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DOGS-Trainingstipps

An der Leine flippt er aus – warum?

Kennen Sie das auch? Wenn die Hunde im Freilauf sind, sind sie verspielt und freundlich. Kaum sind sie an der Leine, werden sie zu wahren „Bestien“. Was steckt hinter diesem Verhalten?

Neulich im Schweriner Schlossgarten. Es ist Sonntagmorgen. Viele Menschen gehen mit ihren Hunden spazieren – an der Leine, versteht sich, denn hier herrscht Leinenpflicht. Einige der Menschen kennen sich schon, oder sagen wir besser, sie kennen die Macken der anderen Hunde.

Wieso kommt es häufig zu Aggressionsverhalten, wenn Hunde angeleint sind? Beginnen wir erst einmal mit dem Begriff Aggression. Eigentlich gehört aggressives Verhalten zur normalen Kommunikation bei Hunden. Der Sinn von Aggressionsverhalten im Allgemeinen wird von der renommierten Ethologin Dr. Dorit Feddersen-Petersen als „Mittel zur Distanzvergrößerung“ beschrieben. Unsere Hunde werden nun aber an der Leine geführt – eine aus Hundesicht unnatürliche und lästige Einschränkung. Die Vierbeiner müssen da aber durch, da es oft in den Innenstädten oder auch in Wäldern ohne Leine heutzutage nicht geht. Normalerweise könnten sie sich bei einer Begegnung einfach aus dem Weg gehen und somit die gewünschte Distanz zum anderen Artgenossen erreichen. Angeleint ist das aufgrund der kurzen Leine für unsere Hunde aber oft einfach nicht machbar. Im Gegenteil. Aus Hundesicht: „Der andere Hund kommt  frontal auf mich zu, und ich kann nicht weg! Da bleibt dann nur noch ein Ausweg – der Angriff!“
Warum Hunde Distanz zum Artgenossen schaffen möchten, kann viele verschiedene Gründe haben. Schauen wir uns doch einfach einmal ein paar Beispiele an, die man an diesem Sonntagmorgen im Schlossgarten beobachten konnte.

Claudia ist mit ihrem Golden Retriever Leo unterwegs.

Claudias Hund wird aggressiv an der Leine, wenn er andere Rüden trifft, die wie Leo unkastriert sind. Leo ist sexuell motiviert, er möchte gleichgeschlechtliche Artgenossen vertreiben. Ein solches Verhalten kann übrigens bei Rüde und Hündin gleichermaßen vorkommen! Leo kann es also einfach nicht leiden, dass sich Konkurrenten in seiner Nähe aufhalten. Gerne würde er sich mit seinem Gegenüber messen. Im Freilauf würde Leo seinem „Gegner“ z. B. durch Markierverhalten (in Form von Urinieren oder Koten, oft auch kombiniert mit Scharren und Knurren) zeigen, dass er derjenige ist, der in diesem Revier Ansprüche erhebt. Oft schleicht er sich dann an den anderen Hund an, legt sich hin und fixiert diesen. Das ist Aggressionsverhalten! Manchmal zeigt er aber auch durch sehr imponierendes Verhalten, wie Aufstampfen mit den Vorderpfoten, insgesamt sehr steifer Körperhaltung und sehr erhobener Rute, dem Gegenüber, wer hier der Platzhirsch ist. Durch die Leine wird Leo nun aber daran gehindert, diese Verhaltensweisen zu zeigen. Der Frust, der sich daraus ergibt, lässt Leo durchdrehen. Oftmals haben sexuell motivierte Hunde also gar nicht die ernsthafte Absicht, ihren Artgenossen zu schreddern!

Sebastian und Rhodesian-Ridgeback-Hündin Stella sind auch oft im Schlossgarten anzutreffen.

Kommen Stella im Schlossgarten Hunde entgegen, kann die sonst eigentlich freundliche Hündin sehr ungemütlich werden. Stella ist territorial motiviert. Sie kann es einfach nicht leiden, wenn sich in „ihrem“ Park andere Hunde aufhalten. Ganz schlimm ist es für die Hündin, wenn sich die anderen Hunde, z. B. im Spiel, zu schnell bewegen. Sebastian denkt dann immer, dass sie gerne mitspielen will. Es geht ihr aber lediglich darum, die Dynamik der anderen Hunde sofort zu unterbinden – da diese so dann wiederum viel besser kontrollierbar sind. Durch die Leine kann Stella nun nicht zu den anderen Hunden laufen, um diese zu kontrollieren bzw. zu ruhigem Verhalten zu bringen. Wie beim Golden Retriever Leo führt dies dazu, dass Stella aus lauter Frust aggressives Verhalten an der Leine zeigt: Sobald sie andere Hunde nur erblickt, springt sie mit voller Kraft in die Leine und bellt und knurrt den anderen Hund an. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um einen Rüden oder eine Hündin handelt! Jeder Hund muss aus Stellas Sicht von ihr kontrolliert werden! Ein sehr großer Teil der Hunde zeigt das unerwünschte Verhalten an der Leine aus territorialer Aggression. Hier geht es also darum, den Bereich, in dem sie sich gerade befinden, zu verteidigen. Eindringlinge sind dann einfach unerwünscht und müssen mindestens kontrolliert, besser noch vertrieben werden. Die Größe eines Territoriums kann dabei völlig unterschiedlich sein. Bei manchen Hunden ist es nur die „eigene“ Straße, bei einigen der Schlossgarten, bei anderen auch die ganze Welt. Dass Hunde diese Aggressionsform oft nur an  der Leine zeigen, hat sehr häufig damit zu tun, dass sie ohne Leine alles bestens kontrollieren und abchecken können. Ist der „Eindringling“ einmal kontrolliert, gibt es oft die Erlaubnis zum Weiterlaufen. Das ist übrigens der Grund, warum viele Menschen genau jetzt rufen: „Der will nur spielen!“ Meistens steckt beim Hund zwar tatsächlich keine Beschädigungsabsicht dahinter, wenn sie geradewegs auf den anderen Hund zulaufen, sondern „nur“ das dringende Bedürfnis zu kontrollieren. Der Mensch denkt dennoch oft zu banal. „Nur spielen“ will der Hund nämlich mit Sicherheit nicht. Hängt der Kontrolletti nun aber an der Leine, dreht er gern hoch, weil er frustriert ist und nicht abchecken gehen kann.

Auch Martina und Labrador-Retriever-Rüde Theo gehen heute wieder ihre Tour.

Natürlich hat Martina sich mit Leckerchen und dem Lieblingsball von Theo bewaffnet. Kommen nun aber andere Hunde in die Richtung von Martina, Futter und Ball ist Theo davon gar nicht begeistert, er bellt und regt sich ohne Ende auf. Oft reicht es dabei schon, wenn Martina den Ball oder die guten Leckerlis nur in der Jacke eingesteckt hat, sie muss Futter oder Ball gar nicht mal sichtbar in der Hand halten. Kommt ein Artgenosse nun zu nah, gilt  es, deutlich zu zeigen, dass dieser lieber wieder gehen sollte. Theo lässt den anderen mit einer selbstdarstellenden Körpersprache wissen, dass es sich um sein Futter und Spielzeug handelt.
Sehr viele Hunde zeigen Aggressionsverhalten an der Leine also aufgrund der Verteidigung von Ressourcen. Je nach individueller Vorliebe kann es sich bei den Ressourcen um Futter, also die mitgenommenen Leckerchen oder z. B. auch die häufig im Training verwendete Futtertube handeln, oder aber um Apportierspielzeug wie Bälle, Dummys, Frisbee etc. Sehr häufig stellt sich der Hund dabei auch zwischen das Objekt der Begierde und den Konkurrenten, er steht somit also demonstrativ vor seinem Menschen.

Lilly, eine Malteserhündin, hat sich mit Schleife im Haar und Frauchen Silke auf den Weg gemacht.

Silke liebt ihre zwei Jahre alte Hündin abgöttisch. Sie tut alles für ihren kleinen Liebling. Wenn Lilly mit ihrem kleinen Ball angelaufen kommt, spielt Silke natürlich immer mit ihr. Sie weiß auch genau, wann Lilly Hunger hat, denn Lilly kommt dann immer angelaufen und stupst Silke an der Hand an. Dann wird es Zeit für ein Leckerchen oder die tägliche Futterportion. In der Wohnung ist Lilly wirklich „der liebste Hund der Welt – aber draußen ...“. Wenn Silke andere Hunde oder Menschen zu nahe kommen, kann Lilly sich zur kleinen Bestie entwickeln. Sie springt dann hoch und versucht sofort, in Richtung des anderen Hundes oder auch Menschen zu schnappen. Dieses Verhalten zeigt sie vor allem an der Leine, im Freilauf ist Lilly nämlich gerne auch einmal im Gebüsch unterwegs und verfolgt ausdauernd Spuren oder frisst Hasenköttel.
Häufig ist die zu verteidigende Ressource also auch der Mensch selbst. Verhält sich dieser im Alltag nicht als souveräne Führungskraft, wird er in für den Hund scheinbar brisanten Begegnungen gern von diesem beschützt. Zeigt sich der Mensch also z. B. häufig inkonsequent und lässt sich vom Hund mehr oder weniger ständig beeinflussen, so hat dieser leider oft das Gefühl, auf das Frauchen bzw. Herrchen auch noch aufpassen zu müssen. Dies zeigt sich deutlich, wenn das Verhalten z. B. nur beim Spaziergang mit einer bestimmten Person in der Familie auftritt oder der Hund das Getöse an der Leine sofort beendet, wenn sich der Halter von ihm entfernt. Im Freilauf fühlt sich der Hund dagegen oft nicht für den Menschen verantwortlich, hier gibt es offensichtlich wichtigere Dinge, denen man nachgehen muss. Dazu gehört etwa auch das  wilde Spiel mit anderen Artgenossen. Denn im Freilauf ist Lilly sehr wohl gut verträglich mit anderen Hunden. Und so lässt Silke wie selbstverständlich die kleine Lilly im Park von der Leine und zu jedem Hund laufen, um ihn zu begrüßen und mit ihm zu spielen. Will Lilly dies nun beispielsweise in der Innenstadt auch, wird sie durch ihre Leine daran gehindert. Das erzeugt Frust, der sich bei ihr in heftigem, von Silke unerwünschtem Gekläffe äußert.

Wir sehen also, dass auch hier, wie so oft, die Ursache am anderen Ende der Leine liegt, auch wenn es erst einmal gar nicht so aussieht. Ist ein Verhalten immer erlaubt, wird ein Hund nicht verstehen, dass es in einer anderen Situation auf einmal nicht mehr erlaubt sein soll. Dass ein Freilauf in der Stadt mit starkem Autoverkehr nicht möglich ist, versteht ein Hund nicht!

Und dann ist da noch Pepe mit seinen Menschen Renate und Heinz.

Pepe ist ein Mischling, 5 Monate alt und kommt aus dem Tierschutz. Er hat in seinem jungen Leben bereits viele schlechte Erfahrungen gemacht. Der Mischlingsrüde hat teilweise panische Angst, wenn er andere Hunde trifft, und kann schon mal die Zähne zeigen, wenn er anderen Hunden nicht ausweichen kann, da er angeleint ist.

Sehr viele Hunde zeigen Aggressionsverhalten an der Leine aus Angst oder Unsicherheit. Die Leine nimmt ihnen dabei die Möglichkeit, uneingeschränkte Kommunikation auszuleben, und so verteidigen sie sich lieber schon im Vorhinein. Einige Hunde haben an der Leine mit anderen Hunden auch eine negative Erfahrung gemacht und generalisieren diese Erfahrung auf sämtliche andere Vierbeiner, oder eben auch nur auf jene, die dem damaligen Angreifer ähneln. Auch aus diesem Grunde ist es wichtig, dass gerade im Welpenalter Hunde möglichst viele positive Hundeerfahrungen machen. Diese sollten aber kontrolliert stattfinden, damit die Begegnung wirklich auch positiv verläuft. Hunde müssen also ganz sicher Sozialkontakte haben, aber nicht mit allen Hunden und vor allem nicht, wenn die Hunde angeleint sind und sich nicht kennen und gut einschätzen können!

Problematisch ist oft auch, dass es sich bei aggressivem Verhalten an der Leine um einen Mix verschiedener Ursachen handeln kann. Es kann auch sein, dass das Verhalten gar nicht mehr gegenüber der eigentlichen Sache gezeigt wird, sondern schlichtweg ritualisiert ist, da ein Hund das Aggressionsverhalten z. B. über lange Zeiträume hinweg ausleben konnte. Da geht es dann unter Umständen nicht mehr darum, den Feind nicht im Territorium haben zu wollen, sondern um das Ausleben eines abgespeicherten Verhaltensmusters: ARTGENOSSE? – der muss verbellt werden!

Viele Gründe, viele Therapien
Wie man sieht, gibt es einige Gründe, aus denen ein Hund aggressives Verhalten an der Leine zeigen kann. Um ein erfolgreiches Training aufbauen zu können, muss in einem ersten Schritt also zunächst einmal die Ursache für das aggressive Verhalten herausgefunden werden. Je nach Ursache müssen dann unterschiedliche strukturelle Veränderungen im Alltag vorgenommen werden. Einige Hunde müssen durch ein sogenanntes Impulskontrolltraining lernen, sich zu beherrschen und somit Frust auszuhalten. Unsichere Hunde müssen lernen, sich sicher zu fühlen und ihrem Menschen zu vertrauen. Der Aufbau eines solchen Trainings ist sehr umfangreich und sprengt an dieser Stelle leider den Rahmen des Artikels. Leider wird es daher nun keine ausführliche Anleitung für das Training bei Aggressionsverhalten an der Leine geben, da erst einmal ganz wichtig ist festzustellen, woher das Verhalten rührt. Dies kann meist nur ein erfahrener, professioneller Hundetrainer richtig beurteilen, indem er Mensch und Hund im gemeinsamen Umgang miteinander und in verschiedenen Situationen im Alltag sowie in der Problemsituation beobachtet. Im nächsten Schritt wird dann ein auf diese Ursachen sowie das Mensch-Hund-Team abgestimmter Trainingsplan entwickelt, um das Verhalten zu verändern.

Ein ganz wichtiger Punkt bei dieser Problematik ist auch, dass der Hund lernt, dem Menschen an lockerer Leine zu folgen und auf ihn zu achten. Trainiere daher außerhalb der Problemsituationen die Leinenführigkeit mit Deinem Hund. Folgt Dein Hund Dir in entspannten Situationen an lockerer Leine, kannst Du langsam Ablenkungen, z. B. durch andere Hunde, einbauen. Beginne mit einem Hund in weiter Distanz, der sich ruhig verhält. Verringere dann die Distanz immer mehr, bis Dein Hund an einem ruhig sitzenden oder liegenden Hund vorbeilaufen kann. Erst dann darf sich auch der andere Hund bewegen. Starte mit einer ruhigen Begegnung, bevor sich der andere Hund später einmal auch richtig dynamisch bewegen kann. Jedes Mal, wenn Dein Hund aufmerksam und ohne aggressives Verhalten an lockerer Leine mit Dir am anderen Hund vorbeigelaufen ist, bekommt er natürlich eine besonders tolle Belohnung! 

Das musst Du beachten
Die Erste-Hilfe-Maßnahmen soll Dir helfen, Deinen Hund in den brisanten Situationen möglichst entspannt an der Leine führen zu können.

Der erste Schritt im Training ist immer: Fehlverhalten darf nicht weiter ausgelebt werden, wenn Du daran arbeitest.

• Bei frontaler Begegnung mit genügend Platz einen weitläufigen Bogen um den anderen Hund gehen. Bei unerwünschter Begegnung entspannt abwenden oder die Richtung wechseln.
• Entschärfen der Begegnung, indem der eigene Hund immer an der abgewandten Seite zum anderen Hund geführt wird. Der Mensch geht als Puffer dazwischen!
• Ist Dein Hund versessen auf ein bestimmtes Spielzeug oder ein besonderes Leckerli, darfst Du ihn in dieser Phase noch damit ablenken, um ohne Krawall aus der Begegnung zu kommen. Aber Achtung: Unerwünschtes Verhalten darf hier nicht belohnt werden. Das richtige Timing ist ganz wichtig!
• Wenn es möglich ist, baue für Deinen Hund eine Alternative zum aggressiven Verhalten auf. Dies kann ein kleines Suchspiel, aber auch ein einfaches „Sitz“ neben oder hinter Dir sein. Ist Beute nicht das Problem, kannst Du Deinen Hund auch einen Apportiergegenstand tragen lassen. Alternativ bietet sich auch das Signal „Schau“ an, bei dem Dein Hund lernt, Augenkontakt zu Dir zu halten.
• Konntest Du mit diesen Maßnahmen an einer prekären Situation vorbeigehen, ohne dass Dein Hund Aggressionsverhalten gezeigt hat, belohne ihn auf jeden Fall ausgiebig dafür.

(Ein Artikel unseres DOGS Partners Sven Kunkel (Martin Rütter DOGS Schwerin) für die Zeitschrift "Mein Hund und Ich")

Bitte geh nicht weg - So lernt mein Hund, allein zu bleiben

Im natürlichen Hundeleben ist Einsamkeit nicht vorgesehen. Kein Wunder, wenn ein Hund, der vom Menschen allein gelassen wird, mit Stress, sogar Panik darauf reagiert. Es sei denn, er ist von klein auf daran gewöhnt worden, auch einige Stunden ohne seine Menschen zu verbringen.

Hunde sind hochsoziale Tiere, deren natürliche Lebensweise auf das Leben in einer Gruppe ausgerichtet ist. Das Zusammenleben in einer Gruppe bietet dem einzelnen Hund Sicherheit und Schutz, denn gemeinsam ist man stark. Jeder Hund übernimmt dabei eine Aufgabe innerhalb der Gruppe, angefangen von der Aufzucht und Betreuung der Welpen, der Nahrungsbeschaffung oder der Verteidigung des Territoriums, sodass das Überleben der Gruppe bzw. der einzelnen Mitglieder gesichert ist. Durch Interaktionen wie gemeinsame Spiele, gegenseitige Körperpflege oder gemeinschaftliches Kontaktliegen entsteht eine starke Bindung zwischen den Gruppenmitgliedern. Zwar kommt es durchaus auch einmal vor, dass ein Hund die Gruppe für eine kurze Zeit verlässt, um z. B. zu jagen, jedoch wird er relativ bald nach der Aktivität wieder den Zusammenhalt der Gruppe suchen. Umgekehrt kommt es jedoch nicht vor, dass ein Hund allein zurückgelassen wird; es gibt keinen bewussten Ausschluss eines Hundes von gemeinsamen Aktivitäten der Gruppe. Im Zusammenleben mit dem Menschen sieht das für unsere Haushunde jedoch oft ganz anders aus. Wir können unsere Hunde leider nicht immer und überall mitnehmen. Sie müssen also lernen, zumindest für einen kurzen Zeitraum auch einmal allein zu Hause zu bleiben. Da dies jedoch dem natürlichen Verhalten von Hunden widerspricht, ist es nicht verwunderlich, dass Trennungsstress entsteht, wenn der Mensch dem Hund das Alleinbleiben nicht von Welpe an in kleinen Schritten beigebracht hat. Verliert ein Hund in der Natur den Anschluss an seine Gruppe, würde er durch Jaulen, Heulen, oder Bellen auf sich aufmerksam machen, damit die Rudelmitglieder zu ihm zurückkommen. Da es sich im gemeinsamen Alltag von Mensch und Hund jedoch meist nicht um ein einmaliges Erlebnis handelt, sondern der Hund immer wieder einmal allein zu Hause bleiben muss, ist dieser Trennungsstress auf Dauer für unseren Hund nicht zumutbar, und die ständigen Lautäußerungen sind zudem kaum förderlich für eine harmonische Nachbarschaft. Warum ist es so wichtig, dass jeder Hund lernt, zumindest für einen kurzen Zeitraum von vier bis sechs Stunden allein zu bleiben? Unser Leben verändert sich und niemand kann sagen, wie es in fünf oder zehn Jahren aussieht. Auch wenn Sie momentan keine Notwendigkeit sehen, das Alleinbleiben mit Ihrem Hund zu trainieren, da dieser Sie täglich ins Büro und zu Erledigungen begleiten darf bzw. Ihre Familie aus so vielen Familienmitgliedern besteht, dass immer jemand zu Hause ist, der beim Hund bleibt, kann sich das Leben verändern: ein Wechsel im Job, Kinder, die selbstständig werden und ausziehen, oder auch nur ein plötzlicher Notfall, bei dem alle eine unabänderliche Verpflichtung haben. Sie sollten daher schon kurz nach dem Einzug Ihres Welpen, am besten nach den ersten Tagen der Eingewöhnung, das Alleinbleiben trainieren. Sollten Sie einem Hund aus einer anderen Familie, einem Tierheim oder aus dem Ausland ein neues Zuhause geben wollen, gehen Sie besser grundsätzlich erst einmal davon aus, dass auch ein solcher Hund schlecht bis gar nicht allein bleiben kann, und planen auch hier von Beginn an entsprechend Zeit für das Training ein bzw. gestalten den Alltag so, dass Ihr neuer Hund in den ersten Tagen bzw. Wochen nicht lange allein bleiben muss. Selbst wenn ein Hund in seinem alten Zuhause gut allein bleiben konnte, kann das nach seinem Umzug zu Ihnen ganz anders aussehen. Ein Hund, der seine gewohnte Umgebung und seine Bezugspersonen verliert, kann dadurch so verunsichert werden, dass sich dies in starker Verlustangst äußert. Er schließt sich häufig sehr eng an seine neue Familie an und möchte am liebsten immer in der Nähe seiner Bezugspersonen sein, sodass selbst kurzes Alleinlassen, etwa um die Post hereinzuholen, zu starkem Stress beim Hund führen kann. Bei diesen Hunden ist das Training des Alleinbleibens dann unter Umständen deutlich schwieriger und aufwendiger als das Training mit einem Welpen.  

Training mit dem Welpen
Im Idealfall lernt der Hund das Alleinbleiben bereits von Welpe an. Ab der sechsten Lebenswoche unternimmt ein guter Züchter Ausflüge mit seinen Welpen. Anfangs ist er dabei noch gemeinsam mit allen unterwegs, später aber unternimmt er immer wieder auch etwas mit einem einzelnen Welpen. So lernt der Welpe von Anfang an, auch ohne seine Geschwister und die Mutterhündin auszukommen. Zieht der Welpe ab der neunten Woche in sein neues Zuhause, muss er auch hier von Beginn an lernen, einen kurzen Augenblick allein zu bleiben. Gehen Sie dazu beispielsweise ins Bad und schließen die Tür, sodass der Welpe nicht hinterher kann. Nach wenigen Sekunden kommen Sie wieder heraus, sodass Ihr Welpe lernt, dass er sich gar nicht aufzuregen braucht, wenn Sie einmal nicht da sind. Im nächsten Schritt verlassen Sie nun kurz die Wohnung, Ihr Welpe bleibt dabei in einem Raum, indem er sich wohl fühlt und wo sich sein Liegeplatz befindet. Räumen Sie zudem alles weg, was Ihr Welpe zerstören könnte, damit Sie ganz unbesorgt aus dem Raum gehen können. Verhalten Sie sich beim Zurückkommen so normal wie möglich, Sie sollten weder mit Ihrem Welpen schimpfen, weil er vielleicht doch etwas angenagt hat, ihn aber auch nicht überschwänglich loben, denn er weiß ja gar nicht, dass gerade ein „Training“ stattgefunden hat. Zwar verknüpft er mit einem Lob Ihr Wiederkommen mit etwas Positivem, jedoch wird die Erwartungshaltung Ihres Welpen auf Ihr Zurückkommen gesteigert. Mit der Zeit wird er immer angespannter warten, denn erst wenn Sie wieder da sind, gibt es ja die tolle Belohnung. Kommen Sie daher einfach herein und ignorieren Sie Ihren Welpen. Wenn Ihr Welpe für einige Minuten allein im Haus bleibt, können Sie Schritt für Schritt die Zeit steigern. Anfangs müssen Sie die Zeit noch minutenweise steigern; ist die erste halbe Stunde geschafft, können Sie die Zeit immer schneller steigern. Wenn Sie sich an dieses Training halten, kann Ihr Welpe durchaus lernen, nach etwa vier Wochen ca. vier Stunden allein zu bleiben.

Trennungsangst – Kontrollverlust?
Kann der erwachsene Hund nicht allein bleiben, muss man zunächst herausfinden, ob es sich um Trennungsangst oder um Kontrollverlust handelt. Zwar ist der Trainingsweg in Bezug auf das Alleinbleiben bei beiden Ursachen ähnlich, doch in Bezug auf den Alltag müssen unterschiedliche Punkte berücksichtigt bzw. trainiert werden. Hunde mit Trennungsangst leiden tatsächlich unter der Angst, allein zu bleiben bzw. verlassen zu werden. Ursache hierfür kann ein Trauma sein, wie z.B. wenn der Welpe zu früh, also beispielsweise schon mit sechs Wochen von der Mutter getrennt wurde, oder auch der Verlust seines bisherigen Zuhauses. Es kann natürlich auch sein, dass der Hund das Alleinbleiben bisher einfach nicht erlernt hat, weil seine Menschen verpasst haben, ihm dies beizubringen, oder er z.B. als Straßenhund gelebt hat, sodass solche Anforderungen bisher nicht an ihn gestellt wurden. Hunde mit Trennungsangst reagieren direkt nach dem Alleinlassen mit starkem Hecheln, aufgeregtem Hin- und Herlaufen mit Kratzen an der Tür, da sie dem Menschen folgen wollen, sowie mit Winseln, Fiepen und überwiegend Heulen, seltener auch Bellen. Das Winseln weist dabei auf das Unwohlsein des Hundes hin, durch das Heulen versucht der Hund, die Gruppenmitglieder zurückzurufen. Manche Hunde leiden auch einfach still vor sich hin, sie erstarren regelrecht. Bewegungslos liegen sie vor der Tür, bis der Mensch wieder zurückkommt. Nach einer kurzen freudigen Begrüßung fallen diese Hunde erschöpft in ihr Körbchen. Das größte Problem bei diesen Hunden liegt darin, dass die Menschen gar nicht mitbekommen, welchen Stress ihr Hund hat, und dass es ihm überhaupt nicht gut geht, wenn er allein bleiben muss. Sie beschreiben das Alleinbleiben des Hundes eher als unproblematisch. Kein Gebell, kein Gejammer, nichts wird zerstört, so wünscht man es sich doch. Der Hund aber leidet still vor sich hin und kann sich dem Menschen nicht mitteilen. Sollte Ihr Hund also nach längerem Alleinbleiben erschöpft ins Körbchen fallen, ist dies immer ein Alarmzeichen. Im Alltag sind Hunde mit Trennungsangst auch eher in der Nähe des Menschen, sie laufen ihm mit beschwichtigender Körperhaltung hinterher, wenn dieser den Raum wechselt, und entfernen sich auch beim Spaziergang in der Regel nicht sehr weit. Kommt der Mensch zurück, wird er beschwichtigend begrüßt, der Hund klettert dabei mit angelegten Ohren und nach unten gehaltener Rute am Menschen hoch. Alleinbleiben fällt diesen Hunden überall schwer, sowohl in der eigenen Wohnung als auch z.B. im Auto. Wer beim Hund bleibt, spielt dabei keine Rolle, es kann irgendein Familienmitglied, ein guter Bekannter oder sogar ein Hundesitter, den Sie engagiert haben, sein. Für den Hund ist nur wichtig, dass er nicht allein ist.
Hunde mit Kontrollverlust dagegen leiden, weil sie es nicht ertragen können, dass sie nun auf ihren Menschen eine Weile nicht mehr aufpassen können. Sie fühlen sich verantwortlich für ihren Menschen, da sie das Gefühl haben, sich um ihren Menschen kümmern zu müssen. Einen kurzen Zeitraum ertragen diese Hunde daher das Alleinbleiben oftmals, da sie dem Menschen zutrauen, kurzfristig auch ohne den Hund auszukommen. Daher kommt es meistens erst nach einer gewissen Zeit der Trennung zu Lautäußerungen, hierbei wird der Hund selten heulen, sondern eher lautstark und oft auch stundenlang bellen. Das Bellen weist dabei auf den Frust hin, den der Hund über die Abwesenheit des Menschen sowie das Eingeschlossensein empfindet. Daher werden nur selten Türen zerkratzt, vielmehr schnappt sich der Hund herumliegende Gegenstände des Menschen, die angekaut und zerstört werden. Im Alltag verfolgen diese Hunde ihren Menschen auf Schritt und Tritt. Dabei geht es dem Hund jedoch weniger darum, beim Menschen zu sein, als darum, diesen zu kontrollieren. Sie stellen sich z.B. in den Weg und begrenzen den Menschen, setzen sich gern auf die Füße ihres Menschen oder lehnen sich an dessen Beine an. Was wie zufällig wirkt und vom Menschen oft als „liebebedürftig“ und verschmust wahrgenommen wird, ist in dem Fall eigentlich ausgeübte Kontrolle. Kommt der Mensch zurück, springt der Hund ihn durchaus mit voller Wucht an. Das ist dann übrigens kein Zeichen von Freude, wie so oft angenommen wird, sondern viel eher eine Korrektur gegenüber Herrchen oder Frauchen, da diese einfach allein rausgegangen sind, ohne den Hund mitzunehmen. Dies zeigt sich auch an der Körperhaltung des Hundes, der mit hoch getragener Rute dem Menschen entgegen springt. Die Anwesenheit anderer Menschen ändert dabei nichts am Verhalten des Hundes. Solange „sein“ Mensch, für den er sich verantwortlich fühlt, ohne ihn weggegangen ist, hat er Stress und zeigt dies auch deutlich, auch wenn ein anderes Familienmitglied, ein Bekannter oder Hundesitter beim Hund bleibt.

