Zum Hauptinhalt

Landseer

Steckbrief

FCI Standardnummer: 226
Widerristhöhe Hündin: zwischen 67 und 72 cm
Widerristhöhe Rüde: zwischen 72 und 80 cm
FCI Gruppe: Pinscher und Schnauzer, Molossoide, Schweizer Sennenhunde
Herkunftsland: Deutschland / Schweiz
Fellfarbe: Weiß mit zerrissenen schwarzen Platten auf der Rumpf- und Kruppenpartie, der Kopf ist schwarz
Fellbeschaffenheit: Lang, möglichst schlicht und dicht, Deckhaar durchsetzt mit Unterwolle

Großer Menschenretter mit kleinem "Herdenschutzhunderbe"

In England waren die großen Hunde vor allem beim Adel beliebt und wurden dort unter der Bezeichnung „Newfoundland Dogs“ immer bekannter. Seit der Gründung des Newfoundland Clubs im Jahr 1886 versuchte man Zuchtbemühungen und -ziele zu konkretisieren, bis ein Streit um die Festlegung des Rassestandards entbrannte und der ursprüngliche weiß-schwarze Typ der Hunde zugunsten einer Stärkung des schwarzen Typs immer weiter verdrängt wurde. Einige Kynologen und Züchter aus der Schweiz und aus Deutschland bemühten sich zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts um eine Wiederbelebung des weiß-schwarzen Typs, führten dazu einige für die Zucht einsetzbare Hunde ein und begründeten die Reinzucht der Landseer. Der Name der neuen Rasse geht zurück auf die Motive des im neunzehnten Jahrhundert bekannten Tiermalers Edwin Landseer, der am liebsten weiß-schwarze Hunde malte. Landläufig bekamen die Hunde daher bald den Namen „Landseer Dogs“. 1960 wurde der Landseer als eigenständige Rasse anerkannt.

Anders als von den Kynologen erwartet, verschwand der schwarz-weiße Neufundländer nicht, er besteht weiterhin neben dem neu entstandenen Landseer. Optisch unterscheiden beide sich dadurch, dass der Landseer einen etwas längeren Fang und einen zarteren Kopf hat, er etwas größer als der Neufundländer ist und vom Bewegungsmuster her etwas agiler.

Größe und Aussehen des Landseers

Hündinnen werden etwa 67 bis 72 cm groß, Rüden etwa 72 bis 80 cm, wobei die Schulterhöhe schwanken darf. Die Figur der Hunde ist kräftig und muskulös, die Ohren sind hoch angesetzt und liegen dicht an. Das Deckhaar ist gewellt, leicht und fein und hat dichte Unterwolle. Hals, Bauch, Brust, Rute und Beine müssen weiß sein, während der Kopf schwarz mit einer symmetrischen weißen Blesse ist. Das Fell muss regelmäßig gekämmt und gebürstet werden, da es sonst leicht verfilzt.

Wachsamer Menschenretter

Ebenso wie der Neufundländer ist der Landseer eine absolute Wasserratte. Im neunzehnten Jahrhundert war er bekannt dafür, Menschen eigenständig aus dem Wasser zu retten. Auch heute noch wird der Landseer als Wasserrettungshund, aber auch als Lawinensuchhund eingesetzt. Da der Landseer den Kontakt zu seinen Menschen liebt und bei Menschen eine hohe Reizschwelle hat, wird er auch gern als Familienhund gehalten. Hier kommt er in der Regel trotz seiner Größe gut mit den kleinsten Familienmitgliedern zurecht. Allerdings muss man sich darüber im Klaren sein, dass der Landseer durchaus wachsam ist und dazu neigt, sein Haus und seine Familie im Ernstfall vor Eindringlingen zu schützen. Umso wichtiger ist es, den Landseer früh und umfassend zu sozialisieren, um ihn an seine zukünftigen Lebensbedingungen zu gewöhnen und das Zusammenleben mit dem großen Hund so zu regeln, dass die territoriale und soziale Verantwortung bei seinen Menschen liegt.

Der Landseer ist zwar nicht für längeres Joggen, Fahrradfahren oder extrem agile Beschäftigungsformen geeignet, freut sich aber über Such- und Apportieraufgaben oder auch Mantrailing.

Gesundheitliche Probleme des Landseers

Folgende Krankheiten kommen häufiger beim Landseer vor:

  • Hüft- und Ellenbogengelenksdysplasie (HD / ED)
  • Osteochondrosis dissecans (Osteochondrose, kurz OCD): Eine schmerzhafte Wachstumsstörung, bei der sich Knorpel im Gelenk (oft Schulter, Ellbogen, Knie) ablöst, was zu Lahmheit führt. Betroffen sind meist junge, schnell wachsende große Rassen.
  • Knochenkrebs
  • Magendrehung
  • Cystinurie: Erbliche Störung mit Harnsteinbildung, die operativ behandelt werden muss.
  • Thrombozytopathie (CTP): Genetisch bedingte Funktionsstörung der Blutplättchen (Thrombozyten), die trotz normaler Plättchenzahl zu einer gestörten Blutgerinnung und erhöhter Blutungsneigung führt. Sie erfordert Vorsicht bei Operationen sowie Verletzungen.
  • Degenerative Myelopathie (DM): Eine unheilbare, langsam fortschreitende Nervenerkrankung bei älteren Hunden (meist ab 8 Jahren), die zu Lähmungen der Hinterhand führt. Sie verursacht Schmerzen, ähnelt der ALS beim Menschen und wird durch eine Mutation im SOD1-Gen ausgelöst.
  • Muskeldystrophie (MD): Eine meist erblich bedingte, degenerative Muskelerkrankung, die zu fortschreitendem Muskelschwund, Schwäche und oft Kardiomyopathie führt.

Landseer haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von 9 bis 10 Jahren.