Das musst du unbedingt trainieren

Lasse deinen Hund viele Geräusche selber auslösen. So fällt es ihm einerseits leichter, diese zuzuordnen. Denn, wenn ich selber über eine Raschelfolie gehe, so ist es für mich leichter nachzuvollziehen, woher diese Raschelgeräusche herkommen und die Geräusche werden kontrollierbarer. Andererseits stärkt es das eigene Selbstbewusstsein, was sozusagen ein "Gegenpol" zu ängstlichem Verhalten darstellt.
Welche Übungen könnten dies sein?
- Bringe deinem Hund bei, z.B. eine PET-Flasche zu rollen / zu stupsen. In einem zweiten Schritt kommen die ersten "Klimpergeräusche" hinzu und du befüllst du die Flasche mit Kieselsteinen, welche dein Hund nun über den Boden rollen / stupsen soll. In einem dritten Schritt kommen "Knallgeräusche" hinzu und du lässt deinen Hund die Flasche von einem Hocker oder einer Kiste runterrollen.
- Lasse deinen Hund "klimpernde Gegenstände" apportieren. So kannst du deinem Hund zum Beispiel beibringen, deinen Schlüsselbund zu apportieren oder die mit Kieselsteinen gefüllte PET-Flasche.
- Bringe deinem Hund bei "Türmchen" umzuwerfen. Baue eine Pyramide aus Büchsen oder Bechern und verstecke Leckerlis darunter. Schicke nun deinen Hund in die Suche und lasse ihn das "Türmchen" umwerfen.
- Lasse deinen Hund über raschelnde und knatternde Gegenstände laufen und verstecke Leckerlis darunter, sodass dein Hund in diesen raschelnden Gegenständen wühlen muss.
Grundidee all dieser Übungen ist, deinem Hund beizubringen, dass Knallgeräusche oder rumpelnde Töne einerseits auch etwas positives bedeuten können (er findet bspw. Leckerlis) und, andererseits dass auch er in der Lage ist, solche Geräusche selbst auszulösen (es kann also "nicht so schlimm" sein und es ist aus Sicht deines Hundes kontrollierbar).
Wie baut dein Hund Stress ab?
Finde zudem heraus, wie dein Hund am besten Stress abbaut und was deinem Hund hilft, zu entspannen. Geräuscheängstliche Hunde leiden oft unter starkem Stress, was leider dazu führt, dass sie noch wachsamer, empfindlicher und reizbarer werden, was sich wiederum negativ auf die Geräuscheängstlichkeit auswirkt. Es ist quasi ein sich verstärkender “Teufelskreis”.
Ein wichtiger Bestandteil ist somit, herauszufinden, wie du deinem Hund zu mehr Entspannung verhelfen kannst. Gewisse Hunde bauen Stress über Bewegung ab und haben “ein Lieblingshobby”. Sei es, dass sie es lieben, zu apportieren, Gegenstände zu umrunden oder an der Reizangel zu hetzen. Anderen hilft eine ruhige Beschäftigung oder Nasenarbeit, um zu entspannen. Hier denken wir bspw. an Fährtensuche, die Suche bestimmter Gegenstände oder eine “simple” Futtersuche.
Je eher du herausfindest, was deinem Hund Spass macht und ihn gleichzeitig entspannt, umso besser kannst du ihm damit in stressigen Situationen helfen, runterzufahren und “auf andere Gedanken zu kommen”. So hast du für nächstes Silvester die Möglichkeit, kurze “Beschäftigungspausen” einzubauen und deinen Hund die Knallerei (hoffentlich) vergessen zu lassen oder ihn zumindest etwas tun lassen, dass ihm Spass macht.
Unterschiedliche Untergründe und Hindernisse überwinden, Geräusche auslösen und Probleme lösen - All dies sind Übungen, die das Selbstbewusstsein deines Hundes stärken

Probleme selber lösen!
Wer kennt es nicht?! Das Lösen kniffliger Aufgaben lässt einen stolz werden und gibt einen “Boost” für das eigene Selbstbewusstsein.
