nicht durch bloße Reiz-Koppelung wie bei Pawlow.

 

Die Experimente von Thorndike waren zwar wichtig, jedoch beruhten sie auf „Versuch und Irrtum“. Die Katzen führten wahllos Aktionen aus (Versuche) um sich zu befreien, wovon viele nichts brachten (Irrtum), bis sie den Mechanismus fanden. Diese letzte Verhaltensweise wurde somit bestärkt.

Der Psychologe Burrhus Frederic Skinner (1904-1990) führte Thorndikes Gedanken weiter. Ihn interessierte, wie man Verhalten manipulieren und auch kontrollieren kann. Er entwickelte das Verfahren des „operanten Konditionierens“. Er manipulierte dabei die Konsequenzen eines Verhaltens, um das nachfolgende Verhalten beobachten zu können. Die Theorie dazu wird im Folgenden erläutert. Auch diese Lerntheorie gilt für alle möglichen Organismen (selbst Ameisen sind so konditionierbar). Allerdings liegt der Fokus auf das Lernen bei Hunden und aufgrund dessen werden auch die Beispiele gewählt.

Kontingente Verstärkung

Wenn zwischen der Verhaltensweise des Hundes und den Veränderungen, die das Verhalten hervorbringen, ein Zusammenhang besteht, spricht man von einer „kontingenten Verstärkung“. Ein Hund, der für jeden Blickkontakt zu seinem Besitzer ein Leckerchen erhält, wird dann kontingent verstärkt, wenn die Gabe regelmäßig erfolgt und keine anderen Verhaltensweisen (weg drehen des Kopfes, Blick zu einem anderen Hund usw.) verstärkt werden. Ein gezieltes Training mit Hunden beruht auf genau dem Grundsatz, dass bestimmte Verhaltensweisen eine bestimmte Konsequenz nach sich ziehen und dementsprechend ein Verhalten zuverlässiger oder gar nicht mehr gezeigt wird. Wichtig ist dabei, dass die Konsequenz auch konsequent erfolgt.

Verstärkung vs. Bestrafung

Border Collie Leckerchen

Eine Leckerchengabe als Beispiel für die positive Verstärkung.

Hierbei geht es darum, die Auftretenswahrscheinlichkeit einer Verhaltensweise zu erhöhen oder zu verringern. Eine Verstärkung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ein bestimmtes Verhalten gezeigt wird. Eine Bestrafung verringert dagegen diese Wahrscheinlichkeit.

Sowohl Verstärkung, als auch Bestrafung können positiv oder negativ sein. Achtung! Hier liegt ein häufig vorkommender Irrtum vor. „Positiv“ und „Negativ“ sind keine Wertäußerungen, sondern müssen in einem mathematischen Sinn betrachtet werden. „Positiv“ heißt in diesem Zusammenhang, dass etwas hinzugefügt wird. „Negativ“ heißt, dass etwas weggenommen wird.

Positive Verstärkung

Bei der positiven Verstärkung wird ein bestimmtes Verhalten belohnt. Kommt der Hund auf das Kommando „Hier“ und wird dafür belohnt, sei es in Form von Zuwendung, Leckerchen oder Spiel, wird die Auftrittswahrscheinlichkeit der Verhaltensweise „Kommen auf Zuruf“ erhöht. Man hat also etwas hin zugegeben um ein Verhalten zu verstärken.

Negative Verstärkung

Bei der negativen Verstärkung wird etwas Unangenehmes entfernt, weswegen eine Verhaltensweise häufiger gezeigt wird. Ein Hund, der bei Besuch weg gesperrt wird und aufgrund dessen laut bellt, macht die Erfahrung dass dies nichts bringt. Ist er irgendwann jedoch ruhig und wird dann zum Besuch gelassen, wird das ruhige Verhalten verstärkt. Die unangenehme Umweltbedingung (räumliche Trennung) wurde entfernt, wodurch die Auftrittswahrscheinlichkeit des ruhigen Verhaltens erhöht wurde.

Positive Bestrafung

Bei der positiven Bestrafung wird ein aversiver Reiz hinzugefügt um die Auftretenswahrscheinlichkeit eines Verhaltens zu verringern. Ein prominentes Beispiel hierfür sind Sprühhalsbänder. Ein Hund, der jagt und immer dann einen Sprühstoß bekommt, wenn er jagen gehen will, wird in Zukunft diese Verhaltensweise weniger zeigen oder ganz einstellen. Es wurde ein Reiz hinzugefügt, der bewirkte dass die Auftrittswahrscheinlichkeit des Jagens verringert wurde.

Negative Bestrafung

Bei der negativen Bestrafung wird etwas Angenehmes entzogen, weswegen ein Verhalten weniger wahrscheinlich auftritt. Ein Hund der um Aufmerksamkeit zu bekommen seinen Besitzer anbellt und als Konsequenz von diesem ignoriert wird, wird negativ bestraft. Etwas Angenehmes (Aufmerksamkeit) wird ihm entzogen und die Auftretenswahrscheinlichkeit des Bellens wird verringert.

Zusammenfassend kann man sich folgendes Schema merken:

Tabelle operantes Konditionieren

 

Operante Löschung

Wie in der klassischen Konditionierung kann es auch hier eine Löschung des Verhaltens geben. Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens eines Verhaltens sinkt dann wieder auf das Niveau herab, das es vor der Konditionierung hatte. Wird das Kommen auf Zuruf irgendwann für den Menschen zu einer Selbstverständlichkeit, weswegen er das Verhalten des Hundes nicht mehr belohnt, wird die Wahrscheinlichkeit dass der Hund zuverlässig zurück kommt geringer. Bleibt die Konsequenz auf das Verhalten aus, wird das Verhalten also gelöscht.

Diskriminative Reize und Generalisierung

Um dieses Phänomen zu erklären, kommt hier ausnahmsweise ein Beispiel des Menschen. Wenn wir im öffentlichen Raum das Bedürfnis verspüren auf Toilette gehen zu müssen, wissen wir, dass wir nicht an Ort und Stelle unser Geschäft verrichten dürfen. Wir suchen also ein Klo auf, denn dort wurde das Verhalten verstärkt (unangenehmer Druck der Blase lässt nach = negative Verstärkung).

Es wäre schön blöd, wenn wir in das nächste Klo stürmen würden, denn in unserer Gesellschaft gibt es in der Regel getrennte Toiletten für Männer und Frauen. Auf welches Klo wir gehen müssen, sagt uns das Symbol an der Toilettentür. Dieses Symbol ist ein diskriminativer Reiz. Dieser Reiz legt den Kontext für das vorher verstärkte Verhalten fest.

Auch dies ist wichtig für das Trainieren eines Hundes, denn auch hier sind diskriminative Reize sehr wichtig. Ein Hund der gelernt hat auf Zuruf zu kommen, lernt den Ruf als diskriminativen Reiz. Wenn dem so nicht wäre, würde der Hund permanent bei seinem Menschen sein und seine Belohnung haben wollen. Stattdessen hat er aber gelernt dass er nur im Kontext eines Rufes kommen muss.

Hunde können jedoch auch die diskriminativen Reize generalisieren. Dabei wird auf einen Reiz der ähnlich ist wie der Diskriminative, gleich reagiert. Ein Hund der gelernt hat auf den diskriminativen Reiz „Hier“ zu kommen, zeigt dies dann auch bei anderen Menschen die ihn rufen, obwohl die Rufe anders klingen.

Primäre und sekundäre Verstärker

Border Collie Fuß Klicker

Deutlich sichtbar der Klicker in der rechten Hand bei der Übung “Fuß”.

Primäre Verstärker sind all jene Verstärker die die Grundbedürfnisse wie Hunger und Durst stillen. Leckerchen sind bei Hunden primäre Verstärker. Sekundäre Verstärker werden auch konditionierte Verstärker genannt. Sie wurden vorher konditioniert und kündigen einen primären Verstärker an. Dies ist wichtig bei der Arbeit mit dem Klicker. Hierbei wurde der Hund am Anfang klassisch auf das Klick-Geräusch konditioniert, indem mit jedem „Klick“ ein Futterbrocken gegeben wurde. Somit wird der Klicker zu einem sekundären Verstärker, der den primären Verstärker (Futter) ankündigt. So lässt sich im Anschluss Verhalten mit dem Klicker verstärken. Wichtig ist dabei jedoch, dass der Klicker die Belohnung zuverlässig ankündigt, da sonst die Bedeutung des „Klicks“ wieder gelöscht wird.

Verstärkerpläne

Bei den Verstärkerplänen lassen sich „Quotenpläne“ und „Intervallpläne“ unterscheiden. Bei einem Quotenplan wird nach einer bestimmten Anzahl von Verhaltensweisen, diese verstärkt. Bei einem Intervallplan wird nach einer bestimmten Zeit die Verhaltensweise verstärkt. Dies lässt sich noch weiter aufschlüsseln, jedoch wird hier aufgrund des Fokus auf die Hundehaltung nur auf das Wichtigste eingegangen. Lernt ein Hund ein neues Verhalten, lernt er dieses besonders gut, wenn es kontinuierlich verstärkt wird. Ein Hund der das „Sitz“ lernt, sollte am Anfang bei jedem ausgeführten „Sitz“ belohnt werden. Ein Hund der das „Sitzen bleiben“ lernt, sollte am Anfang bereits für das kurze Bleiben in der Position belohnt werden und die Zeit sollte allmählich gesteigert werden. Wichtig ist bei beiden Verstärkerplänen, dass am Anfang kontinuierlich verstärkt wird.

Partielle Verstärkung

Ist ein Verhalten bereits gelernt worden, sollte die Verstärkung partiell erfolgen. Hier erfolgt nicht bei jeder korrekt ausgeführten Verhaltensweise eine Verstärkung, sondern nur ab und zu. Die so gelernten Verhaltensweisen sind besonders löschungsresistent. Partiell lässt sich sowohl bei Quotenplänen (nicht jedes „Sitz“ wird verstärkt), als auch bei Intervallplänen (die Dauer des „Sitzen bleibens“ variiert) Verhalten verstärken. Ein Grund warum viele bei der Leinenführigkeit ihres Hundes scheitern liegt hierin begründet. Hat der Halter zum Beispiel Stress und kann aufgrund von Zeitmangel auf das Ziehen des Hundes nicht die Konsequenz folgen lassen, die das Verhalten verändern soll (zum Beispiel stehen bleiben), wird das Verhalten des Ziehens partiell verstärkt. Dies ist dann besonders löschungsresistent und wird in der Folge häufiger gezeigt. Es lohnt sich, um dem entgegen zu wirken, einen diskriminativen Reiz einzuführen. So kann der Hund lernen, dass er am Geschirr laufen darf wie er möchte und am Halsband (dies fungiert als diskriminativer Reiz) er nicht ziehen darf.

Shaping

Bis hierhin dürfte klar sein, wie natürlich auftretende Verhaltensweisen manipuliert werden können, damit sie häufiger oder gar nicht mehr gezeigt werden. Wie schafft man es aber komplexe Verhaltensweisen beizubringen die so nicht im Repertoire des Hundes sind? So gibt es Tricks, die eine komplexe Abfolge von Verhaltensweisen erfordern. Kaum ein Hund wird ohne weiteres bei dem „Elefanten-Trick“ mit den Vorderpfoten sich auf eine Schüssel stellen und mit den Hinterbeinen einmal sich im Kreis drehen. Hier kommt das Prinzip des „Shapings“ zum Einsatz.

Schäferhund-Husky-Mix dreht sich

Ein geshapter Trick: Die Drehung.

Shaping heißt auch Verhaltensformung. Es wird Schritt für Schritt ein neues Verhalten geformt. Dabei werden am Anfang kleine Schritte in die richtige Richtung verstärkt und nach und nach nur noch das Verhalten verstärkt, dass dem Zielverhalten ähnlich ist.

Ein Hund, der das „Drehen“ lernen soll, wird womöglich trotz des Lockens mit der Futterhand, sich nicht ganz drehen, sondern immer nur ein paar Schritte in die Richtung machen um dann inne zu halten oder sich wieder zurück drehen.

Um das Verhalten zu formen, belohnt man bereits die ersten Schritte in die richtige Richtung. Wenn der Hund zuverlässig das erste Viertel der Drehung gemacht hat, verstärkt man nun nun das erste Drittel. Dann die erste Hälfte und so weiter – bis der Hund das Zielverhalten „Drehen“ zuverlässig zeigt. Das Verhalten wird Schritt für Schritt geformt, bis die komplexe Verhaltensweise im Ganzen gezeigt wird.

Achtung! Bei dem Begriff des „Shapings“ wird unter den meisten Hundehaltern noch etwas Anderes verstanden, da es häufig synonym mit dem Begriff “free shaping” gebraucht wird.

Die in der Psychologie korrekte Verwendung des Begriffes “Shapings”, habe ich bereits erläutert. Unter den meisten Hundebesitzern (und sogar Fachleuten) wird umgangssprachlich mit „Shaping“ bei Hunden, die Verhaltensformung mit dem Klicker und ohne Hilfe verstanden. Der Klicker wird dabei als sekundärer Verstärker genutzt um Teilschritte nach und nach zu erarbeiten ohne eine Hilfestellung dem Hund zu geben.

Im angeführten Beispiel wurde der Hund mit der Futterhand gelockt. Bei dieser Art des „Shapings“ muss der Hund jedoch nun selber Verhaltensweisen ausprobieren um an die Belohnung zu kommen. Ohne ihn mit der Futterhand zu führen, wartet der Besitzer darauf, dass der Hund einen Schritt in die richtige Richtung macht. Dieser wird dann mit dem Klicker sozusagen markiert und verstärkt. Der Hund wird das Verhalten nun mit einer höheren Wahrscheinlichkeit ausführen. Macht der Hund diesen Schritt zuverlässig, hört der Besitzer auf dann zu klicken und wartet auf den zweiten Schritt in die richtige Richtung. Erfolgt dieser weil der Hund es ausprobiert hat, wird auch der wieder verstärkt. Dieses Shaping geht dann so lange bis der Hund das gesamte komplexe Verhalten zeigt. Es wurde somit ein Verhalten frei ohne Hilfe geformt (free shaping = freies Formen).

Es ist zwar durchaus langwierig, jedoch sind solche Verhaltensweisen besonders löschungsresistent, da sie selbst erarbeitet worden sind. Zudem lernt der Hund so sein Köpfchen einzuschalten, was sehr anstrengend ist und wird somit geistig gut auslastet. Ein weiterer Vorteil dieser Methode ist, dass man später keine Führhilfe mehr abbauen muss. Besonders im Hundesport hat diese Methode eine starke Relevanz.

Chaining

Border Collie apportiert Metall

Das “Chaining” ermöglicht es komplexe Verhaltensweisen, wie das korrekte Bringen, zu trainieren.

Chaining wird auch Kettenbildung genannt. Dabei werden verschiedene Verhaltensweisen zu einer ganzen Kette geformt, bis auf die letzte Verhaltensweise der primäre Verstärker erfolgt. Bereits gelernte Verhaltensweisen können hierbei als sekundäre Verstärker fungieren.

Angefangen wird hierbei mit der Verhaltensweise die primär verstärkt wird. Sie wird zu einem sekundären Verstärker, worauf eine neue Verhaltensweise nun davor gesetzt wird, die von dem sekundären Verstärker nun verstärkt wird. So lassen sich komplexe Verhaltensketten konditionieren. Ein Beispiel hierfür ist das richtige apportieren.

Der Hund lernt am Anfang lediglich den Gegenstand zu halten (je nachdem was gewünscht wird neben oder vor dem Besitzer). Klappt dies, lernt der Hund als nächstes mit dem Gegenstand zum Besitzer zu kommen und in die geforderte Position zu gehen. Das Halten neben/vor dem Besitzer ist nun ein sekundärer Verstärker, der den primären Verstärker (Futter, Spiel) ankündigt. Das Kommen in die korrekte Position wird also verstärkt. Klappt dies, kann nun vor das Kommen das Aufnehmen des Gegenstandes gesetzt werden. Diese Kette lässt sich weiter führen bis man alle Verhaltensweisen des komplexen Zielverhaltens hat (Hund wartet während Gegenstand geworfen wird, Hund läuft zum Gegenstand auf Kommando, Hund nimmt Gegenstand auf, Hund bringt Gegenstand zurück, Hund kommt in die richtige Position, Hund hält Gegenstand so lange bis der Besitzer ihm diesen abnimmt). Es ist somit nicht mehr nötig jede einzelne Verhaltensweise zu verstärken. Stattdessen braucht man nur noch die Kette zu verstärken.

Bedeutung für den Hundehalter

Man sollte sich von den Begrifflichkeiten des klassischen und operanten Konditionierens nicht abschrecken lassen. Beides sind lediglich Theorien, die gut nachvollziehbare und nachweisbare Erklärungen für Verhalten bieten. Wenn wir uns mit dem Lernen des Hundes auseinandersetzen wollen (dies müssen wir, sobald wir dem Hund etwas beibringen möchten), sollte man jedoch verstehen warum und wie ein Hund lernt. Ob es ein Lernen aus Verknüpfungen oder ein Lernen aus Konsequenzen ist – beides hat eine enorme Relevanz für den Umgang mit dem Hund.

Um dies gezielt nutzen zu können, sollte man sich zu Anfang fragen, wie genau das Zielverhalten aussehen soll und dann geeignete Schritte wählen. Wichtig ist bei Hunden eine ablenkungsfreie Umgebung zu haben, um in dieser das neue Verhalten beizubringen. Bei wenig Ablenkung kann besonders gut gelernt werden. Man kennt das aus der Schule: Reden alle durcheinander ist ein Lernen kaum möglich. Herrscht dagegen eine ruhige Atmosphäre, klappt es viel besser.

Dieses neue Verhalten bei dem Hund muss dann nach und nach auch bei Ablenkung geübt werden. Hunde lernen immer im Kontext, das heißt sie lernen immer auch die Situation mit. Ein Hund der zuverlässig kommt, wenn kein anderer Hund da ist, kann den Befehl nicht automatisch, wenn ein anderer Hund dabei ist. Hier muss man den Rückruf erst wieder trainieren, damit der Hund dies auch lernen kann.

Wichtig ist nicht sauer zu werden, wenn der Hund das gewünschte Verhalten nicht zeigt – er hat es schlicht und ergreifend noch nicht gelernt. Bestrafung wäre dabei fehl am Platz. Auch darf man den Ruf nicht abnutzen. Als Erinnerung von der klassischen Konditionierung: Ein Signal muss sich deutlich vom „Rauschen“ des Alltags unterscheiden. Ein Hund, der den Rückruf als „Rauschen“ ohne Konsequenz kennen lernt, wird das Zurückkommen in Zukunft weniger wahrscheinlich zeigen.

Bereits in einem anderen Artikel haben wir die Gefahren der Bestrafung aufgezeigt. Hunde lernen kontextgebunden. Wenn man den Hund bestraft, während man anwesend ist, lernt der Hund, dass diese Konsequenz erfolgt, wenn man dabei ist. So kommt es, dass Hunde, die in Anwesenheit ihrer Besitzer ganz lieb auf ihrer Decke schlafen, in ihrer Abwesenheit den Mülleimer leer räumen. Das oft assoziierte „schlechte Gewissen“ hat nichts damit zu tun, dass die Hunde wissen, dass ihr Verhalten falsch ist. Es hat damit zu tun, dass die Hunde die Verärgerung ihrer Besitzer spüren (teilweise werden sie bei Rückkehr sogar bestraft) und die Rückkehr ihrer Besitzer mit etwas Schlechtem in Verbindung bringen.

Insbesondere bei der anonymen Strafe ist die Möglichkeit der Fehlverknüpfung groß. Da der Hund nicht weiß, weswegen und von wem er gestraft wird und Kontextbedingungen mit lernt, passiert es schnell, dass er das mit Reizen in Verbindung bringt, die er somit mit etwas Schlechtem assoziiert. Ein Hund, der für das Jagen mit einem Sprühstoß anonym bestraft wird, während plötzlich ein Kind um die Ecke kommt, verknüpft möglicherweise das Kind mit der Strafe. In Zukunft wird er deswegen Kinder meiden, Furcht zeigen und womöglich sogar aggressiv auf diese reagieren.

Auch lernt der Hund durch Strafe nicht welches Verhalten genau erwünscht ist. Bei einem unerwünschten Verhalten ist der adäquate Aufbau eines Alternativverhaltens das A&O! Erst dann kann der Hund eine Möglichkeit haben, erwünschtes Verhalten zu zeigen.

Beim Lernen werden – biologisch gesehen – neuronale Strukturen verändert. Im Gehirn werden neue Strukturen gebildet und andere „gekappt“. Hierbei ist es wichtig zu wissen, dass unter großem Stress kein Lernen stattfinden kann. Ein Hund der auf einen bestimmten Reiz also gestresst reagiert oder auf eine gewisse Intensität eines Reizes, muss ein Alternativ-Verhalten erst in einer Umgebung erlernen können, die weniger Stress verursacht, damit die neuronalen Strukturen hier aufgebaut werden können. Es bringt nichts, einen Hund, der aggressiv auf Artgenossen reagiert dann erziehen zu wollen, wenn der fremde Hund einen Meter von einem weg ist. Dies muss erst in Situationen geübt werden, die ihn nicht derart stressen. Für die neuronalen Verknüpfungen benötigt ein Hund auch Ruhe. Lernt der Hund ein neues Verhalten, sollte er danach die Möglichkeit haben zur Ruhe zu kommen. Auch Spiel und Fressen sind Stress und sind somit kontraproduktiv.

Abschließend lässt sich fest halten, dass die Konditionierung nicht jedes Verhalten erklärt und auch nicht das Lernen in der gesamten Komplexität fest halten kann. Es erklärt aber vieles und macht Verhalten beeinflussbar. Auf weitere Lernformen werde ich in Zukunft noch eingehen.

Autorin: Nina

Generalisierung

Reize können generalisiert werden – das heißt im Klartext dass auch ein ähnlicher Reiz eine konditionierte Reaktion hervorrufen kann. Ein Hund der von einem großen schwarzen Hund gebissen wurde, kann bereits Angst empfinden, wenn er einen anderen schwarzen Hund sieht. Dies kann so weit gehen, dass er vor allen anderen Hunden Angst bekommt, da er dies generalisiert hat.

Reizdiskrimination

Natürlich hat auch dies Grenzen- wichtig ist da die Reizdiskrimination, das heißt die Unterscheidung von ähnlichen Reizen. Macht der gebissene Hund die Erfahrung dass ein anderer schwarzer Hund ganz nett und harmlos ist, wird die Generalisierung schwächer. Er lernt die Reize, auch wenn sie sehr ähnlich sind, zu unterscheiden.

