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Mein ehrenamtliches Engagement beim Zürcher Tierschutz – Ein Morgen für die Hunde, die ein Zuhause suchen

Warum mir dieses Engagement so wichtig ist

Tierschutz begleitet mich schon lange, aber mir ist vor allem gut gemachter Tierschutz wichtig: sorgfältige Abklärungen, passende Vermittlungen und ein respektvoller Umgang mit den individuellen Bedürfnissen der Tiere. Im Tierheim treffen so viele verschiedene Hundepersönlichkeiten aufeinander – mit ihren Geschichten, Erfahrungen und manchmal auch ihren Päckchen. Genau hier anzusetzen, fühlt sich für mich richtig an.

Einmal pro Woche stehe ich deshalb nicht „klassisch“ mit euch im Gruppen- oder Einzeltraining, sondern mitten im Alltag des Tierheims. Dort arbeite ich mit Hunden, die gezieltes Training brauchen, aber auch mit jenen, die „einfach nur“ Beschäftigung und mentale Auslastung benötigen. Besonders am Herzen liegen mir dabei die Hunde, die schon länger im Tierheim sind – denn für sie kann jede gelungene Trainingseinheit ein Baustein auf dem Weg in ein neues Zuhause sein.

Ein Morgen pro Woche ganz für die Tierheimhunde

Mit meiner Unterstützung im Tierheim habe ich nicht das Ziel, „fertige“ Hunde zu formen, sondern ihnen Werkzeuge für den Alltag mitzugeben: Strategien, um mit Unsicherheit umzugehen, bessere Impulskontrolle zu entwickeln oder in stressigen Situationen ansprechbar zu bleiben. Manchmal heisst das konzentriertes Leinentraining, manchmal ruhiges Schnüffeln auf einem Spaziergang – individuell auf den Hund und den Tierheimalltag angepasst.

Die Arbeit ist so bunt wie die Hunde selbst: junge Wirbelwinde, die Grenzen testen; ältere Hunde, die schon viel erlebt haben; sensible Seelen, die bei neuen Menschen zunächst Abstand brauchen. Jeder Hund bringt seine eigene Geschichte mit – und genau das macht die Arbeit im Tierheim so wertvoll und lehrreich für mich.

Piper – wenn Misstrauen Schritt für Schritt weicher wird

Eine Hündin, mit der ich aktuell regelmässig arbeite, ist Piper. Piper ist neuen Menschen gegenüber sehr unsicher und zeigt das auch deutlich. Sie entscheidet sehr genau, wen sie in ihrer Nähe duldet – und mich persönlich zählt sie eher nicht zu ihren Lieblingsmenschen. Ideal also, um an genau diesem Thema zu arbeiten.

Unser gemeinsames Ziel ist, dass Piper ein Alternativverhalten etabliert, das ihr Sicherheit gibt: Statt nach vorne zu gehen und Menschen wegzuhalten, soll sie lernen, sich an ihrem Bezugsmenschen zu orientieren. Das klingt nach einem simplen Trainingsziel, ist aber für einen Hund wie sie eine grosse Herausforderung.

Was die Tierheimarbeit mit meinem Training zu tun hat

Meine Zeit im Tierheim ist kein „extra“ neben meiner Arbeit als Hundetrainer – sie ist ein wichtiger Teil davon. Hier kann ich mein Wissen über Tierschutzhunde nicht nur anwenden, sondern ständig vertiefen. Viele Hunde im Tierheim bringen Themen mit, die mir auch in meinen Trainings im Alltag immer wieder begegnen: Unsicherheit, Leinenaggression, Frustration, schlechte Erfahrungen mit Menschen oder schlicht ein Mangel an strukturiertem Training.

Die Zusammenarbeit mit dem Hundeteam des Zürcher Tierschutzes erlebe ich als fachlich stark, kollegial und sehr offen. Der Austausch mit dem Team ist eine riesige Lernchance: Wir besprechen Fälle, teilen Beobachtungen und überlegen gemeinsam, welcher Ansatz für welchen Hund sinnvoll ist. Diese Erfahrungen fliessen direkt in mein Training ein – egal, ob es um Tierschutzhunde oder Familienhunde geht, die „nur“ an ein paar Alltagsbaustellen arbeiten möchten.

Für Menschen mit „besonderen“ Hunden

Gerade wer mit einem Tierschutzhund oder einem Hund mit Vorgeschichte lebt, kennt die Mischung aus Liebe, Sorge, Frust und Hoffnung. Nicht jeder Hund bringt ideale Startbedingungen mit, und nicht jede Verhaltensweise verschwindet mit einem einfachen „Sitz, Platz, Bleib“.

Durch meine Arbeit im Tierheim sehe ich sehr deutlich, wie viel Potenzial in diesen Hunden steckt – aber auch, wie viel Feingefühl, Geduld und Fachwissen es manchmal braucht, um dieses Potenzial hervorzuholen. Wenn du mit einem Hund lebst, der dich im Alltag besonders fordert, Unsicherheiten zeigt oder in bestimmten Situationen „explodiert“, darfst du dir Unterstützung holen – auch bei schwierigen Fällen.

Meine Arbeit mit Tierheimhunden hilft mir, auch herausfordernde Fälle besser zu verstehen und passende Wege zu finden, wie Mensch und Hund im Alltag wieder mehr Sicherheit und Entspannung finden können. Und manchmal beginnt Veränderung genau da: bei einem Menschen, der sich traut, hinzuschauen und Hilfe anzunehmen – und einem Hund, der eine zweite oder dritte Chance bekommt.