Lasse deinen Hund im Alltag viel häufiger Erfolge feiern und Probleme auch mal selber lösen. Je mutiger dein Hund im Allgemeinen ist, umso weniger “wirft ihn eine auch mal heikle Situation” aus der Bahn. Baue folgende Übungen in den Alltag mit ein:
- Verstecke Gegenstände oder Leckerlis so, sodass dein Hund “zuerst etwas tun / lösen muss” um an sie heran zu kommen. Beispielsweise kannst du Gegenstände verbuddeln oder unter etwas legen und nur einen “Zipfel” rausschauen lassen oder sie an einem Seil / Tau befestigen und dein Hund muss den Gegenstand zuerst rausziehen, um an ihn heran zu kommen. Oder verstecke Leckerlis in einer Art und Weise, so, dass dein Hund zuerst über einen Baumstamm springen muss oder sie ausbuddeln muss, um an sie heran zu kommen.
- Verstecke Gegenstände / Leckerlis in einem Karton eingepackt in Raschelfolie, sodass dein Hund zuerst etwas “kaputt machen” / öffnen muss, um an sie heran zu kommen. Gleichzeitig löst er dadurch Geräusche selber aus und kann sie kontrollieren (vgl. oben).
Vertrauen stärken und "safe place" aufbauen
Wer sich seinen schlimmsten Ängsten stellen muss, der braucht 100% Vertrauen.
Du bist die Therapeutin bzw. der Therapeut deines Hundes. Nur, wenn dein Hund dir zu 100% vertraut, wirst du auch im Training gegen die “Knall-Angst” Fortschritte erzielen können. Achte im Alltag darauf, dass du für deinen Hund einstehst und sei klar und verbindlich. Regeln definieren einen Rahmen, geben Sicherheit und schaffen Verbindlichkeit.
Entgegen dem noch immer verbreiteten Mythos, dass man unsicheren Hunden keine Regeln und Grenzen definieren soll, würden doch gerade diese für Klarheit und damit auch Sicherheit sorgen. Gerade unsichere Hunde sind oft überfordert und kommen dadurch schlechter zur Ruhe, wobei ausreichend Schlaf gerade in stressigen Situationen umso wichtiger ist. Je souveräner und verlässlicher du im Alltag bist, umso eher wird sich dein Hund (von alleine aus) an dir orientieren und dir vertrauen. Das trainierst bzw. übst du nicht anhand “einzelner Tricks”. Welche Regeln sinnvoll sind, ist von Hund zu Hund individuell. Solltest du hier Unterstützung benötigen, so empfehlen wir dir, ein Einzeltraining zu nehmen - Wir helfen gerne!
Gleichzeitig empfiehlt es sich, zu Hause eine Liegestelle aufzubauen, auf welcher sich dein Hund zu 100% wohl fühlt und dort auch gut zur Ruhe kommt. Gewisse Hunde bevorzugen eine “Höhle”, bei denen sich eine Box anbietet. Andere Hund ziehen eine kuschelige, weiche Liegestelle vor und nochmals andere sind mit einer härteren Liegestelle zufrieden. Hier kommt es ganz auf deinen Hund an. Wichtig ist, dass dein Hund lernt, dass er dort weder gestört, noch bedrängt wird, sondern dort zur Ruhe kommen und entspannen kann.
Dieses “Deckentraining / Boxtraining” braucht einige Zeit und ist nicht innerhalb weniger Wochen aufgebaut. Daher lohnt es sich, wenn du dir bereits jetzt Gedanken darüber machst, damit dieser “sichere Ort” für deinen Hund bis nächstes Silvester auch wirklich ein “safe place” ist.
Gezielte Geräuschedesensibilisierung
Letztlich wirst du natürlich nicht darum herum kommen, auch gezielt Knallgeräusche zu desensibilisieren. Im besten Fall lernt dein Hund längerfristig, dass ein Knallgeräusch eine positive Folge auslöst und er verknüpft es somit nicht mit Angst und Schrecken, sondern vielleicht ja mit einer positiven Erwartungshaltung.
Da das Training und der Umgang mit Ängsten äusserst kleinschrittig aufgebaut werden muss und man vorsichtig sein muss, den Hund nicht zu traumatisieren, empfehlen wir dir, dir hierfür eine Hundetrainerin oder einen Hundetrainer beizuziehen.