Löschung

Die klassische Konditionierung beruht auf der Kontinuität der Reizdarbietung. Hier kommen wir noch mal zum Züchter vom Anfang zurück: Der Hund, der auf die Pfeife konditioniert wurde, kommt bereits auf den Pfeifton. An dieser Stelle ist es wichtig, dass der Züchter trotzdem den unkonditionierten Reiz (Futter) folgen lässt. Tut er dies nicht, wird das Verhalten „gelöscht“. Der Hund wird mit der Zeit immer seltener die konditionierte Reaktion auf den Pfeifton zeigen und dies schließlich völlig einstellen.

Nach einiger Zeit des Ausbleibens des unkonditionierten Reizes, wird der Hund das gelernte Verhalten nicht mehr zeigen. Jedoch tritt hier das Phänomen der “spontanen Erholung” auf, das besagt, dass eine eigentlich gelöschte konditionierte Verhaltensweise nach einer gewissen Zeit plötzlich wieder auftritt. Möchte man beispielsweise das Jammern des Hundes vor der Fütterung löschen, ignoriert man das Verhalten und gibt dem Hund erst Futter wenn er ruhig ist. Dies wird immer besser klappen, bis die spontane Erholung einsetzt.

Da wird der Hund plötzlich noch lauter als vorher. In dieser Zeit heißt es durchzuhalten, bis das Verhalten nach dieser kurzen Episode tatsächlich verschwindet. Aber Vorsicht! Konditionierte Verhaltensweisen werden selbst nach einer Löschung schneller wieder gelernt, als Verhaltensweisen die nie konditioniert wurden und man ganz neu beibringt. Die Konditionierung eines Reizes ist immer leichter als die Löschung.

„Rauschen“ vs. Signal

Border Collie wird gelobt

Die Signalgebung und das Lob müssen eindeutig sein.

Die Konditionierung erfolgt umso rascher, je stärker der neutrale Reiz sich von den Umweltreizen unterscheidet. Das Signal sollte sich deutlich von dem „Rauschen“ der Alltagsreize unterscheiden. Ein gebrummtes, leises „Sitz“ mit darauf folgendem Abklopfen des Hundes, wird nicht so schnell gelernt wie ein hohes „Sihiiiitz“ mit anschließendem deutlichem Lob.

Nutzen für die Verhaltenstherapie: Systematische Desensibilisierung

Das klassische Konditionieren lässt sich auch in der Verhaltenstherapie nutzen. Bei der Desensibilisierung wird davon ausgegangen, dass zwei sich widersprechende Emotionen nicht gleichzeitig auftreten können. Nutzt man dies nun systematisch, lassen sich Ängste therapieren. Hat ein Hund beispielsweise Angst vor Artgenossen, kann man ihm beim Anblick von anderen Hunden etwas Leckeres zu fressen geben. Die Freude über das Fressen widerspricht der Angst vor den anderen Hunden.

Dies muss allerdings systematisch erfolgen, das heißt man stellt eine “Reizhierarchie” auf. Dabei wird der Reiz der am wenigstens Angst auslöst nach “unten” gestellt und die Reize die mehr Angst auslösen, einer Hierarchie entsprechend da drüber. Mit der Desensibilisierung beginnt man auf der untersten Stufe. Zeigt der Hund in dem Beispiel nun leichte Angst, ab einer Entfernung von 10 Metern, wird der Hund in dieser Entfernung zum anderen Hund gefüttert. Wichtig ist, dass der Abstand beibehalten wird, bis der Hund bei dieser Entfernung keine Angst mehr zeigt. Nun wagt man sich an den nächsten Meter heran, bis der Hund auch bei diesem Abstand keine Angst mehr zeigt. Im Idealfall kann man den Hund so systematisch desensibilisieren und der verknüpft andere Hunde nicht mehr mit etwas Negativen, sondern mit etwas Positiven.

Bedeutung für den Hundehalter

Schon aus den Beispielen wird deutlich wie wichtig die klassische Konditionierung ist, wenn wir mit einem Hund zusammen leben und ihn erziehen wollen.

Schon wenn wir dem Hund ein Kommando beibringen, ist es wichtig wie wir es tun. Möchten wir zum Beispiel den Hund auf ein „Hier“ konditionieren und ziehen den während wir rufen mit einer Schleppleine zu uns, wird der Hund den unangenehmen Zug mit dem Kommando verbinden. Er wird also in Zukunft nicht freudig kommen, da er gelernt hat dass das Rufen mit etwas Unangenehmen verbunden ist. Stattdessen ist es also enorm wichtig, dem Hund Kommandos positiv beizubringen, damit er immer etwas Angenehmes damit verbindet. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit dass er das Verhalten auch in anderen Situationen zuverlässig zeigt.

Auch muss bedacht werden, dass Hunde nur schwer generalisieren. Ein Hund der das Kommando „Sitz“ lernt, lernt auch alle anderen Umgebungsreize mit. Wenn wir ihm also dieses Kommando auf einer Wiese beibringen, heißt es noch lange nicht, dass er das neue Verhalten auch an der Straße macht. Aufgrund dessen ist es wichtig, dass neue Kommandos in vielen unterschiedlichen Situationen trainiert werden.

Hunde können zudem nur Reize miteinander verknüpfen die zusammen oder kurz nacheinander auftreten (letzteres führt zu den besseren Lernergebnissen). Es ist daher vollkommen unsinnig den Hund Stunden nachdem er alleine etwas kaputt gemacht hat, zu schimpfen. Er kann es nicht mehr mit der Aktion des „kaputt Machens“ in Verbindung bringen. Er lernt höchstens, dass wenn Herrchen nach Hause kommt, es mächtig Ärger gibt.

Quelle: www.planethund.com

Kastration ist kein Ersatz für Erziehung


Viele Halter lassen ihren Hund kastrieren, weil sie sich eine Verbesserung von Verhaltensproblemen erhoffen. Doch leider ist noch wenig bekannt, dass die Problematik sich dadurch noch verschärfen kann. Der Verhaltensbiologe Dr. Udo Gansloßer erläuterte in einem Fachvortrag das Für und Wider der Kastration.
Die Kastration ist der am häufigsten durchgeführte chirurgische Eingriff in deutschen Tierarztpraxen. Der häufigste Grund dafür ist jedoch nicht in medizinischen Ursachen zu suchen, sondern, wie eine Befragung von Hundehaltern im Rahmen der „Bielefelder Kastrationsstudie“ zeigte, in unerwünschtem Verhalten (74 %). Auch Argumente wie das Zusammenleben von Rüde und Hündin in einem Haushalt (30 %) spielten eine größere Rolle als medizinische Gründe. Diese waren nur für 21 % der Halter wichtig (Mehrfachnennungen möglich).
Doch das gewünschte Ziel wird nur selten erreicht, wie neue Erkenntnisse der Verhaltensbiologie beweisen. „Wer glaubt, durch Kastration Verhaltensprobleme einfach chirurgisch wegschneiden zu können, liegt falsch. Ganz viele Leute müssen hinterher feststellen, dass sich nichts geändert hat oder das Problem sogar schlimmer geworden ist“, erklärt Dr. Udo Gansloßer.
Der Grund dafür ist, dass viele Verhaltensweisen, die scheinbar mit der Fortpflanzung und der Pubertät des Hundes in Zusammenhang stehen, in Wirklichkeit einen ganz anderen verhaltensbiologischen Hintergrund haben.
Das trifft zum Beispiel für unerwünschte Verhaltensweisen wie Revierverteidigung, Bellanfälle oder Eifersucht zu. Auch bei Aufreit- und Paarungsverhalten, das nicht sexuell bedingt ist, sondern aus einem fehlgeleiteten Besitzanspruch oder einer Bewegungsstereotopie zum Stressabbau resultiert, führt Kastration nicht zum Erfolg.
Eine oft genannte Begründung für die Kastration ist aggressives Verhalten. Aggression ist jedoch nicht gleich Aggression. Bei der häufig vorkommenden Angstaggression kann das Verhalten sogar noch verstärkt werden, weil die Sexualhormone im Gehirn eine positive Nebenwirkung auslösen und die Angst vermindern.
Um die weitreichenden Folgen der Kastration auf das Verhalten zu verstehen, ist es daher wichtig, ein paar Informationen über die wichtigsten Hormone und ihre Wirkungsweisen zu haben.

So wirken Hormone
Hormone sind Botenstoffe, die über den Blutkreislauf verschickt werden. Das heißt, sie kommen überall im Körper an. Damit sie trotzdem an einer bestimmten Stelle wirksam
werden, haben die meisten Hormone sogenannte Rezeptoren, Bindungsstellen, mit denen sie sich verknüpfen und dadurch die erwünschten Wirkungen auslösen. An anderen Stellen können sie jedoch zu Nebenwirkungen führen, die nicht geplant waren.
So ist eine Stressreaktion zum Beispiel biologisch sinnvoll, weil sie den Körper auf bestehende oder zu erwartende Gefahren vorbereitet. Dauert der Stress aber zu lang, können sich die vom Körper selbst produzierten Hormone negativ auswirken. Schuld daran ist ein kompliziertes Regelkreissystem im Hormonhaushalt.
Weil sie mit dem Blut verschickt werden, kommen die Hormone dort wieder an, wo sie losgeschickt wurden und dämpfen dann ihre eigene Wirkung. Diese Rückkoppelungsschleifen können sich so aufschaukeln, dass sie das System zum Absturz bringen und dem Körper schaden.
Je nachdem, ob ein Hormon wasser- oder fettlöslich ist, beeinflusst das die Wirkungsweise.
Wasserlöslich ist zum Beispiel Adrenalin, eines der Haupthormone im Stressbereich. Das sogenannte Fluchthormon wirkt ziemlich schnell, genauso schnell lässt die Wirkung aber nach, wenn die Gefahr vorbei ist. Sexualhormone sind fettlöslich, ihre Wirkung tritt zeitlich verzögert ein. Es dauert vier oder fünf Minuten, bis man die erste Wirkung erkennt, der Höhepunkt liegt dann meist nach etwa 20 Minuten.
Eine große Rolle spielt neben der direkten Wirkung von Hormonen die sogenannte bahnende Wirkung. Aufgrund hormoneller Einflüsse, die teilweise bereits im Mutterleib passieren, reicht später der visuelle Reiz aus, um dieses Verhalten zu aktivieren. So wird durch die bahnende Wirkung von Testosteron im Gehirn des Embryos unter anderem schon die Pinkelposition oder das Revierverhalten festgelegt.
Später ist dann eine Stange oder ein Baum der Auslöser für dieses Verhalten. Ein Hund, der generell streunt, wird durch Kastration daher auch nicht plötzlich häuslich. Aufgrund solcher bahnenden Verbindungen
können Rüden auch Jahre nach der Kastration Paarungsverhalten bis hin zum Aufreiten zeigen, wenn ihnen eine läufige Hündin begegnet. Denn dieser Bewegungsablauf wurde durch die Verknüpfung im Gehirn so fixiert, dass es fast keine Testosteronproduktion mehr braucht, um ihn auszulösen. Es reichen die geringen Mengen aus der Nebenniere.

Körperliche Folgen der Kastration
Kastration bedeutet beim Rüden und der Hündin die Entfernung der Geschlechtsorgane, also der Hoden beziehungsweise der Eierstöcke. Da dies die wichtigsten Drüsen für die Produktion von Sexualhormonen sind, ändern sich damit auch das Verhalten, der Stoffwechsel und andere Eigenschaften des Hundes. „Ist eine Kastration aus medizinischen oder verhaltenstherapeutischen Gründen sinnvoll oder hat man den Hund kastriert übernommen, muss daher eine informierte Nachsorge durch den Besitzer erfolgen“, erklärt Dr. Udo Gansloßer.

Maßnahmen nach der Kastration
Durch die Kastration wird ein Hund schlagartig zum Senior. Die Bemuskelung der Knochen geht zurück, das Bindegewebe wird schlaffer, das Fell verändert sich. Er braucht weniger Kohlenhydrate, weil sich der Stoffwechsel reduziert, und hat einen erhöhten Bedarf an leicht verdaulichen biologisch hochwertigen Proteinen, um den Muskelaufbau anzukurbeln. So wie der Mensch in den Wechseljahren etwas gegen Osteoporose tun muss, sollte man vor allem bei der Hündin frühzeitig auf den erhöhten Mineralbedarf zur Vorbeugung achten. Ist der Hund stressanfällig, verschärft die muskelabbauende Wirkung von Cortisol die Problematik noch.
Wichtig ist daher Muskelaufbau durch gezielte Physiotherapie wie Schwimmen, Unerwasserlaufband oder Wackelbrett vor allem bei großen, schweren und erblich vorbelasteten Rassen sowie Individuen, die ohnehin Gelenkprobleme haben. Auch Sportarten wie Zielobjekt- suche in schwierigem Gelände fördern den Muskelaufbau. Beim Verhaltenstraining kommt es auf den Typ an. „Handelt es sich um einen Hund, der von Cortisol geprägt ist, muss vor allem Persönlichkeitsaufbau betrieben werden. Solche Hunde müssen durch Teamarbeit über soziale Unterstützung Selbstbewusstsein aufbauen. Dem hyperaktiven, eher adrenalingesteuerten Typ müssen hingegen sehr konsequent Grenzen gesetzt und Sozialkompetenz aufgebaut werden. Denn nur durch die Kastration allein wird sich das Verhalten, das er sich über Monate oder Jahre angewöhnt hat, nicht ändern. In dem Fall ist die Kastration zwar eine hilfreiche Voraussetzung, aber keine Garantie für die Verhaltensänderung“, führt Dr. Gansloßer aus.

Frühkastration und ihre Folgen
Besonders problematisch ist es, wenn die Kastration vor dem Höhepunkt der Pubertät durchgeführt wird. „Frühkastrationen führen nach allen einschlägigen Erfahrungen zu chaotisch-unsicheren, meist lebenslang kindsköpfischen Hunden, die auch in Bezug auf ihre geistige Leistungsfähigkeit nicht voll ausgereift sind. Das hat mit der Entwicklung des Gehirns zu tun. Denn unter dem Einfluss des Sexualhormonanstiegs in der Pubertät werden nochmals Nervenverknüpfungen und Zellverbindungen hergestellt und überflüssige Zellareale abgebaut“, erklärt der Experte. Gerade bei großen Rassen birgt die Frühkastration ein weiteres Problem. Das Schließen der Wachstumsfugen erfolgt in der Pubertät durch einen Sexualhormonschub. Entfällt dieser, schießen die Hunde in die Höhe und entwickeln eine ungünstige Biomechanik. Verschärft wird das Problem noch durch ein schwaches Bindegewebe und Muskulatur.
„Probelauf“ mit chemischer Kastration
Um ein genaues Bild davon zu bekommen, wie sich der Rüde nach der Kastration aus verhaltenstherapeutischer Sicht entwickelt, empfiehlt Dr. Gansloßer vorher eine Art „Probelauf“ mit chemischer Kastration. Dabei pflanzt der Tierarzt ein kleines Implantat unter die Haut, dessen Wirkstoff die Ausschüttung von Sexualhormonen über mehrere Monate verhindert.
Allerdings ist die sogenannte GnRH-Down-Regulation bisher nur beim Rüden möglich. Obwohl sie bei Wildcaniden schon lange problemlos eingesetzt wird, gibt es für Haushündinnen derzeit noch keine Zulassung.
Sie ist aber zu erwarten.
Da in den ersten Wochen nach der Implantation die Testosteronproduktion sehr stark angekurbelt wird, kann der Rüde in dieser Zeit etwas verrückt spielen und braucht daher einen souveränen Führer an seiner Seite. Danach zeigt sich aber genau das Verhalten, das auchnach einer echten Kastration eintreten würde.

Amputationsverbot laut Gesetz
Nicht vergessen darf man auch, dass eine Kastration ohne veterinärmedizinische oder verhaltenstherapeutische Indikation gegen das Tierschutzgesetz verstößt. Der Paragraph 6, das sogenannte Amputationsverbot, verbietet, einem Tier Organe einfach wegzuschneiden.
Gemäß dem Tierschutzbericht der Bundesregierung von 1999 können in ordentlichen Familienverhältnissen lebende Hunde auch mit anderen, weniger invasiven Methoden an der Fortpflanzung gehindert werden. Daher sind auch Verträge (zum Beispiel Übernahmeverträge von Tierschutzvereinen), in denen die Kastration gefordert wird, rechtswidrig und damit nichtig.

Weder Pro noch Contra
Die Entscheidung, ob man seinen Hund kastrieren lässt, sollte auf jeden Fall gründlich überdacht werden. „Es gibt kein generelles Ja oder Nein, sondern nur ein ganz entschiedenes Vielleicht“, meint Dr. Udo Gansloßer.
„Meiner Erfahrung nach sollte sowohl aus tiermedizinischer als auch aus Trainersicht eine ganz differenzierte Einzelfallabschätzung erfolgen, die den individuellen Hund und das individuelle Mensch-Hund-Team mit berücksichtigt, bevor man etwas rausschneidet, was man dann nicht mehr einbauen kann.
“Saskia Brixner

Die wichtigsten Hormone und ihre Auswirkungen
Testosteron
Rüde: Testosteron ist das wichtigste Sexualhormon des Rüden. Es sorgt für männliches Aussehen und bestimmt das männliche Sexualverhalten. Es wird vor allem in den Hoden produziert, in kleinen Mengen auch in der Nebennierenrinde.
Daneben beeinflusst Testosteron den Knochen- und Muskelaufbau. In der Pubertät ist es verantwortlich für die Schließung der Wachstumsfugen in den Röhrenknochen. Außerdem spielt Testosteron eine wichtige Rolle bei der geruchlichen Kommunikation.
Hündin: In geringen Mengen entsteht Testosteron in den Eierstöcken und der Nebennierenrinde auch bei der Hündin. Kommt es in größeren Mengen vor, wirken diese Hündinnen in Knochenbau und Bemuskelung sehr männlich.
Östrogene
Rüde: In niedriger Konzentration vorhanden.Es ist jedoch unklar, ob sie im Hoden oder Fettgewebe gebildet werden.

Häufige Vorurteile
Als häufiges Argument für die Pauschalkastration wird angeführt, dass es für Hunde ein permanenter Stress ist, wenn sie sich nicht sexuell betätigen dürfen.
Wie Statistiken von verwilderten Straßenhunden zeigen, gibt es in der Regel in einem Rudel fünf bis sechs Rüden und zwei bis drei Hündinnen, trotzdem sind meist nur ein Rüde und höchstens ein bis zwei Hündinnen sexuell aktiv. Es ist daher ein völlig normales Geschehen, dass 70 bis 80 Prozent der Rüden und gut zwei Drittel der Hündinnen nicht zur Fortpflanzung kommen. Ein medizinischer Grund, der immer wieder für die Kastration ins Feld geführt wird, sind Statistiken, die von einem um 80 Prozent niedrigeren Gesäugetumor-Risiko sprechen, wenn vor der ersten Läufigkeit kastriert wird. „Betrachtet man jedoch Hündinnen aller Altersklassen, liegt das Risiko für solche Tumore unter zwei Prozent“, erklärt Dr. Udo Gansloßer.
„Eindeutig belegt ist jedoch, dass es ganz andere Risikofaktoren gibt, die bei der Hündin wirklich den Gesäugetumor auslösen, egal ob sie kastriert wurde oder nicht. Nämlich zu energie- und proteinreiches Futter oder Fettleibigkeit im ersten Lebensjahr und das mehrfache Wegspritzen der Läufigkeit.“

Quelle: Deutscher Retriever Club, CZ 05/2011

 

Hunde und Stress

Stress und Neurophysiologie bei Hunden

Einführung

Immer noch wird oftmals versucht, ungewollte Verhaltensweisen von Hunden durch reine sogenannte „Symptomtherapie“ unter Verwendung der klassischen Lerntheorie zu verändern. Die Lerntheorie ist wichtig und Wissen darüber im Umgang mit Hunden unumgänglich. Möchte man jedoch als problematisch angesehenes Verhalten von Hunden dauerhaft modifizieren, ist es wichtig, alle Gegebenheiten des den Hund umgebenden Umfeldes mit einzubeziehen und mögliche Zusammenhänge herzustellen. Gerade bei übersteigertem Stress- und Angstverhalten reicht eine Symptomtherapie in der Regel nicht aus, um dem Hund zu helfen – hier muss unbedingt auch Ursachenforschung betrieben und der Grund bzw. Auslöser für das Verhalten gefunden werden um den Grund entweder zu eliminieren, oder das Training speziell auf ihn unter Berücksichtigung des Charakters des Hundes, des Umfeldes und seiner Beziehung zum Halter abzustimmen. Das Vorhandensein von Grundkenntnissen der Neuropsychologie des Hundes ist bei solchen Einschätzungen von großem Vorteil, denn das Nervensystem bestimmt das Verhalten. In Grundzügen wird auch dies hier behandelt.

 

Was ist Stress ?

Stress entsteht, wenn an den Hund die Anforderung gestellt wird, sich zu verändern, oder anzupassen.

Stress ist sinnvoll und wichtig.

Der Begriff „Stress“ ist im Allgemeinen sehr negativ belegt. Dabei handelt es sich bei diesem „Mechanismus“ um ein notwendiges und sinnvolles Anpassungsverhalten des Körpers auf Veränderungen seiner Umwelt. „Stress“ ist also keine Krankheit und auch grundsätzlich nicht schädlich oder gefährlich, sondern ist eigentlich dazu da, den Organismus nach einem Reiz, der oft aber nicht zwangsläufig von außen kommt psychisch und physisch für Schieflage sorgt, wieder zu stabilisieren und das angestrebte Gleichgewicht wieder herzustellen.

 

Stress passt an.

Stress sorgt also dafür, dass der Organismus optimal an alle möglichen Situationen angepasst wird. Wie aber hat man sich das vorzustellen? Die Reize, die von außen auf den Hund einwirken, werden vom Gehirn ausgewertet, bewertet, und im Körper wird eine Reaktion ausgelöst, die dann das Verhalten beeinflusst und gewisse Verhaltensweisen erst möglich macht. Es wird ein emotionaler Zustand (Gefühl) erzeugt, der für die gezeigte Reaktion verantwortlich ist und der Körper wird z.B. durch leistungssteigernde Maßnahmen darauf vorbereitet, diese Reaktion auch erbringen zu können. Auch in ganz banalen Situationen wird das Stresssystem aktiviert. Sei es beim Kennenlernen neuer Hunde, bei Begrüßungen, usw. – das Stresssystem mischt besonders in neuen, unbekannten Situationen immer mit und ein stressauslösender Reiz muss nicht zwangsläufig aversiv sein.