Das Alleinbleiben lernen
Wie bereits erwähnt, unterscheidet sich das Training in Bezug auf das Alleinbleiben zunächst einmal nicht, egal ob die Ursache Trennungsangst oder Kontrollverlust ist. Der Hund muss in sehr kleinen Schritten lernen, allein zu bleiben. In einem ersten Trainingsschritt soll der Hund dazu lernen, auf einem ihm zugewiesenen Liegeplatz liegen zu bleiben. Der Liegeplatz des Hundes sollte sich dabei an einem unstrategischen Platz befinden, also nicht direkt neben der Tür oder vor Ihrem Sitzplatz auf dem Sofa. Er sollte dem Hund ausreichend Ruhe ermöglichen, es bietet sich z. B. ein Platz in der Ecke neben der Couch an. Ihr Hund soll den Liegeplatz positiv verknüpfen, belohnen Sie ihn daher anfangs dafür, wenn er sich auf Ihr Signal dorthin legt. Führen Sie dieses Training so lange durch, bis Ihr Hund es sich auch von sich aus, also ohne dass Sie ihn auf den Platz geschickt haben, auf seinem Liegeplatz gemütlich macht, denn dann hat er ihn vollständig akzeptiert. Anfangs sind Sie dabei auch selbst im Raum, später verlassen Sie diesen, erst nur ganz kurz, dann auch etwas länger. So lernt Ihr Hund, dass er Sie nicht ständig verfolgen soll, bzw. dass er es aushalten kann, auch einmal kurz ohne ihre direkte Nähe zu sein. Schließen Sie dann ruhig auch mal für einen kurzen Moment die Tür hinter sich, wenn Sie in einen anderen Raum der Wohnung gehen. So lernt Ihr Hund, dass Sie auch dann immer wieder zu ihm zurückkommen, wenn er Sie nicht sehen oder hören kann. Natürlich muss er dabei nun nicht mehr auf seinem Liegeplatz liegen bleiben, denn das könnten Sie ja auch gar nicht „kontrollieren“. Wählen Sie daher anfangs einen Augenblick aus, an dem sich Ihr Hund von sich aus auf seinem Liegeplatz niedergelassen hat. Wenn Sie nun diesen ersten Schritt zum wirklichen Alleinbleiben starten, sollten Sie Ihren Hund immer in diesem Raum allein lassen. Er soll sich dort wohlfühlen und hier seinen Liegeplatz haben. Der Raum sollte sich nicht direkt im Eingangsbereich befinden, wo gegebenenfalls fremde Menschen vorbeilaufen. Der Flur eignet sich also eher nicht dafür. Im Raum selbst sollten Sie nach Möglichkeit alles, was der Hund zerstören könnte, wegräumen. Vielen Hunden gibt es zudem erfahrungsgemäß Sicherheit, wenn sie in der ersten Trainingszeit nur auf einen Raum begrenzt werden und nicht direkt die ganze Wohnung zur Verfügung haben. Hunde sind sehr genaue Beobachter und können somit schon sehr früh erkennen, ob Sie gleich das Haus verlassen werden oder ob es sich um eine Trainingssequenz handelt. Denn wenn Sie ihn wirklich allein lassen, ziehen Sie Ihre Jacke an, nehmen die Tasche und den Schlüsselbund mit oder tragen das Büro-Outfit. Üben Sie nur das Alleinbleiben, behalten Sie die bequeme Jogginghose an oder gehen in Hausschuhen aus dem Haus. Deshalb bauen Sie bitte parallel zu diesem Training diese sogenannten Schlüsselreize ab. Ziehen Sie also auch mal Schuhe und Jacke an, nehmen Sie den Schlüssel und setzen Sie sich dann ins Wohnzimmer, um einen Kaffee zu trinken. Oder verlassen Sie die Wohnung für eine kurze Sequenz in Hausschuhen und ohne Jacke, stecken Sie den Schlüsselbund zum Wäscheaufhängen ein oder nehmen Sie Ihre Tasche auch mal mit ins Bad. Je weniger berechnend Sie für Ihren Hund sind, desto entspannter wird er auf diese Alltagsreize reagieren.

Verhalten im Alltag
Hier unterscheidet sich das Training nun, je nachdem, ob Trennungsangst oder Kontrollverlust die Ursache sind. Viele Hunde mit Trennungsangst sind eher unsichere Hunde mit wenig Selbstbewusstsein. Stärken Sie dieses daher im Alltag, indem Sie gezielt Beschäftigungsformen trainieren, bei denen Ihr Hund selbstständig arbeiten muss und mit eigenen Entscheidungen zum Ziel kommt. Gut geeignet hierfür sind z.B. das Mantrailen oder die Fährtenarbeit, aber auch bei der Suche nach versteckten Gegenständen soll Ihr Hund möglichst eigenständig arbeiten. Stellen Sie ihm Aufgaben, bei denen er nachdenken bzw. ausprobieren muss, wie er diese lösen kann. Intelligenzspiele, bei denen der Hund Türchen öffnen, Boxen herausziehen oder Schalter verschieben muss, um an das von Ihnen versteckte Futter zu gelangen, bieten hier unendliche Möglichkeiten. Ein Kontrollverlust wird bei Hunden ausgelöst, die aus Hundesicht das Gefühl haben, dass sie für einen oder sogar mehrere Mitglieder der Gruppe verantwortlich sind. Diese Hunde denken, dass sie die Aufgabe haben, die Gruppe zu führen, zu sichern und zu kontrollieren. Wenn Sie einen solchen Hund allein lassen, entwickelt er Stress, weil er seinen Aufgaben nicht mehr gerecht werden kann. Es sollte daher unbedingt eine Strukturveränderung im Zusammenleben mit dem vierbeinigen Freund stattfinden, denn nur wenn er sich nicht mehr für Sie zuständig fühlt, wird er auch das Alleinbleiben erlernen. Dazu müssen Sie Ihrem Hund vermitteln, dass Sie Führungsqualitäten be- sitzen. Damit ist nicht der leider noch viel zu oft benutzte und falsch interpretierte Begriff der klassischen „Unterordnung“ oder „Dominanz“ gemeint, es geht also nicht darum, Ihren Hund möglichst hart zu maßregeln oder besonders streng zu ihm zu sein. Viel mehr müssen Sie klare Regeln und Strukturen im Zusammenleben aufstellen und diese auch einhalten, und dabei beachten, dass Sie Ihrem Hund nicht vermitteln, dass er z. B. territoriale Aufgaben übernehmen soll. Genießt ein solcher Hund beispielsweise stets und ständig uneingeschränkte Bewegungsfreiheit, hat er einen Liegeplatz direkt neben der Eingangstür oder darf im Garten die Passanten verbellen, kann dies dazu führen, dass er sich für die territoriale Sicherheit bei Ihnen zu Hause zuständig fühlt. Wichtig ist hierbei auch, wer von Ihnen Entscheidungen trifft.
Wenn Ihr Hund Ihre Entscheidung, allein nach draußen zu gehen, akzeptieren soll, müssen Sie auch im restlichen Alltag viele Entscheidungen treffen. Ist es nun aber immer der Hund, der Sie zu einem Spiel auffordert, eine Streicheleinheit einfordert oder Sie dazu animiert, ihm doch bitte die Terrassentür zu öffnen, dann trifft er die aus seiner Sicht wichtigsten Entscheidungen im Alltag selbst. Ihr Hund muss also lernen, sich immer an Ihnen und Ihren Entscheidungen zu orientieren. Beschäftigen Sie ihn daher auch anstatt mit Suche oder Fährte lieber mit einem Apportiertraining, bei dem Sie ihm genaue Anweisungen geben. Nur wenn er sich an diese hält, kommt er zum Ziel. Werfen Sie dazu beispielsweise zwei oder mehr Gegenstände und schicken Sie den Hund dann gezielt zu einem bestimmten Gegenstand hin.

Weitere wichtige Trainingshinweise:

• Lasten Sie Ihren Hund ausreichend aus, bevor Sie das Haus verlassen (z. B. durch Apportieren oder Nasenarbeit), dabei ist sowohl die körperliche als auch die geistige Auslastung wichtig! Ein ausgelasteter Hund wird sich eher entspannt hinlegen und ausruhen, wenn Sie ihn allein lassen. Allerdings sollten Sie nach dem Training immer noch eine Weile warten, bevor Sie Ihren Hund allein lassen, da der Übergang von Aktion zu Ruhe für ihn sonst zu groß ist.

• Verabschieden Sie sich nicht überschwänglich von Ihrem Hund, da Sie dem Alleinbleiben sonst eine viel größere Bedeutung zukommen lassen. Ihr Hund merkt, dass auch Sie aufgeregt sind und dass etwas „Besonderes“ ansteht. Dies wird kaum dazu führen, dass er sich entspannt.

• Auch die Begrüßung Ihres Hundes nach dem Zurückkommen sollten Sie nicht übertreiben. Es ist zwar vollkommen natürlich, dass ein Hund nach einer Trennung die zurückgekehrten Gruppenmitglieder begrüßt, jedoch sollten Sie sich dabei, ähnlich wie die Hündin es bei ihren Welpen macht, souverän und ruhig verhalten. Schließlich ist nichts Aufregendes passiert, und somit gibt es gar keinen Grund für eine überschwängliche Begrüßung. Zudem würde eine übertriebene Begrüßung dazu führen, dass der Hund Ihre Rückkehr als etwas extrem Positives ansieht, sodass er immer angespannter auf Ihre Rückkehr warten würde, denn dann ist ja endlich wieder etwas los.

• Bestrafen Sie Ihren Hund niemals, wenn er in Ihrer Abwesenheit die Wohnung auf den Kopf gestellt, gebellt oder in die Wohnung uriniert hat. Das macht er nicht, um Sie zu ärgern! Er findet durch dieses Verhalten ein Ventil, um mit seinem Stress fertig zu werden, da er bisher noch keinen adäquaten Weg gelernt hat, in solchen Situationen mit Stress umgehen zu können. Nehmen Sie dies vielmehr zum Anlass, im Training einige Schritte zurückzugehen, denn offensichtlich war Ihr Hund noch nicht so weit.

• Lassen Sie Ihren Hund nur so lange allein, wie es der Trainingsstand zulässt. Sie müssen während der Trainingszeit also immer eine Möglichkeit finden, Ihren Hund mitzunehmen bzw. durch einen anderen Menschen betreuen zu lassen. Auch wenn es „nur einmal“ ein längerer Zeitraum war, als Sie ihn eigentlich im Training erreicht haben, kann dieses Erlebnis Sie bzw. Ihren Hund im Training vollkommen zurückwerfen. Schimpfen Sie nie, wenn der Hund in Ihrer Abwesenheit etwas zerstört.

(Ein Artikel unserer Kollegin Bettina Normann von Martin Rütter DOGS Hundeschule Gladbeck/Bottrop für "Mein Hund und Ich")

Wenn Hunde alles fressen, was sie finden...

Dein Hund ist draußen wie ein Staubsauger, der alles frisst, was er findet?

"Ich habe eine Labradorhündin mit vielen Sonderausstattungen. Xana ist 2,5 Jahre alt und lebt mit einem anderen Hund zusammen. Soweit so gut. Am meisten Kopfzerbrechen bereitet mir, dass sie auf dem Spaziergang alles frisst. Vom Taschentuch über Kot, einfach alles, was sie findet. Sie ist so schnell, dass ich oft nicht eingreifen kann. Ich habe Angst, dass sie mal etwas Giftiges frisst." 

Viele Labrador Retriever sind tatsächlich regelrechte Fressmaschinen, die alles, was auch nur annähernd essbar zu sein scheint, fressen. Im „Notfall“ (wenn z. B. Frauchen naht …) wird der Fund auch erst einmal heruntergeschluckt, bevor der Labrador darüber nachdenkt, ob es sich überhaupt um etwas Essbares handelte. Damit wird aber auch eine wichtige Komponente deutlich: Je mehr Aufmerksamkeit der Mensch dem Hund dafür schenkt bzw. je mehr er versucht, zu verhindern, dass der Hund etwas vom Boden aufnimmt und frisst, desto intensiver wird dieser nach Nahrung suchen, um sie dann so schnell wie möglich zu fressen.

Ein erster Schritt im Training ist daher, das Verhalten zum einen zu ignorieren (zumindest so lange es sich um etwas Ungefährliches handelt) bzw. so weit wie möglich zu verhindern, dass der Hund überhaupt etwas aufnehmen kann. Dazu kann man den Hund an einen Maulkorb gewöhnen, da er so zumindest feste Dinge nicht mehr einfach so aufnehmen kann. Handelt es sich um Leberwurst oder auch weichen Kot, hilft ein Maulkorb natürlich nur begrenzt, denn der Hund kann die Schnauze auch mit Maulkorb in den Kot bzw. die Paste hineindrücken. Viele Hunde kommen allerdings gar nicht auf diese Idee, sodass ein Maulkorb meist tatsächlich im ersten Schritt Abhilfe verschafft. Alternativ kannst Du Xana erst einmal auch nicht mehr frei laufen lassen, sodass sie sich nicht so weit von Dir entfernen kann. So kannst Du kontrollieren, dass sie nichts vom Boden aufnimmt.

In einem weiteren Trainingsschritt kannst Du Xana beibringen, dass sie nur dann etwas vom Boden aufnehmen darf, wenn Du ihr das Signal dazu gibst. Nehme dazu ein Futterstück in die Hand und halte es ihr vor die Nase. In dem Augenblick, in dem sie das Futterstück aus Deiner Hand fressen will, schließt Du kommentarlos die Hand zu einer Faust, sodass sie nicht an das Futter herankommt. Warte, bis sie nicht mehr versucht, an das Futter in Deiner Hand zu gelangen, bevor Du die Hand wieder öffnest. Dies wiederholst Du nun so lange, bis Xana eine Zeitlang vor der geöffneten Hand wartet. Nun darf sie mit dem Signal „Nimm“ das Futter von Deiner Hand nehmen. Die gleiche Übung wiederholst Du dann mit Futter auf dem Boden. Setze Dich dazu am besten auch auf den Boden. Lege nun direkt vor Xana ein Futterstück auf den Boden. Will sie dieses aufnehmen, verdecke es einfach mit Deiner Hand. Wartete sie ruhig ab, darf sie es mit dem Signal „Nimm“ aufnehmen.

Du kannst Xana auch beibringen, Futter auf dem Boden anzuzeigen. Xana soll dazu lernen, sich immer dann, wenn sie etwas  – ihrer Meinung nach – Fressbares gefunden hat, davor setzen und warten, bis Du zu ihr gekommen bist. Lege dazu Futter unter einem Küchensieb aus, welches Sie z. B. mit Heringen im Boden feststecken, sodass Xana es nicht selbst wegschieben kann. Nun gehe mit ihr in Richtung Sieb. Xana wird vermutlich erst einmal versuchen, an das Futter unter dem Sieb zu kommen. Du wartest nun, bis Xana ruhiges abwartendes Verhalten zeigt und sich vor das Sieb hinsetzt. Nun nimmst Du das Sieb hoch und belohnen Xana mit einem Stück des Futters unter dem Sieb. Im weiteren Training gehst Du nicht mehr mit Xana zusammen zum Sieb, sondern lässt sie vorlaufen. Du näherst Dich erst dann, wenn Xana das Futter sitzend anzeigt. Im weiteren Training entfernst Du dann das Sieb. Gehe hierbei aber erst einmal noch gemeinsam mit ihr zum Futter. Sicherheitshalber führst Du sie an der Leine, damit Du verhindern kannst, dass sie anstatt sich hinzusetzen, das Futter einfach aufnimmt.

Wenn Xana dann noch zuverlässig auf Deinen Rückruf zu Dir kommt, auf ein Stoppsignal anhält und wartet sowie auf das Signal „Nein“ Dinge liegenlässt und sich stattdessen mit einer Alternative beschäftigt, wirst Du weitestgehend verhindern können, dass sie etwas Unerwünschtes vom Boden aufnimmt. Allerdings muss man auch ganz klar sagen, dass es durch noch so viel Training niemals eine hundertprozentige Sicherheit gibt. Du solltest daher Gegenden meiden, in denen gerade Giftköder gefunden wurden. Aus diesem Grund ist es aber auch einfach unheimlich wichtig, dass wir Hundehalter so viel Rücksicht wie möglich auf unsere Mitmenschen ohne Hund nehmen. Je weniger diese sich durch unsere Hunde, deren Anwesenheit, Gebell oder Hinterlassenschaften gestört fühlen, desto größer wird die Akzeptanz unserer vierbeinigen Freunde werden.

(DOGS Tipp Erstellt von Andrea Buisman)

Tipps gegen Silvesterstress beim Hund

Für Deinen Vierbeiner bedeutet die Zeit rund um Silvester puren Stress? Dann kannst Du ihm mit folgenden Tipps seinen Leidensdruck ein wenig nehmen. 

An den Tagen vor Silvester...

• Wähle Spazierstrecken, die weitgehend knallfrei sind oder fahre weitab von solchen Orten, um dort entspannt mit dem Hund zu Gehen.

• Lass Deinen Hund während des Spaziergangs sicherheitshalber an der Leine bzw. Schleppleine. Sollte der eigenen Hunde panisch reagieren, wenn es bereits in den Tagen vor Silvester knallt, dann nutze ein Sicherheits- oder Panikgeschirr. Diese besonderen Geschirre haben einen zusätzlichen Gurt in der Taille des Hundes, so dass sich der Hund nicht aus dem Geschirr herauswinden kann.

• Zwinge Deinen Hund nicht zu Spaziergängen rund um die Silvesterzeit, sondern gehe nur so viel und so lange mit Ihrem Hund raus, wie er es möchte.

• Decke Dich mit leckeren Kauartikeln für den Hund ein, da Kauen entspannend wirkt.

• Bereite Deinem Hund eine Rückzugsmöglichkeit vor (Box o.ä.), die er an Silvester aufsuchen kann.

• In Absprache mit Deinem Tierarzt können sanfte Beruhigungsmittel auf pflanzlicher Basis oder auf Basis von Milcheiweiß einige Tage vorab gegeben werden. Idealerweise werden diese Mittel bereits 2-3 Tage vor Silvester verabreicht. Zylkene zum Beispiel, ein hydrolysiertes Milchprotein, kann Stress dämpfen, hierbei sollte die empfohlene Dosierung jedoch verdreifacht werden. Auch die Aminosäure Tryptophan, die in verschiedenen Nahrungsergänzungsmitteln enthalten (z.B. Adaptil), und Grundsubstanz des ausgleichenden Botenstoffes Serotonin ist, kann stressmildernd wirken.

• Du kannst die beruhigende Wirkung von Duftölen bereits einige Tage im Vorfeld nutzen. Besonders Lavendel, Kamille und Sandelholz wirken dem hundlichen Stress entgegen.

• Gewöhne Deinen Hund vorab an einen selbstgemachten Gehörschutz, den er dann vor der Knallerei tragen kann. Dazu etwas Watte in das Hundeohr stecken und dann einen Schal mehrfach um den Kopf wickeln und mit einem selbstklebenden Verband fixieren.

In der Silvesternacht / vor Mitternacht...

• Ein ausgedehnter Spaziergang vorab und maßvolle körperliche Beschäftigung am frühen Nachmittag des Silvestertags helfen dem Hund dabei, entspannter zu werden.

• Verdunkel den Raum, in dem sich Dein Hund um Mitternacht aufhält, bereits frühzeitig, in dem Du alle Rollläden herunterläßt oder Vorhänge zuziehst.

• Schließe alle offenen Fenster und Türen, um die Außengeräusche so gut es geht zu dämpfen.

• Schalte den Fernseher oder das Radio schon eine ganze Zeit vor Mitternacht ein. Achte darauf, ein Programm zu wählen, in dem nicht zu Mitternacht ein Feuerwerk übertragen wird. Hierzu eignet sich besonders ruhige Klassik. Alternativ kannst Du auch einen Film abspielen, in dem es garantiert kein Feuerwerk gibt.

• Lasse Deinen Hund auf gar keinen Fall zu Silvester allein, selbst wenn er offensichtlich keinen Stress mit Silvester hat.

• Fordere Deinen Hund kurz vor Mitternacht zu einer gemeinsamen Beschäftigung auf oder gib ihm den bereits vorher zu recht gelegten Kauartikel.

• Nimm Deinen Hund um Mitternacht nicht mit nach draußen, selbst wenn er offensichtlich kein Problem mit Silvester hat. Sonst könnte es eventuell doch mal passieren, dass ein Knaller oder eine Rakete zu dicht kommt und Dein Hund eine negative Erfahrung macht. Besonders bei apportierfreudigen Hunden besteht die Gefahr, dass diese vielleicht versuchen, einen geworfenen Knaller zurück zu bringen.

• Sucht Dein Hund Deine Nähe, dann lasse dies zu. Dieser „Social Support“ durch körperliche Nähe wirkt durch das Hormon Oxytocin blutdrucksenkend und vermindert den Stresshormonspiegel Deines Vierbeiners. Probiere aus, wie Dein Vierbeiner auf Streicheleinheiten oder eine sanfte Massage in solchen Situationen reagiert, denn auch diese führen zur Ausschüttung des Bindungshormons Oxytocin.

• Wählt Dein Hund außer der bereits zuvor aufgebauten Rückzugsmöglichkeit einen anderen Ort (Keller, Bad oder Kleiderschrank), dann achte bitte darauf, dass dieser für den Hund zugänglich ist.

• Der Tierarzt Dr. Ralph Rückert hat gute Erfahrungen mit der entspannenden Wirkung von Eierlikör bei ängstlichen Hunden gemacht. In seinem Blog geht er genauer auf die sedative Wirkung des Alkohols ein und wie dieser dosiert werden sollte (hier geht`s zum entsprechenden Artikel: Link).

• Sollte dein Hund kein Problem mit dem Autofahren haben, dann packe Deinen Vierbeiner frühzeitig ins Auto und begib Dich auf die Autobahn. Durch das Fahrgeräusch werden die Knallgeräusche nicht so intensiv wahrgenommen und in der Nähe von Autobahnen werden selten Böller und Raketen gezündet.

• Falls Dein Hund zu massiven Stress mit der Knallerei hat oder panisch ist, dann macht es Sinn, Silvester an einem ruhigen Ort zu verbringen, an dem definitiv nicht geknallt wird. Auf einigen Nordseeinseln (Amrum oder Sylt) sowie einigen Städten (z.B. St. Peter Ording) besteht ein Abbrennverbot von Feuerwerkskörpern. Informiere Dich rechtzeitig im Internet, wo sich diese Orte befinden. Alternativ kannst Du mit Deinem Hund auch Silvester auf einem Rastplatz außerhalb der Stadt verbringen.

Nach Silvester ist vor Silvester - Vorsorgen fürs nächste Jahr...

Ein Gutes hat Silvester: Ist es vorbei, hast Du und Dein Hund ein ganzes Jahr Zeit, um sich auf den nächsten Jahreswechsel vorzubereiten. Vor dem ersten Training solltest Du Deinen  Vierbeiner auch noch einmal gründlich von einem Tierarzt untersuchen lassen, um organische oder hormonelle Ursachen für seine Angst auszuschließen. Auch kann eine Futterumstellung sehr ratsam sein, da Mais, Weizen und Soja bei einigen Hunden zu Störungen im zentralen Nervensystem führen können. Besonders Mais senkt beim Hund den Spiegel des Wohlfühlhormons Serotonin im Gehirn.

Ein systematisches Training kann dazu führen, die Ängste Deines Hundes abzubauen. Da bei der Angst vor Silvester mehrere Sinne „angesprochen“ werden, gestaltet sich ein Training zur Verhaltensänderung nicht immer ganz so leicht. Spezielle Geräusch-CDs können dem Hund anfangs helfen, Schritt für Schritt gegenüber der nächsten Knallerei gelassener zu werden. Empathie, Sensibilität und viel Erfahrung sind hier von Nöten. Bei der Therapie schwerwiegender Ängste sollte ein erfahrener Hundetrainer den Weg begleiten. Schnell kann es ansonsten passieren, dass durch Unwissenheit Ängste verstärkt werden.

Hund jault im Auto

Dein Hund jault und bellt bei kurzen Autofahrten, ist aber während Langstrecken ruhig?

Probleme mit dem Hund beim Autofahren entstehen häufig dadurch, dass Abläufe immer gleich sind, denn Hunde sind sehr gut darin, uns zu lesen und unsere Gewohnheiten zu erkennen. Dazu gehört auch das unterschiedliche Fahrverhalten eines Autos auf der Autobahn bzw. auf der Landstraße. Auf der Autobahn bewegt sich das Auto in gleichmäßigem Tempo vorwärts, auf der Landstraße dagegen kommt es immer wieder zu einer deutlichen Reduzierung der Geschwindigkeit oder sogar zu einem Stopp und dementsprechend danach dann wieder zu einer Beschleunigung bzw. einem erneuten Anfahren.

Hunde lernen schnell, dass die Fahrt länger dauert, wenn der Mensch den Weg über die Autobahn wählt. Dein Hund weiß also, dass es nun nicht so bald zu einer Pause und damit zu einem für ihn möglicherweise spannendem Aufenthalt kommt. Hat ein Hund zu Beginn hier vielleicht auch noch gebellt oder gejammert, hat er schnell gelernt, dass dies zu nichts führt, denn der Mensch hält nicht an, sondern fährt einfach in seinem gewählten Tempo weiter. Zwar reagieren viele Menschen zu Beginn noch auf das Gebell oder Gejammer des Hundes, doch da sich meist am Verhalten des Hundes langfristig nichts ändert, geben die meisten Menschen dann doch auf und ignorieren das Verhalten des Hundes. Und das ist genau richtig, denn wenn keine Reaktion auf ein Verhalten erfolgt, wenn nichts passiert und das Verhalten nicht zum Erfolg führt, wird ein Hund dieses Verhalten nach einiger Zeit einstellen.

