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Hovawart

Steckbrief

FCI Standardnummer: 190
Widerristhöhe Hündin: 58 bis 65 cm
Widerristhöhe Rüde: 63 bis 70 cm
FCI Gruppe: Pinscher und Schnauzer - Molossoide - Schweizer Sennenhunde
Herkunftsland: Deutschland
Fellfarbe: Drei Farbschläge: Schwarz-marken, schwarz und blond.
Fellbeschaffenheit: Kräftiges Langhaar, leicht gewellt und anliegend, mit wenig Unterwolle

Wächter über Haus und Hof

Der Hovawart ist eine alte deutsche Gebrauchshunderasse. Sein Name setzt sich aus den mittelhochdeutschen Begriffen „Hova“ (Hof) und „Wart“ (Wächter) zusammen und beschreibt ziemlich treffend, wofür diese Hunde ursprünglich gehalten wurden: zum Bewachen von Haus, Hof und Besitz. Bereits im 13. Jahrhundert finden sich Hinweise auf Hof- und Bauernhunde dieses Typs.

Der heutige Hovawart ist allerdings keine unveränderte Fortsetzung dieser mittelalterlichen Hunde, sondern eine bewusste Nachzüchtung. Ab den 1920er-Jahren wurde versucht, einen robusten, wachsamen und wesensfesten Hofhund neu zu etablieren. Grundlage dafür waren Hunde ähnlichen Typs, die noch auf Bauernhöfen zu finden waren, ergänzt durch weitere passende Rassen (Schäferhunde, Kuvacz, Leonberger und Neufundländer).

Bis heute ist der Hovawart stark von dieser Herkunft geprägt. Er versteht sich als Wächter seines Territoriums und seiner Bezugspersonen und übernimmt Verantwortung für „sein“ Umfeld. Diese Eigenschaften machen ihn zu einem aufmerksamen Begleiter, verlangen im Alltag jedoch klare und verlässliche Strukturen.

Kräftig gebaut, funktional gedacht

Der Hovawart ist ein mittelgroßer bis großer Hund mit kräftigem, funktionalem Körperbau. Rüden erreichen eine Widerristhöhe von etwa 63 bis 70 cm, Hündinnen von 58 bis 65 cm. Das Gewicht liegt meist zwischen 30 und 45 kg. Der Geschlechtsunterschied ist deutlich sichtbar: Rüden wirken insgesamt massiver und markanter, Hündinnen etwas leichter und femininer.

Das Haarkleid ist lang bis mittellang und leicht gewellt. Zugelassen sind die Farben blond, schwarzmarken und schwarz. Grundsätzlich gilt das Fell als pflegeleicht, neigt aber an bestimmten Stellen – etwa in den Achseln oder an der Hinterhand – bei mangelnder Pflege durchaus zum Verfilzen.

Selbstbewusst mit Verantwortung im Gepäck

Der Hovawart ist ein selbstbewusster Hund mit starkem „Eigenanteil“. Er denkt mit, entscheidet gerne selbstständig und bringt eine ausgeprägte Wachsamkeit sowie Territorialmotivation mit. Blinder Gehorsam liegt ihm fern. Stattdessen möchte er verstehen, warum etwas sinnvoll ist.

Innerhalb seiner Familie zeigt er sich meist sehr bindungsorientiert, aufmerksam und sensibel. Menschen, die er kennt und akzeptiert, begegnet er freundlich und oft sanft. Fremden gegenüber bleibt er hingegen häufig reserviert oder distanziert. Dieses Verhalten entspricht seinem ursprünglichen Zweck und sollte in alltagstaugliche Bahnen gelenkt bzw. von seinen Menschen verantwortungsvoll gemanaged werden.

Der Hovawart gilt als temperamentvoll und lernbereit. Gleichzeitig bringt er eine Persönlichkeit mit, die Führung erfordert. Fehlende Klarheit oder wechselnde Regeln führen schnell dazu, dass der Hund eigene Lösungen entwickelt – nicht immer im Sinne des Menschen.

Nasenprofi und Spätentwickler

Der Hovawart ist ein aktiver Hund, der mehr braucht als tägliche Spaziergänge. Wichtig ist vor allem eine Aufgabe, die ihn geistig fordert und ihm Orientierung gibt. Besonders Nasenarbeit wie Fährtenarbeit oder Mantrailing liegt ihm, ebenso strukturierte Beschäftigungen, bei denen Zusammenarbeit und Konzentration gefragt sind.

Die Erziehung erfordert Zeit, Geduld und ein gutes Gespür für den Hund. Entscheidend sind Verlässlichkeit, klare Regeln und ruhige Konsequenz. Hinzu kommt seine späte Reife: Körperlich ist der Hovawart früh groß und kräftig, geistig jedoch oft erst mit drei bis vier Jahren wirklich erwachsen. Diese Diskrepanz macht gerade die Junghundezeit anspruchsvoll und erfordert vorausschauendes Training.

Robust, aber nicht sorgenfrei

Der Hovawart gilt insgesamt als robuste Rasse, ist jedoch – wie viele größere Hunde – nicht frei von möglichen gesundheitlichen Problemen. Zu den bekannten Risikobereichen zählen unter anderem:

  • Hüftgelenksdysplasie (HD)

  • Osteochondrosis dissecans (OCD), vor allem an Schulter oder Knie

  • Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

  • Lebershunt (angeborene Fehlbildung der Lebergefäße)

Ein aufmerksamer Umgang im Alltag sowie ein wachsames Auge für Veränderungen im Bewegungsablauf oder Verhalten sind wichtig, um mögliche Probleme frühzeitig zu erkennen.