Warum und wie spielen Hunde?

Erlernen von Verhaltensmuster und Schulen der Fertigkeiten
Spiel dient nicht nur dem entwickeln und verbessern der eigenen Fertigkeiten, sondern auch dem erlernen von Verhaltensmustern. Hunde “trainieren” nicht nur ihre Muskulatur und den Bewegungsapparat, vielmehr schulen sie ihre eigenen Verhaltensmuster und erlernen neue Handlungsoptionen. Die Variabilität möglicher Reaktionen und Verhaltensweisen steigt dadurch um ein vielfaches an. Sie bleiben somit auch flexibel und können sich künftig schneller und besser auf unterschiedliche Situationen einstellen.
Entwicklung von Sozialverhalten und festigen von Beziehungen
Durch das Spiel mit Artgenossen wird die Entwicklung des eigenen Sozialverhaltens gefördert und gestärkt. Vor allem durch gemeinsames Spiel erlernen (junge) Hunde, welche Regeln innerhalb eines Sozialverbands einzuhalten sind und welche Verhaltensweisen erwünscht oder unerwünscht sind.
Gerade, weil Hunde anderer Rassen, “ausgerüstet” mit anderen genetischen Veranlagungen, unterschiedlich spielen, ist es umso wichtiger, dass sie im jungen Alter viele unterschiedlich aussehende und handelnde, souveräne und gut sozialisierte Hunde kennenlernen. Dies erweitert den "Kommunikationsschatz" eines Hundes um ein Vielfaches.
Hunde erlernen aber nicht nur Regeln durch Spiel, sondern festigen auch die Beziehung zu anderen Artgenossen (und auch zu ihren Menschen). So ist doch auffällig, dass vor allem diejenigen Lebewesen ein ausgeprägtes Spielverhalten zeigen, die auch in einem Sozialverband leben. Jungtiere lernen dadurch auch ihre Stellung und Aufgaben kennen, was letztlich die Ordnung und Struktur innerhalb des Rudels / Familienverbandes festigt und stärkt. Dadurch entsteht weniger Unruhe, was wiederum weniger Stress bedeutet!

Genetische Veranlagungen
Die Rasse eines Hundes und die genetischen Veranlagungen sind für das Spielverhalten entscheidend und können nicht weggedacht werden. So spielt ein Jack Russel Terrier, der Jahrhunderte lang dazu gezüchtet wurde, selbständig zu jagen und sich gegebenenfalls mit Wildtieren in eine Auseinandersetzung zu begehen selbstverständlich anders, als ein Hund dessen Selbständigkeit weniger gefördert wurde, dafür aber dessen Neigung, sehr eng mit dem Menschen zusammen zu arbeiten und mit ihm eine sehr enge Beziehung einzugehen (z.B. Labrador Retriever).
Demgegenüber liegt es auch nahe, dass Hunde, die genetisch bedingt für den “körperlichen Einsatz" an Tieren (wie bspw. Treibhunde) gezüchtet wurden körperliche Spiele, die viel “Gerempel” und Körperkontakt mitbringen, bevorzugen als bspw. Windhunde die (genetisch bedingt) eine grössere Leidenschaft für Rennspiele haben.

Sozialspiele vs. Solitärspiele
Hast du dich schonmal gefragt, ob Hunde für sich alleine spielen können?
Spielt ein Hund für sich alleine, so spricht man von “Solitärspielen”. Ein Merkmal von Solitärspielen ist, dass der Hund sich keinem anderen Sozialpartner zuwendet. Im Vergleich zu anderen Spielformen kann man Solitärspiele bei Hunden, die mit uns im Haushalt leben, seltener beobachten, als bspw. Sozialspiele innerhalb der Familie oder mit anderen Hunden.
Spielen Hunde für sich alleine, so kann man am häufigsten Objekt- oder Körperspiele beobachten. Bei Körperspielen geht es unter anderem darum, die eigene Fitness zu “trainieren”, wogegen bei Objektspielen insbesondere eigene Fähigkeit geschult werden sollen.
Demgegenüber bezieht sich ein Sozialspiel immer auf einen Sozialpartner. Dabei erlernen Hunde nicht nur Sozialverhalten und ihre Aufgabe innerhalb eines Sozialverbandes kennen, sondern sie festigen die Strukturen und Beziehungen im Rudel. Zu den Sozialspielen zählen die sogenannten “Initialspiele” und “Kontaktspiele”. Letztere zeichnen sich durch starken Körperkontakt aus, wie dies bspw. bei Kampf- und Beissspielen der Fall ist. Demgegenüber zeichnen sich Initialspiele eher durch starke Bewegungen aus, wie bspw. Rennspiele und Verhaltensweisen die sich direkt an den Spielpartner richten und sog. “Aufforderungscharakter” haben.