Bei Kurzstrecken sieht das jedoch ganz anders aus, denn nicht selten enden diese ja mit einer für den Hund begehrten Handlung, wie einem tollen Spaziergang, einem spannenden Training oder dem Besuch eines zwei- oder vierbeinigen Freundes. Bellt der Hund also vor Aufregung in Erwartung des bevorstehenden Spaziergangs, wird dieses Verhalten verstärkt, wenn der Mensch dann tatsächlich anhält und mit dem Hund zum Spaziergang aufbricht. Damit Dein Hund zukünftig also auch auf Kurzstrecken ruhig ist und sich entspannt hinlegt, mußt Du diesen Ablauf verändern. Dazu fährst Du zum einen sehr häufig kurze Strecken mit Deinem Hund, ohne dass er am Ende in seiner Erwartung bestätigt wird. Du kannst ihn also z. B. einfach mitnehmen, wenn Du in die Apotheke oder zum Bäcker fährst. Dort angekommen, steigst Du allein aus, erledigst kurz Deine Besorgungen, steigst dann kommentarlos wieder ins Auto ein und fährst nach Hause zurück. Du kannst auch einfach nur kurze Strecken fahren, ohne ein bestimmtes Ziel anzusteuern bzw. anzuhalten. Viele Hunde erkennen sogar die Umgebung aus dem Auto heraus. Sie beginnen zu bellen, sobald der Waldparkplatz in Sicht kommt oder das Auto in die Straße der befreundeten Familie einbiegt. Sollte Dein Hund also auf solche Sichtreize reagieren, fahre mit ihm dorthin, halte dann aber nicht dort an, sondern fahre einfach weiter. Später kannst Du dort auch anhalten, bleib aber einfach im Auto sitzen und lies ein Buch, bevor Du nach einiger Zeit wieder weiterfährst.

Während dieses Trainings musst Du das Bellen und Jammern von Deinem Hund vollkommen ignorieren. Du darfst also weder versuchen, ihn zu beruhigen („Wir sind doch gleich da!“), noch mit ihm schimpfen („Jetzt hör doch endlich auf!“), denn jede Form der Zuwendung ist für ihn erst einmal eine Verstärkung. Denn schließlich hast Du ja offensichtlich zumindest verstanden, dass Dein Hund etwas von Dir möchte. Menschen sind halt manchmal schwer von Begriff und brauchen länger, bis sie etwas wirklich verstehen, sodass er nach einer solchen Reaktion von Dir auf sein Bellen nur noch intensiver bellen wird.

Natürlich sollte Dein Hund in dieser Zeit auch weiter seinen Auslauf bekommen bzw. sich mit anderen Hunden treffen dürfen. Organisiere Dich so, dass Du dazu anfangs nicht mit dem Auto losfahren musst. Später kannst Du dann andere Orte auswählen, die Dein Hund noch nicht kennt, bzw. erst einmal eine längere Zeit herumfahren, bis er ruhig liegt und wartet, und dann erst zu einem Spaziergang anhalten. Aber auch zukünftig musst Du ihn immer wieder einmal mitnehmen, ohne dass am Ende der Fahrt eine tolle Aktion auf ihn wartet.

Wenn der Hund nicht aus dem Napf trinken will...

Berta trinkt praktisch nur aus der Gießkanne. Der Wassernapf kann randvoll daneben stehen. Aber sie trinkt, als sei sie völlig verdurstet, aus der Kanne. Wenn da nichts drin ist, trinkt sie aber deshalb nicht - oder nur selten - aus dem Napf. Wie erreiche ich, dass sie aus dem Napf trinkt?

Wenn ein Hund nicht mehr aus seinem Napf trinken will, kann dies unterschiedliche Gründe haben. Sehr häufig ist eine schlechte Erfahrung Ursache hierfür. Ein Napf aus Metall klappert, wenn der Hund ihn über harten Boden schiebt. Fällt der Metallnapf herunter, entsteht ein schepperndes Geräusch, was zu einem großen Schreck beim Hund führen kann. Manche Hunde erschrecken sich auch vor der Spiegelung, die bei einem Metallnapf entstehen kann. Überlege daher einmal, ob es nicht zu einem Vorfall gekommen ist, bei dem Berta sich beim Trinken erschrocken hat. Denn auch wenn der Vorfall an sich nicht gravierend war, sodass er dem Menschen kaum aufgefallen ist, kann der Schreck für den Hund sehr groß gewesen sein. Probiere dann einfach einmal aus, ob Berta aus einem Napf aus anderem Material, wie z. B. aus einem Porzellan-Napf, trinkt.

Manche Hunde bevorzugen abgestandenes Wasser gegenüber frischem Wasser, sie trinken mit Vorliebe aus Pfützen am Boden. Dies sollte man jedoch nach Möglichkeit nicht zulassen, da dies vor allem im Sommer gefährlich für den Hund sein kann. Denn in warmen stehenden Gewässern, und damit auch in Pfützen, kann der Hund sich mit Bakterien anstecken und so z. B. an Leptospirose erkranken. Auch wenn man den Wassernapf des Hundes natürlich regelmäßig reinigen sollte, kann daher auch ein Zuviel an Reinigung Ursache dafür sein, dass Berta nicht aus ihrem Napf trinken will. Probiere einmal aus, ob sich Bertas Verhalten ändert, wenn Du ihren Napf nicht mit Spülmittel, sondern einfach nur mit heißem Wasser reinigst.

Manche Hunde sind auch einfach eigen, was den Geschmack des Wassers betrifft. Wenn Berta es bevorzugt, aus einer Plastik-Gießkanne zu trinken, hilft es vielleicht, einen Napf aus Plastik zu benutzen. Letztlich spielt es im Grunde genommen auch keine Rolle, woraus Berta trinkt, solange sie genug Wasser zu sich nimmt. Du musst also darauf achten, dass Berta möglichst regelmäßig Zugang zum Wasser hat. Wenn Du nun aber nicht die Gießkanne ins Wohnzimmer stellen möchtest, kannst Du auch versuchen, ihr das Trinken aus dem Napf etwas schmackhafter zu machen. Dazu kannst Du das Wasser im Napf mit ein wenig Leberwurst oder Joghurt vermischen. In dem Fall musst Du natürlich darauf achten, den Napf regelmäßig mit heißem Wasser zu säubern. Alternativ kannst Du ihr auch eine größere Menge Wasser über ihr Futter geben, sodass Berta bei der Fütterung schon ausreichend Wasser zu sich nimmt.

Gerade in der kalten Jahreszeit und bei geringer Anstrengung brauchen Hunde auch gar nicht so viel Wasser. Bei einer Fütterung mit Trockenfutter und normaler Raum- und Umgebungstemperatur brauchen sie etwa 40 bis 50 ml Wasser pro Kilogramm Körpergewicht am Tag. Wenn Berta also beispielsweise 10 Kilogramm wiegt, braucht sie lediglich ca. 400 ml Wasser am Tag. Bekommt sie Fleisch oder Gemüse (bzw. Nassfutter), reduziert sich die minimal benötigte Wassermenge noch einmal um ein Vielfaches, dann benötigt sie lediglich 50 ml! Die von Berta benötigte Menge musst Du nun natürlich noch in Bezug auf das Gewicht umrechnen, sowie die Umgebungstemperatur und die Auslastung berücksichtigen. Wie jedoch deutlich wird, erscheinen uns Menschen diese gerade genannten Mengen auf den ersten Blick als sehr wenig. Bitte überprüfe daher zunächst einmal den tatsächlichen Bedarf von Berta sowie die Menge, die sie täglich trinkt. 

(DOGS Tipp Erstellt von Andrea Buisman)

Unerwünschtes Jagdverhalten beim Hund

Viele Hundehalter kennen die folgende Situation. Sie gehen gemeinsam mit Ihrem Hund spazieren und stehen plötzlich alleine im Wald, weil Fiffi hinter einem Reh her hetzt? Jedes Rufen und Pfeifen ist dann zwecklos und der eigene Hund nicht mehr beeinflussbar. Was also tun, wenn der eigene Hund seiner Jagdleidenschaft ungehemmt nachgeht?

Für viele Hundehalter ist ein entspannter Spaziergang mit ihrem Vierbeiner unvorstellbar, da dieser jede Chance nutzt, seiner Jagdpassion nachzugehen. Da werden Kaninchen aufgestöbert oder Rehe gehetzt, es wird mit Leidenschaft in Mäuselöchern gebuddelt, oder der Hund verfolgt mit tiefer Nase Fährten. Dabei ist es egal, ob der Hund einer Jagdhunderasse angehört oder nicht, jagen können unsere vierbeinigen Freunde alle, denn das gehört zu ihren ursprünglichsten Verhaltensweisen. Lediglich in der Strategie und im Erfolg unterscheiden sie sich. Was kann man nun tun, um trotz dieser Leidenschaft noch entspannt mit seinem Hund spazieren zu gehen?

Das Jagen lediglich zu verhindern, indem der Hund an der Leine bleibt führt oft dazu, dass der Hund andere Formen des Jagdverhaltens entwickelt. Er lenkt sein Jagdinteresse auf eine andere Beute wie z.B. Jogger oder Radfahrer. Auch ihm das Jagen nur zu verbieten kann ungewollte Konsequenzen haben. Viele Hunde entwickeln dann autoaggressives Verhalten, sie lecken und beißen an sich herum, bis die Pfoten blutig und wund sind. Letztendlich muss es darum gehen, ein Alternativverhalten zu finden, bei dem der Hund den ihm angeborenen Jagdtrieb gemeinsam mit seinen Menschen ausleben kann. Bieten sie ihm eine Ersatzbeute an. Das kann ein Spielzeug oder ein Futterbeutel sein, die er zusammen mit ihnen jagen darf. Oftmals verlieren dann schon echte Beutetiere ihren Reiz. Ist er eher ein Sichthetzer, so findet er das Spiel mit der Reizangel bestimmt toll. Hier wird ein Gegenstand an einen Stock mit Schnur gebunden. Der Mensch bewegt den Gegenstand mithilfe der Reizangel hin und her, und der Hund kann nach Herzenslust hinterherhetzen! Achten Sie aber bei dieser Beschäftigungsform unbedingt darauf, dass der Vierbeiner gesundheitlich fit ist und der Untergrund nicht zu hart ist. Auch sollte der Hund vorab eine sehr gutes Bleib-Signal kennen, denn die Beute darf erst gejagt werden, wenn der Hund geblieben ist. Vielleicht gehört Ihr Hund aber auch zu den Apportierhunden? Voran über 50 m, auf Pfiff abstoppen und dann noch einmal 20 m nach rechts sind für einen Apportierhund eine leichte Übung. Ihr Hund findet Dummys oder Bälle langweilig? Vielleicht können Sie ihn auch für den Kong begeistern, der nach dem Aufprall noch lustig hin- und herhüpft. Damit die Beute auch langfristig spannend bleibt, darf sie nicht ständig für den Hund präsent sein. Lassen sie die Ersatzbeute nicht herumliegen, sondern verwahren sie diese an einen für den Hund unzugänglichen Ort auf. Beobachten sie ihren Hund während des Spaziergangs und bieten beim ersten Ortungsverhalten die Ersatzbeute an, bevor ihr Hund eine echte Spur entdeckt hat. Insofern haben sie gute Chancen, ihren Hund vom Jagen abzuhalten. Ist er eher ein Nasenhund, der gerne Spuren verfolgt, so wird er seine Leidenschaft vielleicht in der Fährte oder in einem Suchspiel finden. Das Training starten Sie auf jeden Fall immer an einem Platz, an dem für Ihren Hund möglichst wenig Ablenkung vorhanden ist. Meiden Sie in dieser Zeit Gegenden mit viel Wild!

Jedoch hat das Training mit der Ersatzbeute seine Grenzen. Abhängig vom Interesse ihres Hundes am Jagen und seiner Erfahrung damit, kann es schwierig werden, ihren Vierbeiner für einen Ersatz zu begeistern. In solch einem Fall muß über ein existentielles Training an der Schleppleine nachgedacht werden, d.h. der Hund wird ausschließlich über die Arbeit mit der Ersatzbeute ernährt. Macht der Hund nicht mit, wird das Training abgebrochen und in reizärmerer Umgebung oder am nächsten Tag erst fortgesetzt. Der Hund bekommt also auch am nächsten Tag auf dem Spaziergang erst wieder die Möglichkeit zu fressen ! Hierdurch soll der Hund lernen, daß das Jagen echter Beute ihn nicht satt macht und er sich lieber mit dem Futter, das der Mensch ihm anbietet beschäftigen sollte. Ein gesunder, erwachsener Hund kann übrigens bis zu 20 Tage ohne Futter auskommen.

Leider gibt es aber auch immer wieder Hunde, bei denen der Jagdtrieb so stark ausgeprägt ist bzw. über mehrere Jagderfolge so gefestigt wurde, daß sie trotz längerer Hungerperioden (von ca. fünf Tagen) sich auf die Jagd nach der Ersatzbeute nicht einlassen können. Der Lustgewinn beim Hetzen ist für sie so groß, daß er über allem steht. Bei solchen Hunden gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: ein dauerhaftes Schleppleinentraining oder eine Korrektur über ein Sprüh-Impulsgerät. Bevor jedoch über den Einsatz eines Sprüh-Impulsgerätes nachgedacht wird, müssen vorher alle anderen Trainingsalternativen durchlaufen worden sein, d.h. dem Hund muß eine Möglichkeit zum alternativen Verhalten geboten werden, sonst ist die Korrektur eine willkürliche Strafmaßnahme des Menschen und dies ist nach unserer Trainingsphilosophie abzulehnen. Der Einsatz eines Strom-Impulsgerätes scheidet als alternative Korrekturmöglichkeit immer aus! Für den Einsatz von Gewalt gibt es keine Begründung. Einem Hund Schmerzen zuzufügen, nur damit er entsprechend der menschlichen Vorstellung funktioniert, ist grundsätzlich abzulehnen.

Das wichtigste beim Training mit dem Hund ist es also, auf seine individuellen natürlichen Bedürfnisse und Veranlagungen einzugehen. Ein artgerechtes Training wird daher auch immer eine Form von Jagdverhalten beinhalten. Ob das nun die Fährtenarbeit, ein Apportiertraining, ein Hetzspiel oder ein Treibballspiel ist, muß anhand der jeweiligen Motivation des Hundes entschieden werden.

Unerwünschtes Jagdverhalten kann man nicht unterdrücken, man muß es vielmehr gezielt in andere Bahnen lenken. Falls Du dabei Unterstützung brauchst, wende Dich gerne an uns und schreib uns eine Nachricht. Hier geht`s direkt zum Kontaktformular

Richtig korrigieren im Hundetraining? "Wenn er etwas davon hat, macht ein Hund alles!"

Einen Hund zu maßregeln, war gestern, denn daraufhin zeigt er höchstens Meideverhalten. Fehler im Training sind am einfachsten zu korrigieren, wenn der Hund sich davon einen Vorteil verspricht. Und wenn er uns versteht.

Korrekturen und Tabus gehören für unsere Hunde zur innerartlichen Kommunikation. Bereits Welpen werden durch die Mutterhündin in die Schranken gewiesen, wenn sie unerwünschte Verhaltensweisen zeigen, und lernen dadurch, was erlaubt ist und was nicht. Umso wichtiger ist es, dass wir sofort mit dem Einzug des Vierbeiners klare Regeln aufstellen und diese beibehalten. Nur so geben wir dem Hund die Möglichkeit, die Grenzen seines Verhaltens zu erlernen, Vertrauen in unser Handeln aufzubauen und sich gut entfalten zu können. 

Neben den alltäglichen Benimmregeln versuchen Hundehalter durch viel Training ihrem Vierbeiner erwünschte Verhaltensweisen beizubringen. Leider werden wir in unserer Hundeschule auch heute noch sehr häufig mit veralteten Trainingsmethoden konfrontiert, die versuchen, dem Hund ausschließlich durch Strafreize und Maßregelungen Signale beizubringen und diese zu festigen. Doch ist dies wirklich notwendig und führt es schneller zum Erfolg? 

Damit ein Hund ein Signal zuverlässig im Alltag ausführt, ist es wichtig, dass er dies im Vorfeld in Ruhe erlernen und das Signal durch viele Wiederholungen in unterschiedlichen Situationen festigen konnte. Lernen definiert sich hierbei als eine stabile Veränderung eines Verhaltens aufgrund von Erfahrungswerten. In der Natur beispielsweise werden vorrangig Dinge erlernt, die für den Vierbeiner aus rein biologischer Sicht Sinn ergeben. Dies schließt unter anderem das Jagdverhalten als Nahrungserwerb oder auch die Vermeidung von Gefahren mit ein. 

Die von uns Menschen erwünschten Verhaltensweisen entsprechen jedoch zumeist nicht der eigentlichen Natur unserer Vierbeiner. Kein Hund muss innerhalb eines Rudels bei einem Artgenossen „bei Fuß“ laufen oder sich auf dessen Wunsch unverzüglich setzen. Wir bringen unseren Hunden also Verhaltensweisen bei, die rein biologisch für sie keinen Sinn ergeben. Im Gegenteil – sie hindern sie zum größten Teil an den genetisch fixierten Verhaltensabläufen. Beispielsweise ist der Abruf aus der Hasenhatz oder das Unterbinden von Sexualverhalten aus Sicht eines Hundes in keiner Weise sinnvoll. Dennoch sind es unabdingbare Grundregeln, die ein Hund lernen muss, um sich in unseren menschlichen Alltag bestmöglich zu integrieren. 

Ein Hund ist von Natur aus ein Opportunist. Das bedeutet mit anderen Worten, dass er für sich selbst erfolgsorientiert arbeitet und sich immer so verhalten wird, wie es ihm selbst am meisten Vorteile verschafft. Dementsprechend muss sich der Aufbau neuer, erwünschter Verhaltensweisen und Signale für ihn selbstverständlich ebenso lohnen. 

Veraltete Trainingsmethoden, die ausschließlich auf dem Einsatz von Strafreizen basieren, wie beispielsweise der Leinenruck für das perfekte Fußlaufen oder das Straffziehen der Leine Richtung Boden zum Erreichen einer Platzposition, entsprechen daher nicht dem zielorientierten Lernverhalten unserer Hunde. Sie führen lediglich dazu, dass ein Hund aus Unsicherheit und Angst bestimmte Verhaltensweisen zu vermeiden versucht. Da jedoch zumeist der eigentliche Aufbau des erwünschten Verhaltens fehlt, sondern lediglich eine Korrektur unerwünschter Verhaltensweisen stattfindet, weiß der Hund letztendlich nicht sicher, was von ihm verlangt wird. Er lotet lediglich aus, was zu Strafen führt. 

Um ein vertrauensvolles Team zu werden und dem Hund zuverlässige Verhaltensweisen anzutrainieren, sollte sich die Zusammenarbeit mit dem Menschen und der Aufbau neuer Signale für den Hund lohnen. Welche Belohnung für den Hund die richtige ist, muss immer individuell entschieden werden. Ob Futter, Streicheleinheiten oder ein ausgiebiges Spiel mit dem Menschen – wichtig ist nur, dass die ausgewählte Variante für den Vierbeiner tatsächlich eine Belohnung darstellt. Die meisten Hunde empfinden es beispielsweise in stressigen Momenten als eher unangenehm, angefasst zu werden, und sie weichen der menschlichen Hand aus. Dementsprechend gilt es, die Belohnungsform zu finden, die situativ und individuell je nach Hund angepasst ist. 

Häufig wird dem Hund bei Nichtausführen eines Signals „Ungehorsam“ unterstellt und der Mensch versucht über körperliches Eingreifen seinen Willen einzufordern. Ein ganz typisches Beispiel hierfür ist, dass ein „Sitz“ vom Hund scheinbar ignoriert wird und der Halter versucht, den Hund mit Druck auf die Kruppe in die gewünschte Position zu bringen. Der Hund lernt jedoch bei dieser Form des Trainings ausschließlich, sich bei Druck auf das Hinterteil zu setzen und nicht auf das Signal an sich zu reagieren. 

Führt ein Hund die gewünschten Signale nicht aus, so gilt es zu allererst, auf Fehlersuche zu gehen. Oftmals sind Missverständnisse und Kommunikationsfehler die Ursache hierfür. Hunde orientieren sich hauptsächlich an der menschlichen Körpersprache. Verbale Signale spielen eine untergeordnete Rolle. Somit muss sich der Hundehalter selbst reflektieren und darin schulen, für seinen Hund klar lesbar zu werden. Hierzu ein ganz banales und doch alltägliches Beispiel: In der Regel bringen Hundehalter ihrem Vierbeiner bei, sich beim nach oben gestreckten Zeigefinger als Sichtzeichen zu setzen. Die flache Hand in Richtung Boden bedeutet zumeist das Signal „Platz“. Doch was nun, wenn verbal zwar ein „Sitz“ erklingt, körpersprachlich jedoch unabsichtlich über die Hand das „Platz“-Signal gegeben wird? Der Hund wird sich mit sehr großer Wahrscheinlichkeit an der Körpersprache orientieren und sich ablegen. 

Grundsätzlich gilt, dass der Aufbau neuer Signale in möglichst reizarmer Umgebung erfolgen sollte. Dies ist beispielsweise zu Hause gegeben. Der Hund kann in aller Ruhe ohne Ablenkungen durch viele Wiederholungen das gewünschte Verhalten erlernen. Zudem werden idealerweise gleich Hör- und Sichtzeichen mit dem neu aufgebauten Verhalten verknüpft. Klappt die Ausführung in dieser Umgebung sehr gut, werden die Außenreize langsam gesteigert. Das bedeutet, dass das Training von nun an draußen weitergehen kann. Allerdings sollte auch hier auf die langsame Steigerung der Reizlage geachtet werden. Häufig wird im Welpenkurs davon berichtet, wie gut das Training zu Hause klappt – auf dem Trainingsplatz zeigt der Hund jedoch nichts davon. Das hat natürlich unter anderem den Grund, dass gerade im Gruppentraining noch andere Hunde anwesend sind. Diese Reizlage ist für die meisten Vierbeiner mit Abstand die schwierigste. 

Um ein Signal zuverlässig ausführen zu können, braucht es viele erfolgreiche Wiederholungen gerade in der Aufbauphase. Um ein Signal zu generalisieren, ist es notwendig, dass dieses mit viel Fleiß und Feingefühl in sämtlichen Situationen des Alltags immer wieder sorgfältig trainiert wird. 

Eine weitere Ursache ist die fehlende Motivation des Hundes, mit seinem Halter zusammenzuarbeiten. Ist der Hund draußen generell schon schlecht ansprechbar und interessiert sich mehr für die Umwelt, muss zuallererst an der Beziehung zwischen Hund und Halter gearbeitet werden. Die Frage, die man sich nun stellen muss, ist, wieso der Hund sämtliche Reize als viel spannender empfindet und warum die Aufmerksamkeit seinem Halter gegenüber dadurch beeinträchtigt wird.

Vor allem beim Aufbau und dem Festigen neuer Signale kann es unter Umständen zu einer Fehlverknüpfung kommen. Dies kann unter anderem durch schlechtes Timing bei der Belohnung des Hundes entstehen oder auch durch einen ungenauen Übungsaufbau. So sollte beispielsweise bei dem Signal „Sitz-Bleib“ auch auf das Aufrechtsitzen bestanden und das Hinlegen des Hundes korrigiert werden, indem man wieder zu ihm geht und ihn erneut in die Sitzposition lockt. Erhält der Hund am Ende der Übung trotz der Ablage seine Belohnung, wird er dieses Verhalten immer wieder zeigen. 

Wurde in langsam steigenden Reizlagen mit vielen Wiederholungen trainiert und führt der Vierbeiner das Verhalten zuverlässig aus, kann man davon ausgehen, dass er die Übung verstanden hat. Dennoch kann es durch verschiedene Außenreize passieren, dass sich Hunde unwohl fühlen und Probleme mit der Umsetzung haben. 

Ist das der Fall, sind meist typische Übersprunghandlungen, wie schlecken, sich kratzen, gähnen oder auch den Blick abwenden, zu beobachten. Gerade bei diesen Ursachen wird der Einsatz von Strafreizen nicht zum gewünschten Erfolg führen. Ist der Halter in seiner Körpersprache unklar, hat er ein neues Signal nicht umfangreich generalisiert oder hat er unabsichtlich Fehlverknüpfungen geschaffen, so hatte der Hund gar nicht die Möglichkeit, das Signal auszuführen, und eine Maßregelung ist absolut ungerechtfertigt. Sind die Außenreize noch viel zu hoch für den Hund, gerät er dadurch unter starken Stress und ist nicht in der Lage, Signale zuverlässig auszuführen. Daran kann auch durch Druck des Halters nichts geändert werden. Im Gegenteil – es wäre unter Umständen sehr schädlich für die Beziehung, wenn ein bereits überforderter Hund in diesen Momenten zusätzlich Maßregelungen von seinem Halter erfährt.

Probleme im Hundetraining und die möglichen Ursachen

Der Halter sagt „Platz“, der Hund bleibt stehen 

In erster Linie muss der Hundehalter bei dieser Situation seine eigene Körpersprache überdenken – welches Sichtzeichen wurde gegeben, welches verbale Signal dazu. Wurde das Signal zum Abliegen bereits so umfangreich trainiert, dass der Hund dies in der gewünschten Situation und Reizlage abrufen kann? Ein ganz banaler Grund für das Nicht-Hinlegen kann zudem sein, dass sich beispielsweise sehr dünnfellige Hunde sehr ungern auf kalte oder nasse Böden legen.

 

Signal „Such“ – und der Hund schaut fragend 

Dann liegt der Verdacht nahe, dass der Hund das Signal noch nicht umfangreich verinnerlicht oder verstanden hat. Auch die Suche nach Gegenständen muss schrittweise aufgebaut werden. Man lässt den Hund bei den ersten Durchgängen ruhig beim Verstecken der Beute zugucken. Zudem ist zum Beispiel die Suche nach Futterbrocken klar durch ein separates Signal von der Suche nach Gegenständen zu unterscheiden. Um dem Hund die Arbeit zu erleichtern, fügt man einfach ein zusätzliches Wort ein, welches dem Hund verdeutlicht, wonach er auf die Suche gehen soll – „Such Dummy“ oder „Such Leckerli“ bieten sich hier beispielsweise an. Des Weiteren orientieren sich Hunde auch bei dieser Beschäftigungsform stark an der menschlichen Körpersprache. In diesem Rahmen geht es ganz besonders um die Blickrichtung. Bei der eigenständigen Suche soll sich der Hund vom Halter weg bewegen. Schaut der Halter dem Hund bei dem Signal „Suuuuch“ tief in die Augen, wird dieser mit hoher Wahrscheinlichkeit, wenn er in der Ausführung noch sehr unsicher ist, einfach sitzen bleiben. Hier der Tipp –unbedingt immer in die Richtung schauen, in die der Hund auf die Suche gehen soll.

 

Signal „Tunnel“ beim Agility – und der Hund arbeitet die Hürde 

Die Ursache kann hier beispielsweise am ungenauen Aufbau der einzelnen Elemente liegen. Weiß der Hund tatsächlich, was das Signal „Tunnel“ bedeutet? Zudem orientieren sich Hunde auch bei dieser schnellen Sportart sehr an der Körpersprache des Menschen, denn diese gibt dem Hund den Verlauf des Parcours vor. Wird das nächste Element zu langsam oder undeutlich angezeigt, kann es schnell zu Fehlern kommen.

