Englische Bulldogge
Steckbrief
| FCI Standardnummer: | 149 |
|---|---|
| Herkunftsland: | Großbritannien |
| Gewicht Hündin: | 23 kg |
| Gewicht Rüde: | 25 kg |
| Fellfarbe: | Einfarbig oder einfarbig mit schwarzer Maske oder schwarzem Fang (Smut). Nur einheitliche Farben: gestromt, rot in allen Schattierungen, falb, rehbraun etc., weiβ und gescheckt (d.h. weiβ in Kombination mit einer der genannten Farben) |
| Fellbeschaffenheit: | Von feiner Struktur, kurz, dicht und glatt (hart nur infolge der Kürze und Dichte, nicht drahtig) |

Kompakt gebaut, komplexes Leben
Geschichte
Die Englische Bulldogge hat ihre Ursprünge im England des 16. und 17. Jahrhunderts, wo sie ursprünglich für den sogenannten Bullenkampf gezüchtet wurde. Merkmale wie die kurze Schnauze, der breite Kiefer und die zurückgenommene Nase ermöglichten es dem Hund, sich im Kampf festzubeißen und gleichzeitig weiter zu atmen. Diese frühen Bulldoggen waren kräftige, ausdauernde Tiere, gezüchtet für eine extreme körperliche Belastung.
Mit dem Verbot des Bullbaitings im Jahr 1835 verlor die Rasse ihre ursprüngliche Aufgabe. Man begann, die Bulldogge stattdessen als Begleit- und Gesellschaftshund weiterzuentwickeln. Dabei wurden äußere Merkmale wie der breite Kopf, die kurze Schnauze und der gedrungene Körper verstärkt selektiert. Schon zu dieser Zeit traten Berichte über Atemprobleme, Geburtskomplikationen und Gelenkbelastungen auf.
Heute gilt die Englische Bulldogge als eine weltweit bekannte und markante Hunderasse. Ihr typisches Erscheinungsbild ist jedoch in erster Linie das Ergebnis gezielter Zucht auf Optik – vielfach mit gesundheitlichen Nachteilen für die Tiere.
Aussehen
Die Englische Bulldogge ist ein kompakter Hund mit einer Widerristhöhe von etwa 31 bis 40 cm und einem Gewicht zwischen 23 und 25 kg. Der Kopf ist massiv und breit, mit kurzer Schnauze, tiefer Stirn und stark ausgeprägten Backenpartien. Auffällig sind die Hautfalten im Gesicht und am Hals.
Das glatte, kurze Fell tritt in verschiedenen Farben auf, darunter gestromt, rot, weiß oder gescheckt. Die Rute ist kurz und tief angesetzt. Während diese Merkmale das typische Erscheinungsbild der Rasse ausmachen, sind sie auch eng mit gesundheitlichen Einschränkungen verbunden. Dazu gehören erschwerte Atmung durch die brachyzephale Kopfform, erhöhte Anfälligkeit für Hautentzündungen in den Falten sowie eine deutliche Belastung von Gelenken und Wirbelsäule.
Charakter
Englische Bulldoggen zeichnen sich durch ein freundliches, bei ihren Menschen “anhängliches” Wesen aus. Sie gelten als selbstbewusst und manchmal eigensinnig (durchaus auch ignorant), zeigen jedoch im familiären Umfeld meist eine ausgeprägte Zuneigung. Viele wirken gelassen, besitzen aber (menschlich formuliert) auch einen gewissen Humor und eine clowneske Art, die sie als sympathische Gefährten auszeichnet.
Ihre körperlichen Einschränkungen begrenzen zwar die Ausdauer, dennoch sind sie temperamentvolle Hunde, die geistige Ansprache und Auslastung benötigen. Fremden gegenüber zeigen sie sich in der Regel etwas reserviert.
Bedürfnisse und Haltung
Die Englische Bulldogge erfordert eine Haltung mit besonderer Rücksichtnahme auf ihre körperlichen Einschränkungen. Hitze und körperliche Anstrengung können rasch Probleme verursachen. Empfohlen werden kurze, ruhige Spaziergänge und eine angepasste Beschäftigung, die vor allem geistige Auslastung bietet – etwa Such- und Denkspiele in kurzen Einheiten.
Temperaturkontrolle, regelmäßige Gesundheitskontrollen sowie sorgfältige Haut- und Fellpflege sind unverzichtbar. Halter:innen sollten sich bewusst sein, dass die Rasse im Alltag deutlich mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung benötigt als viele andere Hunderassen.
Gesundheitliche Aspekte
Die Englische Bulldogge gehört zu den Rassen, die stark von sogenannten Qualzuchtmerkmalen betroffen sind. Zu den häufigsten gesundheitlichen Einschränkungen zählen:
- Atemwegserkrankungen: Brachyzephales Obstruktives Atemwegssyndrom (BOAS), Kehlkopferkrankungen, chronische Entzündungen im Rachen.
- Geburtsprobleme: Viele Welpen können nicht auf natürlichem Weg geboren werden, weshalb Kaiserschnitte häufig die Regel sind.
- Gelenkprobleme: Hüft- und Ellbogendysplasie, Wirbelsäulenanomalien sowie Patellaluxation.
- Hautprobleme: Hautfalten begünstigen Entzündungen, Infektionen und chronischen Juckreiz.
- Zahn- und Kieferprobleme: Fehlstellungen wie Engstände oder Überbiss erschweren Fressen und Kauen.
- Übergewicht: Adipositas tritt häufig auf und verschärft Atem-, Gelenk- und Herzprobleme.
Studien zeigen, dass ein hoher Anteil der Englischen Bulldoggen im Alltag dauerhaft unter gesundheitlichen Einschränkungen leidet. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei etwa 8 bis 10 Jahren.
Training und Beschäftigung
Aufgrund der körperlichen Limitationen muss das Training unbedingt angepasst sein. Lange oder intensive Belastungen sind ungeeignet. Empfehlenswert sind:
- kurze Spaziergänge in gemäßigtem Tempo
- Such- und Denkspiele
- Nasenarbeit und Aufgaben mit geringer körperlicher Belastung
- konsequente Temperaturkontrolle, besonders bei Wärme.
Eine achtsame, informierte und anpassungsfähige Haltung ist entscheidend, damit eine Englische Bulldogge möglichst beschwerdefrei leben kann.
Zucht und Tierschutz
Die Englische Bulldogge ist international als Rasse anerkannt (u. a. FCI, AKC). In vielen Zuchtprogrammen stehen jedoch äußere Merkmale weiterhin im Vordergrund, während gesundheitliche Aspekte zweitrangig behandelt werden. Tierschutzorganisationen kritisieren dies seit Jahren.
In mehreren Ländern – etwa in den Niederlanden – wurden bereits Zuchtverbote für extrem brachyzephale Hunde erlassen. Auch in Deutschland ist das Thema unter dem Tierschutzgesetz (§ 11b TierSchG) zunehmend relevant.







