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Der Sinn der jagdlichen Alternativbeschäftigung

Unsere Fellnasen handeln aus unterschiedlichen Motivationen. Diese können grob in die soziale, sexuelle, territoriale und jagdliche Grundmotivation eingeteilt werden. Die Ausprägung der Gewichtung der Motivationen sind Genetik, Zucht, Umfeld, Erfahrungen, Erziehung und physiologische Einflüsse wie Krankheiten.

 

Natürlich haben wir bei einem Hund, der seit langer Zeit auf optimiertes Jagdverhalten gezüchtet wird, wie bspw. dem Deutsch Drahthaar, eine höher ausgeprägte jagdliche Motivation als bei einem Begleithund, wie bspw. dem Bolonka Zwetna. Allerdings trägt jeder Hund die jagdliche Motivation in sich, zumal am Ende der Jagd ja nun mal auch das Fressen steht. Mit Training über den Jagdinstinkt, können wir von einfachen Aufgaben wie der Futtersuche bis zu komplexen Trainingsformen wie Dummy- oder Fährtenarbeit unterschiedliche Ziele verfolgen.

 

Jagen macht Hunde glücklich, auch das Suchen über die Nase bspw. regt Bereiche im Gehirn an die Glücksgefühle hervorrufen. Durch das Hinterherlaufen nach einem Futterbeuel, werden Hunde körperlich und auch geistig gefordert und es gibt uns somit die Möglichkeit die Impulskontrolle zu üben und spielerisch Regeln zu festigen. Da wir bei diesem jagdlichen Training dabei sind und es im besten Falle leiten, verbindet unser Hund die Freude mit uns und wir stärken so unsere Beziehung zueinander.

 

Bei Hunden, die Wild jagen, Spuren verfolgen und im schlimmsten Falle Erfolg haben oder sogar abhauen und in Gefahr kommen können, bauen wir ein Alternativverhalten auf, damit das instinktive Bedürfnis befriedigt wird. Das Ziel hierbei ist es im Ernstfall unerwünschtes Jagdverhalten abbrechen zu können und den Abbruch mit einer adäquaten Alternative zu belohnen.

 

Ich möchte mich hier auch gerne zu Unsicherheiten, die unsere Kunden über jagdliches Training beschäftigen äußern:

 

1.Das Apportieren eines Balles, Dummys etc. fördert das Jagdverhalten!

Hunde haben eine genetische Veranlagung zum Jagen. Die Verhaltensweisen entwickeln sich ohne geschult werden zu müssen von alleine. Wie oben erwähnt ist die Triebstärke von verschiedenen Faktoren abhängig. Man kann bereits ab dem Welpenalter jagdliche Verhaltensweisen gut beobachten. Über ein gemeinsames jagdliches Training versuchen wir zum einen dieses Bedürfnis mit uns zu erleben und zu befriedigen. Zum anderen üben wir dass der Hund nicht selbst entscheidet wann gejagt wird, sondern auf das Apportiersignal warten muss oder auch aus der jagdlichen Idee abgerufen werden kann. Es gibt viele Möglichkeiten mit Apportiergegenständen komplex zu trainieren und somit auch die Aufmerksamkeit zu fördern um eine kognitive Auslastung zu schaffen. Man kann schon sagen, dass wir die jagdlichen Fähigkeiten somit auch schulen. Das jagdliche Training bezieht sich aber auf eine Ersatzbeute, steht mit uns Menschen in Verbindung und wird von uns geleitet. Damit schulen wir vor allem auch die Ansprechbarkeit in der jagdlichen Motivation auf die wir somit Einfluss nehmen können.

 

Wichtig ist zu erwähnen dass wir hier nicht von 300 mal Bällchen werfen sprechen und unsere Hunde zu Balljunkies machen. Ein gut aufgebautes Apportiertraining hat hiermit nichts zu tun. Des Weiteren muss beim Apportieren immer auf die Gelenkbelastung geachtet werden sprich Ich muss die Intensität, Trainingsform dem Alter und Gesundheitszustand meines Hundes anpassen.

 

2. Futtersuchspiele am Boden bringen meinem Hund das Fressen vom Boden bei!

Ja, es gibt Hunde die nichts vom Boden aufnehmen, was aber gerade bei jungen Hunden eher eine Seltenheit ist. Gerade in der Welpenstunde ist eine häufig gestellte Frage „wie unterbinde Ich das Aufnehmen von Essen und Gegenständen am Boden?“. Zur Verwunderung unserer Kunden, empfehlen wir neben anderen Tipps, hier das aktive Suchen lassen von Futterstückchen. Auch hier wird ein Bedürfnis des Hundes alternativ befriedigt und es kann dadurch für den Hund einfacher werden zu lernen was darf ich aufnehmen und was nicht. Parallel steigt durch das „einfachste Jagdspiel“, wie ich es gerne nenne, häufig die Ansprache und die Aufmerksamkeit der Hunde sehr. Nach meiner Erfahrung ist diese Kleinigkeit immer wieder eine Freude für Hunde von ganz jung bis ins hohe Alter. Dadurch, dass das Futterstückchen geworfen oder versteckt und erschnüffelt werden muss, erlangt es einfach in den Augen Euer Lieblinge eine deutliche Aufwertung.

 

Ich selber bin im „Beuteschema“ ein Jagdhundmensch. Ich sehe es einfach unheimlich gerne wie sie ihre Fähigkeiten einsetzen und mit wie viel Freude und Engagement sie mitarbeiten. Es ist aber natürlich auch zu erwähnen, dass nicht jeder Hund durch Training zu 100% ansprechbar und abrufbar ist. Zum einen kommen noch viele Aspekte der Erziehung dazu und zum anderen ist der natürliche Jagdtrieb manchmal auch einfach zu hoch und die Hunde gehen fast in eine Art Tunnelverhalten, wobei sich alle Sinne auf eine Spur oder ein weglaufenden Hasen fokussieren. Ich muss meinen Hund gut lesen lernen um einschätzen zu können, wann und wo ich ihn an- oder ableinen kann. Das Schöne am jagdlichen Alternativtraining ist aber, dass selbst wenn der Hund viel oder ganz an der Schleppleine geführt werden muss, ich ihn in der jagdlichen Motivation beschäftigen und auslasten kann. Somit kann er auch einen erfüllten Spaziergang erleben und ein zufriedener Hund sein!

 


Ich hoffe ich konnte Euch etwas begeistern mit den lieben Fellnasen zusammen ein spannendes Training zu gestalten. Welche Form des Alternativverhaltens für Euren Liebling am besten passt, ist individuell zu entscheiden, aber das sollte die kleinste Hürde sein. Habt viel Spaß zusammen!

 

Claudia DOGS Düsseldorf