Stress kann auch durch bloße Gedanken an etwas ausgelöst werden – auch dann ist eine Stressreaktion oft spürbar. Denken wir z.B. an den morgigen Zahnarzttermin, ist unter Umständen zu spüren, wie sich der Herzschlag erhöht, die Atmung beschleunigt, usw. Der Umstand, dass Stress durch Gedanken ausgelöst werden kann, zeigt schon, welche Gefahren dieser Mechanismus birgt. Dient er im Normalfall dazu, den Körper an den richtigen Stellen leistungsfähiger zu machen und Kraftreserven zu mobilisieren, kann er auch dann den Körper in Alarmbereitschaft versetzen, wenn das Gehirn dies durch Gedankengänge veranlasst – auch wenn es gerade gar nicht notwendig ist. Hunde sind in unserer hektischen und technisierten Gesellschaft vielen Reizen ausgesetzt, die das Potential haben, mehr oder weniger heftige Stressreaktionen auszulösen. In einer natürlichen Umgebung wären diese Reaktionen hilfreich und würden zum Ziel führen, was in urbaner Umgebung oft nicht gegeben ist. Probleme mit einem überlasteten oder überreagierenden Stresssystem sind also nicht verwunderlich und sehr wohl erklärbar, denn in einer städtischen Umgebung mit hoher Populationsdichte von Menschen und anderen Hunden häufen sich den Hund stressende Situationen und die Stressreaktion bringt dem Hund unter Umständen nicht den gewünschten Erfolg. Wird ein Hund aber (auch schon als Welpe) kleineren Stresssituationen ausgesetzt, die er ERFOLGREICH bewerkstelligen kann, wird er auch zukünftige Probleme leichter und konstruktiver lösen können.

Die eigentliche biologische Funktion des Stresses ist die temporäre Anpassung des Körpers an akute Gegebenheiten – oft über das Mobilisieren von Kraftreserven. So ist es möglich, dass ein Mensch ein Auto anheben kann, wenn er gesehen hat, wie ein anderer Mensch überrollt wurde, der nun unter dem Auto liegt.

Das Stresssystem hat vor allem Einfluss auf die Beziehung zwischen Emotionen und logischem Denken. Solange sich ein Organismus im „Gleichgewicht“ mit seiner Umwelt befindet, ist er „ruhig“ und das logische Denken hat Vorrang. Passiert aber nun etwas Unvorhergesehenes, ist dieses Gleichgewicht gestört und das Stresssystem sorgt dafür, dass Gefühle und Emotionen die Oberhand gewinnen, denn sie können viel schneller auf den veränderten Zustand reagieren. Die langsam ablaufenden kognitiven Funktionen werden kurzzeitig ausgeblendet. Eine unvorhergesehene Situation kann ein Angriff, oder auch von der Wiedersehensfreude eines geliebten Individuums geprägt sein, das man schon lange nicht mehr gesehen hat. Sobald die Situation sich beruhigt, wird wieder auf „logisches Denken“ umgeschaltet und die emotionalen Reaktionen lassen nach.

Solche gleichgewichtsverschiebende Reize gibt es selbst auf einem kurzen Spaziergang zu Hauf. Dort treffen Hunde auf die Markierungen von Freunden, Feinden, läufigen Hündinnen, es tauchen evtl. flüchtende Beutetiere auf, man trifft andere Hunde oder auch auf merkwürdig gekleidete, oder sich komisch bewegende Personen. All dies sollte man im Kopf haben, wenn man mit einem Hund unterwegs ist, der problematisches Verhalten im Stressbereich zeigt.

Das Gefühl einer besonderen stressgeladenen Situation kennt jeder, nämlich das der Angstreaktion. Die Brust scheint sich zuzuschnüren, man ist wie gelähmt und das Herz schlägt bis unter das Kinn. Dies ist eine Stressreaktion des autonomen Nervensystems.

Der ganze Körper einschließlich des Gehirns ist befindet sich nun in erhöhter Alarmbereitschaft. In den Nebennierenrinden wird die Bildung von Stresshormonen angeregt, die in den Blutkreislauf gelangen und dafür sorgen, dass das Herz schneller schlägt, die Lungen effizienter arbeiten, die Fettdepots Fett abgeben und die Leber Zuckerreserven freisetzt. Auch wird Blut aus dem Bauchbereich und der Hautoberfläche in die Muskeln umverteilt. Dies sorgt für eine möglicherweise benötigte erhöhte Körperkraft.

Das Gehirn läuft nun auf Hochtouren und ist in vielerlei Hinsicht blockiert. Ruhige und logische Gedanken sind nicht mehr möglich.

 

„Positiver“ und „negativer“ Stress (Eustress und Disstress)

Diese beiden Begriffe beschreiben, wie im Körper des Hundes stattfindende Stressreaktionen von ihm empfunden werden. Steht ein Hund unter starker (positiver) Anspannung, z.B. wenn er sich in einer Erwartungshaltung befindet, etwas machen zu dürfen, was ihm Spass macht, steht er durchaus unter Stress – aber unter positivem. Auch Stresssituationen, die vom Organismus gut bewältigt werden können, fallen unter die Definition „positiver Stress“, auch „Eustress“ genannt.

Dagegen nennt man Stress, mit dem das Stresssystem des Hundes überfordet ist, negativen Stress, oder Disstress. Dieser wird als sehr belastend empfunden. Hunde, die unter Disstress stehen, haben keine genügenden biologischen Reserven mehr, um die körperliche Belastung der Stressreaktion auszugleichen. Die Stressysteme des Körpers ziehen dann Ressourcen, die eigentlich an anderer Stelle benötigt werden, um den Organismus planmäßig funktionieren zu lassen ab, was eine mehr oder weniger starke gesundheitliche Beeinträchtigung zur Folge hat. Die Ausschüttung der Botenstoffe, die eine Stressreaktion beinhaltet findet so lange statt, dass bestimmte von ihnen aufgebraucht sind und der Körper mit der Produktion nicht mehr nachkommt. Die klassischen Symptome für Disstress sind: Andauernder Erschöpfungszustand, gestörter Schlafrhythmus, Schmerzüberempfindlichkeit, gestörte rationale Aktivität, mangelnde Fähigkeit, Belohnung oder Freude zu empfinden.

Positiver wie negativer Stress können in zu hohen Intensitäten Körper und Geist krank machen, wobei positiver Stress nicht so belastend wirkt wie negativer und insbesondere aversive Reize können das Stresssystem überfordern und starke negative Auswirkungen auf den Hundeorganismus haben.

In vielen Fällen ist es möglich, negativen Stress in positiven oder wenigstens in neutralen zu verwandeln, indem man die Empfindungen des Hundes für die entsprechende Situation beeinflusst. Dies kann z.B. über positive Verstärkung oder Gewöhnung bewerkstelligt werden. (Dazu später mehr).

 

Individuelle Wahrnehmung von Stress und unterschiedliche Reaktionsweisen

Stressreaktionen können in den unterschiedlichsten Intensitäten ablaufen. Dies wird einerseits davon bestimmt, ob das einzelne Individuum überhaupt auf eine Situation mit Stress reagiert – der eine Hund reagiert, wogegen ein anderer evtl. völlig entspannt bleibt – und andererseits davon, wie stark der Stressreiz empfunden wird.

Was ein Hund als stressig empfindet, worauf sein Stresssystem also stark reagiert, ist einerseits genetisch bedingt und andererseits auch von Lernerfahrungen abhängig. Über die Genetik gibt es natürlich auch rassetypische Unterschiede – einige Rassen sind eher ruhig und ausgeglichen, wogegen andere eher temperamentvoll, leicht gestresst und schwieriger zu kontrollieren sind. Die relevanten Lernerfahrungen werden vor allem in jungem Alter gemacht. Die Häufigkeit, Art und Intensität von im Welpen- und Junghundalter durchlebtem Stress hat besonders großen Einfluss auf das Reagieren des Stresssystems im Erwachsenenalter – besonderes Augenmerk sei hier auf traumatische Erlebnisse gelegt. Die Reaktion unterschiedlicher Organismen auf Disstress wird vornehmlich durch ererbte Merkmale des limbischen Systems und des vegetativen Nervensystems bestimmt.

Die Chemischen Abläufe im Gehirn werden auch von der Versorgung mit Nährstoffen und deren Verwertung beeinflusst. So kann es sein, dass bei Unterversorgung verschiedener Nährstoffe bestimmte andere für das Stresssystem wichtige Stoffe nicht gebildet werden können, oder diese nicht gebildet werden, weil ein körperlicher „Defekt“ vorliegt. All dies kann das Reagieren in Stresssituationen aber auch den hormonellen Grundzustand und somit die Persönlichkeit beeinflussen, also ob ein Hund eher ruhig, oder unruhig, verspielt oder träge, selbstbewußt oder unsicher ist.

Am Beispiel der „Schussfestigkeit“ lässt sich gut erkennen, wie unterschiedlich Hunde auf diverse Reize reagieren können. Der eine reagiert von Natur aus kaum oder gar nicht, während ein anderer heftig erschrickt und sein Nervensystem extrem belastet ist. Auch bei Hundebegegnungen sieht man häufig solche Unterschiede: Der eine ist extrem vorsichtig und skeptisch, ein anderer ist z.B. gut sozialisiert und begegnet Artgenossen viel gelassener.

Auch die Reaktionsweisen auf den gleichen Reiz können bei verschiedenen Hunden sehr unterschiedlich ausfallen. So gibt es Hunde, die einer potentiell nicht entspannten Begegnung mit einem anderen Hund aus dem Weg gehen, so wie solche, die ein derartiges Problem eher konstruktiv in der Interaktion mit dem anderen Hund lösen. Man nennt diese unterschiedlichen Arten, Stress zu begegnen passive und aktive Bewältigung. Passive und aktive Bewältigung werden von verschiedenen Teilen des vegetativen Nervensystems gesteuert. Wie hier reagiert wird, ist angeboren als auch von Erfahrungen und dem Alter abhängig. Es werden zunächst gewisse Vorgehensweisen von Geburt an präferiert, aber wieder verworfen, wenn sie nicht zum Erfolg führen. Dinge, die dazu dienen, den aufkommenden Stress wieder abklingen zu lassen, werden zukünftig häufiger ausprobiert. Auch wenn ein Hund häufiger passiv reagiert, so stehen ihm auch die aktiven Reaktionsweisen zur Verfügung und er kann bei Bedarf darauf zurückgreifen. Die Wahl ist jeweils von der Situation abhängig. Wichtig ist, dass der Hund ÜBERHAUPT Verhalten findet, was sein Problem löst. Findet er dies nicht, erhöht sich der Stress von erfolglosem Versuch zu erfolglosem Versuch. Dies hat auch auf zukünftiges Stressverhalten negativen Einfluss. Gut wäre es, den Hund öfter mal Stresssituationen auszusetzen, die er gut meistern kann – so wird er generell unanfälliger gegen Stress und konstruktiver im Problemlösungsverhalten.

 

Aktive Bewältigung

Schaut man sich z.B. an, wie auf eine bedrohliche Konfrontation mit einem anderen Hund über aktive Stressbewältigung reagiert werden kann, erkennt man zunächst zwei mögliche Muster: Kampf oder Flucht. Für beide Verhaltensweisen müssen Energiereserven mobilisiert werden. Das vegetative Nervensystem reagiert mit dem Sympathikus, der für eine hohe Adrenalinausschüttung sorgt. In diesem Moment ist wenig Cortisol im Spiel. Hat sich der Organismus eines Hundes für eine aktive Bewältigung entschieden, bereitet er den Körper und den Geist auf Flucht oder Kampf vor, beides ist dann möglich. Sicher ist aber, dass der Hund selber aktiv eine für ihn sinnvoll erscheinende Lösungsmöglichkeit wählen, also aktiv etwas unternehmen wird. Hunde, die zu dieser Form neigen gehören fast immer dem Typ A an (was das heißt, wird später noch erklärt).

 

Passive Bewältigung

Entscheidet sich der Organismus eines Hundes in der gleichen Situation für eine Form der passiven Bewältigung, ist der parasympathische Teil des vegetativen Nervensystems aktiviert, es wird also vornehmlich Cortisol freigesetzt. Nun kommt es kaum zu aggressivem Verhalten bei unserem Beispielhund – er will möglichst kein Risiko eingehen. Er sieht keine Möglichkeit die Situation aktiv zu kontrollieren und handelt daher passiv. Die häufigste Form der passiven Reaktion in solchen bedrohlichen Begegnungssituationen ist die Unterwerfung. Hunde, die häufig so reagieren gehören eher zum Typ B.

 

 

Typ A und Typ B

Es macht Sinn die Persönlichkeitstypen von Individuen wenigstens grob einzuteilen. Klassischerweise teilt man in Typ A und Typ B ein, wobei der A-Typ eher extrovertiert ist, einen generell höheren Adrenalinspiegel aufweist, gerne kontrolliert und in unkontrollierbaren Situationen eher gestresst ist, aber auch eine sehr hohe Arbeitsbereitschaft anbietet. Der B-Typ ist eher ruhig und geduldig. Er arbeitet langsamer und methodisch und ist introvertierter, zurückhaltender.

Welchem Typ ein Hund angehört, ist einerseits genetisch begründet, wird aber auch durch Lernerfahrungen beeinflusst. Die Relevanz der genetischen Disposition lässt schon erahnen, dass es innerhalb bestimmter Rassen Häufungen bestimmter Persönlichkeitstypen gibt. In den Hütehundrassen findet man eher Hunde vom Typ A, wobei die Hunde größerer und schwererer Rassen öfter Typ B- Persönlichkeiten gibt. Natürlich gilt auch hier: Ausnahmen bestätigen die Regel.

 

Das Stresssystem hat seine „Tücken“.

Nicht immer führt die vom Stressmechanismus ausgelöste Körperreaktion zum gewünschten Erfolg, nämlich dann nicht, wenn z.B. die mobilisierten Kraftreserven nicht ausreichen, das Stresssystem überladen ist, also die Stress-Situationen zu schnell aufeinander folgen, ohne dass die extrem wichtige Regenerationszeit gegeben ist, ein Reiz besonders extrem war oder als besonders extrem empfunden wurde.

Grundsätzlich arbeitet der Stressmechanismus autonom und kann während er arbeitet nicht beeinflusst oder kontrolliert werden. Das Gehirn fährt dann alle Funktionen herunter, die es als unwichtig empfindet, oder schaltet sie sogar aus, was zeigt, dass es in Situationen, in denen extreme Stressreaktionen stattfinden nicht oder nur noch sehr schwer möglich ist, das entsprechende Individuum zu erreichen. Alle frei verfügbaren Ressourcen des Gehirns richten sich nur darauf aus, den Körper in Alarmbereitschaft zu versetzen und es bleibt kein Raum mehr für andere Gedanken oder gar lerntechnische Maßnahmen, die von außerhalb kommen.

 

Wann wird Stress schädlich?

Hunde können eine gehörige Portion Stress ertragen, ohne einen Schaden davonzutragen. Ihr Körper ist für Stress-Sequenzen bestimmter Zeit ausgelegt und kann den erhöhten Bedarf auf allen Ebenen leisten. Dies kann aber nur dann ohne Schäden von statten gehen, wenn eine Stressreaktion Erfolg eingebracht hat, und nach einer Stressphase auch Erholung folgt. Das Stresssystem, bestehend aus Körper und Geist braucht Ruhepausen, um nicht zu überlasten und sich wieder „aufzuladen“. Diese Wiederherstellung kann unter Umständen Tage dauern, in denen dann möglichst keine starken Stressreaktionen auftreten sollten. Kann diese „Aufladung“ und Wiederherstellung nicht stattfinden, kommt es zu einer Art „Verschleiß“ in Körper und Geist, was sich in überzogenen emotionalen Zuständen und körperlicher Schädigung / organischer Beeinträchtigung äußern kann.

Unser gesellschaftliches Leben bringt auch für unsere Hunde immer mehr stressbeladene Situationen mit sich und auffällige Reaktionen aufgrund überstrapazierter Stresssysteme häufen sich. Dies liegt oft daran, dass keine oder zu kurze Ruhepausen vorhanden sind, und der Stressmechanismus sich nicht regenerieren kann. Ist ein Hund immer wieder in zu kurzen Abständen gar nicht unbedingt starken aber doch leicht stressenden Reizen ausgesetzt, ist also nicht genügend Regenerationszeit zwischengeschaltet, können durchaus chronische Stresssymptome auftreten, die eine ebenso chronische Stressreaktion anzeigen – der Hund befindet sich dann im Disstressbereich.

Solche Reize können z.B. sein:

-Eingeschränkter Lebensraum mit mehreren Hunden

-Wiederholtes Erschrecken

-Häufige nicht geeignete hektische Spiele.

-(Unbeabsichtigtes) Übertragen gewisser Funktionen innerhalb der sozialen Gruppe auf den Hund, denen er nicht gewachsen ist. (Symptom: Kontrollierendes Verhalten – mindestens draußen, manchmal aber sogar in der Wohnung).

-Mangelhafte Führung

-Fehlende Tagesstruktur

-U.s.w.

Aber auch zu wenig geistige Auslastung und zu wenig Bewegung können dauerhaften, schädlichen Stress auslösen. Auch bei Hunden ist die Nacht die ideale Erhohlungszeit. Sie müssen zur Ruhe kommen, und ungestört schlafen können, um sich körperlich, geistig und nicht zuletzt hormonell zu regenerieren.

Genauso schädlich wie zu schnell aufeinanderfolgende stressende Reize ist es, wenn die Stresssituation zu lange andauert und der Körper mit der entsprechenden Stressreaktion keinen Erfolg hat. Bei einer Analyse von Stressfaktoren im Rahmen einer Therapie ist es also nicht nur wichtig, herauszufinden, WAS die Stressfaktoren sind, sondern auch WIE LANGE die Stressreize auf den Hund einwirken.

Wie später noch genauer beschrieben wird, kommt es bei Stressreaktionen auch zu Cortisolausschüttungen. Wird dieses Stresshormon in Verbindung mit zu kurzen Erholungsphasen immer wieder ausgeschüttet, hat also keine Zeit sich abzubauen und reichert sich damit im Blut an, wird das Immunsystem geschwächt und die Krankheitsanfälligkeit verstärkt. Andauernder Stress kann die Cortisolkonzentration im Blut auf ein vierfaches der normalen Konzentration anheben.

 

Stressfaktoren

Ein Stressfaktor ist das, was die Stressreaktion auslöst.

 

-Pränataler Stress:

Mit pränatalem Stress wird die Stresshormon-Anreicherung des Blutes von noch ungeborenen Welpen im Mutterleib bezeichnet. So etwas geschieht, wenn die tragende Mutter starkem Stress oder einem traumatischen Erlebnis ausgesetzt ist, Stresshormone ausschüttet und diese über die Blutbahn, die ja mit der des Ungeborenen verbunden ist, den Welpen belasten. Solche Welpen neigen während des Heranwachsens eher zu Stressreaktionen.

Man kann sich diesen Effekt aber zu Nutze machen, denn umgekehrt funktioniert er auch. Sorgt man bei einer trächtigen Hündin für Entspannung und Ruhe, massiert und streichelt sie viel – wenn sie das mag, übertragen sich die dadurch ausgeschütteten beruhigenden Hormone auch auf den ungeborenen Welpen. Dies kann sogar den Sozialisierungsvorgang positiv beeinflussen.

 

-Handling - frühe Erlebnisse beeinflussen die „Arbeitsweise“ des Stresssystems beim erwachsenen Hund:

In den frühen Phasen seines Lebens ist ein Welpe sehr aufnahmefähig. Das zu bestimmten Zeiten gelernte hat prägenden Charakter, setzt sich also besonders hartnäckig im Gehirn fest. Auch in Bezug auf das Stresssystem gilt diese Aussage. Dies kann man sich zu Nutze machen, indem man den Welpen schon sehr früh einem sogenannten „Handling“ unterzieht. Dies sollte daraus bestehen, dass man ihn ab und zu hochnimmt, streichelt, mal vorsichtig und langsam auf den Rücken dreht, knuddelt, vorsichtig rubbelt usw. Es reicht schon ein 1-2x täglich durchgeführtes kurzes „Handlingprogramm“, denn es darf den Welpen auch nicht überfordern, sonst erhält man gegenteilige Effekte. Ein vernünftig und sinnvoll ausgeführtes Handling löst beim Welpen milden Stress aus, was zu einer erhöhten Noradrenalinaktivität führt. Das Gehirn reagiert mit zunehmender Serotoninaktivität, um über die „bremsende“ Wirkung des Serotonins das innere Gleichgewicht wieder herzustellen. So bilden sich schon in sehr früher Lebenszeit Muster zur Stressbewältigung aus, die sich effektiv einbrennen und den Welpen belastbarer machen.

 

-Anpassung an verschiedene Umgebungen

Neue Umgebungen, die ein Hund nicht kennt können genauso wie unbekannte Situationen Stressfaktoren sein. Für ein gesundes Stressmanagement ist es deshalb wichtig, dass ein Welpe verschiedenen Umweltreizen ausgesetzt wird. Wie dies von Statten gehen sollte ist individuell sehr unterschiedlich. Grundsätzlich sollte man versuchen, den Welpen die wichtigsten Umgebungen in denen er sich später einmal bewegen und aufhalten muss kennenlernen zu lassen, muss ihn aber dabei sehr genau beobachten und aufpassen, dass der Stresspegel nicht zu hoch wird. Ideal wäre es, wenn er so lange – evtl. in mehreren Schritten – eine einzelne Umgebung kennen lernen kann, bis er in der Lage ist, sich dort zu entspannen. Das zeigt sehr eindeutig, dass er die Geschehnisse dort als neutral und nicht bedrohlich abgespeichert hat und das Stresssystem nicht überfordert ist. Erst dann ist es sinnvoll, andere Umgebungen kennen zu lernen. Im Zweifel lieber nur die wichtigsten Umgebungen aufsuchen. Eine Überforderung dahingehend kann lebenslange Auswirkungen auf das Stresssystem haben, wobei das Kennenlernen anderer Umgebungen auch später immer noch über Gewöhnung möglich ist.

Es gibt aber auch umgebungsabhängige Stressfaktoren, an die ein Hund sich nicht gewöhnen kann. Dies kann ein unpassender Erziehungsstil, eine stressende Geräuschkulisse (häufiges Knallen z.B.), oder das regelmäßige Begegnen unverträglicher Hunde sein. All dies ist zu berücksichtigen, wenn ein Hund Symptome von lang anhaltendem Stress zeigt und an einer Besserung dieses Zustandes gearbeitet werden soll.