 

Signal „Fuß“ – und der Hund zieht dennoch an der Leine 

Die Ursache einer mangelnden Leinenführigkeit liegt häufig schon im Aufbau dieses Signals. Hier kommt es auf ein kleinschrittiges Training in sämtlichen Reizlagen über eine langsam ansteigende Dauer an, um das gewünschte Verhalten zu formen und zu festigen. Dies ist natürlich im alltäglichen Leben gar nicht so einfach umsetzen, wodurch Hunde sehr schnell in große Stressmomente geraten können, die jedoch dem Training nicht mehr angepasst sind. Das Beenden der Fuß-Übung über ein Freigabesignal, bei dem der Hund sich wieder aus dieser Position heraus bewegen darf, oder auch die Unterscheidung von Halsband und Geschirr können hier hilfreich sein. Zudem besteht bei dieser Übung die große Gefahr einer Fehlverknüpfung. Anstatt das Signal weiterhin zu festigen, wenn der Hund gewünschtes Verhalten zeigt, wird „Fuß“ häufig als Ermahnung genutzt in Momenten, in denen der Hund ziehend in der Leine hängt. Kaum ein Halter belegt bei dieser Übung gewünschtes Verhalten, nämlich wenn der Hund entspannt an lockerer Leine neben ihm läuft, mit dem Signal und belohnt es. Nach einiger Zeit, in der das Wort „Fuß“ ausschließlich in unerwünschten Momenten genutzt wird, hat der Hund gelernt, dass dieses Signal sich offensichtlich auf die gespannte Leine bezieht. Eine weitere Gefahr der Fehlkonditionierung besteht darin, dass der Hund bei dieser Übung häufig die meiste Aufmerksamkeit des Menschen erhält, wenn er unerwünschte Verhaltensweisen zeigt. Läuft er locker an der Seite seines Halters, erhält er dagegen in der Regel wenig Ansprache. Damit ist das Spannen der Leine natürlich zusätzlich eine lohnenswerte Sache. Bei veralteten Trainingsmethoden erfolgt meist eine Einwirkung über die Leine, indem der Hund mit einen Ruck gemaßregelt oder zurück in die gewünschte Position gezogen wird. Hierdurch erfährt der Hund, welches Verhalten nicht erwünscht ist. Welches jedoch das eigentlich gewünschte Verhalten ist, wird meist nicht zureichend bestätigt. Abgesehen von der völlig überzogenen körperlichen Maßregelung besteht zudem das Problem darin, dass diese Form des Trainings selten konsequent in den Alltag gebracht wird. So wird es Momente geben, in denen der Hund durch Zug zum Ort der Begierde kommt. Wird nun in einer Situation das Ziehen an der Leine gemaßregelt und in der nächsten nicht, führt dies zu starken Unsicherheiten beim Hund gegenüber seinem Halter.

(Ein Artikel unserer DOGS Partnerin Franzi Herre (Martin Rütter DOGS Erfurt/Weimar) für die Zeitschrift "Mein Hund und Ich")

Das kleine Einmaleins des Hundetrainings

Ob Welpe oder Senior, unsere Vierbeiner haben bis ins hohe Alter die Fähigkeit, neue Dinge zu lernen. Worauf Du beim Trainingsaufbau der wichtigsten Grundsignale achten solltest– und wie sich häufige Fehler vermeiden lassen, erfährst Du hier.

Die Signale „Sitz“, „Platz“, „Bleib“ nutzen wir alle mehrmals täglich und sie gehören sozusagen zum kleinen Einmaleins des Hundetrainings. Die Verhaltensweisen, die wir darunter verstehen, sind bei unseren Hunden aber keineswegs „vorprogrammiert“, sondern müssen in kleinen Schritten trainiert werden. Wir nutzen dabei das Prinzip der positiven Verstärkung: Wenn der Hund das gewünschte Verhalten zeigt, erfährt er eine angenehme Folge, beispielsweise in Form eines Futterstücks, um dieses Verhalten zu bestätigen und damit zu erreichen, dass der Hund es häufiger zeigt. Diese angenehme Folge beziehungsweise Belohnung sollte ganz individuell auf den Hund abgestimmt sein. Manche Hunde finden ein Leckerchen am besten, andere freuen sich über ein verbales Lob oder eine Streicheleinheit, wieder andere apportieren gern ein Spielzeug oder einen Futterbeutel nach einer gelungenen Übung. Je nach Schwierigkeitsgrad der Übung und Motivation des Hundes kann und sollte man die Form der Belohnung auch durchaus variieren. So wird das Training für den Hund nicht monoton und erhöht die Spannung. Der Einfachheit halber spreche ich bei dem Aufbau der folgenden Übungen aber stets von der Futterbelohnung.

Bevor es losgeht

Sichtzeichen 

• Zu Beginn des Trainings ist es bei vielen Signalen leichter, den Hund mit einem Futterstück in die gewünschte Position zu führen und dabei ein Sichtzeichen aufzubauen (wie zum Beispiel den erhobenen Zeigefinger beim Signal „Sitz!“). 

• Sichtzeichen machen zusätzlich zum Hörzeichen Sinn, da unsere Hunde vor allem körpersprachlich kommunizieren. 

• Außerdem kann man Sichtzeichen auch gut auf Entfernung geben, ohne direkt laut werden zu müssen. Denn eigentlich können wir ganz leise, oft sogar non-verbal mit unseren Hunden kommunizieren. 

• Bei älteren Hunden, die nicht mehr so gut hören, oder auch tauben Hunden sind Sichtzeichen natürlich noch wichtiger.

Trainingsumgebung und -aufbau 

• Beginne immer in einer reizarmen, ablenkungsfreien Umgebung, die Dein Hund gut kennt – beispielsweise im heimischen Wohnzimmer, ohne dass andere Familienmitglieder anwesend sind oder Spielzeug herumliegt. 

• Befolgt Dein Hund das Signal nach einigen Tagen in dieser Umgebung zügig, kannst Du die Ablenkung steigern, also zum Beispiel durch die Anwesenheit eines anderen Familienmitglieds. 

• Klappt das auch wieder, gehst Du vom Wohnzimmer in den Garten, dann auf den ruhigen Spazierweg und schließlich übst Du dort auch unter Anwesenheit anderer Menschen, Jogger, anderer Hunde usw. 

• Verringere im weiteren Training den Abstand zu solchen „externen Reizen“ in kleinen Schritten.

Trainingsdauer und -ende 

• Nicht zu lange trainieren – lieber über den Tag verteilt mehrere kurze Trainingseinheiten, als eine lange. 

• Aufhören, wenn es „am Schönsten“ ist - nicht dem Drang nachgeben „ach, einmal klappt bestimmt noch“ – meistens klappt es dann nicht… 

• Jede Trainingseinheit sollte einen Anfang und ein Ende haben – das Ende mit dem Signal „Schluss“ verdeutlichen. 

• Nach einer Belohnung mit einem Futterstück oder einem verbalen Lob „Prima“ ist eine Übung rein lerntheoretisch für den Hund beendet. 

• Also muss im Anschluss entweder ein neues Signal gegeben werden oder die Übung wird mit dem Signal „Lauf“ und einer entsprechenden Handbewegung aufgelöst, bevor der Hund die Übung selbst beendet.

Das Signal „Sitz“ 

„Sitz“ ist das Signal, das die meisten Hunde zuerst und auch am schnellsten lernen. Im Alltag ist es in vielen Situationen hilfreich: Zum Beispiel bei Begrüßungen, beim Anleinen, bevor man aus der Haustür geht oder wenn man mit seinem Hund bei Rot am Fußgängerüberweg wartet.

Die Trainingsschritte 

1. Halte Deinem Hund ein Futterstück vor die Nase und führe es leicht nach oben beziehungsweise über den Kopf Deines Hundes nach hinten. 

2. Dein Hund wird versuchen, dem Futterstück mit der Nase zu folgen und seinen Po dadurch nach unten bringen. 

3. Genau in dem Moment, wenn der Po den Boden berührt, belohne Deinen Hund mit dem Futterstück und dem Wort „Prima“. 

4. Beende die Übung, bevor Dein Hund wieder aufsteht, mit dem Signal „Lauf“. 

5. Bist Du nach einigen Wiederholungen sicher, dass Dein Hund sich auch wirklich setzt, sage, wenn der Po nach unten geht, „Sitz“. Bald wird Dein Hund die Handlung mit dem Hörzeichen verknüpfen. 

6. Ist das der Fall, kannst Du das Sichtzeichen einführen. Wenn Du das Futterstück zwischen Daumen und Handfläche klemmst, kannst Du mit dem ausgestreckten Zeigefinger das Sichtzeichen für „Sitz“ deuten. 

7. Vergrößere in kleinen Schritten den Abstand zwischen Hand und Nase. 

8. Klappt das gut, gibst Du mit der leeren Hand das Sichtzeichen, sagst „Sitz“ und belohnst Deinen Hund anschließend aus der anderen Hand.

Wichtig beim „Sitz“

• Folgt Dein Hund dem Futterstück nicht, ist es entweder nicht schmackhaft genug oder Du bewegst Deine Hand zu schnell. 

• Springt Dein Hund hoch oder kratzt er an Deiner Hand, ist entweder das Futterstück zu schmackhaft oder Du hebst die Hand zu hoch. 

• Bleibe bei der Übung möglichst gerade stehen und vermeide, Dich über Deinen Hund zu beugen. Das wirkt körpersprachlich bedrohlich für Hunde. 

• Belohne das Hinsetzen Deines Hundes nur, wenn Du ihm vorher auch das Signal „Sitz“ gegeben hast. 

• Wenn Dein Hund sich von sich aus vor Dir hinsetzt und Du ihm dafür ein Futterstück gibst, wirst Du schnell zum Futterautomaten.

Das Signal „Down“ 

Die Wörter „Sitz“ und „Platz“ klingen akustisch für unsere Hunde sehr ähnlich, daher empfehlen wir statt „Platz“ das Signal „Down“.

Die Trainingsschritte 

1. Halte ein Futterstück in der geschlossenen Hand und lasse Deinen Hund vor Dir „Sitz“ machen. 

2. Klemme das Futterstück zwischen Daumen und nach unten gehaltene Handfläche und führe diese senkrecht an der Nase Deines Hundes vorbei Richtung Boden. 

3. Im Idealfall folgt Dein Hund Deiner Hand und legt sich schnell hin, um an das Futter zu kommen. 

4. Gib Deinem Hund das Futterstück, sobald Vorderbeine, Bauch und Po den Boden berühren. 

5. Du musst die Übung zügig wieder mit „Lauf“ auflösen, da Dein Hund wahrscheinlich noch nicht lange geduldig liegen bleibt. 

6. Bist Du nach einigen Wiederholungen sicher, dass Dein Hund sich auch wirklich hinlegt, sagst Du, sobald der Vorderkörper nach unten geht, das Hörzeichen „Down“. Bald wird Dein Hund die Handlung mit dem Hörzeichen verknüpfen. 

Hat Dein Hund „Down“ verstanden, kannst Du das Signal langsam weiter formen. 

Länger liegenbleiben 

1. Es gibt es direkt ein zweites Futterstück, wenn Dein Hund nach der ersten Belohnung nicht sofort wieder aufspringt. 

2. Wiederhole das Signal „Down“. 

3. Nimm am besten mehrere Futterstücke in die Hand, damit Du nicht immer wieder in die Tasche greifen musst. Das lenkt Deinen Hund nur ab und es besteht die Gefahr, dass Dein Hund gerade in diesem Moment wieder aufsteht. 

Im nächsten Schritt lernt Dein Hund, dass Deine Hand ihn nicht mehr komplett bis zum Boden begleitet, er sich aber trotzdem beim Hör- und Sichtzeichen „Down“ hinlegt. 

1. Nimm das Futterstück in die Hand, die nicht zum Boden geführt wird. 

2. Die flache Hand, die als Sichtzeichen etabliert werden soll, führst Du mit dem Signal „Down“ zu Boden. 

3. Dein Hund bekommt dann im Liegen aus Deiner anderen Hand das Futterstück. 

4. Im weiteren Verlauf kannst Du den Abstand zwischen Hundenase und Hand langsam weiter vergrößern und immer mit Deiner anderen Hand belohnen. 

5. Sprich im Stehen das Signal „Down“ aus und gib parallel das Sichtzeichen, ohne Deine Hand zu Boden zu führen.

Wichtig beim „Down“

Überprüfe wieder, ob das Futterstück zu langweilig oder zu reizvoll ist, falls Dein Hund dem Futterstück nicht folgt oder an Deiner Hand kratzt und zu aufgeregt ist. 

• Senkt Dein Hund nur die Vorderbeine ab und nimmt den Po dabei nach oben, machst Du die Bewegung von oben nach unten etwas langsamer und ggf. näher vor der Brust Deines Hundes. 

• Geht Dein Hund rückwärts, ist Deine Hand dagegen vermutlich zu nah am Körper Deines Hundes.

Das Signal „Bleib“

Beim Signal „Bleib“ soll der Hund so lange in der zuvor eingenommenen Position verharren, bis der Mensch ihn wieder freigibt. Natürlich könnte man auch sagen, der Hund muss so lange im „Sitz“ oder „Platz“ verharren, bis der Mensch ihn freigibt. Häufig scheitert das aber an der Konsequenz der Menschen. Sie denken beim Signal „Bleib“ einfach zuverlässiger daran, das gegebene Signal auch wieder aufzulösen.

Die Trainingsschritte 

1. Bringe Deinen Hund durch ein Signal in eine gewünschte Position, wie zum Beispiel „Sitz“. 

2. Sage anschließend „Bleib“ und zeige als Sichtzeichen die flache, nach oben gerichtete Hand. 

3. Im Anschluss belohnst Du Deinen sitzenden Hund sofort mit einem Futterstück und dem Wort „Prima“. 

4. Gib Deinen Hund direkt mit dem Signal „Lauf“ und einer entsprechenden Handbewegung frei, bevor er von allein aufsteht. 

5. Steigere nun langsam die Dauer: Erst muss Dein Hund eine Sekunde bleiben, bevor er belohnt und freigegeben wird, dann zwei Sekunden, drei Sekunden und so weiter. 

6. Klappt das gut, kannst Du die Distanz zum Hund vergrößern. Mache erst nur einen Wiegeschritt von Deinem Hund weg und belohne ihn direkt wieder bei der Rückkehr. 

7. Im weiteren Verlauf des Trainings können es dann nach und nach mehr Schritte werden, die Du Dich rückwärts von Deinem Hund entfernst. Wichtig ist, dass Du immer wieder zu Deinem Hund zurückkehrst, um ihn an Ort und Stelle zu belohnen. 

8. Sind auch mehrere Schritte Abstand keine große Herausforderung mehr für Deinen Hund, kannst Du in kleinen Schritten weitere Ablenkungen einbauen: Dich umdrehen, hochspringen, herunterbeugen, mit einem Ball spielen, ein Futterstück auf den Boden legen oder werfen usw. Solche Ablenkungen sind aber erst nach vielen Wiederholungen über mehrere Tage hinweg möglich.

Wichtig beim „Bleib“

• Rufe Deinen Hund nicht aus dem „Bleib“ ab – das würde die Erwartung schüren, dass er gleich aufspringen darf. 

• Komme beim Signal-Aufbau immer wieder zu Deinem Hund zurück. Belohne ihn an Ort und Stelle und gib ihn dann mit „Lauf“ frei. 

• Greife nicht beim Zurückkommen in die Tasche nach dem Futterstück, sondern erst, wenn Du wieder vor Deinem Hund stehst – sonst ist der Reiz für Deinen Hund sehr groß, dem Futterstück entgegenzukommen. 

• Sei geduldig und steigere den Schwierigkeitsgrad in kleinen Schritten, damit es nicht zu Fehlern kommt. 

• Steht Dein Hund auf, bevor Du ihn belohnen und freigeben konntest, bringe ihn ohne Belohnung entspannt zurück zur Ausgangsposition und wiederhole die Übung – gegebenenfalls etwas einfacher.

Das Signal „Aus“

Das Signal „Aus“ bedeutet „Gib das her, was du im Fang hast“. Das kann auf ein Spielzeug oder einen Kauartikel, letztlich aber natürlich auf alles bezogen sein, was der Hund in den Fang nimmt und hergeben soll. Da es für den Hund aber gänzlich unlogisch ist, „Beute“ einfach so wieder abzugeben, baut man das Signal über ein Tauschgeschäft auf, damit es sich für den Hund auch lohnt.

Die Trainingsschritte 

1. Dein Hund bekommt ein Spielzeug, das ihn zwar interessiert, aber nicht das absolute Lieblingsspielzeug ist. Damit darf er sich kurz beschäftigen. 

2. Halte Deinem Hund dann etwas Spannenderes oder Schmackhafteres vor die Nase. 

3. Lässt Dein Hund das Spielzeug los, sagst Du in dem Moment freundlich „Aus“. 

4. Dein Hund wird gelobt und bekommt das Futterstück oder das andere Spielzeug zur Belohnung. 

5. Klappt das gut, kannst Du die Reize in kleinen Teilschritten steigern, also ein immer spannenderes Objekt wählen, das Dein Hund auf das Signal „Aus“ hergeben soll.

Wichtig beim „Aus“

Von der Wertigkeit sollte das zum Tausch angebotene Objekt oder Futter mindestens gleich- oder höherwertig sein. 

• Mache Dir dazu ruhig im Vorfeld Gedanken über die „Belohnungshierarchie“ bei Deinem Hund – was findet er toll, was noch besser? 

• Ist Dein Hund beuteaggressiv, verteidigt er also Beute oder bestimmte Gegenstände, trainiere das Signal bitte nicht selbstständig, sondern gemeinsam mit einem Hundetrainer.

Das Signal „Schluss“

Das Signal „Schluss“ bedeutet „Hör auf mit dem, was du gerade tust“. Man bricht damit eine Handlung des Hundes ab, die aber durchaus erlaubt ist – beispielsweise ein Spiel. Dieses Signal kann man sehr gut aus dem Spiel heraus aufbauen.

Die Trainingsschritte 

1. Starte mit Deinem Hund ein freundliches Spiel, ohne Deinen Hund dabei „hochzufahren“. 

2. Mitten im Spiel beendest Du jegliche Spielaufforderung und sagst ruhig und freundlich „Schluss“. 

3. Halte parallel dazu als Sichtzeichen Deine Arme und flach ausgestreckten Hände vor Dich. 

4. Wende Dich von Deinem Hund ab und gehe ruhig aus der Situation heraus.

Wichtig beim „Schluss“

Ist das Signal „Schluss“ etabliert, kann es alle möglichen Handlungen beenden, zum Beispiel auch ein Kauen an einem Knochen oder eine Trainingseinheit. 

• Dein Hund soll dabei lernen, dass diese Handlung jedoch nicht komplett verboten ist, sondern nur jetzt gerade nicht mehr stattfindet. 

• „Schluss“ bedeutet also für den Moment das Ende von etwas Schönem, soll aber keine Korrektur darstellen.

(Ein Artikel unserer DOGS Partnerin Heike Kleinhans (Martin Rütter DOGS Bielefeld und Gütersloh) für die Zeitschrift "Mein Hund und Ich")

Individuell belohnen – gewusst wie

Es gibt viele Möglichkeiten, unsere Hunde für ausgeführte Signale und gutes Benehmen positiv zu bestätigen. Damit das Lob auch richtig ankommt, sollten einige Faktoren beachtet werden.

Warum soll man Hunde überhaupt belohnen? Diese Frage bekomme ich im Trainingsalltag immer wieder von Hundehaltern gestellt. Sätze wie: „Der Hund soll das doch für mich tun, nicht für Leckerchen.“ „Ich will doch kein Futterautomat sein!“ „Wenn die Leckerchen leer sind, macht er dann gar nichts mehr?“ Meine Gegenfrage ist dann häufig: „Arbeitest du in deinem Job für ein dankbares Schulterklopfen?“ Auch wir Menschen müssen in der Regel für unseren Lebensunterhalt arbeiten und die wenigsten würden auf ihr Gehalt verzichten. 

Doch nur weil morgens und abends der Napf gefüllt wird, kann ein Hund das leider nicht mit dem Rückruf auf dem Spaziergang verknüpfen. Ein Lob oder eine Belohnung muss beim Hund unmittelbar auf die erfolgreich ausgeführte Aktion folgen. Oder einfacher gesagt: Der Hund muss einen direkten Vorteil von der Zusammenarbeit mit dem Menschen haben. Denn Hunde sind Opportunisten, eine Handlung muss für sie also einen Nutzen versprechen. Der viel zitierte „will to please“, also der „Wille zu gefallen“, existiert im Grunde genommen gar nicht. Kein Hund macht etwas „für seinen Menschen“ oder „weil er seinen Menschen so sehr liebt“. Selbst ein Retriever, bei dem der „will to please“ ja sogar eine Wesenseigenschaft sein soll, handelt doch vielmehr aus seinem eigenen Interesse. Der Retriever aus einer Arbeitslinie bringt begeistert jedes Dummy, auch zum hundertsten Mal, einfach aus dem Grund, weil ihm das Apportieren an sich Spaß macht und das Training bereits Belohnung genug ist. Und da der Retriever zudem sehr sozial motiviert ist, bedeutet für ihn schon das Zusammensein und die gemeinsame Aktivität, also der Sozialkontakt zu seinem Menschen, oftmals Belohnung genug. Auch der Retriever arbeitet also nicht aus einem „will to please“ heraus, sondern um sein Bedürfnis nach Apportieren bzw. Sozialkontakt zu erfüllen und zu befriedigen. 

Was ist eine Belohnung? 

Die Definition von Belohnung ist sehr individuell und manchmal auch situationsabhängig. Nur weil wir glauben, unseren Hund zu belohnen, muss er das noch lange nicht genauso empfinden. So kann für das Signal „Sitz“ bereits ein kleines Futterstück eine angemessene Belohnung für einen Hund sein. Möchten wir, dass derselbe Hund im Kofferraum sitzen bleibt, bis wir ihn zum Aussteigen auffordern, und er eben nicht mit einem riesigen Satz in die Freiheit springt, kann es sein, dass er nun das gleiche Futter ablehnt, weil der Wunsch des Aussteigens größer ist und das Futter in dem Fall keine entsprechende Alternative, also keine ausreichende Belohnung darstellt. Das bedeutet, eine Belohnung wird nur dann zu einer solchen, wenn sie ein aktuelles Bedürfnis befriedigt. Wenn es uns gelingt, dieses Bedürfnis zu wecken und zu befriedigen, wird es in Kombination mit einem geforderten Verhalten dieses verstärken und somit zur Belohnung. 

Muss ich mit Futter belohnen? 

Ob als Verstärker bzw. Belohnung für eine Aktion oder ein Verhalten nun Futter, Spiel, Aufmerksamkeit oder etwas anderes genutzt wird, hängt sowohl von der Situation als auch vom jeweiligen Hund ab. Wie zuvor bereits geschrieben, muss eine Belohnung ein aktuelles Bedürfnis befriedigen. Daher wird man in der Regel wenig erfolgreich sein, den Hund vom Jagen mit einem kleinen Stückchen Fleischwurst abhalten zu wollen. Winkt als Alternative für den Abbruch der Hetzjagd hinter dem Hasen aber z. B. ein Spiel mit der Reizangel und dem daran befestigten Kaninchenfell, kann die Entscheidung des Hundes ganz anders ausfallen. 

Motivation und Belohnung 

Es ist wichtig zu analysieren, welche Motivation des Hundes hinter einem Verhalten steckt, das man verändern oder abbrechen möchte, um dann eine Belohnung aus diesem Kontext zu wählen. Man spricht hierbei auch von intrinsischer und extrinsischer Motivation. Ein Hund, der intrinsisch motiviert ist zu apportieren, bringt einen Gegenstand um des Apportierens willen. Ihm macht das Apportiertraining mit seinem Menschen so viel Spaß, dass er keine anderweitige Belohnung dafür braucht. Noch einmal loslaufen und das geliebte Dummy holen zu dürfen, ist für ihn also Belohnung genug. Der Retriever, der bekanntermaßen ja auch gern frisst, wird das hierfür angebotene und als Belohnung gedachte Futterstück zwar vermutlich dennoch nicht verschmähen, notwendig für den Aufbau des Trainings ist es aber eigentlich nicht. Ein Hund, der im Apportieren wenig Sinn sieht, kann das Bringen von Gegenständen zwar auch erlernen, indem man ihn z. B. mit Futter belohnt. Ein solcher Hund apportiert dann jedoch aus extrinsischer Motivation, in dem Fall also, um satt zu werden bzw. einen besonderen Leckerbissen zu erlangen. Es ist klar, dass ein intrinsisch motivierter Hund schneller lernt und größere Lernfortschritte macht bzw. schwierigere Aufgaben lösen wird als ein Hund, der in der Sache an sich eigentlich keinen wirklichen Sinn sieht. 

Dennoch wird man auch beim intrinsisch motivierten Hund für den Aufbau eines bestimmten Verhaltens Futter einsetzen. Soll ein Hund z. B. lernen, den zurückgebrachten Gegenstand in die Hand des Menschen zu legen oder aber sich damit vor den Menschen zu setzen und den Gegenstand im Fang zu behalten, bis der Mensch ihn zur Abgabe auffordert, wird man dem Hund ein solches Verhalten erst einmal über Verstärkung beibringen müssen. Und hierfür eignet sich Futter sehr gut, da die meisten Hunde einfach gern fressen. Es gibt sogenannte primäre Verstärker, diese müssen vom Hund nicht erlernt werden, denn sie befriedigen natürliche Bedürfnisse, wie z. B. Futter. Kleine, weiche Leckerbissen eignen sich am ehesten als Belohnung für ein Training, da der Hund hierbei nicht lange kauen muss und sofort wieder bereit für die nächste Übung ist. Er entfernt sich auch nicht vom Übungsort bzw. dem Menschen, wie es z. B. bei einer Belohnung mit dem Ball der Fall wäre. Dies führt dann nämlich häufig dazu, dass der Hund aus dem Übungsablauf herausgerissen wird und sich danach erst einmal erneut auf die Aufgabe konzentrieren und einlassen muss. Futter eignet sich also besonders als Belohnung für stationäre Aufgaben, wie alle „Bleib“-Übungen sowie immer dann, wenn kurze Übungen, also kleine Teilschritte, mehrfach hintereinander belohnt werden sollen bzw. das Training direkt nach der Belohnung weiter fortgeführt werden soll. 

Clicker als sekundärer Verstärker 

Des Weiteren gibt es sekundäre Verstärker. Diese müssen vom Hund erst erlernt werden, da sie zunächst nicht als Belohnung wahrgenommen werden, wie z. B. der Clicker. Der Clicker ist ein kleines Plastikkästchen mit einer Metallzunge, die ein klickendes Geräusch macht, wenn sie gedrückt wird. Zunächst muss der Hund nun lernen, dass dieses Geräusch eine Belohnung ankündigt. Dazu gibt man ihm mehrfach direkt nach dem Geräusch ein begehrtes Futterstück. Hat der Hund die Bedeutung des Clickers erlernt, kann man ihn damit auch auf Distanz bzw. für bestimmte Teilbereiche eines Verhaltens bestätigten. Soll der Hund sich z. B. mit Gegenstand im Maul hinsetzen, kann man nun genau in dem Moment, in dem der Po des Hundes den Boden berührt, den Clicker betätigen. Der Click bedeutet also „Das, was du gerade gemacht hast, war richtig und gleich bekommst du dafür eine Belohnung!“ 

Vorteil eines sekundären Verstärkers beim Training ist, dass der Hund sich nicht auf das Futter fokussiert und nichts anderes mehr um sich herum wahrnimmt. Der Hund, den ich z. B. mit einem Futterstück vor der Nase durch den Agility-Slalom führe, mag die Aufgabe zwar ausführen, wirklich lernen wird er den Slalom aber nicht, da er gar nicht bemerkt, dass sich rechts und links von ihm die Slalomstangen befinden. Natürlich kann man anstelle des Clickers auch ein Lobwort wie z. B. das Wort „Prima“ verwenden. Viele Menschen reden jedoch ständig mit ihrem Hund, sodass solche Belohnungen im alltäglichen Gerede häufig untergehen. Muss der Mensch den Clicker betätigen, um den Hund zu belohnen, wird er sich viel mehr auf den richtigen Zeitpunkt der Belohnung konzentrieren, als dies beim Lobwort häufig der Fall ist. Dennoch hat ein Lobwort als Belohnung auch einige Vorteile. Zum einen braucht man keinen weiteren Gegenstand mit sich herumschleppen bzw. beim Training in der Hand zu halten, zum anderen bedeutet für einige Hunde ein Lobwort gleichzeitig auch Sozialkontakt. Für sozial motivierte Hunde, also für Hunde, die sich über die Aufmerksamkeit des Menschen freuen, ist das Lobwort damit sekundärer Verstärker und primärer Verstärker in einem! Entscheidend ist es, die Motivation des eigenen Hundes gut zu kennen bzw. herauszufinden, was genau er in welcher Situation als Belohnung empfindet. Und das muss durchaus nicht immer Futter sein! 

