So klappt's mit dem Maulkorb!

Kennst du das auch? Dein Hund trägt einen Maulkorb und ständig wirst du gefragt: „Oje, warum muss Ihr Hund denn einen BEISSKORB tragen?“ Ja, während man in Deutschland üblicherweise vom Maulkorb spricht, wird in Österreich zumeist immer noch der Begriff Beißkorb verwendet. Dabei geht es ja mitnichten nur um den Schutz vor Bissen.
Ein gut aufgebauter Maulkorb ist einfach ein angenehmes Hilfsmittel im Alltag, sei es für die öffentlichen Verkehrsmittel oder als Sicherheitsmaßnahme bei den so zahlreich in den Medien kursierenden Giftködermeldungen. Zu guter Letzt gilt in Wien: Leinen oder Maulkorbpflicht für ALLE Hunde! In Restaurants und auf öffentlichen Plätzen sogar Leinen- und Maulkorbpflicht laut Wiener Tierhaltegesetz. Wir kommen also nicht darum herum, unsere Hunde an einen Maulkorb zu gewöhnen.
Augen auf beim Maulkorbkauf
Beim Kauf des Maulkorbes sollte auf Folgendes geachtet werden:
Grundsätzlich gilt, dass der Hund durch einen Maulkorb so wenig wie möglich eingeschränkt sein darf. Das Wichtigste in Bezug auf die richtige Passform ist sicherlich das sogenannte Hechelmaß. Ein Hund muss mit dem Maulkorb hecheln können, um einen Temperaturausgleich zu schaffen. Außerdem muss er trinken können. Gerade bei sommerlichen Temperaturen ist ein passendes Hechelmaß wirklich absolute Pflicht. Der Maulkorb muss daher nach unten hin so groß sein, dass der Hund sein Maul vollständig öffnen kann. Sogenannte Maulschlingen scheiden dementsprechend aus und sind seit dem 01.01.2025 in Österreich verboten.
Je größer das Hechelmaß ist, desto wichtiger wird ein Kehlriemen. Ohne den Kehlriemen kann sich der Hund den großen Korb sonst sehr leicht abschütteln oder abstreifen.
Die Maulkorblänge ist ebenfalls essenziell. Der Maulkorb darf nicht in die Augen stehen und der Hund muss vorne noch genügend Platz haben. Im besten Fall liegt der Maulkorb ca. 1 cm unter den Augen auf der Nase auf und hört 1 cm nach Ende der Nase auf.
Der Stirnriemen ist grundsätzlich optional. Er trägt auf jeden Fall zum Halt bei, d.h. bei Rassen mit sehr kurzer Schnauze ist er oft unumgänglich, weil der Maulkorb sonst keinen Halt hat. Außerdem dient der Stirnriemen gegen das Abstreifen, das ebenfalls nicht so leicht gelingt, weil der Stirnriemen eben zusätzlichen Halt gibt.
Für viele Hunde ist er allerdings irritierend und auch nicht immer zwingend notwendig.
Maulkorbtypen: Vor- und Nachteile
Der sogenannte „Spritzgussmaulkorb“ aus Plastik kommt von der Stange, ist sehr günstig und in jedem Hundebedarfsgeschäft zu kaufen. Es gibt eigentlich nur einen Grund, so einen Maulkorb zu kaufen: zur ersten Gewöhnung des Welpen. Der Welpe ist noch nicht ausgewachsen, daher macht ein maßangefertigter (und damit perfekt sitzender) Maulkorb noch keinen Sinn.
Der Spritzgussmaulkorb hat aber einen fatalen Nachteil. Er läuft vorne spitz zusammen. Das Maul des Hundes öffnet sich aber beim Hecheln und wird nun größer. Durch die Form dieses Maulkorbs wird der Hund am Hecheln schlichtweg gehindert. Deshalb sollte er auch nicht für kurze Zeit „nur in den Öffis“ verwendet werden. Gerade wenn ein Hund das Tragen eines Maulkorbs nicht gewöhnt ist und sich dadurch leicht stressen lässt, wird er Übersprunghandlungen wie gähnen zeigen oder eben hecheln wollen, was kaum möglich sein wird. Für die erste Heranführung an einen Maulkorb kann man einen Spritzgussmaulkorb also verwenden, für die weiterführende Gewöhnung und für längeres Tragen ist er gänzlich ungeeignet.
Der Ledermaulkorb kann durchaus verwendet werden, wenn er auf die Maße des Hundes angepasst wird, hat aber auch klare Nachteile: Es sammeln sich schnell sämtliche Bakterien auf dem Material und er riecht daher mitunter auch für den Hund unangenehm. Außerdem bietet er keinen sicheren Schutz, wenn es um Bissprävention oder Giftköder geht. Durch den Ledermaulkorb kommt ein Hund recht schnell durch.
