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Interview mit Laura Müller zum Lebenszyklus Welpen

Hundetrainerin Laura Müller mit Welpen

Laura Müller leitet seit über sieben Jahren die Martin Rütter Hundeschule in München und Freising. Sie bietet neben Einzel- und Gruppentrainings auch Seminare und Vorträge zu verschiedenen Schwerpunkten an.

Welpen

Warum ist die Welpenzeit für dich die schönste Zeit im Lebenszyklus des Hundes?

Nach langer Zeit des Wartens war er endlich da, der Moment, an dem ich meinen Labrador Retriever Welpen für ein Abschlussfoto bei der Züchterin in den Armen hielt. „Blue“, so sollte er ab sofort heißen, schaute mich mit seinen großen Augen vertrauensvoll an und legte sein Glück in meine Hände. Ab sofort war es meine Aufgabe, mich um ihn zu kümmern, seine Bedürfnisse zu erkennen und vor allem eine Partnerin zu werden, auf die er sich immer verlassen kann.

Ich finde es immer wieder faszinierend, wie ein Welpe sein Umfeld begeistert und ein Strahlen in die Gesichter vieler Menschen zaubert. Diese Offenheit neuen Erfahrungen gegenüber ist besonders für diese Zeit. Gerade dann, wenn der Welpe in seinen ersten Lebenswochen gut geprägt und sozialisiert wurde, kann ich die nun folgende Zeit nutzen, damit er alles das kennenlernt, was in seinem späteren Leben für ihn wichtig sein wird. Das gilt sowohl für Umweltreize und Alltagssituationen, aber natürlich auch für das Training. Spielerisch kann ich den Welpen so auf unser gemeinsames Leben vorbereiten. Das macht uns beiden nicht nur Spaß, sondern schweißt uns auch zusammen.

Was sind die Herausforderungen mit einem Welpen?

Das Zusammenleben mit einem Welpen bedeutet nicht nur viel Freude, es ist auch anstrengend und oftmals sehr einschränkend. Der Alltag verändert sich durch die Bedürfnisse eines Welpen oft gravierend. Das geht schon los mit der noch nicht vorhandenen Stubenreinheit. Alle zwei bis drei Stunden sowie nach jedem Schlafen, Fressen oder Spielen muss sich ein Welpe lösen. Und immer dann, wenn du gerade einmal zwei Minuten nicht aufmerksam bist, passiert es doch, und dein Welpe hinterlässt eine kleine Pfütze, sodass erst einmal wieder Putzen angesagt ist.

Zudem kann ein Welpe noch nicht alleinbleiben. Als Blue bei uns einzog, mussten wir den Alltag neu organisieren. Mein Partner und ich hatten jeweils nacheinander zwei Wochen Urlaub genommen, sodass immer einer für Blue da war. Auf längere Spaziergänge mit unseren erwachsenen Hunden konnten wir in der Zeit nur getrennt gehen, denn nach spätestens einer halben Stunde war Blue müde und erschöpft.

Was braucht ein Welpe besonders von seinem Menschen?

Ich finde es sehr wichtig, dass der Welpe vom ersten Tag an weiß, was von ihm erwartet wird. Klare Regeln und Strukturen geben ihm Orientierung und Sicherheit. Dabei geht es gar nicht um die Frage, ob der Welpe nun auf der Couch oder im Bett liegen darf. Ich persönlich finde es einfach wunderschön, wenn sich Blue auf der Couch eng an mich drückt, um mit mir zu kuscheln. Doch wenn die Regel, dass der Hund in seinem Körbchen liegen soll, einmal aufgestellt wurde, gilt es, sie auch dann durchzuhalten, wenn der Welpe versucht mit einem treuen Blick aus seinen großen Augen, die Menschen um den Finger zu wickeln.

Was sind Fehler, die man mit einem Welpen vermeiden kann?

Man darf nicht vergessen, dass der Welpe noch „ein Baby“ ist. Alles, was er erlebt, ist neu und damit aufregend für ihn. Er braucht Zeit, um die neuen Eindrücke zu verarbeiten. Ich habe daher mit Blue nur einmal am Tag eine besondere Aktivität unternommen. Doch man muss dabei nicht von Highlight zu Highlight hetzen. Manche Menschen sind so damit beschäftigt, den Plan, was der Welpe alles kennenlernen soll, abzuarbeiten, dass sie vergessen, dass dieser auch einfach mal „zur Ruhe kommen muss“. Daher gab es bei uns immer wieder auch Tage, an denen wir einfach nur im Wald spazieren waren, ohne dass es etwas Neues zu erkunden gab.

Erzähle uns eine lustige und / oder emotionale Geschichte aus deinem persönlichen Erleben?

Auch wenn ich als Hundetrainerin natürlich weiß, wie ich meinem Welpen neue Signale beibringe, habe ich mit Blue eine Welpengruppe besucht. Der Kontakt zu anderen Welpen ist in dieser Zeit sehr wichtig. Nach einer kurzen Begrüßung war es so weit, die Kleinen durften miteinander spielen. Das Geschirr wurde abgenommen, und auf „Go“ liefen alle los, um die Spielkameraden kennenzulernen. Naja, nicht alle … Ein Welpe blieb bei seinem Menschen. Das war er - mein Blue. Er schaute mich fragend an: „Und was machen wir jetzt?“ Ich war darüber sehr berührt, denn offensichtlich war ich für ihn bereits wichtiger geworden als die anderen Welpen.