Beispiele der Belohnung eines Hundes für ruhiges Warten: 

• Ableinen erst nach einem ruhigen Sitz (Freilauf = Belohnung) 

• Ruhig warten, bis das Dummy oder der Ball geflogen und gelandet ist (Apportieren = Belohnung) 

• Futternapf abstellen und nach Blickkontakt fressen lassen (Fressen = Belohnung) 

Kann ich zu viel belohnen? 

Möchten wir unserem Hund etwas Neues beibringen, gibt es eigentlich kein Zuviel. Um ein neues Verhalten aufzubauen, ist es nötig, kontinuierlich zu verstärken. Zeigt ein Hund erwünschtes Verhalten, muss es zu Beginn des Trainings IMMER belohnt werden. Soll der Hund z. B. lernen, sich auf das Signal „Sitz“ hinzusetzen, bekommt er jedes Mal, sobald der Po des Hundes auf dem Boden ist, ein Stück Futter. Würde der Hund nur ab und an Futter dafür erhalten, würde es viel länger dauern bis er das Hinsetzen auf Signal zuverlässig erlernt hat. Vielleicht würde er das Signal „Sitz“ aber auch gar nicht erlernen, da sich das Verhalten für ihn ja augenscheinlich nicht wirklich lohnt. 

Sobald eine Verhaltensweise aufgebaut ist, der Hund ein Verhalten zuverlässig zeigt, genügt laut Lerntheorie eine intermittierende, also zeitweilig aussetzende Belohnung. Ähnlich wie beim Glücksspiel eine Belohnung, die nur ab und an ausgeschüttet wird, dazu führt, dass der Spieler umso mehr dabei bleibt, immer in der Hoffnung auf einen neuen Gewinn, soll der Hund durch die intermittierende Belohnung das Verhalten ebenfalls zuverlässiger ausführen und beim Training dabei bleiben. Doch das Training mit Hunden findet nicht unter Laborbedingungen statt, weshalb solche Theorien nicht eins zu eins auf den Hund übertragen werden können. Es besteht hierbei nämlich immer die Gefahr, dass ein zuverlässig ausgeführtes Verhalten wieder gelöscht wird, wenn keine Belohnung darauf folgt. Dies liegt daran, dass Hunde ein Verhalten oft mithilfe des sogenannten Shapings erlernt haben. Hierbei wird ein Verhalten Schritt für Schritt geformt, man wartet im Laufe des Trainings immer auf eine gesteigerte, bessere, dem gewünschten Verhalten nähere Variante. Belohnt man also z. B. den Hund anfangs noch dafür, dass er zum Gegenstand hingelaufen ist, wird man ihn im weiteren Training nur dann belohnen, wenn er sich mit dem Gegenstand beschäftigt. Im nächsten Schritt belohnt man das Aufnehmen und dann das Tragen des Gegenstandes, und letztendlich wird der Hund nur noch dann belohnt, wenn er den Gegenstand wirklich bis zum Menschen bringt. Würde man nun, da der Hund gelernt hat, zu apportieren, zu variabler Belohnung wechseln, würde der Hund denken, dass eine weitere, bessere Ausführung gewünscht sei. Er würde also sein Verhalten verändern, das Apportieren, wie man es sich eigentlich wünscht, würde so nicht mehr erhalten bleiben. 

Dennoch, den erfahrenen und gut trainierten Hund noch wie einen Welpen für jedes „Sitz“ mit einem Futterstück zu belohnen, macht wohl wenig Sinn. Doch wie behält man nun die Motivation des Hundes aufrecht? Ganz einfach, anstelle von intermittierender Belohnung steigert man die Schwierigkeit im Training. Der Hund bekommt dann z. B. nicht mehr für ein einfaches „Sitz“ eine Belohnung, sondern muss erst noch warten, bis ein oder sogar mehrere Gegenstände geflogen sind, die er dann zurückbringen muss, bevor er sich eine Belohnung verdient hat. Sind die umgebenden Bedingungen schwerer, soll der Hund das Signal „Sitz“ also z. B. unter größerer Ablenkung wie mitten in der Fußgängerzone ausführen, bekommt er für diese schwierige Aufgabe auch als gut trainierter Hund noch eine Belohnung für ein – eigentlich einfaches – Signal wie „Sitz“. Die Kunst beim Training ist dabei, genau einzuschätzen, wie schnell die Schwierigkeit gesteigert werden kann bzw. welche Aufgabe in welcher Situation für den jeweiligen Hund noch separat belohnt werden sollte. 

Belohnen oder Bestechen? 

Wenn sich mein Hund auf das Signal „Sitz“ hinsetzt und ich daraufhin ein Leckerchen heraushole, ist das eine Belohnung. Setzt sich mein Hund aber nur dann hin, wenn ich ein Leckerchen in der Hand und ihm direkt vor die Nase halte, ist das klare Bestechung. Manche Hunde spielen gerne ihr ganzes Repertoire an bereits Erlerntem ab, nur um an die Leckerei zu kommen. So wird der Mensch schnell zum Futterautomat: Der Hund probiert jede Taste aus, in der Hoffnung, die richtige zu finden, bei welcher das Futter ausgegeben wird. Achten Sie darauf, Ihren Hund zu belohnen, denn mit Bestechung werden Sie im Training nicht weiter kommen. Hier ist es vielmehr der Hund, der seinen Menschen trainiert, endlich das Futter herauszurücken. 

Allerdings muss man unterscheiden, ob ein Futterstück als Bestechung dient oder als Hilfe genutzt wird, um dem Hund ein neues Verhalten beizubringen, indem der Hund mit Hilfe des Futters in die gewünschte Position geführt wird. Wie bereits beschrieben, kann ein solches Training dazu führen, dass der Hund das Verhalten an sich bzw. die dazu gehörenden umgebenden Reize (wie z. B. die Slalomstangen) nicht wahrnimmt, da er nur auf das Futter fixiert ist. Gerade bei einfachen Bewegungen, wie dem Hinsetzen oder Hinlegen, ist ein Führen des Hundes mithilfe von Futter jedoch oft sinnvoll und erfolgreich. Also: Wenn unser Hund das Signal „Sitz“ bereits erlernt hat und es eigentlich zuverlässig in der gewünschten Situation ausführen kann, das Signal aber ignoriert und erst nach dem Griff in den Leckerchen-Beutel sein Hinterteil nach unten bewegt, stellen wir fest, dass hier der Hund den Menschen erzogen hat und auf die Bestechung wartet. 

Mögliche Fehler beim Belohnen 

Wichtig ist beim Loben und Belohnen, dass unser Hund eine Belohnung auch wirklich als positiv und damit als belohnend empfindet. Dabei spielt nicht nur die Auswahl der Belohnung eine Rolle, sondern auch die Körpersprache des Menschen. Sehr häufig meint der Mensch leider, er habe seinen Hund belohnt, dieser empfand das Verhalten des Menschen aber überhaupt nicht als positiv und angenehm. Gut gemeint ist also leider oft das Gegenteil von gut. 

Immer wieder sehe ich bei mir im Training, dass Menschen ihre Hunde nach Ausführung einer Aufgabe mit Futter belohnen und ihnen danach noch liebevoll über den Kopf streicheln. Beobachtet man dabei den Hund einmal genau, dreht dieser oft den Kopf weg, duckt sich ab, leckt sich über das Maul, schmatzt oder steht sogar auf und macht einen Schritt zur Seite, weg vom Menschen. Das alles sind jedoch Anzeichen für ein Unwohlsein, und zwar aufgrund der körperlichen Zuwendung. Auch die größte Schmusebacke kann in einer Arbeitssituation Streicheln als unangenehm empfinden, da dies für den Hund nicht in den Kontext passt! Geschmust wird auf dem Sofa, in einer entspannten Situation, und nicht beim Training, bei der Arbeit. 

Ich erkläre den Kunden dann immer, dass sie ihrem Hund natürlich ein Streicheln aufzwingen können, dies für den Hund jedoch keine Belohnung darstellt. Erfolgt dies häufig, kann es sogar sein, dass der Hund diese für ihn unangenehme Aktion mit dem zuvor gezeigten, gewünschten Verhalten verknüpft und sogar die erfolgte Belohnung mit Futter dadurch aufgehoben wird. Damit verringert der Mensch durch das Streicheln des Hundes die Wahrscheinlichkeit, dass der Hund das gewünschte Verhalten zukünftig öfter zeigen wird und man erreicht genau das Gegenteil von dem, was eigentlich beabsichtigt war. Man muss also darauf achten, dass man eine Belohnung nicht durch körpersprachliches Bedrängen zerstört. 

Fazit: Eine Belohnung muss für unseren Hund immer mit einem guten Gefühl oder einfach Spaß verbunden sein!

Die Jackpot-Belohnung 

Für eine besonders gut ausgeführte oder eine sehr schwierige, aber trotzdem erfolgreiche Übung, können wir unseren Hund durchaus auch mal mit einem Jackpot belohnen. Dieser kann je nach Hund beispielsweise ein Leckerbissen sein, der sonst alles andere als alltäglich ist oder eine große Menge an Futter. Das Training mit Jackpot bei Hunden wird jedoch durchaus diskutiert, denn es müssen einige Dinge beachtet werden. Nach einer Jackpot-Belohnung sollte das Training vorerst beendet werden. Die Hunde sollen mit diesem extrem positiven Abschluss des Trainings pausieren. Denn folgt nun nach einem solchen Jackpot wieder nur eine „normale“ Belohnung, wäre die Enttäuschung beim Hund sehr groß, was dazu führen könnte, dass der Hund das Verhalten zukünftig nicht mehr zuverlässig zeigen wird. Zudem darf der Jackpot nicht zu häufig gegeben werden, da er sonst seine besondere Bedeutung verliert. Eine weitere Gefahr beim Training mit einem Jackpot kann sein, dass der Hund „übermotiviert“ ist. Ein Hund, der am Ende einer Fährte ein Stück Pansen als besondere Belohnung erhielt, arbeitete beim nächsten Fährtentraining extrem hektisch, da er so schnell wie möglich ans Ende gelangen wollte. Dabei bekam er den Verlauf der Fährte oftmals nicht mehr mit. Als die Belohnung umgestellt wurde und am Ende nur noch normales Futter zur Belohnung lag, arbeitete der Hund wie gewohnt ruhig und verlor auch bei einer Richtungsänderung nicht die Spur. Ein Jackpot sollte daher immer gut bedacht sein und nur selten, für wirklich gute Ausführungen, gegeben werden.

Timing 

Auch die allerbeste Belohnung ist nutzlos, wenn sie nicht im richtigen Augenblick erfolgt. Daher sollten wir immer darauf achten, dass wir unseren Hund in genau dem Moment loben bzw. belohnen, wenn er das gewünschte Verhalten gerade zeigt. Wenn wir dann erst umständlich das Futter aus den Tiefen der Hosentasche ausgraben oder gar das Spielzeug im Rucksack suchen müssen, ist viel zu viel Zeit vergangen und das zuvor gezeigte und eigentlich erwünschte Verhalten kann vom Hund nicht mehr in Verbindung mit der Belohnung gebracht werden. Damit ein Hund ein bestimmtes Verhalten mit einer Belohnung verknüpfen kann, muss diese in einem Zeitfenster von etwa 2 Sekunden erfolgen. Trainiert man mit einem Lobwort oder dem Clicker, kann man den Hund optimal innerhalb der geforderten Zeit verstärken und dann ganz in Ruhe das Leckerchen aus der Tasche herausholen.

(Ein Artikel unserer DOGS Partnerin Katrin Bechtel (Martin Rütter DOGS Walldorf/Bruchsal) für die Zeitschrift "Mein Hund und Ich")

Ohne Rast und Ruh – Hyperaktivität beim Hund

Hektisches Herumlaufen, sobald die Leine ab ist und beim kleinsten Reiz völlig überdreht reagieren, sind das Zeichen einer Hyperaktiviät beim Hund?

Jeder kennt ihn, den Hund, der schon aufgeregt bellt, wenn Frauchen nur die Leine in die Hand nimmt, weil es gleich rausgeht. Der sich mit vollem Körpereinsatz in die Leine stemmt und seinen Menschen von A nach B zieht. Der es nicht aushält, wenn Frauchen unterwegs eine Freundin trifft, stehen bleibt und sich mit dieser unterhalten möchte und der beim Spiel mit anderen Hunden kein Ende findet. Häufig werden diese Hunde und ihre Halter aufgrund des überdrehten Verhaltens auch vom Training in einer Hundeschule ausgeschlossen, da sie dort den Ablauf und die anderen Teilnehmer stören. Landen diese Hunde dann bei uns im Training, dann werden sie uns von ihren Haltern oder den bisherigen Hundetrainern als hyperaktiv beschrieben. Doch zeigen diese Hunde wirklich eine Hyperaktivitätsstörung oder hat das derzeitige Verhalten nicht andere Ursachen?

Kennzeichen echter Hyperaktivität

Bereits in den 1970er Jahren beschreiben Tierärzte solch auffällig aktive Hunde und diagnostizieren eine canine Hyperkinese (Campbell WE. Behavioral modification of hyperkinetic dogs. Mod Vet Pract 1973; 54: 49–52). Ob ein Hund aber wirklich als hyperaktiv bezeichnet werden kann, entscheiden folgende Kriterien:

1.     Das Verhalten ist bereits sehr früh sichtbar, vor dem 4.Lebensmonat zeigen sich Auffälligkeiten.

2.     Im Vergleich mit gleichaltrigen Hunden derselben Rasse zeigen diese Hunde eine erhöhte Bewegungsaktivität. Sie rennen und toben ununterbrochen und zeigen auch im Spielverhalten grobes, körperliches Spiel, bei dem es teilweise zu Verletzungen kommt. Dabei bellen und winseln sie vermehrt. Das Spiel findet kein Ende, auch wenn das Gegenüber eine Pause macht.

3.     Wird der Hund von der Leine gelassen, dann rennt er scheinbar ziellos und hektisch über das Gelände, erkundet dieses nur unvollständig. Immer wieder werden die gleichen Stellen aufgeregt beschnüffelt. Aufgrund einer mangelnden motorischen Kontrolle kommt es auch vor, dass der Hund in Hindernisse läuft.

4.     Bei der Futtergabe können die Hunde es kaum aushalten, auf das Futter zu warten. Sie springen am Menschen hoch, bellen diesen an und stürzen sich bereits auf die Futterschüssel, bevor diese den Boden berührt. Auch ein vorsichtiges Nehmen des Futters aus der Hand ist beinahe unmöglich. Futter wird hektisch heruntergeschlungen.

5.     Ständig wird die Umgebung aufmerksam beobachtet und erkundet, auch wenn diese bekannt und vertraut ist.

6.     Kleinste Reize führen zu einer extremen Reaktion, der Hund kann sich nicht selbst kontrollieren oder hemmen. Frustrationen führen schnell zu aggressivem Verhalten.

7.     Eine verminderte Konzentrationsfähigkeit ist kennzeichnend. Hyperaktive Hunde haben es schwer, sich auf eine Sache oder Aufgabe länger zu konzentrieren. Ständig springt ihre Aufmerksamkeit von einer Sache zur nächsten. Daher kann es zu einer eingeschränkten Stubenreinheit kommen, da der hyperaktive Hund draußen zu sehr abgelenkt ist, um Kot und Harn abzusetzen.

8.     Eine schnelle Übererregung ist kennzeichnend für solche Hunde. Eine Gewöhnung an Reize aus der Umwelt, auf die der Hund mit heftiger Erregung reagiert ist nur schwer möglich.

9.     Hyperaktive Hunde zeigen eine verminderte Schlafdauer und -intensität mit allen gesundheitlichen negativen Folgen. Manche Vierbeiner kommen nur noch auf 5 Stunden Schlaf pro Tag und können ohne absolute Reizarmut auch tagsüber nicht mehr Ruhen. Sie haben auch kaum Traumphasen, die oft nur sehr kurz sind.

10.  Durch eine mangelnde emotionale Kontrolle kommt es oft zum schnellen Übergang von spielerischem zu ernsten Verhalten. Was als Laufspiel begann kippt in echtes Jagdverhalten, eine spielerische Balgerei endet in einer Beißerei. Es kann aber auch aufgrund der mangelhaften emotionalen Selbstkontrolle schnell zur Ausbildung von Ängsten kommen.

11.  Wird ein hyperaktiver Hund gegen seinen Willen festgehalten, um ihn zu beruhigen, zeigt er heftige Gegenwehr und beißt auch teilweise unkontrolliert um sich.

Die geschilderten Verhaltensweisen beeinträchtigen den Alltag und die Lebensqualität des Hundes und des Halters massiv und haben ihre Ursache nicht in einer mangelnden Erziehung oder Auslastung des Hundes. Auch eine beginnende Pubertät kann diese Verhaltensweisen nicht erklären. Hier haben wir es mit einer echten Verhaltensstörung zu tun.

Ursachen für Hyperaktivitätsstörungen

Eine echte Hyperaktivitätsstörung kann zum einen genetische Ursachen haben. Die Anlagen befanden sich bereits in den Elterntieren und sind daher auch bei den Geschwistern vorhanden. Daher macht es Sinn, sich die Geschwistertiere diesbezüglich einmal anzuschauen und zu prüfen, ob auch diese die oben genannten Verhaltensweisen zeigen. Eng mit der genetischen Ursache ist natürlich auch die ursprüngliche Verwendung des betreffenden Hundes zu sehen. Wurde die Rasse zu hoher Aktivität gezüchtet und auf Arbeitsleistung selektiert? Dann ist eine höhere Anfälligkeit für hyperaktives Verhalten gegeben. Zum anderen haben die frühen Haltungsbedingungen mit der Entwicklung einer solchen Verhaltensstörung zu tun. Neigt der junge Hund eh schon zu hyperaktiven Verhalten und wird eventuell von Mutter oder Geschwistern zu früh getrennt, dann kann sich das Verhalten eher entwickeln, da die fehlende Erziehung und Interaktion mit den Geschwistern eine Ausbildung der Selbstkontrolle beeinträchtigt. Es kann auch sein, dass die Hündin mit der Aufzucht ihrer Welpen überfordert war und bereits selbst hyperaktiv reagierte. Eventuell stand auch kein kompetenter Züchter oder andere erwachsene Hunde zur Seite, die regulierend einwirken konnten. Auch die nachfolgenden Begebenheiten beim späteren Halter haben maßgeblich Einfluss auf die Entwicklung einer Hyperaktivitätsstörung. Werden die hundlichen Bedürfnisse ausreichend befriedigt oder werden aus mangelndem Wissen nicht schon erste Anzeichen versehentlich gefördert? Hat der betreffende Hund Rückzugsmöglichkeiten, wo er entspannen kann? Wurden Ruhephasen eingehalten oder wurde versucht, durch noch mehr Aktivität den Hund auszupowern?  Wurde die Fähigkeit der Selbstbeherrschung bereits frühzeitig geübt und gefördert oder wurde dem Hund jeder Wunsch umgehend erfüllt?
Wie bei etlichen Verhaltensweisen sind die Ursachen in einer Kombination aus genetischen Aspekten und den Einflüssen der Umwelt zu finden. Die Anlagen sind bereits vorhanden und gelangen dann in ungünstige Haltungsformen.

Möglichkeiten der Verhaltensänderung

Hyperaktive Hunde müssen lernen, zur Ruhe zu kommen. Daher bietet es sich an, den Alltag durch verschiedene Rituale zu strukturieren. Die einzelnen Aktivitäten werden immer zu den gleichen Uhrzeiten begonnen und beendet. Somit sinkt beim Hund die Erwartungshaltung, dass er vielleicht etwas Wichtiges verpasst, wenn er sich ausruht. Bestimmte Gesten oder verbale Signale können bei diesem Prozess unterstützend eingesetzt werden. Sie kündigen zum einen an, dass jetzt etwas passiert oder auch, dass die Aktivität beendet ist und auch nicht fortgesetzt wird. So können Übungen immer mit einem bestimmten Wort (z.B. „Training“) eingeleitet und mit einem anderen Wort beendet werden (z.B. „Schluss“).

Ebenso bieten sich feste Ruhezeiten an, d.h. zu bestimmten Uhrzeiten begibt sich der Hund auf seinen Rückzugsort und verbleibt dort. Hierbei kann eine Box hilfreich sein, vorausgesetzt der Hund ist zuvor an die Box gewöhnt worden und hat gelernt, dort auch zu entspannen.

Stichwort Beschäftigung. Hektische Aktivitäten sollten zugunsten ruhigerer Beschäftigungsformen reduziert werden. Jegliche Nasenarbeit, bei der ein konzentriertes Suchen die Grundlage ist, sind gut geeignet, das Aktivitätslevel zu senken und den Hund dennoch auszulasten. Auch mental fordernde Aufgaben, bei denen der Hund durch eigenes Ausprobieren zur Lösung eines Problems kommt, sind adäquate Beschäftigungen.

Belohnung sollten den Hund für erbrachte Leistungen nicht unnötig erregen. Daher nicht allzu hochwertiges Futter einsetzen, sondern lieber mit ruhiger Stimme oder sanften Körperkontakt den Vierbeiner belohnen.

Gemeinsames Spielen fördert die Selbstkontrolle des Hundes. Dynamische Spielphasen werden durch den Menschen immer wieder kurz unterbrochen und dann fortgesetzt, wenn der Hund diese Frustration aushält, weil er gelernt hat, dass ruhiges Verhalten zu einer Fortsetzung des Spiels führt.

Gibt es erwachsene, kompetente und psychisch ausgeglichene Hunde in der Nähe, dann sollte auch zu diesen regelmäßig Kontakt hergestellt werden, da diese die Fähigkeit zur Selbstbeherrschung optimal fördern können. Sie wissen genau, wie man mit solchen überdrehten Hunden umgeht.

Eventuell sollte auch über eine Futterumstellung nachgedacht werden. Der Proteingehalt im Futter sollte eher niedrig sein und auch schnell verdauliche Kohlenhydrate wie Zucker so gut es geht vermeiden, da diese zu Energiespitzen im Gehirn führen. Bessere Lieferanten für Kohlehydrate sind z.B. Kartoffeln. Glutamat hat ebenfalls im Hundefutter nichts zu suchen, da es als erregender Botenstoff im Gehirn wirkt. Tryptophanhaltigen Fleischsorten wie Lamm, Kaninchen oder Schwein sollte der Vorzug gegeben werden. Aufgrund der Aujeszkyschen Krankheit aber Schweinefleisch nicht roh füttern. Weniger geeignet sind Wild und Rind für hyperaktive Hunde, da diese viel Phenylalanin enthalten, welches über die Zwischenstufe Tyrosin zu erregenden Botenstoffen umgebaut werden. Im Zweifelsfall hierbei eine kompetente Ernährungsberatung in Anspruch nehmen, um das geeignete Futter zu finden.

Inwieweit eine medikamentöse Therapie begleitend zum Training Sinn macht, sollte ein erfahrener Tierarzt entscheiden. Dieser muss gut einschätzen können, welche Mittel eingesetzt werden können, um das Therapieziel zu erreichen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Trainer und Tierarzt ist angeraten. Langfristig sollten die medizinischen Hilfsmittel aber wieder abgebaut werden, weil der Hund eigene Verhaltensmuster erlernt hat, mit denen er seine Aktivität selbst herunterfahren kann.

Vorbeugung

Wie kann der Entstehung eines hyperaktiven Hundes entgegengewirkt werden?

Hunde sollten bereits in jungen Jahren lernen, mit Frust umzugehen und eine entsprechende Frustrationstoleranz zu entwickeln. Überfürsorgliches Verhalten ist hier fehl am Platz. Der junge Hund muss durch eigenes Ausprobieren seine Grenzen und die des Gegenübers kennen lernen. Dies bedeutet für den Menschen, seinen Hund zu erziehen und ihm die nötigen Fertigkeiten beizubringen, damit dieser adäquat mit Stress und Frust umgehen kann. Daher muss der Hund auch lernen, dass nicht immer und sofort auf sein Aufforderungsverhalten im Alltag reagiert und nicht jeder Wunsch erfüllt wird. Je früher hiermit begonnen wird, desto schneller stellt sich der Erfolg ein. Regeln sollten verständlich und konsequent vermittelt werden. Schaffen Sie einen Rahmen, in dem sich ihr Hund frei bewegen darf und der ihn vor Gefahren schützt.

Abwarten bereits frühzeitig üben. Der Hund muss lernen, dass sich ruhiges Verhalten lohnt und danach eine großartige Aktivität startet. Also nicht mit dem hysterisch bellenden und an der Leine wie wild ziehenden Hund in den Hundefreilauf, sondern in einiger Entfernung stehen bleiben und sich erst dann dem Hundefreilauf nähern, wenn der eigene Hund ruhig ist.
Auch die Futtergabe für das Üben nutzen. Erst wenn sich der Vierbeiner beruhigt hat, wird die Futterschüssel hingestellt. Fortgeschrittene dürfen gerne auch dann noch ein wenig warten, bis sie sich dann genüsslich den Bauch vollschlagen dürfen.
Bringen Sie Ihrem Hund bei, dass sich die Haustür oder der Kofferraum nur öffnet, wenn er sich ruhig verhält. Sollte sich der Hund ungefragt der Tür nähern, schließen sie diese umgehend, damit sich sein Verhalten nicht selbst belohnt. Nach einer kurzen Pause gibt es dann die zweite Chance. Wartet er nun selbst in einiger Entfernung zur Tür, dann belohnen sie ihn verbal und erlauben ihm nun, die Wohnung mit ihnen zu verlassen.

Ausreichende Ruhephasen schaffen, in denen sich der Hund entspannen und Gelerntes verarbeiten kann. Der Rückzugsort sollte eine Entspannung ermöglichen, d.h. sich abseits vom hektischen Familienalltag befinden, aber dem Hund das Gefühl geben, dass er immer noch zur Gruppe gehört. Daher Decke oder Körbchen nicht mitten in den Raum legen, sondern eher an den Rand oder eine ruhigere Stelle, am besten in der Nähe der Bezugsperson.

Da es genetische Anlagen zur Entwicklung von hyperaktiven Verhalten gibt, sollte es selbstverständlich sein, dass nur psychisch ausgeglichene und sozial kompetente Hunde in der Zucht eingesetzt werden. Bei sehr großen Würfen oder unerfahrenen Elterntieren sollte über die Hilfe von anderen erwachsenen Hunden bei der Aufzucht des Nachwuchses nachgedacht werden. Auch der Züchter sollte notfalls bei der Früherziehung der Welpen unterstützend eingreifen.

Die Welpen sollten idealerweise nicht zu früh von den Elterntieren und den Geschwistern getrennt werden. Sind die Elterntiere kompetent und die Aufzuchtbedingungen optimal, dann dürfen die Welpen auch gerne bis zur 10. oder 12.Woche beim Züchter verbleiben und dort durch den Umgang mit ihren Geschwistern und den anderen Hunden die wichtigen Fähigkeiten zur Selbstbeherrschung erlernen.

