Interview mit Franziska Herre zum Signal "Stopp"

Franziska Herre leitet seit über dreizehn Jahren die Martin Rütter Hundeschulen Erfurt / Weimar und Jena / Gera. Ihre Golden Retriever Nepomuk und Kasimir begleiten sie im Alltag und im Job. Mit Kasimir ist sie im Dummytraining aktiv und startet ab und an auf Prüfungen.
Stopp
Warum ist das dein Lieblingssignal / das Lieblingssignal deines Hundes?
Das Stopp Signal gehört für mich zu den wichtigsten Signalen im Alltag mit meinen Hunden. Es kann in vielen unterschiedlichen Situationen genutzt werden. Außerdem benötige ich es für unseren Lieblingssport – das Dummytraining. Weiß der Hund nicht, dass an einer bestimmten Stelle ein Dummy liegt, muss ich ihn dorthin einweisen. Dafür schicke ich ihn zunächst voran. Weicht er von der Linie ab, was in schwierigem Gelände nicht selten ist, muss er das Stopp-Signal annehmen, damit ich danach die Richtung korrigieren kann, indem ich ihn weiter nach links oder rechts schicke.

Wie wird das Signal genau aufgebaut?
Für meine Hunde bedeutet „Stopp“, dass sie sich unverzüglich setzen und auf weitere Signale von mir warten sollen. Für den Aufbau benutze ich das verbale Signal „Sitz“ mit dem dazugehörigen Sichtzeichen, dem gehobenen Zeigefinger. Sobald mein Hund sich setzt, füge ich das neue Signal „Stopp“ hinzu und belohne ihn. Schrittweise wird nun das verbale Signal „Sitz“ abgebaut, so dass allein das Sichtzeichen ausreicht.
Noch einfacher lässt sich der Aufbau des Signals in Momente integrieren, in denen dein Hund bereits automatisch eine Sitzposition einnimmt. Hat er beispielsweise beim Fußlaufen gelernt, sich sofort abzusetzen, wenn du stehenbleibst, kannst du hier einfach ohne vorheriges „Sitz“ das „Stopp“ hinzufügen, sobald du anhältst.
Sehr schnell wird dein Hund verstanden haben, dass er sich auf das neue Signal absetzen soll. Nun gilt es, das „Stopp“ durch unterschiedliche Übungen zu festigen und zu generalisieren. Egal ob dein Hund neben oder vor dir läuft, auf dem Weg zu dir oder von dir weg ist. „Stopp“ bedeutet von nun an immer, dass er sich sofort absetzen soll. Funktioniert das gut, werden schrittweise Außenreize hinzugefügt und du baust die Distanz zwischen dir und deinem Hund immer weiter aus.

Was sind Fehler, die man vermeiden kann?
Ein kleinschrittiger Aufbau minimiert Fehler! Funktioniert das „Stopp“ im Nahbereich noch nicht zuverlässig, kannst du es nicht auf Distanz ausbauen. Läuft dein Hund beispielsweise nach dem Signal noch ein paar Schritte auf dich zu, musst du den Abstand zwischen dir und deinem Hund wieder verkleinern. Hast du die sitzende Position als „Stopp“ aufgebaut, so reicht stehenbleiben und warten nicht aus. Konsequenz wird also wie immer großgeschrieben.
Wichtig für ein sicheres „Stopp“ ist, dass du deinen Hund immer an Ort und Stelle belohnst. Wenn auf das „Stopp“ immer eine Freigabe aus der Ferne oder ein Rückruf folgt, entsteht eine hohe Erwartungshaltung, die das sichere Bleiben auf einer Stelle erschwert.

Wofür ist das Signal im Alltag wichtig?
Ein zuverlässiges „Stopp“-Signal kann im Alltag Situationen lösen, in denen ein Rückruf nicht nötig oder möglich ist. So stoppe ich meine Hunde beispielsweise vor unübersichtlichen Kreuzungen und Biegungen ab und gehe vor, um diese einzusehen. Kommt ein Fahrradfahrer so schnell, dass ich keinen Rückruf mehr geben kann, nutze ich das Stopp, um meine Hunde abzusetzen und Kollisionen zu vermeiden. Außerdem eignet es sich als Alternative zum Rückruf bei jagdlich passionierten Hunden, insbesondere bei den Vorstehhunden. Das Absitzen kann für einen Hund im hohen Erregungslevel deutlich leichter umsetzbar sein als das Wegdrehen vom Reiz, die Rückorientierung und das Zurückkommen zum Menschen.

Kannst du von einer lustigen Geschichte zum Training aus dem Kreis deiner Kunden und Kundinnen berichten?
Neben dem Absitzen als „Stopp“ ist natürlich auch das Ablegen oder das zuverlässige Stehenbleiben denkbar. Dass dies je nach Hund entschieden werden sollte, verstand ein Kunde mit einem Rhodesian Ridgeback Rüden erst, als es draußen herbstlicher wurde. Der junge Hund ließ sich zwar über die Frühlings- und Sommermonate ganz hervorragend mit einem „Down“ beim „Stopp“-Signal trainieren, war dann jedoch ziemlich verzweifelt, als die erste Pfütze seinen Bauch berührte. Wir haben uns natürlich den Eigenheiten der Rasse gebeugt und gemeinsam das „Stopp“-Signal mit Stehenbleiben erneut aufgebaut.