 

-Soziale Kompetenz

Damit ein Welpe später keinen übermäßigen Stress in der Begegnung mit Artgenossen hat, sorgt soziales Training dafür, dass ein Welpe lernt, wie er sich ihnen gegenüber verhalten sollte und welche Regeln dabei gelten. Das Agieren in einer innerartlichen Gemeinschaft kann am besten in einer gut geführten Welpengruppe erlernt werden, die von Trainern geleitet wird, die individuell erkennen können, wann wo eingegriffen werden muss. Auch die Anwesenheit eines gut sozialisierten erwachsenen Hundes ist von Vorteil, denn diese „dämpft“ das Temperament der kleinen und sorgt so für weniger zu hoch gefahrene Situationen.

 

-Ernährung

Auch eine Unausgewogene Ernährung kann ein Stressauslöser sein. Serotonin wird aus Tryptophan und einigen Vitamin-B – Komplexen gebildet. Sind diese nicht in ausreichender Menge vorhanden, weil sie über die gegebene Nahrung nur unzureichend zugeführt, oder vom Hund nicht richtig aufgenommen und / oder verwertet werden, kann es zu einem Serotoninmangel kommen, was einen übernervösen Charakter zur Folge haben kann. Andersherum kann es über Getreidehaltiges Futter zu einer Überversorgung von Tyrosin kommen, was im Getreide in großen Mengen enthalten ist und der Grundstoff für das Stresshormon Noradrenalin ist. Auch daraus können übertriebene Ängstlichkeit, Hyperaktivität oder eine aggressive Grundhaltung resultieren.

 

-Krankheit

Schmerz und / oder Unwohlsein in Folge von Verletzungen oder Krankheit lösen je nach Hund und Intensität Stress verschiedenster Intensitäten aus. Auch der Tierarztbesuch ist für die meisten Hunde ein Stressauslöser. Bei plötzlich auftretenden anhaltenden Stresssymptomen muss unbedingt auch ein medizinischer Check erfolgen.

Auch ein Hormonungleichgewicht ist ein nicht unüblicher Stressfaktor bei Hunden. Die Über- oder Unterproduktion von bestimmten Hormonen kann zu einer Störung des gesamten Hormonsystems führen. Die häufigsten Verhaltensauffälligkeiten werden vom Testosteron und vom Schilddrüsenhormon Thyroxin verursacht. Es macht also durchaus Sinn, bei dahingehend verhaltensauffälligen Hunden, einen Hormonspiegel anfertigen zu lassen.

 

-Überreizung

Überreizung ist der Oberbegriff für einen Zustand, in dem ein Hund zu vielen einzelnen Stressreizen ausgesetzt ist, die er eigentlich verarbeiten könnte, wenn sie nicht so gehäuft auftreten würden. Das kann z.B. auch das übertriebene Animieren zu bestimmten „Spielen“ oder überhaupt Verhalten sein, was übertrieben gezeigt wird.

Extreme körperliche Belastungszustände aktivieren das Stresssystem für eine vorübergehende Steigerung der Körperkraft. Dazu gehören z.B. hohes Springen, starkes Beschleunigen und abbremsen, so wie lang anhaltendes schnelles Rennen. Bestimmte Jagd- und Kampfspiele bedienen sich genau dieser Verhaltensweisen. Während solcher körperlicher Belastungen sendet das Gehirn Impulse über das vegetative Nervensystem und über Hormone aus der Hypophyse, die dafür sorgen, dass eine erhöhte Leistungsfähigkeit in Form von erhöhter möglicher Muskelkraft zur Verfügung steht.

Die Vorfahren unserer Hunde nutzten diese Stressmechanismen z.B. für die Leistungssteigerung bei der Jagd. Im Gegensatz zu den heute oft üblichen Spielen, die dem Hund körperliche Höchstleistungen abverlangen fand eine aufreibende Jagd aber viel seltener statt und es gab genügend Erholungspausen, die für das weitere Funktionieren des Körpers nötig, und fester Bestandteil des leistungssteigernden Stresssystems sind. Ohne diese Pausen kommt es zu Überreizungen. Die Nebenniere reagiert auf langfristige Überreizung mit ihrer Vergrößerung und damit zu einer erhöhten Produktion von Stresshormonen. Ständige Stresssymptome und ein erhöhter Stresshormon-Grundpegel sind die Folge. Es ist daher nicht anzuraten, mit seinem Hund täglich Wurf- oder Beutespiele zu spielen und es sollte auch darauf geachtet werden, dass beim Spiel mit anderen Hunden keine regelmäßige (tägliche) Überreizung stattfindet.

 

-Unterforderung

Hunde schlafen und ruhen im Normalfall viel und gerne – das können auch mal über 20 Stunden sein. Trotzdem kann es vorkommen, dass ein Hund körperlich und /oder geistig nicht ausgelastet ist und auch dies kann Stress auslösen. Unterforderung kann sich auf verschiedene Weise zeigen. Einerseits ist es möglich, dass sich der Energieüberschuss dann in Hyperaktivität entlädt, wenn es endlich nach Draußen geht, dann hat man einen schlecht zu kontrollierenden Hund, der sich für alles interessiert, nur für den Halter nicht, andererseits kann es auch zu Stressverhalten innerhalb der Wohnung kommen – Schwanzjagen, unruhiges Umherrennen usw können hier die Folge von Unterforderung sein.

Nun liegt es nah, einen solchen Hund über Wurf- und / oder Rennspiele versuchen auszulasten, DOCH DAVON IST DRINGEND ABZURATEN!! Solche „Spiele“ machen zwar für einen kurzen Moment müde und evtl. schläft der Hund nach einem solchen Beschäftigungsprogramm sogar, eine artgerechte und den Hund langfristig zufriedenstellende Auslastung aber sieht anders aus.

Wurfspiele können süchtig machen und dann anderweitig Stress hervorrufen. Es sieht dann zwar so aus, als mache es dem Hund unendlich viel Spass, hinter einem Wurfgeschoss her zu hetzen, in Wirklichkeit hat er sich aber an den hormonellen Kick gewöhnt, den das Hetzen auslöst und braucht das Wurfobjekt nur zu sehen, um zitternd nur noch dafür Augen zu haben.

Monotonie und Unterforderung steht oft in Verbindung mit dem Nebennieren-Stresshormon Cortisol, was sowohl für seelische Spannung als auch für unangenehme Gefühle sorgt. Ein Hund mit einem dauerhaft erhöhten Cortisolspiegel kann sogar im Schlaf unter Spannung stehen, denn in seinem Inneren ist er über die aufgebaute Leistungsfähigkeit gespannt wie ein Bogen, auch wenn es so aussieht, als würde er völlig entspannt schlafen. In solchen Fällen kann man sehr schnell Besserung erreichen, in dem man einfach Körper und Geist den Anlagen des Hundes entsprechend fördert.

 

-Verunsicherung

Verunsicherung entsteht vor allem durch nicht Vorhersagbarkeit des Verhaltens der den Hund umgebenden Individuen (in erster Linie der Halter) und / oder durch auftretende Situationen, die der Hund in der Vergangenheit schon mal nicht unter Kontrolle hatte, in denen die Kommunikation des Halters mit dem Hund unklar war, in denen er trotz Unklarheit keine Unterstützung vom Halter erhalten hat, usw. Es können Kleinigkeiten sein, die einen Hund verunsichern, z.B. nicht nach draußen gehen, wenn der Mensch die Leine nimmt, keine Nahrung bekommen, wenn der Futternapf hervorgeholt wird, und alle anderen Abweichungen von sonst stattfindenden Routinesituationen.

Auch verschiedene wechselnde Reaktionen eines launischen Halters in bestimmten immer wiederkehrenden Situationen, schaffen Unklarheit und Verunsicherung. So kann ein Hund z.B. stark verunsichert werden, wenn er im Wald seinen Menschen, der dort passende Kleidung trägt anspringen darf, aber für das Anspringen bestraft wird, wenn der Mensch saubere Kleidung trägt. Extreme Verunsicherung findet statt, wenn der Mensch seinen Hund für korrekt ausgeführte Kommandos sanktioniert, was z.B. der Fall ist, wenn der Hund auf den Rückruf nach Halterermessen zu langsam kommt , und dafür bestraft wird. Auch falsche, nicht angemessene Korrektur oder Korrektur ohne Vermittlung eines Alternativverhaltens kann einen Hund stark verunsichern und in Folge vermeidbaren Stress erzeugen.

Wenn Familienmitglieder streiten, oder auch aus Spass miteinander rangeln, kann das den Hund verunsichern. Er sieht nicht den Spass, der dahinter steckt.

 

-Mehrhundehaltung

Wenn sich zwangsvergesellschaftete Hunde nicht verstehen, kann auch dies ein erheblicher Stressfaktor sein. Damit ist nicht die ganz normale und artgerechte, oftmals auch aggressive Kommunikation unter Hunden gemeint, sondern ein Verhältnis, dass z.B. immer wieder Ernstkämpfe hervorbringt, oder in dem erkennbar ist, dass sofort wenn sich die Hunde begegnen Stresssymptome auftreten, die über die Dauer der Begegnung anhalten usw. In solchen Fällen hilft eigentlich nur die Abgabe eines der beiden Hunde.

 

Schock / Trauma

Ein Schock ist eine sehr plötzliche und vollständige Überladung des Nervensystems, die Verhaltensänderungen wie Neigungen zu unkontrollierter Angst, Nervosität, emotionaler Unruhe, Ruhelosigkeit, Scheue, Reizbarkeit und Anspannung zur Folge haben, und im Extremfall sogar zum Tod führen kann. In schweren Fällen kann es zu Depressionen und / oder Apathie kommen. Auch Schlafstörungen können auftreten. Es kann eine so große Unsicherheit auftreten, dass jegliche Entspannung als Gefahrenzustand empfunden wird. Oft werden besonders abgeschottete Ruheplätze aufgesucht. Möglich ist auch eine verminderte Konzentrationsfähigkeit und / oder das Blockieren bestimmter Verhaltensweisen, die vorher vorhanden waren so wie eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit beim Teamwork mit dem Menschen (z.B. Nasenarbeit). Auf nachfolgende plötzlich auftretende Ereignisse wird unter Umständen heftiger reagiert. Der Hund scheint dann launischer zu sein, ist schneller gereizt und reagiert aggressiv, oder lässt sich schneller einschüchtern. Nicht selten ist eine gesteigerte Geräuschempfindlichkeit gegeben. Die Umgebung wird evtl. IMMER nach möglichen Gefahren gescannt und auch eine dauerhaft ängstlich wirkende Körperhaltung ist möglich. Ein traumatisierter Hund erwartet scheinbar ständig unangenehme Dinge und negative Erlebnisse.

Ältere Hunde erholen sich tendentiell besser und schneller von solchen Erlebnissen, bei jungen Hunden oder Welpen können dauerhafte Verhaltensänderungen auftreten. Mit diesen Verhaltensänderungen gehen auch Veränderungen des Hormonhaushaltes einher, daher sind sie oft nicht über reines Training abzubauen. Langanhaltende Verhaltensänderungen nach einem Schock werden posttraumatische Belastungsstörung genannt.

Die Auswirkungen eines Schocks können sehr lange anhalten, daher muss eine posttraumatische Behandlung über mindestens 5-6 Monate andauern, in besonders schweren Fällen sogar bis zu einem Jahr. Durch den starken und andauernden Stress wird das Immunsystem geschwächt und das Infektionsrisiko erhöht sich. Generell ist das Krankheitsrisiko durch die gesteigerte Leistung der Organe erhöht. Es kann ein lang anhaltendes Ungleichgewicht zwischen den Botenstoffen im Gehirn auftreten. Dies betrifft unter anderem Noradrenalin und Serotonin.

Ein Schock (psychologisches Trauma) läuft in 3 verschiedenen Phasen ab:

1. Akutes Trauma.

Das akute Trauma folgt direkt dem Schock. Der Hund ist sehr verhaltensauffällig, scheint keine Informationen aufnehmen zu können, ist desorientiert.

2. Erweiterter Schockzustand

Diese Phase tritt ein, wenn der Schock oder dessen Auswirkungen nicht nachlassen. Es kann ein Zustand extremer Erschütterung beobachtet werden. Vorher ohne sichtbare Reaktion durchlebte Situationen können nun extreme Panik oder auch Aggression auslösen.

3. Latenter Schockzustand.

In dieser Phase hat der Hund scheinbar zu einem normalen Verhalten zurückgefunden. Dies ändert sich schlagartig, wenn etwas geschieht, was ihn an die Schocksituation erinnert, denn dann können heftige Reaktionen gezeigt werden.

Ob und wie ein Hund ein traumatisches Erlebnis verarbeiten kann ist unterschiedlich und hängt von seinem Alter und von seiner Konstitution ab, die größtenteils genetisch bedingt ist. Es gibt Hunde, die traumatische Erlebnisse in relativ kurzer Zeit verarbeiten können und andere, die ein Leben lang von einem solchen Ereignis beeinflusst werden und Verhaltensveränderungen / Auffälligkeiten zeigen.

Besonders extrem wirkt sich ein Schockerlebnis im Welpenalter aus. Die Sensibilität eines Welpen bewirkt als Resultat auf traumatische Erlebnisse in diesem Alter starke und langanhaltende Veränderungen in Verhalten und Persönlichkeit. Seine Einstellung zur Umwelt und seine Gefühlszustände so wie seine Lernfähigkeit können beeinflusst werden. Besonders die Angst vor dem Unbekannten wächst. EIN traumatisches Erlebnis kann aus einem problemlosen Welpen oder Junghund ein passives, verängstigtes Wrack machen.

Bei älteren Hunden bezieht sich die Angst meistens auf Situationen, die an die traumatisierende Situation erinnern.

 

Wie erkenne ich einen gestressten Hund – äußerliche Symptome?

Es gibt viele Anzeichen dafür, dass ein Hund gerade gestresst ist. Bei akutem Stress macht das ausgeschüttete Adrenalin den Hund aktiver / aufgeregter. Bei chronischem Stress wirkt sich der Mangel an Noradrenalin, Serotonin und Dopamin am meisten auf den Organismus aus, der dann irgendwann abschaltet.

Hier die wichtigsten Stressymptome:

-Hochfrequentes, angestrengtes Hecheln

Beim Stresshecheln ist der Maulspalt wie zu einem Grinsen zurückgezogen. Dieses Symptom muss immer im Zusammenhang mit der Situation gesehen und beurteilt werden.

-Hyperaktivität

Hyperaktivität zeigt sich durch eine ständige Unruhe, evtl. hektische Panik und schon nervende Lebhaftigkeit. Hyperaktiven Hunden ist es kaum möglich irgendetwas in Ruhe zu machen. Sie hüpfen, springen, ziehen an der Leine und können allerhöchstens dann entspannen, wenn in der Wohnung alles ruhig ist, neigen dann aber auch dazu, zu jaulen, oder Dinge zu zerkauen. Soll er auf einem bestimmten Platz sitzen bleiben und der Halter schafft es, dies zu vermitteln, ist das Verweilen oft nur unter Winseln, jaulen oder Bellen möglich. Es ist oft eine hohe Spielbereitschaft vorhanden und es wird ohne ersichtlichen Grund herumgerannt. Dieser Zustand führt schnell zum Verbrauch der dem Organismus zur Verfügung stehenden Reserven, was in starkem Nachlassen jeglicher Aktivität und schließlich apathischem Abschalten führen kann.

-Übermäßige Reaktivität

Der Hund kann sich nicht wirklich entspannen und reagiert grundsätzlich auf die kleinsten Veränderungen in seinem Umfeld.

-Überreaktionen

Hier reagiert der Hund übertrieben auf bestimmte Reize. Dazu gehört z.B. übertriebenes Begrüßungsverhalten, bei dem Hunde nicht nur freudig reagieren, sondern total ausflippen und scheinbar extrem ausgelassen sind, sich kaum beruhigen können. Auch bei Hundebegegnungen mit Hunden, die der überreagierende Hund nicht mag, reagiert er nicht nur ärgerlich, sondern verliert sich in nicht zu stoppendem, rasendem Verhalten. Wenn ein Hund übertrieben schreckhaft ist, gehört das auch in die Kategorie „Überreaktion“.

-Gähnen

-Schütteln

-Strecken

Strecken, das nicht nach langem liegen auftritt kann situativ auch Ausdruck von Stress sein.

-Aufmerksamkeits / Konzentrationsmangel

Auch dieses Symptom muss im Gesamtzusammenhang mit der Situation beurteilt werden. Der in manchen Stresssituationen auftretende „Tunnelblick“ macht es dem Hund unmöglich, noch für Ansprache empfänglich zu sein. Diese Art von „Ungehorsam“ darf auf keinen Fall sanktioniert werden.

-Ungeduld / Winseln

Der Hund schafft es nicht, in Erwartung für ihn besonderer Dinge ruhig zu bleiben. Sei es das Rausgehen, bei dessen Anzeichen der Hund schon jaulend vor der Tür hin und her läuft, sei es das Winseln und die Unruhe im Auto wenn zum Hundeplatz oder in den Wald gefahren wird, oder ein unruhiges Jaulen, wenn gewartet werden muss, bevor der Hindernisparcours aufgebaut ist. Geduldiges, entspanntes Warten ist solchen Hunden fremd.

-Aggressivität

-Übervorsichtigkeit und / oder Ängstlichkeit nach Erschrecken

Alle diese Zustände könnte man zusammenfassend als „Unausgeglichenheit“ bezeichnen. „Unausgeglichenheit“ ist zum Teil genetisch begründet, zum anderen Teil auch durch Lernerfahrungen.

-Verwirrtheit

-Zwangsverhalten (Stereotypien)

Unter diesen Punkt fallen Verhaltensweisen, die mit der eigentlichen Situation nichts zu tun haben, und dazu noch in ungewöhnlich hoher Frequenz oder Intensität gezeigt werden. Das Gehirn ist überfordert und versucht so Stress und Energie loszuwerden. Als Beispiele sind zu nennen: Schwanzjagen, Bellen, Steine fressen, Buddeln, Wälzen, usw.

-Schweißpfoten

...Pfotenabdrücke sind beim Laufen auf glatten Flächen erkennbar.

-Fressen großer Grasmengen

-Andauerndes Ablecken des Bodens (oft Teppich)

-Selbstverstümmelung

Die häufigsten Arten der Selbstverstümmelung in Folge von Stress sind das Aufbeißen oder Wundlecken von Rute, Flanken, Pfoten und / oder der Genitalregion.

-Exzessive Körperpflege

Übertriebenes Putzverhalten, besonders an den Pfoten, Flanken und Genitalien, manchmal bis zum Wundlecken.

-Übermäßiges Schlafbedürfnis

Hier handelt es sich meistens um das „Abschalten“ aufgrund einer Erschöpfung des Serotonin-Haushaltes. Es ist dann zwar ein besonders hohes Schlafbedürfnis vorhanden, welchem der Hund durch die innere Unruhe aber nicht gerecht werden kann. Das kann zu einem Teufelskreis ausarten.

-Körpersteifheit

Verspannte Muskulatur, steifes Gangbild, Muskeln fühlen sich beim Streicheln ungewöhnlich hart an.

-Zittern

-Soziales Konfliktvermeideverhalten (Beschwichtigungsverhalten)

Z.B: Blick abwenden, Körper oder Körperteile abwenden, schnelles Lecken über Fang / Nase, Einfrieren, extrem langsame Bewegungen, Hinlegen, Vorderkörpertiefstellung, Gähnen.

 

 

 

 

Körperliche Symptome

Auch körperlich kann sich ungesunder Stress bemerkbar machen. Häufige Symptome sind:

-Magen / Darm – Probleme (grummeln / weicher Kot / Erbrechen / Durchfall)

-Übersteigertes Trink- und Urinierverhalten….auch Unsauberkeit in der Wohnung

Steht ein Organismus unter starkem Stress, wird unter anderem vermehrt Aldosteron ausgeschüttet, was starken Harn- und Kotdrang auslöst. In solchen Momenten ist das Einhalten nicht mehr möglich, was dazu führt, dass er sich lösen MUSS, wo er sich gerade befindet – auch in der Wohnung. Auch solches Verhalten darf niemals sanktioniert werden.

-Häufiger Kotabsatz…evtl. auch hier in der Wohnung

-Anfälligkeit für Infektionskrankheiten

Bei solchen Erkrankungen ist es immer sinnvoll, auch zu überlegen, ob Stressfaktoren zumindest ein Mitauslöser sein könnten.

-Häufige Muskelverletzungen aufgrund von hektischen, schnellen Bewegungen bei „kalter“ Muskelstruktur. (…ist ein „Folgeproblem“).

-Hautprobleme

Hotspots und Allergien hängen stark mit Stress zusammen. Beim Auftreten solcher Symptome sollte eine medizinische Ursache zwar nicht ausgeschlossen werden, aber auch der Stressfaktor ist zu berücksichtigen.

 

 

Stress genauer betrachtet / Neuropsychologie

 

Die Phasen im Ablauf einer Stressreaktion

-Alarmreaktion:

Das Gehirn bekommt einen bestimmten Reiz gemeldet, bewertet diesen und löst dieser Bewertung entsprechend gewisse Reaktionen im Körper aus. Es werden z.B. Ressourcen mobilisiert, der Körper wird in jeder Hinsicht auf ein evtl. bevorstehendes Ereignis vorbereitet und in Alarmbereitschaft versetzt.

-Abwehrreaktion / Handlungsphase / Vorabbewertung

Diese Phase erkennt man am Verhalten, was man in relevanten Situationen am Individuum beschreiben kann. Das Gehirn bewertet den Reiz und entscheidet in Mikrosekunden, ob es sich um einen positiven oder negativen Reiz handelt. Danach fällt die Reaktion aus, die entweder aus z.B. Angriff, Verteidigung oder Flucht (negative Bewertung des Gehirns), oder aus annäherndem Erkundungsverhalten (positive Bewertung des Gehirns) besteht. Diese Beurteilung ist von vielen ineinandergreifenden Faktoren abhängig. Lernerfahrungen mit dem auslösenden Reiz spielen z.B. ebenso eine Rolle, wie die ganz individuelle Sensibilität des Hundes und gerade vorherrschende körperliche Bedürfnisse (Hunger, Durst, usw.). Trotz der Schnelligkeit, in der diese Bewertung stattfindet, ist sie ein sehr komplexer und viele Komponenten einbeziehender Prozess.