Training bei unerwünschtem Jagdverhalten

Wieso findet Frieda Vögel spannend, obwohl sie nie einen erwischt? Weshalb fängt Bodo die Maus, frisst sie aber nicht? Und wie kann Frauchen Balu von Hase und Reh abrufen?

Sie wünschen sich, dass Ihr Hund sich trotz Ablenkung durch andere Tiere und Gerüche an Ihnen orientiert? Sie möchten Ihren Hund auf dem Spaziergang guten Gewissens und ohne Angst ableinen können?

Dann können Ihnen folgende Tipps helfen... 

Konsequenz im Alltag

Auch wenn die Motivation eines Hundes zu jagen, nichts mit der Qualität der Beziehung zu tun hat, sollten Sie sich Gedanken darüber machen, in wieweit Ihr Vierbeiner auf Ihre Signale im Alltag reagiert. Kommt Ihr Hund erst beim dritten „Hier“ und springt einfach aus dem Kofferraum des Autos, obwohl Sie ihm ein „Bleib“ gegeben haben? Dann ist es nur allzu verständlich, dass er erst Recht in für ihn spannenden und wichtigen Situationen auch nicht Ihre Signale befolgt. Trifft Ihr Hund also im alltäglichen Zusammenleben öfter selbständig Entscheidungen und manipuliert Sie erfolgreicher, dann ist es an der Zeit, einige Dinge zu ändern, um ihn auch in jagdlichen Situationen beeinflussen zu können. Verwalten Sie die für Ihren Hund wichtigen Ressourcen und animieren Sie Ihren Vierbeiner öfter, sich mit Ihnen zu beschäftigen. Beenden Sie auch einmal eine tolle Sache, bevor Ihr Hund die Lust daran verliert. Sie werden sich wundern, wie sehr Ihr Hund motiviert ist, wenn es nach kurzer Zeit weitergeht. Entscheiden Sie, wann und wie lange Ihr Hund sich frei bewegen darf. Leinen Sie ihn unterwegs auch auf Strecken an, wo er ansonsten unangeleint herumrennen darf. Führen Sie im Alltag Rituale ein. Verlangen Sie z.B. von Ihrem Hund, dass er unterwegs an Weggabelungen anhält und auf Ihr Signal hin erst weitergeht. Erhöhen Sie Ihre Attraktivität, indem Sie sich gemeinsam beschäftigen, anstatt daß ihr Hund alleine durchs Unterholz läuft.

Unerwünschtes Verhalten zunächst vermeiden

Damit Ihr Hund im Alltag nicht weiterhin erfolgreich selber jagen kann und sich dadurch selber belohnt, vermeiden Sie übergangsweise Spaziergänge in wildreichen Gegenden. Lassen Sie Ihren Hund notfalls an der Schleppleine. Denken Sie daran, dass Ihr Vierbeiner dann ein gut sitzendes Geschirr trägt, an dem die Schleppleine befestigt ist. Sie sollten auch an Ihre Sicherheit denken und Handschuhe sowie lange Hosen tragen, um das Verletzungsrisiko zu minimieren. Üben Sie auch das Handling Ihres Hundes an der Schleppleine. Achten Sie darauf, dass die Schleppleine nicht allzu sehr durchhängt und auf dem Boden schleift. Entfernt sich Ihr Vierbeiner von Ihnen, dann geben Sie etwas mehr Leine, nähert er sich Ihnen oder bleibt stehen, dann nehmen Sie die Schleppleine wieder auf. Mit ein bißchen Übung geht Ihnen diese Bewegung bald ins Blut über. Begrenzen Sie den Freilauf Ihres Hundes auf Flächen, die eingezäunt sind oder auf denen mit dem Auftreten von Wild nicht zu rechnen ist.
Bringen Sie Ihrem Hund auch das Signal RAUS DA bei. Immer wenn Ihr Vierbeiner den Weg verlässt, sich in die Büsche schlägt und spannenden Spuren folgen möchte, können Sie ihm mit diesem Signal zurück auf den Weg befördern. Ihr Hund soll dadurch lernen, im Normalfall immer auf befestigten Wegen zu bleiben und diese nur nach Ihrer Aufforderung zu verlassen.

Erste Ansätze des Jagdverhaltens erkennen lernen

Hundliches Jagdverhalten hat viele Gesichter. Lernen Sie, die einzelnen Elemente frühzeitig zu erkennen und dementsprechend zu handeln. Nicht mehr alle Hunde zeigen aufgrund Ihrer genetischen Veranlagung alle Elemente einer vollständigen Jagdsequenz. Diese besteht aus folgenden acht einzelnen Verhaltenselementen: ORTEN – FIXIEREN – ANSCHLEICHEN – HETZEN – PACKEN – TÖTEN – ZERREISSEN – FRESSEN. In den ersten beiden Phasen – dem Orten und Fixieren – sind die meisten Hunde noch gut beeinflussbar. Je weiter der Hund in der Jagdsequenz jedoch vorangeschritten ist, desto schwerer wird ein Eingreifen. Beobachten Sie also Ihren Vierbeiner sehr genau, um in Zukunft zu erkennen, welches Verhalten er wie kurz vor seinen Jagdausflügen zeigt. Ortet er Beute eher mit seinen Ohren, Augen oder seiner Nase? Wie hält er seinen Kopf, wenn er Beute bereits geruchlich oder akustisch wahrnimmt? Zeigt er kurz vor der Hetze ein Vorstehen? Sobald sie seine individuelle Körpersprache entschlüsselt haben, können sie ihn auch im Freilauf einmal rechtzeitig von einer unerwünschten Jagd abhalten.

Impulskontrolle

Bewegende Reize auszuhalten, ist für einen jagdlich motivierten Hund eine der maßgeblichen Fähigkeiten, die Sie ihm schnellstmöglich beibringen müssen. Ziel ist es, dass Ihr Hund in jagdlichen Situationen ruhiger wird und darauf achtet, was Sie ihm mitteilen wollen. Üben Sie mit Ihrem Vierbeiner das Signal BLEIB und steigern Sie schrittweise den Schwierigkeitsgrad. Haben Sie sich zu Anfang nur einige Schritte von Ihrem Hund entfernt und ihn für das Verharren auf der Stelle belohnt, so können Sie am Ende des Trainings mehrere Meter entfernt stehen bleiben, auf und ab hüpfen, um ihren Hund herumgehen oder sein Lieblingsspielzeug werfen, ohne dass er sich bewegt. Denken Sie bei diesem Training unbedingt an die anschließende Pause, in der sich ihr Vierbeiner frei bewegen darf, um die während des Impulskontrolltrainings aufgebaute Spannung wieder abzubauen. Integrieren Sie das Training der Impulskontrolle in den Alltag des Hundes. Verlangen Sie von Ihrem Hund eine BLEIB-Übung, bevor Sie die Haustür zum Spaziergang öffnen oder bevor er aus dem Auto aussteigen darf. Ebenso können Sie die Impulskontrolle im Zuge der Fütterung trainieren. Sollte Ihr Hund aufgeregt auf und ab springen sobald Sie den Futternapf in die Hand nehmen, so stellen Sie den Napf erst dann auf den Boden, wenn sich Ihr Vierbeiner beruhigt hat und sich von selber hinsetzt. Ziel ist es, dass Ihr Hund lernt, sich selber zu beherrschen, ohne dass Sie noch mit dem Signal BLEIB unterstützen müssen.

Alternatives Verhalten aufbauen

Damit sich Ihr Hund in Zukunft zu einem entspannteren Begleiter auf Ihren Spaziergängen entwickelt, sollten Sie die vorhandene jagdliche Motivation nicht unterdrücken, sondern kontrolliert ausleben lassen. Suchen Sie eine Beschäftigungsform, die zu Ihrem Hund passt und die er gerne ausführt. Nutzen Sie hierbei den Effekt der primären Motivation. Hierbei führt der Hund ein Verhalten aus, weil ihm dieses Spaß macht und die Ausführung bereits belohnend wirkt. Probieren Sie dazu verschiedene Beschäftigungsformen aus und schauen Sie, bei welcher Ihr Hund gar nicht genug vom Training bekommen kann, ohne dass eine zusätzliche Belohnung für die Ausführung folgt. Sobald Sie ein für Ihren Vierbeiner sinnvolles Alternativverhalten gefunden haben, werden Sie ihm seine Begeisterung förmlich ansehen und er lernt die gestellten Aufgaben mit weniger Wiederholungen.
Läuft ihr Hund freudig hinter Gegenständen her und bringt Ihnen diese zurück. Dann stellt das Apportiertraining eine geeignete alternative Beschäftigungsform für sie beide dar. Ob Sie nun einen Ball, eine Frisbee, einen Dummy oder einen Futterbeutel als Apportiergegenstand auswählen, spielt eigentlich keine Rolle. Achten Sie bei Bällen nur darauf, dass dieser für Ihren Hund nicht zu klein ist und er diesen versehentlich herunterschlucken kann. Lediglich Stöcker sollten nicht zum Apportieren benutzt werden, da sie ein großes Verletzungspotenzial besitzen. Bei fortgeschrittenen Hunden können Sie auch gerne mal ein Schweineohr als Apportiergegenstand auswählen.
Findet es Ihr Vierbeiner hingegen spannender, wenn sich die Beute bewegt und Haken schlägt? Dann sind kontrollierte Hetzspiele das Mittel der Wahl. Befestigen Sie hierzu z.B. sein Lieblingsspielzeug an eine Reizangel und lassen Sie Ihren Hund nun die sich bewegende Beute jagen. Achten Sie bei dieser Beschäftigungsform jedoch darauf, dass Sie nicht das unkontrollierte Hetzen fördern. Verlangen Sie vor jeder Hetze, dass sich Ihr Vierbeiner hinsetzt und auf Ihre Freigabe wartet, bevor er hinter der Ersatzbeute hinterher sprintet. Solche Hetzspiele sind für Ihren Hund sehr anstrengend. Daher sollte Sie Ihren Hund vorab noch einmal tiermedizinisch untersuchen lassen, um Herz- oder Gelenkprobleme auszuschließen.  Begrenzen Sie die kontrollierten Hetzspiele auf maximal 10 Minuten pro Trainingseinheit. Auch sollten Sie diese alternative Beschäftigung nicht mit Ihrem Welpen oder Junghund intensiv ausführen, da sich die Gelenke noch im Aufbau befinden und nicht voll belastbar sind.
Während des Spaziergangs hat Ihr Vierbeiner seine Nase durchgehend am Boden und schnüffelt begeistert jeden Grashalm ab? Dann könnte die Suche als alternative Beschäftigungsform das Richtige für Ihren Hund sein. Ob er dabei nun sein Spielzeug oder Futter sucht oder einer Geruchsspur folgt ist hierbei egal. Probieren Sie einfach beide Varianten aus und lassen Sie Ihren Vierbeiner entscheiden, welche er lieber ausführen möchte. Gestalten Sie die Suchen immer abwechslungsreicher und verbuddeln Sie auch einmal die zu suchenden Gegenstände in der Erde. Freuen Sie sich im Anschluß, wenn er diese voller Begeisterung ausbuddeln darf. Oder bringen Sie Ihrem Hund das Anzeigen der gefunden Gegenstände bei. Hierbei soll er die gefundene Ersatzbeute nicht apportieren oder auffressen, sondern Ihnen durch ein anderes Verhalten signalisieren, dass er Beute gefunden hat.
Egal womit Sie Ihren Hund seine jagdliche Motivation kontrolliert ausleben lassen, achten Sie darauf, dass Ihr Vierbeiner bei der Durchführung des Alternativverhaltens nicht überfordert wird. Spaß und Freude sollten bei der gemeinsamen Beschäftigung im Vordergrund stehen. Ihr Hund soll lernen, dass Sie ein adäquater Jagdpartner sind, mit dem er seine jagdlichen Bedürfnisse ausleben darf.

Rückrufbarkeit trainieren

Auch wenn Sie alle bisher besprochenen Punkte konsequent umsetzen, kann es immer wieder vorkommen, dass Ihr Vierbeiner während eines Spaziergangs doch ab und an seinem Hobby nachgeht und einem Hasen hinterher läuft oder ausgiebig eine Wildfährte verfolgt. In solch einem Fall kommt das Abrufsignal zum Einsatz. Sollte dies bereits in ablenkungsfreien Situationen gut klappen, so steigern Sie nun im Training schrittweise den Schwierigkeitsgrad und rufen Sie Ihren Hund z.B. zu sich, während sein Lieblingsspielzeug einige Meter entfernt von ihm liegt. Sie können Ihren Vierbeiner im laufenden Training auch einmal durch eine Würstchengasse abrufen oder das Abrufsignal einsetzen, während eine Hilfsperson eine Ersatzbeute auswirft oder an der Reizangel bewegt. Ihrer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Bauen Sie parallel zu Ihrem Abrufsignal auch eine Hundepfeife auf, da diese erfahrungsgemäß für den Hund auf weite Entfernung besser wahrnehmbar ist und Ihre eventuell angespannte Stimmung nicht übertragen kann. Zwei oder drei kurze Pfiffe sind als Abrufsignal effektiver als ein einzelner langer Pfiff. Alternativ zum Abrufen können Sie auch ein STOPP-Signal aufbauen. Hierbei soll der Hund in seiner Bewegung stoppen und sich dann hinsetzen oder hinlegen.

Körperliche Auslastung

Da eine echte Jagd eine immense körperliche Belastung für den Hund darstellt, dürfte klar sein, dass auch hier im Alltag eine Alternative her muss. Dies gilt besonders für jene Vierbeiner, die noch aufgrund ihres Trainingsstands sicherheitshalber an der Schleppleine geführt werden müssen. Hierzu bieten sich Fahrradtouren an, bei denen Ihr Vierbeiner auch einmal richtig Vollgas geben kann und im gestreckten Jagdgalopp neben Ihnen herläuft. Achten Sie bei Ihren Radtouren darauf, dass der Untergrund dementsprechend weich ist, da das ausgiebige Traben und Rennen eine enorme Belastung für den Bewegungsapparat Ihres Hundes bedeutet. Vielleicht probieren Sie auch einmal ein Zughundetraining aus. Im Gegensatz zum Laufen am Fahrrad, läuft Ihr Hund hierbei vor einem entsprechend Gefährt und zieht seinen Menschen.  Lassen Sie sich bei dieser Trainingsform unbedingt von einem professionellen Trainer anleiten, um eventuelle Schäden zu vermeiden.

Und wenn alles nichts hilft...

Bei einer sehr ausgeprägten jagdlichen Motivation oder einem durch frühere Jagderfolge stark gefestigten Verhalten kann es sein, dass sich einige Hunde nicht auf das von Ihnen angebotene Alternativverhalten einlassen und auch weiterhin echter Beute nachstellen. Zu groß ist der Lustgewinn beim selbständigen Jagen. In solchen Fällen gibt es nur zwei Optionen: Spaziergänge an der Schleppleine - ein Leben lang oder die Korrektur des unerwünschten Verhaltens. Besonders die Korrektur stellt aus moralischer Sicht einen schwierigen Fall dar, da ein aus Hundesicht „normales“, sprich artgerechtes Verhalten verboten wird. Sie kommt daher nur in Frage, wenn der betroffene Hund in den meisten Situationen sehr gut ansprechbar ist, mit seinem Menschen kooperiert und trotz des intensiven, langwierigen und konsequenten Trainings das unerwünschte Jagdverhalten weiterhin zeigt, sowie dadurch die Lebensqualität des Hundes gesteigert werden kann. Lassen Sie sich hierbei aber bitte unbedingt von einem erfahrenen Hundetrainer helfen, der beurteilen kann, ob eine solche Korrektur sinnvoll ist und dies mit Ihnen gemeinsam aufbaut.

Aufmerksamer Hund – wie geht das?

Du möchtest die Bindung zu Deinem Hund stärken und ihn dazu bringen, dass er sich stärker an Dir orientiert? Hier erfährst Du wie!

Bei der Beschäftigung von Hunden geht es nicht nur darum, die "aktive" Zeit irgendwie zu füllen. Durch eine sinnvolle Beschäftigung vertreibst Du nicht nur die Langeweile Deines Hundes, Beschäftigung erfüllt auch viele weitere Aufgaben. So kannst Du durch gezielte körperliche Beschäftigungsformen die Motorik Deines Hundes schulen. Dein Hund kann lernen, kreativ zu sein und durch erfolgreich absolvierte Aufgaben über sich hinaus zu wachsen und damit selbstbewusster durchs Leben zu gehen. Besonders die gemeinsame Beschäftigung fördert die Beziehung zu Deinem Hund, hilft bei der Erziehung und macht darüber hinaus einfach auch Spaß!

Wenn Du Deinen Hund beschäftigst, mit ihm trainierst, gemeinsam mit ihm Aufgaben löst, stärkst Du damit die gemeinsame Bindung und förderst die Orientierung Deines Hundes an Dir. Wenn Ihr beide einer Beschäftigung nachgeht, die Euch beiden Spaß macht, werden sogenannte "Glückshormone" freigesetzt. Wenn Dein Hund beispielsweise gerne mit seiner Nase Gerüche erschnüffelt, kann schon alleine das Verfolgen einer Spur ihn glücklich und zufrieden machen. Hast Du Deinen Hund auf diese Spur hingewiesen, die Du selbst - oder auch ein Bekannter - kurz zuvor als Fährte gelegt hast und begleitest Deinen Hund nun  bei der Ausarbeitung dieser Geruchsspur, hilfst ihm bei Problemen, lässt Dich von ihm bis zum Ende der Spur führen, dann verbindet Dein Hund seine Glücksgefühle auch mit Dir. Erwartet Deinen Hund am Ende der Spur noch eine Belohnung in Form eines Leckerbissens, aber vor allem durch Dein freudiges Lob und Streicheln, werden erneut Hormone freigesetzt. Diesmal das Hormon Oxytocin, das sogenannte Kuschel- oder Bindungshormon, das bei jedem körperlichen Spiel, Streicheln oder freundlichem Blickkontakt mit Deinem Hund ausgeschüttet wird. Es fördert die Bindung, intensiviert das Sozialverhalten, wirkt als Gegenspieler der Stresshormone und vermindert Ängste.

Achte aber bei der Gestaltung Deiner Aktivitäten immer auch darauf, dass genügend Freiraum für Deinen Hund bleibt. Er muss auch hin und wieder einmal einfach  nur Hund sein dürfen. Zeiten für Training und gemeinsame Beschäftigung sind wichtig, aber Dein Hund muss regelmäßig die Möglichkeit haben, im begrenzten Rahmen seinen eigenen Interessen nachzugehen. Einfach einmal beim Spaziergang ein Stück weit eine Spur verfolgen, erschnüffeln, wer sich gerade kurz zuvor hier aufgehalten hat, sich auf einem Regenwurm wälzen oder sich genüßlich mitten in eine Pfütze werfen - je nach Hund und Veranlagung gibt es hier die unterschiedlichsten Bedürfnisse. Beobachte Deinen Hund genau und Du wirst schnell seine Vorlieben feststellen. Gib ihm die Zeit für sich, denn er wird danach umso interessierter sein, wieder etwas mit Dir gemeinsam machen.

Du möchtest wissen, wie Du und Dein Hund harmonisch und entspannt Zusammenleben können? Hier sind die 5 Top-Geheimnisse des Hundeprofis Martin Rütter...

Hier verrät Dir der Hundeprofi Martin Rütter die 5 Top-Geheimnisse, damit Du und Dein Hund entspannt und harmonisch zusammen leben...

1.    Ausreichende Beschäftigung

Ein monotoner Spaziergang ohne Aktion ist für viele Hunde langweilig und führt sehr häufig dazu, dass sich der Hund verselbständigt und seiner eigenen Wege geht. Kleine Suchspiele, Apportierübungen, das Auslegen von Fährten, all dies sind spannende Möglichkeiten, einen Hund auch während eines Spaziergangs sinnvoll zu beschäftigen.
Beobachten Sie Ihren Vierbeiner im Alltag und Sie sehen sehr schnell, woran Ihr Hund Spaß hat.

2.    Konsequenz

Hunde sind sehr anpassungsfähig und stellen sich schnell auf das Leben, mit dem sie konfrontiert sind, ein. Ständig wechselnde „Regeln“ führen jedoch zu einer starken Verunsicherung des Hundes, er weiß nicht mehr, woran er ist. Darf ein Hund z.B. zur Begrüßung am Menschen hochspringen, weil dieser sich freut, seinen Hund nach langer Abwesenheit wiederzusehen, am Abend, wenn der Mensch mit Abendkleid aus dem Theater kommt, ist dies dann aber nicht erwünscht, kann das schnell zu Problemen in der Mensch-Hund-Beziehung führen. Durch ein fehlendes Regelwerk weiß der Hund nicht, wie er den Menschen einschätzen soll. Einem solchen Partner kann man in Gefahrensituationen nicht vertrauen, so dass der Hund sich letztlich nur auf sich selbst verlassen kann. Dies führt dann nicht selten zu einer Überforderung des Hundes.
Deshalb sind klare Regeln und deren konsequente Einhaltung eine wichtige Prämisse für ein funktionierendes Mensch-Hund-Team.

3.    Ein Hund muss Hund bleiben dürfen

Es klingt banal, ist aber in der Hundeerziehung ein ganz wichtiges Kriterium: Ein Hund ist ein Hund und muss dieses auch bleiben dürfen, er kann nicht wie ein Mensch funktionieren. Leider ist die extreme Vermenschlichung des Hundes nach wie vor in vielen Haushalten gang und gäbe. Hunde müssen beispielsweise menschliche Bedürfnisse als Kind- oder Partnerersatz befriedigen. Hierbei rücken die eigentlichen Bedürfnisse des Hundes oft in den Hintergrund. Der Mensch stellt meist seine eigenen Wünsche in den Mittelpunkt und schürt damit Erwartungen, die der Hund niemals erfüllen kann.
Deshalb ganz klar: Den Hund mit seinen individuellen, natürlichen Bedürfnissen sowie Stärken und Schwächen akzeptieren und respektieren.

4.    Die Sprache der Hunde sprechen

Kommunikationsmissverständnisse vermeiden. Wenn hündische Verhaltensweisen menschlich gedeutet werden, sind die Probleme vorprogrammiert. Daher ist es wichtig, dass der Mensch die Sprache des Hundes erlernt und damit auch das Verhalten der Hunde richtig und zügig einschätzen kann. Hunde sind Lebewesen, die hauptsächlich über Körpersprache kommunizieren. Die Lautsprache spielt bei ihnen nur eine untergeordnete Rolle. Viele Menschen meinen jedoch immer noch, je lauter man einen Hund „Befehle“ gibt, desto besser kommen diese beim Hund an. Hundeerziehung sollte sich am Hund orientieren, sie sollte vorwiegend körpersprachliche Signale beinhalten, Hörzeichen sollten immer so leise wie möglich gegeben werden.
Denn die Sprache der Hunde ist eine leise Sprache. Hunde haben ein gutes Hörvermögen und können selbst ein geflüstertes Wort gut verstehen. Und nicht zu viel quatschen. Ein klares „Sitz“ ist für einen Hund wesentlich eindeutiger zu verstehen als ein höfliches und ausschweifendes „Könntest du dich bitte vielleicht mal hinsetzen.“ J

5.    Entscheidungen treffen

Hunde verdeutlichen ihre Stellung im Rudel durch die Verteilung von Aktion und Reaktion. Hier zählt, wer im Rudel Entscheidungen trifft. Wenn ein Hund nun zum Menschen kommt und diesen anstupst, während dieser gerade im Wohnzimmer sitzt und Zeitung liest, bedeutet das nicht nur, dass dem Hund langweilig ist und er gerne spielen möchte. Wenn er nämlich immer nur dann spielen möchte, wenn er gerade dazu Lust hat und den Menschen im Gegensatz dazu ignoriert, wenn dieser ihm ein Bällchen wirft, möchte er damit auch dokumentieren, dass er in der Beziehung der Entscheidungsträger ist. Daher sollte man nicht immer auf solche Forderungen eingehen, besonders wenn der Hund die Aufforderungen des Menschen häufig ignoriert.

 

Falls Du weitere Fragen rund ums Thema Hund hast, steht Dir unser Team gerne mit Rat und Tat zur Verfügung. Schreib uns Deine Wünsche einfach ganz bequem über unser Kontaktformular – klicke dazu hier!

Der ängstliche Hund - „Werde zum sicheren Schutzschild Deines Hundes“

Gewitterdonner, ein bedrohlich wirkender Hund oder ein Mensch mit tiefer Stimme: Hunde können gegen vieles Ängste entwickeln. Ihre Menschen müssen lernen, diese Ängste zu verstehen und Schritt für Schritt abzubauen.

Es ist ein heiterer und ruhiger Frühlingstag. Frau Weber und ihr Hund Robbi sind gerade auf der abendlichen Gassirunde Eigentlich ist es ein schöner Abend, bis Robbi plötzlich stark zu hecheln anfängt und in Richtung Auto zieht. Der Grund für Robbis Verhalten ist nicht sofort zu erkennen. Frau Weber versteht ihn aber, als auf einmal ein Heißluftballon hinter der nächstgelegenen Hügelkette aufsteigt. Robbi hatte diesen einige Minuten zuvor wahrgenommen. Inzwischen weiß Frau Weber aus Erfahrung, wie sie in solchen Situationen reagieren muss, um Robbi möglichst schnell zu helfen. Sie gestaltet die gemeinsamen Runden so, dass sie nie allzu lange zum Auto als dem sicheren Rückzugsort braucht. Dennoch leidet Robbi sehr unter seiner Angst, da seine Familie und er in einem Dorf leben, welches häufig von Heißluftballons überflogen wird.

Warum entwickeln Hunde so unterschiedliche Ängste? 

Wie Robbi geht es leider vielen Hunden – die Angst vor einer Situation, vor Gegenständen oder Menschen sowie Hunden beeinträchtigt die Lebensqualität erheblich. Es gibt viele Gründe für ängstliches Verhalten von Hunden. Sowohl die gemachten Erfahrungen als auch die unterschiedlichen individuellen Voraussetzungen von Geburt an beeinflussen den Hund. 

Zunächst ist es ein großer Unterschied, ob ein robusterer Hundetyp, wie etwa ein Australian Cattle Dog, der bei seiner Arbeit an Rindern nicht empfindlich sein darf, mit visuellen oder akustischen Reizen konfrontiert wird, oder ob ein Border Collie, der auf kleinste Signale des Schäfers achten und beim Ausbrechen der Schafe schnell reagieren muss, sich mit derselben Herausforderung auseinandersetzen muss. Solche Eigenschaften, also Robustheit oder feines und schnelles Reagieren, werden bei der Zucht der jeweiligen Hunderassen berücksichtigt. Aufgrund der genannten Eigenschaften ist ein Hütehund in der Regel schneller zu traumatisieren und zeigt damit tendenziell häufiger Angstverhalten als ein Treibhund.

Zu den genetischen Voraussetzungen ist auch wichtig, welche Erfahrungen ein junger Hund in seiner Welpenstube sammelt und welche Beobachtungen er bei der Reaktion der Mutterhündin auf Umweltreize erlebt. So wird sich ein Welpe, der mit einer ängstlich gegenüber Männern eingestellten Mutter aufwächst und beobachtet, wie diese auf Männer unsicher reagiert, auch eher skeptisch und vorsichtig Männern annähern, dem Vorbild der Mutter folgend. Für den Welpen ist klar: Wenn Mama Angst vor Männern hat, müssen diese ja offensichtlich gefährlich sein. Während seriöse Züchter deswegen auf die Verpaarung von umweltsicheren Hunden Wert legen und bereits im frühen Welpenalter auf bestmögliche Sozialisation der Welpen achten, können gerade Hunde, die über Tierschutzorganisationen den Weg nach Deutschland finden, erhebliche Defizite beim Umgang mit verschiedenen Umwelteinflüssen haben. 