Ein Hund, der einen Metallmaulkorb trägt, hat nach wie vor das Image des bissigen Hundes. Das liegt wahrscheinlich daran, dass dieses Material auch tatsächlich das einzige ist, das Bisse mit größter Wahrscheinlichkeit verhindert. Verletzungen können jedoch trotzdem entstehen, wenn ein Metallkorb mit voller Wucht einen anderen Hund oder Menschen trifft. Aber ein Biss wird nur schwer durchgehen. Je nach Gewicht und Beißkraft des Hundes sollte man sich also überlegen, ob man einen Metallmaulkorb verwendet oder nicht. Hat man z.B. einen kleinen Hund mit geringer Beißkraft kann es sein, dass ein Metallmaulkorb nicht notwendig ist, sondern dieser vielleicht sogar stärkere Verletzungen verursachen kann als ein Biss durch einen Maulkorb aus weichem Material hindurch. Ein großer, schwerer Hund mit hoher Beißkraft wird aber lieber den Metallmaulkorb tragen, weil man die Verletzungen, die mit einem Metallmaulkorb entstehen können, eher in Kauf nimmt als den mitunter tödlichen Biss, der durch diesen verhindert wird.
Eine gute weiche Alternative stellt ein Biothane-Maulkorb dar. Biothane ist ein weicher Kunststoff. Jeder einzelne Riemen des Maulkorbs kann nicht nur eine andere Farbe haben, sondern wird eben auch ganz an die individuellen Bedürfnisse deines Hundes und an die Situationen, in denen dein Hund den Maulkorb tragen wird, angepasst. Soll der Hund möglichst gut schnüffeln können? Kein Problem, dann wird ein „Nose free“-Maulkorb angefertigt. Frisst der Hund alles vom Boden? Dann kommt der Maulkorb mit Anti-Giftköder-Schutz. Braucht man den Maulkorb für die Fahrt in öffentlichen Verkehrsmitteln? Dann gibt es den Maulkorb eben genau dafür.
Es gibt nur eine klare Einschränkung: Wenn ein Hund ernsthaft beißen und beschädigen möchte, wird er durch das Biothane hindurchkommen. Der Biothane-Maulkorb schützt also nicht vor ernsthaften Bissen – das kann ganz klar nur der Metallmaulkorb leisten.
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Richtig an den Maulkorb gewöhnen
Um eurem Vierbeiner das „Einsteigen“ in den Maulkorb beizubringen, nehmt kleine weiche Futterstücke oder eine Leberwursttube und schiebt diese vorne in den Maulkorb hinein. Zeigt eurem Hund den „Eingang“ des Maulkorbes und die darin liegenden Leckerlis. Nun soll er selbst herausfinden, wie er an die guten Sachen kommt. Der Maulkorb wird dabei noch nicht geschlossen! Traut der Hund sich seine Schnauze in den Korb zu stecken, wird er mit dem darin liegenden Futter belohnt und es wird sofort von vorne Futter nachgelegt oder an der Futtertube neue Leberwurst rausgedrückt. Der Hund soll den Maulkorb anfangs also mit etwas Positivem verbinden. Sobald kein Futter mehr im Maulkorb ist, ist auch der Maulkorb wieder weg. Dabei ist wichtig, dass der Mensch den Maulkorb aktiv wegnimmt und nicht der Hund lernt, sich durch Rückwärtsgang selbst aus dem Maulkorb zu befreien. Das hat erstmal Wiederholungsbedarf!
Klappt die Übung gut, schiebt der Hund seine Schnauze also freiwillig immer wieder in den Maulkorb hinein, wird der Vorgang jetzt mit geschlossenem Maulkorb versucht. Hier gilt: Solange der Maulkorb vom Hund getragen wird, muss auch Futter nachgelegt werden. Hört man auf zu füttern, wird auch der Maulkorb wieder heruntergenommen. Tipp: Um sich anfangs das ständige Öffnen und Schließen des Maulkorbes zu ersparen, kann es hilfreich sein, den Verschluss geschlossen zu lassen und den Halsriemen so weit zu stellen, dass man den Maulkorb einfach überstreifen kann, bis der Hund lang genug ruhig hält und ein Öffnen und Schließen zulässt. Das muss so kleinschrittig aufgebaut werden, dass der Hund gar nicht erst versucht, den Maulkorb beim Anlegen und kurzen Tragen abzustreifen.
Ist dieser „Trick“ gelungen, kann ein Signalwort wie „Einsteigen“ oder „Maulkorb“ etabliert werden.