-Eindeutigere Klassifizierung des Reizes

Nun findet eine genauere Klassifizierung des Reizes oder der Situation statt, die dann auch sogenannte Basisemotionen wie Wut, Freude, oder Angst hervorrufen. Diese genauere Klassifizierung kann entweder die erste Bewertung bestätigen, oder auch revidieren und für doch nicht negativ befinden. Dies ist z. B. dann der Fall, wenn ein Hund sich vor einer plötzlich auftauchenden Person erschreckt, also eine abstandsvergrößernde Fluchtreaktion zeigt, dann aber bemerkt, dass es sich um seinen Halter handelt, worauf das Stresssystem wieder herunterfährt und eine Annäherung stattfindet. Jedenfalls wird in dieser Phase unter Einbeziehung kognitiver Denkleistungen ein eindeutigeres Bild der Situation geschaffen und danach gehandelt.

Es kann auch vorkommen, dass das Gehirn den auslösenden Reiz zwar als eigentlich negativ bewertet, aber trotzdem eine Annäherung / Erkundung als passendes Verhalten vorgibt. Dies ist beim Hund dann in einem sogenannten Annäherungs – Meide – Konflikt oder einer Mischmotivation erkennbar. Der klassische Fall eines solchen Konfliktes liegt vor, wenn ein Hund eigentlich Angst vor fremden oder bestimmten Menschen hat, sich ein solcher Mensch aber plötzlich körpersprachlich geschickt und zusätzlich noch mit dem Lieblingsleckerchen des Hundes präsentiert. Einerseits möchte er wegen seiner Angst den Abstand zur Person vergrößern, andererseits bewegt die Person sich aber eher einladend, als angsteinflößend und hat auch noch etwas leckeres dabei, was für eine Annäherung sprechen würde. Was der Hund dann letztendlich macht, liegt an vielen verschiedenen ineinandergreifenden Faktoren, wie z.B. ob er gerade gefressen hat, oder hungrig ist, wie stark seine Angst wirklich ist, der Umgebung, seiner momentanen Grundstimmung usw.

An dieser Stelle sei auch auf die Unterscheidung und auf die Bedeutung der sogenannten negativen Voreingenommenheit und des positiven Abwägens hingewiesen. Hunde reagieren auf einen mäßig negativen Reiz heftiger (negative Voreingenommenheit), als auf einen mäßig positiven Reiz gleicher Intensität (positives Abwägen). Dies ist genetisch bedingt und liegt in der Evolution begründet, unter deren Druck es vorteilhaft war, gewissen Reizen gegenüber zwar neugierig und Optimistisch zu sein, negativen Reizen gegenüber hingegen eine in der Intensität heftigere Abwehr / Fluchtreaktion zu zeigen.

-Erschöpfungsphase

Diese Phase beginnt sofort nach einer gemeisterten stressigen Situation. Auch wir Menschen kennen das: Nach sehr aufregenden Erlebnissen werden die Knie weich und man ist sehr kraftlos. Die Energiereserven wurden verbraucht und müssen nun wieder aufgeladen werden. Die stark beanspruchten Organe und Muskeln brauchen Regeneration und Erholung. Erneutes starkes und aufeinanderfolgendes Ansprechen des Stresssystems verhindert diese wichtige Regeneration und überlastet Körper und Geist. Aus nicht erfolgter Regeneration können Folgekrankheiten resultieren, die sich psychisch und / oder physisch bemerkbar machen können.

 

Drei Ebenen

Eine Stressreaktion läuft auf drei Ebenen ab. Diese Ebenen „arbeiten“ eng zusammen, um die angestrebte Anpassung zu bewerkstelligen.

1. Ebene: Reaktion des vegetativen Nervensystems.

Diese Ebene ist nicht bewusst steuerbar und besteht aus dem sympathischen Nervensystem, das den Körper aktiviert und dem parasympathischen Nervensystem, das den Körper zur Ruhe bringt.

2. Ebene: Erzeugung und Wirkung der Stresshormone im Körper.

3. Ebene: Auswirkungen auf den Gefühlsbereich im Gehirn, das limbische System.

 

Ablauf einer Stressreaktion

Der Ablauf einer Stressreaktion wird nun am Beispiel eines Hundes beschrieben, auf den ein fremder Hund mit hoher Geschwindigkeit zurennt, worauf er sich mit Kampf oder Flucht vorbereitet, also eine aktive Stressreaktion zeigt.

Zunächst reagiert das aktivierende sympathische Nervensystem, als würde ein Schalter umgelegt und die Amygdala wird mit Reizsignalen bombardiert. Dies ist mit einem Stromschlag vergleichbar. Dieses System ist weit im Körper verzweigt und in seinen Nervenenden befindet sich der Botenstoff Noradrenalin, der nun direkt an den relevanten Organen freigesetzt wird, also nicht erst den „langen und langsamen“ Weg durch die Blutbahn nehmen muss. Das Herz schlägt schneller, um den Körper effektiver zu versorgen, so dass also Nährstoffe und andere wichtige im Blut transportierte Dinge schnell dorthin kommen, wo sie ihre Wirkung erzielen. Die Muskeln stehen auf Spannung und der Hund ist reaktionsbereit.

Nun kommen die Nebennieren ins Spiel. Sie sind kleine Anhängsel der Nieren und halten Adrenalin und Noradrenalin im Nebennierenmark vor. Das vegetative Nervensystem sorgt für die Freisetzung dieser beiden Neurotransmitter, die nun maßgeblich für den weiteren Verlauf der Stressreaktion verantwortlich sind, indem sie weiterhin den Herzschlag erhöhen, die Atmung beschleunigen, die Leber anregen, und zusätzliche Zuckerreserven freizusetzen. Nun haben wir im Körper des Hundes folgenden Zustand: Das Blut bewegt sich schnell (Herzschlag), wird zusätzlich mit Sauerstoff (Atmung) und Zucker (Leber) angereichert.

Das Blut wird so weit wie möglich aus den Organen und der Haut herausgezogen und in die Muskeln geleitet, was zur Folge hat, dass die Haut blass wird und die Muskeln sich vergrößern und stärker werden. Der Blutdruck steigt, die Pupillen weiten sich zwecks größerem Lichteinfall und wirken dunkel, die Blutgerinnungsfähigkeit wird erhöht, die Haare stellen sich auf, und die Wirbelsäule krümmt sich nach oben, um den Hund größer erscheinen zu lassen. Sehschärfe, Bereitschaft und Aktivität haben nun oberste Priorität. Der Hund atmet schnell und ist nun aktionsbereit.

Handelt es sich beim auslösenden Stressreiz um einen kurzen Reiz (Knall), oder einen, der doch nicht so gefährlich ist, wie er erst schien (heranstürmender Hund ist freundlich), beruhigt sich der Körper wieder und die Stressreaktion ebbt ab. Die letzte Stufe tritt nicht ein. Trotzdem braucht der Hund noch eine Weile, bis er wieder einen für ihn „normalen“ Grundzustand erreicht hat.

Besteht der stressende Reiz aber weiter zündet quasi die dritte Stufe der Stressreaktion. Daran ist maßgeblich die Hypophyse (Hirnanhangdrüse) beteiligt, die an der Basis des Zwischenhirns sitzt und die Aufgabe hat, über das Freisetzen bestimmter Hormone andere Drüsen im Körper zu steuern. Da die „Steuerbefehle“ der Hypophyse über den Blutkreislauf verteilt werden, kommen sie nicht in Sekundenbruchteilen bei den Empfängern an, wie es bei den Nervenimpulsen des sympathischen Nervensystems der Fall ist, sondern wirken leicht verzögert. Das Weiterbestehen des Reizes sorgt also nun dafür, dass die Hypophyse die Nebennierenrinde unter anderem dazu anregt, ihr Hormon, das Cortisol, freizusetzen. Dazu leitet sie das Adrenocorticotrope Hormon, kurz ACTH genannt ins Blut.

Das Cortisol regt unter anderem die Fettdepots dazu an, Fett ins Blut abzugeben, was die Muskeln noch leistungsfähiger macht. Nun ist der Hund endgültig zu einer Höchstleistung bereit – egal, ob diese Flucht oder Kampf bedeutet.

Nach durchgestandener Stresssituation muss nun eine Erholungsphase folgen, in der vor allem das Cortisol abgebaut werden muss. Es hat eine Halbwertzeit von ca 20 min, was bedeutet, dass nach 20 min die Hälfte davon abgebaut ist, wenn kein neuer Stressfaktor mehr auftritt.

 

Beteiligte Hormone:

-Adrenalin:

Adrenalin ist ein Neurotransmitter (wird später genauer erklärt), und wird in den Blutkreislauf ausgeschüttet, wenn der Körper eine akute Stressreaktion (Angst / Schreck) zeigt. Es sorgt dafür, dass sich der Organismus mit diversen Maßnahmen über das Mobilisieren von Leistungsreserven auf Flucht- oder Abwehrverhalten vorbereitet um zu überleben und lässt ihn schnell handeln.

-Dopamin:

Dopamin ist auch ein Neurotransmitter und an der motorischen Koordination, der Aufmerksamkeit, der Bestätigung und der Reaktionszeit beteiligt. Zu wenig Dopamin kann Lernblockaden, Erregbarkeit, Ängste und einen zu niedrigen Endorphinlevel (natürlicher Schmerzstiller) zur Folge haben. Außerdem hat Dopamin großen Einfluss auf das Empfinden von Glück, so dass ein Mangel mit herabgesetzter Lebensfreude und weniger positiven Emotionen zusammenhängt. Dopaminüberschuss kann Unruhe, impulsives Verhalten und impulsive Reaktionen auslösen.

 

-Noradrenalin:

Noradrenalin entsteht aus der Aminosäure Tyrosin, wird nur in kleinen Mengen von der Nebenniere produziert und dient als Botenstoff für die Übertragung von elektrischen Nervenimpulsen in den Synapsen, ist also auch ein Neurotransmitter. Werden bestimmte Nervenzellen, die im ganzen Körper innerhalb des sympathischen Nervensystems verteilt sind, von dem „Beschleuniger“ Noradrenalin aktiviert, nehmen Geschwindigkeit und Aktivität in den Muskeln zu.

Das Noradrenalin ist z.B. für die Regulierung des Energiehaushaltes zuständig. Ein zu geringer Noradrenalinspiegel lässt den Körper seinen Energieverbrauch herunterfahren und ein zielgerichtetes Denken ist nicht mehr möglich oder erschwert. Noradrenalinmangel ist entweder auf eine Produktionshemmung, oder auf eine Erschöpfung der vorhandenen Menge zurückzuführen und kann Lethargie und Depressionen verursachen. Die Noradrenalinproduktion wird z.B. bei chronischem Stress oder einem psychischen Trauma gehemmt, was nach einer gewissen Zeit sogar dazu führen kann, dass der Körper vollständig abschaltet. Die sogenannte „erlernte Hilflosigkeit“ wird auch mit Noradrenalinmangel in Verbindung gebracht. Ist der Noradrenalinspiegel zu hoch, kann das zu Aggression, übersteigerten Erregungszuständen (Überreaktionen), impulsivem Verhalten und Reizbarkeit führen.

 

-Serotonin:

Ein weiterer Neurotransmitter ist das Serotonin. Das Serotonin nennt man auch „Glücksbotenstoff“, es beeinflusst Schmerz- und Reizbarkeitsniveau, die Stimmungslage und steuert den Schlaf / Wach-Zyklus, sorgt also dafür, dass der Hund Glück empfindet und sich wohl fühlt. Ein zu niedriger Serotoninspiegel kann die Lernfähigkeit beeinträchtigen, zu Ängsten und Zwangshandlungen führen und aggressives / impulsives Verhalten insbesondere bei Bedrohung und / oder Frustration hervorrufen. Es wird aus der Aminosäure Tryptophan gebildet, die über die Nahrung aufgenommen werden muss. Serotonin steuert und hemmt Wut und Aggression. Serotonin wirkt beruhigend auf bestimmte Nervenzellen im Gehirn und steuert / hemmt so Wut, Angst, Anspannung und Aggression. Es beruhigt das Gehirn, und sorgt so dafür, dass es nicht außer Kontrolle gerät. Serotonin wirkt als Gegenpol zum Noradrenalin und gleicht damit die aktivierende Reaktion des Noradrenalins aus, so dass eine balancierte und optimale Reaktion auf eine bestimmte Situation erfolgen kann. Lange stressbeladene Phasen oder traumatische Erlebnisse – besonders in jungen Jahren – können ein Ungleichgewicht im Zusammenspiel von Noradrenalin und Serotonin hervorrufen. Dies äußert sich darin, dass die Aktivität in den Noradrenalinzellen erhöht ist, während in den Zellen, in denen das Serotonin greift, weniger geschieht. Die äußerlichen Symptome sind dann Verkrampfen, Geräuschempfindlichkeit, Schreckhaftigkeit, Nervosität, gesteigerte Aggressivität, übertriebene Vorsicht und erhöhte Traumaktivität.

Ein emotional extrem reagierender Hund (z.B. Wut oder Aggression) hat ein herabgesetztes Schmerzempfinden, wofür auch das Serotonin verantwortlich ist. Das ist auch der Grund, warum physische Bestrafung in emotional geladenen Situationen keinen großen Nutzen bringt. Serotonin wird auch mit dem Beißverhalten in Verbindung gebracht. Hunde, die vor dem Beißen warnen und dann zunächst sehr gehemmt schnappen haben meist einen ausreichend hohen Serotoninspiegel, wobei Hunde, die nicht warnen und / oder direkt sehr fest zubeißen einen zu niedrigen Spiegel aufweisen.

-Glutamat und Gamma-Aminobuttersäure

Diese beiden Neurotransmitter haben eine homöostatische Funktion im Nervensystem und arbeiten dabei als gegensätzliche Effekte erzielende Kräfte eng zusammen. Glutamat übermittelt Erregungsreize, wogegen Gamma-Aminobuttersäure hemmend wirkt. Ein Ungleichgewicht dieser beiden Neurotransmitter kann mentale Instabilität verursachen, weil die Nerven dann entweder unkontrolliert Signale aussenden oder ihre effektive Tätigkeit einstellen.

 

-Cortisol

Auch das Cortisol wird unter Einwirkung von Stress ausgeschüttet und macht den Körper handlungsbereit. Angeregt wird die Cortisolausschüttung vom Hypothalamus, der unter Stress das Hormon CRF (Corticitropin Releasing Faktor) ausschüttet, was für die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) das Signal zur Ausschüttung von ACTH darstellt. Das ACTH wirkt dann auf die Nebennierenrinde mit der Stimulation zur Freisetzung verschiedener Steoride – darunter auch dem Cortisol. Sobald das Cortisol über die Blutbahn den Hypothalamus erreicht, reduziert dieser die CRF-Produktion und somit reagiert auch die Hypophyse mit einer Drosselung ihrer ACTH-Produktion, was für die Nebennierenrinde das Signal zur Verminderung der Cortisolausschüttung ist.

Cortisol hat z.B. Einfluss auf auf den Blutdruck und den Glucosespiegel. Damit hilft es, Stress und Verletzungen zu bewältigen. Im Gegensatz zum schnell wirkenden Stresssystem des Sympathikus, das unter dem Einfluss von Adrenalin steht, wirkt das Stresssystem, bei dem Cortisol beteiligt ist, langsamer. Es wird Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse genannt.

-Adrenocorticotropes Hormon (ACTH)

Dieses Hormon ist Teil der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse. Es wird von der Hirnanhangdrüse, der Hypophyse gebildet, wenn sie vom Hypothalamus über das Ausschütten von CRF dazu angeregt wird. Das ACTH ist das Signal für die Nebennierenrinde, verschiedene Steoride, (z.B. Cortisol) auszuschütten.

-Testosteron:

Die Rolle des Testosterons ist im Zusammenhang mit Stress noch nicht genau geklärt. Mittlerweile gibt es aber schon viele Studien, die sich damit befassen. So ist es z.B. so, dass extremer Stress bei tragenden Hündinnen zu maskulineren Welpen führt. Das Testosteron wirkt sich in Erscheinung, Sexualität, Kampfbereitschaft und Aktivität aus. Da auf den heutigen Ausstellungen immer eher die maskulinen Typen gefragt sind, wird natürlich auch in diese Richtung gezüchtet, was vor allem bei den männlichen Hunden den Testosteronspiegel generell erhöht. Testosteron sorgt für starke sexuelle Erregbarkeit, gesteigertes Markierverhalten und erhöhter Rivalität anderen Rüden gegenüber in Verbindung mit erhöhter Aggressivität. Seine Wirkung ist der eines Stresshormons ähnlich und sorgt so für eine erhöhte Aktivität bis hin zur hyperaktivität. Wie sich diese erhöhte Aktivität zeigt hängt stark von genetischen Dispositionen der verschiedenen Rassen ab. Aus einem hohen Testosteronspiegel kann z.B. auch stärkeres Interesse am Jagen, am Spielen, natürlich an der Fortpflanzung, aber auch am Kämpfen resultieren.

-Thyroxin (Schilddrüse)

Die Schilddrüse kann das Verhalten mit ihrem Hormon Thyroxin beeinflussen. Bei Schiddrüsenüberfunktion wird zu viel und bei Unterfunktion zu wenig Thyroxin produziert.

Wenn Hunde eine gestörte Schilddrüsenfunktion aufweisen, ist dies meistens eine Unterfunktion. Dabei kann es sich um eine primäre oder eine sekundäre Unterfunktion handeln. Die häufigere Version ist die primäre Unterfunktion, bei der die Schilddrüse eine Anomalie aufweist. Ein Teil des Thyroxin produzierenden Drüsengewebes ist dann zerstört, was verschiedene Ursachen haben kann. Die sekundäre Unterfunktion wird durch Probleme in der Hypophyse verursacht, die dazu führen, dass dort zu wenig TSH (Thyreoidea stimmulierendes Hormon) produziert wird. Dies ist bei Hunden jedoch selten.

 

Das Nervensystem

Das Nervensystem besteht aus zwei Hauptbereichen, dem zentralen Nervensystem (ZNS) und dem peripheren Nervensystem (PNS).

 

Zentrales Nervensystem (ZNS)

Das zentrale Nervensystem besteht aus Gehirn und Rückenmark. Vom PNS zum Gehirn geleitete Informationen werden hier interpretiert, ausgewertet und es erfolgt eine Rückmeldung an das PNS und an das endokrine System.

 

Peripheres Nervensystem (PNS)

Das periphere Nervensystem besteht aus den Nerven und einigen Sinnesorganen. Es stellt dem Gehirn bestimmte Informationen zur Verfügung. Das PNS kann weiter in einen zuleitenden und einen ableitenden Bereich gegliedert werden. Der zuleitende Bereich transportiert sensorische Informationen, der ableitende Bereich leitet die Impulse des ZNS an die Muskeln und Drüsen weiter. Der ableitende Bereich besteht aus dem somatischen Nervensystem, das die Nervenfasern umfasst, die vom ZNS zur Skelettmuskulatur führen (SNS), und aus dem vegetativen Nervensystem (VNS), das nicht beeinflussbare, unwillkürliche Prozesse steuert. Das VNS wird nochmals in das sympathische Nervensystem (Sympathikus) und das parasympathische Nervensystem (Parasympathikus) unterteilt.

Der Sympathikus regelt die Köperfunktionen, die in Notfallsituationen greifen und das Bereitstellen von Energiereserven. Von ihm wird auch bei Bedarf die Herzfrequenz und der Blutdruck beeinflusst, die Atemfrequenz erhöht, die Verdauungstätigkeit herabgesetzt, das Ausschütten von Adrenalin angeregt und die Erhöhung des Blutzuckerspiegels initiiert. Der Sympathikus macht den Körper also in Stresssituationen handlungsbereit und löst eine Flucht- oder Abwehrreaktion aus.

Der Parasympathikus bringt den Körper wieder ins Gleichgewicht. Damit wirkt er dem Sympathikus entgegen.

Hunde, die zum Typ A gehören, haben einen genetisch bedingten Hang zu gefühlsbetonter, emotionaler Reaktivität und sind daher sympathisch dominant. Sie sind grundsätzlich stressanfälliger und haben eine niedrigere Reizschwelle. Meistens sind es solche Hunde, die zu Verhaltensauffälligkeiten neigen.

Hunde vom Typ B dagegen sind parasympathisch dominant. Sie sind ruhiger, anpassungsfähiger, emotional stabiler und kognitiver. Sie haben eine eher höhere Reizschwelle.

 

Neuronen (Nervenzellen)

Nervenzellen senden und empfangen Informationen im Nervensystem. Sie haben kleine Ärmchen, deren Enden sich den Ärmchen anderer Neuronen annähern, die aber nicht verbunden sind. Sie liegen nah aneinander und sind durch den sogenannten synaptischen Spalt voneinander getrennt. Es gibt pro Zelle ein Ärmchen, das sendet, das Axon, und mehrere Ärmchen, die empfangen, die Dendriten. Die Axone geben in den synaptischen Spalt chemische Substanzen ab, die sogenannten Neurotransmitter, die dann von den Dendriten einer anderen Nervenzelle aufgenommen werden. So werden Informationen übertragen. Bestimmte Neurotransmitter haben speziell zugeordnete Funktionen und damit auch spezielle Auswirkungen auf das Nervensystem, was wiederum spezielle Verhaltensweisen auslöst.

 

Neurotransmitter

Die Funktion von Neurotransmittern ist es, Informationen von einem Teil des Nervensystems zum anderen – also von einer Nervenzelle zur anderen - zu übertragen. Dies geschieht an der Stelle, wo sich Axon (sendet) und Dendriten (empfangen) bis auf einen kleinen Zwischenraum, den synaptischen Spalt , annähern. In diesem Spalt springen die Nervenimpulse von einem Neuron zum anderen über.

Die Neurotransmitter enthalten als chemische Botenstoffe die zu übertragenden Informationen und wandern mit ihnen im Gepäck von einer Nervenzelle über den synaptischen Spalt zur nächsten. Sie stimulieren, hemmen oder regulieren die Aktivitäten anderer Neuronen. Nachdem ein Neurotransmitter seine Information übertragen hat, wird er entweder von der Zelle aufgenommen, oder abgebaut.

Neurotransmitter werden vom Körper aus bestimmten Stoffen gebildet, die wiederum vorher vom Organismus selbst produziert, oder auch über die Nahrung aufgenommen werden müssen.

Einige relevante Neurotransmitter und ihre Eigenschaften werden unter „Beteiligte Hormone“ näher beschrieben.

 

Das Gehirn

Das Gehirn sorgt dafür, dass Stressreaktionen angemessen sind, auf einem optimalen Level ablaufen und dass sich nach der Reaktion alles wieder beruhigt. Es sorgt dafür, dass Gefühle und Gedanken gut zusammenarbeiten. Gefühle sorgen für schnelle Reaktionen und bestimmen das Verhalten im Moment, während Gedanken langsamer ablaufen, aber tiefgreifender sind.