Dafür verantwortlich sind neben den vererbten Voraussetzungen häufig die reizarmen Umstände des Aufwachsens und oftmals schwierige Erfahrungen in der sogenannten sensiblen, frühen Lebensphase des Hundes. Die in dieser Zeit gemachten Erfahrungen, jedoch auch fehlende Umweltreize – vor allem bei einem auf dem Land groß gewordenen Straßenhund in Bezug zur Hektik und dem Trubel in unserer Zivilisation mit Großstädten, starkem Verkehr und vielen Menschen, Hunden und Geräuschen – haben wesentlichen Einfluss auf die weitere Entwicklung des Hundes. 

Was kann ich tun? Zuerst einmal den Tierarzt aufsuchen 

Nicht außer Acht zu lassen sind Ursachen für Ängste, die im physiologischen Bereich liegen: Hormonstörungen, Vergiftungen oder Schmerzen. Eine umfassende Untersuchung beim Tierarzt, inklusive Blutbild und Untersuchung der Schilddrüse, sollte bei starkem Angstverhalten immer begleitend zu einem Training folgen, ist vor allem aber dann ratsam, wenn Angstverhalten ansonsten schwer erklärbar scheint. Als Hundehalter hat man aber auch eine Reihe von Möglichkeiten, dem Hund zu helfen: Zunächst gilt es zu verstehen, wie wichtig es ist, dass ein Hund ein hohes Maß an Vertrauen zu seinem Menschen entwickelt. Hunde beobachten sehr genau, wie sich der Mensch im Alltag und außerhalb angstauslösender Situationen verhält. 

Souveränes, berechenbares und vertrauensvolles Handeln des Menschen stellt die Basis für eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Mensch und Hund dar. Vor allem bei Hunden aus dem Ausland neigen wir Menschen dazu, dem geretteten Vierbeiner ein zu hohes Maß an Zuneigung zu schenken und manchmal sogar grenzenlose Freiheiten zu gewähren. Dabei ist es bei ängstlichen Hunden besonders wichtig, dass diese sich in einem sicheren sozialen Gefüge aufgehoben fühlen – und hierzu gehören Regeln und klare Strukturen im Zusammenleben. Dies bedeutet zum Beispiel, nicht immer für eine Schmuseeinheit erreichbar zu sein, wenn es der Hund will. Grundsätzlich sollte der Hund erkennen können, dass nicht er es ist, der innerhalb der Familie die Entscheidungen trifft. Nur so wird er sich auch in kritischen Situationen an seinen Menschen orientieren und ein höheres Maß an Entspannung im Alltag erleben. 

Auslandshunde brauchen ein ganz spezielles Training 

Immer wieder arbeite ich mit Hunden, die mit geringen Erfahrungswerten hinsichtlich Menschen und unserer städtischen Lebenswelt nach Deutschland kommen. Respekt vor dem Lebewesen Hund und seiner Lebenssituation sowie Geduld im Alltag und Training müssen hier an erster Stelle stehen. Wie zuvor beschrieben, ist auch liebevolle Konsequenz im ständigen Miteinander wichtig, um vom Hund als Orientierungsperson ernst genommen zu werden. 

Ein Hund, der vor vielem Angst hat, sollte stets erkennen können, dass er sich auf seinen Menschen verlassen kann. Dazu gehört einerseits, dass dieser ihn nicht überfordert und in unlösbare Situationen hineinzwingt, anderseits, dass er dem Hund in schwierigen Momenten Schutz bietet. Unbekanntes Terrain sollte deswegen als Erstes durch den Menschen betreten werden, und auch beim Kontakt mit fremden Personen geht der Mensch voran und klärt so aus Hundesicht die Lage durch aktives Handeln. 

Ein erster Schritt zur Gewinnung von Vertrauen kann sein, das Futter aus der Hand zu geben. Auch wenn es manchmal extrem erscheinen mag, so ist dies doch der einfachste Weg, schnell eine herausgestellte und sehr positive Rolle im Leben des Hundes einzunehmen. Später nutzt man einen Teil des Futters für kleine Übungen im Training. Ob es sich dann um einfache Futtersuchspiele handelt oder es im fortgeschrittenen Training der Aufbau des Apportierens ist: Gemeinsames Arbeiten schafft Vertrauen und ruft positive Gefühle hervor. Auch das Erlernen kleiner Tricks oder Aufgaben für die Hundenase erzeugen schöne gemeinsame Momente. Einige Monate später kann auch das Führen des Hundes auf Distanz an einem Longierkreis hilfreich sein, um das gegenseitige körpersprachliche Verständnis zu erhöhen. 

Das gemeinsame Erarbeiten von Futter beginnt man zunächst im vertrauten Bereich der Wohnung bzw. des Hauses. Später kann es auch draußen durchgeführt und von da aus in weitere Bereiche des alltäglichen Lebens verlagert werden. Anfangs vielleicht in einen ruhigen Siedlungsbereich oder aufs entlegene Feld. Nach und nach lassen sich daraufhin die Schwierigkeiten erhöhen, es können angstauslösende Reize eingeblendet werden, sodass diese durch den Hund anders bewertet werden als zuvor. 

Die Arbeit gegen die Angst erfordert Wissen, Zeit und Geduld 

Lassen sich konkrete Auslöser für ängstliches Verhalten finden – gerade hier kann ein professioneller Trainer von hohem Nutzen sein –, so kann gegen diese Ursachen häufig im gut aufgebauten Training gearbeitet werden. Dabei ist es wichtig, schrittweise und kontrolliert den Hund mit dem einzelnen Reiz oder nacheinander mit den verschiedenen Auslösern in Kontakt zu bringen und diese Momente positiv zu gestalten. Dies kann über eine angenehme Beschäftigung, etwa ein Apportierspiel, ein körperliches Spiel oder auch eine Schmuseeinheit in sicherer Entfernung erfolgen. Nach und nach wird im Trainingsverlauf der Abstand zum angstauslösenden Reiz verringert, ohne den Hund zu überfordern. 

Zum richtigen Zeitpunkt ist das Training zu unterbrechen. Man sollte sich dem angstauslösenden Reiz immer nur so weit annähern, wie der Hund ihn zwar bemerkt, aber noch in der Lage ist, sich auf seinen Menschen und die Beschäftigung mit ihm einzulassen. Hierbei sind Kenntnisse zu Körpersprache und Kommunikation von Hunden von enormer Bedeutung. Sogenannte Übersprunghandlungen, wie Gähnen, sich Kratzen, Niesen oder sich Schütteln, signalisieren, dass das Training an einem Punkt angelangt ist, der nicht weiter überschritten werden sollte. Spätestens dann, wenn möglich bereits zuvor sollte eine Pause eingelegt oder das Training mit einer abschließend erfolgreichen Übung sogar beendet werden. Nun ist es ebenso wichtig, dem Hund Zeit zu geben, die positiven Erfahrungen zu verarbeiten. Da auch der Abbau des Stresshormons Cortisol Zeit braucht, ist es sinnvoll, mindestens ein, zwei Tage zu pausieren, bevor das Training in Bezug auf die angstauslösenden Reize fortgesetzt wird. Natürlich darf und sollte der Hund an diesen „Pause-Tagen“ mit angenehmen Spaziergängen oder einem stressfreien Training in entspannter Umgebung ausgelastet werden. 

Bei generalisierter Angst braucht man einen Trainer als Helfer 

Sind es nicht konkrete Situationen, in denen der Hund ängstlich reagiert – zum Beispiel bei einer allgemeinen Angst des Hundes vor Männern –, so sollte man an unterschiedlichen Orten und mit vielen verschiedenen Trainingspartnern üben. Man braucht also eine größere Anzahl von Männern in sich deutlich voneinander unterscheidenden Situationen. Zunächst wird schrittweise darauf hingearbeitet, die Anwesenheit von Männern im Allgemeinen zu akzeptieren, später können Männer in fortgeschrittenen Trainingsphasen in das Training mit einbezogen werden: durch das Werfen von Futterstücken oder eines begehrten Apportiergegenstandes. Gerade in diesem Trainingsschritt ist es wichtig, darauf zu achten, dass die männlichen Trainingspartner eine nicht bedrohliche Körperhaltung einnehmen. Sind mehrere Auslöser für die Angstreaktion verantwortlich, werden diese erst einzeln trainiert und dann schrittweise strukturiert zusammengeführt. Spätestens hier ist die Unterstützung durch einen kompetenten Trainer deutlich geraten. In einer idealen Welt wäre die Arbeit an angstauslösenden Situationen möglich, ohne dass unkontrollierte Konfrontationen entstehen. Doch kommt es im realen Leben immer wieder auch zu ungünstigen Momenten, zum Beispiel einem sich im Wald lösenden Schuss oder wie in Robbis eingangs beschriebenem Fall, wenn unerwartet ein ihm Angst machender Heißluftballon aufsteigt. 

Umso wichtiger ist es dann, dem eigenen Hund zu signalisieren, den Auslöser der Angst selber auch wahrgenommen zu haben und mit sicherem Vorbild in der Situation zu stehen. In derartigen Situationen als Schutzschild und Puffer zu agieren, ist zudem hilfreich. Mein Hund darf und sollte Schutz bei mir finden können. 

Auch wenn es in Ordnung ist, Körperkontakt zuzulassen, darf die Angstreaktion jedoch nicht durch mitleidige Zuwendung, mit der die Situation für den Hund besonders hervorgehoben wird, verstärkt werden. Damit ist natürlich nicht gemeint, dass für den Hund angenehm empfundene Maßnahmen wie eine Massage oder Streicheleinheit verboten sind. Vielmehr lösen diese, gerade wenn der Sozialpartner Mensch für den Hund vertrauenswürdig und orientierungsgebend wahrgenommen wird, das Wohlfühl- und Bindungshormon Oxytocin aus und können somit zu deutlicher Entspannung des Hundes führen. 

Frau Weber hat durch die Begleitung eines ausgebildeten Hundetrainers gelernt, ihren Hund und sein Verhalten in Angstsituationen zu verstehen und kompetent zu handeln. Sie hat aber auch im sonstigen Alltag ein vertieftes Verständnis dafür entwickelt, welche Aufgaben im Zusammenleben mit Robbi für diesen wichtig sind. So werden Menschen, die zu Besuch kommen, von Frau Weber in Empfang genommen, während Robbi zunächst auf seiner Hundedecke wartet. Diese neue Rollenverteilung hat ihm sehr geholfen, sich stärker an Frau Weber zu orientieren, da sie in für ihn wichtigen Lebensbereichen die Führung übernommen hat. Situationen mit den gefürchteten Heißluftballons konnten über den Einsatz des Futterbeutels und attraktive Suchaufgaben innerhalb von anderthalb Jahren trainiert werden, sodass Robbi diese zumindest in mittlerer Entfernung inzwischen gut ertragen kann. Wesentlich hierbei war, die Momente unkontrollierter Begegnungen mit Heißluftballons bestmöglich zu reduzieren und so das Training schrittweise und geplant durchführen zu können. 

Der Weg mit ängstlichen Hunden, unabhängig davon, ob diese Ängste durch Erfahrungen erworben wurden oder in mangelnder Sozialisation begründet sind, ist langfristig und oft nicht leicht – die Mühe aber in jedem Falle wert.

Maßnahmen zur Unterstützung

 Zusätzlich zu den zuvor genannten Trainingsvorschlägen gibt es weitere Möglichkeiten, dem eigenen Hund bei der Arbeit gegen die Angst beizustehen. 

• So kann in den zuvor beschriebenen Trainings die Anwesenheit eines sozial sicheren, erwachsenen Hundes hilfreich sein, an dessen Vorbild sich der ängstliche Hund orientieren kann 

• Eine weitere unterstützende Maßnahme stellt das künstlich hergestellte Pheromon Adaptil dar. Hierbei wird der Hund über ein Halsband oder verschiedene Duftzerstäuber an seine Zeit bei der Mutter erinnert. Über diesen Wohlfühlgeruch und dessen Wirkung lässt sich ebenfalls ein gewisses Maß an Entspannung erreichen 

• Lässt sich voraussehen, dass es zu einer schwierigen Phase, etwa in der Zeit des Jahreswechsels, kommt, so kann ein eng anliegendes T-Shirt – das sogenannte Thundershirt – von Nutzen sein 

• Auch Nahrungsergänzungsmittel, wie z. B. die zusätzliche Gabe der Aminosäuren L-Tryptophan oder des Milcheiweißproduktes Zylkene, können dem Hund helfen, grundsätzlich gelassener im Alltag zu werden

Auf die Körpersprache achten

Im täglichen Miteinander ist es ungemein wertvoll, die Körpersprache von Hunden lesen zu können und auch um die eigene Wirkung zu wissen. Beispielsweise, dass Annäherungen direkt und frontal auf den Hund zu, ein längeres Anschauen oder das Hinunterbeugen oft stark bedrohlich wirken. Ein wohlmeinender Mensch macht genau dies oft falsch, wenn er sich einem unbekannten, aber als ängstlich beschriebenen Hund zuwendet, diesem in die Augen schaut und mit treuem Gesichtsausdruck, aber konfrontierender Körperhaltung versichert: „Du brauchst doch keine Angst haben!“ Die Menschenkörpersprache ist deshalb wichtig.

(Ein Artikel unseres DOGS Partners Martin Döhler (Martin Rütter DOGS Ulm/Neu-Ulm) für die Zeitschrift "Mein Hund und Ich")

Wenn Hunde nicht auf den Rückruf reagieren ...

"Wir haben eine Schäferhund-Collie Hündin mit ca. 5/6 Jahren, seit 2 Jahren bei uns, aus dem Ausland, über eine Tierschutzorganisation. Ich kann sie nicht frei laufen lassen, weil sie dann sofort weg ist. Anfangs hat sie auf nichts reagiert, sobald wir am Feld waren. Mittlerweile ist sie an der Schleppleine soweit gut abrufbar, vorausgesetzt, sie hat noch nichts entdeckt oder in der Nase. Futterbeutel interessiert sie nicht, Reizangel oder andere Spiele auch nicht, sobald wir am Feld sind. Sie weiß genau, was von ihr gewollt wird, aber irgendwann hat sie keine Lust mehr und lässt es sein. Ich habe jetzt angefangen mit der Pfeife zu trainieren. Da weiß sie auch, was ich will und sie reagiert gut darauf (bis jetzt nur im Haus und Garten trainiert), aber von jetzt auf gleich kommt sie nicht mehr und guckt mich nur an. Ich hoffe, ihr habt noch einen guten Tipp für mich."

Viele Hunde aus dem Ausland haben gelernt, selbstständige Entscheidungen zu treffen. Zudem sind sie häufig wenig verspielt, denn zuvor kam es ja nur darauf an, zu überleben. In einer stressigen Lebenssituation ist für Spiel jedoch kein Platz.

Der erste Schritt im Training mit solchen Hunden ist daher tatsächlich, zu verhindern, dass der Hund weiterhin selbstständig entscheidet. Es ist also prima, dass Sie Ihre Hündin draußen erst einmal nur an der Schleppleine führen. Um ein Alternativverhalten aufzubauen, sollten Sie dieses erst einmal im Haus, später dann im Garten, also ohne Ablenkungen aufbauen. Gestalten Sie das Training dabei so, dass es spannend bleibt. Trainieren Sie lieber öfter, dafür aber in kürzeren Einheiten mit ihr, damit nicht Ihre Hündin das Training beendet, wenn sie keine Lust mehr hat, sondern sie beide mit einem positiven Erlebnis aufhören können.

Zudem müssen Sie herausfinden, welche Beute Ihre Hündin am spannendsten findet. Viele Hunde begeistern sich für einen Ball oder Kong, da dieser lustig hin und her hüpft und mehrfach auf dem Boden auftitscht. Andere kann man mit einem mit Fell überzogenen Dummy oder mit einem mit Futter gefülltem Futterbeutel motivieren. Bei Hunden, die sich früher eigenständig Futter beschafft haben, hilft es oft, wenn der Futterbeutel keine Leckerlis, sondern die Nahrung des Hundes enthält. Dabei kann es sich aber gern um vom Hund begehrte Nahrung handeln. Viele Hunde aus dem Ausland sind z. B. besonders motiviert, wenn als Belohnung eine Portion „Nudeln mit Sauce“ winkt. Anfangs muss der Hund dabei nur einfache Aufgaben ausführen, um sich sein Futter zu verdienen, später dürfen diese dann aber immer schwieriger und anspruchsvoller werden.

Schritt für Schritt trainieren Sie nun in immer anspruchsvollerem Gelände. Wenn das Training im Feld für Ihre Hündin besonders schwer ist, macht sie vielleicht auf einem Parkplatz (natürlich nach Ladenschluss!), einem Sportplatz oder im Park noch mit. Auch das Abrufen mit der Pfeife bauen Sie nun entsprechend auf. Immer dann, wenn Ihre Hündin auf Pfiff kommt, sollte sie einen besonders begehrten Leckerbissen erhalten. Reagiert Ihre Hündin auch im Feld zuverlässig auf den Pfiff und macht beim Training mit, können Sie die Schleppleine zunächst am Boden schleifen lassen. Klappt das, dürfen Sie die Schleppleine aber nicht einfach von heute auf morgen abmachen, Sie müssen sie vielmehr in kleinen Schritten ausschleichen. Schneiden Sie dazu Woche für Woche einen Meter der Leine ab, sodass Ihre Hündin sich an das immer leichtere Gewicht gewöhnt.

Nicht alle Hunde wird man immer und überall frei laufen lassen können. Wenn Sie Ihrer Hündin aber genug Auslauf bieten und sie in ablenkungsfreien Gegenden ausreichend geistig auslasten, ist es kein Problem für sie, wenn sie in der restlichen Zeit weiterhin an der Schleppleine geführt wird. Aber haben Sie Geduld, ein solches Training braucht auch einfach etwas Zeit.

Mit Rücksicht zum entspannten Miteinander

Harmonische Hundebegegnungen sind der Traum aller Halter. Die Realität sieht leider oft anders aus. Ob verspielter Junghund oder Einzelgänger – mit gegenseitigem Respekt und etwas Voraussicht seitens der Menschen wäre eigentlich genug Platz für alle da...

Emma ist eine knapp zweijährige Mischlingshündin und geradezu verrückt nach anderen Hunden. Ihre Halterin, Frau Maier, geht mit ihr regelmäßig spazieren und hofft immer, dabei möglichst viele andere Hunde zu treffen. Dann darf Emma endlich spielen und toben. Frau Maier kann überhaupt nicht verstehen, dass sie gelegentlich unangenehme Kommentare erntet, wenn Emma zu anderen Hunden hinrennt. Sie ist doch sehr gut verträglich und hat noch nie einem Hund etwas getan! – Um sechs Uhr morgens verlässt Frau Bauer mit ihrem Boxer-Mischling Ben das Haus. Sie geht ihre erste Gassirunde lieber im Dunkeln, denn um diese Zeit trifft sie selten auf andere Hunde. Ihr graut vor jeder Hundebegegnung, weil Ben aggressiv auf seine Artgenossen reagiert und dann nur schwer für sie zu halten ist. Und am schlimmsten wird es, wenn frei laufende Hunde nah herankommen, kein Halter weit und breit zu sehen ist und sie nicht weiß, wie sie den fremden Hund auf Abstand halten soll …

 

Jeder Hund tickt anders

Jedes Mensch-Hund-Team hat seine eigene Geschichte. Manche ähneln sich, manche sind grundverschieden. Meistens geht alles gut aus, doch oft genug kommt es auch zu einer Rauferei zwischen den Hunden. Und nicht selten zu einem heftigen Wortwechsel zwischen den Haltern! Jeder glaubt, im Recht zu sein. Viele schließen vom eigenen Hund auf alle Hunde. Doch das funktioniert nicht, denn unsere Hunde sind komplex kommunizierende Lebewesen, jedes mit seiner eigenen Persönlichkeit, der wir mit einem lapidaren „Der will nur spielen!“ nicht gerecht werden ... 

 

Körpersprache lesen lernen 

Wie erkenne ich aber, ob eine Begegnung für meinen Hund gut ist? Woher weiß ich, welcher Hund zum Spielkameraden wird und welcher zur Rauferei auffordert? Indem ich mich mit der Körpersprache und Kommunikation von Hunden auseinandersetze. Unsere Hunde haben ihre eigene „Sprache“ und wir Menschen können durchaus lernen, ihre vielfältigen und schnellen Signale zu erkennen und richtig zu deuten. Dann sind wir in der Lage, den entgegenkommenden Vierbeiner (und seinen Menschen!) einzuschätzen und unser Verhalten entsprechend anzupassen: Laufen wir lieber einen Bogen? Drehen wir sogar entspannt um? Oder geben wir unseren Hund einfach frei? Lassen wir ihn hinter uns sitzen und schirmen den anderen ab? Oder verständigen wir uns mit dem anderen Herrchen oder Frauchen? Lassen diese ihren Hund evtl. auch hinter sich warten und man trifft gemeinsam die Entscheidung, die Hunde in den Freilauf zu schicken? 

 

„Die regeln das schon“? 

Es gibt meistens mehr als eine Möglichkeit. Wichtig ist, dass wir Hundehalter in der Lage sind, überhaupt Einfluss auf das Verhalten unserer Hunde zu nehmen. Dazu braucht es ein gewisses Maß an Erziehung. Der häufig gehörte Satz „Die regeln das schon!“ ist zwar zutreffend, aber möchten wir das denn? Wollen wir wirklich mit den Folgen leben, die es haben kann, wenn wir unseren Hunden freie Hand bei jeder Begegnung lassen? Wer diesen Satz gebraucht, geht davon aus, dass hinter den Handlungen unserer Hunde keinerlei ernst zu nehmende Motivationen stehen und dass somit auch keine folgenschweren Konflikte entstehen können. Er spricht ihnen jegliche territoriale, ressourcenbezogene oder sexuelle Interessen ab und die Bereitschaft, diese zu verteidigen. Kurz gesagt: Derjenige unterschätzt unsere Hunde völlig! Für einen ängstlichen Hund bedeutet der Spaziergang demnach einen täglichen Ausflug ins Krisengebiet, ohne Rückhalt durch seinen Menschen, schlimmer noch: von ihm der Situation ausgeliefert. Ein pubertierender Rüde bekommt den Freifahrschein, sich mit der Konkurrenz anzulegen. Und eine läufige Hündin darf also den Park der Hundeanarchie gar nicht mehr betreten, es sei denn man möchte Welpen vom nächsten Rüden.

 

Kontakte im richtigen Rahmen

Im Training wenden sich immer wieder frustrierte, erboste oder auch hilflose Hundehalter an mich: Sie möchten ihren Hund gerne gut erziehen. Sie möchten ihm auch beibringen, in Anwesenheit von anderen Hunden noch auf seine Menschen zu hören. Aber sie können oft nicht vernünftig mit ihrem Hund üben, weil ständig frei laufende Hunde ihr Training unterbrechen. Natürlich sind Sozialkontakte zu Artgenossen für unsere Hunde sehr wichtig und sollen stattfinden! Aber es liegt an uns Haltern, gemeinsam zu entscheiden, wann wir diese Kontakte zulassen und wann nicht. Wenn wir alle einige allgemein gültige Punkte beachten und somit einen rücksichtsvollen und höflichen Umgang pflegen, nützt das unseren Hunden am allermeisten! Für ein entspanntes Miteinander sollte Kontakt an der Leine zwischen Hunden, die sich nicht kennen, vermieden werden. Durch die Leine sind sie in ihrer Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt und können weder frei kommunizieren noch ausweichen. Dadurch kommt es häufiger zu aggressiven Verhaltensweisen. Ist ein Kontakt an der Leine unvermeidbar, weil z. B. ein frei laufender Hund nicht zurückgerufen wird, kann die Leine fallengelassen werden und der Halter entfernt sich ein paar Schritte, um den Hunden Platz zu verschaffen. Wenn die Leine nicht losgelassen werden kann, weil man sich an einer Straße befindet oder mit seinem jagdlich motivierten Hund im Wald, sollte sie locker und hoch gehalten werden, damit unser Hund sich darunter so frei wie möglich bewegen kann und sich beide Hunde nicht auch noch in der Leine verheddern. Kommt ein angeleinter Hund entgegen, sollte der eigene Hund grundsätzlich an die Leine genommen bzw. sicher an der Seite geführt werden. Dabei spielt es keine Rolle, warum der andere Halter keinen Kontakt für seinen Hund wünscht! Vielleicht wurde dieser Hund kürzlich operiert oder es handelt sich um eine läufige Hündin oder er mag keine anderen Hunde oder der Halter ist in Eile: Niemand sollte sich rechtfertigen müssen, wenn er ungestört vorbeigehen möchte. Dasselbe gilt für Hunde, die einen Bogen mit ihrem Menschen laufen und der Begegnung offensichtlich ausweichen. Überlassen wir es dem anderen Halter, die Gründe dafür zu kennen, und gehen einfach mit Abstand vorbei. Begegnet man einem unangeleinten Hund, kann der eigene Hund auch frei laufen. Hier sollte wieder genau auf die Körpersprache der Hunde geachtet werden. Die Halter können rechtzeitig weitergehen oder ein Hund wird zurückgerufen, wenn ersichtlich ist, dass es zu Spannungen kommen kann. 

 

Ein zuverlässiger Rückruf 

Der Aufbau eines sicheren Rückrufs sollte selbstverständlich für jeden Hundehalter sein. Manchmal kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass das obligatorische „Der will nur spielen!“ vielleicht auch bedeuten könnte „Er wird nicht kommen, wenn ich rufe!“ Unsere Hunde sind keine Maschinen, und den hundertprozentigen Rückruf gibt es nicht. Aber mit Training und einer guten Einschätzung des eigenen Hundes, wissen wir ziemlich genau, wann wir uns auf ihn verlassen können und wann wir ihn lieber an der Leine lassen. 

 

Gassi als gemeinsames Abenteuer

Ein Spaziergang von Mensch und Hund kann mit einfachen Mitteln zu einem gemeinsamen Erlebnis werden! Es gibt viele schöne Beschäftigungsformen, je nach Veranlagung und Vorlieben unserer Hunde, die draußen durchgeführt werden können. Der Mensch unterhält sich nicht mehr konstant mit anderen oder starrt unentwegt auf sein Smartphone. Und der Hund bekommt in Aktionen zusammen mit seinem Menschen viel mehr zu tun als Markieren, Abchecken von Gerüchen und Ausschauhalten nach anderen Hunden. Gemeinsame Spaziergänge und Erlebnisse fördern die Bindung und wirken sich dadurch schließlich auch positiv auf den Rückruf aus. 

Den eigenen Hund abschirmen 

Es ist sinnvoll, unseren Hunden beizubringen, auf ein Signal hin hinter uns zu bleiben, sei es bei fremden Menschen oder frei laufenden Hunden. Wir positionieren uns zwischen unserem und dem entgegenkommenden Hund und können diesen fernhalten, indem wir unsere Körpersprache bzw. Stimme einsetzen. Dieser Schritt ist wichtig, um entweder unseren ängstlichen Hund zu schützen oder auch um unserem bei Distanzunterschreitung aggressiv reagierenden Hund zu vermitteln, dass er sich nicht um den anderen zu kümmern braucht. Wir übernehmen das für ihn und vermeiden so eine Auseinandersetzung zwischen den Hunden. Denn nicht jeder Hund muss jeden anderen Hund mögen! Wenn wir aufeinander Rücksicht nehmen, mit wachen Augen durch die Welt gehen und zudem noch mit einigem Hundewissen ausgestattet sind, dann ist in unseren Parkanlagen und auf unseren Spazierwegen genügend Platz für alle Mensch-Hund-Teams, egal ob sie Kontakt zu anderen suchen oder eben nicht. 