Maulkorb tragen
Jetzt ist es an der Zeit, eurem Hund beizubringen, den Maulkorb auch über einen längeren Zeitraum aufzubehalten, ohne ständig stehen zu bleiben oder sich gar auf den Boden zu werfen und nicht mehr zu bewegen.
Startet dafür zu Hause bei euch im Wohnzimmer. Legt eurem Vierbeiner den Maulkorb an und entspannt euch: kuschelt z.B. auf der Couch oder auf dem Boden und krault euren Hund an den Ohren oder an seiner Lieblingsstelle. Erst nach einiger Zeit wird die Übung beendet und der Korb wieder abgenommen. Manchmal wird der Maulkorb getragen, während der Hund entspannt, dann darf es wieder eine ganze Futterportion durch den Korb gesteckt geben. Ziel ist, das Maulkorbtraining zu etwas Alltäglichem zu machen - vergleichbar etwa mit der Gewöhnung des Menschen an eine Brille. Je öfter man sie trägt, desto selbstverständlicher wird sie, bis man sie schließlich gar nicht mehr spürt.
Wurden die vorherigen Schritte gut trainiert und trägt euer Vierbeiner den Maulkorb nun entspannt zu Hause, kann es endlich nach draußen gehen. Legt den Maulkorb an und geht ein paar Schritte. Läuft der Hund gut mit, darf er gerne ab und zu belohnt werden. Auch hier gilt wieder, mal Spiel und Spaß mit dem Hund zu haben und diesen für das Tragen des Korbes zu belohnen, aber auch mal auf einer Parkbank oder in einem Restaurant zu sitzen und den Maulkorb einfach anzulegen.
Umso öfter der Hund in vielen verschiedenen Situationen lernt, den Maulkorb zu tragen, sei es im Alltag, oder beim Spielen mit dem besten Hundekumpel, desto schneller wird er sich an diesen gewöhnen.
Fazit
Ein Maulkorb muss wirklich gut passen und den Hund in seiner Freiheit möglichst wenig einschränken. Außerdem muss das Aufziehen des Maulkorbs schrittweise positiv aufgebaut werden. Wenn der Hund das gelernt hat und das Einsteigen in den Maulkorb eine Selbstverständlichkeit ist, geht es darum, den Hund an das Tragen in den unterschiedlichsten Situationen zu gewöhnen. Damit der Hund eine positive Verknüpfung lernt, sollten zu Beginn auch ausschließlich positiv belegte Situationen gewählt werden, wobei der Maulkorb immer länger getragen wird.
Wenn das passiert ist, ist ein Maulkorb keine Einschränkung, im Gegenteil kann er sogar mehr Freiheit bedeuten, wenn der Hund z.B. mit Maulkorb in den Freilauf darf, weil eben Leinen- oder Maulkorb-Pflicht herrscht.
Lasst uns das Tragen eines Maulkorbs also normalisieren. Es gibt so viele Gründe, warum ein Hund einen Maulkorb trägt, und der beste von allen ist: Weil er es kann.
Du brauchst Hilfe bei der Gewöhnung deines Hundes an einen Maulkorb? Dann komm zu uns ins Einzeltraining! Wir helfen dir im Aufbau und erklären dir, wie der Maulkorb für deinen Hund zur Selbstverständlichkeit wird.
Das Wichtigste auf einen Blick - Maulkorbempfehlungen:
Maulkörbe sollten gut, aber fest sitzen und dem Hund auf jeden Fall Gelegenheit zum Hecheln und Trinken bieten. Maulschlaufen, die das Öffnen des Hundemauls verhindern, sind gänzlich ungeeignet und seit 01.01.2025 lt. österreichischem Tierschutzgesetz verboten.
Ein guter Tragekomfort erleichtert dem Hund die Gewöhnung immens. Je nach Verwendungszweck raten wir zudem zu unterschiedlichen Produkten / Marken:
- Tragen des Maulkorbs aufgrund gesetzlicher Verpflichtung (z.B. in öffentlichen Verkehrsmitteln oder für den Freilauf):
Die österreichische Firma Bumas bietet maßgeschneiderte Maulkörbe aus weichem Kunststoff an, die noch dazu in vielen bunten Farben erhältlich sind. Damit wird der Eindruck vom "bösen Hund" nicht noch zusätzlich verstärkt. Mit dem Code "mrwien" bekommt ihr 10 % auf eure Bestellung. - Zur Bissprävention bei ernster Aggression eignen sich sog. Drahtmaulkörbe aus robustem Stahldraht am besten. Die Firma Chic & Scharf oder Unimon achtet dabei z.B. neben der Sicherheit auf einen besonders hohen Tragekomfort. Ein Stirnriemen ist zum sicheren Sitz des Maulkorbs unerlässlich.