 

Die Großhirnrinde

Die äußere Schicht des Gehirns ist die Großhirnrinde. Hier sind Bewusstsein und Intelligenz, also kognitive Prozesse wie das logische und rationale Denken verankert. Sie hat eine große Bedeutung beim Lernen und beim Lösen von Problemen. Eingehende Informationen werden in der Großhirnrinde mit erfolgten Lernerfahrungen und vom limbischen System gesandten Gefühlen und Emotionen in Relation gesetzt, worauf das weitere Vorgehen bestimmt wird.

Die Großhirnrinde ist mit Teilen des limbischen Systems (Amygdala) vernetzt, wodurch sich limbisches System und Großhirnrinde gegenseitig beeinflussen. Allerdings findet die Beeinflussung nicht zu gleichen Teilen statt. Die Emotionalität und / oder Impulsivität des limbischen Systems haben einen stärkeren Einfluss auf die Großhirnrinde, als dass die Großhirnrinde mit ihrer rationalen Logik das limbische (Gefühls-) System beeinflussen kann. Dies erklärt auch, warum viele Hunde sehr erregt und emotional reagieren und Training im Bereich der Impulskontrolle benötigen.

 

Das limbische System

Das limbische System liegt tiefer im Gehirn und und besteht aus einer Gruppierung von Gehirnteilen, die eng zusammenarbeiten. Es dient in erster Linie dem Ausdruck und der Wahrnehmung von Emotionen. Es steuert auch einen Teil des Lerngedächtnisses und des emotionalen Gedächtnisses.

Der Thalamus ist die Schaltstation zwischen limbischem System, Körper und der Großhirnrinde, der sensorische Informationen und emotionale Reaktionen empfängt und deren Verarbeitung reguliert. Er ermöglicht es, sich auf eine Sache nach der anderen zu konzentrieren.

Der Hypothalamus hat viele verschiedene Aufgaben zu erfüllen. Man kann ihn als Hormondrüsenkontrolleur bezeichnen. Er regelt unter anderem Abläufe, die mit Hunger und Durst zu tun haben, und ist für verschiedene homöostatische Funktionen wie Regulierung des Blutdrucks, der Körpertemperatur und des Blutzuckerspiegels zuständig. Auch das Fortpflanzungssystem und das vegetative Nervensystem werden vom Hypothalamus gesteuert. Er steuert den Schlaf-Wach-Rhythmus, kontrolliert das endokrine System, und reguliert Sympathikus und Parasympathikus.

Der Hypothalamus gehört zur Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse, die mit für die homöostatische Steuerung der Körperreaktionen bei Stress und Bedrohung verantwortlich ist. Dann gehört der Hypothalamus auch noch zur negativen Rückkopplungsschleife für den Testosteron-Spiegel. Wenn der Testosteronspiegel sinkt, schüttet der Hypothalamus ein Freisetzungshormon (Gonadotropin-Releasing-Faktor) aus, was die Hirnanhangdrüse dazu anregt, ihrerseits ein Hormon abzugeben, das dann eine erhöhte Testosteronproduktion in den Hoden anregt. Sobald der Testosteronspiegel wieder eine angemessene Höhe erreicht hat, stoppt der Hypothalamus die Freisetzungshormonausschüttung.

Die Amygdala – auch Mandelkern genannt – ist auch dem limbischen System zuzuordnen und wesentlich an der Entstehung von Angst und der Steuerung von Aggression beteiligt. Die Nervenzellen der Amygdala haben überwiegend eine niedrige Reizschwelle, was eine anfallsartige Aktivität zur Folge hat und explosionsartige Aggression auslösen kann. Der Mandelkern setzt Überlebensmechanismen in Gang, beeinflusst bestimmte hormonelle Ausschüttungen und hat großen Einfluss auf das emotionale Lernen.

Der Hippocampus dient der Festigung von Erinnerungen und Gefühlen. Er dient auch als neutrale Basis für die Vermittlung niedriger Angstschwellen und anhaltender Stadien generalisierter Angst.

Der Fornix verbindet Großhirn und Hypothalamus.

 

Der untere Teil des limbischen Systems empfängt Signale von der Amygdala, dem Mandelkern. Diese Reize haben vor allem mit Aggression, Angst und Sexualverhalten zu tun. Ganz in der Nähe befindet sich noch der Hippocampus, der der Amygdala und anderen Systemen auch entgegenwirkt. Der Hippocampus ist für kognitives Beruhigen und Analysieren zuständig, wodurch die Wirkung der von der Amygdala gesteuerten Emotionen vermindert wird. Der Hippocampus vergleicht ständig sensorische Reize mit erlernten Erwartungsmustern. Solange keine Veränderungen des Umfeldes stattfinden oder zu erwarten sind, bleibt der Hippocampus aktiv und unterdrückt die Emotionen, so dass die Großhirnrinde und die Frontlappen für Vernunft und logisches Denken „freie Bahn“ haben. Der Hippocampus kann also Stress mindern und für Entspannung sorgen. Das limbische System ist mit der Großhirnrinde verbunden, was die Beeinflussung der Emotionen durch Logik zulässt und umgekehrt.

 

Limbisches System und Großhirnrinde arbeiten zusammen.

Den Anfang einer Verhaltensreaktion machen von den Sinnesorganen aufgenommene Wahrnehmungen, die als Informationen vom peripheren Nervensystem zum Thalamus geleitet werden. Der Thalamus leitet sie an die hinteren Hirnlappen weiter, wo sie decodiert werden. Dann werden die Informationen mit bestehenden Lernerfahrungen verglichen und an den Frontallappen weitergeleitet, wo das weitere Vorgehen bestimmt wird. Großhirnrinde und limbisches System sind beide am Formen der endgültigen Reaktion beteiligt, wobei sie sich als Gegenspieler beeinflussen. Ist die Großhirnrinde aktiv, wird die Arbeit des limbischen Systems unterdrückt oder gehemmt und umgekehrt.

In der Praxis heißt das, dass die Fähigkeit, abzuwägen, mit kühlem Kopf zu entscheiden und analytisch zu handeln weniger gut oder gar nicht möglich ist, wenn der Hund gerade eine (intensive) emotionale Erfahrung macht, denn die Arbeit der Großhirnrinde, die auch für Impulskontrolle und Reaktionshemmung zuständig ist, wird unterdrückt. Auch die Aggressionsschwelle ist unter Stress herabgesetzt. Umgekehrt sind emotionale Reaktionen unterdrückt, die vom limbischen System initiiert werden, wenn gerade die logischen und kognitiven Bereiche des Gehirns (Großhirnrinde) aktiv sind.

Werden Stressfaktoren wahrgenommen, haben diese besonders stark erregenden Einfluss auf die Amygdala, die unter anderem den Körper auf eine mögliche bevorstehende Reaktion vorbereitet. Es werden große Mengen Noradrenalin und Dopamin ausgeschüttet, die als Neurotransmitter an der Notfallaktivierung beteiligt sind.

Es liegt auf der Hand: Ein Hund, der gerade stark emotional reagiert, bzw. unter starkem Stress steht, kann nicht effektiv lernen. Daher muss das Hauptaugenmerk bei einer Therapie darauf liegen, Reaktionen im relevanten Bereich zu verhindern. Dabei kann das Aufrechterhalten der Konzentration, also das Stimulieren der Großhirnrinde dabei helfen, emotionale Reaktionen (Stressreaktionen) zu verhindern oder abzuschwächen. Bei einer angestrebten Desensibilisierung kann die gesamte Arbeit durch eine im relevanten Bereich auftretende Stressreaktion wieder zu Nichte gemacht werden.

 

Die Homöostase

Mit Homöostase wird die Eigenschaft des Gehirns bezeichnet, die das Bestreben hat, in verschiedenen Situationen ein Gleichgewicht herzustellen. Dazu gehört, dass ein Hungergefühl entsteht, wenn die Nährstoffe zur Neige gehen, dass man schwitzt, wenn erhöhte Temperatur besteht und auch, dass mit Stress auf gewisse Umweltreize reagiert wird. Auch Emotionen unterliegen der Homöostase. Sorgen bestimmte Umweltreize dafür, dass z.B. negative Emotionen entstehen, versucht das Gehirn, diesen Zustand wieder in die positive Richtung zu verschieben, was z.B. über selbstbelohnende Handlungen erfolgen kann.

 

Das endokrine System

Das endokrine System regelt die chemischen Abläufe im Körper, ist für die im Körper zirkulierenden Botenstoffe verantwortlich und arbeitet eng mit dem Nervensystem zusammen. Es besteht aus verschiedenen hormonabsondernden Drüsen, die vom Hypothalamus gesteuert werden. Das endokrine System arbeitet homöostatisch und schüttet Hormone aus, wenn der Spiegel zu niedrig ist bzw. drosselt die Hormonproduktion, wenn zu viele Hormone vorhanden sind. Die Drüsen des endokrinen Systems geben ihre Hormone ins Blut ab, wodurch der ganze Körper mit ihnen beaufschlagt wird. Trotzdem haben die verschiedenen Hormone ihnen zugeiteilte Zielorgane, auf die sie wirken und die sie beeinflussen.

Die Steuerzentrale des endokrinen Systems, der Hypothalamus sendet über das Ausschütten von Freisetzungshormonen Informationen an die Hirnanhangdrüse (Hypophyse), die dann auch bestimmte Hormone freisetzt, welche wiederum die anderen Drüsen beeinflussen und diese Hormone ausschütten lassen.

Die Hypophyse schüttet z.B. Adrenocorticotropin (ACTH) aus, was die Nebennierenrinde im Hinblick auf die Cortisol-Produktion stimuliert. Ein weiteres wichtiges von der Hypophyse ausgeschüttetes Hormon ist das Lutropin (LH). Es stimuliert die Testosteronproduktion in den Hoden bzw regt bei weiblichen Tieren den Eisprung an.

Auch die Bauchspeicheldrüse gehört zum endokrinen System und schüttet das Hormon Insulin ab.

Die Nebenniere besteht aus der Nebennierenrinde und dem Nebennierenmark. Die Nebennierenrinde produziert verschiedene Hormone, die Steroide (z.B. das Adrenalin).

 

 

Emotionen / Gefühle

Stressfaktoren beeinflussen den emotionalen Zustand, erzeugen also bestimmte Gefühle. Umgekehrt ist es aber auch so, dass Gefühle den Stresslevel beeinflussen.

Genauso wird das analytische und logische Denken von emotionalen Prozessen beeinflusst und umgekehrt. Individuen, die z.B. durch Hirnverletzungen Schädigungen erlitten haben, die die emotionale Bewertung von Sinneswahrnehmungen unmöglich machen, zeigen auch Beeinträchtigungen im rationalen und analytischen Denken. Es ist also unabdingbar nötig, Situationen und Reize emotional zu bewerten, um sinnvoll zu reagieren. Fällt die emotionale Beeinflussung der Reaktion allerdings sehr heftig aus, kann auch überreagiert werden.

Gefühle beeinflussen die Arbeit des Sympathikus und des Parasympathikus, was Emotionen hervorruft, die sich dann in Verhalten / Körperlichen Reaktionen spiegeln.

 

Angst

Die Angstreaktion ist im Prinzip eine extreme Stressreaktion, wie sie schon beschrieben wurde. Geist und Körper sind in Alarmbereitschaft und die Notfallmechanismen sind in Gang gesetzt.

 

Wut

Die wutauslösenden Prozesse im Körper ähneln denen der angstauslösenden. Zusätzlich sind hier allerdings noch einige andere Botenstoffe beteiligt.

 

Therapieansätze

 

Die Bestrebung einer Therapie bei Hunden, die unter chronischem Stress leiden, oder übersteigerte Stressreaktionen in akuten Situationen zeigen, sollte immer sein, das Gehirn wieder in ein chemisches Gleichgewicht zu bringen und dieses bis auf sinnvolle Ausnahmen beizubehalten.

 

Ruhe / Erholung

Die erste Überlegung im Zusammenhang mit einem Stressreduktionsprogramm sollte immer die Frage nach genügend Ruhe sein, danach, ob der Hund ausreichende Möglichkeiten dazu hat, sich zu erholen und damit auch sein Stresssystem wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Der Organismus benötigt Zeit, um das chemische Ungleichgewicht, was eine Stressreaktion hervorgerufen hat, wieder auszubalancieren – eine einzige Nacht ist da unter Umständen nicht ausreichend.

Dies bedeutet zunächst auch, dass der Hund in seinem Problembereich nicht mehr stimuliert werden darf. Ein aggressiver Hund darf in keinster Weise mehr provoziert werden, bei ängstlichen Hunden muss zwingend der angstauslösende Reiz vermieden werden und Hunde, die z.B. Stressreaktionen zeigen, wenn sie allein gelassen werden, dürfen während der Therapie nicht vom Halter verlassen werden. Hunde, die geschlagen wurden und nun Angstreaktionen zeigen, dürfen zunächst nicht taktil manipuliert werden, usw.

 

Beginn der Therapie mit Tagesstruktur und Ruhe

Zusätzliche Sicherheit gewinnt ein unsicherer Hund aus der Vorhersagbarkeit seines Lebens und der damit verbundenen Abläufe. Dazu ist es wichtig, seinen Tag so gut es geht durchzustrukturieren, zeitliche Abläufe einzuhalten, also Rituale zu schaffen, die sich jeden Tag verlässlich wiederholen. Es sollte auch darauf geachtet werden, dass längere Erholungsphasen von nur kurzen Aktivitätsphasen unterbrochen werden und kein ständiger Wechsel zwischen Aktivität und Ruhe stattfindet. Eine Therapie sollte also immer zunächst „nur“ mit dem verlässlichen und sinnvollem Strukturieren des Tages unter Einhaltung langer Ruhephasen beginnen und sonst keine Verhaltensmodifikationen beinhalten. Weitere Schritte dürfen erst dann eingeleitet werden, wenn der Hund über diese Maßnahmen sichtlich entspannter wirkt. Schnellstens ist damit nach ca. 48 Std. zu rechnen, es ist aber auch möglich, dass es mehrere Wochen dauert, bis die Erstmaßnahmen greifen und der Hund grundsätzlich in der Lage ist, sich zu entspannen.

 

Übergang in die Trainingsphase

Ein Übergang in die Trainingsphase setzt vor allem deshalb einen relativ entspannten Hund voraus, weil ein unter starkem oder chronischem Stress stehender Hund nicht oder nur sehr eingeschränkt in der Lage ist, Lernverknüpfungen herzustellen. Die Überleitung in diese Phase muss unbedingt langsam, sanft und einfühlsam gestaltet werden, um den Hund nicht zu überfordern. Wird unter Stress trainiert oder erzeugt das Training Stress, ist es sogar möglich, dass der Hund das Training mit dem Stresszustand negativ verknüpft, was das Training natürlich mehr oder weniger sinnlos macht.

 

Trainingsphase

Zu Beginn der Trainingsphase ist es sinnvoll, den Hund mental zu stimulieren. Dies erreicht man über ein ausschließlich positiv aufgebautes Training. Hunde die schnell übermäßige Stresssymptome zeigen, sollten keiner autoritären Erziehung ausgesetzt sein. Einfühlsames und großzügiges Training hingegen verursacht weniger Stress und wirkt sich positiv auf die generelle Stresstoleranz aus. Es ist also darauf zu achten, dass der Hund während des Trainings immer mit Freude bei der Sache ist, in keinen Konflikt gerät und nicht gemaßregelt wird.

Wichtig ist Stimulierung auf drei Ebenen:

-kognitive Ebene

-Sinnesebene

-Soziale Ebene

Die Kognitive Ebene wird stimuliert, indem das Gehirn gefordert wird. Problemlösungen, Dummyarbeit, oder andere Arten von Teamwork fallen in diese Kategorie. Kommt ein Hund hier zu kurz, vermindert sich seine Gehirntätigkeit, was auch zu verminderter geistiger Leistungsfähigkeit führt. Sehr effektiv ist auch das sogenannte „free shaping“, das „freie Formen“. Dabei werden mit einem vorher konditionierten Clicker oder auch über reine Futterbelohnung Verhaltensweisen positiv verstärkt, die er von sich aus ab und zu oder in bestimmten Situationen zeigt – beispielsweise das Berühren eines Gegenstandes o.ä. Das freie Formen schult das lösungsorientierte Denken in der jeweiligen Situation, was auch bewirkt, dass die generelle Fähigkeit, Problemlösungen zu finden verbessert wird.

Stimulation der Sinnesebene bedeutet, dass ein Hund visuelle, olfaktorische, akustische und taktile Reize erfahren können muss. Er muss also in ausreichender Weise Augen, Nase, und Ohren einsetzen dürfen, was ihm auf zunächst kurzen Spaziergängen gut ermöglicht werden kann. Die kurzen und anfangs auf gleichen Strecken stattfindenden Spaziergänge können dann mit der Zeit verlängert und in andere Regionen verlagert werden.

Der Hund muss gelegentlich angefasst, z.B. gestreichelt, massiert oder geknuddelt werden – je nach dem, was er mag. Gestressten Hunden kann man gut helfen, indem man ihnen viel körperliche Zuwendung zuteil werden lässt – wenn sie dies mögen. Dabei darf und soll auch unbedingt Emotionalität und Empathie, also Einfühlungsvermögen mit im Spiel sein – beruhigende Worte wirken oft Wunder, wenn der, der sie formuliert auch selber in diesem Moment wirklich ruhig und entspannt ist. Solche Maßnahmen setzen das „Wohlfühlhormon“ Oxytocin so wie einige andere schmerzlindernde Endorphine frei und sorgen für die für das Erholen von Stress so wichtigen Faktoren wie Entspannung und Wohlbefinden.

Gerade bei gestressten Hunden, die Körperkontakt mögen hilft eine tägliche Massage, Stress zu reduzieren und das Mensch / Hund-Verhältnis zu stabilisieren und enger zu gestalten. Dies gilt natürlich auch für weniger gestresste Hunde.

 

Mit sozialer Ebene sind Kontakte mit anderen Individuen gemeint. Das müssen Kontakte mit Artgenossen sein, aber auch auf regelmäßige Menschenkontakte sollte geachtet werden. Hunde sind hochsozial und brauchen soziale Kontakte für ihr Wohlbefinden. Dazu gehört auch UNBEDINGT Familienanschluss und damit Gesellschaft, Geborgenheit und Körperkontakte. Positiver Körperkontakt setzt Oxytocin frei, was beruhigt, glücklich macht und Stress vorbeugt.

Die soziale Interaktion und Kommunikation mit den in seiner gemischten sozialen Gruppe lebenden Individuen kann neben dem größten und wichtigsten Sicherheitsfaktor auch der größte Stressfaktor sein. Gerade bei übermäßig stressbeladenen Hunden ist es wichtig, mit ihnen ruhig, souverän, sicher, freundlich, liebevoll, aber auch konsequent umzugehen. In jedem Fall sollte es verhindert werden, den Hund aversiv zu behandeln, er darf also weder angeschrien, noch aggressiv angegangen oder gar geschlagen werden. Auch ständiges Kommandieren, Kontrollieren und gängeln ist weder eine Basis für die therapeutische Arbeit mit einem traumatisierten oder gestressten Hund, noch überhaupt eine Grundlage, auf der Hunden begegnet werden sollte. Unsichere Hunde werden sicherer, wenn auch im Umgang mit ihnen Vorhersehbarkeit vorhanden ist. Es dürfen natürlich Regeln aufgestellt werden. Dann sollte aber auch gelten: Was verboten ist, ist IMMER verboten, was erlaubt ist, ist IMMER erlaubt. Das Durchsetzen eventueller Verbote darf aber nicht mit viel Strenge oder Strafe erfolgen, sondern muss mit ruhiger und souveräner, aber beharrlicher Konsequenz angegangen werden. Dann das Anbieten von Alternativverhalten und das Loben nicht vergessen, so dass die Situation immer positiv beendet wird.

 

Hält man mehr als einen Hund, ist es wichtig, dass die Hunde sich mögen. Gibt es zwischen zwei zwangsvergesellschafteten Hunden nicht aus der Welt zu schaffende Spannungen, ist definitiv für alle Beteiligten ein großer Stressfaktor gegeben. In einem solchen Fall kann es nur einen Ansatz geben, nämlich einen der Hunde – vornehmlich den jüngeren / später dazugekommenen abzugeben. Sollten solche Probleme plötzlich bei Hunden auftreten, die sonst immer gut zusammen ausgekommen sind, ist ein Krankheitssymptom wie Schmerz oder eine Einschränkung eines oder mehrerer Sinne sehr wahrscheinlich. Dann muss eine tierärztliche Untersuchung des Hundes, der plötzlich aggressive Tendenzen zeigt, Klarheit bringen.

 

Noch hinzuzufügen ist, dass ein Geborgenheitsgefühl nicht nur aus dem Fehlen von Angst resultiert, sondern dass ein solches Gefühl durch das Steigern von Freude und Ruhe positiv beeinflusst wird. Ein Individuum, das viele Stimulationen erlebt, die es mit Freude in Verbindung bringt, kann also die eine oder andere angstgeladene Situation überstehen, ohne sein basisches Geborgenheitsgefühl zu verlieren und in Dauerstress zu verfallen. Bei einem Individuum, das im Bezug auf positiv empfundene Reize eher reizarm lebt, können schon kleine Angstreaktionen massiven Langzeitstress auslösen.

Zu Überreizung neigende Tiere sollten nur noch sehr dosiert körperliche Höchstleistungen vollbringen dürfen – evtl auch eine Zeit lang gar keine. Es gibt immer noch den über allem schwebenden Gedanken der „Auslastung“. Dazu ist zu sagen, dass ein Hund zwar ausgelastet sein muss, dies aber – einige Vertreter bestimmter leistungsorientiert gezüchteter Rassen ausgenommen – mit täglichem Spazierengehen durchaus geschieht. Etwas Training und ein paar Suchspiele eingeflochten, vielleicht noch ein paar Dummyübungen reichen für den „normalen“ Familienhund in Verbindung mit Freilauf und „Hund sein dürfen“, was dann natürlich ohne Leine stattfinden sollte (oder im kontrollierten Freilauf an einer langen Schleppleine) völlig aus.

Dazu kann auch vorausschauend gearbeitet werden. Im Sommer, wo es eigentlich noch nicht notwendig ist, kann schon langsam damit begonnen werden, die Pfoten abzuputzen, oder auch ein Fußbad zu nehmen, damit dies im Winter nicht zum Problem wird, wenn Streusalz oder Schmutz entfernt werden muss. Mit schnell gestressten Hunden muss man auch nicht jeden Tag eine andere Strecke laufen. Um auf dem Spaziergang so wenig Stressfaktoren wie möglich zu realisieren, ist es durchaus sinnvoll, immer wieder die gleiche bekannte Strecke zu laufen. Ein solch organisiertes Leben wäre für einen ausgeglichenen Hund sicherlich nicht sinnvoll, denn er würde sich unter Umständen „zu Tode“ langweilen. Für einen unsicheren, stressanfälligen Hund aber kann es ein Gefühl der Kontrolle, der Routine, der Vorhersagbarkeit und somit der Sicherheit hervorrufen.

