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Zwei Tage im Tierheim Free Amely – Einblick in den Alltag rumänischer Tierheime

Anfang Mai, kurz dem Frühlingsfest und der Jahreshauptversammlung der Martin Rütter Hundeschulen in Köln, reiste ich gemeinsam mit Daria Skrzypczak von der Martin Rütter Hundeschule Aarau / Baden für zwei Tage nach Rumänien, um das Tierheim Free Amely 2007 in der Nähe von Lugoj zu besuchen. Eigentlich war die Reise mit einem klaren Ziel geplant: Wir wollten einen bestimmten Hund kennenlernen und prüfen, ob er als Begleithund geeignet wäre. Doch das Schicksal meinte es gut – Vanja, die Hündin, fand noch vor unserer Abreise ein neues Zuhause. Anstatt unsere Reise abzusagen, beschlossen wir: Jetzt erst recht – wir nutzen die Gelegenheit, um zu helfen, zu lernen und tiefer in die Realität rumänischer Tierschutzarbeit einzutauchen.

Zwischen Erwartung und Realität

Mit der Eröffnung der Hundeschule und anderen Veranstaltung, wie die Show von Martin Rütter in Zürich, hatte ich ehrlich gesagt wenig Zeit, mich auf die Reise gross vorzubereiten. Es wurde also der Flug und ein Mietauto gebucht, die Buchung der Übernachtungsmöglichkeit übernahm Daria und das wars dann auch meinerseits. 

Ich kannte Tierheime aus der Schweiz, hatte während meiner Ausbildung in Bonn mit verschiedenen Einrichtungen zu tun und kannte auch einige Tierheime aus Portugal – sowohl private mit liebevoller Betreuung als auch öffentliche, die oftmals unterfinanziert und überfordert sind. Mein inneres Bild war geprägt von letzterem. Als wir am Gelände von Free Amely ankamen und von drei neugierigen Streunern begrüsst wurden. Einer davon meinte es wohl etwas zu wörtlich mit der Gastfreundschaft - und markierte unser Auto. Willkommen in Rumänien!

Das Tierheim war nicht luxuriös, aber es war geprägt von Herzblut und Respekt. Die Hunde hatten mehr Platz, als ich erwartet hätte, und die Atmosphäre war ruhig, fast familiär. Das lag nicht zuletzt am Team vor Ort: Daniel, der das Heim gemeinsam mit seinen Eltern führt, empfing uns offen und freundlich. Dass alle Deutsch sprachen, erleichterte den Einstieg enorm – aber auch ohne gemeinsame Sprache hätten uns wohl die Hunde miteinander verbunden.

Arbeit, Arbeit und noch mehr Arbeit

Nach einer kurzen Einführung ging es direkt los. Es wurde uns eine Schaufel und ein Rechen in die Hand gedrückt und los geht's. Unser Aufgabenbereich: Putzen, füttern, versorgen – und präsent sein. Was so simpel klingt, war in der Umsetzung herausfordernd und gleichzeitig zutiefst sinnvoll. Die körperliche Arbeit bei hohen Temperaturen, das ständige Bellen im Hintergrund, der Geruch nach Futter, Reinigungsmitteln und Ammoniak – all das wirkte unmittelbar. Wir kamen an unsere Grenzen. Und wurden gleichzeitig belohnt: mit wedelnden Schwänzen, neugierigen Blicken und vorsichtigen Annäherungen. Die Zeit am Nachmittag, nach der Fütterung und Reinigung, nutzten wir dafür, uns zu den Hunden zu setzen. natürlich sass man gerne mal zu den Lieblingen, aber vor allem ist es auch wichtig, dass die Ängstlichen Hunde positiven Kontakt mit Menschen Erleben. 

Viele Hunde suchen aktiv den Kontakt. Andere bleiben auf Abstand – ob aus Angst, Misstrauen oder schlicht aus Gewohnheit. Besonders berührend war für mich der Moment, als sich ein ängstlicher Rüde, der sich den ganzen Vormittag in eine Ecke gedrückt hatte, langsam zu mir setzte und meine Nähe zulassen konnte. Diese kleinen Fortschritte sind es, die zeigen, wie viel Kraft in Geduld und Präsenz liegt. Oder auch Bella, eine Mischung aus Herdenschutz- und Hütehund, die anfangs sehr ängstlich war und sich irgendwann zu Daria hingelegt hat und um Leckerchen bettelte.

Gespräche, die hängen bleiben

In den Pausen kamen wir mit Daniel ins Gespräch. Er erzählte uns von der Geschichte des Tierheims, den täglichen Herausforderungen und der Situation rund um die Streunerproblematik in Rumänien. Viele Hunde kommen aus öffentlichen Tierheimen, aus schlechten Haltungsbedingungen oder werden direkt von der Strasse gerettet. Manche wurden einfach vor dem Tor angebunden – zurückgelassen wie ein altes Möbelstück. Was Free Amely aber besonders macht, ist die Haltung dahinter: Jeder Hund zählt. Jeder bekommt die Chance, gesehen zu werden.

Das Tierheim lebt von der Unterstützung freiwilliger Helfer:innen – vor allem aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und anderen Ländern. Man spürt, wie viel Engagement, Struktur und Professionalität dahinterstecken. Es ist kein Ort des Mitleids, sondern ein Ort des Handelns.

Was bleibt – und warum ich wiederkomme

Die zwei Tage haben mich verändert. Ich habe gelernt, wie wichtig jede helfende Hand ist. Nicht nur um die Zwinger zu reinigen oder die Welpen zu betreuen. Vor allem auch um Arbeiten zu leisten, die allein nicht möglich sind. Es gibt Zeiten im jahr, zu welchen Daniel alleine alle Hunde Versorgen muss. Da ist keine Zeit um Schläuche zu reparieren oder gross aufzuräumen. Auch dafür braucht es Hände. Als Wir da waren, haben zwei Jungs Daniel unterstützt, ein Dach über die Zwinger zu bauen. Ausserdem ist die Erfahrung unbezahlbar, was es bedeutet im Tierschutz die Näpfe selbst zu füllen, einen Zwinger auszumisten oder sich zu einem Tier zu setzen, das gelernt hat, Menschen zu fürchten.

Ich werde wieder kommen. Vielleicht finde ich ja auch Kund:innen, die Lust haben, mich dabei zu begleiten. Weil Hilfe nicht nur in Geld gemessen wird, sondern auch in Zeit, Aufmerksamkeit und echter Zuwendung. Und weil ich überzeugt bin, dass wir alle – mit kleinen Taten – einen Unterschied machen können.

Was du tun kannst

Wenn du überlegst, wie du helfen kannst – hier ein paar konkrete Möglichkeiten:

  • Fahre selbst hin. Um mitanzupacken, Kontakte zu knüpfen und den Alltag zu verstehen.
  • Spende gezielt. Free Amely kann jede Form von Unterstützung gebrauchen.
  • Teile diese Geschichte. Aufklärung hilft. Je mehr Menschen von Orten wie diesem erfahren, desto grösser ist die Chance auf Unterstützung und Adoptionen.