 

„MEIN HUND PÖBELT ANDERE HUNDE AN!“

Wenn Deine Spaziergänge zum Spießrutenlauf werden, weil Dein Hund beim Anblick von Artgenossen bellend in die Leine rennt oder weil er im Freilauf knurrend auf andere zuschießt, dann kann das schnell zur Belastung werden: für Dich, für Deinen Hund, aber auch für entgegenkommende Hunde und Menschen. 

Die gute Nachricht ist, dass dieses Verhalten durch Training in der Regel stark verbessert werden kann. Die schlechte, dass es nicht über Nacht geschieht und viel Fleiß,  Konsequenz und Durchhaltevermögen Deinerseits erfordert. 

 

Die folgenden Trainingsschritte können Dir helfen, Dein Ziel eines entspannten Spaziergangs zu erreichen: 

» Vermeide zu Beginn den Kontakt zu fremden Hunden. Fahre mit dem Auto weg oder übe im Garten. Suche eine Beschäftigung, die Deinem Hund Spaß macht, zum Beispiel Apportieren. Gemeinsame Erfolgserlebnisse sind die Basis für jedes Training!

» Um Deinen Hund in jeder Situation sicher halten zu können, braucht er ein gut sitzendes Brustgeschirr. Ein Ring vorn am Brustgurt ermöglicht es, Deinen Hund doppelt zu führen und ihn beim Reinspringen in die Leine zur Seite wegzudrehen. 

» Weiche im Alltag noch fremden Hunden großräumig aus. Wechsel die Straßenseite oder drehe entspannt um. Vermeide Orte, an denen Hunde frei laufen. 

» Selbst wenn Dein Hund bisher niemanden verletzt hat, rate ich Dir zum Maulkorbtraining: Einen positiv aufgebauten Maulkorb wird Dein Hund gern tragen. Er gibt Dir die Sicherheit, dass keine Bissverletzungen entstehen können. Er dient aber auch als nützliche Abschreckung für andere Hundehalter, die beim Anblick eines Maulkorbs ihren Hund oft besser kontrollieren.

» Trainiere mit Deinem Hund das Gehen an lockerer Leine, anfangs ohne Ablenkung, später mit mehr und mehr Reizen von außen.

» Übe mit Deinem Hund ein Alternativverhalten ein: Das kann eine Beschäftigungsform sein wie Futtersuche oder das Tragen eines Spielzeuges. Aber auch zum Beispiel das Signal „Schau!“, bei dem Dein Hund den Kopf drehen und Dir in die Augen sehen soll. Ist das Alternativverhalten aufgebaut, kannst Du dich Schritt für Schritt anderen Hunden annähern. Starte, falls nötig, auf sehr große Entfernung! 

» Nutze im Laufe des Trainings Leinenführigkeit und Alternativverhalten, um an anderen Hunden vorbeizugehen. Du fungierst dabei als Puffer und lässt Deinen Hund immer auf Deiner vom anderen abgewandten Seite gehen. 

» Trainiere mit Deinem Hund, dass er auf Signal sicher hinter Dir sitzen oder liegen bleibt. Auf diese Weise kannst Du später herankommende Hunde von ihm abschirmen. Beginne diese Übung mit Menschen, dann mit befreundeten Hunden, bevor Du sie im Alltag einsetzt. Wenn Dein Hund das alles gelernt hat, bist Du schon ein großes Stück weiter! Aber nicht immer lässt sich pöbelndes Verhalten ohne eine Korrektur, z. B. in Form von Wasser, umlenken. Ich rate Dir, sich im gesamten Training, aber auf jeden Fall beim Einsatz korrigierender Maßnahmen von einem guten Trainer begleiten zu lassen.

Hundesenioren - Über die Tücken, Lasten und „Romantik des Alterns“ unserer Hunde

Dass das Altern ein unaufhaltbarer Prozess ist, lehrt uns das Leben ja täglich aufs Neue. Und auch vor unseren Vierbeinern macht diese List keinen Halt. Schwer fällt uns das vor allem, weil unsere geliebten Vierbeiner einfach nicht so alt werden wie wir und dieser Vorgang oft schneller da ist, als einem lieb ist...

Meine Rhodesian-Ridgeback-Hündin „Abbey“ ist fast 14 Jahre alt geworden – sie war also ein Methusalem für Hunde ihrer Rasse und Größe. Abbey habe ich im Alter von ca. 6 Jahren aus einem slowakischen Tierheim übernommen. Mir ist es immer wichtig, Hunden eine zweite Chance zu geben, vor allem aber – ja, das ist ein Geständnis – nervt mich die Welpenzeit, weswegen ich sie bei meinen Hunden immer gerne großzügig umgangen bin. Eine meiner größten Schwächen ist Ungeduld, und so gestehe ich, wahrscheinlich zu ungeduldig zu sein, wenn der kleine tapsige Welpe im Schneckentempo Gassi geht und sich von jedem Blatt und Schmetterling in Trance versetzen lässt. Dazu muss man natürlich alle paar Stunden raus, damit kein Geschäft danebengeht und eine gute Stubenreinheit antrainiert wird. Warum ich das erzähle? Meine Abbey war im Alter nun wieder komplett in diese Phase geraten. Ähnlich wie bei alten pflegebedürftigen Menschen, entwickeln sich auch Hunde in diesem Lebensabschnitt quasi wieder zurück. Da hatte ich nun also meinen Riesenwelpen. 37 kg, die im Schneckentempo völlig demotiviert die Straße entlangschlenderten. Etwa einmal pro Tag ging ein Geschäft daneben, weil Abbey den Druck einfach zu kurzfristig bemerkt hatte oder es beim Schlafen erst gar nicht spürte. Sie wurde irgendwann dann auch dement, was sich häufig in leicht amüsanter Desorientierung bemerkbar machte. Etwa, wenn sie bei einem etwas längeren Spaziergang zu irgendeinem Auto ging, Hauptsache, es ging schnell wieder nach Hause. Oder auch einfach mal völlig fremde Hauseingänge wählte, weil sie fand, dass es Zeit war, umzukehren. Meine tiefe Liebe zu ihr siegte natürlich über meine Ungeduld, und so hatte ich auch gelernt, bei unseren kurzen Ausflügen etwas zu entschleunigen, und ihrem Alter mit höchstem Respekt und Würde zu begegnen.

Wann altern Hunde eigentlich?
Eine Studie der Uni Göttingen aus 2013 mit rund 50.000 Hundedaten von 74 verschiedenen Rassen hat bewiesen, dass „große Hunde schneller altern“. Warum genau das so ist, weiß die Wissenschaft leider noch nicht, generell hat man aber festgestellt, dass große Varianten innerhalb einer Tierart eher früher sterben als kleine. Eine Theorie, die ich sehr plausibel finde, besagt, dass das verhältnismäßig schnelle Wachstum und die Versorgung eines großen Tieres mehr Zellenergie bräuchte, was in Folge dazu führt, dass die Zellalterung schneller voranschreitet. Ermittelt wurde auch, dass große Hunde (also etwa ab Größe Labrador) im Schnitt 5–8 Jahre alt werden, kleine Hunde hingegen 10–14 Jahre. Natürlich gibt es auch größere Hunde, die mit 15 noch quietschfidel sind, und kleinere Rassen, die keine 10 Jahre alt werden. In aller Regel ist es jedoch anders. Auch graue Schnauzen sind nicht unbedingt DER Indikator fürs Altern, denn es gibt – wie auch beim Menschen – Hunde, deren Melaninproduktion sich früher verlangsamt und folglich Haare nicht mehr so gut pigmentiert werden. Typische Krankheiten beim alten Hund sind laut der deutschen Tierärztin Sophie Strodtbeck z. B. „Niereninsuffizienz, Herzerkrankungen, Tumore, Übergewicht, Lebererkrankungen, Schilddrüsenerkrankungen, Diabetes und vieles mehr“. Deswegen sollte man bei älteren Hunden regelmäßig das Blutbild untersuchen und einen Ultraschall machen lassen, um etwaige Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Die altersbedingten Abnutzungserscheinungen der Knochen und Gelenke tun dann ihr Übriges: Arthrosen sind eine Art „Gelenksverschleiß“, die entweder genetisch, traumatisch oder durch Überbelastung (höheres Gewicht) entstehen und manchmal auch zu schmerzhaften Gelenksentzündungen (Arthritis) führen können. Hier sollte der verantwortungsvolle Hundehalter auf jeden Fall mit Schmerz- und Entzündungshemmern gegen die Schmerzen vorgehen, natürlich immer in Rücksprache mit dem Tierarzt. Solche Alterungsprozesse lassen sich leider nicht aufhalten, maximal ein wenig verzögern. Abbey etwa bekam die letzten Jahre regelmäßig das komplette Programm an Schmerzmitteln. Natürlich leiden alternde Hunde auch unter einer allmählich nachlassenden Seh- und Hörfunktion. Das eingeschränkte Sehvermögen kann in der Hund-Hund-Kommunikation sehr hinderlich sein, wenn z. B. Artgenossen nicht mehr richtig gelesen werden oder zu spät wahrgenommen werden können. Das schlechtere Hören ist häufig ein verstärkter Angstauslöser, weil Geräusche nicht mehr eindeutig zugeordnet werden können und folglich eine größere Verunsicherung entstehen kann. Da kann man von Glück sprechen, wenn Gewitter und Feuerwerk irgendwann erst gar nicht mehr gehört werden. Auch das Alleinbleiben wird bei manchen Hunden schlechter. Sie sind natürlich nicht mehr so autark und brauchen den Menschen oft als ständigen Fels in der Brandung an ihrer Seite. Ich finde das völlig in Ordnung und habe bei Abbey diese Nähe zugelassen, so gut es ging. Auch wenn das bedeutete, dass sie plötzlich nur glücklich sein konnte, wenn sie abends den Badezimmerteppich zierte, während ich ein Bad nahm. Wo diese Nasszelle doch immer so verhasst war.

Hilfen im Alltag
Im Alter helfen Hunden – wie auch uns Menschen – halbwegs geregelte, feste Strukturen. Das muss jetzt nicht heißen, dass Du Deinen Alltag auf Seniorenheim-Rhythmen umstellen musst, zumindest sollten aber häufige Veränderungen vermieden werden, da die Anpassungsfähigkeit und Flexibilität im Alter oft schwindet. Auch solltest Du Deinem Vierbeiner viel Ruhe gönnen und ruhige, gut gepolsterte Schlafplätze zur Verfügung stellen. Viele alte Hunde kommen von glatten Liegeflächen nicht mehr selbstständig hoch, weswegen eine gute, rutschfeste Erreichbarkeit nötig ist. Mein Zuhause war ein Meer aus rutschfesten, inselartig formierten Fleckerlteppichen, die Abbey halfen, von A nach B zu kommen. Obendrein waren sie waschbar – für etwaige Unfälle. Die Wohnung war damals zwar nicht mehr fit fürs Schöner-Wohnen-Magazin, aber dafür ein echtes Hundeseniorenrefugium. Eine kleine Lichtquelle nachts oder ein Wassernapf neben dem Schlafplatz kommen so manchem gebrechlichen Vierbeiner übrigens auch entgegen. Beim Spaziergang kann ein Brustgeschirr mit Haltegriff oder ggf. auch ein spezieller Tragegurt für die Hinterbeine helfen, wenn es mal wackelige Tage gibt. Gassigänge sollten natürlich eher kurz und dafür häufiger stattfinden.

Training
Wer rastet, der rostet. Die Herausforderung mit einem alten Hund ist aber, das richtige Mittelmaß zu finden. Ich bin z. B. regelmäßig mit Abbey ein paar Treppen hinaufgegangen, und ab und zu haben wir eine tolle Physiopraxis besucht und das dortige Unterwasserlaufband für einen effizienten Muskelaufbau bzw. –erhalt genutzt. Vielmehr sollte man aber auch nicht vergessen, den Hund immer wieder geistig zu fordern. Futtersuchspiele, Clickertraining, und auch bei kleinen Aufgaben während des Spaziergangs wird Dopamin ausgeschüttet, welches eine befriedigende selbstbelohnende Wirkung auf den Organismus hat. Abbey liebte es beispielsweise den Futterbeutel zu apportieren. Regelmäßig versteckte ich ihn für sie und ließ sie danach suchen. Während sie wartete, machte sie „Steh und Bleib“ anstatt wie früher „Sitz und Bleib“, um ihre Knochen nicht zusätzlich zu belasten. Wenn ich sie dann in die Suche schickte, kam sie voller Stolz auf mich zugestolpert und freute sich auf ihre Belohnung. Das machte mir regelmäßig ein warmes Gefühl ums Herz.

Zweithund, ja oder nein?
Oft stellt sich noch die Frage nach einem Zweithund. Dieser hat, ohne Frage, natürlich für den Menschen den Effekt, nach dem Tod des älteren Hundes nicht plötzlich ganz allein zu sein. Natürlich sollte man hier aber in erster Linie immer im Sinne des alten Hundes entscheiden. Ich erlebe immer wieder, dass zu einem alten Hund ein sehr junger genommen wird und die Menschen dann denken, dass der Alte einen „zweiten Frühling“ durchlebt. In Wahrheit ist er aber oft völlig überfordert mit der Erziehung des Kleinen. Ein zweiter Hund sollte also ggf. besser älter sein und den Ersthund nicht nerven. Auch bei mir war damals, vorerst als Pflegestelle, eine 1,5 Jahre alte Hündin eingezogen. Die Erlaubnis zu bleiben hat sie aber erst bekommen, weil sie so unglaublich nett mit Abbey war, sie aber nicht mit Beschlag belegte. Mir war also gleich bewusst, dass sie Abbey nicht überfordern oder stören würde, deswegen gab es die erhoffte Freigabe zu bleiben.

Der Abschied
Auch die beste Palliativpflege bewahrt nicht davor, dass irgendwann der Zeitpunkt des Abschieds naht. Leider verläuft es in den seltensten Fällen so, dass der Hund nachts im Körbchen einschläft. Meist muss doch der Mensch entscheiden, wann es an der Zeit ist. Dazu kann ich nur sagen: Lass Dich nicht von anderen verunsichern und achte auf nichts anderes als Dein Bauchgefühl. Kein Hund sollte leiden, weil es dem Menschen schwerfällt, ihn gehen zu lassen, aber verantwortungsvolle Hundehalter entscheiden dies in aller Regel genau richtig. Lieben und Loslassen-Können gehören leider einfach zusammen.

Brauchen Hunde einen festen Liegeplatz?

Unser Harry, Schäferhund-Border Collie-Labrador-Husky-Mix, 1 Jahr alt, will kein Körbchen, keine Decke, Matratze ... einfach keinen festen Platz. Er versucht all diese Unterlagen zu besteigen und beißt sie dabei kaputt. Egal ob weiches Körbchen, Fell oder orthopädische Matratze. Er liegt meist auf dem Boden an wechselnden Plätzen und auch auf Couch und Bett. Aber er braucht doch einen festen Rückzugsort!?

Hunde sind in diesem Alter oft sehr „kreativ“. Gerade den ersten Schub der Pubertät hinter sich, sind sie dennoch lange noch nicht erwachsen. Auch die körperliche Entwicklung ist, gerade bei den großen Rassen, noch nicht vollständig abgeschlossen, sodass man sie noch nicht stark körperlich belasten kann. Die Konzentration im Training hält ebenfalls noch nicht lange an, sodass die geistige Auslastung des Hundes oft auch nur begrenzt möglich ist. Dennoch sind sie voller Tatendrang und Energie, und diese muss dann irgendwo hin. Das äußert sich oftmals darin, dass Möbel oder Decken zerstört werden. Du beschreibst, dass Harry die Decken nutzt, um darauf aufzureiten. Dies kann sexuell motiviert und ein Zeichen für die gerade erfolgten Veränderungen in seinem Körper sein. Es kann aber auch einfach ein Hinweis darauf sein, dass er nicht ausgelastet ist. Daher solltest Du ein intensives Training mit Harry beginnen. Dazu eignet sich z. B. ein Apportiertraining. Dieses kannst Du unendlich variabel gestalten und Harry so ideal fordern.

Einige Hunde zeigen unerwünschtes Verhalten aber auch, da sie damit Aufmerksamkeit erlangen. Selbst wenn diese Aufmerksamkeit für den Hund negativ ist, weil der Mensch mit dem Hund schimpft, hat er doch eine Reaktion des Menschen auf sein Verhalten erreicht. Diese bestätigt ihn darin, das Verhalten immer weiter zu zeigen. Daher solltest Du als allererstes das Verhalten von Harry in Bezug auf das Zerstören von Decken ignorieren. Immer dann, wenn er beginnt, auf der Decke aufzureiten, gehe also weder zu ihm hin, noch spreche ihn an. Du darfst ihn nicht einmal anschauen, denn schon das würde er als Reaktion auf sein Verhalten werten. Wenn er dabei die Decke zerstört, muss er in der nächsten Zeit eben auf einer Decke mit Löchern liegen. Falls es Dir schwerfällt, das Verhalten zu ignorieren, kannst Du die Decken auch wegräumen. Hunde mit viel Unterwolle, wie es beim Husky oder Schäferhund der Fall ist, suchen sich tatsächlich oftmals eher kühle Flächen als Liegeplatz aus. Wenn Dein Hund diese Stellen daher bevorzugt, braucht er auch nicht unbedingt ein weiches Körbchen mit dicker Decke.

Allerdings sollte es aber tatsächlich einen Rückzugsort für Harry geben, wo er nicht gestört wird und entspannen kann bzw. einen Liegeplatz, an den Du ihn immer wieder einmal auch schicken kannst. Denn jeder Hund sollte von Anfang an lernen, für eine Zeitlang an einem bestimmten Ort liegen zu bleiben, bis der Mensch ihn wieder frei gibt, da dies für den Alltag eine große Hilfe sein kann. Nicht alle Menschen mögen Hunde, manche haben sogar Angst vor ihnen. Wenn Du Harry auf seinen Platz schicken kannst, wird auch solcher Besuch ganz entspannt zu Dir kommen können. Solange Harry seine Decken zerstört, reicht es auch, wenn Du seinen Platz mithilfe einer Markierung, z. B. durch ein Klebeband, kennzeichnest. Wichtig ist für den Hund nur, dass er eindeutig erkennen kann, welchen Platz er auf Dein Signal, wie z. B. „Geh auf deine Decke“ aufsuchen soll. Ob dann da tatsächlich auch eine Decke liegt, spielt im Grunde genommen keine Rolle.

Harry muss nun in kleinen Schritten lernen, den mit Klebeband markierten Platz auf Dein Signal hin aufzusuchen. Stelle Dich dazu mit ihm direkt neben das Klebeband und führe ihn mit einem Futterstück auf den Platz. Dort forderst Du ihn dann auf, sich hinzulegen. Verknüpfe nach einigen Wiederholungen diese Handlung mit Deinem neuen Signal, wie z. B. „Geh in deine Ecke“. Achtung, wenn Du das Signal „Platz“ dazu benutzt, dass Harry sich hinlegen soll, eignet sich das Signal „Geh auf deinen Platz“ nicht dafür, dass Harry seine Liegestelle aufsuchen soll, da die beiden Signale dann zu ähnlich sind. Anfangs soll Harry nun nur ein paar Sekunden dort liegen bleiben. Belohne ihn dafür, dass er brav liegen geblieben ist und gebe ihn dann wieder frei. Schritt für Schritt kannst Du die Zeit, die Harry auf seinem Platz liegen bleiben muss, dann immer weiter steigern. Vergesse aber bitte gerade nach einer längeren Zeit nicht, Harry wieder frei zu geben, das Signal also aufzulösen. Steht Harry auf, ohne dass Du ihn frei gegeben hast, bringst Du ihn kommentarlos auf seinen Platz zurück. Warte nun aber nicht ganz so lange, bis Du ihn für das Liegenbleiben belohnst und das Signal wieder auflöst, denn dieses Mal sollte er die Übung mit einem Erfolg abschließen.

Schleppleine abbauen

Falls Du im Training derzeit eine Schleppleine einsetzt und diese aber wieder abbauen möchtest, verraten wir Dir hier, wie dies optimal funktioniert.

Erst einmal lässt Du die Schleppleine nun schleifen. Dabei solltest Du Dir an Deiner Schleppleine einen Punkt markieren, der ca. 3 – 5 Meter vor dem Ende der Schleppleine liegt. Sollte Dein Hund sich nun so weit entfernen, dass diese Marke auf Deiner Höhe ist, heißt es reagieren. Du hast nun noch den Rest der Leine Zeit, Deinen Hund zurückzurufen oder zum Stehen bleiben aufzufordern. Sollte er jetzt nicht reagieren, kannst Du immer noch auf die Schleppleine treten und diese aufnehmen, und damit verhindern, dass Dein Hund sich selbstständig macht.

Überlege Dir nun, wie weit Du Deinem Hund zukünftig gestatten willst, sich zu entfernen. In jedem Fall sollte es eine Distanz sein, in der er auch in jagdlichen Situationen noch ansprechbar ist. Immer wenn Dein Hund nun diese Distanz erreicht hat, sprichst Du ihn an und rufst Deinen Hund zu Dir zurück. Mit der Zeit wird Dein Hund lernen, dass die vorgegebene Entfernung die maximale Distanz ist, die er sich vorlaufen darf.

Nun schneidest Du Meter für Meter von der Schleppleine ab. Bitte mache nicht den Fehler, und lasse Deinen Hund von heute auf morgen wieder ganz frei laufen. Dein Hund weiß, dass er an der Schleppleine ist, die ja monatelang seinen Freilauf verhindert hat. Du musst die Schleppleine daher in kleinen Schritten ausschleichen. Werde nun bitte nicht ungeduldig. Wenn Du hier ausdauernd bleibst, hast Du später einen Hund, der ein Leben lang frei laufen kann. Was machen da ein oder zwei Monate mehr an der Schleppleine aus?

Wasserspiele

Im Sommer genießen wir und ebenso unsere Hunde den Aufenthalt im kühlen Nass. Daher dreht sich nun alles um das Apportieren aus dem Wasser.

Suche in jedem Fall für den Anfang ein Gewässer, welches nicht so tief ist und einen langen flachen Einstieg hat. So kann sich Dein Hund Schritt für Schritt immer weiter ins Wasser hinein trauen.

Beginne am besten mit dem Lieblingsspielzeug Deines Hundes. Spiele zunächst ein wenig an Land mit Deinem Hund und mache Übungen, die er bereits beherrscht. Klappt dies, kannst Du das Spielzeug auch einmal ins Wasser werfen. Achtung: Allerdings bitte nicht zu weit hinein! Am Anfang reicht es, wenn Dein Hund mit den Vorderpfoten ins Wasser gehen muss um den Gegenstand zu erreichen. Steigere nun Schritt für Schritt die Distanz. Hat ein Hund einmal gelernt, dass er schwimmen kann und nicht untergeht, ist er meistens mit Feuereifer dabei und schwimmt gerne lange Strecken.

Solltest Du bezweifeln, dass Dein Hund aus dem Wasser apportieren wird, kannst Du das Spielzeug auch an einer Schnur befestigen, deren Ende Du in der Hand behältst. So kannst Du verhindern, dass das Spielzeug ins tiefe Wasser abtreibt, und Du es gegebenenfalls selbst nicht wieder herausholen kannst. Bitte achte dabei aber darauf, dass Dein Hund sich nicht in der Schnur verheddert.

Sollte das Apportieren aus dem Wasser ein Leichtes für Deinen begeisterten Apportierhund sein, so kannst Du das Training bereits variieren. So muss Dein Hund beispielsweise erst neben Dir sitzen bleiben und auf das Startsignal warten, bevor er ins Wasser darf um den Gegenstand zu apportieren. Du kannst auch einen zweiten Gegenstand hinzunehmen, und diesen in die andere Richtung an Land auswerfen. Nun darf Dein Hund entweder zuerst aus dem Wasser apportieren, ein anderes Mal soll er dann zuerst den Gegenstand von Land apportieren.

Hunde, die bereits gerne am Wasser arbeiten, können auch im Wasser tauchen. Verwende hierzu ein Spielzeug oder Leckerlies die nicht auf dem Wasser schwimmen. Lasse Deinen Hund zunächst dieses Spielzeug an Land apportieren. Funktioniert dies gut, gehe dazu über, das Spielzeug auch ins flache Wasser zu werfen. Achte hier wieder darauf, in kleinen Schritten vorzugehen. Es genügt zu Beginn dieser neuen Übung, wenn Dein Hund die Nase leicht eintauchen muss, um an das Spielzeug oder das Futter zu gelangen. Taucht Dein Hund bereits sicher im flachen Wasser, so kannst Du Stück für Stück das Spielzeug oder Futter ein bisschen tiefer ins Wasser legen. Manche Hunde werden dabei zu richtigen Wasserratten und tauchen richtig tief mit ihrem Kopf unter Wasser.

Nun kannst Du viele verschiedene Übungen frei kombinieren und auch mit Deinem Hund am Strand oder Badesee trainieren. So wird es niemals langweilig!

Haushaltshelfer Hund

Stelle Dir vor, wie Dein Hund für Dich, die im Raum verteilten Gegenstände einsammelt und in einen Eimer wirft. So wird Dein Hund zu einem wahren Haushaltshelfer.

Beim „Aufräumen“ handelt es sich um eine Variante des Apportierens, bei welcher man dem Hund beibringt Gegenstände nicht in die Hand abzugeben sondern in eine Kiste oder einen Korb fallen zu lassen.

Dazu müssen wir unserem Hund das „Aufräumen“ natürlich erst mal beibringen. 

Für das Training benötigst Du eine stabile Kiste oder einen Korb, die Größe ist jeweils von der Größe Deines Hundes abhängig, sollte jedoch eine Öffnung haben, die das bequeme Einwerfen der Spielzeuge ermöglicht. Beginne das Training indem Du Deinem Hund anfangs erlaubst sich mit der Kiste vertraut zu machen. Lege den Apportiergegenstand in die Kiste und lasse Deinen Hund das Spielzeug aus der Kiste heraus apportieren. Hast Du diese Übung einige Male erfolgreich wiederholt, kannst Du Dich neben oder hinter der Kiste positionieren und das Spielzeug zu Dir apportieren lassen. Lege Deine Hand über die Öffnung der Kiste. Wenn Dein Hund den Gegenstand bringt, gebe ihm das Signal für Loslassen und ziehe die Hand leicht zurück, sodass das Spielzeug in der Kiste landet. Sofern dies nach einigen Wiederholungen gut klappt, und Dein Hund das Prinzip verstanden hat, kannst Du im Moment des Fallenlassens ein Signal z.B. „aufräumen“ hinzufügen.

Wenn Dein Hund das Signal kennt, kannst Du die Übung etwas schwieriger gestalten und nach und nach die Distanz zwischen Dir und der Kiste vergrößern. Zeige durch Körpersprache mit ausgestrecktem Arm auf die Kiste und gebe Deinem Hund das Signal „aufräumen“. Übe dies auch an unterschiedlichen Orten, z.B. im Wohnzimmer, im Garten …

Wenn auch diese Übung auf einige Meter Entfernung gut klappt, kannst Du eine zweite Kiste hinzunehmen. Stelle hierfür eine Kiste rechts und eine Kiste links von Dir auf. Beginne auch bei der neuen Kister erst damit, Deinen Hund aus der Kiste heraus etwas apportieren zu lassen. Klappt dies gut, gehe einen Schritt weiter. Dein Hund sitzt Dir gegenüber, das Spielzeug liegt zwischen Dir und Deinem Hund. Lasse Deinen Hund den Gegenstand nun aufnehmen und zeige deutlich auf die Kiste in die Dein Hund den Gegenstand „aufräumen“ soll. Führt Dein Hund die Übung gut aus, belohne ihn.

Diese Übung kannst Du auch mit beliebigen, für Deinen Hund ungefährlichen Haushaltsgegenständen durchführen, z.B. mit Socken, Fernbedienungen, PET-Flaschen etc.