 

Bewegung

Stress bereitet den Körper auf Höchstleistungen vor indem er viel gespeicherte Energie freisetzt. Diese Energie ist dann abrufbar und sollten auch abgerufen werden, denn der gestiegene Blutzuckerspiegel muss sich abbauen.

Spezielle Formen der Bewegung verbrauchen diese Energie, können Stress abbauen und eine stressreduzierende Therapie positiv beeinflussen. Dies ist bei lang andauernden aber gemäßigten Bewegungsmustern der Fall. Solche Bewegungsformen regen das Ausschütten bestimmter Hormone an, die für eine positive Stimmungsveränderung verantwortlich sind. Besonders wichtig ist hier, dass bei Stimulation des Organismus durch Ausdauerbewegung vermehrt Serotonin produziert und ausgeschüttet wird, was ähnlich wirkt, wie die Gabe von angstlindernden Medikamenten. Bestimmte Endorphine, die auch als Glücksbotenstoffe bekannt sind, werden unter Ausdauerbewegung vermehrt ausgeschüttet, und verhelfen dem Hund zu positivem bis euphorischem Empfinden. Ein entsprechendes Bewegungstraining hilft also, einen Zustand ausgeglichener Entspannung zu erlangen. Zu empfehlen ist eine Kombination aus Gehen, leichtem Traben, evtl. kleinen Turnübungen wie über einen Baum laufen und eingestreuten einfachen Aufgaben oder Kommandoausführungen, die den Kopf auch etwas anstrengen.

Entscheidet man sich für ein Ausdauerprogramm, muss dies der Leistungsfähigkeit des Hundes entsprechend langsam aufgebaut werden, denn ein überstrapazierendes Programm hätte einen gegenteiligen Effekt und würde den Hund stressen. Das Alter, die Rasse und der individuelle Bewegungsdrang müssen genauso berücksichtigt werden, wie evt. Vorhandene körperliche Einschränkungen wie z.B. Gelenkschädigungen.

Zu vermeiden sind plötzliche, impulsive Bewegungen explosiver Natur, denn solche können sich in Sachen Stress negativ bemerkbar machen.

 

 

Geistige Forderung als Management

Geistige Forderung ist in der Stresstherapie sehr wichtig. Dabei darf aber nur so gearbeitet werden, dass der Hund keine Fehler machen KANN und positiv gestimmt ist. Nichts darf erzwungen werden. Geistige Forderung verbraucht Energie, stärkt das Selbstbewusstsein des Hundes und macht ihn sicherer, denn er bekommt das Gefühl, die Dinge unter Kontrolle zu haben, lernt, dass Situationen einschätzbar sind und wird so in Zukunft auch mit neuen Situationen besser zurecht kommen.

Eine besondere Bedeutung erhält die geistige Forderung, das Stimulieren kognitiver Denkprozesse im Stressmanagement. Schafft man es, stressrelevante Situationen vorherzusehen, und in die konzentrierte Arbeit zu gehen, bevor eine emotionale (Stress-) Reaktion stattfindet, hat man gute Chancen die Stressreaktion zu verhindern. Das liegt daran, dass der Gehirnteil der für die Emotionen, und der Teil, der für konzentriertes Arbeiten, logische Denkvorgänge und kognitives Denken zuständig ist untereinander vernetzt sind und sich gegenseitig beeinflussen. Ist der eine Teil aktiv, hemmt er den anderen und umgekehrt. Das konzentrierte Arbeiten hilft dem Hund also, eine mögliche emotionale Reaktion zu verhindern und gleichzeitig zu erfahren, dass die Situation auch dann ohne Schaden zu nehmen vorübergeht, wenn keine Stressreaktion gezeigt wird. Über diesen Effekt werden solche Situationen nach und nach als nicht gefährlich eingestuft und auch so abgespeichert.

Um aber den Zustand konzentrierter Arbeit in potentiellen Stresssituationen aufrecht erhalten zu können ist einiges an Vorarbeit nötig. Hier ist die Arbeit mit dem Hund über viel positive Bestätigung gemeint. Diese Arbeit lastet ihn mental aus, und wenn sie richtig ausgeführt wird, macht sie Hund und Mensch gleichermaßen viel Spaß. Der Schwierigkeitsgrad kann beliebig gesteigert werden – ja nach Anspruch und geistiger Konstitution des Hunds, das Minimum aber sollte ein gut konditionierter Grundgehorsam sein und die Fähigkeit des Hundes, sich auf den Halter zu konzentrieren. Dabei gelten die Regeln der Lerntheorie.

Verhalten, dass dann besonders sicher auch unter verschiedenen Ablenkungsstufen über positive Bestätigung gelernt wurde, kann im Angesicht einer potentiell stressigen Situation vom Halter abgerufen werden, was geschehen muss, BEVOR der Hund in die emotionale Gehirntätigkeit „abrutscht“. So bringt man ihn dazu, die Gehirnregionen zu aktivieren, die für Konzentration und kognitive Denkprozesse zuständig sind, was die emotionalen Bereiche hemmt. Je mehr Routine im Training aufgebaut wurde, desto sicherer ist gewährleistet, dass der Hund auch unter größter Ablenkung im „Arbeitsmodus“ bleibt und eine für ihn eigentlich stressige Situation in diesem Modus durchläuft. Schafft der Halter es wiederholt seinem Hund in ähnlichen Situationen eine solche Leistung abzuverlangen, besteht eine große Chance, dass die Situation vom Hund als nicht stressrelevant abgespeichert wird.

 

Unterstützende medikamentöse Behandlung

Unter Absprache mit einem guten Ernährungsberater, Heilpraktiker oder Tierarzt kann eine unterstützende medikamentöse Behandlung oder Ernährungsumstellung sinnvoll sein. In schwierigen Fällen, wenn der Hund dauerhaft in Geisteszuständen gefangen ist, die verhaltensmodifizierende Eingriffe unmöglich machen, ist eine zusätzliche Behandlung mit dem jeweiligen Problem angepassten Substanzen unumgänglich.

 

Was tun bei traumatisierten Hunden?

Direkt nach traumatischen Erlebnissen ist Zeit der wichtigste Faktor. Die zeitnahe Behandlung eines Traumas vereinfacht die Beeinflussung der Folgen stark und hat eine große Aussicht auf Erfolg. Auch die Folgen länger zurückliegender Schocks mit traumatischem Charakter können natürlich behandelt und geheilt werden, dies ist dann aber aufwändiger und schwieriger.

Innerhalb von 24 Std. sollte ein Beruhigungsmittel gegeben werden. Dies kann auf pflanzlicher oder homöopathischer Basis, oder auch ein klassisches Arzneimittel sein. Zusätzlich ist es sinnvoll einenB-50- Vitaminkomplex zu geben und die Behandlung mit der Verabreichung von Pheromonen (Beruhigungshormon der Mutterhündin) zu ergänzen. Nach ca. einer Woche sollte eine Beruhigung eingetreten sein – wenn nicht ist das Kontaktieren eines Fachmanns anzuraten. Tritt innerhalb der ersten Woche eine Besserung ein, muss die Behandlung dennoch drei bis vier Wochen unter langsamer Verringerung der Medikamentendosis weitergeführt werden. Vitamin B kann noch 4-5 Monate weitergegeben werden, allerdings nur noch in geringer Dosis.

Bei lang anhaltendem Stress (z.B. nach einem Schock) benötigt ein Hund aufgrund der vom Körper über eine erhöhte Konzentration von Stresshormonen aufrechterhaltenen erhöhten Leistungsfähigkeit mehr Nährstoffe, als „normal“. Es sollte also auf qualitativ und quantitativ ausreichende Nahrungszuführung geachtet werden. Präparate, die die Serotoninbildung unterstützen machen sich auch positiv bemerkbar. Serotonin wird aus der Aminosäure Tryptophan gebildet. Da Putenfleisch, brauner Reis, Bananen, Spinat, und Kürbiskerne viel Tryptophan enthalten, kann das Füttern dieser Nahrungsmittel Vorteile für die Behandlung bringen. Die Aminosäure Tyrosin ist unter anderem die Vorstufe von Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin. Tyrosin konkurriert mit Tryptophan um das Eindringen in die Nervenzellen und kann so die Bildung von Serotonin hemmen. Da Getreide viel Tyrosin enthält, macht es Sinn darauf zu achten, dass das Futter Getreidefrei ist. Auch Eiweiß ist sehr Tyrosinhaltig, was es erforderlich machen kann, Fleisch wenigstens zum Teil durch Kohlenhydrate zu ersetzen. Unterstützend zum Training kann zwei Monate lang ein Baldrianpräparat gegeben werden (Tierarzt fragen).

Generell ist davon auszugehen, dass eine posttraumatische Behandlung 5-6 Monate dauert, in schweren Fällen bis zu einem Jahr. Eine Änderung der Ernährung so wie die Gabe von Vitaminen und Medikamenten ist unterstützend zum Training sinnvoll, ersetzt dies jedoch nicht. Während der ganzen Behandlungszeit muss auch mit dem Hund entsprechend „gearbeitet“ werden.

In eine posttraumatische Behandlung sollte immer ein Tierarzt oder Heilpraktiker involviert werden.

 

Über den Sinn von Kastration bei Stresssymptomen

Eine Kastration ist nur dann sinnvoll, wenn ein Rüde rein sexuell übermotiviert ist, sprich ständig bei anderen Hunden oder Menschen aufreitet und Hündinnen für ihn in der Weise anziehend wirken, als dass sie nur noch Lustobjekte sind. Bei Aggressionsproblemen hilft eine Kastration nur in sehr wenigen Fällen. In den Hoden wird ca. 90% des im Körper vorhandenen Testosterons gebildet, die verbleibenden 10% kommen aus den Nebennieren. Es ist also nicht so, dass das Testosteron bei einer Kastration völlig verschwindet. Es gibt sogar Hypothesen, die besagen, dass die Testosteronproduktion in den Nebennieren zunimmt, wenn die Hoden entfernt werden. Auch die restlichen 10% haben eine nicht zu vernachlässigende Wirkung.

Weitere Nachteile sind die des oft extrem gesteigerten Appetits, das Zunehmen des Risikos von Schilddrüsenproblemen im Alter und nicht zuletzt soziale Probleme dergestalt, dass andere Hunde keine eindeutige Geschlechtszuordnung mehr vornehmen können.

Bevor man sich nach reiflicher Überlegung dazu entschließt, den Hund kastrieren zu lassen, sollte man vom Tierarzt einen sogenannten „Kastrationschip“ setzen lassen. Dieser wirkt wie eine Katration, ist aber nicht endgültig, da er nur eine bestimmte Zeit funktioniert. Ein solcher Chip wird unter die Haut gebracht und gibt über einen begrenzten Zeitraum eine Substanz ab, die den Einfluss der Hirnanhangdrüse auf die Hoden reguliert. So wird weniger Testosteron freigesetzt.

 

Prävention bei gesunden Hunden

Hunde sind besonders dann stark gestresst, wenn die Stressreaktion, die zwangsläufig in ihrem Körper abläuft kein lösendes Ergebnis bringt. Passiert dies häufiger, wird also das Stresssystem häufiger überlastet, beginnt der Hund zu lernen, dass es in den für ihn relevanten Situationen keine Möglichkeit gibt, eine Besserung herbeizuführen. Dies kann so weit gehen, dass eine sogenannte erlernte Hilflosigkeit entsteht, die von einer Art passiver Resignation geprägt ist. Solche Hunde sind dann passiv, unterwürfig, ausweichend, kontaktarm, spielen nicht mehr, ihr Immunsystem ist geschwächt und sie werden dann häufig auch körperlich krank.

Daraus leitet sich aber eine Vorgehensweise ab, die bei gesunden Hunden dazu führt, dass sie ein gutes, belastbares Stresssystem ausbilden und die bei dauergestressten Hunden eine merkliche Verbesserung des Gesamtzustandes mit sich bringt. Sie besteht darin, den Hund schwachen, für ihn zu bewältigenden Stresssituationen auszusetzen, aus deren Bewältigung er lernt, dass Stress nichts schlimmes ist und auch der emotionalen Verbesserung von Situationen dient. Er lernt dadurch, Situationen unter Kontrolle zu haben, was das Selbstbewusstsein stärkt und die Reaktionen bei folgenden Stressreizen geringer ausfallen lässt. Dazu gehört auch, zu erkennen, wann der Hund unter starkem Stress leidet, Stresssymptome zeigt, und ihm dann ein Stressabbauendes Alternativverhalten anzubieten, über das er in der Lage ist, Stress abzubauen, was aber gleichzeitig überall angewandt werden kann und „gesellschaftsfähig“ ist. Fängt ein Hund z.B. an zu Buddeln, um Stress abzubauen, ist das kein Verhalten, was er immer und überall praktizieren kann – in der Wohnung buddelt es sich genauso schlecht, wie auf Asphalt. Auch das Buddeln im Garten ist nicht jedermanns Sache. Hier wäre es ein Ansatz, dem Hund einen Gegenstand anzubieten, auf den er beißen kann, auf dem er herumkauen kann, denn auch das Kauen ist stressabbauend. Schafft man es, dem Hund einen solchen „Schnuller“ „schmackhaft“ zu machen, lernt er also, dass die Kaustrategie Erfolg und Spannungsabbau bringt, wird diese Strategie in Zukunft öfter zum Stressabbau genutzt werden, wenn ein Kaugegenstand zur Verfügung steht. Es empfiehlt sich, immer den gleichen Gegenstand zu benutzen, und diesen immer dabei zu haben, wenn man mit dem Hund unterwegs ist. Auch über einen solchen „Schnuller“ kann ein Hund also lernen, ihn stressende Situationen unter Kontrolle zu halten, was ihm Sicherheit gibt, und ihm die Möglichkeit eröffnet, solche Situationen nach mehrmaligem Durchleben als nicht bedrohlich abzuspeichern.

An ihren Hormonen sollt ihr sie erkennen

In einer Untersuchung von zwei spanischen Arbeitsgruppen (Rosado et al 2010, Applied Animal Behaviour Science 123, 124–130) wurden Bluthormonuntersuchungen verschiedener Botenstoffe von aggressiven und nicht aggressiven Hunden miteinander verglichen. Am deutlichsten war, dass aggressive Hunde in der Regel niedrigere Konzentrationen des Serotonins aufwiesen als nicht aggressive, wobei Hunde mit defensiver Aggression am niedrigsten waren. Aggressive Hunde zeigten höhere Konzentrationen des Cortisols, und Rüden als ganzes hatten höhere Konzentrationen des männlichen Sexualhormons Dehydroepiandrosteron.

Für die genauere Betrachtung wurde das aggressive Verhalten der Hunde in mehrere Kategorien unterschieden. Hierzu gehörten die Formen Soziale Konfliktaggression (gegenüber menschlichen Familienmitgliedern), defensive Aggression gegenüber Unbekannten, offensive Aggression gegenüber Unbekannten, sowie eine Restkategorie „sonstige Formen“, diese beinhaltete sowohl medizinische Ursachen, aber auch bspw. Territorialverhalten und andere, nicht eindeutig zuordenbaren Formen des aggressiven Verhaltens.

Eine genauere Betrachtung zeigte folgendes:

Wie bereits erwähnt, war die Serotoninkonzentration bei aggressiven Hunden niedriger als bei der Kontrollgruppe, zwischen Rüden und Hündinnen gab es keinen Unterschied. Am höchsten war die Konzentration des Serotonins bei Hunden der Kategorie „andere Formen“, relativ hoch war sie auch bei offensiver Aggression, am niedrigsten bei defensiver Aggression.

Die Cortisolkonzentration unterschied sich nicht zwischen Rüden und Hündinnen, sie war am höchsten bei den aggressiven Hunden als Gesamtgruppe. Wurde die Aggression weiter aufgespalten, so war die Cortisolkonzentration am höchsten bei der Gruppe „andere Formen“, und als zweites folgte die Gruppe der Sozialen Konfliktaggression.

Wie nicht anders zu erwarten, war der Wert des Dehydroepiandrosterons bei Rüden höher als bei Hündinnen, innerhalb der aggressiven Gruppe zeigte sich der höchste Wert des DHEA bei der Form der offensiven Aggression, und geringere bei der defensiven bzw. noch geringer bei den „anderen Formen“.

Auch dies zeigt wieder, wie fatal es ist, wenn ein Hund wegen sogenannter Dominanzaggression kastriert wird, obwohl es sich dabei meistens um eine eher defensive oder aus Unsicherheit und Furcht resultierende Aggressivität handelt.

Eine weitere Studie, die ebenfalls in diesem Artikel zitiert wird, aus der Arbeitsgruppe Fatjo in Barcelona zeigt dann auch, dass es eine statistisch auffällige Koppelung zwischen defensiver Aggression gegen Menschen und defensiver Aggression gegen Hunde, sowie zwischen offensiver Aggressionen gegen Menschen und Intrasexueller Aggression gegen Hunde gibt.

Die genaue Betrachtung der biochemischen Hintergründe vor einer Manipulation des Hormonhaushalts und auch vor einschlägigen Trainings- und Erziehungsmaßnahmen wird durch diese Untersuchungen wieder einmal bestätigt.

Udo Gansloßer

Markieren und Gegenmarkieren bei Hunden

Eine kürzlich veröffentlichte Studie über Markierverhalten bei Hunden (Liesberg und Snowdon) in der Zeitschrift Animal Behaviour (Band 81, Seite 757 bis 764, 2011) untersuchte das Über- und Danebenmarkieren von Hunden auf Urinmarken unter verschiedenen Voraussetzungen. Die Untersuchung umfasste zum einen die Präsentation von standardisierten Urinmarken bei Labradoren in deren bekannter Umgebung, zum anderen Beobachtungen des Markierverhaltens von verschiedenen Hunderassen in einem Hunde-Freilaufgebiet in Chicago. Es wurde zunächst unterschieden zwischen dem echten Übermarkieren und dem daneben Markieren, und die aufgenommen Daten umfassten neben der Dauer des voran gehenden Beschnupperns und Untersuchungen auch die Markierposition, und als Charakteristika der beobachteten Hunde deren Rutenposition (als Maß für ihren Status bzw. ihrer Statussicherheit), das Geschlecht und die Frage, ob sie kastriert waren oder nicht. Zudem wurde bei den kontrollierten Präsentationen auch noch Urin von bekannten und unbekannten Hunden abwechselnd getestet.

Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl kastrierte als auch unkastrierte Hunde regelmäßig über und auch neben die Duftmarken von Artgenossen markieren. Bei der experimentellen Präsentation von Urin wurde Übermarkieren nur von Rüden gezeigt, nur intakte Rüden markieren bevorzugt den Urin von intakten Hündinnen über, die übermarkierenden Rüden hatten einen durch die Rutenposition ausgezeichneten höheren Status, und das Übermarkieren wurde nicht durch die Bekanntheit des Urinspenders beeinflusst. Das daneben Markieren dagegen betraf in der experimentellen Situation nur unbekannte Urinmarken, und war weder vom Geschlecht noch von der Rutenposition beeinflusst. Gegenmarkieren insgesamt, also Über- und daneben Markieren gemeinsam, war von der Kastration in beiden Geschlechtern unbeeinflusst.

Bei den Beobachtungen im Hundepark waren beide Geschlechter regelmäßig mit dem Untersuchen und Markieren der gemeinsamen Pinkelstellen beschäftigt. Rüden und Hündinnen zeigten das Gegenmarkieren und Untersuchen des Urins mit gleicher Wahrscheinlichkeit, und auch Duftmarken von Rüden und Hündinnen wurden mit gleicher Wahrscheinlichkeit gegenmarkiert. Rüden und Hündinnen mit höherer Rutenposition urinierten, untersuchten und gegenmarkierten häufiger als Hunde des gleichen Geschlechts mit niedrigranigiger Rutenposition.

Die Studie wird so gedeutet, dass die Funktion des Übermarkierens von intakten Rüden über den Urin intakter Hündinnen möglicherweise, wie bereits früher vermutet, wirklich der Verschleierung des weiblichen Dufts und damit der Aufrechterhaltung sexueller Privilegien dienen könnte. Alle anderen Bestandteile des Markierverhaltens, insbesondere das daneben Markieren, sowie Übermarkieren durch weibliche und/oder kastrierte Hunde beiderlei Geschlechts scheinen mehr mit der Signalsierung von Status, der Aufrechterhaltung der sozialen Beziehungsnetze und evtl. der Ressourcenverteidigung insgesamt verknüpft zu sein.

Als praktische Anwendung daraus lässt sich ebenso ableiten, dass nur ein ganz bestimmter und schmaler Bereich des männlich Markierverhaltens durch Kastration beeinflusst wird. Die sozialen Funktionen des Gegen/Über- und daneben Markierens dagegen sind von der Kastration in beiden Geschlechtern offensichtlich unabhängig.

Quelle: http://www.einzelfelle.de/

Kohlenhydrate und Selbstkontrolle – eine wenig beachtete Seite der Fütterung

Nachdem durch molekulargenetische Untersuchungen mittlerweile deutlich belegt ist, dass Haushunde im Gegensatz zu Wölfen zu einer sehr viel stärkeren und erfolgreicheren Kohlenhydrat-, Stärke- und Fettverdauung befähigt sind, sollte eigentlich die Praxis der reinen bzw. überwiegenden Fleischfütterung für Haushunde ohnehin der Vergangenheit angehören (Axelsson et al. 2013). Wenig bekannt dagegen ist, dass auch im Bereich der Verhaltenskontrolle die Fütterung von Kohlenhydraten durchaus Effekte haben kann.

In einer Studie im Jahre 2010 (Millev et al., Psychological Science 21, 534–538, 2010) wurden Hunde entweder für einen Zeitraum von 10 Minuten in eine Hundebox platziert oder mussten mit dem Kommando Sitz und Bleib 10 Minuten in einem Raum in dieser Position alleine bleiben. Im Anschluss daran erhielten beide Versuchsgruppen ein mit Futter gefülltes Spielzeug, aus dem sie durch vorige Erfahrung wussten, wie man sich das Futter erarbeiten kann. Im Gegensatz zu der Trainingsperiode vorher war jedoch nun das Spielzeug so verändert, dass kein Futter heraus kam.

