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von Chrissi⎥Dezember 2025

Eine kleine Weihnachtsgeschichte 
Zum Heiligen Abend, als alle Herrchen und Frauchen in der Kirche selig singen und beim ,,ihr Kinderlein kommet..." wie automatisch, in der Kirchenbank mit den Füßen in Abschirmposition gehen, kurz beim Gedanken an das
„Sitz bleib“
den Text vergessen und dann doch hoffen, dass der Nachbar es nicht gesehen hat, liegen die Hunde brav zu Hause und sinnieren über das vergangene Jahr. Jeder hatte ja so seine ganz eigenen Gedanken zu den Ereignissen der letzten Monate.

Die Mali-Mix Hündin liegt eingerollt in ihrer Box und träumt.
äh warte!
Die Mali-Mix-Maus liegt natürlich vor ihrer Box und wartet! Sie wartet und denkt:
Ach, was waren das früher noch Zeiten... hemmungslos andere Hunde anbrüllen, alles mampfen, was man findet, und wenn's dann doch zu langweilig wird, einfach geschwind was geschreddert, ein Traumleben.
 

Aber nein! Mutti schiebt sie ja immer noch regelmäßig in diese Hundeschule. Man mag es kaum glauben, da ist tatsächlich alles verboten.
Und der Vati ist ihr auch noch in den Rücken gefallen. Der hat nämlich immer Gesagt:
,,nördlicher als Frankfurt"
fahren wir nicht!
Und jetzt!? Bis an die Nordsee geht jetzt die wilde Jagd. Erholen soll man sich im Urlaub, haben sie gesagt,
mal die Seele baumeln lassen,
haben sie gesagt,
mal nicht an den Stress zu Hause denken,
haben sie gesagt.
Soso, schmunzelt die Mali-Maus vor sich hin, wolln doch mal sehen, wer da nächstes Jahr wen baumeln lässt.

In der Kirche ist der Pfarrer derweil bei der Predigt angekommen. Er spricht darüber, dass Eltern ihren Kindern viel zu wenig zutrauen, dass sie mehr Vertrauen müssten, damit Kinder auch mal ohne die elterliche Kontrolle Kontakt haben könnten, das wäre so wichtig für die Entwicklung.
Der Dame in der zweiten Bank bricht kurz der Schweiß aus.
 

„Ha“ denkt sie,
„Was diese Eltern zu wenig, sehe ich bei diversen Hundebesitzern aber definitiv zu viel."
Bevor sie sich wieder voll auf die Predigt konzentrieren kann, huscht es ihr durch den Hinterkopf
 

„der will nur spielen!"   

Die Karpaten-Connection hingegen hat sich's auf dem Sofa bequem gemacht. Muss man ja mal ausnutzen, wenn hier Platz ist. Das letzte Jahr war ja schon ziemlich erfolgreich.

3986-mal Frauchen in den Wahnsinn getrieben. 572 Katzen verbellt. Die Huta vollständig abgeschafft und die Mehrhundehaltung im Büro schlicht und ergreifend umgesetzt.

Aber was die sich da immer mit dieser Hundeschule denken, das ist beiden noch nicht so ganz klar.

Mal ist das ja ganz witzig, einfach ein bisschen rumsitzen, Bonbons mampfen und lieb gucken, aber ständig? Und dann immer dieses Warten, nur weil, „andere auch mal dran sind", das muss sich nächstes Jahr echt 

mal ändern, sonst nennt man sie am Ende noch Streber.


Das Krippenspiel ist in vollem Gange, Josef klopft an eine Herbergstür und aus einer der hinteren Reihen zischt es,
„auf deinen Platz".
Einige drehen sich verwundert herum, doch den Verursacher der Störung kann niemand ausmachen.


Der schwarze Labrador hockt bedröpelt im Büro und schmollt.
Gelassenheit hat sie auf ihren Wunschzettel geschrieben,
dass er ihr zuhören soll, wenn sie mit ihm spricht auch.
Dass er sich mal länger als 2 Sekunden auf eine Aufgabe konzentriert und mit ihr zusammen arbeiten....
Die hat vielleicht Ideen.
Er hatte sich das so schön ausgemalt.
Erst das Sofa und dann die Weltherrschaft.
Alles schon geplant, alles schon organisiert.

Und dann kamen die Mädels. Er kann ja nix dafür, wenn die ihn so großartig finden und er kann ja auch nix dafür, wenn die anderen Rüden immer alle so blöd gucken, er hat ja nie angefangen,
sagt er.