Es wurde nun die Beharrlichkeit getestet, mit der die Hunde versuchten, diese unmögliche Aufgabe zu lösen. Hunde, die vorher 10 Minuten mit dem Sitz-und-Bleib-Kommando zur Selbstkontrolle gezwungen worden waren, zeigten sehr viel weniger Beharrlichkeit und gaben sehr viel früher bei der schwierigen Aufgabe auf. Hunde, die zwar auch ruhig waren, dies aber durch die Hundebox gezwungenermaßen, arbeiteten länger (im Durchschnitt über 140 Sekunden, im Gegensatz zu unter 50 Sekunden bei den Hunden der Sitz und Bleib Gruppe), an dieser schwierigen Aufgabe.

Aus der menschlichen Psychologie wurde nun als nächstes die Hypothese übernommen, dass diese verringerte Beharrlichkeit etwas mit der Energieversorgung im Gehirn zu tun haben könnte. Bei menschlichen Versuchspersonen zeigte sich nämlich, dass solche Selbstkontrollübungen mit einem sehr hohen Energieverbrauch im Gehirn gekoppelt waren. Was also, wenn nur der Energieverbrauch die Hunde von weiterem beharrlichen Arbeiten abgehalten hätte? Dementsprechend erhielt ein Teil der Hunde vor der Beschäftigung mit dem schwierigen Spielzeug einen Glucosetrank, die andere Gruppe einen zuckerfreien Kontrolltrank. Und schon änderten sich die Ergebnisse. Während die Ergebnisse der Kontrollgruppe, die vorher kein Sitz-und-Bleib hatte, mit Glukose und dem zuckerfreien Kontrolltrank etwa gleich blieben, erhöhte sich die Ausdauer der Sitz-und-Bleib-Hunde nach Genuss des Glukosetranks um das Doppelte. Sie zeigten die gleiche Ausdauer wie die Hunde der Käfiggruppe. Bei weiterführenden Untersuchungen am Menschen zeigte sich übrigens, dass bereits das Ausspülen des Mundes mit Zuckerwasser, auch wenn dadurch keine Erhöhung des Blutzuckerspiegels nachweisbar war, die Motivation zur Beharrlichkeit erhöhte. Ob dies auch für Hunde gilt, wurde noch nicht untersucht.

Das auch hier nicht unbedingt gilt „Viel hilft viel“, zeigen aber Erfahrungen bei Hyperaktiven oder gar ADHS auffälligen Hunden. Dort ist ein zu hoher Blutzuckerspiegel, der sich dann auch in einem hohem Glukosespiegel im Gehirn wieder findet, eine der erfahrungsgemäß immer wieder beobachteten Ursachen für die Verschärfung der Problematik.

In Labortierstudien zeigte sich zudem, dass ganz besonders schmackhafte und/oder besonders hochwertige Belohnungen bei Tieren, die sich in hoher Erwartungshaltung befinden, die Stereotypieneigung erhöht. Die Erkenntnisse dieser Studie (Tjichi 2012) werden jedoch im Zusammenhang mit der Persönlichkeitsfrage an andere Stelle nochmals deutlicher diskutiert werden.

Insgesamt lässt sich also sagen, dass einerseits eine kohlenhydrathaltige Ernährung durchaus auch im Bereich der Verhaltenskontrolle des Hundes wichtige Effekte erzielen kann, dass anderseits die genaue Menge und Form der verabreichten Kohlenhydrate durchaus je nach Hundetyp unterschiedlich bewertet werden muss.

Quelle: http://www.einzelfelle.de/

Hunde erkennen edle Spender an der Stimme

Die Fähigkeit, durch Beobachtung sozialer Interaktionen etwas über die Stimmungen, Absichten und möglichen Kontakterfolge zweier anderer Artgenossen zu erfassen, ist ein wesentlicher Teil sozialer Intelligenz bei höherem Lebewesen. Da es sich dabei oftmals um akustische Informationen handelt, hat sich in der Verhaltensnökologie der Begriff Lauscher (eavesdropper) eingebürgert. In mehreren Studien wurde diese Fähigkeit bei Hunden im Zusammenhang mit der Möglichkeit Nahrung zu teilen in Bezug auf menschliche Interaktionspartner untersucht. Eine neue Veröffentlichung im Heft 81/6 der Zeitschrift Animal Behavior (Marshal-Pescini, S. et al., Seite 1177–1183) hat diese Situation mit Hunden systematisch untersucht. Hund konnten zwei Menschen beobachten, wobei diese in einer gespielten Interaktion Nahrung unter sich aufteilen oder einer von beiden Nahrung für sich beanspruchte. Eine der beiden Gruppen interagierte vollständig nur mit Gestik, die andere überwiegend mit verbaler Kommunikation, die dritte mit beidem. Eine Kontrollgruppe interagierte so, als ob ein um Nahrung bettelnder Artgenosse anwesend wäre, ohne dass ein solcher Mensch vorhanden war. Die Hunde reagierten deutlich unterschiedlich auf die verschiedenen Testsituationen. Blickkontakte, Annährungen und andere Formen der Kontaktaufnahme bzw. das Vermeiden der Hunde zu den jeweiligen Darstellern der Szene wurden regisitriert. Die Hunde nahmen in allen Testsituationen mehr Kontakt mit dem großzügigen Spender auf als mit dem selbstsüchtigen Menschen, der seine Nahrung nicht teilte. Statistisch abgesichert waren diese Ergebnisse überwiegend für die jenigen Versuchsgruppen, bei denen die Menschen sowohl mit Gestik als auch mit der Stimme, oder nur mit verbalen Aktionen ihre Absichten darlegten. Die Hunde zeigten nur eine geringere und nicht statistisch absicherbare Bevorzugung dem edlen Spender gegenüber dem selbstsüchtigen Darsteller in der Gruppe, die nur mit Gestik kommunizierte.

In der Diskussion des Artikels wird auch die Möglichkeit angeschnitten, ob die Hunde weniger den Großzügigen bevorzugen als vielmehr den Selbstsüchtigen meiden. Da jedoch in der Gruppe, die nur mit Gestik interagiert, der Selbstsüchtige ganz besonders rigoros gegen den Bettler vorging, erscheint dies unwahrscheinlich. Jedoch ist aus anderen Studien bekannt, dass Hunde sehr wohl aggressive Absichten in der Kommunikation und der Körpersprache eines Menschen erkennen können. Auch wenn die Gestik alleine den Hunden offensichtlich nicht als eindeutiges Kriterium für die Absichten des Menschen ausreichte, war die Kombination von Gestik und Stimme noch wesentlicher wirkungsvoller als die Stimme alleine.

In der Zusammenschau mit den Ergebnissen einer anderen, 2006 veröffentlichten Studie über Hunde, die spielerisch Interaktionen zwischen Menschen und/oder Hunden beobachteten, lässt sich ableiten, dass Hunde zumindest 3 Situationen durch Beobachtungen einschätzen können: Sie können erkennen ob 2 beobachtete Menschen und/oder Hunde spielerisch oder ernsthaft in einer Wettbewerbssituation interagieren, und sie können Nahrungsteilen, also gemeinsame versus egoistische Ressourcen Nutzung erkennen. Ob dies eine Eigenschaft ist, die bereits auf ihrer auf Kooperation beruhenden stammesgeschichtlichen Vergangenheit beruht oder im Zusammenleben mit dem Menschen entwickelt wurde ist bisher unklar.

 

Hunde-Kastration

 

Interview mit Dr. Udo Gansloßer zum Thema Hundekastration

Seinen Hund kastrieren zu lassen ist eine alltägliche Sache in Tierarzt-Praxen. Trotzdem sollten sich Hundehalter darüber bewusst sein, dass sie einen schweren und folgeschweren Eingriff in Körper und Leben ihres Hundes durchführen lassen. Wir haben mit dem bekannten Experten PD Dr. Udo Gansloßer über das Thema Kastration gesprochen. Dr. Gansloßer ist nicht nur Hundefreunden durch seine bundesweiten, beliebten Seminare und Vorträge längst ein Begriff, sondern auch Autor verschiedener Fachbücher, Verhaltensbiologe und Privatdozent am zoologischen Institut der Universität Greifswald. In seinen Seminaren setzt er sich u.a. auch mit der Auswirkungen von Kastrationen auseinander.

Stadthunde.com: Sehr geehrter Herr Dr. Gansloßer, seinen Hund kastrieren zu lassen, gehört oft zum Standard für Hundehalter und Tierarzt. Ist die Kastration ein Muss oder sollte die Einzelfallentscheidung immer kritisch hinterfragt werden?

Es ist unumgänglich, dass die Kastrationsentscheidung eine Einzelfallentscheidung sein muss, die nach Abwägung aller wichtigen Vor- und möglichen Nachteile gefällt werden sollte, möglichst unter Heranziehung der Meinung mindestens eines zweiten Tierarztes/Tierärztin (also nicht desjenigen, der/die die Operation durchführt), sowie eines kompetenten Hundeführers/in, der/die den Hund auch in den angeblich kritischen beziehungsweise problematischen Situationen erlebt hat. Eine Pauschalkastration ist sowohl aus tierschützerischen wie aus verhaltensbiologischen Gründen abzulehnen.

Kastration bei Hunden mit Jagdtrieb und dominantem Verhalten?

Stadthunde.com: Ein typisches Beispiel: Ein Hundetrainer rät den Jungrüden-Besitzern, ihren Hund kastrieren zu lassen, da er zur „Dominanz“ neigt, in manchen Situationen aggressives Verhalten zeigt und außerdem jagdlich sehr ambitioniert ist. Ist eine solche Kastration tatsächlich angemessen oder womöglich sogar kontraproduktiv?

Zunächst sollte man den betreffenden Hundebesitzern raten, sehr schnell den Trainer zu wechseln, und dem Trainer sollte man raten, den Beruf zu wechseln, da er offensichtlich mit einer ganzen Reihe von Fakten nicht wirklich klar kommt. Erstens gibt es keine Dominanz, es sei denn als Beziehung, es muss also festgelegt sein, über wen dieser Hunde dominant wäre, er kann nicht einfach nur zur Dominanz neigen. Jagdliches Verhalten hat im günstigsten Falle überhaupt nichts mit Kastration zu tun, es gibt sogar Fälle von besonders jagdlich motivierten Hunden aus Arbeitslinien, die nach der Kastration, da sie nun nichts anderes mehr im Kopf haben, noch mehr zur Jagd neigen. Und in Bezug auf die Aggression ist zunächst festzustellen, in welchen Situationen es sich um Aggression handelt, da beispielsweise Selbstverteidigungs- gleich Angstaggression hier überhaupt nichts mit den Sexualhormonen zu tun hat.

Kastration bei Hündin zur gesundheitlichen Absicherung?

Stadthunde.com: Als Argument für die Kastration der Hündin wird oftmals die Vorbeugung gegen Gesäuge- und Gebärmutterkrebs genannt. Inwiefern ist die Kastration der Hündin tatsächlich eine gesundheitliche Absicherung?

Eine gesundheitliche Absicherung der Hündin durch Kastration ist auch nach neueren veterinärmedizinischen Erkenntnissen nicht das Mittel der Wahl. Insbesondere in Bezug auf Gesäugetumoren sind andere Risikofaktoren, nämlich beispielsweise Fehlernährung (zu eiweißreich, und insgesamt Überernährung und Fettleibigkeit) im ersten Lebensjahr, sowie mehrfache chemische Läufigkeitsunterdrückung, als Risikofaktoren wesentlich höher einzuschätzen, und haben die eigentliche statistische Aussagekraft für eine mögliche Tumorbildung. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass die häufig angeführten Studien verschweigen, von welcher Grundgesamtheit ausgehen, da beispielsweise eine solche Tumorproblematik bei Hündinnen nur bei zwei bis acht Prozent, je nach Altersklasse, aller unkastrierten Hündinnen jeweils auftreten würden.

Stadthunde.com: Was geschieht nach der Kastration mit dem Hormonhaushalt des Hundes und inwieweit kann das zu psychischen und physischen Veränderungen führen?

Der Hormonhaushalt wird in Bezug auf die Sexualhormone völlig verändert, und die unterschiedlichsten Wirkungen auf die Spiegel des Stresshormons Cortisol können nur nach Betracht der Einzelpersönlichkeit des Hundes abgeschätzt werden. Angstaggressive beziehungsweise allgemein unsichere und verängstigte Rüden sowie Hündinnen mit ohnehin hohem Testosteronspiegel (also solche, die sich sehr rüpelhaft benehmen oder beim Markieren das Beinchen heben) neigen dazu, diese Probleme nach der Kastration zu verschlimmern. Außerdem ist bei Rüden mit Muskelabbau und Schwäche des Bindegewebes und bei Hündinnen mit Mineralstoffwechselstörungen bis hin zu Knochenveränderungen zu rechnen.

Weiter ungeklärt: Riechen kastrierte Rüden weiblich?

Stadthunde.com: Inwiefern riechen kastrierte Rüden tatsächlich „weiblich“ und ist das der Grunde dafür, dass viele intakte Rüden aufreiten oder starkes Dominanzverhalten an den Tag legen?

Ob kastrierte Rüden wirklich weiblich riechen, ist noch nicht eindeutig geklärt. Jedoch kann das Aufreit- oder Dominanzverhalten von intakten Rüden auch durch das plötzlich verunsicherte und wesentlich weniger selbstbewusste Auftreten des kastrierten Rüden ausgelöst werden. Hier sind weitere Studien dringend von Nöten.

Stadthunde.com: Welche Gründe würden Ihrer Ansicht nach zwingend für eine Kastration im Einzelfall sprechen?

Eine Kastration aus medizinischer Sicht wird hier nicht diskutiert. Aus verhaltensbiologischer Sicht ist eine Kastration bei einem echt hypersexualisierten beziehungsweise ausgesprochen status- und rangaggressiven Rüden zu überlegen, eventuell bei einer Hündin, die nur um den Zeitpunkt der Läufigkeit herum aggressiv ist, und eventuell bei einer ängstlichen beziehungsweise angstaggressiven Hündin. In allen Fällen sollte jedoch eine chemische Kastration als Probelauf bei jeglichen verhaltensbiologischen Kastrationsüberlegungen vorgeschaltet sein.

Stadthunde.com: In welchem Alter sollten Kastrationen vorgenommen werden?

Die Frage nach einem optimalen Kastrationsalter kann ganz einfach beantwortet werden: Da von vorbeugenden Kastrationen grundsätzlich abzuraten ist, sollte man kastrieren, wenn ein Problem auftritt, das tatsächlich nach kompetenter Meinung durch Kastration verbessert werden könnte, und wenn diese Entscheidung noch durch die chemischen Probeläufe vorher abgesichert wurde.

Operative Kastration oder chemische Kastration bei Hunden?

Stadthunde.com: Zur operativen Kastration gibt es chemische Alternativen, die u.a. dazu verwendet werden, aus zu testen, ob mit einer Kastration die gewünschte Verhaltensänderung eintreten wird. Inwieweit sind Hormonbehandlungen sinnvolle Alternativen oder ermöglichen zuverlässige Prognosen?

Es gibt eine sinnvolle Methode der chemischen Kastration, die bei Rüden mittlerweile auch zugelassen ist, bei Hündinnen in der Zulassungsphase sich befindet, nämlich die sogenannte GnRH Down Regulation. Diese Hormonbehandlung ermöglicht eine nach derzeitigem Kenntnisstand zuverlässige Prognose der späteren Verhaltensänderungen ohne bisher bekannte Nebenwirkungen.

Stadthunde.com: Tierschützer weisen immer wieder auf den ethischen Aspekt von Kastrationen hin. Wie beurteilen Sie die Tierschutzrelevanz von Kastrationen, und worauf ist bei tierschutzbedingten Kastrationen besonders zu achten?

Es geht nicht nur um den ethischen Aspekt der Kastration. Kastrationen sind ohne veterinärmedizinische und verhaltenstherapeutische Einzelindikation in jedem Falle ein Verstoß gegen das Amputationsverbot des Paragraphen sechs, und in vielen Fällen (zum Beispiel Kastration ängstlicher beziehungsweise angstaggressiver Rüden), die als veterinärmedizinische Kunstfehler auch so thematisiert werden, zusätzlich ein Verstoß gegen Paragraph zwei, da diesen Tieren unnötige Leiden und Schäden zugefügt werden.

Insofern ist eine Kastration aus Tierschutzgründen absolut nicht zu befürworten. Wenn es um die Fortpflanzungsunterdrückung geht, ist die Sterilisation anzuraten, die Pauschalkastrationen von Hunden in Tierheimen sind ebenso tierschutzwidrig wie solche Maßnahmen auf Wunsch einzelner Hundehalter auch.

Stadthunde.com: Wir danken Ihnen herzlich für dieses Gespräch!

Quelle: www.stadthunde.com

Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypothyreose) beim Hund

 

Lesen Sie jetzt weiter in diesem Artikel:

1 Definition, Ursachen, Symptome2 Diagnose, Behandlung, Prognose3 Vorbeugen, Wann zum Tierarzt, Quellen Definition:

Beschreibung: Golden Retriever

Experten vermuten, dass einige Rassen, wie der Golden Retriever anfälliger für eine Hypothyreose sind. Hier ein gesunder Hund. Foto: vetproduction

Was ist eine Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypothyreose) beim Hund?

Eine Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypothyreose) ist eine häufig auftretende Hormonerkrankung beim Hund. Die Schilddrüse ist ein hormonproduzierendes Organ, das lappenförmig rechts und links der Luftröhre (Trachea) am Hals des Hundes liegt. Die Schilddrüsen-Hormone (Thyroxin = T4, Trijodthyronin = T3) regulieren im Körper den Zucker-, Fett- und Eiweißstoffwechsel und haben somit eine zentrale Rolle bei allen Körperfunktionen. Ein Mangel an Schilddrüsen-Hormonen wirkt sich auf fast alle Organe des Hundes aus.

Eine Schilddrüsen-Unterfunktion beim Hund kommt häufiger bei großen Rassen vor. Experten vermuten, dass einige Rassen, wie der Golden Retriever und der Dobermann-Pinscher, anfälliger für eine Hypothyreose sind.

Bei einer Schilddrüsen-Unterfunktion produziert die Schilddrüse des Hundes nicht ausreichend Schilddrüsen-Hormon Thyroxin. Die häufigsten Ursachen sind eine Entzündung der Schilddrüse (lymphozytäre Thyreoiditis) und die Zurückbildung der Schilddrüse ohne bekannte Ursache (idiopathische Atrophie). Es wird vermutet, dass die Schilddrüsen-Entzündung autoimmun bedingt ist, das heißt dass körpereigene Antikörper das Schilddrüsen-Gewebe des Hundes angreifen. Andere mögliche Ursachen einer Schilddrüsen-Unterfunktion beim Hund sind Jodmangel, Erkrankungen der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), Schilddrüsen-Tumoren, die operative Entfernung der Schilddrüse sowie eine angeborene Schilddrüsen-Unterfunktion.

Die Schilddrüsen-Unterfunktion beim Hund kann sich mit vielen Symptomen äußern. Durch den Mangel an Schilddrüsen-Hormonen wird der Hund träge, müde und nimmt zu. Sein Haarkleid wird dünner, stellenweise tritt Haarausfall auf, die Ohren können entzündet sein. Alle Organe sind von dem Schilddrüsen-Hormon-Mangel betroffen: Der Herzschlag des Hundes wird langsamer, es kann zu Muskelkrämpfen und Lähmungen sowie zu Magen-Darm-Beschwerden kommen.

Ursachen: Was sind die Ursachen der Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypothyreose) beim Hund?

Bei einer Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypothyreose) beim Hund produziert die Schilddrüse nicht genügen Schilddrüsen-Hormone. Zwei Ursachen sind häufig: So kann die Schilddrüse entzündet sein (lymphozytäre Thyreoiditis) oder sich ohne erkennbaren Grund zurückbilden (idiopathische Atrophie). Experten vermuten, dass die Entzündung der Schilddrüse autoimmun bedingt ist, das heißt dass körpereigene Antikörper das eigene Schilddrüsen-Gewebe des Hundes angreifen.

Die Schilddrüsen-Unterfunktion kann beim Hund auch angeboren sein. Oftmals werden die Welpen dann bereits tot geboren oder bleiben in der Entwicklung weit hinter ihren Wurfgeschwistern zurück. Auch Tumoren der Schilddrüse sowie Erkrankungen der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) können eine Schilddrüsen-Unterfunktion beim Hund hervorrufen. Bestimmte Medikamente oder auch schwere Erkrankungen führen gelegentlich ebenfalls zu einer Schilddrüsen-Unterfunktion beim Hund (Euthyreot Sick Syndrom).

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Symptome: Wie äußert sich die Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypothyreose) beim Hund?

Die Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypothyreose) beim Hund kann sich mit vielen Symptomen äußern. Die Krankheit entwickelt sich schleichend, somit sind die Symptome zum Beginn nur schwach ausgeprägt. Da die Schilddrüsen-Hormone eine zentrale Rolle im Fett-, Zucker- und Eiweißhaushalt des Hundes einnehmen, sind sie an fast allen Funktionen der Organe beteiligt.

Folgende Symptome können bei einer Schilddrüsen-Unterfunktion beim Hund auftreten:

Der Hund kann müde und träge sein und sich weniger bewegen. Oftmals nimmt er an Gewicht zu.Ein Hund mit Schilddrüsen-Unterfunktion wird empfindlich gegenüber Kälte.Das Haarkleid wird dünner, es kann zu teilweisem oder komplettem Haarausfall (Alopezie) kommen. Oft treten Ohrentzündungen auf. Die Haare am Schwanz können ausfallen, sodass dieser aussieht wie ein „Rattenschwanz“.Die Haut ist bei einer Schilddrüsen-Unterfunktion trocken und neigt zu Entzündungen, stellenweise ist sie verdickt. Im Kopfbereich kann dies zu einem „traurigem Gesichtsausdruck“ führen.Auch die Fortpflanzung kann bei einer Schilddrüsen-Unterfunktion betroffen sein. So werden die Hoden beim Rüden oft kleiner, während bei der Hündin die Läufigkeit ausbleibt oder die Blutung länger andauert.Es kann zu Schwäche, Lähmung oder unkoordiniertem Laufen kommen.Der Herzschlag des Hundes ist bei einer Schilddrüsen-Unterfunktion ist oft verlangsamt oder unregelmäßig.Verstopfung oder Durchfall können ebenso auftreten wie eine Störung der Speiseröhren-Bewegungen.Weitere mögliche Symptome einer Schilddrüsen-Unterfunktion beim Hund sind Blutarmut und Blutgerinnungsstörungen.

 

DOGS-Tipp 6 - Juni