So schön hätte das werden können, und?
Nix war's!
Jetzt hockt er da, ganz ohne sein Mut- Hormon und kann sich noch so sehr dagegen sträuben, er findet sie einfach toll. Egal wie er es dreht und wendet,
Frauchen ist einfach die Größte.
Da kann man nix machen, schnauft er noch, als er heimlich direkt vor die Tür robbt,
werd' ich halt doch brav.


Der Sammelhut geht durch die Kirchenbänke.
Heute soll der Erlös an eine Organisation gehen, die Kindern neue Schuhe kauft. Der ein oder andere legt etwas in den Hut, denkt dabei an die vielen Paare, die zu Hause, bis zur Unkenntlichkeit zernagt unter der Kellertreppe liegen und hätte wohl auch ganz gerne mal eine Spende für ein neues Paar.

Eine kleine weiße Spitz-,,Rüdin" schleicht derweil heimlich zu Hause um den Christbaum.
Eigentlich steht der Baum ja in meiner Wohnung.
Eigentlich könnte man den doch mal ganz kurz anpullern.
Eigentlich ist ja auch keiner da, der das sehen könnte, und
eigentlich täte sie ja schon mal ein bisschen müssen.
Aber da sind ja noch die lästigen Mitbewohner
die Samtpfoten.
Die verpfeifen sie dann wahrscheinlich eh wieder.
Also lässt sie den Christbaum schweren Herzens Christbaum sein, klettert auf die Fensterbank und schaut mal, was es auf dem Gehweg so zu kontrollieren gibt.


Die Glocken beginnen zu läuten, die Gemeinde singt gemeinsam mit dem Chor
“macht hoch die Tür...”
und in einer Reihe sinniert darüber, ob denn auch sicher die Wohnzimmertür zu ist und ob die Schuhe auch hoch genug auf der Treppe stehen, um den Kirchgang zu überleben.

 

Eine gar nicht sooo jagdliche Krisenmanagerin zieht nur noch als Beule unter einer Kuscheldecke zu erahnen gut verpackt Bilanz.
Das Jahr war ein einziger Zirkus.
Erst generalstabsmäßig geplantes Bespaßungsprogramm und dann ...
Lazarett mit Ersatzpersonal.
So geht das doch nicht!
Zweimal schmatzt sie noch, dann plant sie akribisch, was das neue Jahr so bringen soll.

Die weihnachtliche Ruhe und Besinnlichkeit werden jäh durchbrochen. 

Es bellt.
Es bellt laut.

Eine Beagle-Hündin hockt in einem Flur und bellt.
Sie bellt schon lange.
Eigentlich weiß sie auch schon gar nicht mehr, wieso sie da hockt und bellt.
Aber sie bellt.
Es zieht schon ein bisschen im Hals. Blöd findet sie die Bellerei ja eigentlich eh, aber sie bellt,

 

alleine schon aus Prinzip.
Und dieses Energiebündel mit Sofa-Modus?
Der Typ, der da letztes Jahr bei ihr eingezogen ist, der liegt einfach nur da und guckt doof.
Zu nix zu gebrauchen, der kleine Streberganz klar “typisch Mann".
Wenn's richtig werden soll, muss man's halt selber machen, denkt sie und bellt monoton weiter.
Zu nix zu gebrauchen?
Moment mal, protestiert der junge Rüde.
Ich beschäftige hier alle 24/7 mit meiner Lebensfreude im Mini-Format. Ist das etwa nix?
Und letzthin habe ich die Glastüre angebellt, weil Mutti sich drin gespiegelt hat. Das war doch für den Anfang schon ganz gut, oder nicht?
Das entlockt der Hündin nicht mehr als ein heiseres
„Pff",
Miniformat, wer's glaubt.
Aber ein klitzekleines bisschen Recht hat er, so ganz allmählich ist er vielleicht doch zu gebrauchen, aber wirklich nur ein bisschen.

Die Kirche ist zu Ende, alle strömen heraus, verabschieden sich von den Nachbarn, wünschen noch ein besinnliches Fest und treten die Heimreise an.

In Gedanken natürlich ,,ob der Baum noch steht?"

“hoffentlich hat sie nicht die ganze Zeit gebellt".

Alle freuen sich auf die nun beginnende Pause, die besinnliche, ruhige Zeit. Und doch keimt bei jedem Spaziergang in jedem die Vorfreude auf das neue Jahr und auf die Zeit, die wir dann wieder gemeinsam miteinander verbringen und übend werden.

 

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